Auswandern nach Polen?

Auswandern nach Polen?

Deutschland verlassen im Jahr ca 8000 Menschen in Richtung Polen.

Was macht Polen lebenswert?

Noch sind die Lebenshaltungs- und Energiekosten in der Republik Polen günstiger als in Deutschland. Dennoch kämpft das Land, das den Euro nicht eingeführt hat auch mit einer Inflation von z.Zt. 8,87 %.

Die Gehälter gegenüber deutschen Löhnen fallen geringer aus. Allerdings ist es trotzdem möglich auf dem Land und in Kleinstädten Wohnungen zu finden, die umgerechnet zwischen 300 und 500 € liegen. In Großstädten sind die Preise etwa doppelt so hoch. Am Ortsrand von einer Stadt, wie Poznan, können die Mieten halb so hoch sein, als im Kernbereich. Auch die wirtschaftliche Region spielt eine Rolle. Der Südosten Polens hat weniger Industrie als der Warschauer Raum oder Oberschlesien. Dort sind entsprechend die Mieten ebenfalls geringer. Miete zahlen ist jedoch in Polen eher unüblich. Meist wird gekauft und der Kredit abgezahlt.

Früher wanderten Polen eher nach Deutschland aus

Polen sucht genau, wie alle anderen europäischen Länder nach Fachkräften. Allerdings gibt es einen großen Unterschied zu Deutschland, wo Zertifikate und Lernen über Jahre eine Fachkraft ausmacht: In Polen werden neue Mitarbeiter langsam eingearbeitet. Es ist lockerer, aber auch gleichzeitig wird es gern gesehen, wenn Zertifikate und langjährige Erfahrung mitgebracht werden.

Romantik an der Mole von Międzyzdroje – Foto: André Brune

Neben der Baubranche, die in Polen einen riesigen Boom erlebt, vom Straßenbau bis zum Wohnungsbau, ist die starke Digitalisierung stark vom Personalmangel betroffen. Klassische Industriezweige drohen ebenfalls zusammenzubrechen, wenn keine neuen Fachkräfte dazukommen.

Deutsche Fachkräfte sind durch ihre Zertifikate gern gesehen und erhalten auch deswegen so manchen Vorzug.

Wichtig ist die Qualität der Bewerbung. Die üblichen Unterlagen, wie das Anschreiben, der Lebenslauf, Zerfikate und Diplome sollten hochwertig aussehen, wenn es nicht eine einfache Bewerbung per Email ist, die in Polen mittlerweile eher üblich ist.

Englisch als Zweitsprache und der polnischen Landessprache mächtig sollten Bewerber internationaler Konzerne sein. Das wird bei Bewerbern sehr hoch angerechnet und der Einstieg in ein neues Leben in einem neuen Land mit viel Natur, netten Menschen und herrlicher Natur steht nichts mehr im Wege.

Bewerbungsunterlagen oder berufliche Zertifikate, dazugehörende amtliche Formulare, die für eine Auswanderung nach Polen oder umgekehrt nach Deutschland wichtig sind, übersetzt meine Frau, Ewa Brune mit ihrem Sprachenservice.*

Natürlich bewerbe ich sie hiermit. Aber sie unterstützt mich auch in meinem Blog und mit dem Ukrainebild Podcast. So möchte ich sie ein wenig hiermit unterstützen. Aber auch gleichzeitig sinnvoll informieren. Denn wer denkt, dass jemand nach Polen auswandern würde?

Nun das gemeinsame Projekt „Bigoskraut“ möchte auch dies für Deutsche aufklären. Ein erster Schritt ist getan.

Kann ja sein, dass wer gerade jetzt diese Zeile liest und die ein oder anderen Bilder, die hier noch folgen werden, Lust bekommen sollte auszuwandern und vielleicht Unterlagen ins Polnische übersetzt haben zu müsste, was früher eher umgekehrt war, dann einfach melden: https://brune-sprachenservice.de

Die Polen jedenfalls sind sehr gastfreundlich und begrüßen einen mit einem herzlichen Czecz! Das wird so ausgesprochen: Scheschtsch. Ganz anders als unser „Hallo“, das ursprünglich aus dem englischen „Hello“ kommt und nur eine Begrüßungsformel für das Telefonieren war, statt den eigenen Namen zu nennen.

(*unbezahlte Werbung)

In Bottrop zahlt man mit Zloty

Im Ruhrgebiet überschneiden sich viele Dinge im deutsch-polnischen Verhältnis zu sehen am Beispiel der Stadt Bottrop

Polenkloster in Bottrop

„Wöchentlich kamen 1000 Polen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, um Arbeit zu bekommen“. erzählt Stadtführerin Antje Herbst und erwähnt in den Ausführungen in einer Anekdote das sogenannte ‚Polenkloster‘ .

Das war damals im deutschen Sprachgebrauch ein besonderes Haus, eine Menage, wo bis zu 800 Männer, eben meist Polen wohnten.

Gewalt beherrschte die Enge

Neben Bier floss Schnaps und Wodka durch die Kehlen und verursachten oftmals schnell Streitigkeiten. Es gab Pistolen ohne Probleme, wie noch heute in den USA, damals einfach in einem deutschen Laden zu kaufen. Schießereien und Messerstechereien waren tatsächlich an der Tagesordnung im deutschen Kaiserreich unter Wilhelm II.

Fast täglich hatte die deutsche Justiz damit zu tun. Das Ansehen allein von Bottrop war damals sehr gering.

Bleibt Bottrop ein Dorf?

So hatte die Stadtwerdung auch wegen dem hohen Anteil von fast 80% Zuwanderung aus Polen eine starke Minderwertigkeit bei zuständigen Politikern und Behörden im preußischen Land. 25 Jahre musste Bottrop warten bis sie zur Stadt werden konnte im Jahr 1919. Ohne den Aufbau eines Verwaltungssitz wäre die Stadtwerdung wegen der Polen und fehlenden Struktur durch einfach in die Landschaft gebaute Zechensiedlungen wahrscheinlich nie möglich gewesen.

Zahlungsmittel Zloty in Bottrop?

Noch heute gibt es so manche Aussagen:

Ach, von Bottrop kommst du? Da muss man doch noch mit Zloty bezahlen. Natürlich lacht man heute darüber. Aber früher hatten die Menschen tatsächlich geglaubt, dass es so ist.

Klingelschildnamen

Heute sind polnische bzw schlesische Nachnamen auf jedem zweiten Klingelschild, Przybilla, Piotrowska oder Bartoszewski zu lesen. Viele haben Vorfahren aus Polen.

Ältestes Zechenhaus in Bottrop

In einem der ältesten Zechenhäusern von Bottrop, erbaut ca. 1875, erkennbar an den groben Steinbrüchen im Sockelbereich, lebten im Stadtteil an der Prosperstraße hauptsächlich zugezogene Polen. Die größte polnische Kolonie in Bottrop hieß Engelbert.

Türken und Polen

Heute leben dort hauptsächlich in den 1960er und 1970er Jahren zugezogene Türken. Sie haben eigene Läden zur Lebensmittelversorgung, Imbiss, die sogenannten Dönerbude, eine Deutsch-türkische Spezialität mit Rind-oder Putenfleisch und verschiedenen Salaten mit einer scharfen oder Knoblauchsauce gewürzt in einem halben Fladenbrot gelegt, die es so nicht in der Türkei gibt.

Moscheen statt Katholische Kirchen

Wo früher katholische Kirchen durch die Polnischen Einwanderer wie Pilze aus dem Boden wuchsen, sind heute versteckt in normalen Häusern die Moscheen. Der Bau einer richtigen Moschee ist in Bottrop bis jetzt noch nicht geschehen aber im Gespräch.

Urlaub in Polen statt auf Malle

Das polnische Blut fließt allerdings mittlerweile in vielen deutschen Nachfahren vor allem im Ruhrgebiet in den Adern, egal zu wieviel Prozent.

Es gibt den ein oder anderen, der die Geschichte der Herkunft mittlerweile gerne wissen möchte. Da wird dann ein Urlaub auch mal in Polen geplant und nicht auf Mallorca.