Zeitzeugin Liesel Appel und die Stolpersteine der Familie Meyer in Bottrop I +Videopodcast I +Podcast #142

Liesel Appel und die Familie Meyer – Eine Geschichte aus Bottrop gegen das Vergessen

Die Bottroper Zeitzeugin Liesel Appel wuchs in einem Elternhaus auf, das stark vom Nationalsozialismus geprägt war. Ihr eigenes Leben führte sie jedoch in eine vollkommen andere Richtung. Über Jahrzehnte suchte sie nach der Wahrheit über die jüdische Familie Meyer aus Bottrop und deren Sohn Edgar August Meyer.

Im Podcast erzählt sie von ihrer Kindheit, ihrem Bruch mit der Vergangenheit, ihrem Leben in London und den USA, ihr Kampf für mehr Gerechtigkeit und Menschlichkeit und von einer Suche, die erst nach vielen Jahrzehnten zu einem Ende kam.

Es ist eine Geschichte über Nationalsozialismus und Erinnerungskultur in Bottrop. Aber ebenso eine Geschichte über Zivilcourage, Rassismus, persönliche Verantwortung, Versöhnung – und darüber, dass Menschen selbst in dunklen Zeiten Entscheidungen treffen können, die Leben retten.

Für die Familie Meyer erinnern heute fünf Stolpersteine vor der Gladbecker Straße 334 in Bottrop-Eigen an ihr Schicksal.

Doch wer ist Liesel Appel und wer war Wilhelm Meyer, seine Eltern, Frau und Sohn, den sie selbst nur kurz kennenlernen konnte und dabei ihre Augen noch im Grundschulalter öffnete?

Liesel Appel hat ihr ganzes Leben für mehr Gerechtigkeit gekämpft und sich früh von ihrem Elternhaus abgenabelt. Das hatte einen gewissen Grund. Denn ihre Eltern Heinrich und Else Steffens waren glühende Verehrer des Nationalsozialismus. Die Ideologie war eine tragende Säule der Familie.

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Die Zeitzeugin Liesel Appel hat als Kind die dunklen Zeiten des Ruhrgebiets in Bottrop unter den Nationalsozialisten erlebt. Augen- und Zeitzeugen, die darüber sprechen können und wollen, werden in diesem Jahrzehnt immer weniger. Umso wichtiger ist jeder Beitrag, den ich finden kann, um die Erinnerungskultur im Revier gerade zu dieser brisanten politischen Zeit hochzuhalten. Denn auch Deutschlands politische Landschaft driftet wieder nach Rechts und Erinnerungskultur soll einen Schlussstrich bekommen. Umso wichtiger ist es mit jedem Beitrag diese zu unterstützen und zu bewahren.

Erinnern und Bewahren einer dramatischen Geschichte

Liesel lebt heute glücklich und zufrieden in Palm Beach und besucht heute ihre Heimat wieder gern, was sie früher eher vermied. Dies ist ein Podcast, der auch die guten Seiten von Menschen zeigen kann in dunklen Zeiten. Es geht um Menschen, die Ideologie unterstützen, aber stumme Helfer wurden, und ihre Menschlichkeit bewahrt haben, als sie das Kind der Meyers retteten und versteckten. Es geht um Liesel, die jahrzehntelang auf der Suche nach der wahren Geschichte war. Am Ende ihrer Suche entstand zum Erhalt der Geschichte neben ihrer Autobiographie „Der Sohn der Nachbarn“ und nun am 11.6.2025 die Verlegung der Stolpersteine zur Würdigung und Ehrung der Familie Meyer.

Zeitzeugin Liesel Appel im Podcast

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die noch einen persönlichen Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus und zu dessen unmittelbaren Folgen haben, werden immer weniger.

Umso wichtiger ist es, ihre Erinnerungen festzuhalten und weiterzugeben. Für mich gehört das zur Erinnerungskultur im Ruhrgebiet: Nicht nur Namen und Jahreszahlen festzuhalten, sondern die Geschichten der Menschen dahinter zu erzählen.

Im Gespräch mit Liesel Appel geht es deshalb nicht ausschließlich um Nationalsozialismus, Schuld und die Geschichte ihrer Familie. Es geht auch um die Frage, wie ein Mensch mit der Erkenntnis umgeht, dass die eigenen Eltern Teil einer menschenverachtenden Ideologie waren.

Und es geht um diejenigen Menschen, die sich selbst in dieser Zeit ihre Menschlichkeit bewahrten. Menschen, die halfen, obwohl Hilfe gefährlich sein konnte.

Eine Geschichte über Schuld, Mut und Menschlichkeit

Gerade darin liegt für mich eine besondere Stärke dieser Geschichte. Sie zeigt, dass Menschen widersprüchlich sein können. Sie erzählt von Ideologie und Verblendung, aber ebenso von Hilfe, Mut und Menschlichkeit.

Menschen, die Teil eines Systems oder seines Umfelds waren, konnten in entscheidenden Augenblicken trotzdem anders handeln und anderen Menschen helfen. Liesel Appel hat sich über Jahrzehnte mit diesen Widersprüchen auseinandergesetzt. Heute lebt sie in den USA und besucht ihre alte Heimat Bottrop wieder gerne. Der Podcast erzählt deshalb nicht nur eine Geschichte über die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte. Er erzählt auch davon, wie die Suche nach Wahrheit ein ganzes Leben prägen kann – und warum Erinnern auch heute notwendig bleibt:

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Aufwachsen in einer nationalsozialistisch geprägten Familie

Liesel Appel wurde am 14. September 1941 in Klingenberg am Main als Wunschkind geboren. Ihr Vater Heinrich Steffens war Schulleiter und wurde mit Kindern aus Bottrop dorthin evakuiert worden. Sie war ein Wunschkind ihrer Eltern und hatte einen rund 20 Jahre älteren Bruder, der während des Krieges bei der Marine auf einem U-Boot diente und später in britische Gefangenschaft geriet.

Nationalsozialistisches Gedankengut gehörte zum Weltbild ihres Elternhauses. Besonders ihr Vater war ein überzeugter Anhänger Adolf Hitlers. Ihre Mutter Else folgte ihrem Mann weitgehend. Liesel wurde in diese Welt hineingeboren, zu klein es zu verstehen. Liesel war als Wunschkind von ihrem Vater heiß und innig geliebt. Sie wurde überall herumgezeigt, dass sie für den Führer geboren wurde zum Erhalt des 1000 Jährigen Reiches. Bei der Geburt hat ihr Vater sie mit einem Hitlergruß begrüßt.

Liesel Appel mit ihren Eltern und Bruder vor dem Bildnis von Adolf Hitler. (c) Liesel Appel – zur freien Verfügung aus dem USA Holocaust Memorial Museum

Nach dem Krieg begann sie durch den Besuch von Wilhelm Meyer, dem lange verschwundenen Nachbar zu verstehen, was in ihrer Nachbarschaft geschehen war und brach mit ihrer eigenen Familiengeschichte

Ihr Vater sollte vor Gericht gestellt werden und floh vor den amerikanischen und britischen Besatzungsbehörden. Doch bevor es zu einer juristischen Aufarbeitung kommen konnte, nahm er sich vor ihren Augen das Leben. Die Erkenntnis über die politische Vergangenheit, prägte Liesels Leben in der Zukunft.

Die jüdischen Nachbarn an der Gladbecker Straße

Unmittelbar neben der Familie Heinrich, Else und Liesel Steffens lebte die jüdische Familie Meyer, deren Leben in der Reichspogromnacht vom 9. Auf den 10. November 1938 schlagartig veränderte. Während August kurz vorher schon verstarb, weil er sein Lebenswerk verkaufen sollte, wurde sein Frau, Sohn und Schwiegertochter aus dem Haus gejagt und misshandelt auf der Straße, wo heute die Fußgänger*innen und Radfahrer*innen entlang gehen bzw. fahren.

Ein besonderes dramatisches Schicksal musste der damals 13 Monate alte Edgar August Meyer erleben. Den überlieferten Schilderungen nach, sollte er aus dem Fenster geworfen werden. Doch er überlebte durch zwei Helden, wie Liesel sie bezeichnete.

Wilhelm, Fajda und der kleine gerettete Edgar August Meyer kurz nach der Flucht in Palästina 1939 (c) Liesel Appel – zur freien Verfügung

Der benachbarte Kinobetreiber Friedrich Sommer fing den Jungen auf und Johanna Banner, geborene Beckfeld versteckte den kleinen Edgar August unter lebensgefährlichen Bedingungen. Das Retter- und Versteckspiel konnte erst Jahrzehnte durch die Recherchen herausgefunden werden.

Schweigen nach dem Krieg

Das Kriegsende bedeutete nicht automatisch, dass über das Geschehene gesprochen wurde. Die Menschen schwiegen.

Auch Johanna Banner wollte später gegenüber Liesel Appel zunächst nur ungern über die Ereignisse sprechen. Die Angst saß offenbar noch lange nach dem Ende des Nationalsozialismus tief. Menschen, die während der NS-Zeit Täter, Mitläufer, Unterstützer oder Gegner gewesen waren, lebten anschließend wieder Tür an Tür miteinander. In der Gesellschaft wurde sie als Verräterin abgestempelt. Sie hatte noch lange Angst vor den alten Schergen. Denn Geheimnisse waren gefährlich.

Bottrop ist eine kleine Großstadt. In den Stadtteilen kennt man sich eben gut. Geheimnisse sind, wie in einem großen Dorf, nicht so einfach zu behalten. Wo zur Zeit des Nationalsozialismus Misstrauen und Denunziation gefördert wurde, war nach dem Ende und Neuanfang wiederum zu einem großen Misstrauen geworden. Wer war der gute Nachbar? Wer war wirklich Freund? Wer war politisch rechts? Die Fragen waren nach 1945 mehr zu einem Akzeptieren und großes Schweigen geworden.

Was wurde aus dem Geschäft der Familie Meyer?

Wie es eben üblich war, wurde das Geschäft der Familie Meyer nicht nachweisbar, aber höchstwahrscheinlich „arisiert“ und in nichtjüdischen Besitz übergeben. So war über Jahrzehnte weit und breit das Kaufhaus Wittke bekannt für die Bewohner und Bewohnerinnen des Stadtteils Eigen und darüber hinaus. Wie ein kleines Karstadt bekam man die wichtigsten Lebensmittel, Kleidung, Spielzeug, Haushaltswaren. Auch ich kannte das Haus. Meine Großeltern sind dort selbst immer einkaufen gefahren. Das Innere war mir bekannt. Doch mir war nicht bekannt, was da vorher war. Ich war zu klein, um es zu verstehen, genauso klein, wie damals Liesel. Und meine Großeltern haben es bestimmt gewußt. Sie wohnten im Eigen, aber mit einem kleinen Jungen spricht man nicht über solche Dinge. Ich wußte bis vor kurzem nichts von dieser Geschichte. Und dann war es zu spät, weil durch das Schweigen, nahmen meine Großeltern, wie viele andere die Informationen natürlich mit ins Grab. So war ich überrascht, als ich davon hörte, was genau hinter der Hausnummer 334 sich verbarg.

Wittke wurde nach und nach ausgebaut. Der alte Manufaktur- und Konfessionsladen der Meyers war nicht so groß, aber was genau im Hintergrund ablief, kann bis heute nicht nachvollzogen werden, außer dass die Kinder der Gründer von Wittke das Kaufhaus geschlossen haben.

Heute liegen genau vor diesem Gebäude die Stolpersteine für die Familie Meyer.

Für mich zeigt das, wie nah Geschichte sein kann. Manchmal läuft man jahrzehntelang an einem Ort vorbei, ohne zu wissen, was dort geschehen ist. So geben die Stolpersteine einem zumindest die Information mit: Wenn Du stehen bleibst und die Namen und Daten, sowie das eine Wort, was mit der Person geschehen ist, liest, wenigstens die Frage stellst, was mag hinter dieser Tür an dem Tag der Abholung auf einer LKW-Pritsche, in einem Gestapo-Wagen oder einer Verhaftung durch die Polizei geschehen sein.

Die Begegnung, die Liesels Sicht auf ihre Familie veränderte

Liesel spielte auf dem Bürgersteig und wurde von einem Mann angesprochen, der sich Wilhelm nannte. Sie war damals 9 Jahre alt. Er wollte ihre Mutter sprechen. Mit ihr wollte er dann über das Gebäude sprechen. Wilhelm hatte mit seiner Frau Fajdra Dobro und seinem Sohn Edgar August nach Palästina flüchten können. Doch Liesels Mutter verweigerte ein Gespräch.

Liesel verurteilte in diesen jungen Jahren, als sie erfuhr, was mit den Juden passiert ist, ihre Eltern und erfuhr immer mehr, was insgesamt jüdischen Menschen während der NS-Zeit widerfahren war. Die Begegnung mit Wilhelm Meyer war ein früher Wendepunkt in ihrem noch sehr jungen Leben, die ihren Weg auch in Zukunft bis heute geprägt hat. Es wurde eine Auseinandersetzung mit dem Elternhaus und die Suche nach der jüdischen Familie Meyer. Die Vergangenheit von Liesel wurde zu einem Berg von Fragen über das Verhalten und die Lebensweise der Eltern. Wie konnte die eigene Familie eine solche Ideologie unterstützen?

Wer wusste von den Verbrechen?

Wer schwieg?

Und wer half?

Mit 19 Jahren weg aus Bottrop

Bottrop schnürte Liesel den Hals zu. Sie wollte einfach nur weg.

1961 verließ sie Deutschland und ging mit einem kleinen Koffer nach London. Sie lernte Kindergärtnerin. Über ihren lebensfrohen Onkel, der Gynäkologe war und ihre Mutter wohl zur Geburt von Liesel „half“, kam sie bei einem seiner großen Feste in Kontakt mit einem schwarzen Londoner namens Hugh Scotland. Sie ließ alles stehen und liegen und ging mit ihm nach London und lebte auf sehr schmalen Grad.

Hugh war Eventmanager, aber mit Geld konnte er nicht umgehen. Liesel brachte erstmal Struktur in das Unternehmen. Auch hier begegnete sie überall Rassismus. Denn sie war als weiße Frau mit einem schwarzen Mann nicht gern gesehen. Als sie Kontakt mit einem Botschafter vom Kongo hatten, der die Rebellen unterstützte, half Hugh ihm und schmuggelte Geld. Dabei wurde er gefaßt.

Liesel kämpfte mit der Bild-Presse und den Behörden. Sie bekam ihren Mann wieder frei. Doch die Ehe scheiterte später.

Über ihre gemeinsame Event-Agentur lernte sie den Sänger George Browne, bekannt als Young Tiger, kennen. Mit ihm ging sie schließlich in die USA.

Rassismus ist überall

In den USA, in Florida, wo sie ein Restaurant übernahmen, wurden sie diskriminiert. Rassismus war an der Tagesordnung. Niemand interessierte sich von den weißten, dass auch schwarze Männer im zweiten Weltkrieg oder im Koreakrieg ihren Kopf hingehalten haben. Da sie Deutsche war, wurde sie ebenfalls mit der deutschen Vergangenheit konfrontriert.

In Palm Beach waren Liesel und George Browne nach ihrer eigenen Schilderung rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Ein jüdischer Anwalt half ihnen aus der Patsche der Pleite. Sie hatten alles verloren. Die Ehe scheiterte ebenfalls, doch Liesel machte weiter. Sie zog nach Kalifornien und arbeitete unter anderem für Estée Lauder.

Ein Leben gegen die Vorstellungen ihrer Eltern

Liesel Appel wollte ihr Leben bewusst anders führen als ihre Eltern: Freiheit statt ideologischer Enge. Offenheit statt Ausgrenzung.

Sie setzte sich für Menschen ein, die diskriminiert wurden, und beschäftigte sich immer intensiver mit ihrer eigenen Vergangenheit. Sie konvertierte zum jüdischen Glauben und hielt Vorträge über ihre Situation in der NS-Zeit und die Geschichte der Familie Meyer. Vor rund 25 Jahren begann sie schließlich systematisch nach dem kleinen Edgar August und seiner Familie zu suchen. Sie wollte wissen, was aus ihnen geworden ist und wandte sich an das Bottroper Stadtarchiv.

Was war aus Edgar geworden?

Wo hatte er gelebt?

Wer hatte ihn in jener Nacht tatsächlich gerettet?

Und warum hatten so viele Beteiligte anschließend jahrzehntelang darüber geschwiegen?

Was geschah mit der Familie Meyer?

Die Recherchen führten nach und nach zu nicht erfreulichen Antworten, denn die Mutter von Wilhelm, Fanny Meyer, wurde während des Holocaust deportiert ins Ghetto nach Riga. Dort verlor sich die Spur. Sie wurde offenbar ermordet. Nachweise sind keine gefunden worden. Sie gilt als spurlos verschwunden.

Wilhelm Meyer, seine Frau Fajga Dobra und ihr Sohn Edgar August konnten 1939 nach Palästina fliehen. Doch Fajga starb sehr früh. Wilhelm lebte auch nicht mehr. Und von Edgar August verlor sich jede Spur. Liesel suchte lange bis ein Anruf aus New York sie erreichte.

Eine Person hatte von ihrer Suche erfahren und konnte ihr mitteilen, wo sich das Grab von Edgar August Meyer befand. Es war nicht befriedigend vor dem Grab zu stehen, weil sie ihn gern so viel gefragt hätte. Aber sie war mit sich im Reinen, zumindest sein Grab gefunden zu haben und die Geschichte nach der jahrzehntelangen Suche ein Ende zu geben. Der Rahmen dieser Suche sollte nicht das Buch zum Abschluss sein, dass sie schrieb, sondern die Verlegung der Stolpersteine und ihren Besuchen in Bottrop. So ist sie mit der kleinen Stadt im Ruhrgebiet am Ende wieder mit vielen neuen Freundschaften nach Hause geflogen und würde jederzeit immer wieder gern sie besuchen kommen.

Das Buch „Der Sohn des Nachbarn“ erschien

Ihre Lebensgeschichte und die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit hielt Liesel Appel in ihrer Autobiografie „Der Sohn des Nachbarn“ fest. 2014 erschien die erste und einzige Auflage ihres Buches.

Sie widmete das Buch ihrer Mutter. Denn obwohl sie über viele Jahre ein sehr schwieriges Verhältnis zu ihr hatte, wolle sie ihr den Raum geben, den sie ihr zu Lebzeiten nicht gegeben hat. Sie wurde sich sicher, dass ihre Mutter nicht so verblendet war, sondern einfach nur in diese Zeit geboren wurde und Angst hatte drüber zu sprechen, sie als ihr Kind davor auch schützen. Doch das Kind hatte nicht das Verständnis dafür. Erst als die Mutter starb, als es zu spät war, kam ein gewisses Verständnis.

Das Buch erschien in Deutschland beim Bottroper Verlag Henselowsky Boschmann. Es ist vergriffen. Eine Neuauflage wird es wohl nicht mehr geben. Gebraucht wird es ab und zu angeboten.

Auch über den Glauben setzte sich Liesel mit ihrer Vergangenheit auseinander. Nachdem sie später einen jüdischen Mann geheiratet hatte, trat sie selbst zum Judentum über.

Fünf Stolpersteine für die Familie Meyer

Am 11. Juni 2025 wurde die Geschichte der Familie Meyer schließlich dauerhaft in das Bottroper Stadtbild eingeschrieben.

Vor der Gladbecker Straße 334 in Bottrop-Eigen wurden fünf Stolpersteine verlegt.

Sie erinnern an:

  • August Meyer
  • Fanny Meyer, geborene Meyer
  • Wilhelm Meyer
  • Fajga Dobra Meyer, geborene Markowitz
  • Edgar August Meyer

Die Patenschaften der Stolpersteine wurden von unterschiedlichen Menschen unterstützt:

Liesel Appel übernahm Edgar August Meyer.

Jürgen Krämer übernahm Fanny Meyer.

Die Freiwillige Feuerwehr Bottrop-Eigen übernahm Wilhelm Meyer.

Die Familie Schwittay übernahm die Patenschaft von Fajga Dobra Meyer, geborene Markowitz, und von August Meyer übernahm die Evangelische Kirchengemeinde Bottrop-Eigen sie.

Bei der Verlegung am 11.6.2025 waren unter anderem Oberbürgermeister Bernd Tischler sowie Familienmitglieder von Liesel dabei, die extra aus den USA nach Bottrop zur Einweihung angereist waren.

Liesel Appel übernahm die Patenschaft für den Stolperstein von Edgar August Meyer.

Damit bekam der Junge, nach dessen Schicksal sie so viele Jahre gesucht hatte, in ihrer Heimatstadt einen sichtbaren Erinnerungsort.

Warum dieser Podcast mehr als eine Lebensgeschichte ist

Ein Jahr nach der Stolpersteinverlegung hatte ich die Gelegenheit, mit Liesel Appel ausführlich über ihr Leben zu sprechen.Dieser Podcast ist deshalb weit mehr als eine Biografie.

Er verbindet die Geschichte Bottrops mit der Geschichte einer einzelnen Familie und mit dem persönlichen Weg einer Frau, die sich zeitlebens mit ihrer Herkunft auseinandergesetzt hat.

Es geht um die Frage, wie es ist, als Kind in einer Ideologie aufzuwachsen, für die man selbst keine Verantwortung trägt – und irgendwann zu erkennen, welche Folgen diese Ideologie für andere Menschen hatte.

Es geht um Schuld und Schweigen. Aber auch um Menschen, die in einem entscheidenden Moment geholfen haben.

Gerade die Geschichte um Edgar August Meyer zeigt, dass Biografien selten nur schwarz oder weiß sind. Menschen können Teil eines Systems gewesen sein und trotzdem in einem bestimmten Moment menschlich handeln. Das entschuldigt keine Unterstützung des Nationalsozialismus. Aber es gehört zur vollständigen Geschichte dazu.

Versöhnung mit Bottrop

Viele Jahrzehnte wollte Liesel Appel mit Bottrop nur wenig zu tun haben. Die Stadt war für sie mit ihrer Familie und den Erinnerungen an die Vergangenheit verbunden. Heute hat sich das verändert.

Sie hat ihre Heimat neu für sich entdeckt und besucht Bottrop wieder gerne. Zwischen dem Kind, das nach dem Krieg die Wahrheit über seine Familie erfahren musste, und der Frau, die Jahrzehnte später nach Bottrop zurückkehrt, liegt ein außergewöhnliches Leben.

Mit der Verlegung der Stolpersteine und dem Auffinden weiterer Informationen über Edgar August Meyer konnte sie einen Teil ihrer jahrzehntelangen Suche abschließen und ihren Frieden damit schließen

Ein neuer Kampf für Gerechtigkeit

Wer nun glaubt, Liesel Appel würde sich einfach zurückziehen, wird eines besseren belehrt. Sie kämpfte ihr Leben lang für Gerechtigkeit für Menschen und Minderheiten. Diese fordert sie nun auf Demonstrationen für Tiere.

Sie lebt vegan und engagiert sich gegen Tierversuche und das Töten von Tieren. Dabei bezieht sie sich unter anderem auf Gedanken des Literaturnobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer und auf Charles Pattersons Buch „Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka“.

Damit zieht sich ein Gedanke durch ihr gesamtes Leben:

Der Widerstand gegen Ausgrenzung, Gewalt und Ungerechtigkeit.

Erinnerungskultur im Ruhrgebiet

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit persönlichen Erinnerungen an den Nationalsozialismus und die unmittelbare Nachkriegszeit werden immer weniger.

Deshalb ist es wichtig, ihre Erzählungen festzuhalten.

Nicht, weil Erinnerungen historische Forschung ersetzen können. Persönliche Erinnerungen können sich unterscheiden, einzelne Details bleiben ungeklärt und manche Geschichten lassen sich Jahrzehnte später nur noch teilweise rekonstruieren. Auch Erinnerungen können falsch widergegeben werden. Doch sie zeigen, was historische Ereignisse mit Menschen gemacht haben. Genau deshalb sind auch die Stolpersteine so bedeutend:

Hinter jedem Namen steht ein Mensch.

Hinter jedem Geburtsjahr ein Leben.

Und hinter jedem Stein eine Geschichte, die nicht vergessen werden sollte.

Die Geschichte von Liesel Appel und der Familie Meyer gehört für mich dazu.

Sie erzählt von einem dunklen Kapitel mitten im Ruhrgebiet von Bottrop und Deutschland. Es zeigt, dass eben der Spruch, dass das Ruhrgebiet zusammen hält, nicht so ist und heute wieder so einen Sprung bekommt, wie es in den letzten Kommunalwahlen zu sehen war.

Liesels Geschichte jedoch erzählt davon, dass Menschen selbst unter unmenschlichen Bedingungen Menschlichkeit zeigen konnten – und dass die Suche nach Wahrheit auch nach Jahrzehnten noch etwas verändern kann.

Im nächsten kleineren Podcast gehe ich noch einmal auf die Familie Meyer ein. Es enthält die Reden von Liesel Appel und dem damaligen Oberbürgermeister Bernd Tischler. Im Videopodcast bin ich vor Ort und reinige die Steine nach einem Jahr zur Würdigung und Ehrung der Familie Meyer.

Der Podcast mit Liesel Appel ist deshalb nicht nur ein Blick zurück. Er ist eine Einladung, genauer hinzusehen, sich selbst und anderen Fragen zu stellen und dabei Erinnerung und Menschlichkeit ohne Hass lebendig zu halten. Damit es sich nicht wiederholt!

Liesel Appel mit André Brune beim Einsetzen der Stolpersteine (c) André Brune

 

Links und Recherchehinweise

Charles Patterson: „Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka“ – deutsche Ausgabe von „Eternal Treblinka“. Relevante Recherche-Links: Internet Archive mit deutscher Ausgabe:

https://archive.org/details/fur-die-tiere-ist-jeden-tag-treblinka-eternal-treblinka-uber-die-ursprunge-des-i

Deutsche Nationalbibliothek:

https://d-nb.info/97210139x/04

Die Buch Suche mit Angeboten zur deutschen Ausgabe:

https://diebuchsuche.de/buch-9783861506492.html

Henselowsky Boschmann Verlag, Buch „Der Sohn des Nachbarn“

Familie Meyer / Stolpersteine Bottrop:

Stadt Bottrop, Familienseite mit Biografien und Patenschaften: https://www.bottrop.de/microsites/Kulturzentrum_August_Everding/kulturzentrum/stadt–und-zeitgeschichte/stolpersteine/meyer-famliie.php

Stadt-Bottrop-Broschüre „Stolpersteine 2025“:

https://www.bottrop.de/downloads/kultur-bildung/stadtgeschichte/Stolpersteine-2025.pdf

Presse-Service der Stadt Bottrop zur Verlegung:

https://www.presse-service.de/meldung.aspx?ID=1188750

Bottroper Zeitung:

https://bottroper-zeitung.de/neue-stolpersteine-werden-in-bottrop-eigen-verlegt/

Wir lieben Bottrop

https://www.wir-lieben-bottrop.de/2025/06/04/nach-privater-recherche-neue-stolpersteine-werden-im-eigen-verlegt/

WAZ

https://www.waz.de/staedte/gelsenkirchen/article10388704/ein-kampf-um-gerechtigkeit.html

https://www.waz.de/staedte/bottrop/article10375434/buch-erschien-2014-auf-deutsch.html

https://www.waz.de/staedte/bottrop/article10016376/wunderbare-rettung-vor-den-nazis.html

Youtube-Video auf Englisch:

The Incredible Life of Liesel Appel: from Nazi Germany to Civil Rights to Animal Rights – YouTube

„Hitler’s Baby“ is an Animal Rights Activist?!

Das Ehri-Projekt – USA Holocaust Memorial Museum

EHRI – Steffens and Meyer families photographs

https://portal.ehri-project.eu/units/us-005578-irn37092

Gebraucht die Autobiographie kaufen:

Der Sohn des Nachbarn: Autobiografie : Appel, Liesel, Bolik, Rainer, Appel, Liesel: Amazon.de: Bücher

Auf Englisch:

[The Neighbor’s Son [ THE NEIGHBOR’S SON BY Appel, Liesel ( Author ) Sep-01-2005[ THE NEIGHBOR’S SON [ THE NEIGHBOR’S SON BY APPEL, LIESEL ( AUTHOR ) SEP-01-2005 ] By Appel, Liesel ( Author )Sep-01-2005 Paperback : Amazon.de: Bücher

Weitere Infos auf Englisch:

Kristallnacht talk at Temple Emanu-El to reveal woman’s journey

Ruhrpottologe-Bericht zur Stolpersteinverlegung am 11. Juni 2025: https://www.ruhrpottologe.de/ergreifende-stolpersteinverlegung-in-bottrop-in-besonderer-situation-i-11-6-2025/

Ihr Kampf für ihren ersten Ehemann Hugh Scotland aus dem kongolesischen Gefängnis zu bekommen:

  1. Dezember 1964 – macht Frau ein letztes Gebot für die Freiheit des Mannes… He wurde verhaftet von Pres Tshombes Bodyguard im Kongo: Frau Liesel Schottland verlässt London heute Morgen fliegen, Bonh – im Rahmen eines Angebots, Kongo Präsident Moise Tshombe sehen, die für Gespräche mit deutschen Diplomaten in der Stadt ist… Mrs-Schottland ist den Präsidenten zu intervenieren, um die Freisetzung von ihrem Ehemann Geschäftsmann Hugh Scotland – zu erhalten, der durch persönliche Leibwächter des Präsidenten verhaftet, als er dabei war, nach dem Massaker aus Stanleyville fliegen bitten. Mrs-Schottland hatte nach dem Massaker von Stanleyville. Frau Stockfotografie – Alamy

George Browne, auch Young Tiger genannt (2. Ehemann):

Calypso Be – Young Tiger – Deezer

https://link.deezer.com/s/348o0u27bBhasSrKz7bwz

George Browne (Young Tiger) | Spotify

Eröffnung der Manifesta-Ausstellung „auf.atmen“ in Bottrop I Flaschengefühle von Andre Brune in der St.-Franziskus-Kirche

Ausstellungseröffnung im Rahmen der Manifesta 16 Ruhr

Am Samstag, dem 1. August 2026, eröffnet das Künstler Kollektiv Bottrop die Ausstellung „auf.atmen“ in der ehemaligen St.-Franziskus-Kirche in Bottrop-Welheim. Und ich bin ein Teil der vielen tollen Kunstwerke, die dort zu sehen sind in der sehr besonderen Kirche. Sie bekommt nach drei Jahren Leerstand neues Leben „eingeatmet“ mit Kunst, die dann „ausatmen“ wird und lässt die schlafende Umgebung „auf.atmen“ für Neues. Die Ausstellung ist Teil der regionalen Manifesta Biennale-16+Ruhr.

Als Mitglied im Künstler Kollektiv Bottrop bin ich mit drei Kunstwerken selbst mit zwei Arbeiten aus meinem Kunstaktionsprojekt „Flaschengefühle“ dabei. Ein weiteres kleines fotografisches Werk ist leicht versteckt am Drahtkunstwerk zu finden. Es ist mit dem Innenraum und der gespiegelten Natur an der St.-Franziskus-Kirche entstanden.

„Auf.Atmen“ – eine Kirche wird zum Kunstraum

Die ehemalige St.-Franziskus-Kirche wird während der Ausstellung zu einem lebendigen Ort für Kunst, Begegnung und Gespräche mit Workshops.

Ab 11 Uhr ist Samstag die Eröffnung und ab 14 Uhr geht es mit Reden in den offiziellen Teil über.

Die vielen verschiedenen Kunstwerke fließen zum Teil in die Bedeutungsebene hinein zum Thema „aufatmen“ oder verbinden auch die Kirche selbst.

Die Künstler und Künstlerin beschäftigen sich im Rahmen des Mottos mit gesellschaftlichen, ökologischen, politischen oder persönlichen Themen. Dabei ist die Architektur der 1960er Jahre mit ihrer Holz-Beton-Fenster-Fassade ein besonderer Augenschmaus.

Sogar Alt-Bottroper*innen haben den Welheimer Friedhof nicht mehr auf dem Schirm. Die Kirche liegt dort hinter Bäumen versteckt. 

Allein der große sakrale Raum wird zu einem besonderen Raum der Ausstellung.

Mit „Flaschengefühle“ dabei

Zwei Arbeiten aus meinem Kunstaktionsprojekt „Flaschengefühle“ werden dort ausgestellt. Das Drahtkunstwerk, dass spontan von mir entwickelt wurde, sieht nicht perfekt aus. Soll es auch nicht. Es ist so, wie der Mensch: Nie fertig.

Doch es atmet etwas aus. Es sieht wie die Kirche aus. Es hat die Dächer, aber nicht eins zu eins im Modell nachgebaut. Es ist und wirkt eingefallen und wird durch nicht vollen Flaschen gehalten.

Die Größe verlangte es vor Ort fertig zu stellen. Hier ist es aber noch nicht fertig. Da kommt noch was.

„Über Halbleere“ zeigt nicht nur das Zitat von Gott in der Bibel „Mach dir die Erde untertan“ (Genesis 1,28), das bis heute missverstanden wird, die Erde auszubeuten, statt sie zu bewahren. Das Kunstwerk zeigt, wie wir heute noch damit umgehen. Unachtsamkeit und Egalhaltung zu einer Verschlimmerung des Planeten Erde wird, aber auch gleichzeitig, dass der Glaube durch Kommerz und falschen Propheten abgelöst wurde und wir so weiter tun, als hätten wir unendlich viele Leben.

Die Kirche allgemein ist nicht nur halb leer. Sie ist mehr als halb leer. Sie ist keine Kirche mehr, weil es nicht genug Schäfchen gibt. Die nicht mehr gläubigen Schäfchen machen aber mit der Erde Untertan machen weiter. Flaschen sind nicht das einzige Modul, sondern viele verschiedene Müllprodukte habe ich in zwei angedeuteten Lungenflügeln unterhalb der umgedrehten halbleeren Flasche mit einer sich auflösenden Zigarette eingebaut. In der einen ist eher die Luft zum Aufatmen, in der anderen eine Flasche halbvoll mit gerauchten Zigaretten. Drumherum sind in den Ecken die Betonfeiler angedeutet. Die Flaschen enthalten die vier Elemente: Luft, Wasser, Feuer und Erde. Doch Feuer und Erde hängen in der Luft. Darunter Müll. Feuer entsteht durch Müll. Die Stützpfeiler werden Einliterflaschen von einem großen Konzern, der Wasser aus Brunnen nutzt, um weltweit das Wasser mit Zucker zu verkaufen. Die Erde wird weiter verseucht und ausgebeutet. Zigaretten sind oft auch Brandbeschleuniger in Waldgebieten, Flaschen können es auch sein. Gefunden habe ich die weitere Müll-Utensilien vor der Kirche und sie entsprechend platziert. 

Ansonsten habe ich schon mindestens 6000 weggeworfene, abgestellte oder achtlos zurückgelassene Flaschen fotografiert. Ein Gedicht über die gefundenen Reifen erzählt das Kommen und Entfernen, damit die Natur wieder „aufatmen“ kann. Die Arbeiten sollen nicht nur kritisieren. Sie sollen zum genaueren Hinsehen, zum Nachdenken und zum Gespräch und vor allem Vermeiden von Müll anregen.

Ein Foto aus der St.-Franziskus-Kirche

Neben den beiden Arbeiten aus „Flaschengefühle“ zeige ich ein kleines Foto, das direkt an der ehemaligen St.-Franziskus-Kirche entstanden ist.

Durch eine Spiegelung in den Fenstern der Eingangstür ergab sich ein überraschendes Motiv. Da es zwei Tage vor dem Abgabetermin entstanden ist, konnte ich nicht anders als es kurzerhand in einen kleinen Bilderrahmen zu packen, weil ein größerer Druck leider länger gedauert hätte. So wird es eine Entdeckung für Besucher und Besucherinnen sein.

Das Bild zeigt, wie Kunst manchmal in einem sehr kurzen Augenblick entsteht – durch Licht, Architektur, Spiegelungen und den richtigen Blick.

Gerade an einem Ort wie der St.-Franziskus-Kirche wird deutlich, wie stark sich ein Gebäude je nach Perspektive verändern kann, vor allem mitten in der Natur, die so in dem Stadtteil nicht erwartet wird.

Bottrop ist Teil der Manifesta 16 Ruhr

Bottrop gehört zum erweiterten regionalen Programm der Manifesta 16 Ruhr. Das Hauptprogramm bespielt zwölf Kirchen in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Bochum. Mit dem Manifesta-16+-Programm werden weitere lokale Projekte in einigen anderen Ruhrgebietsstädte gefördert. Wichtige Impulse gehen von lokalen Künstlern aus. In den alten Gemäuern kann nicht nur über Kunst gesprochen werden, sondern was passiert mit ihnen im Zuge der Leerstände. In ihnen geht es um Kunst, Gesellschaft und die Zukunft der bestehenden Gebäude. Weitere genauere Informationen kommen im nächsten Beitrag über die Manifesta Biennale.

Kunst und Industriekultur in Welheim

Wer die Ausstellung besucht, sollte einen Spaziergang in die benachbarten Gartenstadt Welheim machen. Die historische Arbeitersiedlung ist Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden und war für die Beschäftigten der nahe gelegenen Zeche „Vereinigte Welheim“ die erholsame Unterkunft nach harter Arbeit.

Geschwungene alleeartige Straßen, unterschiedliche Haustypen, die an ein kleines Bauerndorf erinnern, kleine Vorgärten, versteckte große Gärten und begrünte Freiflächen verleihen der Siedlung bis heute einen besonderen Charakter. Der Stadtteil erzählt von vergangener Industriegeschichte, vom Leben der Bergarbeiterfamilien und ihren lebenswerten Wohnquartieren. So verbinden Besucher und Besucherinnen zeitgenössische Kunst mit Kirchenarchitektur und ein Teil der Ruhrgebietsgeschichte.

Einladung zur Ausstellungseröffnung

Ich lade euch herzlich zur Eröffnung von „Auf.Atmen“ ein.

Die Ausstellung beginnt am Samstag, dem 1. August 2026 ab 11 – 19 Uhr.

Ich selbst zum offiziellen Teil mit Reden ab 14 Uhr vor Ort.

Um 12 und 16 Uhr gibt es auch eine Performance jeweils von Gilda Bräuer, die das erste Aufatmen und eine Kriminalgeschichte aus dem 17. Jahrhundert verbindet.

Ich freue mich auf Gespräche über meine Arbeiten, damit das Projekt „Flaschengefühle“ weiter getragen kann. Ich wünsche mir für die ehemalige Kirche, dass sie als stadtteilprägende weltliche Institution weitergeführt wird und die Ausstellung einen gangbaren Weg in eine besondere Zukunft führen wird.

Ausstellungseröffnung „Auf.Atmen“

Samstag, 1. August 2026

Öffnungszeit:
11 bis 19 Uhr

Ort:

Ehemalige St.-Franziskus-Kirche
An St. Franziskus 6
46238 Bottrop

Eintritt:
frei

Mehr Infos und aktueller Kalender:

https://kollektiv-bottrop.de

Zur Manifesta:

https://www.manifesta16.org

FAZIT

Kommt vorbei, entdeckt die unterschiedlichen Kunstwerke und verbindet euren Besuch anschließend mit einem Spaziergang durch die Gartenstadt Welheim.

Ich freue mich auf euch.

Glück auf! ⚒️

Fotos (c) André Brune

Kräuterwandern trifft Gästeführung am 19.5. in Bottrop I Start der Städtepartnerschaft beim KLUG Netzwerk

Die Städtepartnerschaft von Andre Brune im KLUG Netzwerk startet furios in Bottrop mit einer Kräuterwanderung & Gästeführung am 19.5.

Ein neuer Start der Städtepartnerschaft vom KLUG-Netzwerk in Bottrop/Gladbeck mit André Brune!

Direkt gehts los mit einem Kennenlernen von Bottrop ab in den Stadtpark von Bottrop zu einer kleinen Kräuterwanderung mit Happy Nicole Heppert. Von dort geht es in die Stadt zu einer kleinen Gästetour zum Rathaus und rund um das Rathausviertel, um Bottrop mit einem anderen Horizont danach zu verlassen.

Wer Lust hat, kann während der Tour bei einer Eisdiele ein Eis mit auf die Hand nehmen oder am Ende spontan in der Gastromeile einkehren. (Essen/Eis Selbstzahler)

Start:

19.5. ab 17.45 Uhr

Teilnehmerentgelt erbeten:

Ein Beitrag für die Mischung der Kräuterwanderung, der fair ausgehandelt wurde mit dem KLUG – Netzwerk, ausschließlich nur an diesem Tag und nur für den neuen Städtepartner André Brune wird erbeten:

10 € – vor Ort wird bezahlt. Quittung wird erstellt.

Treffpunkt:

Vor dem Museum Quadrat (Parkplätze vorhanden, Parkscheibe reinlegen! 3 Stunden Parkzeit möglich)

Anni-Albers-Platz 1, Bottrop

Josef Albers Museum Quadrat Bottrop – Google Maps

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Bahn: Bottrop Hauptbahnhof, dann mit Bus Linie SB16 Richtung Bottrop ZOB Berliner Platz oder Linie 261 Richtung Bottrop Eigen Markt bis zum ZOB Berliner Platz.

Ab ZOB Berliner Platz:
Linie 251 Richtung Bottrop Grafenwald Kirche bis Haltestelle „Quadrat“, Linie 267 Richtung Bottrop Feldhausen Bf bis Haltestelle „Im Stadtgarten“.

Anmeldungen: 

André Brune – andre.brune@klug-netzwerk.de oder 01633912257

Bei Anmeldungen über 4 Personen bis zum 10.05., wird ein Tisch bei Mio bestellt, ansonten freie Auswahl in der Gastromeile.

Wer mehr über die Kräuterwanderung erfahren möchte, kann dies direkt mit einem Podcast von mir tun:

Podcast I +Video I +Fotogalerie I Der Ruhrpottologe isst mit Happy Nicole Heppert Kräuter – Ruhrpottologe – André Brune

Weitere Infos :

https://www.klug-netzwerk.de

Postkartenmotiv Mammutschädel aus Haltern im Museum für Ur- und Ortsgeschichte in Bottrop wandert zum Ruhrmuseum nach Essen I Foto der Woche

Ein gut erhaltener Mammutschädel ist eine Seltenheit. Ich hab aus meinem Besucherfoto im Bottroper Eiszeitmuseumsbereich mit der KI eine Postkarte mit diesem besonderen Mammutschädel kreiert. Die blaue Farbe stammt aus dem Bottroper Stadtwappenfarben mit denen ich spiele und damit lasse ich eine Sehenswürdigkeit der Stadt herausstechen. Mal mit mehr abstrakter Illustration, mal mit mehr Detailnähe. Der Mammutschädel gehört detailliert dargestellt, weil er einer der wichtigsten Funde in ganz Deutschland ist. Der Mammutschädel ist bei Ausgrabungen für eine Kläranlage in Haltern 1975 gefunden worden. Er ist im Josef-Albers-Museum Quadrat in Bottrop zu besichtigen. Zur Zeit ist er seit April 2026 verliehen worden ans Ruhrmuseum nach Essen für eine besondere Sonderausstellung: Überleben in der Eiszeit vom 20. April 2026 bis zum 10. Januar 2027. Da muss ich doch mal hin, um herauszufinden, wie sie diesen pompösen Schädel dort in Szene gesetzt haben. Wer genau auf seine über 3 Meter langen Stoßzähne schaut, der kann Fraßspuren von Nagetieren sehen. Die wurden weniger auf einem Spieß über Lagerfeuer gedreht. Mammutfleisch konnte ein ganzes Dorf für einen Winter ernähren, dass sogar die Ratten noch was übrig hatten. Wer im Ruhrgebiet immer an Bergbau denkt, denkt nicht daran, dass es mal ein anderes Leben davor gab. Hier gab es die Eiszeit und erst vor 10000 Jahren ging sie langsam durch Klimaveränderung zurück. Zu diesem Zeitpunkt starben nach und nach auch die letzten Wollhaarmammuts auf der nordsibirischen Wrangelinsel im Arktischen Ozean aus vor etwa 4000 Jahren. Der damalige Klimawandel und der Verlust von Lebensraum, aber wahrscheinlich auch die Jagd nach ihnen muss das Ende besiegelt haben. Umso beeindruckender ist es den Schädel dort an der Wand hängen zu sehen, genauso wie es fast einschüchternd ist neben dem Mammutskelett in der Museumshalle zu stehen. Was mich schon als Kind fasziniert hat, wie riesig sie waren. Und wie Menschen damals schon es schafften mit fortschrittlichen Jagdwaffen diese großen Tiere zu erlegen. Ich ziehe ungern einen Vergleich. Aber genau das gleiche droht nun unserem Eisbären. Seine Zeit ist in dieser Isolation in der Arktis fast schon abgelaufen. Sobald das Eis weitgehend geschmolzen ist, wird er ganz aussterben. Nur noch ein schnelles Ändern des menschlichen Verstandes, das sie in den letzten 150 Jahren genau durch den technischen Fortschritt in der Lage waren das Klima vollends so stark zu beeinflussen, kann es jetzt vielleicht noch rechtzeitig verhindern. Vor kurzem sah ich in einer Sendung den Gletscher vom Pitztal, den ich als Jugendlicher bei einer Klassenfahrt zum Skifahren auch herabglitt, mehr schlecht als recht. Da sind es genau die klimaschädlichen Schneekanonen, die dann auch noch das Trinkwasserreservoir des letzten Gletscherwassers nutzen, um als dünne Schneeschicht zu verdunsten. Denk ich an Mammut, denk ich an den Menschen, die ihren eigenen Ast absägen, bevor sie ins All fliehen können. Negativ ist das, aber trotzdem vermiese ich nicht die Geschichte, des besonderen Bildes, sondern will zeigen, dass im Blau der Postkarte eins zu sehen ist: Die Ruhestätte des Mammuts in Ruhrgebiet. Es ist beruhigend und harmonisch anzusehen und zollt Respekt gegenüber diese schon verstorbene Kreatur. Ein Gang durch die kleine Eiszeithalle öffnet vielleicht nochmal die Augen der Kinder, die einst dort auch drin waren aus meiner Altersklasse, aber heute einen größeren CO2-Fußabdruck hinterlassen, als es die Eltern je getan haben. Vielleicht denkt man dann beim Anblick ein wenig nach. Vielleicht kommt man einfach mal nach Bottrop oder zur Zeit ins Ruhrmuseum nach Essen, um den Mammutschädel sich anzusehen und sich Gedanken zu machen über die Welt, wie sie mal war und wie sie sein sollte, nämlich harmonisch in der Natur. Genuch über son Mammutschädel rumphilosophiert. Geht ma gucken! überLeben – NRW zeigt vergessene Welten mit eigener Landesausstellung

Museum Quadrat – Museum für Ur- und Ortsgeschichte 

Anni-Albers-Platz 1 – Bottrop

Öffnungszeiten – Preise – Hinweise*

Montag    geschlossen  (auch an Feiertagen)
Dienstag    ausschließlich für Gruppen mit gebuchtem Programm*
Mittwoch bis Sonntag    11 – 17 Uhr
Donnerstag    11 – 19 Uhr  (an Feiertagen bis 17 Uhr)
Geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar
Josef Albers Museum Dauerausstellung Eintritt frei
Museum für Ur- und Ortsgeschichte Dauerausstellung Eintritt frei

Sonderausstellung

8 Euro ermäßigt 4 Euro

Dauerausstellungen Ur- und Ortsgeschichte im Museum Quadrat  *entnommen von der Internetseite https://quadrat.bottrop.de

Ruhrmuseum 

Gelsenkirchener Str 181 · 45309 Essen

Öffnungszeiten – Preise – Hinweise*

Bosnische Märchen erzählt von Markus Kaupp-Herdick in Bottrop – Eine Benefizveranstaltung vom Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien

Es war einmal…in Bottrop, da hat sich vor über 10 Jahren ein Verein gegründet, der Hilfsfahrten nach Bosnien-Herzegowina organisierte. Nun begab es sich, dass bei einer Benefizveranstaltung am 26.1.26 im Stück.Gut, Kirchplatz 3 in Bottrop, bosnische Märchen erzählt wurden von Markus Kaupp-Herdick. Er forschte in alten übersetzten Büchern nach passenden Märchen aus diesem für uns eher unbekannten Land und brachte vier ins Ruhrgebiet mit. Schon das erste Märchen „Die zwei Groschen“ begeisterte das Publikum und machte Lust auf mehr.

Teaser:

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Hier könnt ihr es in voller Länge erleben::

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Die Tonqualität ist nicht das beste, weil ich es spontan aufgenommen habe. Die Nebengeräusche bitte ich zu entschuldigen.

Schon das erste Märchen „Die zwei Groschen“ begeisterte das Publikum und machte Lust auf mehr.

Das anschließende Märchen „Die Bärenprinzessin“ war ein ungewöhnliches Märchen. Die Mischung aus Fabel und einer Vorstellung eines Jenseits, dass jederzeit in einer Höhle zugänglich ist, wurde im Märchen auf ungewöhnliche Art und Weise vermischt.

 Im vierten Märchen wurden alle an die „Drei Nüsse von Aschenbrödel“ erinnert, das mit anderen Namen und einem etwas anderen Ende ebenso spannend, wie bewegend jeden Zuhörer packen konnte.

Vorsitzender des Vereins Aktion Leben und Lernen in Bosnien Semir Hasanspahic übergibt ein kleines Geschenk für den Märchenerzähler Markus Kaupp-Herdick. Im Hintergrund der zweite Vorsitzende Herbert Schröer, der den Kontakt hergestellt und die Idee zu diesem wunderbaren Abend verwirklichte.

Bosnische Märchen sind herrlich ironischer als so manches eher brutales Märchen von den Gebrüdern Grimm. Die Märchen waren für Alt und Jung eine schöne Abwechslung, um in eine alte Zeit einzutauchen in dieser schnelllebigen Zeit des Internets. Es machte am Ende Lust auf mehr Märchen erzählt zu bekommen statt sie selbst zu lesen.

Die gemütliche Räumlichkeit im Stück.Gut in Bottrop am Kirchplatz 3 waren mit einem bosnischen Teppich ausgelegt worden und machte die Märchen sehr nahbar

Seit vielen Jahren ist der Männerseelsorger und Gemeindereferent der Erzdiözese Freiburg Markus Kaupp-Herdick leidenschaftlich unterwegs im Land, um Kindern und Erwachsenen Märchen auf eine unnachahmlichen Art und Weise zu erzählen. Er erklärte sich bereit extra eine Veranstaltung zu machen, wo das eingesammelte Geld wiederum für Hilfsmittel und Unterstützungen für Schulen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen gesammelt wurde.

Ins Ruhrgebiet sind viele Bosnische Familien migriert in den 1990er Jahren während des Krieges in Bosnien – Herzegowina. Viele sind geblieben, haben sich integriert, haben Arbeit und  engagieren sich auch politisch.

Sie haben auch ihre Kultur mitgebracht. Einen Teil der Kultur haben wir in diesen schönen Märchen mitten im Ruhrgebiet erleben können. Eine Wertschätzung und Wiederholung der bosnischen Märchenerzählungen von Markus Kaupp-Herdinck ist definitiv erwünscht für diejenigen, die es verpasst haben sollten.

Ich war bei zwei Hilfsfahrten in den letzten beiden Jahren mitgefahren und unterstütze seitdem den Verein ein wenig.

Ein Märchen hab ich aufgenommen. Den Rest wollte ich selbst genießen. Im Herbst lade ich Markus für Ruhrgebiets-Märchen ein. Mal sehen, was er da erzählen wird!

Wer mehr wissen möchte zum Märchenerzähler Markus Kaupp-Herdick und den Verein aus Bottrop:

Markus Kaupp-Herdick Seelsorgeeinheit Batzenberg – Obere Möhlin

Männerseelsorge

***

https://aktion-bosnien.eu

Die Hilfsfahrten habe ich jeweils im Blog auch beschrieben und zwei Podcasts gemacht:

Aktion Leben und Lernen in Bosnien – Ruhrpottologe – André Brune

Alle Fotos (c) André Brune für den Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V.

Ins Grüne I 50. Jahresausstellung Bottroper Kunst I +Videopodcast Teil 1 & 2 I In Sachen Kunst mit Ralf Opiol

Ins Grüne heißt die besondere 50. Jahresausstellung Bottroper Künstler und Künstlerinnen. Zum vierten Mal bin ich mit Ralf Opiol alias Metropiol auf dem Wege die Kunst unserer Geburtsstadt im Josef-Albers Museum Quadrat zu sehen für Zuschauer, die sich für Kunst und auch weniger dafür interessieren. Wir wollen Kunst ohne Wissenschaft mit einfachen Erzählungen und Gedanken näher bringen.

Das Duo Ralf & André in Sachen Kunst vor der Puppe von Gereon Krebber am Eingang des Museums Quadrat

Kunst muss man nicht verstehen. Hingehen und anschauen lohnt sich, es öffnet Horizonte, stimmt einen nachdenklich, lässt einen Erstaunen oder einfach nur ratlos stehen, denn jeder hat seine eigene Interpretation, wie der Künstler oder die Künstlerin, so auch die Betrachter. Ralf hat eine andere Sichtweise als ich. Das macht uns aus als Team, wenn wir seit vier Jahren unseren Weg durch das tolle Josef Albers Museum Quadrat gehen.

Schaut in die beiden Teile rein. Es ist bestimmt nicht langweilig. Zumindest versuchen wir es so zu machen, dass keine Langeweile aufkommen kann:

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Gereon Krebber, geboren in Oberhausen, aufgewachsen in Bottrop, hatte die Ehre ein zweites Mal und auch erstmals auch draußen auszustellen. Seine plastischen Figuren wirken für mich wie Außerirdische Utensilien. Ralf sieht darin etwas anderes. Ihn und einen Teil beschauen wir uns im ersten Teil.

Es macht deswegen auch jedes Jahr aufs neue Spaß auch den Menschen Kunst so näher zu bringen, die sich nie damit befassen würden. Wir empfehlen Teil 2 weiter zu schauen mit unglaublich interessanten weiteren Werken, die im Obergeschoss hängen. 

Wenn wir uns etwas über etwas lustig machen, dann ist das mit Humor untermalte Kunst.

Als 1975 die erste Jahresausstellung startete hatten 67 Künstler 90 Kunstwerke eingereicht. 50 Jahre später wurden 308 Kunstwerke von 94 Künstler:innen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 11.1.26 zu sehen:

50. Jahresausstellung Bottroper Künstler:innen : https://museum.quadrat.bottrop.de

Adresse:

Anni-Albers-Platz 1
46236 Bottrop

Tel.: 02041 372030
Fax: 02041 3720344
E-Mail-Adresse: quadrat@bottrop.de

 

Öffnungszeiten:

Montag   geschlossen  (auch an Feiertagen)
Dienstag    ausschließlich für Gruppen mit gebuchtem Programm*
Mittwoch bis Sonntag   11 – 17 Uhr
Donnerstag   11 – 19 Uhr  (an Feiertagen bis 17 Uhr)
Geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar
Josef Albers Museum
Dauerausstellung
Eintritt frei
Museum für Ur- und Ortsgeschichte
Dauerausstellung
Eintritt frei

Sonderausstellung
Robert Smithson in Europa

8 Euro
ermäßigt
4 Euro

Bitte beachten Sie, dass wir keine Zahlungen mit American Express-Karten ermöglichen können.
Please note that we cannot accept payments with American Express cards.

Freien Eintritt bei Sonderausstellungen haben
– Bottroper Bürger:innen an Freitagen,
– Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Schüler:innen,
– geflüchtete Personen und eine Begleitperson,
– Personen mit Schwerbehinderung (ab 80 % GdB) und eine Begleitperson,
– Inhaber:innen eines Presseausweises,
– Mitarbeiter:innen der RuhrKunstMuseen,
– Mitglieder des Museumsvereins des Museumszentrum Quadrat, des ICoM (International Council of Museums), des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte e.V., des Deutschen Museumsbundes e.V., des Bundesverbandes Museumspädagogik e.V. und
– Inhaber:innen der RuhrKulturCard (einmalig)

Informationen direkt von der Internetseite: Öffnungszeiten und Preise

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Fotos (c) André Brune

Vernissage der Jahresausstellung im Bilderkarrussell:

Ralf Opiol (Metropiol) in Erklärungsaktion (Fotos von (c) André Brune während der Videoaufnahme entstanden:

Einblick auf Gereon Krebbers Einzelausstellung (Fotos sind während der Videoaufnahme entstanden) (c) André Brune

Fast alle Kunstwerke der 50. Jahresausstellung Bottroper Künstler:innen (einige Fotos folgen nach, weil während der Videoaufnahme fotografiert diese leicht verschwommen waren) (c) André Brune:

Ein schweifender Blick in die Ausstellungsräume (c) André Brune

Kunstwerkliste mit Preisen (eine fehlt und wird fotografisch nachgereicht)

Im Waldpädagogischen Zentrum in Bottrop mit Ulrich Trockle I +Videopodcast I +Podcast #115 I +Fotogalerie

Eine Begehung im Waldpädagogisches Zentrum in Bottrop-Kirchhellen mit Ulrich Trockle in zwei Teilen war ein besonderes Erlebnis, denn dort kann jeder Natur erleben und bewahren!

Ulrich Trockle (rechts)

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Es war mir ein wichtiges Bedürfnis einen Blogbeitrag über das Waldpädagogische Zentrum zu machen, ihren Menschen und ihrem Tun für die Natur und nachfolgenden Generationen. Es ist ein Verein, der wieder ein Vorbild auch für andere Städte im Ruhrgebiet sein kann. Nicht nur ein neuer Mischwald entsteht durch ihn, sondern Kindern und Jugendlichen wird erklärt, was Natur ist, wie sie mit Natur umgehen können und sollten. Für jede Generation ist etwas zu lernen dabei. Staunen und auch Natur und Wald neu zu erschaffen, auf eigenem Stadtgebiet, den vorher Kinder wiederum zur Aufzucht eingepflanzt haben.

Die Baumaufzuchtbeete

Den Geschäftsführer des Vereins Ulrich Trockle vom Waldpädagogischen Zentrum lernte ich beim neuen Gastgebernetzwerk von Bottrop kennen und habe ihm nach einer gemeinsamen Begehung angeboten einen individuellen Videopodcast mit Begehung über das gesamte Gelände zu machen. Der herzlichen Einladung bin ich gefolgt und war erstaunt, wie groß es ist und was alles das Waldpädagogische Zentrum seit 1995 in die Wege geleitet hat.

Ulrich Trockle im Element Erzählen über das Waldpädagogische Zentrum

Zu diesem Zeitpunkt zog ich nach Bochum. Wäre ich in Bottrop geblieben, wäre ich einer der ersten Mitglieder geworden, weil es ein besonderer Verein ist, der Kinder und Erwachsene nicht erzieht, sondern mit Spiel und Spaß zur Natur führt und dabei einen neuen Wald klimagerecht aufbaut auf Flächen, die landwirtschaftlich vorher stark genutzt wurden.

Der Eingang Ruhehorst 14 zum Waldpädagogischen Zentrum

Der Verein sorgt für regionale Zusammenkünfte von Kindergärten und Schulen und Erwachsenen, sich mit dem Wald und seiner Natur auseinanderzusetzen, ihn respektieren zu lernen. Er ist ein kleiner Teil für den Weg zu einer besseren zukünftigen Welt. Hier wird angefangen Wald zu erschaffen. Der Verein führt jährlich Kinder und Jugendliche dazu die Natur schätzen zu lernen. Vor Ort lernen sie sie besser kennen und können mit ihren eigenen Händen Natur erschaffen.

Für mich war klar nach den insgesamt zweieinhalb Stunden Aufenthalt direkt meine Unterschrift für eine Mitgliedschaft zu geben. Wie weit ich aktiv sein kann, ob passiv oder aktiv, spielt erstmal keine Rolle. Der geringe Mitgliedsbeitrag tut nicht weh. Die Hälfte des Mitgliedsbeitrags geht in einen weiteren alten deutschen Verein zum Schutz der deutschen Wälder. Dann wird eben einmal auf Essengehen verzichtet im Jahr und tut was gutes für den Planeten Erde auf regionalem Niveau im Ruhrgebiet.

Tatsächlich wissen innerhalb der Stadt, geschweige denn der umliegenden Städte, nur wenige von diesem besonderen Verein und ihrem Tun. So hoffe ich, dass ich dazu beitragen kann etwas mehr Reichweite über die Bottroper Stadtgrenzen hinaus für das Waldpädagogische Zentrum mit Blog, Videopodcast und einer kleinen Fotogalerie über das Gelände zu geben. In Teil 1 gibt es ein Interview mit Ulrich Trockle und in Teil 2 zeigt er das ganze Gelände, das Vereinshaus und das Haus der Waldjugend, sowie das Wildgehege, das Imkerhaus und einiges mehr:

Zum Videopodcast/Podcast Teil 1 (Interview mit Ulrich Trockle)

Zum Videopodcast/Podcast Teil 2 (Begehung mit Ulrich Trockle über das Gelände vom WPZ)

Ulrich Trockle und das Waldpädagogische Zentrum in Bottrop

Seit Februar 2024 leitet Ulrich Trockle das Waldpädagogische Zentrum Kirchhellen. Ulli, wie seine Freunde ihn nennen suchte nach 30 Jahren als Geschäftsführer eines Autohauses und nun in der Rente, suchte er nach einer besonderen Aufgabe mit viel Sinn.

„Ich wollte etwas machen, das für kommende Generationen Wert hat“, sagt Trockle. Die Arbeit mit Kindern, Schulen und Vereinen erfüllt ihn heute mit viel Freude und ist ein großer Gewinn für den Verein, der innerhalb der Stadtgrenzen der Stadt Bottrop nach mehr als 30 Jahren immer noch nicht so bekannt ist, obwohl Schulen und Kindergärten eingeladen sind seit 26 Jahren  einen neuen Wald zu pflanzen. Was in der Form einmalig ist und für andere Städte, nicht nur im Ruhrgebiet ein Vorbild ist, muss natürlich im Blog und als Podcast besonders erwähnt werden.

Er ist die Stimme des Vereins zur Zeit, animiert auf vielen Veranstaltungen das Waldpädagogische Zentrum zu besuchen. Doch alle Arbeiten und Aktivitäten liegen natürlich beim gesamten Vorstand und den vielen ehrenamtlichen Helfern vom und außerhalb des Vereins, die das Organisieren der Pflanzungen unterstützen oder das Frühlingsfest und den Adventsbasar aufbauen und betreuen.

Ulrich Trockle vor dem Wildschweingehege

Deswegen habe ich auch zwei Teile gemacht, um einmal die Person und den Verein vorzustellen und im zweiten Teil die Begehung des 1,6 ha großen Areals mit Kräutergarten, Baumzüchtung, Imkerei, Obstbaumwiese, Wildschweine, Mufflons, Ziegen, Hühner und Bienen näher zu bringen.

Die Bienen fliegen fleißig Honig besorgen in der Umgebung

Es soll animieren sich den Verein näher anzuschauen, vielleicht auch einzusteigen oder zumindest einmal im Jahr bei der Einpflanzaktion eines zukünftigen neuen Waldes innerhalb des Stadtgebiets mit über 1400 Kindern mitzuhelfen im Frühjahr oder es in die eigene Stadt zu tragen, um so etwas pädagogisch sinnvolles zu eröffnen.

Die Bäume von der Schule Am Tetraeder eingepflanzt ins Zuchtbeet

Kirchhellen und die Bekanntheit des Vereins

Kirchhellen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert: Von ehemals 5.000 Einwohnern ist die Zahl inzwischen auf über 22.000 gestiegen. Früher kannte jeder jeden – heute ist das anders, sagte Ulrich im Podcast. Wer im südlichen Stadtteil Ebel wohnt, hat wahrscheinlich noch nie was von diesem einzigartigen Naturzentrum gehört.

Deshalb setzt Ulrich verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit und neu entstandene Netzwerke, um das Zentrum bekannt zu machen. Mittlerweile zählt der Verein über 300 Mitglieder. Wichtig zu wissen ist, dass der Verein eng mit dem Naturschutzverein SDW, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V., zusammenarbeitet, der sich der Waldpädagogik und eben dem Schutz des deutschen Waldes widmet. So wird die Hälfte von läppischen 26 € Mitgliedsbeitrag für den Verein an den SDW abgeführt, um deren naturfördernde Arbeit zu unterstützen.

SDW – Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg gründete sich 1947 ein neuer Verein, der sich mit dem Waldschutz beschäftigen sollte. Es wurden Jugendlager in den Wäldern veranstaltet und Schulwälder eingerichtet. Waldjugendheime und Häuser im Wald sollten der Jugend das Verständnis zur Natur und deren Erhaltung näher gebracht werden. Sehr interessant, dass es zu einer Zeit gegründet wurde, als viele eher um Hunger und Wiederaufbau ging.

Daraus entwickelte sich die „Waldpädagogik“, ein Bildungskonzept für nachhaltige Entwicklung, die sich mit mehr als nur um den Erhalt des Waldes beschäftigt. Dazu gehört nicht nur die ganzheitliche Betreuung des Waldes, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung und der wichtigere Teil der Gesundheitsbildung. Denn der Wald hat ja nicht nur einen Nutzen für die Forstwirtschaft, sondern auch eine Schutz- und Reinigungsfunktion, gerade für stark luftbelastete Gegenden, wie das früher im Ruhrgebiet war, sowie auch eine Erholungsfunktion für Bürger und Bürgerinnen, nicht nur am Wochenende.

Unter diesem Aspekt sind die Waldschulen entstanden, Waldlehrpfade, sowie Waldlehrgärten, Forstmuseen, auch Waldtheater, Walderlebniszentren und daraus wiederum einzelne Vereine und Verbände, wie das Waldpädagogische Zentrum, die sich vor Ort mit dem Thema widmen.

Wer mehr über den SDW wissen möchte, oder sogar freiberuflicher Waldpädagoge werden möchte (Alter spielt keine Rolle!):

https://sdw.de

Oder die Angebote vor Ort in Waldschulen oder Bildungszentren aufsuchen möchte:

https://in.den-wald.de

Das TUN im Waldpädagogischen Zentrum

Baumpflanzaktionen mit Schulen und Kindergärten

Ein besonderes Highlight sind die jährlichen Baumpflanzaktionen. Alle Grundschulen in Bottrop werden damit angesprochen. Ein Jahrgang kommt in das Waldpädagogische Zentrum, wo auf ihren vorgefertigten Pflanzbeet eine Reihe Setzlinge gepflanzt werden. Vorrangig finden diese Pflanzungen im März statt, damit die kleinen Setzlinge noch genug Feuchtigkeit abbekommen, um die Hitze des Sommer zu überstehen. Bei späterer Pflanzung können 30 – 40% der Setzlinge eingehen.

Auch die Kindergärten können einpflanzen

Vier Jahre später werden sie auch im Frühjahr in einem von einem privaten Landwirt zur Verfügung gestellten ehemaligen Ackergelände in der Kirchheller Heide eingepflanzt. Ein neuer Wald entsteht. Es wird nicht aufgeforstet. Somit trägt der kleine örtliche Verein, das Waldpädagogischen Zentrum, viel mehr für den Klimaschutz bei als so manch andere und kann damit gleichzeitig den Schüler und Schülerinnen die Natur erklären, in dem sie selbst mit anpacken. Die Kinder erleben dabei nicht nur das Pflanzen, sondern auch Waldbegehungen mit Spielen und Naturerlebnissen.

So sind in 26 Jahren der jährlichen Pflanzaktionen auf 220.000 Bäume auf insgesamt 26 ha gepflanzt worden. Ziel ist Qualität vor Quantität – die Kinder sollen mit positiven Erfahrungen nach Hause gehen.

Klimagerechte Bäume

Gepflanzt werden vor allem Mischwälder aus Eichen, Buchen oder Vogelkirschen. Haselnussbäume haben eine Besonderheit. Sie werden am Rand gepflanzt, weil sie schnell wachsen. Sie halten das Wild auf, damit sie die kleinen Setzlinge nicht abkauen. Bewußt wird kein Baum aus den südlichen Regionen eingepflanzt. Das Klima verändert sich zwar rasend schnell, aber dennoch sind diese Baumsorten noch nicht geeignet in den hiesigen Boden einzupflanzen. Der Mineralgehalt und die Beschaffenheit der Böden sind vor Ort andere als hier. Sie können das Wachsen der heimischen Baumsorten auch hemmen. Im Einkauf, teilte Ulrich Trockle mit, kostet ein Setzling in der Mischkalkulation etwa 1,80 €.

Nachwuchsarbeit: Die Waldjugend

Der Verein hat auch eine Waldjugendgruppe. Sie trifft sich jeden Samstag von 10 bis 13 Uhr.  Mitmachen können Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre. Aber auch Jugendliche bis 25 Jahren sind herzlich eingeladen zu unterstützen. Im Waldjugendhaus mit Küche und Werkraum können sie auf Sofas sich fläzen. Dort können sie zur Verfügung gestellte ausgestopfte Tiere, die allesamt nicht erlegt wurden, sondern eines natürlichen Todes gestorben sind, für die Schaukästen vorbereiten, die auf dem Gelände des Vereins stehen, um die Waldtiere näher bringen. Von Fuchs bis zum Fischreiher, dem Biber und den Meisen oder Rehen, sind fast alle heimischen Tiersorten anschaulich zu sehen, auch in der Haupthütte, wo auch Hochzeitsfeiern stattfinden können gegen eine kleine Spende.

Die Waldjugend erlernt durch handwerkliche Projekte den Bau von Nistkästen. Wer hier einmal war, will auch nicht mehr zurück an die Playstation. Hier wird konkret die Zukunft gestaltet. Meisen zum Beispiel fressen den Eichenprozessionsspinner. Somit sind sie wichtig für den Erhalt der Eichen im Wald. Eichen können über 1000 Jahre alt werden. So macht nicht nur die neue Generation etwas gutes für die Nachwelt. Das Tun hier ist für die Zukunft des Planeten, auch wenn sich das im regionalen Bereich beschränkt.

Der Aufenthaltsraum der Waldjugend

Bildung und Gemeinschaft

Die 52 Bottroper Kindergärten nutzen das Zentrum. Wöchentlich sollen die Kindergärten vor Ort abwechselnd in das Waldpädagogische Zentrum. Sie lernen mit Begeisterung die Natur kennen. Das Miteinander klappt hier auf dem großen Areal besser als in den kleineren Räumlichkeiten eines Kindergartens. Ein Waldkindergarten soll hier entstehen, damit Kinder unter sechs Jahren, egal welcher Farbe oder Religion in der Natur diese erleben können. Ulrich sieht bei den Kindern eben keine Hürden. Sie werden eher von den Erwachsenen aufgebaut.

Tiere, Imker und Naturerlebnis

Auf dem Gelände leben Mufflons, Wildschweine, Enten, Hühner und Bienen. Der Bottroper Imkerverein, der älteste Verein der Stadt, hat hier eine feste Hütte mit Seminarräumen. Besucher können in Schaukästen die Arbeit der Bienen hautnah erleben. Das Highlight für die Kinder sind die Wildschweine. Deren Eingrenzung musste jetzt zu einem doppelten Zaun vergrößert werden, damit die afrikanische Schweinepest nicht auf oder von den Wildschweinen übertragen wird. Das würde zur Folge haben, so das Bottroper Veterinäramt, dass ca 50000 Schweine in den umliegenden Landwirtschaftsbetrieben „gekeult“, also getötet werden müssten. Was teuer für den Verein ist, so könnte dieser Umstand, der passieren könnte eher für einen noch größeren wirtschaftlichen Schaden werden, den keiner bezahlen kann.

Die Wildschweine freuen sich über Besuch

Die Mufflons sind sehr neugierig, aber auch gleichzeitig scheu. Sie sind eine Augenweide auf dem Gelände.

Die Mufflons sind neugierig, aber auch scheu

Es gibt einen umgedrehten Baum, der Besuchern zeigt, wie ein Baum mit Wurzeln aussieht.

Der umgedrehte Baum

Abgeschnittene Äste und Triebe werden an den Rand des Weges gelegt für die unzähligen Kleintiere, die das Totholz zum nisten nehmen.

Eine Informationstafel wofür Totholz wichtig ist

An den Zäunen hängen verschiedene Nistkästen für verschiedene Vögel, die wiederum die Waldjugend auch fertig stellt. Meisenkästen werden zum Beispiel an Eichen gehängt. Sie fressen Eichenprozessionsspinner. Eine Win – Win – Situation sozusagen für die Eiche und die Meise.

Auf dem Gelände stehen achteckige Glasschaukästen, die ich von früher vor dem Umbau der Fußgängerzone aus meiner Geburtsstadt kenne. Sie sind hier gelandet. In ihnen tummeln sich die ausgestopften Waldtiere. Sie sind alle eines natürlichen Todes gestorben, betont Ulrich Trockle immer wieder.

Die Glasschaukästen aus der Fußgängerzone haben einen vernünftigen Sinn bekommen

Die Glasschaukästen gibt es allerdings immer noch in den ein oder anderen Ruhrgebietsstädten. Kürzlich entdeckte ich einen in der Fußgängerzone in Bochum-Gerthe und in der Fußgängerzone in Recklinghausen standen ein paar. Meist waren sie leer und sehr verwahrlost. Leider! Hier auf dem Vereinsgelände zeigen sie anschaulich die Wald – und Wildtiere für jede Generation.

Veranstaltungen und Feste

Das Frühlingsfest mit ökumenischem Gottesdienst ist jährlich das größte Event mit den meisten Besuchern. Vor Ort üben die Jagdhornbläser. Immer wieder werden verschiedene Aktionen in der Natur gemacht. In der großen Vereinshütte können Feste gefeiert werden auch on externen Gruppen gegen eine kleine Spende.

Der Innenraum des Festsaals des Vereins mit eigener Zapfhahntheke aus einer ehemaligen Gaststätte von Kirchhellen

Jährlich finden die Jägerprüfungen vor Ort statt und es werden unterschiedliche Seminare durchgeführt.

Historie und Engagement

Das Gelände war ursprünglich ein Schießstand von Polizei und Jägern. Schon seit dem 1. Weltkrieg wurde hier das Schießen geübt. Als die Polizei es zuletzt nicht mehr nutzte, verfiel die Hütte. So hat sich Heinrich Tenhumberg die Idee in den Kopf gesetzt daraus einen außerschulischen Lernort herzurichten. Die 21 Grundschulen und Förderschulen und Kindergärten wurden direkt eingebunden. Er war bis 2010 Vorsitzender des Kreisverbands. Bis heute führt Peter Pawliczek das WPZ den Vorstand, wie es abgekürzt heißt.

Insgesamt unterstützen 10 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie etwa 130 Freiwillige bei den jährlichen Pflanzaktionen den Verein. Bei der nächsten Pflanzaktion bin ich der 131 auf jeden Fall!

Sponsoren und Mitgliedschaft

Die Arbeit wird durch Mitgliedsbeiträge ermöglicht. Pro Jahr kostet es nur 26 €, davon gehen 13 € an die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Das Ganze wird durch Sponsoren unterstützt, um entweder die Setzlinge, die jährlichen Pflanzaktionen oder auch Flächen anzubieten, wie Stremmer – Sand und Kies, Wald und Flur GmbH, Metallbedachung Markus Kremer, Euroquarz und der Baumdienst Enbergs, sowie die beiden örtlichen Banken, Vereinte Volksbank und Sparkasse Bottrop. Natürlich sind immer neue Sponsoren herzlich eingeladen.

Blick in die Zukunft

Ulrich Trockle plant bereits die Pflanzflächen für die Jahre 2027 bis 2029. „Die größte Herausforderung ist, geeignete Flächen zu finden“, betont er. Dabei wird stets auf nachhaltige Waldwirtschaft geachtet: Der Eigentümer der Flächen übernimmt die Pflege und kann Bäume später nutzen. Zwischen 20 und 60 Jahren dauert es, bis ein Baum „erntereif“ ist.

Aber sie ist gleichzeitig auch eine Möglichkeit eines Landwirts generationenübergreifend in der Forstwirtschaft tätig zu sein, wenn die Flächen klima- und naturgerecht nutzbar gemacht werden. Niemand kann voraussehen, wie lange in der Kirchhellener Heide Sand und Kies weiter abgebaut werden. Wenn dort eine Fläche frei wird, dann ist das in der Zukunft auch eine Möglichkeit für den natürlichen Strukturwandel, wo keine Grundstücke für Häuser bereitgestellt werden, sondern eher die Natur sich normal weiter entwickeln kann.

„Wir wollen, dass vor allem die Kinder positive Erlebnisse mit nach Hause nehmen“, so Trockle, Ein Ziel bleibt klar: Natur erlebbar machen und kommende Generationen für den Wald begeistern und für den Erhalt ihres eigenen Planeten pädagogisch zu unterstützen.

Fazit

Ich wollte sofort dabei sein, ob ich in Bochum wohne oder in Gelsenkirchen wohnen würde. Es ist ein Verein, den es zu unterstützen gilt für die nächsten Generationen. Die 26 € tun mir nicht weh im Jahr. Dafür lasse ich einmal einen Restaurantbesuch aus und gebe das für einen sehr guten Zweck aus, nämlich den Erhalt der Natur und die pädagogische Nutzung für die Zukunft unserer nächsten Generationen. Ich habe keine Kinder, so unterstütze ich das erst recht!

Außerdem ist er eine Vorbildfunktion für andere Städte im Ruhrgebiet. Ich hoffe, das ich das nun über die Stadtgrenzen hiermit bekannter gemacht zu habe.

Mitmachen – Kontakt – Sponsoren – Links

Wer da auch mitmachen möchte, eine Waldfläche zur Verfügung stellen kann oder den Verein einfach nur mit einem Mitgliedsbeitrag unterstützten möchte, kann sich beim WPZ melden:

SDW KV Bottrop e.V.
Ansprechpartner: Ulrich Trockle

Ruhehorst 14
46244 Bottrop
Deutschland
Tel.: 
0204585111
E-Mail:
kontakt@sdw-wpz-bottrop.de

https://sdw-wpz-bottrop.de

Sponsoren:

Stremmer Sand + Kies

Wald und Flur GmbH & Co KG

Konzept-Metall-Bedachungs GmbH in Bottrop | Leistungen auf dem Dach

EUROQUARZ – Quarzsand, Quarzkies & Filterkiesprodukte

Baumdienst Enbergs GmbH – Home

Vereinte Volksbank

Sparkasse Bottrop

FOTOGALERIE (c) André Brune

Eine Bottroper Landkarte, mit den eingezeichneten Waldgebieten vom Waldpädagogischen Zentrum
Der Kräutergarten
Das Backhaus im Kräutergarten
Die Baumzuchtbeete hinter dem Kräutergarten
Informationstafeln zu den Kräutern
Das Imkerhaus des ältesten Imkervereins in der Stadt Bottrop
Die Waben tropfen den Honig anschaulich aus
Wilde Orchidee
Bienen in Aktion
Die Mufflons sind neugierig, aber scheu (c) André Brune
Hornissen kämpfen um Essen
Das Wildschweingehege
Die Wildschweine freuen sich über Besuch
Viel wildes Grün für Insekten und Bienen an der Obstwiese
Die Nachhaltigkeitshütte für pädagogische Erklärungen von Müll in der Natur
Streuobstwiese
Die Glasschaukästen aus der städtischen Fußgängerzone
Die Glasschaukästen aus der Fußgängerzone haben einen vernünftigen Sinn bekommen
Ein großes Insektenhotel
Giftige Pflanze: Gefleckter Aronstab - nicht mit Bärlauch verwechseln!
Die Ziegen
Das Brabanthuhn spielt Eminem. Der Goldklunker fehlt.

Kirchhellener – Motive I Eine ortsbezogene Fotografie-Ausstellung von André Brune im Bürgerbüro Kirchhellen ab 28.8.2025 mit Spende für den guten Zweck I +Fotos I +Video

Im Bürgerbüro der Bezirksverwaltung Kirchhellen stelle ich vom 29.8.25 bis 28.2.2026 frische Fotos unter dem Titel „Kirchhellener Motive“ aus mit einem Spendenanteil für den guten Zweck.

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Mehr Informationen

Aus meinen Fotoreihen Flaschengefühle, Regenscheibe, Schattenwand und den neuen mit KI illustrierte Fotos zeige ich 16 verschiedene Situationen und örtliche Sehenswürdigkeiten. Auch die neue Fotoreihe „Vintage“ habe ich hier erstmalig hängen. Nur einige Fotos sind durch die sozialen Medien bekannt geworden. Hier im Blog sind sie auch erstmalig veröffentlicht. So kann eine Bandbreite meiner fotografischen Kunst erlebt werden, die ich fast täglich erweitere mit weiteren Ideen und Synergieeffekten.

Der Hausmeister Andreas hat geholfen aufzuhängen. Vielen Dank!

Alle Motive habe ich in  Kirchhellen zufällig gefunden oder gezielt gesucht. Wenn ich in Kirchhellen ausstelle, wollte ich das auch mit Motiven aus dem Bottroper Norden und nicht das tausendste Bild vom Tetraeder oder die Halde mit dem Prosper Haniel Fördergerüst mit Sonnenuntergang oder im Nebel.

Persönliche Beziehung

In Kirchhellen wurde auch über Jahrzehnte Steinkohle gefördert. Zu sehen ist die Bergbaugeschichte an zwei Fördergerüsten, die es bald nicht mehr geben wird. Eines davon steht in Grafenwald und das andere einen Kilometer entfernt von der Dorfmitte: Prosper V. Dort habe ich auch ein paar Monate gearbeitet als Ver- und Entsorger. Meine Schwester hatte in Grafenwald ein Haus, bevor sie starb vor 10 Jahren. So habe ich eine gewisse engere Beziehung zu diesem Teil meiner Geburtsstadt.

Ich freue mich hier ausstellen zu dürfen. Ein Kunstherz für Kirchhellen!
 

Bergbaugeschichte

Das Kirchhellener Umland weist viele Bergschäden auf als Zeugnis der Bergbaugeschichte mit einem einzigen Unterschied: es gibt keine typischen Zechensiedlungen. Die Fördergerüste kamen sehr spät nach Kirchhellen; zu einem Zeitpunkt als die Bergleute anfingen von geschlossenen alten zu neu eröffneten Zechen zu pendeln, die immer weiter und immer tiefer in den Norden abgeteuft wurden.

Durch meine persönliche Zeit in Kirchhellen hat das Dorf immer ein Platz in meinem Herzen. Es ist mir also eine Ehre dort ausstellen zu dürfen im Rahmen als Mitglied der Kunstgemeinschaft Bottrop 1969 e.V. und seit März 2025 1. Vorsitzender. Jedes Mitglied darf dort für maximal sechs Monate in Kirchhellen oder im Rathaus der Stadt Bottrop im jeweiligen Bürgerbüro seine Kunst ausstellen.

Feste im Dorf

Kirchhellen ist der nördliche Teil von Bottrop. Das größte Dorf in Deutschland feiert andere Feste als die sonst in Deutschland bekannt sind: Brezelfest und die Bauernolympiade. Beide haben eine gewisse Form von Andersfotografie ihren Platz an der Bürgerbürowand gefunden.

Gut leben

Mittlerweile über 23000 Einwohner verzeichnet das Einwohnermeldeamt im Bezirk. Viele Neubauten sind auf das von Ackerbau geprägte Kirchhellen gesetzt worden. Das Dorf lebt und boomt im Gegensatz zu anderen Stadtteilen anderer Städte im Ruhrgebiet. Hier lässt es sich gut leben auf dem Land mit viel Grün und auch vielen Freizeitangeboten, die über das Radfahren hinaus gehen: Movie Park, Schloss Beck, die Bauernhöfe Schmücker Hof, Umberg, Bauer Sagel und Miermann, die mit ihren heimischen Obst, Gemüse und Fleischangeboten in ihren Bauernläden, dem Kuhkuscheln, Spargel- und Grillfesten auch Besucher und Besucherinnen aus dem Umland einladen.

Motiv Kirchhellen

Kirchhellen wird unterschätzt für die Motivauswahl. Es ist ein modernes Dorf mit Neubauten geworden, aber es hat viele kleine Dinge, die entdeckt werden können. Je nach Lichteinfall mit dem richtigen Auge können Motive gefunden werden. Wenn die Motive gewollt noch mit speziellen Foto-Apps oder mit KI verändert werden, bekommen BetrachterInnen einen eigenen anderen Blick auf ihr Dorf und auch Interesse das Dorf mit ihren Facetten eben anders zu erkunden.

Das war das Ziel meiner Auswahl, die ich kurz nach der Bekanntgabe, dass ich dort aufhängen kann, zusammen gestellt habe. Hier ist die Galerie zwar digital zu sehen, aber wie sagt mein Freund und Künstler Ralf Opiol: „Zur Kunst musst du gehen!“

Ja, es lässt das Motiv anders auf sich wirken, wenn es im Raum zu betrachten geht.

Zu besichtigen ist die Ausstellung immer zu den Öffnungszeiten vom Bezirksverwaltungsamt Kirchhellen im Erdgeschoss links im Bürgerbüro:

Anschrift

BVSt Kirchhellen
Kirchhellener Ring 84-86
46244 Bottrop

Karte öffnen (Google Maps)
Karte öffnen (OpenStreetMap)
ÖPNV-Verbindung

Öffnungszeiten

Montag & Dienstag

8.00 – 16.00 Uhr

Mittwoch

8.00 – 13.00 Uhr

Donnerstag

8.00 – 18.00 Uhr

Freitag

8.00 – 13.00 Uhr

Anschrift und Öffnungszeiten sind der Internetseite www.bottrop.de entnommen.

Dankesworte

Es gab keine Vernissage und wird auch keine Finissage geben, da eine kleine Party zu den Öffnungszeiten nicht möglich ist. Aber die Presse war nach der Hängung eingeladen für einen kleinen netten Beitrag. Ich bedanke mich beim Bezirksamtsleiter Magnus Thesing, der das möglich macht für die Kunstgemeinschaft Bottrop, und dass er mir sozusagen diesmal den roten Teppich ausrollte.

Limitierung für den guten Zweck

Mit der Ausstellung möchte ich auch was für Kirchhellen tun. Meist gebe ich einen Teil der Erlöse meiner Fotos an soziale Projekte ab. Diesmal bekommt 10 € pro verkauftem im weißen Rahmen das Waldpädagogische Zentrum, das in der Straße Ruhehorst 14, liegt und viel für die naturnahe pädagogische Erziehung macht. Kindergärten und Schulen einlädt Bäume zu pflanzen auf dem Grundstück, die nach fünf Jahren auf einem ausgewiesenen ehemaligen Ackergelände einen Wald aufforsten.

Waldpädagogisches Zentrum

Der Verein macht in meinen Augen viele wichtige Projekte. Ich lernte Ulrich Trockle, dem Vorsitzenden des Vereins bei den Bottroper Gastgebernetzwerk kennen und wollte den Verein in seinem Tun auch podcasten. Der Podcast erscheint in Kürze mit dem Video zur Begehung über das Gelände, wo sich neben Kräutergarten, Baumarten, auch Wildschweine, Ziegen, Mufflons und Hühner, sowie Honigbienen tummeln. Kinder und Jugendlichen sollen Spaß haben und für die Naturerhaltung sensibilisiert werden.

Die Bilder in dieser Größe und Ausgabe sind limitiert auf 10 Stück!

Hier sind sie nun in der Übersicht mit den entsprechenden Preisen, ihrem Namen und das Tun hinter den Kulissen. Alle Fotos sind Copyright André Brune, auch die KI-generierten Bilder, die aus meinen Fotomotiven von mir so bei ChatGPT kreiert wurden.

FOTOGALERIE

„Kirchregen I“ - Aus der Fotoreihe „Regenscheibe“ -Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm - Preis: 190 € - Jahr : 11.03.2024 - (c) André Brune
„Schachtregen 10“ - Aus der Fotoreihe „Regenscheibe“ Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm - Preis: 190 € - Jahr : 11.03.2024 - (c) André Brune
„Brückenregen I“ - Aus der Fotoreihe „Regenscheibe“ - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm - Preis: 190 € - Jahr : 22.04.2024 - (c) André Brune
„Bauernolympiadenhandy“ - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm - Preis: 190 € - Jahr : 07.06.2025 - (c) André Brune
„Flaschenolympiade“ - Aus der Fotoreihe „Flaschengefühle“ gegen die Vermüllung der Stadt - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm - Preis: 190 € - Jahr : 07.06.2025 - (c) André Brune
„Lekka Fisch aufm Kirchheller Markt“ - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm – Preis : 190 € - Jahr : 24.07.2025 - (c) André Brune
„Vintagesonnenblumenhummel“ - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm – Preis : 190 € - Jahr : 24.07.2025 - (c) André Brune
„Verlorene Gardine“ - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm – Preis : 190 € - Jahr : 29.07.2025 - (c) André Brune
„Im Namen Gottes I“ - Aus der Fotoreihe „Schattenwand“ - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm – Preis : 190 € - Jahr : 29.07.2025 - (c) André Brune
„Im Namen Gottes II“ - Aus der Fotoreihe „Schattenwand“ - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm – Preis : 190 € - (c) André Brune Jahr : 29.07.2025
„Im Namen Gottes III“ - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm – Preis : 190 € - (c) André Brune Jahr : 29.07.2025
„Gestörte Harmonie“ - Fotografie mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm – Preis : 190 € - Jahr : 29.07.2025 - (c) André Brune
„Brezelfest“ - Fotografie - mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 60 x 45 cm – Preis : 190 € - (c) André Brune Jahr : 29.07.2025
„Brezelbruder in Kirchhellen“ - Aus der Fotoreihe „Bottroper Motive“ - Mit KI illustrierte Fotografie - mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 30 x 40 cm – Preis : 150 € - (c) André Brune Jahr : 29.07.2025
„Schloss Beck in Kirchhellen“ - Aus der Fotoreihe „Bottroper Motive“ - Fine Art Print - Mit KI illustrierte Fotografie - mit Rahmen weiß - 30 x 30 cm – Preis : 90 statt 150 € auf der Kunstmesse Jahr : 29.07.2025 - (c) André Brune
„Fachwerk erhalts in Kirchhellen“ - Aus der Fotoreihe „Bottroper Motive“ - Mit KI illustrierte Fotografie - mit Rahmen weiß - Fine Art Print - 45 x 60 cm– Preis : 190 € - Jahr : 29.07.2025 - (c) André Brune

Die Umwelt erfahren mit Naturfreunde – am Beispiel Ortsverein Bottrop I +Videopodcast I + Podcast I +Fotos #109

Was sind die Naturfreunde? Wie lange gibt es sie schon? Und was machen die Naturfreunde eigentlich? Das sind nicht die einzigen Fragen, die ich hatte, als ich zu den Bottropern Naturfreunden gekommen bin, um einen Podcast mit ihnen zu machen. 

Ich wußte bislang nicht, wie groß sie wirklich sind und welchen öko-sozialen Hintergrund sie eigentlich haben seit ihrer Gründung im Jahr 1895. Sie stellen sich offen gegen den rechten Populismus und  machen mit ihrem eigenen Projekt FARN und dem Naturfreunde-Verlag Präventionsarbeit. Sie setzen sich auch für den sanften Tourismus ein. 

Stellvertretend habe ich nun einen von den weltweiten 600 Ortsgruppen nun interviewt. Im Vorstand sitzen Wilhelm Schluckebier und Rainer Fries, die mir viele Fragen beantwortet haben, die nicht nur ich bestimmt nicht wissen:

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Vielleicht ist der Titel zu lang. Vielleicht hätte ich einen griffigeren nehmen sollen, aber vielleicht versteht ihr es, wenn ich den Titel „Umwelt erfahren“ genutzt habe, wenn ihr weiterlest oder den Podcast gehört oder gesehen habt. Denn die Umwelt ist nicht nur Natur, die es zu schützen gilt. Die Umwelt ist auch der Mensch, der sie beeinflusst mit Tourismus zum Beispiel oder auch der offene Gesellschaftliche Dialog, der durch Populisten gestört wird, die wieder mit Hass und Zerstörung drohen, was die Naturfreunde schon einmal durchmachen mussten. Denn wußtest du, dass…

Rechts: Wilhelm Schluckebier, Links: Rainer Fries vom Vorstand der Naturfreunde Bottrop vor ihrem Naturfreundehaus Auf der Koppe 16

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ einer der ältesten Vereine sind und gar nicht in Deutschland gegründet wurden?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ von den Nationalsozialisten und Kommunisten verboten wurden?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ nicht nur sich für den Naturschutz, sondern auch die erste Friedensbewegung in Deutschland mitgeprägt haben?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ sich für günstigen Urlaub mit ihren Naturfreundehäusern für die ärmeren Familien oder Kinder- und Jugendgruppen einsetzen und damit nach den Jugendherbergen der zweitgrößte Anbieter in Deutschland sind?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ von engagierten Arbeitern in Wien 1895 gegründet wurden?

Wußtest du, dass sie sich nicht nur für Naturschutz, sondern auch für eine offene Gesellschaft und auch die heutigen Erinnerungskultur einsetzen?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ eigene Skischulen haben?

Wußtest du, das die „Naturfreunde“ weltweit in 21 Ländern heute aktiv sind, wie z.B. in Algerien, Togo, Finnland, Tschechien oder in den USA?

Ich denke, dass diese Fragen mir mit Sicherheit 99% der Leser und Leserinnen nicht beantworten hätten können. Der traditionelle Verein, der von den Nazis unter Adolf Hitler und auch in der DDR unter den Kommunisten verboten wurde, engagierte sich eben früher schon nicht nur für die Natur, dass er nicht eingezäunt wird von den reicheren bürgerlichen Besitzern, sondern auch für eine offene soziale und demokratische Gesellschaft.

Ein Abriss der Geschichte

Die Städte wurden in der Zeit der Industrialisierung immer dichter. Die Landbevölkerung zog in die Städte. Dort wurde gebaut ohne Rücksicht auf die natürlichen Flächen in den Innenstädten. Aus den Schornsteinen der Wohnhäusern und Fabrikgebäuden rauchte es. Schwefel, Stickoxide, Kohlenmonoxid und was da noch alles ohne Filteranlagen in die nahe Umwelt abgegeben wurde, ließ gerade die Kinder der ärmeren Schichten leiden. Gesundheitliche Probleme, wie Asthma, Krupphusten und Eisenmangel, genauso wie der tägliche Lärm durch die Pferdekutschen, die auf den Kopfsteinpflaster laut durch die Städte rasten, waren genau wie heute der Lärm der Autos, ein Grund, das die Menschen krank machten. Wo kann man das besser in den Griff bekommen, als in der Natur. Doch die wurde von den Reichen und der bürgerlichen Klasse der damaligen Zeit für sich beansprucht. Sie zäunten ihre Privaten Wälder und Wege ab. Die Naturfreunde waren gleichgesinnte aus der bürgerlich-arbeitenden Bevölkerung, die das verhindern wollten und es erfolgreich auch getan haben.

So entwickelte sich der Verein „Naturfreunde“ in Wien mit dem Hintergrund für die Kinder und Jugendlichen und den ärmeren Schichten der Arbeiterfamilien Natur zu schützen und ihn zur Erholung nutzen zu können. Der Wiener Sozialist, Freidenker und Lehrer Georg Schmiedl suchte nach Gleichgesinnten, um in die Natur zu gehen und diesen nachhaltig zu schützen, darin wandern zu können ohne Zäune und auch die sozialistische Prägung zu fördern für eine offene demokratische Gesellschaft.

Im Ortsverein Hamburg entstand dann die Idee Naturfreundehäuser auf Kosten von Spenden und des Vereins zu bauen, damit die Kinder und Jugendlichen, sowie die ärmeren Schichten der Bevölkerung raus in die Natur können und ganz nah oder direkt in der Natur sich erholen konnten. Das konnte auch mehr als nur ein Wochenende werden. Grillen auf dem Grundstück, Spielen und Musizieren, sowie Veranstaltungen unabhängig von der Glaubensrichtung oder politischen Gesinnung haben die Naturfreunde einen Weg gefunden vielen Menschen wieder ein Lächeln ins Gesicht zu bringen. Es entstand in der Lüneburger Heide das erste Naturfreundehaus Deutschlands. Eins von heute 400 neben Hütten, Städteheimen und Bootshäusern.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden neue Naturfreundehäuser gebaut. Darunter entstand auch Auf der Koppe 16 in Bottrop 1952 in Eigenarbeit und Geldern das Haus. Es hat zwar keine Übernachtungsmöglichkeit, aber es ist ein eingetragenes Jugendbegegnungszentrum. Wobei heute die Jugend leider nicht mehr in der Überzahl ist in Bottrop, sondern eher die im Rentenalter liegenden Mitglieder.  Es gibt keine Jugendgruppe mehr.

Ich habe sie beim Touristenworkshop in Bottrop kennengelernt. Ich wollte sie interviewen, weil ich das Konzept gar nicht kannte, wo ich doch mit Natur- und Umweltschutz mein Leben lang schon verbunden bin. Es war schon erstaunlich, was ich erfahren habe. Eine spannende, traurige und ereignisreiche Geschichte prägt die Naturfreunde. Und es ist schade, dass heute so mancher Ortsverein ums Überleben kämpfen muss. In Gladbeck wurde er kürzlich geschlossen. Ebenso ist der Ortsverein in Oberhausen kränklich. „Einzelkämpfer“ schlossen sich den Bottropern an. In Bochum gibt es im Stadteil Linden einen, den ich noch aufsuchen möchte. Vergessen ist wohl, dass die Naturfreunde in der Nazizeit verboten waren, weil sie offene Kritik an der herrschenden Kapitalklasse verübten, die wiederum die Nazis damals so gern finanzierten.

Am Beispiel vom Ortsverein Bottrop stelle ich den Ortsverein im Ruhrgebiet vor und hoffe, dass sich Menschen finden, die es toll finden, was sie machen und vielleicht….vielleicht kommt der ein oder andere hin und möchte mit anpacken und unterstützen, egal in welchem Alter! 

Hier findet sich Nachhaltigkeit, Sanfter Tourismus, Offene Gesellschaft, Prävention gegen Rassismus und Klimaschutz, sowie das gesellige Beisammensein mit Rad-, Wander-, Kanu-Touren und Grillfeste und diverse Kultur- und Aufklärungsveranstaltungen.

Ich hatte ja auch schon im Februar 2025 eine Einladung bekommen über mein Kunstaktionsprojekt „Flaschengefühle“  vorzustellen, wo es um Glasmüll geht, der das Stadtbild immer mehr belastet. Mein Freund Ralf Opiol hat ein Foto während des Vortrags mit Lesung der Texte zu meinen Bildern gemacht.

Mein Vortrag vor den Bottroper Naturfreunden zum Thema Glasmüll und dem Kunstprojekt „Flaschengefühle“ Foto (c) Ralf Opiol
Das Naturfreundehaus in Bottrop, erbaut von 1952-56 aus eigenen Mitteln

Ortsverein Bottrop im Ruhrgebiet

Der Bottroper Verein feiert 2026 ihr 95 jähriges Bestehen. Sie machen viele Dinge, um auch jüngeres Publikum anzusprechen. Sie bieten ein vielfältiges Programm an Aktivitäten an. Es gibt Radtouren, Wandertouren, die auch unabhängig vom Verein besucht werden können, sowie Veranstaltungen wie Kindermärkte, Blumentauschbörsen, Sommerfeste und Weihnachtsbasare.

Das Veranstaltungsbrett im Eingangsbereich

Kreativgruppen stellen selbstgemachte Marmeladen her, malen zusammen kunstvolle Bilder oder arbeiten mit Holz. Zudem werden Erste-Hilfe-Kurse, Stammtische und Vorträge angeboten, beispielsweise zur Geschichte des Ruhrgebiets oder zum Kapp-Putsch.

Ein Gedicht der Naturfreunde mit viel Sinn für das Leben

Wilhelm Schluckebier regte an die Emscher als Flusslandschaft des Jahres zu initiieren, was die Naturfreunde mit dem Deutschen Anglerfischerverband (DAFV) alle zwei Jahre seit 1998 zusammen machen.

Blick in den Garten aus dem Veranstaltungsraum hinaus

Wilhelm Schluckebier, den ich neben Rainer Fries aus dem Vorstand der Bottroper Naturfreunde interviewte, kam 1989 von Hessen nach Bottrop. Er ist auch der zuständige Betreuer des Käte-Strobel-Naturfreundehauses bei Gummersbach. Das ist ein ganz besonderes Haus, denn dort können sozial schwache Erwachsene für nur 50 € und 25 € pro Kind/Jugendliche pro Woche übernachten mit drei Mahlzeiten am Tag. Ein Antrag bei der Diakonie Reisen muss vorher gestellt werden, ob die Familie förderungswürdig ist, dann kann es losgehen in die Natur und sich eine Auszeit gegönnt werden.

NFH Käte-Strobel-Haus

Rainer Fries war früher in den Jugendgruppen aktiv. Eine Zeitlang hatte er sich zurück gezogen aus dem Verein und ist kürzlich wieder dazugekommen und hat sofort im Vorstand mitgemacht. Er organisiert die Radtouren in und um Bottrop herum, die einmal im Monat stattfinden.

Derzeit gibt es jedoch keine aktive Jugendgruppe vor Ort. Das Haus der Naturfreunde dient als Jugendbegegnungszentrum und Veranstaltungsort für verschiedene Events. Auch gleichgesinnte Vereine, wie der einmal im Monat ehrenamtlich in der Natur „müllsammelnde“ Verein Waldfegen e.V. nutzen die Räumlichkeiten für Vereinssitzungen.

Bei den Naturfreunden gab es auch Widerstandskämpfer zur Zeit der Nationalsozialisten. Da gehört es selbstverständlich für den Verein dazu auch an die dunkle Zeit zu erinnern. Sie unterstützten 2022 die Erinnerungskultur. Stolz kann die Bottroper Ortsgruppe einen kleinen Stolperstein-Wanderführer präsentieren. Er beinhaltet wichtige Informationen zu den einzelnen Personen. Er ist kostenlos und kann beim Verein bestellt werden.

Sie setzen sich auch gegen Einsamkeit, Hilflosigkeit und Rechtsradikalität ein. Nur Gemeinsam ist man stark, so ihr Motto.

Übersicht der Aktivitäten der Bottroper Naturfreunde

Neu ist der Erlebnis-Rucksack, der für eine Wandertour von knapp 5 km vom Naturfreundehaus aus gemacht werden kann. Für Familien oder Schulklassen mit Kindern bis 12 Jahren enthält der Erlebnis-Rucksack einige Utensilien bereit, um die Natur nah um das Naturfreundehaus zu erkunden, wie zum Beispiel eine Insektenlupe.

Der Vereinsverband, Engagement und Naturfreundehäuser

Der Verein ist in Österreich und Deutschland in weiteren 19 Ländern in über 600 Ortsgruppen weltweit mit insgesamt etwa 350.000 Mitgliedern vertreten. Das größte Angebot stellen die Naturfreundehäuser dar, die nach den Jugendherbergen die wichtigsten Gruppenunterkünfte sind. Aber es gibt auch Bootshäuser und aktive Kanugruppen, sowie eigene Skischulen und Präventionskurse zum Thema Rechtsextremismus und offene Gesellschaft.

In Nordrhein-Westfalen ist der Landesverband mit Sitz in Düsseldorf, auf Bundesebene befindet sich der Sitz in Berlin. Die Naturfreunde verbinden Natur- und Umweltschutz mit sozialem Engagement und politischer Arbeit. So setzen sie sich beispielsweise gegen Umweltzerstörung ein und haben die Emscher als Flusslandschaft des Jahres initiiert. Historisch waren sie auch im Widerstand aktiv.

Der Garten hinter dem Naturfreundehaus in Bottrop

Das Motto der Naturfreunde lautet: „Tut Gutes und rede darüber.“ Der Verein ist offen für alle, die sich für Natur, Umwelt und soziale Gerechtigkeit engagieren möchten. Wer aktiv werden will, findet vielfältige Wege, sich einzubringen – sei es durch Mitarbeit in den Gruppen, bei Veranstaltungen oder auch in sozialen Projekten. Die Naturfreunde sind eine Gemeinschaft, die sich für eine lebenswerte Umwelt und eine solidarische Gesellschaft stark macht. Das ist doch genau das, was uns alle so bewegt. Eine offene Gesellschaft, die Natur nicht nur respektiert, sondern fördert.

Im Garten kann gegrillt werden. Gemeinschaft und Geselligkeit steht an oberster Stelle

Ein besonderes Mitglied verlor der Bottroper Ortsverein bei einer Naturfreunde-Wanderung. Der deutschlandweit in den 1960er Jahren bekannte Boxer Dieter Renz, dem in Bottrop die Sporthalle gewidmet wurde, rutschte am 10.8.1969 bei einer Wanderung in den Schweizer Alpen unglücklich ab und verstarb vor Ort mit nur 26 Jahren.

Der Bottroper Boxer und Naturfreund Dieter Renz starb bei einer Naturfreunde-Bergwanderung in der Schweiz

Aktivitäten und Angebote in Bottrop (Nichtmitglieder sind herzlich willkommen!)

    • Radtouren, Wandertouren
    • Veranstaltungen wie Kindermärkte, Blumentauschbörsen, Sommerfeste, Weihnachtsbasare
    • Kreativgruppen, z.B. Herstellung von Marmelade, Holzarbeiten
    • Erste-Hilfe-Kurse, Stammtische, Vorträge (z.B. zur Geschichte des Ruhrgebiets, Kapp-Putsch)
    • Jugendgruppen (z.B. „Mal du mal“), allerdings derzeit keine aktive Jugendgruppe vor Ort
    • Das Haus dient als Jugendbegegnungszentrum und Veranstaltungsort
Die letzte Pflanzentauschbörse im April 2025

Aktivitäten und Angebote Allgemein

    • Die Naturfreunde bieten 400 Naturfreundehäuser, um Urlaub günstig in der Natur verbringen zu können für Erwachsene, Kinder und Jugendliche an
    • Die Naturfreunde betreiben eigene Skischulen: NaturFreunde-Schneesportschulen in Deutschland
    • Die Naturfreunde setzen sich für Natur- und Umweltschutz, besonders für den Sanften Tourismus ein
    • Die Naturfreunde haben Fachgruppen für den Bergsport, Kanusport, Schneesport und für das Wandern
    • Die Naturfreunde nehmen politischen Einfluss mit den Fachgruppen für Kultur und Bildung, Natur- und Umweltschutz
    • Trainer*innen-ausbildung für Berg-, Kanu-, Schnee- und Wandersport
    • Bieten Klassenfahrten an zu ihren Naturfreundehäusern
    • Bieten Seminare, machen Projekte für nachhaltigen Tourismus
    • Internationale Zusammenarbeit bei Umweltbildung, Klimaschutz, Armutsbegrenzung, öko-sozial verträglichen Tourismus
    • Organisieren Friedenswanderungen, sowie Stärkenberatung (gegen den Erstarken von rechtem Populismus)
    • Es gibt einen eigenen Verlag, der Schriften für Aufklärung zum Thema Natur- und Umweltschutz, sowie auch politische Schriften zum Thema Rechtsextremismus, Aufklärung und Prävention verlegt

 

Struktur und Mitglieder

    • Insgesamt 350.000 Mitglieder insgesamt. Allein in Deutschland 65000.
    • Über 500 Ortsgruppen und Häuser allein in Deutschland
    • Sitz vom Landesverband Nordrhein-Westfalen: Düsseldorf
    • Sitz vom Bundesverband: Berlin
    • Das größte Angebot sind die Naturfreundehäuser, die neben Jugendherbergen die wichtigsten Gruppenunterkünfte darstellen.
    • Die Naturfreunde betreiben eigene Skischulen: NaturFreunde-Schneesportschulen in Deutschland
    • Die Naturfreunde haben eine eigene Jugendorganisation: Naturfreundejugend Deutschlands
    • Die Naturfreunde haben mittlerweile in 21 Ländern weltweit einen Standort

Politisches Engagement

    • Ursprünglich setzten Sie sich für
    • Die Naturfreunde verbinden Natur- und Umweltschutz mit sozialer und politischer Arbeit, z.B. gegen Umweltzerstörung
    • Sie waren in der Vergangenheit auch im Widerstand aktiv, z.B. gegen das Verbot durch die Nationalsozialisten oder in der DDR.

Kleine Chronik der Naturfreunde

    • Der Wiener Sozialist, Freidenker und Lehrer Georg Schmiedl inseriert in der „Arbeiterzeitung“ am 22. – 24.3.1895. Er sucht Gleichgesinnte zur Gründung einer „touristischen Gruppe“. So fand am Ostersonntag mit Josef Rohrauer, Alois und Karl Renner zusammen der erste Ausflug in den Wiener Wald statt.
    • Im gleichen Jahr am 16. September gründen 185 Frauen und Männer im Gasthaus Zum goldenen Luchsen in Neulerchenfeld in Wien den „Touristenverein ‚Die Naturfreunde'“. Der Jahresbeitrag beträgt einen Gulden, der rührige Sensenschmied Alois Rohrauer wird Obmann. Karl Renner entwirft das Symbol des neuen Vereins: Der Handschlag mit den drei Alpenrosen steht für die Solidarität der Arbeiterbewegung und bleibt bis heute unverändert das Markenzeichen des Vereins.
    • Im Juli 1897 erscheint die erste Ausgabe „Der Naturfreund“ mit einer Auflage von 400 Stück
    • Im Januar 1900 wird „Berg frei“ in der Ortsgruppe Graz der Gruß später zum Gruß des gesamten Vereins. Er bedeutet ein Recht auf Freizeit in den Bergen, nicht nur für Adel und Bürgertum, die es für sich behaupten wollen und die Arbeiter zurückdrängen wollen.
    • Die erste deutsche Ortsgruppe im Gesamtverein gründet sich in München im August 1905. Mittlerweile ist es die 42. Gruppe mit 9000 Mitgliedern, davon 15% Frauen.
    • In den Stubaier Alpen in Tirol wird das erste Naturfreundehaus auf dem Padasterjoch eingeweiht im Jahr 1907
    • In Deutschland entsteht am Rand der Lüneburger Heide das erste Naturfreundehaus durch die Hamburger Gruppe im Jahr 1911
    • 1922 gibt es schon 159000 Naturfreunde
    • 1933 werden die Naturfreunde verboten wegen ihrer offenen Kritik am Kapital und der herrschenden Klasse. Alle mittlerweile 428 erbauten Naturfreundehäuser, davon 300 in Deutschland werden beschlagnahmt und missbraucht für die eigenen Gruppen, wie Bund deutscher Mädel oder Hitlerjugend.
    • Nach 1945 werden die enteigneten Häuser wieder zurückgegeben. In der DDR wird es erst nach 1990 der Fall sein.
    • Ab 1962 beteiligen sich die Naturfreunde an den Ostermärschen der Atomwaffengegner. Sie sind international in 17 Ländern auf allen Kontinenten mit 270000 Mitgliedern mittlerweile vertreten. Neben Naturfreundehäuser gibt es auch Hütten in den Bergen, aber auch Stadtheime und Bootshäuser.
    • 2001 beschließen die Naturfreunde in Deutschland eine Namensänderung. Im „Manifest Nachhaltigkeit“ wird die Bedeutung des neuen Namens „Naturfreunde Deutschlands – Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur“ festgehalten.
    • 2017 wird die Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) gegründet, das auch vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ für drei Jahre gefördert
    • Mehr Chronikinformationen: Chronik der NaturFreunde

Was ist FARN?

    • Mit FARN klären sie zum Beispiel die Narrative der Rechstextremen auf: FARN – Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz |
    • Untersucht historische und aktuelle Verknüpfungen rechter und völkischer Strömungen im deutschen Natur- und Umweltschutz
    • Identifiziert rechtsextreme und menschenverachtende Ideologien und erarbeitet menschenbejahende und demokratiefördernde Gegenentwürfe
    • Bietet Informationen, Beratung und Qualifikation für Akteure*innen des Natur- und Umweltschutzes in der Kinder- und Jugendhilfe, auch für Jugendliche und Erwachsene

Käte-Strobel – Haus

    • Ist in den 1970er Jahren erbaut worden vom Bundesfamilien-Ministerium, um sozialschwachen Familien Urlaub zu ermöglichen in der Natur des Oberbergischen Landes zwischen Meinerzhagen und Gummersbach
    • Besitzt ein Hallenbad, eine Saune, eine Kegelbahn, einen Tischtennisraum und große Gruppenräume, sowie eine große Außenanlage mit Spiel- und Sportplätze
    • Es hat Platz für 110 Personen oder 180 für Schulklassen, wenn Klappbetten zusätzlich genutzt werden sollten.
    • Die Unterbringung ist in Appartements mit Dusche und WC, einem Wohnraum und zwei bis vier Schlafräumen.
    • Es gehört heute zum Landesverband der Naturfreunde NRW und wird von den Mitgliedern über einen gemeinnützigen Hausverwaltungsverein betreut.
    • Neben der Beherbergung werden auch Seminare angeboten, die sich hauptsächlich mit politischen Inhalten beschäftigen, sowie auch Familienseminare.
    • Es stehen 7 Seminarräume zur Verfügung

Wer war Käte Strobel?

Die 1907 in Nürnberg geborene Käte Strobel heiratete 1928 einen Sozialdemokraten, der 1934 wegen Hochverrat zu zweieinhalb Jahren ins Konzentrationslager Dachau interniert wurde. Er kam später im Weltkrieg in ein Strafbatallion nach Jugoslawien, wo er in Kriegsgefangenschaft kam.

Käte Strobel war selbst ebenfalls schon 1921 in der sozialistischen Jugendbewegung eingetreten. Bis zum Verbot 1933 gehörte sie der SPD schon acht Jahre an. Sie war ab 1949 eine der wenigen Frauen, die im Bundestag Abgeordnete wurde. Von 1964 bis 1967 war sie auch die Vorsitzende der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament.

1966 wurde sie Bundesministerin für Gesundheitswesen. Sie führte die Sexuelle Aufklärung durch einen Sexualkunde-Atlas ein und ließ den Aufklärungsfilm Helga drehen. Unter der Bundesregierung von Willy Brandt wurde sie 1969 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit bis 1972. In dieser Zeit machte sie sich stark mit Fördermitteln für das Naturfreundehaus in Gummersbach, damit sozialschwache Familien auch Urlaub machen können für wenig Geld.

Sie bekam für ihren Einsatz das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland 1972 und wurde die erste Frau mit einer Ehrenbürgerwürde in ihrer Heimatstadt Nürnberg.

Nach ihr ist der Käte-Strobel-Straße in Nürnberg genannt und auch der Wanderweg, der an dem nach ihr benannten Naturfreundehaus in Gummersbach, den sie selbst eingeweiht hat.

Ihr Zitat „Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte“, gehört zu den wichtigsten politischen Sätzen, die in Deutschland gemacht wurden.

Sie starb 1996.

Käte Strobel – Wikipedia

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(Anmerkung zum Video: Schrecklich das eine weibliche KI-Stimme das runterleiert…)


Abschließende Bemerkung:
Der Verein ist offen für alle, die sich für Natur, Umwelt und soziale Gerechtigkeit engagieren möchten. Wer sich einbringen will, findet vielfältige Wege, aktiv zu werden. Ich bin schon in einigen Vereinen unterwegs, aber ich selbst überlege tatsächlich mich den Naturfreunden anzuschließen, weil sie genau das beinhalten, was mein Leben prägt: Umwelt- und Naturschutz, offene Gesellschaft, Gegen Rechtsextremismus in jeder Form, Einsatz für eine soziale Gerechtigkeit.

Ich denke, dass Jugendliche, die als Fridays for Future, für mehr Klimaschutz auf die Straßen gegangen sind, könnten sich doch hier auch engagieren. Nun, dass ist leider eine andere Geschichte, die nicht gerade rühmlich ist und den Kommentar lasse ich jetzt hier lieber, der ist zu hören im Podcast. Dafür gibt es ja auch die Möglichkeit sich eben der Naturfreundejugend anzuschließen.

Viel kostet der jährliche Beitrag einer Mitgliedschaft nicht. Für zwei Jahre gibt es eine ermäßigte Das ist doch nicht sooo viel für das was alles insgesamt geboten wird:

Vier Mal im Jahr kommt die Zeitschrift NATURFREUNDiN. Jedes Mitglied ist haftpflicht- und unfallversichert bei allen Veranstaltungen der NaturFreunde (auch online). Es gibt Rabatte auf die Übernachtungskosten in den Naturfreundehäusern. Geringere Teilnahmegebühren für Reisen und Ausbildungskurse werden gezahlt und es gibt regelmäpige Informationen zu aktuellen Themen und Aktivitäten.

Freuen würde ich mich schon, wenn ich ein paar neue Mitglieder durch meinen Blog-Beitrag gewinnen konnte für die Ortsgruppen, nicht nur im Ruhrgebiet. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg für das weitere TUN für die Naturfreunde!

FAZIT:

Was der Verein insgesamt macht ist sehr innovativ und präventiv. Das ist sehr ehrenswert!

Links:

Ortsgruppe Bottrop

NaturFreunde Bottrop e.V.

Auf der Koppe 16

D 46236 Bottrop

Ansprechpartner Wilhelm Schluckebier

Tel.:     02041 / 97433

Mobil:  0171 / 5548792

e-Mail: wilhelm.schluckebier@t-online.de

NaturFreunde Bottrop: https://www.naturfreunde-bottrop.de

***

Landesverband Nordrhein-Westfalen

Albertstr. 78
40233 Düsseldorf
Telefon (0211) 56 64 99 96
www.naturfreunde-nrw.de
info@naturfreunde-nrw.de

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Landesverbände allgemein:

Landesverbände | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

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Bundesverband in Berlin

Anschrift:
NaturFreunde Deutschlands
Warschauer Str. 58a/59a
10243 Berlin
+49 (0)30 29 77 32 60 | Tel
+49 (0)30 29 77 32 80 | Fax
info@naturfreunde.de
www.naturfreunde.de

Öffnungszeiten:
MO–DO: 08:30–16:30 Uhr
FR: 08:30–12:30 Uhr

Bundesgeschäftsstelle | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

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Naturfreundejugend Deutschlands

Bundesgeschäftsstelle

(030) 29 77 32 70

(030) 29 77 32 80

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NaturFreunde Internationale (NFI)

Generalsekretariat

+43 (0)1 8 92 38 77 42

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Für Aufklärung gegen Rechtsextremismus: FARN

FARN – Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz |

FARN-Publikationen zum Download

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Naturfreundehaus finden:

Naturfreundehaus finden | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

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Käte-Strobel-Haus

Urlaub für sozialschwache Familien oder für Schulklassen

NFH Käte-Strobel-Haus : https://kaete-strobel-haus.de

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Aktiv – Veranstaltungskalender für zum Beispiel Kurzurlaube der Naturfreunde:

Veranstaltungskalender | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

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Trainer*innen – Ausbildung:

Trainer*innen-Ausbildungs-Portal der NaturFreunde Deutschlands

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Naturfreunde-Verlag

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Alle Links und auch Informationen sind entnommen von der Internetseite des Bundesverbands der Naturfreunde: https://naturfreunde.de

Fotostrecke © André Brune

Der seitlich barrierefreie Hintereingang ins Naturfreundehaus von Bottrop
Der Grillofen, der auch für selbstgemachte Pizza gedacht ist
In der Küche finden auch Workshops statt, wie Seifen sieden, Marmelade kochen etc.
Der Kamin im Gesellschaftsraum
Ein Geschenk für mich: Selbstgemachte Marmelade aus einem Workshop
Ein Bild über die Stadt Bottrop, meiner Geburtsstadt, aus einem Workshop heraus kreiert
Zur Zeit hängen Bilder einer Bottroper Künstlerin im Gesellschaftsraum. Eine wechselnde Ausstellung mit Vernissage findet ebenfalls regelmäßig statt
Der Gesellschaftsraum für große Veranstaltungen
Selbstgebastelt und Selbstgemachtes in den Workshops für den Verkauf. Der Erlös geht in den Erhalt des Naturfreundehauses

Bücher zum Leihen und ganz viele Informationsbroschüren vom Verein
Der Workshop-Raum für kleinere Gruppen oder Seminare
Auf der anderen Seite ist eine Bottroper Karte und ein Glücksrad, das bei Veranstaltungen genutzt wird.