Revierkunst aus Herne auf Nachbarschaftsbesuch in Gelsenkirchen I +Fotos

Im Ruhrgebiet gibt es immer irgendwo Grenzen. Sie sind nur durch Ortseingangsschilder zu entdecken. Die Kunst ist sie im wahrsten Sinne zu überschreiten. Und so kam es, dass der Herner Künstlerbund mit acht Künstler*innen im Domizil vom Bund Gelsenkirchener Künstler „Zu Gast“ sind für ein paar Wochen, so der treffende Titel der Unterkunftgeber.

Vor dem „Domizil“ auf der Bergmannstraße in Ückendorf trifft sich die Kunstszene

Es gibt zwischen den Städten Herne und Gelsenkirchen keine Distanz. Sie sind Nachbarn. Doch wie es im Ruhrgebiet so ist, die meisten Vereine kochen ihr Süppchen im eigenen Haus. Hier in der Kunstszene ist es nun anders gelaufen. Und das ist gut so! Der Bund Gelsenkirchener Künstler (BGK) mit der Vorsitzenden Gordana Djukic hat Kreativköpfe des Herner Künstlerbundes eingeladen das „Domizil“ nach Ückendorf. Natürlich ist diese, wie es sich im Ruhrpott gehört, auf der Bergmannstraße Nummer 53, denn Bergbau und Kunst gehörten immer schon irgendwie zusammen.

Ein besonderer Ausstellungsort mit Ruhrgebiets-Charme von 1900

In Ückendorf, ein Stadtteil von Gelsenkirchen, in dem durch die öffentlichen Medien oft nur negatives berichtet wird über Schlägereien und Clans, stehen noch wunderbare Häuser aus der Gründerzeit. Aber es ist eigentlich ganz anders. Hier steppt nicht nur der Bär bei den Künstlergangs. Da geht es kunterbunt zu! Es ist ein Ort geworden voller Kreativität im Neuanfang des Strukturwandels, in dem der Stadtteil seit Jahrzehnten steckt, wie kaum ein anderer.

Früher lebten hier überwiegend Arbeiterfamilien und es kamen Einwanderer aus der Türkei dazu, die angeworben wurden für das Kohleschürfen und die Stahlherstellung. Heute wandelt sich das bisher trostlose verfallende, das dem Niedergang der Montanindustrie gleicht, langsam zu einem der attraktivsten Stadtteilen. Es lohnt sich, es zu entdecken. Neben der Kunstszene, ist hier eine neue Gaststättenlandschaft entstanden. Heute wandelt er sich mit neuer Aufbruchstimmung in eine der attraktivsten Stadtteile mit unterschiedlichen Gaststätten, sowie mit der Kulturkirche Heilig – Kreuz und dem „Hier ist nicht da“ auch zu einem soziokulturellen Hot Spot von Veranstaltungen unterschiedlicher Art von Comedy, Poetry Slam über Jazz und Rock bis Klassikkonzerten.

Im Domizil der Gelsenkirchener finden sich nun Acht Künstler und Künstlerinnen aus Herne, die unterschiedlicher nicht sein können mit Malerei, Grafik, Fotografie und experimentellen Techniken. Die Kunst ist so vielfältig wie das Ruhrgebiet selbst: Hagen Apel, Annett Breitfeld, Annika Döring, Sophia Kühn, Jörg Kippmeyer, Daniel Pajonk, Gisela Schulte und der Vorsitzende des Herner Künstlerbundes Hassan Jelveh. 

Bei der Vernissage am 18.1.26 grinsten alle breit über den riesigen Andrang von neugierigen Besuchern, wovon ich auch einer war. Ich hörte den interessanten Ausführungen des Kunsthistorikers Dr. Bernd A. Gülker zu, sowie der fantastischen Violinistin Astrid Sophie Müller, die das Domizil mit kunstvoller klassischer Musik erfüllte.

Ein Dialog zwischen zwei Städten

Das Domizil ist ein Austauschort nicht nur für Kreative, sondern auch für Kreativbegeisterte, zur gegenseitigen Inspiration und Vernetzung. Die Ausstellung lud auch Interessierte aus anderen Städten ein.

Und wer denkt in Herne is nix… Doch ! Herne hat auch jede Menge unterschiedliche Kreativität zu bieten! Allein an den unterschiedlichen Kunstwerken ist es mit Sicherheit anders zu beurteilen. Das Miteinander zwischen Herne und Gelsenkirchen hat auch etwas Symbolträchtiges. Es überschreitet geografische Grenzen und zeigt gedankliche Offenheit, wo es keine Grenzen gibt.

Die 1. Vorsitzende vom Bund Gelsenkirchener Künstler Gordana Djukic erklärt die Ausstellung für eröffnet

Für mich als Ruhrpottologe, der auch 1. Vorsitzender der Kunstgemeinschaft Bottrop geworden ist, zeigt diese Ausstellung genau das, was die Region Ruhrgebiet ausmacht: Zusammenhalt statt Abschottung, Austausch statt Einzelkämpfertum und ein Gefühl von Aufbruch Menschen dazu zu bringen ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Etwas schlummert in dir und du bist interessiert dich anzuschließen, mitzumachen, grenzüberschreitend kreativ über den eigenen Tellerrand zu gucken zwischen den stillstehenden Fördergerüsten und Trinkhallen, dann schau dir die Kunst an und mach mit.

Das Ruhrgebiet ist im steten Wandel, wie auch die Kreativität der teilnehmenden Künstler. Wer sich dafür interessiert, sag ich nun in Dialekt: Geh ma rübba! Kunst kanntse nicht hier im Blog erleben, kanntse nur persönlich vor Ort mitte Nase anne Bilder klebend erleben. Dat is Revierkultur!

Und wenne noch Zeit hass, dann gehste nebenan auffe Bochumer, da kannste speisen von Döner über Tapas bis hin zu Omas Apfelkuchen. Glaubse nich? Überzeuchse dich bessa vor Ort!

Und danach wird der Austausch umgekehrt sein. Solche Projekte machen unsere Region aus. Keine Eitelkeiten, kein Konkurrenzdenken, sondern gelebte Nachbarschaft! Ein Grund mehr Ückendorf näher kennenzulernen. Übrigens ist ganz in der Nähe eine Halde zu entdecken. Zu Fuß oder mit dem Rad! Aber das ist ein anderer Blogbeitrag…

Die Ausstellung ist immer Samstags bis zum 21.2.26 zwischen 14 und 17 Uhr oder nach Vereinbarung mit dem Bund Gelsenkirchen Künstler. Aber hier im Blog habt ihr die Möglichkeit die Bilder wenigstens fotografisch zu entdecken auch nach der Ausstellung. Wer mehr von den einzelnen Künstler und Künstlerinnen wissen will, scrollt einfach weiter runter. Da sind auch alle Links zu ihnen.

Fazit

Ich fand die Herner Kunst inspirierend und so unterschiedlich in ihrer Form, dass ich Lust auf mehr bekommen habe auf mehr Herne. Nicht nur in der Kunst, sondern auch drumherum ist Herne einfach mehr als nur Herne. Nach Herne komm ich gerne. Ich kann es nur empfehlen!

Adresse:

Domizil

BGK – Bund Gelsenkirchener Künstler e.V.

Bergmannstr. 53

45886 Gelsenkirchen

Öffnungszeiten: Samstags 14-17 Uhr

Kontaktdaten

Johanniter Str. 13

45879 Gelsenkirchen

Mail: info@bundgelsenkirchenerkuenstler.de

www.bundgelsenkirchenerkuenstler.de

Mobil: 01773430514

Herner Künstlerbund ´90 e.V. :

Hassan Jelveh 

1. Vorsitzender

Unser-Fritz-Straße 22, 44649 Herne

Die ausstellenden Künstler und Künstlerinnen:

Hagen Apel

Es sind Fotos von Natur, die ein ihrer Echtheit banal erscheinen. Es sind Fotos in Nahaufnahme. Fotos, die Hagen Apel so bearbeitet, das die Wirklichkeit wie ein abstraktes gemaltes Kunstwerk aussieht. Ist die Natur so abstrakt? Sie kann es sein. Sie ist seine größte Inspirationsquelle und inspiriert jeden Betrachter, zieht einem in einen Bann von lyrischer Fotografie.

https://hagenapel.art

Hagen Apel im Herner Künstlerbund ’90 e.V.

Annett Breitfeld

In Tusche-, Kohle-, Acryl- und Ölmalerei sucht sie Verborgenes. Sie dreht die Seelen nach Außen. Sagt uns: Schaut drauf, was denkt, was fühlt die Person auf dem Bild im Hier und Jetzt.

https://annett-breitfeld.de

Annett Breitfeld im Herner Künstlerbund ’90 e.V.

Annika Döring

Acryl auf Leinwand und in Zukunft auch getöpferte Kunstwerke sind ihre Schwerpunkte. Hier lässt sie den Blick zum Horizont auf die Betrachter wirken. Es weckt nicht nur Sehnsucht zum Meer, sondern auch das Nachdenken über das Leben und die Kraft der Natur. Die Bilder laden ein zum Verweilen, Träumen und Genießen am Sandstrand, das Meer und das Rauschen der Wellen. Alles ist sichtbar. Im Hintergrund denkt das Gehirn sich den Rest und macht es erlebbar.

https://annika-döring.de

Annika Döring im Herner Künstlerbund ’90 e.V.

Hassan Jelveh

Auf mich wirken die kleinen Bilder übergroß in der Betrachtung. Es sind Farben der Seele. Die Pinselstriche hinterlassen in dem überwiegend roten Variationen – Kunstwerk, ein Gefühl von unterschiedlichen Stufen von Wut oder Wärme. In dem anderen mit grünen Pinselvariationen ist es die Unterschiedlichkeit von Hoffnung. Insgesamt sind es Kunstwerke, die nicht nur in die Seele blicken, sondern auch einen in die Seele fallen lassen kann. Ein Schwelgen in der Schönheit der Farbgestaltung geht natürlich auch.

Hassan Jelveh im Herner Künstlerbund ’90 e.V.

Sophia Kühn

Sophias Werke lassen einen träumen von Landschaften, wo Engel aufsteigen an der stürmischen Atlantikküste oder sie unterzieht eine dunkle Landschaft mit Phosphorfarbe durch eine UV-Lampe sichtbar eine Veränderung. Das Bild wird mit zweierlei Maß gemessen: Kommende Dunkelheit, wie ein Sonnenuntergang oder in Licht gehüllt von einem strahlenden Mond, der nicht zu sehen ist. Es lässt die Betrachter das Bild im wahrsten Sinne in einem anderen Licht sehen.

Atelier: https://sophiakuehn.de

Sophia Kühn im Herner Künstlerbund ’90 e.V.

Jörg Lippmeyer

Seine karikaturhaften  Kunstwerke nehmen die aktuelle politische Situation im Land und den USA aufs Korn. Mal bleibt einem das Lachen im Hals stecken, mal ist es einfach nur lustig. Eine Anregung ist sich die Bilder näher anzusehen. Unverkennbar ist er ein Schalke 04 –  Fan. Das ist nicht zu übersehen und fährt mit den Kunstwerken auch den Bundesligafahrstuhl mit. Katzen begleiten ihn in vielen Bildern. Katzen sind seine Lieblingstiere und sind nicht nur in der Karikatur zu finden. Sie sind für ihn die Königinnen der Haustiere und seiner Kunstwerke.

Jörg Lippmeyer im Herner Künstlerbund ’90 e.V.

Daniel Pajonk

Die Welt in Schwarz-Weiß zu zeigen kann auch eine Anregung sein. Das die Welt nicht immer Schwarz-Weiß ist kann aus den vielen Variationen von Pajonks Kunstwerken entdeckt werden. Sie regen zum Nachdenken, zum fantasieren und zum Entdecken an. Er sucht immer nach anderen Strukturen, die einen immer neugierig machen auf mehr von seinem Können.

Instagram: @art_by_daniel_pajonk

Daniel Pajonk im Herner Künstlerbund ’90 e.V.

Gisela Schulte

Farben und Linien, abstrakt gestrickt gepinselt lassen die Betrachter zurück, den eigenen Blickwinkel der Einfachheit zu erweitern. Das genaue Hinsehen, in die Tiefe gehen, kann das Bild einen Spiegel vorhalten von Anecken oder Linientreue. Weiche Ecken, die einem mitteilen, dass es auch komplett anders gehen kann, zeigen die Bilder, genauso, wie die Unendlichkeit von Linien, die nicht immer gerade sein müssen. Gisela Schultes Kunstwerke sind einfach anders und genau macht es das ganze spannend bei der Betrachtung.

Gisela Schulte im Herner Künstlerbund ’90 e.V.

Alle auf dem Bild ohne Hagen Apel, der etwas früher gehen musste.

Fotos alle (c) André Brune

Gelsenkirchen & seine Sehenswürdigkeiten #127 & #128 I Ruhrgebiet erklärt I +Podcast Folge 20 + 21 I +Videopodcast

Gelsenkirchen hat Sehenswürdigkeiten! Entdeckt mit mir und Jack Tengo die Stadt im Herzen des Ruhrgebiets, dass mehr zu bieten hat, als schlechte Nachrichten, um den größten Bankraub von Deutschland. Die meisten verbinden Gelsenkirchen nur mit der Arena Auf Schalke und dem weltbekannten Fußballverein, den wir im letzten Teil der Trilogie besprechen werden. Gelsenkirchen hat mehr zu bieten als viele denken!

Es gibt das Musiktheater, den Zoo Zoom, den Consolpark, Nordsternpark, einige erhaltene alten Zechenhäuserstraßen und noch viel mehr. Wir werden bestimmt nicht alles aufgelistet haben, was es gibt. Ihr könnt uns gern in die Kommentare schreiben, was euch gefehlt hat.

Was hat Gelsenkirchen noch zu bieten?  Die Innenstadt ist ja wohl nix besonderes. Von wegen!  Man muss genau hinsehen.  Zum Entdecken der Stadt wird es definitiv reichen.  

Empfehlen können wir die beiden in den Shownotes stehenden Bücher, in denen wir auch recherchiert haben neben den vielen Links.  Hier habt ihr einen kleinen Einblick in Gelsenkirchen, in Sehenswürdig- und Merkwürdigkeiten. 

Wer durchfährt, sollte anhalten und auch mal aussteigen. Es lohnt sich, dort mal genauer hinzuschauen.  

Gelsenkirchen entdecken ist auf jeden Fall interessant! 

Im ersten Teil sind wir südlich der Emscher im alten Gelsenkirchen und seinen Stadtteilen:

Im zweiten Teil besprechen wir den Norden der Emscher bestehend aus Buer und seinen Stadtteilen:

Unsere Recherchelinks:
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Buch: Gelsenkirchen in Geschichte und Gegenwart, Klartext Verlag, ISBN: 9783837527049
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Gelsenkirchener Geheimnisse von Mike Durlacher und Maira Schröer, ISBN: 9783946581482
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Antiquarisch: Gelsenkirchen Buer und Horst von Hans-Rudolf Thiel

Wer nur dem Podcast „Ruhrgebiet erklärt“ folgen möchte:

150 Jahre Gelsenkirchen Teil 1 I Geschichte, Fakten, Anekdoten I +Videopodcast I +Podcast Ruhrgebiet erklärt Folge 18

Die Stadt Gelsenkirchen feiert 150 Jahre und kaum einer im Ruhrgebiet hat es bemerkt. Wir feiern es im Podcast und besprechen die bewegende Geschichte eines Dorfes aus dem Jahr 1150 namens Geilistirinkirkin.

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Der ursprüngliche Name der „Stadt mit geilen Stieren um eine Kirche herum“, so eine mögliche Erklärung des mittelalterlichen Namens in der Neuzeit, hat aber eine andere Bedeutung. Das klären wir im Podcast und erzählen noch viele weitere interessante Dinge über die Stadtwerdung im Jahr 1875.

Natürlich darf der nördlich der Emscher liegende heutige Stadtteil Buer mit seiner eigenen Geschichte nicht fehlen. Dort war übrigens die letzte Hexe im Ruhrgebiet gefasst worden. In Buer ging es herrschaftlich streng katholisch auf Schloss Horst und Berge zu.

Die Stadt hat viel mehr zu erzählen als die negativen Schlagzeilen, wie die eines Engländers, der während der Fußballeuropameisterschaft 2024 die Stadt mit einem kleinen Video weltweit zur übelsten Stadt herabgewürdigt hat. Nicht nur dass es in Großbritannien mit Sicherheit noch schlimmere Ecken gibt, sondern nun muss der Rat der Stadt nach den Kommunalwahlen auch mit einem gewählten stellvertretenden AfD-Bürgermeister, den ersten der blauen ewig meckernden rassistischen Partei im Ruhrgebiet klar kommen, die haushohe Stimmen sogar bei Migranten bekommen hat.

Wenn Remigration passiert, kann Gelsenkirchens stellvertretendender Bürgermeister Norbert Emmerich dann das Licht ausmachen.

Gelsenkirchen setzt Maßstäbe auf ganz eigene Art und Weise, nicht nur mit einem Korruptionsskandal bei den örtlichen Müllentsorger Gelsendienste, sondern auch mit positiven Dingen, wie Swiftkirchen oder der kommenden IGA 2027, sowie ganz vielen kleinen und großen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Musiktheater. Darauf gehen wir allerdings im zweiten Teil mehr ein.

Am Ende besprechen wir diesmal kein Ruhrpottwort, sondern woher der Ausdruck Gelsenkirchener Barock stammt und was es bedeutet. Wir werden im nächsten Teil nochmal auf den Ausdruck die Stadt der 1000 Feuer kommen und die Sehenswürdigkeiten näher beleuchten.

Im dritten Teil folgt die Geschichte des weltweit viel beachteten Fußballvereins, den die Stadt prägt, wie kaum eine andere Mannschaft mit ihren Höhen und Tiefen in der ersten und zweiten Bundesliga: Schalke 04.

Gelsenkirchen ist eine spannende und trotz aller negativen Schlagzeilen eben wirklich eine sehenswerte Stadt, die man kennenlernen muss im Ruhrgebiet. Sie ist wirklich der Ruhrpott gewesen. Sie hat ihn bekommen im Fußball und wurde durch den Visionär und Industrieboss Friedrich Grillo zur Großstadt.

Alle industrielle Wirkungsstätten aus Bergbau und Stahl, Drahtzieh- und Chemiewerken, sowie Textilfirmen haben die Stadt zur reichsten in Deutschland gemacht. Das Schließen der Industrie nach und nach ließ Gelsenkirchen jedoch zu einem der ärmsten werden in ganz Deutschland, die das Image ständig aufpolieren muss.

Dabei kann sie es ohne Probleme. Das muss sich nur in den Köpfen der anderen, die die Stadt allein wegen des Namens schon meiden, ändern. Wir versuchen das in unserer Podcastreihe Ruhrgebiet erklärt.

Viel Spaß und Glück auf also!

Links:

Wikipedia Gelsenkirchen
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https://www.gelsenkirchen.de
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https://www.gelsenkirchener-geschichten.de/wiki/Portal:Geschichte
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https://www.gelsenkanal.de/Geschichte-1023394361.html
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https://www.heimatbund-gelsenkirchen.de/venues/besuch.html
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Wissenschaftspark Gelsenkirchen : https://www.wipage.de/ueber-uns/geschichte
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https://klartext-verlag.de/buecher/sachbuch/6646/gelsenkirchen-in-geschichte-und-gegenwart
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https://daten.geoportal.ruhr/srv/api/records/5ea88219-ec47-471e-bd81-bf9664c25a83

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www.gelsenkirchen.de – 150Jahre

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Buch: Gelsenkirchen in Geschichte und Gegenwart, Klartext Verlag, ISBN: 9783837527049

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Gelsenkirchener Geheimnisse von Mike Durlacher und Maira Schröer, ISBN: 9783946581482

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Antiquarisch: Gelsenkirchen Buer und Horst von Hans-Rudolf Thiel

Örtliche Buchhandlung in Gelsenkirchen bekommt keinen Ausschreibungszuschlag für die Stadtbücherei I Kommentar & Meinung

Ein WAZ – Beitrag hat mich verärgert als ich las, dass der örtliche Buchhändler Dirk Niewöhner mit seiner Buchhandlung Kottmann in Gelsenkirchen nicht den Zuschlag erhielt die örtliche Stadtbücherei zu bestücken.

Buchhändler schäumt: „Gelsenkirchen übergeht heimische Firma“ https://www.waz.de/lokales/gelsenkirchen/article410115075/buchhaendler-schaeumt-gelsenkirchen-uebergeht-heimische-firma.html

Rechtlich richtig ist es leider. Deswegen ist die Entscheidung für die Stadt Gelsenkirchen einfach gewesen.

Rechtlich ist es natürlich schwierig da einen Unterschied zu machen, denn ab einem bestimmten Beitrag muss die Stadt die Ausschreibung für wirtschaftliche Aufträge für den Ort in ganz Deutschland machen oder sogar in ganz Europa. Das sind Richtlinien, die natürlich auch den angespannten Haushalt der Stadt Gelsenkirchen etwas entspannen sollen. Doch dies ist nicht nur dort der Fall, sondern überall, wo Städte eine schiefe Haushaltslage bekommen haben.

Aber ist es sinnvoll?

Nein. Denn mit jedem Cent, der eingespart wird, um bei diesem Beispiel nun in einer Buchhandlung in München die Bücher zu bestellen für die Stadtbücherei, weil diese in der Punktevergabe entweder günstiger war oder in einem Losverfahren zum Glück den Zuschlag erhalten hat, sägt sich die Stadt langfristig natürlich den eigenen Ast ab.

Denn der Gelsenkirchener Dirk Niewöhner hat Angestellte, er zahlt nicht unwesentliche Steuern an die Stadt, die diese wiederum für die örtlichen Schulen und kaputten Straßen investieren… sollten.

Aber wenn jetzt die Vergabe von einem Betrag von über 188000 € nicht an eine ortsansässige Gelsenkirchener Buchhandlung geht, die sich mit 16 anderen aus ganz Deutschland beworben hat nicht bekommt, dann geht die Gewerbesteuer eben nach München. Die Stadt freut sich mit den Steuereinnahmen einen weiteren U-Bahnschacht bauen zu können.

Rechtlich im Rahmen ist es ja, aber der eigenen Stadt spart man kein Geld damit, sondern zahlt doch am Ende drauf. So hätte die Buchhandlung in Gelsenkirchen eine Unterstützung seitens der Wirtschaftsförderung bekommen, wenn sie sich nicht am rechtlichen Rahmen gehalten hätte, sondern der eigenen städtischen Wirtschaft zugewendet hätte. Aber geht das nach den gesetzlichen Vorgaben, die eigentlich die eigene Wirtschaft schaden können ?

Der Buchhandel allgemein hat einen schweren Weg zur Zeit zu gehen. Durch Aufkäufe kleinerer Buchhandlungen und Zentralisierung von einigen Großbuchhandlungsketten, wie Thalia oder Hugendubel, sowie der Internethandel durch den Riesen Amazon, ist der Druck auf die Kleinen Einzelunternehmer trotz Buchpreisbindung immens geworden.

Viele bleiben auf der Strecke. Viele arbeiten nur noch der Liebhaberei wegen den Büchern und den Menschen in den Orten, die als Stammkunden immer kommen, um zu schmöckern und sich vom Service überzeugt beraten lassen.

Fazit

Die kleinen Buchhandlungen, die noch ihren vernünftigen Beratungsservice haben, und nicht nur gewinnbringend abkassieren für ihr Aktienunternehmen, sowie auch schlechte bis gar keine Beratung mehr haben, sollten Unterstützung bekommen. Gerade von der eigenen städtischen Wirtschaftsförderung.

Sonst wundert man sich wieder über einen erneuten Leerstand in der Stadt. Mit so einem Auftrag kann sich eine kleine Buchhandlung das Jahr über Wasser bis zum Weihnachtsgeschäft halten.

Ich war selber Buchhändler. Ich weiß, wovon ich rede

Viele kleine geben auf wegen der Kosten von hohen Mieten, Nebenkosten und Abgaben. Vollzeitkräfte können meist nicht mehr gehalten werden.

Große Unternehmen bekommen durch die wirtschaftliche Lage der Kleinen mehr von diesem großen Kuchen ab und können dadurch problemlos überleben. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in großen Unternehmen bekommen auch nicht wesentlich mehr als Mindestlohn. Das ist in meinen Augen unfairer Wettbewerb.

In den Ausschreibungsrichtlinien sollte stehen, daß örtliche Firmen immer bevorzugt werden sollten, wenn die Ausschreibung auch vernünftig abgegeben wurden. Der Papierkram, der einen eben nur stundenlang erschlägt mit der Hoffnung mal etwas einfacher Geld zu bekommen, ist schon immens genug.

So werden in den Ruhrgebietsstädten noch leerere das Bild der Fußgängerzonen prägen. Und Schulbücher werden dann bei Amazon und Co bestellt, weil es niemanden mehr vor Ort gibt.

Allein das traurige Bild der neueren Geschichte des Buchhandels ist mittlerweile ein Gesellschaftsproblem.

Wenn ich Bücher kaufe, dann gehe ich zu meinem örtlichen Buchhändler in Bochum. Oder wenn ich in einer Stadt an einer vorbei komme, wo ich etwas spannendes finde, dann kaufe ich es dort ein.

Es wird zwar noch gelesen, aber trotzdem sind schnelle Bilder, Videos und Fake News auch ein Knackpunkt der kleinen Buchhandlungen, die als Nische sich aufrecht erhalten müssen.

Ich wünsche der Gelsenkirchener Buchhandlung Kottmann noch ein langes Überleben und viel Kundschaft, damit sie ohne diesen Zuschlag trotzdem der Stadt erhalten bleiben wird.

Glück auf

Gelsenkirchen feiert 150 Jahre im Bezirk West mit Musik, Tanz und Vereinen von Horst I +Fotos I +Video

Gelsenkirchen wurde zur Stadt vor 150 Jahren. Jeder Bezirk auf dem Stadtgebiet bekommt ein eigenes Fest, um sich vorzustellen. Bezirk West in Horst hat hitzig gefeiert bei 35 Grad mit Musik und Tanz.

Als Repräsentant von Greendays4Future hab ich Samstag die Pressesprecherin Sybille Hellier für ein paar Stunden unterstützt zusammen mit Miriam Lambert.

Sybille Hellier (links) und Miriam Lambert von Greendays4Future

Auf der Bühne und davor wurde getanzt und Musik gespielt. Das Publikum unter den Sonnenschirmen zu unterhalten war nicht ganz so einfach bei 35 Grad Hitzestau auf dem Josef-Büscher-Platz gegenüber von Schloss Horst.

Video

https://youtube.com/shorts/Bg8Pe3_y70c?si=3B4rufODSTf6KwUB

Zumba auf heißem Asphalt

Die örtlichen Vereine stellten sich den Besuchern vor. Neben Greendays4Future stand vor Ort der Förderverein Schloss Horst, der Runde Tisch mit dem Reparaturcafé von Horst.

Ich wußte nicht, das es ein 1926 gegründeten Nutz- und Rassegeflügelverein Horst Emscher gibt. Die Hühner hinter dem Verschlag waren durch den Lärm und den vielen Zuschauern eher irritiert und wahrscheinlich verängstigt. Sie saßen auf den Heuballen und guckten einen lieb an. Wären aber gern in ihrem Stall gewesen.

Spannend ist es dennoch darüber nachzudenken, denn diese Tiere waren eben früher zur Selbstversorgung von Stahl- und Bergarbeiterfamilien gezüchtet und gehalten worden bis es im Supermarkt einfacher war statt selber zu schlachten.

Seit 1996 gibt es auch Gelsenkirchen Hechten, einen Anglerverein in Horst. In der Emscher konnten die aber damals noch nicht angeln. Aber im Rhein-Herne-Kanal, der am Nordsternpark vorbeikommt, gibt es wohl genügend zu fischen. Denn der Verein hat sich mit sieben Personen auf 180 Mitgliedern erhöht. Je höher die Anzahl, desto eher die Möglichkeit eines Leerfischens im Kanal. Hauptsache es macht Spaß. 

https://gelsenkirchener-hechte.jimdoweb.com/

Hey, keine Aufregung,  dass war nur Spaß! Ich hätte ohne dieses Fest nicht gewusst,  was es in Gelsenkirchen noch so gibt. Die Stadt wird ja in Deutschland als hässlich und rechts eingeordnet nach den letzten Bundestagswahlen. Schon Shakin Stevens Speare sagte vor 509 Jahren, dass es mehr gibt in Gelsenkirchen als Himmel und Erde bescheid weiß.

Am Stand der Stadt Gelsenkirchen konnten Souvernirartikel gekauft werden

Also 150 Jahre Gelsenkirchen. Ich würde sagen Gelsenkrachen. Die Stadt lässt es trotz hohem Schuldenberg krachen und will sich von ihren positiven Seiten zeigen. Und das ist gut so!

Sie wird unterschätzt. Es gibt eben nicht nur Schalke 04, die übrigens dort einen Platz in der Mitte hatten. Die Kinder ballerten die Kugel mit ihren kurzen Beinen ins Netz.

Tor!

Die Horster Schloss-Narren waren da und hatten einen hohen Andrang am Stand, obwohl Karneval erst wieder im November losgeht.

https://www.schloss-narren.de/

Und Greendays4Future war dort, weil Sybille Hellier nicht nur einmal im Monat, wie ich schon mal berichtet habe, für Horst putzt sich heraus den Stadtteil sauber hält, sondern auch Zigarettenfilter sammelt. Daraus hat sie die Aktion AufGEraucht gemacht, die die zukünftige Stiftung Greendays4future unterstützt.

Sage und schreibe waren 463 Zigarettenfilter morgens vor der Veranstaltung um einen Häuserblock von ihr gesammelt worden. Da blieb dem ein oder anderen Besucher am Stand schon die Spucke weg. Übrigens wollten auch die Raucher nicht aus der Flasche trinken, die dort stand mit einem Zigarettenstummel würzig verfeinert.

Es wurden einige Aufklärungsgespräche geführt
Wusstest du es es?

Alles in allem war es ein tolles Fest, dass ich leider vor einer Vernissage vom schon vorgestellten Fotografen Christoph Bottaru verlassen musste.

Die Horster haben auf jeden Fall bei Speis und Trank gute Action auf dem Josef-Büscher-Platz gehabt.

Fotostrecke (c) André Brune

Die 100 sind bald voll beim Nutz- und Geflügelverein

Die Geschichte des Zuchtvereins
Kleine Geldbörsen sind umfunktioniert für tragbare Zigarettenfilter nach dem Ausdrücken bis zum nächsten Mülleimer
Recycling für eine vernünftige Alternative für Kettenraucher für unterwegs…
Sybille Hellier hält die Knie in Bewegung
Die Jugend musiziert
Crepes vor Ort. Wenig Andrang in der Bullenhitze
Die Malteser haben einen Stand
Das Quartier Horst stellt sich vor
An jedem Stand Neugier und Gespräche, wenn es jetzt auch mal leerer aussieht.
Der Förderverein Schloss Horst stellten sich vor
Ehrenamtliche Radtour mit einer Horster Rikscha
Hochglanzbroschüre des Anglervereins in Horst
Aufklärungsgespräche am Stand von Greendays4Future
Komisch. Keiner wollte die würzige Mischung in der linken Flasche trinken

Ruhrpottologe – Moderation „Lustiges aus dem Unternehmertum“ am 24.6. im ‚WOHNZIMMER‘ Gelsenkirchen

Hömma! Hasse ne lustige Geschichte parat für dat Publikum?

Als Buchhändler hatte ich genauso lustige Sachen erlebt, wie anne Müllverbrennungsanlage in Herten inne Ausbildung.  Als Fußpfleger kannse auch dat ein oder andere erleben. Abba ich moderiere ja die anwesenden Unternehmer. Da gibbet bestimmt noch Lustigeret!

Hasse wat zu verklickern oda wills nur die Hörleiste erquicken, dann kommste vorbei nach:

WOHNZIMMER

Wilhelminenstraße 174b in Gelsenkirchen

Anmeldung erbeten wegen der Platzsituation:

zentrale@klug-netzwerk.de

War auch inne WAZ

Mit Sybille Hellier im Galopp über die Pferderennbahn von Gelsenkirchen-Horst I +Videopodcast I +Podcast

Welche riesige Bedeutung hatte die ehemalige Pferderennbahn in Gelsenkirchen für die Stadt? Sehr viel!

Was bebte die Erde in Horst durch 24 galoppierende Pferde! Sie preschten über die Rennbahn ab ins Ziel und brachten die Gläser in den Nachbarhäusern zum Klirren. Das Gallopiergeräusch mussten doch  die Bergleute von Zeche Nordstern Untertage sogar mitbekommen haben. Dort haben sie dann bestimmt gewettet, ob Kaiserstern oder Newcomer das Rennen gewinnen wird.

Darüber und noch mehr spricht Sybille Hellier mit mir. Sie macht wöchentlich ehrenamtliche Führungen vor Ort. Sie ist ein Lexikon der Pferdekultur von Gelsenkirchen. Sehend oder hörend im jeweiligen Podcastformat:

Teaser

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Mehr Informationen

Sybille Hellier ist eine geborene von und zu aus Gelsenkirchen, Stadtteil Horst. Sie wohnte nicht nur immer in der Nähe der Galopprennbahn, sondern sie hatte auch einen direkten Bezug als Pferdewirtin. Sie erlebte noch die Hochzeiten der Bahn, aber auch den Niedergang durch neue Steuergesetze im Wettbereich, sowie das Abnehmen des Interesses seitens der Medien, und auch das veränderte Freizeitverhalten, das schlussendlich die fairste Pferderennbahn in Europa (!) den Genickbruch brachte. Sie versuchte, wie Don Quichotte die Pferderennbahn irgendwie in der Stadt als Denkmal zu erhalten. Heute ist es eine wunderbare Freizeitanlage zum Spazierengehen, auch zum Golfen bei Pott-Golf, zum Joggen oder Walken auf 2300 Meter ursprünglichen Rennbahnwegen. Die Kinder haben einen wunderbar nah dem Pferdesport nachempfundenen Spielplatz.

Im Video erzählt sie mir bereitwillig so einige Anekdoten vom Pferdebesatteln, Abwerfen, aber auch einem tragischen Todesfall auf der Pferderennbahn. Manchmal ist eben Freud und Leid nah beieinander.

Buntes Pferd Sybille Hellier

Sybille selbst ist in Horst bekannt, wie ein buntes Pferd. Sie macht nicht nur die Führungen der altehrwürdigen ehemaligen Pferderennbahn hinter dem Schloss Horst, sondern jeden letzten Samstag im Monat geht sie mit der Gruppe um Hans-Georg Kouker „Horst putzt sich heraus“ den Stadtteil in einer bestimmten Straße sauber zu machen. Sie engagiert sich als Vertreterin für die in Gründung befindliche Stiftung Greendays4Future und macht aufmerksam mit der Müllaktion „AufGEraucht“ (darüber hab ich schon berichtet. Link unten). 

Damit tritt sie den Rauchern auf die Füße, die ihre Zigarettenfilter in die Landschaft oder auf die Straße werfen. Sie geht auch oft genug über die Galopprennbahn und sammelt hunderte Stück ein. Die sie dann in einer Wasserlake bei der ein oder anderen Veranstaltung präsentiert. Sie zeigt auf welche Umweltverschmutzung, auch in Verbindung mit dem Grundwasser dadurch entsteht, sollen Raucher eben auch erfahren. Rauchen verbietet sie ja nicht. Sie möchte nur, dass die Zigarettenstummel ganz normal in den Mülleimer gehören und nicht daneben. Bei der Führung reißt sie das mit Sicherheit auch immer an. Und sie berichtet natürlich auch darüber, wie gut Horst früher von den Pferderennen gelebt hat.

Viele aus Horst lebten von der Pferderennbahn. Angefangen vom Aufpiecker der Lose für den Müll bis eben hin zum Jockey. Es gab 40 verschiedene Berufe, die dort gearbeitet haben. Sybille kannte viele von ihnen, weil sie selbst dort tätig war. Heute sammelt sie Fotos, Filme und Geschichten, zeigt und erzählt sie Interessierten, damit diese Erinnerungskultur nicht verloren geht für den Stadtteil von Gelsenkirchen. Die Stadt selbst hat 1956 einen Stempel auf jeden Briefumschlag gesetzt, der stolz in die Welt prangte: „Metropole des westdeutschen Pferdesports“ . Die Pferderennbahn war ein weltweites Vorzeigeobjekt, dass heute zum Teil auch bebaut wurde, wo früher gesattelt wurde oder nervöse Pferde ein Gebäude hatten, sowie die Tribüne stand.

Wo früher die Pferdewaage stand, ist heute der Kindergarten „Galoppi“ und davor steht ein Denkmal für Rudolf Rose, der die Pferderennbahn aus der alten Kuhweide, und vorherigen Sumpfgebiet des Emscherbruchs 1895 bauen ließ.

Wer weiß das denn noch?

Ich wußte es tatsächlich nicht! Wenn die Autobahnen 40 oder 42 von Bochum nach Bottrop, meinen fast täglichen Arbeitsweg verstopft werden, dann gurke ich durch Gelsenkirchen – Horst, komme an ein paar neu gebauten Häusern vorbei, die rechts vor dem Schloss Horst seit einigen Jahren stehen. Was ich nicht wußte, dass dort jahrzehntelang einer der größten Arbeitgeber von Horst gewesen ist und den Stadtteil von Gelsenkirchen maßgeblich geprägt hat neben der Zeche Nordstern. Ich wollte mehr wissen, was der nördliche Stadtteil von Gelsenkirchen zu bieten hat, was hinter Häusern jetzt versteckt ist.

Sybille Hellier ist  in Gelsenkirchen eine Person, die sich nicht nur für Horst einsetzt. Sie hält Stadtteil nicht nur monatlich sauber mit „Horst putzt sich heraus“, sondern sticht auch Rauchern wörtlich ins Herz mit ihrer Aktion „AufGEraucht“, wenn sie ihren Zigarettenfilter auf den Boden werfen. (Darüber habe ich schon berichet). Vor allem besitzt sie ein unschätzbares Wissen über die ehemalige Pferderennbahn von Horst. Sie gibt dieses Wissen und eigenen Erfahrungen in Führungen mit vollem Elan weiter. Sie verbrachte einen Großteil ihres Lebens dort, striegelte Pferde. Heute striegelt sie Menschen, die es interessiert zu erfahren, was früher Gelsenkirchen dort so attraktiv gemacht hat.

Die heutige grüne Oase wird im Inneren der Galopprennbahn zum Golfen für Jedermann und Jedefrau genutzt. Im dortigen Restaurant  Pott-Gold wurden mir die Pommes empfohlen. Das Essen soll dort empfehlenswert sein. Das haben wir nicht geprüft zusammen. Aber werde ich natürlich mit einem erneuten Besuch in Horst bestimmt tun.

Sybille erzählt mit Leidenschaft Anekdoten, Geschichten und Besonderheiten über die Galopprennbahn. Und das macht sie ausnahmsweise diesmal mit mir, um die Erinnerungskultur noch etwas weiter als nur innerhalb der Stadtgrenzen zu erzählen. Gelsenkirchen wird 2025 150 Jahre. Damit möchte ich auch einen Beitrag zu mehr Positivismus und neue Aufbruchstimmung leisten für die von Medien immer arg gebeutelte Stadt mitten im Ruhrgebiet, die nicht nur mit dem Abstieg von Schalke 04 zu kämpfen hat, sondern auch immer noch mit hohen Schulden und einer hohen Arbeitslosenrate. Dabei war Gelsenkirchen in der Nachkriegszeit einer der reichsten Städte Deutschlands.

Emscherbrücher Dickköppe

Umso mehr ist es interessanter sich mal mit der Stadt von Heute in Bezug auf die Vergangenheit zu beschäftigen. Sybille ist ein Baustein in Gelsenkirchen. Sie hat sich auch mit den ausgestorbenen Emscherbrücher Dickköppen auseinander gesetzt. Im Zoo Münster gibt es die Pferdebibliothek. Alles, was man über Pferde wissen will, kann dort entdeckt werden. Nicht umsonst ist das Münsterland das Herz für die Pferdezüchtung. Dort gehen auch die Olympischen Medaillen meist hin.

Sybille fand heraus, dass diese Pferde, die wild an der Emscher grasten wahrscheinlich eine Mischrasse von reiterlosen Pferde waren, die durch die Kriege zerstreut wurden. Sie vermischten sich und so kam diese Rasse heraus über die Generationen. Sie waren nicht höher als 1,20 Meter. Sie hatten einen breiten Brustkorb, um sich in der sumpfigen Emscherlandschaft durchzupflügen. Als die letzten Pferde vom preussischen Amtmann von Waldhausen ins Münsterland entweder zum Sauerbraten oder in die Pferdekoppeln von münsterländischen Bauern führen ließ, waren die Wildpferde nicht mehr da. Aber sie grasten wahrscheinlich mal genau da, wo heute noch die Rennbahn ist in einer anderen Zeit in einer etwas anderen Landschaft, als die Emscher noch ein wilder unbändiger und gefährlicher Fluß für die Anwohner war. Die Dülmer Wildpferde von heute sollen von den Emscherbrücher Dickköppe abstammen. Es wird auch schon diskutiert, sie neu zu züchten und an der Emscher auszuwildern. Das habe ich mal irgendwo gehört. Ob das mal so kommen wird? Warten wir mal ab.

Ohne Pferde kein Ruhrgebiet von Heute

Wichtig zu wissen für jeden, der sich für das Ruhrgebiet interessiert ist, dass es das Ruhrgebiet von heute eben ohne Pferde so nicht gegeben hätte. Sie waren für die Transporte zuständig, halfen auf den Äckern, brachten die Milch zu den Bewohnern, wurden für die Sicherheit genutzt bei der Polizei, halfen den Bergleuten Untertage, brachten den Müll aus den Städten, zogen die Steine für die Straßen und treidelten die Schiffe auf der Ruhr, um die Kohle zum Rhein oder zu den Koksanlagen zu bringen. Zuletzt waren sie ein wichtiges Nahrungsmittel. Denn Pferdefleisch war eben für die Bevölkerung immer zu kriegen. Massentierhaltung gab es noch nicht. Pferde waren immer da.

Wer heute Sauerbraten bestellt, ißt ein selten gewordenes Gericht. Heute kann sich kaum jemand vorstellen, der durch Horst fährt, dass bei einem Pokalrennen über 100000 Zuschauer dort waren und auch gewettet haben. Der Stadtteil war von Autos überfüllt.

Nebenberuf Pferderennbahn

Sybille erzählt, was ein Pferdewirt macht, was sie selbst auf der Pferderennbahn erlebt hat und regt an auch über den Naturschutz der Tiere nachzudenken. Früher haben sich viele etwas nebenberuflich auf der Pferderennbahn dazu verdient. Heute sucht Sybille Material, damit diese Geschichte mitten im Ruhrpott nicht verloren geht.

Nebenbei noch Flaschengefühle gesehen und zum Abfalleimer gelegt

Ich hoffe, dass ich durch das Video und den Beitrag im Blog den ein oder andere animiere nicht nur nach Horst mal zu fahren und sich die Geschichte selbst mal anzuhören und zu sehen, sondern vielleicht ist ja einer dabei, der noch Fotos hat oder einen Super 8 Film über die Pferderennbahn. Sybille wird alles dankend annehmen und auch würdig verwahren.

Wer dort einen Abstecher macht, sollte sich auch das Heimatmuseum im Schloss Horst ansehen. Ein Blick in die Einkaufszone von Horst ist auch nicht verkehrt. Und wer will, kann von dort bis zur Gruga mit der Straßenbahn fahren. Aber der Nordsternpark ist fußläufig erreichbar und mit Sicherheit ebenfalls schön genug und vor allem spannend von der Lage, um einen kompletten Ausflugstag in Gelsenkirchen zu verbringen.

Kosten und Zeitpunkt einer Pferderennbahn-Führung

Ehrenamtlich und kostenlos immer an jedem 3. Freitag im Monat ab 15 Uhr außer in der Urlaubszeit. Ansonsten 5 € pro Person.

Anmeldung bitte am besten per Mail: info@hellier.de oder telefonisch: 01745174139

Weitere Infos zur ehemaligen Galopprennbahn:

www.horster-pferde.de

***

Wer dort Golf innerhalb der ehemaligen Galopprennbahn ausprobieren möchte:

POTTGOLF Gelsenkirchen – POTTGOLF

Kontakt Gelsenkirchen

Johannastr. 37
45899 Gelsenkirchen

Tel: 0209 – 503 020

Mail: info@pott-golf.de

 

Fotos, Text und Podcastmoderation (c) André Brune

Ruhrgebiet-Künstler Many Szejstecki aus Gelsenkirchen I Interview mit den Nachlassverwaltern Roland Szejstecki & Lukas Schepers I +Videopodcast I +Fotogalerie I +Podcast Folge #80

Many Szejstecki, Erschaffer von einer besonderen Bergbaupanorama-Kunst, war ein über die Grenzen der Stadt Gelsenkirchen hinaus bekannter Künstler und Bergmann, der 2016 verstarb. 2024 bekam er von der Stadt Gelsenkirchen, wie ich sie nenne, einen Ehrenstein.

Vor Ort sprach ich mit seinen Sohn Roland und Kunsthistoriker Lukas Schepers, die seinen Nachlass verwalten, über deren Gefühle bei diesem Anlass, der noch nie stattgefundenen Ehrung. Innerhalb einer Stadt des Ruhrgebiets ist diese Aktion für ihre über die Stadtgrenze hinaus bekannten Bürger und Bürgerinnen etwas einmalig Besonderes.

Dort schlug ich beiden auch vor, Many Szejstecki einen kompletten Podcast zu widmen mit ihnen als Gesprächspartner. Seine unnachahmlichen Bergbaupanoramawerke hängen in wichtigen Museen innerhalb des Ruhrgebiets und lassen Betrachter und Betrachterinnen erstaunen, wie er über und unter Tage in verschiedenen Perspektiven in seinen Werken inszenierte.

Der Videopodcast mit einigem Bonus-Bildmaterial und dem Hinweis von Roland Szejstecki zu einer besonderen Projektidee im Anhang:

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Der Podcast zum Hören:

Erst bei der Extraschicht 2023 stolperte ich über die faszinierenden Werke von Many. Ich habe mir damals den beeindruckenden Film der 3D-Künstler aus Dortmund mehrmals angesehen. Der Verein dersalon.ruhr.e.V.  unterstützte das 3D-Projekt more.many maßgeblich.  Roland hat mich damals beim herausgehen erkannt. Er folgte mir seit längerem auf Instagram. Wir gingen nochmal in die Extraschicht-Ausstellung, wo er mir das Panorama-Bild der Zeche Westerholt kurz erklärte. Zufällig entdeckte er mit mir noch ein ihm unbekanntes Bild seines Vaters an der Wand. Anschließend arrangierte er ein Interview mit den 3D-Künstlern „Tremoniacs“. Wir blieben seitdem in Kontakt.

Warum ist der Künstler Many Szejstecki für das Ruhrgebiet so wichtig?

Many Szejstecki war nicht nur Künstler, sondern von Beruf Bergmann. Ohne seine Ausbildung zum Bergmann wäre er nicht der Künstler geworden, der er wurde.

1931 wurde er in Breslau geboren. Mit 15 kam er nach dem zweiten Weltkrieg nach Dortmund und fing als Bergmann auf Minister Stein für ein Kilo Schweinefleisch an. Mit 24 wurde er schon Reviersteiger und hatte 200 Bergleute unter sich. Nach 40 Jahren ging er in Pension und war stolz niemanden auf Schicht durch Unfälle verloren zu haben. Das ist äußerst selten in einer Zeit, wo der Arbeitsschutz noch nicht so hoch war, wie es heute der Fall ist bzw. in Deutschland im Steinkohlebergbau zuletzt bis 2018 war.

Mitte der 1950er Jahre begann er zu zeichnen. 1976 gründete er mit befreundeten Künstlern die „Werkstatt“ in Buer um Kunst zu machen und gleichzeitig zu präsentieren. Mit seiner Leidenschaft als Autodidakt Kunstwerke zu erstellen, befreite er sich vom täglichen harten Job unter Tage. In seinem privaten Atelier, nur 100 Meter von seiner Arbeitsstelle Zeche Westerholt entfernt, werkelte er oft genug bis tief in der Nacht an seinen Bildern.

Als Reviersteiger waren auch Markscheidepläne wichtige Dokumente, die für die Arbeit Unter Tage wichtig waren. Ab Anfang der 1980er Jahre wurden genau diese Pläne in Manys Kunst mit einbezogen und die ersten Bergbaupanoramen entstanden.

In diesen Bergbaupanoramabildern befreite er die Schichten unter uns von Gestein und ermöglichte den Betrachtern einen ganz anderen Blick auf die Ruhrgebietslandschaft. Nie zuvor hatte jemand so weit gedacht. Seine Werke waren keine Phantasie, sondern bis ins letzte Detail berechnet. 2024 legte die Stadt Gelsenkirchen Many Szejstecki einen Ehrenstein auf den Walk of Fame.

Many hat unglaubliche technische Bilder zur Veranschaulichung von Schachtanlagen, dem Gestein und die Ruhrgebietsstäde darüber mathematisch und filigran heraus gestaltet, wie niemand anderer sonst vor oder nach ihm.

Seine Kunst ist nicht nur für Kunstinteressierte sehenswert. Sie sind ein Geniestreich und Hingucker für Architekten, Geologen, Ingenieure, Bergleute, Touristen und Laien, die sich für das Ruhrgebiet interessieren, um bildlich zu sehen, was sich unter der Erde befindet und wie es aufgebaut ist und das ganz ohne KI oder anderen modernen Schnickschnack-Hilfsmitteln.

Das Ziel der Nachlassverwalter Roland Szejstecki und Lukas Schepers ist eine Dauerausstellung in die Zeche Westerholt zu bringen, wo Many Szejstecki, wie erwähnt bis zur Pension als Bergmann und Reviersteiger gearbeitet hat. Diese Idee und dieses Ziel wird mit Sicherheit weltweites Interesse erzeugen und Tourismus vor Ort bringen. Deswegen ist gerade Many Szejstecki für mich ein wichtiger Ruhrgebietsmensch, den ich hier im Blog bringen wollte und den ich leider persönlich nie kennenlernen konnte. Umso wichtiger ist es im nun nach dem Tod gebührend im Ruhrgebiet zu feiern für sein Wirken über die Jahrzehnte in unserem Revier.

Die „Werkstatt“

Für die Aufnahmen des Podcast haben wir drei uns in der „Werkstatt“ auf der Hagenstraße 34 in Gelsenkirchen-Buer getroffen. Seit 1980 ist die „Werkstatt“ zu einer wichtigen und bekannten Kultureinrichtung in Buer geworden. Der ursprüngliche Platz musste einem Supermarkt weichen, den es heute nicht mehr gibt.

Mittlerweile ist die „Werkstatt“ ein Verein geworden, der über das Jahr neben den wechselnden Ausstellungen, auch Musik- und Theateraufführungen inszeniert.

In der „Werkstatt“, wo unsere Videopodcastaufnahme im Juli stattfand, gab es zu diesem Zeitpunkt eine Ausstellung von Harald Lange. Der Verein macht im Jahr fünf bis sechs Ausstellungen.

Einmal im Jahr gibt es ununterbrochen seit 1977 immer einen „Werkstatt-Kalender“. Ein wichtiger Bestandteil um die Werkstatt zu finanzieren.

Die Bilder sind auf hochwertigem Büttenpapier gedruckt. Sie können einzeln herausgenommen werden und eingerahmt an der Wand aufgehängt werden.  Das Many so populär geworden ist, hilft auch der  Werkstatt mit ihren heutigen Künstler und Künstlerinnen.

Nachlassverwaltung Many Szejstecki

Many Szejsteckis Sohn Roland und der Kunsthistoriker Lukas Schepers verwalten den Nachlass. Zufällig traf Lukas Schepers 2020 auf Manys Werke als er seine Tante besuchte. Die Panoramen mit den filigranen Linien faszinierten ihn so, dass er mehr erfahren wollte über Manys Kunst. Ein Wikipedia – Eintrag machte ihn neugierig. Doch es gab keine vernünftigen Informationen über Many Szejstecki.

Er kontaktierte über die Werkstatt Roland. Sie waren sofort auf einer Wellenlänge und steckten fortan das Ziel Manys Kunst wieder in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Lukas erste Auseinandersetzung mit Many Szejstecki war ein ausführlicher Wikipedia-Eintrag. (Manfred Szejstecki – Wikipedia)

 
Kunsthistoriker Lukas Schepers

Lukas schrieb in seinem Studium eine wissenschaftliche Hausarbeit über Many Szejstecki. Er überarbeitete und ergänzte den ursprünglichen Wikipediaeintrag mit seinen neuesten Erkenntnissen.

Einige Panoramen hängen in renommierten Museen im Ruhrgebiet. Im Gladbecker Heimatmuseum auf Schloss Wittringen, im Bergbaumuseum Bochum und Ruhrmuseum Essen können die Werke bewundert werden. Außerdem entstanden Radierungen, Netzzeichnungen, Spiegelobjekte und vieles mehr. Genügend Kunst um über den Arbeiterkünstler Many Szejstecki eine Dauerausstellung einzurichten. Dieses Ziel verfolgen Schepers und Szejstecki intensiv. Auch Manys Witwe Brigitte würde sich darüber mit ihren 90. Jahren sehr freuen.

Roland Szejstecki erklärt Betrachtern sehr gern die Bilder seines Vaters Many

Lukas Schepers traf bei seinen Recherchen auf einen Berliner Architekten, der sein Bild für eine Dauerausstellung gern zur Verfügung stellen würde. Allerdings müsste es leider vorher erst restauriert werden, da es Transportschäden bekam.

Die breiten Panoramabilder drücken nicht nur einfach ein Landschaftsbild ab, sondern verbindet die Oberfläche mit der untertägigen Landschaft mit viel Phantasie, so doziert Lukas Schepers über die Bilder Many Szejsteckis.

Die Gesteinsbereiche, Stollen und Flöze unter einer Ruhrgebietsstadt darzustellen ohne ein modernes 3D-Meßgerät für Geologie besessen zu haben, zeigt die einmalige Genialität des Künstlers Many Szejstecki.

Die Bilder sind exakt ohne GPS berechnet. Das gab es zu dem Zeitpunkt auch noch gar nicht. Er hat mit den Markscheidern zusammen gearbeitet. Im Markscheidearchiven wurde über Jahrhunderte jeder Millimeter Unter Tage dokumentiert. Es wurde nicht einfach wahllos in die Erde gebohrt. Es musste exakt so abgeteuft werden, damit der Abbau von Kohle sofort an Ort und Stelle geschehen konnte. Es ist ja auch eine Geldfrage gewesen. Nur ein paar Meter daneben abgeteuft, war ein Schacht unrentabel. Als gelernter Reviersteiger konnte Many die Markscheidedokumente lesen und dreidimensional denken. Das verhalf ihm letztendlich zu den großartigen Bildern.

Als Laie kann man sich das nicht vorstellen, wie der Gedanke zur künstlerischen Verarbeitung kam. Allein in Gelsenkirchen haben ca 50000 Menschen unter Tage gearbeitet. Das künstlerisch zu erfassen und darzustellen ist einmalig!

Seine Bilder wurden bis nach Nottingham in Großbritannien, ins Deutsche Museum in München und in die Schweiz zu Einzelausstellung gebracht. Wenn es um Bergbau ging, war Many der künstlerische Ansprechpartner.

Zu seinem 77 . Geburtstag schrieb Many für seine Familie eine Autobiographie. Lukas wird sie irgendwann für die Allgemeinheit zugänglich machen.  Zur Zeit stellen sie eine Projektbroschüre mit dem Thema „Das Panorama des Ruhrgebiets“.

Austellungen werden weiter vorbereitet, wie 2023 in Oberhausen. In ganz Deutschland haben sie Werke wiedergefunden, zuletzt in Mainz. Die älteste gefundene Zeichnung stammt aus dem Jahr 1956.

Rolands Vater wäre stolz, was aus der Werkstatt geworden ist. Er war bekannt und beliebt bei den Gelsenkirchenern. Für die Nachlassverwaltung hat Many gebührende Personen gefunden. Sein Sohn Roland ist der Organisator und Netzwerker, während Lukas eher am Schreibtisch sitzt, alles gefundene verarbeitet, schreibt und Vorträge hält. Ihre jeweiligen Ideen ergänzen sich.

Der Kreis schließt sich, denn während wir im Podcast über Many sprachen, spürte ich sein damaliges Wirken in den Räumlichkeiten.

Möge er lange in den Gedächtnissen aller sein als künstlerischer Chronist der lebendigen Bergwelt des Ruhrgebiets!

Dafür werden die Nachlassverwalter Lukas Schepers und Roland Szejstecki in Zukunft sorgen mit einem Konzept für eine Dauerausstellung, der Veröffentlichung einer Biographie und dem Zusammentragen seines kompletten Werks.

Ich hoffe mit meinem Blogbeitrag und Podcast auch Menschen für Many Szejstecki Kunst zu begeistern, die sich bisher weniger dafür interessieren. Das Fotomaterial von Roland macht vielleicht so manchen Neugierig mehr über Many zu erfahren.

Möge er in Frieden ruhen! Seine Anhänger und Anhängerinnen ruhen nicht eher bis es zu einer  Dauerausstellung  gekommen ist. 

Ich hoffe, dass die Stadt Gelsenkirchen, Herten und auch der Regionalverband Ruhr und einige Sponsoren Interesse haben an dem Projekt der Dauerausstellung von Many Szejsteckis Kunst die weltweite Beachtung haben sollte und haben wird!

Glück auf im wahrsten Sinne des Wortes

Nachlassverwalter Lukas Schepers (links) und Roland Szejstecki (rechts) (c)André Brune

 

Links

 

Manfred Szejstecki – Wikipedia

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www.gelsenkirchen.de – Manfred Szejstecki

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Manfred Szejstecki – Gelsenkirchener Geschichten Wiki (gelsenkirchener-geschichten.de)

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www.gelsenkirchen.de – Walk of Fame

***

dersalon.ruhr e.V.

Scherlebeckerstr. 399

45701 Herten

info@dersalon.ruhr

www.derSalon.ruhr

***

TREMONIACS (@tremoniacs.fbx) • Instagram-Fotos und -Videos

***

werkstatt – Verein zur Förderung von Kunst und Kultur e.V. / Hagenstr. 34 / 45894 Gelsenkirchen / info@werkstatt-ev.de

Nachlass Many Szejstecki – werkstatt (werkstatt-ev.de)

***

Roland Szejstecki (@nachlass.many.szejstecki) • Instagram-Fotos und -Videos

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Mehr Informationen

Wer weitere Fragen zur Kunst von Many Szejstecki hat, kann sich direkt an Roland Szejstecki und Lukas Schepers wenden:

Roland Szejstecki
0178 2384447
szejsteckiroland@gmail.com

Lukas Schepers
0178 2819046
Lukas.schepers@googlemail.com

Das Projekt wird fortgeführt: Das Panorama des Ruhrgebiets

https://www.werkstatt-ev.de/wp-content/uploads/2024/09/Panorama-des-Ruhrgebiets.pdf
Opens in a new window

Zum Ausstellungskonzept:

Many Szejstecki: „Die Zeche hat mich geprägt“ – Ein Ausstellungskonzept für die Neue Zeche Westerholt

https://www.werkstatt-ev.de/wp-content/uploads/2022/09/Flyer_Many-Westerholt.jpg

https://www.werkstatt-ev.de/wp-content/uploads/2022/09/Flyer_Many-Westerholt2.jpg

Hier befinden sich jeweils Panoramabilder von Many:

Deutsches Bergbaumuseum Bochum

Museum der Stadt Gladbeck (im Eingangsbereich)

Ruhrmuseum Essen

U Bahn Station Trinenkamp Gelsenkirchen  Linie 301

Buch Stillstand Corona – Krise in Buer von Jürgen Nobel

Fotos von (C) Roland Szejstecki – Vielen Dank für das Bildmaterial!

Wer nochmal in das Video mit den Interviews schauen möchte von der Extraschicht 2023:

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Mehr Informationen

Oder das Video zur Eröffnung der Ehrensteine auf dem Walk of Fame-Boulevard in Gelsenkirchen-Buer:

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Buden-Marathon zum Tag der Trinkhallen 2024 I +Video I +Fotogalerie

9 Buden in 6 Städten im Schnelldurchgang am Tag der Trinkhallen!

Gern hätte ich alle 40 Trinkhallen aufgesucht in den Ruhrgebiets-Städten, aber dafür müsste dieses Fest drei Tage gehen. Wäre zumindest eine schöne Maßnahme, um für alle einen Mehrwert zu schaffen. Neun erreicht zu haben an einem Tag ist schon ein großer Teil gewesen, obwohl ich an jeder gern das ganze Event über geblieben wäre.

Ich habe leidenschaftliche Betreiber- und Betreiberinnen, nette Menschen und ein Menge Kultur kennengelernt und gesehen. Kabarett, Comedy, Musik, Tanz bei kühlen Getränken und gegrillten fetthaltigen Klümbkes in Form von überzogenen Darm aus Freilandtierhaltung wurde im Wechsel an vielen Stellen dem Publikum geboten.

Zum VIDEO:

Als es um 15 Uhr los ging, war ich gerade in Herten und begleitete den musikalischen Abriss des singenden Bürgermeisters Matthias Müller vom Affen und seiner Kokosnuss. Gestartet bin ich aber in Castrop-Rauxel, fuhr von dort nach Herne, dann Herten, Gelsenkirchen und Bottrop. Zuletzt musst ich unbedingt noch in Bochum den All In Kiosk besuchen. Leider verpasste ich Geier Sturzflugs Saxophonisten und den „VfL Jesus“. Überall sein, geht halt nicht, oder wat.

Short: https://youtube.com/shorts/fsMteXNU5KY?si=Yj-c-TM_6eIh9pjR

Alle zwei Jahre ist der Tag der Trinkhallen seit 2016 mit Corona-Unterbrechung. Ich wollte mich nicht festlegen. Meine Frau und ich holten unseren neuen Wagen in Castrop-Rauxel ab, den ich für touristische Führungen vorgesehen habe (das kommt ab Anfang nächstes Jahr!). Dann haben wir in den Plan geschaut und sind losgefahren.

Kadir 2.v.R. mit Ehefrau Rechts und Verwandtschaft

Markt Kiosk

Am Markt 15

44575 Castrop-Rauxel

Facebook.com/MarktKioskCastroprauxel

Nur 10 Minuten über eine wunderschöne Ackerlandschaft hinweg zwischen Castrop und Herne gelangten wir dann nach Sodingen. Die Eingemeindung zu Herne am 1.4.1928 war kein Aprilscherz. Jedoch besaß sie ein eigenes Amtshaus. Deswegen heißt dort auch zur Erinnerung die am Kiosk anliegende Straße so: „Zum Amtshaus“.

Heikes Kiosk in Herne – Sodingen

Auf dem Kurt – Edelhagen – Platz unweit vom ehemaligen Bunker, der als Wohnhaus umgebaut wurde, entstand am 7.2.1922 die Bedürfnisanstalt und Erfrischungshalle. Wahrscheinlich wollte man schon damals die langen behördlichen Wartezeiten mit Getränken abmildern. So ließ die Gemeinde die schicke Trinkhalle bauen, auch um gleichzeitig das Toilettengeschäft nach dem Genuß von Kaffee und Bier anzubieten.

Nun 102 Jahre später feiert die langjährige Besitzerin Heike Chuchra den Tag der Trinkhallen mit lauter Musik an dem denkmalgeschützten Kiosk.

Die offizielle Eröffnung war noch nicht losgegangen, aber schon mehr als 100 Personen warteten auf die Würste vom Grill. Rondoprinz mit Christian Bigos sollten hier Gitarrenpop und Post-Punk-Revival-Klänge ab 15 Uhr interpretieren.

Heike nahm sich zwei Minuten Zeit, um eine zu quarzen und mit mir zu plaudern. Es war eine kurze Pause für sie. Heike hat nicht die 102 Jahre mitgemischt, aber schon mehr als ein Vierteljahrhundert davon. Insgesamt arbeitet sie schon 34 Jahre davon in der Trinkhalle. Vor 24 Jahren übernahm sie die Bude und wird sie wahrscheinlich nur tragend verlassen. Ihre Leidenschaft für den Kiosk und die Menschen vor Ort ist sehr groß, wie ich es bei allen Besitzer und Besitzerinnen an dem Tag feststellen konnte. Sie wirkte auf mich, wie eine Mutti, mit der man alles bequatschen kann. Bestimmt ist sie auch eine Art zuhörende Psychologin, wenn es mal einem nicht gut geht. Ich werde auf jeden Fall auch bei ihr nochmal vorbeischauen!

Heike Chuchra

Heikes Kiosk

Am Amtshaus 1

44627 Herne

Zur Historie gibt es eine tolle Internetseite von Herne und Wanne:

Heike’s Kiosk – Herne von damals bis heute (herne-damals-heute.de)

Trinkhalle Am Stadtpark in Herne

Von Heike bis zum Kiosk „Am Stadtpark“ waren es auch nur etwa 10 Minuten. Der Grill bebte schon, die rosa Luftballons schwebten an den Wäscheleinen. Rosa ist die Farbe der Bonbons und die Mottofarbe vom Tag der Trinkhallen.

Der Sohn des Kioskbetreibers Benkubi (hab den Namen so verstanden. Ich hoffe, er ist richtig geschrieben, wenn nicht entschuldige ich mich für die falsche Schreibweise) erzählte mir, wie es vor Ort abläuft mit den Wertmarken.

Benkubi (wenn der Name so richtig ist), Sohn des Betreibers von der Trinkhalle

Die Bude wird von der ganzen Familie im Schichtdienst betreut. Es fehlt nur eine Weiß- und eine Schwarzkaue. Der Verkaufsraum ist nicht klein. Die Regale sind mit allerlei verschiedenen wichtigen Lebensmitteln gefüllt. Sogar Toilettenpapier fehlt nicht. Den Herner Stadtpark habe ich noch nie besucht. Der ist bestimmt auch mal ein Besuch wert..

Verpasst habe ich jedoch Kioomars Musayyebi und Andreas Heuser vom Transorient Orchestra. Sie spielten auf der persischen Santur mit Gitarren verbindende Elemente von Orient und Okzident. Auch hier wäre ich gern geblieben, um mir das anzusehen.

Trinkhalle am Stadtgarten

Vienkestraße 93

44623 Herne

0177 7360002

(keine Internetseite)

Pick Up Snack & Service Kiosk in Herten

Anschließend war ich in Herten beim Pick Up Snack & Services Kiosk von Thorsten Beckmann. Er übernahm die Bude 2015 von seinen Eltern. Sie wirkt wie ein kleiner Tante Emma – Laden. Auch er feiert dieses Jahr noch einmal, denn insgesamt gibt es die Trinkhalle schon 25 Jahre.

Zufällig war ich bei der offiziellen Eröffnung vom Tag der Trinkhallen dabei. Ich wußte ja nicht, dass der Bürgermeister singen und Gitarre spielen kann! Mit großer Inbrunst sang er „Die Affen rasen durch den Wald“ mit einer geklauten Kokosnuss…äh Gitarre und lud alle Anwesenden ein mitzusingen. Der Text wurde vorher herumgereicht. Das war mal sehr originell.

Pick Up Kiosk und Mehr

Aber ich wollte ja noch weiter und habe nicht die anschließenden Auftritte sehen können von

Im weiteren Verlauf sollten Songs aus den letzten 25 Jahren gespielt werden. Hier in Herten wurde das Publikum und die Kinder direkt angesprochen. Das Programm enthielt Überraschungen, Wimmelbuchgeschichten und auch Informationen zum 25. Geburtstag der Route der Industriekultur.

Bürgermeister Matthias Müller spielt das Affenlied mit der Gitarre
Thorsten Beckmann, der Chef der Trinkhalle

Pick Up Snack & Services Kiosk & mehr

Ewaldstr. 124

45699 Herten

Internet: PICK UP SNACK & SERVICES – KIOSK UND MEHR… (pick-up-kiosk.de)

Leider musste ich schon wieder weiter, auch wenn der Geruch von Waffeln in der Luft lag…

Kiosk Mummel in Gelsenkirchen-Erle

Der Kiosk Mummel war der nächste Punkt auf der Liste in Gelsenkirchen – Erle, der in einem kleinen Häuschen zu finden ist. Die Eröffnung wurde vom Kabarettisten Özgur Cebe gemacht. Er erzählte über Steinmeiers Dönerdiplomatie während ich Linda, die Mummel-Besitzerin, kurz sprach. Hier ertrank ich förmlich schon in einer Menschenmenge.

Özgur Cebe

Erst seit einem Jahr betreiben sie den Kiosk und gehörte jetzt schon vor dem Tag der Trinkhallen zu den berühmteren Buden im Ruhrgebiet. In ihrem Internetshop können die gemischten Tüten in verschiedenen Größen ebenso gekauft werden, wie am schnuckeligen Schalter. Das ist so erfolgreich auf Instagram vermarktet worden, dass der Westdeutsche Rundfunk, RTL und die Zeitung darauf aufmerksam wurde. So sind sie schon im Fernsehen gelandet und freuen sich jeden Tag aufs Neue über die vielen Menschen, die mit Rad oder zu Fuß kommen.

Kiosk Mummel ertrinkt im Menschenmeer

Vor der Bude war eine automatische Cocktailbar. Nur Tom Cruise fehlte, um den Sunrise von mir richtig durchzuschütteln, aber die Bardame war vergleichbar und nicht so überheblich wie der kleine Hollywooddarsteller.

Auch hier werde ich nochmal hin. Denn Erle ist architektonisch ein Juwel in Gelsenkirchen.

Linda vom Kiosk Mummel

Kiosk Mummel

Gartmannshof 19a

45891 Gelsenkirchen

Glück Auf | Kiosk Mummel (kiosk-mummel.de)

Kiosk An der Ecke in Gelsenkirchen – Scholven

Dann ging es nach Scholven. Kenan und Ingi (ich hoffe, ich habe den Vornamen richtig geschrieben, wenn nicht: Entschuldigung!) betreiben den Kiosk „An der Ecke“ auch schon 8 Jahre. Sie erzählen auch über den Ablauf des Tages, ihre Anmeldung zum Tag der Trinkhallen und wie überwältigt sie sind.  

Kiosk an der Ecke in Scholven

Sie haben vor Ort Prominenz aufgefahren bekommen: der Cartoonist Oli Hilbrich und Reviersport-Autor Ulrich Homann lamentierten über Schalke 04 . Oli zeigt auf Dia-Fotos seine Cartoons und erzählt die Entstehungsgeschichten dazu. Leider waren die Bilder wegen des Sonnenlichts nicht so gut erkennbar. Aber Oli war wichtiger als die Bilder. Daneben traf ich auf den sympathischen Pressemann Axel Bitterlich vom Klartext Verlag. Kontakt ist aufgenommen für so manche Buchbesprechung in meinen zukünftigem Podcastformat.  

Nach einem Mini-Gespräch lud Oli mich wieder zu seinem zweiten Teil um 20 Uhr ein. Aber ich wollte ja noch weiter. So lud ich ihn im Gegensatz dazu ein mal in meinem Podcast zu sein.

Sie haben vor Ort Prominenz aufgefahren bekommen: der Cartoonist Oli Hilbring und Reviersport-Autor Ulrich Hohmann lamentierten über Schalke 04 . Oli zeigt auf Dia-Fotos seine Cartoons und erzählt die Entstehungsgeschichten dazu. Leider waren die Bilder wegen des Sonnenlichts nicht so gut erkennbar. Aber Oli war wichtiger als die Bilder. Daneben traf ich auf den sympathischen Pressemann Axel Bitterlich vom Klartext Verlag. Kontakt ist aufgenommen für so manche Buchbesprechung in meinen zukünftigem Podcastformat.  

Cartoonist Oli Hilbring
Oli und sein neuer Schalke 04 Kalender Cartoon

Nach einem Mini-Gespräch lud Oli mich wieder zu seinem zweiten Teil um 20 Uhr ein. Aber ich wollte ja noch weiter. So lud ich ihn im Gegensatz dazu ein mal in meinem Podcast zu sein. Mal sehen, wann das was wird. Ich fuhr auf jeden Fall über die Grenze nach Bottrop. Wichtig: Ein Einreisevisum nach Bottrop braucht man nicht!

Kiosk An der Ecke

Feldhauser Straße 219a

45896 Gelsenkirchen

+49 1577 1344647

Kelm die 2te in Bottrop – Eigen

Jennas ersten Kiosk hab ich vor zwei Jahren beim Tag der Trinkhallen besucht und sie dort kennengelernt. Ihren zweiten Kiosk hat sie vor einem Jahr eröffnet (2023). Und dieses Jahr (2024) feiert sie den Tag der Trinkhallen nun im 2ten. Da musste ich doch unbedingt vorbeischauen.

Die Hüpfburg bei Jenna Kelm

Sie war voll im Stress. Das Bier wurde nachgefüllt. Ich hab mitgeholfen Getränkekisten zu schleppen. Und dann war das Fassbier plötzlich alle. Ein neues musste angezapft werden.

Jenna verwandelte den Rübenkamp im Stadtteil Eigen von Bottrop zu einer Partymeile mit einer Hüpfburg und Bierwagen. 

The Grillman - Würstchen Superheld

Die Bottroper Band „Dirty Tigers“ traten auf, kurz nachdem ich wieder gegangen bin, denn ich wollte noch zu Aylin Park-Kiosk im Stadtteil Batenbrock. Das war ja nur ein paar Minuten weiter mit dem Auto.

Die Hölle war bei Jenna

Die Bottroper Band „Dirty Tigers“ traten auf, kurz nachdem ich wieder gegangen bin, denn ich wollte noch zu Aylin Park-Kiosk im Stadtteil Batenbrock. Das war ja nur ein paar Minuten weiter mit dem Auto.

Jenna Kelm

Trinkhalle Kelm die 2te

Vienkenstraße 41a

46240 Bottrop

Facebook.com/people/Trinkhalle-Kelm/100066863555389/

Aylins Kiosk Am Park in Bottrop – Batenbrock

An der Bude „Am Park“ von Aylin bin ich letztens schon vorbeigefahren. Vor einem Jahr übernahm sie den Kiosk, der am neu gestalteten Stadtteil-Volkspark ist. Aylin ist eine Frohnatur und war von dem Tag der Trinkhallen hin und weg. Özlem von „Kiosk ist Kult“, die ich auch am Tag der Trinkhallen vor zwei Jahren kennengelernt hatte, unterstützte sie vor Ort. Hier unterstützen sich die Budenbesitzer gegenseitig.

Özlem von Kiosk ist Kult

Auf der Kleinkunstbühne erzählte singend die Berlinerin Alice Köfer, bekannt aus Ladies Night, von einer Wärmepumpe, deren Röhrensystem besser von französischen Chansonsängerinnen ausgetauscht werden sollten. Edith Piaf kann singend Kälte zu Wärme umwandeln. Nachdem wir den isländischen Schlussakkord aufgesagt bekommen haben und Alice das Budenhopping machte, schwang der Bauch von Julia durch über die Horster Straße. Autos hupten ab und zu im Takt der orientalischen Klänge mit.

Julia, die Bauchtänzerin schwingt das Schwert

Es waren intensive 15 Minuten Bauchtanz-Begeisterung bei allen Anwenden zu sehen. Julia reckte die Arme hoch und balancierte bauchmuskelzuckend mit einem Schwert auf dem Kopf über den Bürgersteig.

Bei der orientalischen Musik musste ich einfach mitmachen. Da hat man die Vielfalt des Ruhrgebiets live gesehen: Orient trifft Okzident. Der musikalische Kabarettist Matthias Reuter bot anschließend noch einen Auftritt. Er tritt auch oft bei Comedy im Saal bei Benjamin Eisenberg auf.

Aylin ist überwältigt vom Tag der Trinkhallen

Trinkhalle Am Park – Aylins Kiosk

Horster Straße 185

46238 Bottrop

Links:

www.bauchtaenzerin-julia.de

Matthias Reuter | Kabarett mit Klavier

Alice Köfer: Gesang, Musik und lustig aus Berlin (alice-koefer.de)

Dann allerdings ging es weiter nach Bochum, zurück nach Hause, aber nicht ganz. Denn ich wollte unbedingt noch eine besondere Bochumer Bude mitnehmen.

Riesenfete am All In Kiosk

All In Kiosk in Bochum – Ehrenfeld

Nah der Innenstadt ist an der Ecke Weiherstraße/Joachimstraße einer der bekanntesten Kioske in Bochum. Mit Giampiero Piria habe ich auf seiner Kiosk-Tour den All In Kiosk, aber ohne Inhaber kennenlernen können. Heute wollte ich unbedingt ein Interview ergattern.

Die Auftritte vom Saxophonisten von Geier Sturzflug, Klaus Fiehe, den Schauspieler Uwe Fellensiek und die Pottoriginale Gerrit Starczewski und den VfL-Jesus Thomas Dragunski habe ich nicht mehr mitbekommen.

Sie haben eine Versteigerung für einen guten Zweck vor Ort veranstaltet. Ich hätte nicht so lange den Bauchtanz mitmachen sollen. Ich wäre gern dabei gewesen. Man kann nicht alles haben. Aber den Inhaber Timo Wulfmeyer hab ich doch kurz noch ans Handy bekommen. Es wurde noch kräftig gefeiert um 20 Uhr. Die Straße war auch verkehrsberuhigt mit Security-Service worden.

Timo war begeistert vom Tag und völlig überwältigt. Seine Eindrücke waren so vielfältig, dass er nicht mal mehr alles auf die Reihe bekam es zu erzählen. Der Ruhrpott-Sympathikus wird von mir im Nachgang nochmal besucht. Soll er erstmal alles sacken lassen.

Timo vom All In Kiosk

All in Kiosk

Joachimstraße 19

44787 Bochum

https://www.all-in-kiosk-bochum.de/

Ich freue mich, dass dieses einmalige in Deutschland ausgeführte Event viele Freunde gefunden und die totgeglaubte Budenkultur im Ruhrgebiet seitdem wieder Aufwind bekommen hat.

Meine Frau Ewa war genauso begeistert

Alle interviewten Betreiber und Betreiberinnen machen ihre Trinkhalle mit viel Leidenschaft, besonders für die Menschen in der Region. Die braucht man auch. Denn es zeigt, dass trotz der großen Supermärkte und die dortige unpersönliche Art des Einkaufens ein Kiosk, eine Trinkhalle oder Bude noch das I-Tüpfelchen in der Nachbarschaft ist, wo noch was nett plaudernd mit dem Inhaber persönlich kaufen kann. Das ist gelebte Nachbarschaft, das ist Ruhrpott, das ist das Leben im Ruhrgebiet auf vielfältige Art!

Wir sehen uns in zwei Jahren wieder beim nächsten Buden-Marathon! In der Zwischenzeit mache ich für den Blog die ein oder andere Bude klar und besuche sie.

Natürlich besuche ich nach und nach auch nochmal alle kurz interviewten Trinkhallenbesitzer und – Besitzerinnen. Ich will auch wissen, wie sie den Tag genossen haben oder auch nicht.

Hier nochmal die Übersicht der 40 teilnehmenden Trinkhallen, die im ganzen Ruhrgebiet verteilt waren per Link:

www.tagdertrinkhallen.ruhr

Faltkarte: 061924_TdT24_Faltkarte_594x420_HR_RZ.indd (tagdertrinkhallen.ruhr)

Glück auf! Klümbkes drin!

FOTOGALERIE:

Flaschengefühle am Tag der Trinkhallen
Jenna zapft selba
Ulrich Homann und seine Bücher über Schalke 04

Einweihung der Ehrensteine auf dem „Walk of Fame“ in Gelsenkirchen eröffnet I +Interview I +Fotos I +Video I +Short

Am 10.6.24 bekamen die ersten elf prominenten Gelsenkirchener offiziell ihren persönlichen Ehrenstein auf dem „Walk of Fame“. Oberbürgermeisterin Karin Welge hielt eine humorvolle würdige Rede. Verwandte, Freunde und Bekannte der geehrten Persönlichkeiten waren anwesend.

Das alles live zu erleben war, dank Roland Szejstecki, der mir den Hinweis gab und mich einlud, eine wirklich besondere Sache, die ich hier im Blog über die Grenzen von Gelsenkirchen hinaus tragen und anregen möchte, sich das selbst anzusehen.

Die Einweihungsrede wurde in der ehrwürdigen Schauburg, dem kommunalen Kino von Buer, gehalten. Draußen war es ungewöhnlich kühl an diesem Junitag und es regnete während ich die Interviews mit dem Designer und Leiter der Ehrensteine Uwe Gelesch, mit Roland Szejstecki, dem Sohn des Künstlers Many Szejstecki und dem Kunsthistoriker Lukas Schepers führte. So konnte ich einen kleinen Einblick bekommen in die Herstellung der Steine und auch kurz hören, wie ein direkter Verwandter sich nun fühlt seinen Vater „eingemeiselt“ in einem Gehweg zu sehen:

Walk of Fame – Short: https://youtube.com/shorts/2YaCEKrW7Kc?si=N_BYnB7SubQMf2TZ

Video:

Roland Szejstecki wird mir in einigen Wochen in einem Podcast über seinen Vater mehr erzählen.

Wie entstand die Idee?

Die Idee ging von Bürgern aus Buer aus. 2021 stellte die FDP-Ratsfraktion einen Antrag, damit diese Ehrung Gelsenkirchener Bürger umgesetzt werden konnte. Weitere Jahre gingen ins Land. Corona beschäftigte die Stadt noch ein wenig, die nicht so reich an Geldschätzen mehr ist, wie früher. Aber dieses Projekt umzusetzen, war ein Muss auf der Agenda für ihre Persönlichkeiten etwas zu tun, trotz aller Widrigkeiten. Nun wurde er am 10.6.24 eingeweiht.

Oberbürgermeisterin Karin Welge (Vierte v.l. oben) mit allen Verwandten und Bekannten der Persönlichkeiten aus Gelsenkirchen und Designer Uwe Gelesch (rechts)

Wie und wer entscheidet über die Persönlichkeit auf dem Walk of Fame?

Jeder Bürger und jede Bürgerin kann online, telefonisch, per Post oder Email Personen-Vorschläge einreichen. Zuständige Sachbearbeiter der Stadt Gelsenkirchen prüfen diese und übergeben sie einer Kommission aus Zivilgesellschaft, Kulturszene und Verwaltung. Die Kommission übergibt dann die festgelegten Personen dem Ausschuss für Kultur, Tourismus und urbane Szene. Der Ausschuss entscheidet in einer letzten Beratung über die Personen der Ehrensteine. Wer am Ende einen Ehrenstein bekommt, segnet die Bezirksvertretung-Nord mehrheitlich ab. So wurden die ersten zehn rutschfesten Ehrensteine am 15.11.2023 beschlossen, die den Walk of Fame auf der Horster Straße beginnen sollten.

Horster Straße mit Rathaus Buer

Jeder Ehrenstein trägt Name, Beruf, Auszeichnung, Geburts- und Sterbedatum, sowie ein Foto, falls vorhanden.

Auch du kannst einen Vorschlag machen:

www.gelsenkirchen.de – Vorschläge für Walk of Fame

Der Entwurf

Der Entwurf der Ehrensteine basiert auf einer Idee des Künstlers und Designers Uwe Gelesch. Er gewann einen von der Stadt Gelsenkirchen ausgeschriebenen Wettbewerb für die Gestaltung im Sommer 2023.

Er erklärte mir im Interview das spezielle neuartige Drucktechnikverfahren auf Betonstein, das auch relativ preisgünstig gegenüber anderen Möglichkeiten gewesen ist. Die Kosten liegen im untersten dreistelligen Bereich. Voraussichtlich werden jedes Jahr weitere zehn Würdenträger und Würdenträgerinnen auf der Kulturmeile eingesetzt werden. Sie werden den Bürgersteig der Horster Straße rutschfester machen zwischen dem Rathaus Buer, der Schauburg, dem Kunstmuseum und Goldbergplatz machen und damit auch Gelsenkirchen ehrenvoll aufwerten.

Bei der Einweihungsrede in der Schauburg

Welche Gelsenkirchener Persönlichkeiten haben einen Ehrenstein bekommen?

Wer hätte gewußt, dass das gewürdigte Ehepaar Rudolf und Maria Rempel eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit machten?

Weltweit bekannt und wichtig für unsere langfristige gesunde Ernährung und bis heute genutzt wird das Verfahren zum Einmachen in Weckgläsern durch das Gelsenkirchener Ehepaar, das statt Foto den Patenteintrag zur Würdigung eingedruckt bekommen hat. Der Gehirnmus stammte aus Gelsenkirchen!

Rudolf und Maria Rempel

Nun nicht nur das Ehepaar Rempel aus dem 19. Jahrhundert hat diesen Denkmal-Stolperstein verdient, sondern noch neun andere wichtige Persönlichkeiten:

Das es Elf Personen durch das Ehepaar Rempel geworden sind, die geehrt wurden, könnte auch ein Fingerzeig auf die startende Europameisterschaft sein, die mit drei Spielen in Gelsenkirchen gastiert oder einfach nur ein Zufall, dass nun auch am 10.6.24 zwei große der Gelsenkirchener Fußballgeschichte mit geehrt werden:

Rudi Aussauer

Reinhard „Stan“ Libuda

Außerdem bekamen folgende Personen einen Ehrenstein:

Harald zur Hausen

Anton Stankowski

Claire Waldoff

Ilse Kibgis

Rolf Glasmeier

Rudolf Bertram

Many Szejstecki

Mehr Informationen zu den Persönlichkeiten:

www.gelsenkirchen.de – Digitaler GWoF

(Ich widme jedem einzelnen auch einen kleinen Podcast mit Würdigung im Blog nach und nach)

Kritik & Anregung

Jede Persönlichkeit ist mit einem Foto sichtbar auf dem Stein, bis auf das Ehepaar Rempel aus dem 19. Jahrhundert. Sie haben den Originaleintrag ihres Patentverfahrens auf dem Stein. Geburts- und Sterbejahrgang zeigt die Epoche ihres Wirkens. Auch die Angabe des Berufs oder Berufung ihrer Tätigkeit als Autor, Künstler, Fotograf, Manager oder Nobelpreisträger, sowie eine besondere Auszeichnung für den Einsatz für die Menschen. Die Ehrensteine sind rutschfest. Das alles ist sehr positiv.

Der abgebildete Schuhabdruck unten rechts mit dem Gelsenkirchenzeichen sollte eher ein QR-Code sein, den interessierte Fußgänger aufrufen können, um über die Personen mehr zu erfahren.

In einem QR-Code kann trotzdem immer noch das G stehen. Oder es sollte eine Tafel stehen am Beginn des Weges, um dann mit einem QR-Code darauf hinzuweisen.

Noch besser wäre es, wenn auf der Internetseite der Persönlichkeiten gesprochene Texte in internationaler Sprache zu hören wären. Ob jetzt viele oder wenige Touristen da entlang laufen spielt für keine Rolle, aber es würde auf jeden Fall jede einzelne Persönlichkeit auch außerhalb der Grenzen von Gelsenkirchen noch bekannter machen und vor allem nicht vergessen werden.

Als gelernter Sprecher sehe ich diese Dinge im Internet leider als viel zu wenig. Erst recht fehlt es oft an den anderen Sprachen. Auch die benachteiligten Sehbehinderten würden auch wissen, warum sie genau auf diesem Stein plötzlich nicht ausrutschen vor dem Kino. Sie sollten hörbar erfahren, wer dort eingemeiselt in Stein liegt..

Das sind Verbesserungsvorschläge ohne schlechte Kritik an Uwe Geleschs Design zu üben. Sein Entwurf ist wirklich gelungen!

Deswegen von mir eine Anregung für alle Städte des Ruhrgebiets:

NACHMACHEN!

Jede Stadt im Ruhrgebiet hat Persönlichkeiten, die verstorben sind, die ohne eine große Würdigung zu bekommen begraben wurden. So ein „Walk of Fame“ sollte in allen Ruhrgebietsstädten gemacht werden. Das würde auch Stadtführungen und Tourismus aufwerten, die das Wohnen, Wirken und Tun der Persönlichkeiten erzählen und zeigen könnten. Also eine WIN-WIN-WIN – Situation für alle Städte des Ruhrgebiets!

Glück auf und Danke für das TUN in Gelsenkirchen!