Flaschengefühle – die 2te Ausstellung startet am 6.1. 16 Uhr mit Spenden-Auktion für den Obdachlosenverein BODO e.V. im Theater der Gezeiten

Zum zweiten Mal stelle ich die Fotos aus meiner ersten „Flaschengefühle“-Ausstellung in Bochum im TINYroom vom Theater der Gezeiten, Schmechtingstr. 38, aus.

Die Vernissage ist am 6.1. von 16 – 19 Uhr. Zu jeder Öffnungszeit findet eine Versteigerung meiner Bilder statt, mit einem Anfangsgebot von 25 €. Die gesammelten Spenden werden dem Obdachlosenverein BODO e.V. übergeben. 

Gastkünstler ist der Upcyclingkünstler Marco Heine aus Gelsenkirchen

Einige Fotos auf Leinwand aus der Ausstellung im Schaubüdchen

Ausstellung "Flaschengefühle" - Foto: Copyright Klaus Pollkläsener (Funke Medien Gruppe/WAZ)

Weitere Öffnungszeiten:

12.1 : 16-19 Uhr

14.1.: 11-13 Uhr

17.1.: 16-19 Uhr

20.1.: 11-13 Uhr

21.1.: 11-13 Uhr

Finissage

26.1.: 16-19 Uhr

Die im Juli von der Stadt Bochum aus dem Westendfonds geförderte Ausstellung ist mit der Projektwoche mit einer Müllsammelaktion, Politischen Gesprächen und dem Interview mit der Garteninitiative in Goldhamme erfolgreich zu Ende gegangen. Eine Broschüre zur Ausstellung und ein Buch entsteht zur Zeit.

Was ist der Hintergrund dieser Fotokunst?

Flaschen sind im öffentlichen Raum Müll und eine Ordnungswidrigkeit laut kommunalen Gesetz, sobald sie irgendwo abgestellt werden. Und es ist nicht wirklich positiv für die Umgebung. Sie stehen auf Straßen, Wiesen, Stromkästen, und landen in Gebüschen, im Wald und auf Radwegen.

Einige denken wohlwollend an Obdachlose oder arme Rentner, die damit scheinbar reich werden sollen von den paar Cent, statt dessen wäre es sinnvoller denen einen Euro in die Hand zu drücken, Vereine, wie den BODO e.V. zu unterstützen, wo sie mehr von haben. Denn der „Flaschenkampf“ ist unsichtbar.  

Sie werden aber meist aus Faulheit und Desinteresse abgelegt, genauso, wie es mit Zigarettenfilter, Getränke- und Süßkramverpackungen ist. Müll ist vermehrt im Öffentlichen Raum und lässt eine Stadt im schlechten Licht stehen. Bahnhöfe laden in Deutschland nicht wirklich einen Touristen ein die Stadt zu besuchen, weil auch da die Sauberkeit zu wünschen übrig lässt.

Mutwillig zerstörte Flaschen können Tiere und fallende Kinder verletzen, Radreifen von Rollatoren, Rollstühle und Fahrräder zerstören. Alles Dinge, die jemand, der eine Flasche, wenn auch mit gutem Gewissen auf den Boden abstellt nicht auf dem Schirm hat.

Ich habe es mir vor eineinhalb Jahren zur Aufgabe gemacht die Flaschen, die ich sehe, fotografisch in Szene zu setzen. Im Laufe der Zeit sind mittlerweile so 800 Fotos entstanden. Durch die Ausstellung im Schaubüdchen habe ich mir Geschichten zu den Flaschen ausgedacht. Flaschen werden immer von Menschen vorher in den Händen gehalten. Sie haben bestimmte Lebenssituationen erlebt. Manche werden aus Faulheit, manche aus Mitleid und manche aus purem Desinteresse oder aus Absicht nicht  in den nächsten Mülleimer abgelegt. Jede Flasche, jedes Tetrapak oder abgestelltes Müllprodukt hat eine Geschichte zu erzählen. So entstand die Idee des Titels „Flaschengefühle“. Jedes Foto erzählt eine kleine Kurzgeschichte, die ich auch entsprechend vorlese und auch demjenigen übergebe, der ein Bild auktioniert hat.

Ich freue mich auf zahlreiches Erscheinen. Dies wird nicht die letzte Ausstellung sein. Meine Absicht ist in jeder Stadt des Ruhrgebiets diese Ausstellung zu machen. Mit dem Erstellen eines Buches zu dieser Ausstellung wird es auch Lesungen mit Diskussionsrunden geben um das Problem „Müll“ auf eine andere Art und Weise zu begegnen und es bewußter zu machen, was auf unseren Straßen passiert.

Ich freue mich auf zahlreiche Gäste!

Glück auf!

Exklusives Foto, das nicht in der Ausstellung zu sehen ist und eindeutig zeigt, dass neben einer Pfandflasche eben auch eine ohne steht, die niemandem Geld einbringen:

LÖSCHFLASCHEN

Löschflaschen

Bedrückende beeindruckende Foto-Ausstellung „Kiyw ohne Licht“ im Schaubüdchen I +Video I +Short I +Fotogalerie

Beindruckende und bedrückende Fotos sind in Kiyw (Kiew) im Dunkel der Kriegssituation in der Ukraine entstanden.

Täglich heulen die Sirenen. Nachts wird das Licht der Städte ausgemacht. Nur Autolampen, das Handy und Taschenlampen erhellen dann die Nacht. Wie geht man mit dieser Anspannung um in Kiew des im Kriegszustand stehenden Landes?

Die Fotografen und Fotografinnen haben ihre Gefühle und Sichtweise in einer besonderen Situation mit einem Bild festgehalten.

Nach der ersten Ausstellung im August 2023 zur Zeit des zweiten Jahrestages des Krieges mit Russland wurde nun zum zweiten Mal zum Ende der Übergangsphase des Schaubüdchen, Ursulastraße 24 in Bochum, an neue Inhaber die Ausstellung gezeigt.

Ausgestellt werden Fotos von Vlad Moiseienko, Ihor Kurinnyi, Anastasia Dekthiaruk, Artem Humilevskyi, Olena Lemberska, Iryna Kabysh, Alena Burya, Oleksandra Zborovska, Olga Vasylieva, Olena Morozova. 

Vom 28. bis zum 30.12.23 ist die Ausstellung zwar geöffnet, kann aber auch durch die großen Trinkhallenscheiben von außen gesehen werden. Wer es nicht schafft, kann sich die Fotos mit den von mir eingefügten Copyrights der Fotokünstler und Fotokünstlerinnen mit ihren Informationen zu sich und ihren Bildern in Ruhe ansehen mit der Genehmigung von Kateryna Kutsevol, die für die Kuratierung der Fotos gesorgt hat. Ein Kalender für 2024 mit den Fotos der Künstler ist kostenlos im Schaubüdchen zu bekommen. Wer eine Spende geben möchte, die wiederum für Hilfsprojekte in der Ukraine genutzt wird, kann einen Obulus in die Spendenbox geben.

 

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Ich mag es mir nicht vorstellen, wie es ist dort in der Nacht ist. Ständig gehen die Sirenen an und warnen vor Luftschlägen und Drohnenangriffen. Um sich ein Bild von der bedrückenden Situation vor Ort zu machen, habe ich ein Video vom ukrainischen Künstler Kostya Sova mit eingebaut, das mir von Kateryna Kutsevol zugeschickt wurde. Auch wenn es überall hell strahlt auf der Hauptverkehrsstraße in Kiew. Wenn die Sirenen dröhnen, fühlt sich keiner so richtig sicher, auch wenn es scheinbar alltäglich zum Leben in der Ukraine gehört. Das Video lässt die Fotos in einem anderen Licht stehen und von der Situation der täglichen Sirenen bedrückender werden.

Definitiv lassen die Fotos Besucher der Ausstellung nachdenklich zurück.

Short zur Ausstellung:

https://youtube.com/shorts/GL1t_neft0A?feature=share

Info am Rande: Das Schaubüdchen bekommt neue Inhaber und Inhaberinnen, die das bisher erfolgreiche Umsetzen einer Ausstellungstrinkhalle fortführen werden. Ich berichte darüber, wenn es am 30.12. übergeben wurde.

FOTOGALERIE

Ausstellung Kalender Bochum 2024 + Spende an Tierschutzverein Bochum vom 14.10. – 4.11.23

Kalenderbilder sind für einen Kalender 2024 mit Bochumer Motiven in einer Ausstellung im Schaubüdchen zu sehen. Jeder Verkauf des Kalenders ist eine Spende für das Tierheim Bochum.

Die Vernissage im Schaubüdchen, Ursulastr. 24 in Bochum beginnt am 14.10 um 13 Uhr bis 17 Uhr. Ebenso kann die Finissage am 4.11. zur gleichen Zeit zu besucht werden. Dazwischen gibt es keine Öffnungszeiten, da die zwölf Bilder von Außen sichtbar Tag und Nacht sind.

Warum ein kleiner Kalender Bochum in DIN 4 für das Tierheim?

In den letzten beiden Jahren sind einige Fotos zusammengekommen, die sonst auf einer externen Festplatte vergammeln. Warum also einen Kalender nicht nur für die eigene Wand erstellen, sondern für die Allgemeinheit mit einem guten Zweck verbinden?
Fotografiert wurde nicht mit einer High-Tech-Spiegelreflexkamera, sondern mit dem Smartphone vertikal. Das macht die Kalender besonders anders. Sie sind in DIN 4 und haben einen „Scheuklappenmodus“. Die Fotos zeigen das Wesentliche, sie zeigen das, was wir in Wirklichkeit auch nur sehen würden ohne Panorama.

Was kostet ein Kalender?
Der Kalender mit den Bochumer Motiven wird für 15 € verkauft werden, davon gehen durch die geringe Auflage 10 € an die Herstellungskosten, 5 € werden glatt für das Tierheim Bochum gespendet. Zu Weihnachten wird dann die komplette Summe an den Tierschutzverein Bochum Hattingen e.V.
 

Wo kann der Kalender Bochum 2024 gekauft werden?
Die Kalender sind zur Vinissage oder Finissage zu kaufen im Multifunktions-Kunstkiosk Schaubüdchen, ansonsten ist es über die Mailadresse bestellbar: ruhrpottologe@gmail.com oder anrufen 01633912257
Die Kalenderbestellungen nach der Ausstellung werden zwei Mal im Monat als eine Sammelbestellung gemacht werden bis Weihnachten. Wie der Kalender zu den Käufer und Käuferinnen kommt, kann individuell abgesprochen werden. Bei Versand kommen zusätzlich Versandkosten hinzu.

Warum das Tierheim Bochum?

Damit möchte ich dieses Jahr etwas für ein Tierheim machen, die dieses Jahr auch kein Zuckerschlecken haben. Viele Menschen haben jetzt, wo Homeoffice scheinbar wieder ad acta gelegt wurde, Hunde, Kaninchen, Hamster, Vögel und Katzen ausgesetzt, weil sie nicht klar gekommen sind mit den Betreuungszeiten ihrer Tiere. Das ist leider nichts neues. Die Menschen werden alle einfach nicht schlauer und denken über ihre familiäre und berufliche Situation plus Tiere nicht nach. Das ist verantwortungslos und deswegen meine Aktion.

Kalenderbestellungen:
Mail: ruhrpottologe@gmail.com
Mobil: 01633912257

Über Bestellungen würde ich mich freuen für das Tierheim Bochum!
 
In diesem Sinne Pfötchen hoch und Glück auf ⚒️🐕
 
Foto ist vom Bildschirm abfotografiert und deswegen absichtlich in einer schlechteren Qualität hier zu sehen. Ihr sollt den Kalender ja für das Tierheim kaufen und nicht vorher beurteilen, wie schlecht die Bildqualität ist. Sie ist definitiv besser! Nur so als kleiner Hinweis.

Das Politische Gespräch zur Vermüllung der Stadt Bochum im Rahmen der geförderten Ausstellung „Flaschengefühle“ I +Video I +Podcast

„Es ist bedrückend“, so Volker Steude von den Stadtgestaltern mit Blick auf meine Fotos, „und zeigt, dass was passieren muss“. So die Aussage eines Kommunalpolitikers aus Bochum beim Nachfragen, wie er die Ausstellung „Flaschengefühle“ findet.

Fünf Mitglieder aus verschiedenen Bochumer Parteien haben sich bereit erklärt zum Politischen Gespräch im Schaubüdchen über die Thematik „Vermüllung der Stadt“ zu sprechen.

Müll, Wilde Kippen, Zigarettenfilter auf dem Boden sind ein heißes Thema in vielen Städten Deutschlands. Durch meine Touren durch die Ruhrgebietsstädte ist mir der Schmutz aufgefallen, der leider mehr wird statt weniger, besonders im Ruhrpott.

Wie können wir unsere Heimat verschönern? Wie kann die Visitenkarte Bahnhof schöner gemacht werden? Viele Fragen und Antworten wurden in zwei Stunden gestellt und in netter Runde beantwortet.

Welche Lösungsvorschläge hat die Kommunalpolitik den Müll in und auf den Straßen und in der Natur zu verringern?

Das sollten mir kommunale Politiker und Politikerinnen aus Bochum mitteilen, die ich im Rahmen der von der Stadt Bochum aus dem Westendfond geförderten Ausstellung zu einem Politischen Gespräch im Schaubüdchen am 21.7.23 eingeladen hatte. Sie ist eine Frage, die vor Ort in jeder Stadt im Kleinen dennoch eine globale Antwort sucht.

Es ist eine Frage, die mich persönlich schon lange beschäftigt, weil es auf den Straßen, in den Gebüschen auf Wiesen und in der Natur mittlerweile immer schlimmer aussieht. Obwohl die Menschen aufgeklärt werden, sind sie achtloser gedankenloser. Die Verursacher und Verursacherinnen von Wilden Müllkippen sind scheinbar der Meinung, dass es die Müllabfuhr, der Kehrer schon irgendwann mitnehmen wird, weil sie dafür bezahlt werden. Und weil es statt weniger Müll, immer mehr wird.

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Podcast - Das Politische Gespräch "Vermüllung der Stadt" - Teil 1

Wenn eine Flasche stehen gelassen wird, denkt vielleicht die Person, sie tue noch was für die Obdachlosen oder die armen Rentner, die nichts zu essen haben. Aber es gibt von den Flaschen viele, die einfach im Rausch egal wo stehengelassen werden. Wenn der Alkoholpegel hoch genug ist, wandert auch der „Kleine Feigling“ unter dem Gehölz oder in der Blumenwiese, wo er nicht gefunden werden kann. Vielleicht ist es zu pauschal gesagt, vorurteilhaft oder einfach nur polemisch. Das mag sein, aber ich verfolge das seit ich selbst Anfang der 1990er Jahren in Bottrop in der Umweltschutzgruppe Robin Wood einstieg und auch politisch einiges gemacht habe, während ich in der Ruhrkohle zum Ver- und Entsorger ausgebildet wurde. Vielen Menschen scheint es immer noch egal zu sein, was mit dem Müll passiert, obwohl Filme und Dokumentationen versuchen zu sensibilisieren, wie es auf dem Meeresboden aussieht oder an schönen Urlaubsstränden. Dort landen Kunststoffe jeder Art auch aus Bochum. Doch kaum einer denkt daran. Es wird auch Müll aus dem Autofenster geworfen, statt im Auto in einer kleinen Tüte zu sammeln und diese im Hausmüll zu entsorgen. Der Abfall von hier landet doch nicht im Meer. Das ist doch Unsinn!

Ist es nicht! Denn wer hier z.B. eine Zigarettenkippe fallen lässt, wenn der Starkregen diese in die Kanalisation spült, denkt nicht daran, dass sie am Ende über irgendwelche Umwege dann doch plötzlich wieder da auftaucht, wo der Bochumer Raucher gerade wieder an der Nordseeküste in die Wellen springt. 10 Jahre dauert es bis ein Zigarettenfilter im Meer zersetzt wird. 10 Jahre zuviel, in dem Meerestiere und Bakterien an dem noch anhängenden Nikotin, Arsen, Cadmium und Blei sterben können. Aus den Augen aus dem Sinn. Was geht mich das Meerestier an. Bakterien kann ich ja eh nicht sehen. Davon gibt es außerdem ja auch genug!

Als ich die Flaschen anfing zu fotografieren, hatte ich eine Ausstellung noch gar nicht geplant. Das erste Bild entstand in Gelsenkirchen Ückendorf im August bei der Szeniale. Dort standen Bierflaschen und kleine Schnapsflaschen an den unmöglichsten Stellen. Sie wurden eben nicht zur Trinkhalle am Flöz zurück gebracht oder da, wo sie gekauft wurden. Ist ja auch mit einem Weg verbunden. Das ist zu umständlich. Die erste Flasche, die ich dann fotografiert habe war in Marianske Lazne (Marienbad), einem Kurort in Tschechien, wo ich ein paar Wochen danach in Urlaub war.

Die Flasche schien alt zu sein. Sie lag vielleicht schon Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte auf einem rostenden alten Dach, dass jederzeit drohte abzufallen, in Moss gebettet. Das war Absicht, wahrscheinlich hochgeworfen oder von einer höheren Etage runtergeworfen. Sie wurde nicht platziert für einen Obdachlosen, der die Flasche zum Pfand bringen wollte. Sie lag in einer Schönheit dort, die seinesgleichen suchte, wie Dornröschen. Ich wollte sie mit einem Kuss wecken. Der Kuss war die Ausstellung, die mir dann im Kopf rumspukte. Ich lernte die Inhaber des Schaubüdchen am Tag der Trinkhallen kennen, bevor ich die ganzen Flaschen anfing zu fotografieren. Und nach dem Urlaub, als ich den Terminplan in die Hand bekam, wann ich welche Ausstellung selbst dort einbinden wollte, plante ich sie schon. Im Mai teilte mir das Schaubüdchen mit, dass der Westendfonds eine Ausschreibung gemacht hat und ich mit meiner Idee vielleicht Chancen auf eine Förderung hätte.

Der Westendfond ist eine Stadtteilförderung der Stadt Bochum. Die Stadtteile Giesenbruch, Stahlhausen und Goldhamme, die an der Jahrhunderthalle, am Westpark angrenzen nah der Innenstadt sollten unterstützt werden. Eine besondere Idee für das sogenannte Westend-Viertel würde mit 1000 € gefördert werden. Einen Tag vor dem Ende, schickte ich meine Vorstellung, nicht nur Fotos aufzuhängen, sondern ein ganzes Projekt innerhalb einer Woche zu machen, die sich nicht nur mit den Flaschen, sondern dem nachbarschaftlichen Müll befasst, den ich im Westpark und in den Straßen der Stadtteile gesehen habe. Ich wollte auch Positives berichten darüber und die möglichen Alternativen, Vorschläge besprechen mit kommunalen Parteien oder Anwohner und Anwohnerinnen.

Videopodcast - Vermüllung der Stadt Bochum - Das Politische Gespräch - Teil 2

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Podcast - Vermüllung der Stadt Bochum - Das Politische Gespräch - Teil 2

Ich konnte es kaum glauben, als ich davon hörte, dass die Jury entschied meine Ausstellung und Projektwoche zu finanzieren. Es hat mich riesig gefreut. Ich hätte es zwar auch ohne Förderung gestemmt, weil ich es für wichtig erachte, aber so hat es natürlich noch eine besondere Marke bekommen. Denn mein Ziel ist es diese Ausstellung mit einer etwas anderen Art von Fotos, den Geschichten zu den Flaschen und der Projektwoche auch in andere Städte zu bringen. Mein Ziel ist, dass dort in jeder Stadt Müll in Straßen, am Bahnhof auf den grünen Wiesen einfach nochmal ins Gedächtnis zu rufen und Möglichkeiten zu besprechen, wie es in den Städten bekämpft werden kann. Mein Ziel ist es die Kommunalpolitik in der Verantwortung zu sehen, darauf aufmerksam zu machen und nach einer gemeinsamen Strategie zu suchen, finden und auszuführen. Das es Geld kosten kann ist keine Frage, die Folgekosten von Verseuchung, das Aufräumen durch den Steuerzahler statt von Veranstaltern z.B. oder auch Wegbleiben von Touristen, die nicht kommen, weil die Stadt schmutzig ist, lässt nachfolgend auch Gewerbesteuer sinken. Vieles hängt zusammen. Es muss über den Tellerrand geschaut werden. Alle kennen das Problem, doch kaum einer zieht an einem Strang. Es ist egal, ob Links, Rechts oder Mitte, egal ob Tierschutzpartei, Grün oder Freie Bürger.

Das Problem ist allen bekannt, doch eins ist klar: Es werden Anträge von Parteien abgelehnt, die förderlich wären, weil sie von der Opposition kommen und nicht aus den eigenen regierenden Reihen. Müll muss parteiübergreifend bekämpft werden. Lösungen müssen gefunden werden. Schnelle Lösungen. Weltweit sogar. Angefangen in der örtlichen Bildungspolitik, an den Schulen bis hin zu hohen Strafen, die ich aus Singapur kenne. Es gibt Dokumentationen in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten oder Youtube. In Singapur ist es möglich vom Boden zu essen. Erziehung, Bildung und hohe Strafen, die nicht unbedingt die Freiheit eingrenzt, sondern eher das Stadtbild verbessert und die Ressourcen der Natur schont. Die Natur kann sich nicht wehren und wir haben nur diese eine Erde.

Innerhalb der Projektwoche habe ich vor dem Politischen Gespräch die Müllsammelaktion geplant und auch die Garteninitiative aufgesucht. Ich wollte vorher Dinge sehen, was Alternativ passieren kann und wieviel Müll in der Umgebung der Ausstellung zu finden war. Das Ergebnis ist schon im Blog zu lesen. Es ist schon erschreckend, dass ich zwei Matratzen, zwei Einkaufswagen, einen Aktenordner voll mit Materialien von Tapeten neben hunderten Zigarettenkippen und Flaschen, Dosen, Batterien, Autoteile und Hundekotbeutel gefunden habe. Zwei orange halbe Säcke waren voll. Schwer von Papperesten und Flaschen. Am allerversautesten war der Platz hinter dem Anneliese Brost – Musikforum. 15 Mal habe ich das „Bürgerecho“, die Mängelmelder-App in Anspruch genommen und Verbesserungen, Anfragen und Entsorgungshinweise gemacht, die auch fast alle beantwortet oder durchgeführt wurden.

Und nun nach der Zusammenkunft mit den Parteimitgliedern, das zeitlich schon etwas her ist, dachte ich noch vor einer Woche, dass meine Gespräche tatsächlich gefruchtet haben. Es war so schön aufgeräumt am Musikforum. Kaum ging ich diesen Samstag, also eine Woche später daher, war es wieder versaut bis zum geht nicht mehr. Die Bahnhöfe sehen katastrophal aus. Ein neues Bild von meiner Urlaubsabreise nach Polen, in Polen am Bahnhof Gleiwitz / Gliwice und beim Ankommen in Bochum zeigt, was ich meine.

Ich habe die Bahnhöfe von Polen gesehen. Dort kann vom Boden geleckt werden. Sie sind sauber. Es kann nicht sein, dass die Visitenkarte einer Stadt, wie ein Bahnhof einfach nur „abgefuckt“ aussehen. Ich habe mich geschämt für meine deutschen Bahnhöfe, für meine Heimat. Nicht nur in Polen war das Bild der Städte schöner, nein auch in Paris, wo ich davor einige Tage war. Natürlich fand ich dort auch Flaschen und Müll, aber ich stieg aus dem Thalys am Gare du Nord und es war sauber! An jeder Ecke Mülleimer, Wachpersonal und auch Müllmänner, die aufräumten immer und immer wieder.

Neben dem Bahnhof sah es dann im Viertel nicht so toll aus, aber das sah man nur mit dem zweiten Blick. Der Bahnhof ist eine Visitenkarte. Er war sauber. Natürlich schiebt man schnell die Schuld auf die Deutsche Bahn. Natürlich könnte aber jede Stadt mal einfach eine Partnerschaft eingehen und unterstützen. Eine Hand wäscht die andere. Es muss da einfach mehr passieren. So kann es nicht weitergehen. Wenn auf einer anfängt Abfälle hinzulegen, legen andere was dazu. Verbote von alkoholischen Getränken auf den Bahngleisen und im Zug sollten ausgesprochen werden. Die moralische Keule muss treffen ins Mark und Bein. An Bahnhöfen sollte mehr Ordnungsamt seine Wege tun. Die Kosten können auch die Deutsche Bahn z.T. übernehmen. Wer in Google „Bahnhof“ „reinigen“ eingibt, wird erstaunt sein, wo überall die Menschen sich über das schäbige Bild beschweren. Nürnberg, Bad Oynhausen, Stuttgart, Bielefeld. In Facebookgruppen finden sich tausende Aufreger von wilden Müllkippen bis hin zu überfüllten Mülleimern, versifften Ecken. Abfall ist einer der Aufreger Nummer 1.

Und was macht die örtliche Politik?

Sie streitet, diskutiert, debattiert und nach monatelangen Ringen oder auch Jahren entscheidet dann der Ausschuss oder Rat am Ende eine abgespeckte für alle zufriedene freiheitliche Version, um niemanden auf die Füße zu treten.  Es wird in Vierjahresrhythmus gedacht statt in einem Jahrzehnt,. Ich denke da an die Jahrzehnte lang verkommenen Schulen, das Sparen an den Kindern und Lehrern, die für die Zukunft der Stadt und des Landes ausbilden und ausgebildet werden. Es wird ans wiederwählen gedacht. Keine heißen unpopuläre Eisen anfassen. Die Opposition hat es einfacher, sie polemisiert, macht Vorschläge, die aber von der regierenden Mehrheit, dann abgelehnt wird, weil es von der Opposition kommt. Das tägliche politische Geschäft ist meist parteipolitische Abgrenzung statt gerade bei dem Problem Müll zusammen an einem Strang zu ziehen. Das geht so nicht. Politik muss auch auf die Füße treten. Politik muss auch unpopuläre Entscheidungen treffen, muss auch mal mit der moralischen Keule um sich schlagen und mehr als nur in Vierjahresrhythmus denken. Politik sollte viel weiter in die Zukunft blicken.

Es muss Entscheidungen geben, die erzieherisch wirkt. Die Politik muss einen Wink geben, so sollte es aussehen und dafür gesorgt werden. Politik kann ändern, wenn sie will. Und wie die Zeilen zu lesen sind, hängt alles mit allem irgendwie zusammen. Denn allein beim Thema Müll ist das Problem, wenn in der Richtung nicht viel gemacht wird, die Kosten am Ende höher, als die abgespeckten Gesetze, dass der Bürger und die Bürgerin wissen, was zu tun ist. Meist wissen sie es nicht. Denn in der Gelben Tonne wandern auch nach 30 Jahren immer noch Dinge rein, die nicht reingehören.

Zum Beispiel hat meine Frau eine Broschüre übersetzt in polnischer Sprache und in anderen Sprachen für den USB erstellen lassen. Doch wo ist dieser Flyer? Da steht drin, was wo in welchen Müllbehälter kommt, wo Müll hingebracht werden kann. Ich sehe dagegen wilde Müllkippen, wie auf dem Foto „Versteckt“ von mir. Gemacht habe ich es nachdem ich auf frischer Tat ein deutschsprachiges Ehepaar erwischt habe. Sie wollten ein Brett auf den Haufen werfen an einem sonnigen warmen Samstagabend vor einem Jahr. Dieser Haufen liegt immer noch da. Ein Jahr nachdem ich es fotografiert habe. Mittlerweile sperrt ein Zaun das komplette Geländer ab, damit es nicht höher wird. Rechtliche Schwierigkeiten mit dem Grundbesitzer, sagt man mir. Und im gleichen Atemzug sagt mit die Mitarbeiterin des Umweltamtes, dass es in Bochum im Jahr über 5000 wilde Müllkippen gibt! Zusätzliche Kosten, die wir Steuerzahler übrigens mit einer Erhöhung der Müllgebühren am Ende zu zahlen haben, obwohl in Bochum die Abgabe von Sperrmüll und Sondermüll KOSTENLOS ist an den Sammelstellen des USB.

Ich erlebe nach dreißig Jahren „Grüner Punkt“ eine immer noch viel zu geringe Recyclingquote trotz verbesserter Technik. Immer noch wird Grüner Punkt – Müll eher verbrannt, weil es billiger ist als Öl. Seit der Gründung des Grünen Punkts ist mehr Verpackungsmüll entstanden statt weniger. Damit einhergehend ist auch die Recyclingquote nie so richtig auf 100% gekommen, wo sie liegen müsste. Die Verpackungsindustrie vermeidet nicht, sie will verdienen. Die Politik stellt das wegen Arbeitsplätze, Gewerbesteuer etc. nicht in Frage. Sie könnte aber auf mehr Vermeidung setzen. Arbeitsplätze außerhalb der Verpackungsindustrie gibt es in unserem Land mit Fachkräftemangel im Moment genug. Viele Verpackungen haben Verbundstoffe aus Aluminium, Kunststoff und Pappe, wie das Tetrapak, das als umweltfreundlich dargestellt wird, jedoch kaum wiederverwendbar ist und in der Herstellung stark klimaschädlich. Darüber spricht die Politik nicht!

Ich komme aus der Branche der Ver- und Entsorgung, Fachrichtung Abfall. Ich weiß, wovon ich rede und schreibe. Ich bin zwar lange nicht mehr beruflich dabei, aber es ist bis heute nicht viel geändert worden, außer dass es die Thermische Verwertung vor dem Deponieren gibt. Warum? Weil die Deponien voll sind und kein Bürger oder Bürgerin in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Mülldeponie haben möchte. Punkte, die natürlich sind, denn wer Müll macht, möchte ihn natürlich nicht nebenan liegen sehen und riechen. Weit weg landen dann so manche Dinge, die sich nicht recyclen lassen. Eine regelrechte Müllmafia schickt für wenig Geld tonnenweise Müll ins Ausland. Noch kürzlich gab es eine Doku darüber. Müll wandert nach Polen oder Bulgarien auf eine wilde Mülldeponie, nach Thailand oder Afrika. Alles ist für uns scheinbar regulär, alles ist gut, wenn es nicht gesehen wird. Hauptsache nicht in meinem Auto, neben meiner Haustür oder in den Kosten der Müllgebühren. Aber was ist am Naheliegendsten?

Das Problem gibt es nicht seit gestern, sondern seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Immer größere technische Fortschritte in der Herstellung. Statt direkte Bedienung, verpackte Selbstbedienung, Verpackung für Parfumflaschen, Verpackungsmaterial für Bestellungen im Internet. Dazu immer größere Hygienevorschriften, die z.B. auf den Märkten das Zeitungspapier verbannt und billige dünne Tüten zur Verwendung vorgeschrieben haben. Über die Fleisch- und Käsetheke darf die eigene Dose nicht gereicht werden. Schicke Verpackungen mit einer Menge verschiedenen Farbstoffchemikalien zieren Pappverpackungen, die kaum recycelt werden können. Plastikspielzeug mit gefährlichen Farbstoffen, hergestellt in China, das hier dann in die Hände und Münder von Kindern wandert. Das ist eigentlich Sondermüll, was wiederum verbrannt wird. Alle vergessen, wie Verpackungen hergestellt werden. Auch Kleidung besteht nicht mehr aus reinen Naturstoffen, wie Leinen oder Baumwolle. Die Kunststofffasern sind Müll. 

Medikamente sind aus Kohlenstoff. Erdöl sozusagen. Sie wandern bei Nichtgebrauch in den Müll. Was ist wenn es kein Öl mehr gibt? Wie wird dann die medizinische Versorgung aussehen? Was passiert jetzt mit unseren Gewässern? Was passiert mit den Antibiotika im Trinkwasser, wenn die Kläranlagen es nicht komplett chemisch reinigen können? Müll hat viele Fragen und bedarf viele Antworten, aber vor allem ein TUN. Das kann nicht in einem Zwei-Stunden-Gespräch locker besprochen werden. Aber „Das Politische Gespräch“ kann zumindest einen Wink der jeweiligen Partei und persönlichen Anliegen der kommunalen Politiker und Politikerinnen sein, wie sie denken und was sie planen. Welche Möglichkeiten im gesetzlichen Rahmen gibt es? Was erarbeiten sie für den Bezirk, die Stadt, für das Land Nordrhein-Westfalen, die Bundesrepublik Deutschland, die EU und am Ende der Welt an Ideen in ihren Arbeitsgruppen? Welche Gesetze, welche Maßnahmen können die Müllproblematik verbessern?

Was kostet uns Verbraucher eine Joghurtdose, dessen Inhalt bei einem Viertel Erdbeere z.B. liegt und deren Dose am Ende eher verbrannt wird, weil es nicht recycelt wird?

Erstmal ist die Herstellung mit viel Trinkwasser verbunden. Das gleiche gilt für das Recyceln. Beim Recyceln sind die Kohlenstoffmoleküle spröder, vor allem wenn Fremdstoffe mit eingewebt werden. Es sollte jedem Verbraucher und jeder Verbraucherin klar gemacht werden, was so eine Joghurtdose kostet in der Herstellung, beim Vermüllen und Recyceln. Das macht einem bewußter, was wir verursachen.

Warum unterstützt die Politik schicke Verpackungen? Warum wird nicht einfach auf Verpackungsverbot, Verringerung von Müll durch Vermeidung gesetzlich festgesetzt? All das hat auch mit Klimaschutz zu tun. Denn jede Verpackungsherstellung geht auf Kosten der Umwelt und des Klimas! Abgesehen davon ist auch die Produktion von Verpackung und den dann entstehenden Müll mit der Klimasituation und den Treibhausgasen zu sehen. Und dann gibt es am Ende das Thema Flüchtlinge, die aus ihren Ländern wegen der Klimaveränderung fliehen müssen. Trockene oder verseuchte Böden oder Gewässer, starke Regenfälle, Stürme oder Dürre. Alles hängt irgendwie zusammen.

Die Antwort für eine Verbesserung der Müllpolitik ist nicht so einfach, denn daran hängt politisch Arbeitsplätze, Gewerbesteuereinnahmen, Firmenlobby, viel Geld. Aktienkurse und Verträge mit Import und Export. Etwas, was wir als Normalverbraucher kaum sehen, wenn wir z.B. die Chipstüte in die Hand nehmen, die aus Aluminium besteht. Sehr teuer in der Herstellung mit einem immensen Wasserverbrauch.

Alles gut und schön, aber am Ende wandert Müll, der nicht recycelt wird, dann in der Dritten Welt, wo die Kinder recyclebares Material auf den angespülten Müllhaufen suchen, um davon zu leben. Die Dunkelziffer ist hoch, an was sie in frühen Alter sterben. Die Dunkelziffer ist hoch, wieviel aus welchen Ländern auftaucht. Die Dunkelziffer ist hoch, wieviel Arten von Tieren und gesunden Bakterien im Meer und an Land an dieser Erstickung unseres Mülls versterben. Das alles ist weit weg. Was kümmert es uns? Warum schreibe ich über die Politischen Gespräche so ausführlich und gleichzeitig konfus über das globale Problem Müll? Weil es ein globales Problem ist, was im kleinen, auf kommunaler Ebene geebnet werden kann, besser zu machen. Die Voraussetzung ist nur: Die Parteien wollen es! Wir selbst sind in der Verantwortung unseres TUN, nämlich Müll zu vermeiden!

Was ist bei uns, allein in Bochum, kommunal, in den Straßen, im Wald, in den Köpfen?

Das versuchte ich auf eine Art und Weise bei der Kommunalpolitik herauszufinden. Eigentlich plante ich nur eine Stunde, aber es wurden zwei Stunden eines angenehmen Gesprächs mit den einzelnen Mitgliedern der im Rat der Stadt Bochum regierenden Parteien SPD, CDU, Stadtgestalter, Linke und UWG/Freie Wähler.

FDP und Grüne sagten für ihre Vertreter wegen Urlaub ab. Wenn nachträglich noch Interesse besteht, werde ich beide einzeln nochmal zu einem Gespräch aufsuchen. Aber es wird nicht mehr das gleiche sein, was am runden Tisch zusammengetragen wurde.

Ich lud auch die AfD ein. Doch sie hat sich selbst ausgeladen, weil sie keinen kompetenten Vertreter hat. Das Gespräch war nett und freundlich. Ich bin kein Freund dieser Partei. Dennoch sah ich es als wichtig an, alle an einen Tisch zu bekommen, die hier regieren. Das es die „Partei“ noch gibt und die von der AfD abgespaltene „Bündnis Deutschland“ hatte ich zwar auf dem Schirm, aber die „Partei“ reagierte auf meine Anfrage nicht und die Basis hab ich, ehrlich wie ich bin, nicht mehr angefragt. Ich habe natürlich auch die Stadt Bochum mit dem Umweltamt eingeladen. Doch das Umweltamt sagte aus sicherlich eher vorsichtigen Gründen ab, denn sie wollten niemanden auf die Füße treten bzw. sich nicht treten lassen verständlicherweise salopp ausgedrückt. Auch der USB, der Umweltservice Bochum, zuständig für den Müll innerhalb und außerhalb der Bochumer Mülltonnen und auf den Straßen, hat im Vorfeld abgesagt.

Jörn Denhardt von der Presseabteilung bat im Vorfeld um schriftliche Fragen, die er beantworten würde. Die mögliche weitere Anfrage wurde dann wegen Urlaub abgesagt. Er signalisierte sofort ein Nein. Das fand ich schade und hat mich eigentlich tierisch geärgert, denn wer wenn nicht der USB mit Vertretern der Pressestelle, wäre am sinnvollsten geeignet bestimmte Dinge vor Ort zu beantworten. Dafür ist ja eine Pressestelle da. Ich fühlte mich von Seiten des USB eher allein gelassen für meine konsensfindende Idee.

Der USB ist aber hiermit ebenso nochmals aufgefordert sich der Situation zu stellen. Vielleicht wird es nochmal ein Gespräch geben, vielleicht auch nicht. Und ja, natürlich machen alle ihre Arbeit. Ich bin auch glücklich vom USB Material zur Verfügung gestellt bekommen zu haben für die Müllsammelaktion, die ich auf ungefähr 12 Mitmacher geschätzt habe. Am Ende war ich alleine unterwegs, was mich erst enttäuschte. Im Nachhinein fand ich es eher positiv, weil ich mich komplett selbstreinigend auf die Umgebung von knapp 500 Metern um das Schaubüdchen konzentriert habe und dafür acht Stunden unterwegs war. Erfahrungen, die ich beim Politischen Gespräch ebenso nutzen konnte. Die bisher zusammengetragenen Abfälle legte ich auf dem Boden. Die Politiker mussten dadurch waten. Das war Absicht.

Ablauf von Videopodcast Teil 1

Ich musste die zwei Stunden zu zwei Teilen splitten. Eine politische Veranstaltung kann bei zwei Stunden die Aufmerksamkeit verringern. Im zweiten Teil waren weitere wichtige Dinge besprochen worden, die das Bochumer Müllproblem intensiver besprach als im ersten, denn dort fing ich wie im Text des Blogbeitrags dazu vorher Global an um in Bochum zu landen, wo die Vermüllung der Welt bei uns persönlich anfängt oder etwa doch nicht…

Im Ablauf habe ich zu Anfang eine kleine Schweigeminute gemacht, die alle irritiert hatte. So wie ich gerade über die globale Problematik geschrieben habe und die Dritte Welt erwähnt habe, die durch unseren Müll Sterbefälle haben, die hier nicht groß erwähnt werden, so begann ich den ersten Teil meines Podcasts mit den fünf Parteivertretern. Die Eröffnung fing also global an und wurde positiv wahrgenommen. Anfangs nach der Vorstellungsrunde und der globalen Müllproblematik gingen wir dann auf das ein, was in Bochum politisch machbar ist und was nicht. Das ist im von mir gesplitteten zweiten Teil zu sehen auf Youtube bzw. hören als Podcast.

Teilnehmer waren

Die fünf Vertreter Alexander Knickmeier von der SPD, Elke Janura von der CDU, Bernhard Koolen (Linke), Ulli Engelbrecht (UWG/Freie Bürger) und Volker Steude (Stadtgestalter) waren nicht nur Vertreter der jeweiligen Parteien, sondern auch z.T. Mitglieder im Ausschuss Umwelt, Nachhaltigkeit und Ordnung, kurz UNO. Den abgekürzten politischen Begriff musste ich erstmal verstehen. Das war ein Vorteil für meine Veranstaltung politisches Personal zu bekommen, die auch im Ausschuss für die Müllproblematik sitzen.

 

Elke Janura (CDU) – Mitglied im Rat der Stadt Bochum, Vorsitzende des Planungsausschusses, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit und Ordnung. 69 Jahre alt. Seit Januar 1991 Mitglied der CDU. Seit 2004 begann die politische Laufbahn.

Bernhard Koolen (Linke) – Sachkundiger Bürger, im Landesvorstand seit Oktober 2022, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit, Ordnung. Arbeitet in der Ratsfraktion mit. Seit drei Jahren dabei. Er war Schulleiter eines Dortmunder Gymnasiums. Durch seine Erfahrungen fühlte er sich radikalisiert, hat aber erst nach dem Ende der beruflichen Laufbahn die Politische Laufbahn angefangen. Er ist 68 Jahre alt.

Ulli Engelbrecht (UWG/Freie Bürger – Unabhängige Wählergemeinschaft mit Verbund der Freien Bürger) – Die UWG ist eine alteingesessene Wählergemeinschaft aus Wattenscheid. Ulli ist Sachkundiger Bürger und war als Vertreter anwesend, weil alle anderen in Urlaub waren. Seine Meinung wird Wattenscheid leider oft genug links liegen gelassen in der Bochumer Kommunalpolitik.  66 Jahre alt.

Alexander Knickmeier von der SPD ist mit 43 Jahren der jüngste in der Runde gewesen und ist als  Sachkundiger Bürger im Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit und Ordnung. Sein Weg führte die politische Situation der Flüchtlingskrise 2015 in die Parteipolitik. Er wollte dem Erstarken der rechtspopulistischen Kräfte entgegenstehen. Die größte Schnittmenge seiner Meinung war in der SPD.

Volker Steude, Fraktionsvorsitzender von „Die Stadtgestalter“, die 2014 gegründet wurden. Darin tummeln sich Parteilose Bürger und Bürgerinnen, die selber kreativ gestalten. Sie sammeln Ideen und Vorschläge zum Bessermachen und bringen Fachleute an ihren Tisch. Er ist 54 Jahre alt. Volker Steude war vorher in der Umweltpolitik schon bürgerlich engagiert.

Teil 1 der Politischen Gespräche zum Thema „Vermüllung der Stadt“

Angefangen wird im Teil 1 des „Politischen Gesprächs“ mit der globalen Müllproblematik, die Verschmutzung der Meere, Export von Müll in ferne Länder, wie Afrika oder nach Asien. Es reizte mich die Politiker mit einer Schweigeminute zu provozieren, wie sie darüber nachdenken, dass der Müll aus unserer Ecke auch global zu sehen ist.

Alexander Knickmeier kommt aus der Wasserwirtschaft und stellt sich die Fragen:

Wie wird man unseren Müll los? Welche Industrie kann recyclen? Wird im asiatischen Raum recycelt? 80% der Abwässer wird weltweit immer noch ungeklärt in die Flüsse bzw. Meere geschickt. Auf verschiedenen Ebenen muss klar darüber diskutiert werden und Maßnahmen international gemacht werden.

Ulli Engelbrecht sieht Bochum und findet, dass das Müllproblem im Kleinen anfängt.

Bernhard Koolen erklärt aufgeregt das Zerstören der Lebensgrundlage der Menschen, die weit von uns entfernt leben und durch uns verursachte Klimaschäden, auch die Ursache von Krieg und Flucht aus den ärmeren Ländern in die EU ist. Müllexporte sollten verboten werden. Er stellt die Frage: Wie kommen wir von der Plastikwelt weg? Es wird von Öl hergestellt. Es müssen bisherige Regeln geändert werden.

Elke Janura sieht das Plastik in ihrem eigenen Badezimmer. Sie reduziert das Gespräch auf Bochum und sie fragt sich in wie fern wir selbst schuldig am Müllproblem sind. Das Mikroplastik im Shampoo. Die Shampooflasche aus Kunststoff, statt aus Glas.  Wie schuldig sind wir eigentlich selbst an dem Problem? Wir schieben das weit weg, wo Müll landet. Denken nicht drüber nach. Aus den Augen aus dem Sinn.

Wir besprechen das Wandern einer Zigarettenkippe zum Meer, die Gedankenlosigkeit am Anneliese Brost – Musikforum und was man dagegen tun kann, das Japanische Bildungssystem der Erziehung von Sauberhalten und Sensibilisierung.

Was bedeuten denn Zigarettenfilter für die Umwelt?

In einem Filter stecken die Stoffe Formaldehyd und Nikotin. Beide können Kleinstlebewesen zerstören. Allein 5,6 Billionen Zigarettenkippen fallen jährlich weltweit an. 80% davon landet in der Umwelt. Zusätzlich sind Blei, Cadmium und Arsen, enthalten. Schwermetalle, die wie der Name schon sagt, natürlich schwer abbaubar sind.

Allein 2,2 Mio. Zigaretten pro Tag werden in Deutschland geraucht. In der neben dem Schaubüdchen liegenden Antoniusstraße sammelte ich an jedem Baum, an jeder Laterne bis zu 10 Zigarettenfilter.

Elke Janura wies auf den Vollzugsdefizit des Bochumer Bußgeldkatalogs. 55 Euro werden für die Verschmutzung der Straße genommen. Aber der Ordnungsdienst macht nichts. Das was funktioniert ist Falschparken. Das Argument fällt, dass in der Schule das Müllproblem erklärt werden muss.

Bernhard Koolen erwähnt seine Zeit als Schulleiter. Die Lehrer waren eher nicht begeistert, wenn die Schüler in den Pausen den Schulplatz sauber gemacht haben, weil sie dann zu spät in den Unterricht gekommen waren. Die Politik sollte sich mit den Konzernen, den Herstellern von Müll ruhig anlegen und Rahmenbedingungen schaffen zur Müllvermeidung.

Meine grundlegenden Vorschläge sind ein höherer Bußgeldkatalog für ganz Deutschland. Die Schweiz ist ein glänzendes Beispiel dafür. Damit lässt sich dann auch mehr Personal im Ordnungsamt bezahlen, die in den Problemzonen im Vorfeld aufräumen können oder als Mülldetektive aufpassen und Strafzettel verteilen. Es muss weh tun. Und schmerzhaft ist immer die Geldbörse!

Ulli Engelbrecht kritisiert, dass viele Mängelmeldermeldungen nicht ausgeführt werden.

Ich betone den in verschiedenen Sprachen übersetzten Flyer des USB und frage in die Runde, wer weiß, wo es ausliegt. Niemand kann antworten.

Bochum hat vier 4 Mülldetektive im Einsatz durch den USB. 443 Anzeigen wurden im ersten Halbjahr 2022 durchgezogen. Die Kosten für die Entsorgung sind siebenstellig. Nachhaltige Kosten, die den Bochumer Haushalt belasten, die durch höhere Bußgelder und mehr Mülldetektive definitiv eingespart werden könnten, so mein Vorschlag.

Ich erfahre, dass der USB Aufklärungsarbeit in den Schulen macht.

Bernhard Koolen erzählt von britischer Videoüberwachung und die Anlehnung an der chinesischen Überwachung. Das möchte er nicht in Deutschland erleben. Er erwähnte Boris Palmer von den Grünen. Er ist Oberbürgermeister in Tauberbischofsheim und hat eine städtische Mehrweg- und Verpackungsgebühr eingeführt. Die Linke hat es für Bochum vorgeschlagen. Doch sie stieß bisher auf taube Ohren.

Volker Steude erzählte, wie in der Schweiz der mitgebrachte Müll auch wieder mit den eigenen Hausmüll mitgenommen wird. Er vermisst eine klare Linie zum Thema Müll als Stadt.

Darf ein Grundstückbesitzer wilde Müllkippen besitzen?

Teil 2 der Politischen Gespräche zur „Vermüllung der Stadt“

Antibiotika besteht aus Kohlenstoff, aus Erdöl sozusagen, das begrenzt auf der Erde ist. Es gibt nachhaltig eine Verseuchung der Gewässer, eine weitere Müllproblematik, die niemand sieht, aber merkt, wenn Antibiotika merkwürdigerweise nicht mehr helfen.

Alexander Knickmeier ist in der Wasserwirtschaft tätig. „Es gibt viele Medikamente, die wir nehmen“, betonte er. „Wenn die im Hausmüll landen, dann haben wir noch Glück“. Wenn dann wird verbrannt und entsorgt. Wenn wir die zu uns nehmen, wie z.B. sogenannte Lifestyle-Produkte und zu viele Antibiotika oder Voltaren die auf schmerzende Knie getragen wird, dann wird es schwieriger mit der Abwasserbearbeitung. Das Produkt bleibt auf der Oberfläche und seine Chemikalien müssen in Kläranlagen abgebaut werden können, was nicht so einfach ist und die Abwasseranlage verteuert. Hier sollten die Erzeuger in die Verantwortung mit ins Boot geholt werden. Aber auch die Verbraucher, die es nutzen, sollten darauf hingewiesen werden.

Kommunale Steuern einführen hat immer eine Schwierigkeit mit den Nachbarstädten, die es nicht haben. Zum Beispiel kann auf einzelne Medizinprodukte schlecht eine Steuer eingeführt werden. Es müssen Anreize gemacht werden, damit z.B. der Plastikbecher mit Kaffee, der in Bochum gekauft wird, dann nicht in Duisburg im Gebüsch landet.

Volker Steude schlägt Kümmerer vor. Das können Langzeitarbeitslose machen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch die Stadt gehen und sich um die Mängelmeldermeldungen kümmern oder selbst die Meldungen machen. Die Kümmerer können ohne große Qualifizierung solche Dinge erledigen und bekommen damit noch eine vernünftige Arbeit für die Gesellschaft. Außerdem können sie Graffiti wegmachen oder entsprechende Handwerksbetriebe suchen. Kümmerer wären eine WIN WIN Situation für alle und könnten schnell eingeführt einfach ausprobiert werden.

Elke Janura wies nochmal auf die Grillplätze hin, wie die Schmechtingwiese, die anschließend stark vermüllt ist. Es gibt zu wenig Mülleimer und keine Kontrolle.

Ulli Engelbrecht wies auf die neue Hattinger Straße hin. Im Mittelstreifen, der gebaut wurde, um Starkregen aufzufangen, sammelt sich schon viel Müll, der aus den Autos geworfen wird. Dort muss öfter gesäubert werden. Gitter würden helfen, so sein Vorschlag.

Alexander Knickmeier erklärte die Kosten, die bei den ein oder anderen Vorschlägen auftauchen. Das ist oft der Grund einer Ablehnung.

Doch was ist mit den Folgekosten nach den Ablehnungen, frage ich mich. Die Folgekosten, die nicht zu sehen sind auf dem Papier, wie das nachträgliche Aufräumen wilder Müllkippen oder die zusätzlichen Zeiten allein beim Anneliese Brost-Musikforum?

Volker Steude betonte das Fehlen von Verantwortlichkeiten. Die Problematik von Organisation und Verwaltung. Früher gab es im Stadtgarten persönliche Ansprechpartner, die auch für die Pflege zuständig waren. Alles vorbei.

Für mich sind das eingesparte Kosten, die hinterher mehr Kosten verursachen. Der Stadtpark allein muss saniert werden. Kosten, die nun höher sind, als die ganzjährige Betreuung.

Meine Vorschläge sind mehr Ordnungsamt, Bußgelder erhöhen um sie zu bezahlen, Zigarettenkippe muss weit mehr als 55 € kosten. Warum nicht 300 €. Da kann man das Stadtsäckchen füllen und auch das zusätzliche Personal des Ordnungsamtes bezahlen.

Weniger Müll produzieren bedeutet auch mehr Klimaschutz. Verpackungsfreier muss unterstützt werden, nicht das Produzieren von Verpackung.

Blumenwiese statt unansehnliche grüne Gehölzbüsche, die keine wilde Biene einlädt Honig zu tanken. Stadtgestaltung sollte nicht kostenintensiv sein, aber sie muss einladen können. Die Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt sollen sich wohl fühlen.

Außerdem habe ich den Hinweis aus der Stadt Hamm gemacht. Dort wurden zwanzig Flaschenkästen an Laternen aufgehängt. So sind zwei Fliegen mit einer Klappe gemacht worden. Menschen, die ihren Pfand Obdachlosen spenden möchten und auch ein sauberes Stadtbild. Das ist im Bermudadreieck nicht unbedingt der Fall und möglich.

Tatsächlich soll laut Alexander Knickmeier kleine Ringe für Flaschen im Bermudadreieck angebracht worden sein, die nur geringfügig genutzt wurden. Diese Ringe sagte ich, habe ich selbst noch nie gesehen. Es ist ein guter Zweck dahinter, aber er ist nicht sichtbar.

Das Recap-System wurde als eine tolle Investition für die Zukunft für die Müllvermeidung angesehen. Aber ich sehe sie als Kostenfaktor für Kleinunternehmer. Müll produzieren nicht die Kleinunternehmer, sondern der Hersteller und am Ende der Verbraucher, der es kauft, nicht derjenige, der es weiterverkauft. Aber das ist umstritten. Die Kosten sind letztendlich versteckt in den Verkaufspreisen.

Von Elke Janura wurde der Ümminger See angesprochen und seine Müllproblematik, die verschmierten mit Graffiti verschmierten Schilder, die Freiheit mit weniger Bußgeld zu behalten, mehr oder weniger Mülleimer.

Bernhard Koolen betonte die Handlung innerhalb der EU zu sehen, die mit Richtlinien noch mehr Verpackungsverbote aussprechen kann. Dort ist es möglich mehr zu schaffen. Müll ist ein vielschichtiges Problem.

Elke Janura erklärte eine fehlende Vorbildfunktion der Stadt. „Die Straßen müssen gereinigt werden. Das Stadtbild muss schön sein. Politiker müssen Vorbildcharakter sein. Wenn Bürger sehen, dass sich was tut, dann unterstützen sie das auch.“

Der Schlusssatz der anwesenden Einmannkoalition in Form von Alexander Knickmeier war:

„Wir können nur eine ökologischere Stadt entstehen lassen, wenn alle mithelfen. Mit mehr Bildungsarbeit und Aufklärung. Der Haushalt muss dagegen finanztechnisch alles bezahlbar halten.“

Mehr Informationen gibt es natürlich im Podcast bzw. Video.

Ich selbst hab fast alle mal zusammengebracht. Es waren zwei angeregte interessante Stunden des politischen Gesprächs. Volker Steude fasste es zusammen, dass die Politik einig ist, auch Vorschläge in den zwei Stunden vorhanden waren.

Ich selbst sage nur, das nun was passieren muss und nicht wieder Jahre gewartet werden darf. Müll und Klimaschutz, sowie Lebensqualität und Stadtbild sind je zwei Dinge, die zusammengehören und gemeinsam betrachtet werden sollten.

Glück auf Euer Ruhrpottologe André Brune mit der Hoffnung meine Ausstellung mit Projektwoche demnächst in deiner Stadt zu machen, falls du kein Bochumer bist.

+Video I +Bildergalerie I Deja vu in Bottrop – eine Kunstausstellung

Zur Vernissage vom Künstlerbund Bottrop e.V. trafen sich viele Bottroper Künstler, u.a. auch Paul Schulte und Gilda Bräuer, die dort Werke ausgestellt haben.

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Es sind aber nicht immer nur Kunstinteressierte, Künstler und Künstlerinnen, sondern vor allem Bekannte und Freunde, die sich dort trafen und bei Häppchen und Wein die besonderen Kunstwerke im August Everding Kulturzentrum angesehen haben.

18 bekannte Künstler und Künstlerinnen des Künstlerbundes Bottrop e.V. stellen ihre Werke von Fotografien, Skulpturen, Zeichnungen, Gemälde und Mixed Media Collagen aus.

Dem kürzlich verstorbenen Fotografen Karl Kraft wird eine eigene Ausstellungszeile im Seitengang gegönnt.

Es ist immer wieder interessant, wie unterschiedlich Kunst sein kann. Für jeden Geschmack ist in der Ausstellung des Künstlerbund Bottrop e.V. etwas dabei. Von bunten Löwen und Nashörnern auf einer Stahlplatte gemalt, ein Quadrat als Hommage an den Ehrenbürger und Künstler Josef Albers allerdings mit dem Hinweis auf die Klimakritik der „Letzten Generation“ mit einem eigenen Klecks einer falschen Farbe auf dem Bild oder Schuhabdrücke im Sand unter Plexiglas, die aussehen, wie der erste Schritt auf dem Mond. Ein faszinierender Blick fällt auf eine tote Drossel in einer Art Ikone von Gilda Bräuer, der ich einen eigenen Beitrag widme.

Alles in Allem eine sehenswerte Ausstellung, die ohne Eintritt zugänglich zu sehen ist im Erdgeschoss und in der ersten Etage des Kulturzentrums an der Böckenhoffstraße/Blumenstraße 12-14 bis zum 3. Juni.

Allerdings gibt es auch Kritikpunkte, die angesprochen werden müssen:

Da ich keinen Zettel mit der Auflistung des Künstlers und seines Werks mehr gefunden hab, konnte ich im Nachhinein kein Werk zuordnen. Alle Kunstwerke wurden mit einer Nummer versehen statt mit einer Legende, worauf auch der Künstler stehen sollte oder auch der Name des Werks und Preis.

Ganz schlimm ist es, vor allem für den Künstler, einen Aufkleber zu nutzen eine Zahl draufzuschreiben und es auch auf das Kunstwerk zu kleben. Das mir das das Kleben mit der Hand nicht ausgerutscht ist, sagt alles. Verfälschung der Bilder durch die Ziffern und auch durch die schlechte Beleuchtung. Einige Werke sind nicht mal ausgeleuchtet.

Das Kulturzentrum eignet sich zwar für wechselnde Ausstellungen, die vor allem eher Stadthistorisch sind, aber es muss generell ein wenig Geld in die Hand genommen zu werden, um gehängte Werke generell besser darzustellen.

Kritik muss sein, sonst ändert sich womöglich gar nichts.

Die Vernissage wurde von der Sparkasse Bottrop finanziert. Ohne das Engagement der Bank wäre das Thema Kunstausstellung wahrscheinlich nicht mehr möglich.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 20 Uhr / Samstag bis 12 Uhr

Es lohnt sich mit Sicherheit!

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Provokantfuriose Ausstellung „Vorletzte Generation Ruhrgebiet“ im Schaubüdchen Bochum mit 10 Künstlern

Erstmalige und zugleich diskutierfreudige Ausstellung von zehn Ruhrgebietskünstlern im Schaubüdchen mit dem Titel „Vorletzte Generation Ruhrgebiet“ startet am 16.4 mit einer Vernissage.

Die Frage, wie Klimaschutz am besten angegangen werden kann, bewegt mittlerweile bereits seit Jahren die Gesellschaft. Seit einigen Monaten erregt die Gruppe ‚Letzte Generation‘, die mit unterschiedlichsten Aktionen auf das Thema Klimaschutz aufmerksam machen möchte, die Gemüter und polarisiert: Während die einen es befürworten, dass sich die Aktivist:innen öffentlichkeitswirksam für das Thema einsetzen, missfällt anderen die Art und Weise des Protests, der mitunter auch Regeln und Gesetze missachtet.

Mit dem Für und Wider, dem Sinn und Unsinn von Aktionen zum Umwelt- und Klimaschutz setzt sich Ruhrpottologe André Brune in einer Videoinstallation kritisch auseinander. Diese ist Teil einer von ihm initiierten Ausstellung im Bochumer Schaubüdchen (Ursulastraße 24), in deren Rahmen er und neun weitere Künstler:innen, die allesamt der ,Vorletzten Generation Ruhrgebiet‘ angehören, vom 16. bis 30. April 2023 je ein Kunstwerk präsentieren.

Die Künstler:innen, die ihre Kunst zwei Wochen lang mit den Besucher:innen teilen, sind Frank Gebauer, Nicole Tenge, Bettina Ferrara aus Oberhausen, Brigitte von der Eltz aus Essen, Gordana Djukic aus Gelsenkirchen, Manuel Miermeister aus Hattingen, Daniel Pajonk aus Herne, Gilda Bräuer, Ralf Opiol, auch unter Metropiol bekannt, jeweils aus Bottrop sowie André Brune aus Bochum.

So unterschiedlich, wie das Ruhrgebiet zwischen seinem östlichen und westlichen Ende und wie auch jeder Mensch anders ist, so unterschiedlich sind auch die ausgesuchten Kunstwerke. Zu sehen sind verschiedene Genres: Neben Fotokunst und Mixed Media-Collagen werden abstrakte Kunst sowie Werke mit Ruhrgebietsbezug uvm. ausgestellt.

Die Vernissage beginnt musikalisch am 16. April 2023 um 14 Uhr mit dem Duo Patatras, deren Auftritt Ruhrpottologe André Brune bei einer Moderation für den Erhalt der Galerie 7 in Bottrop zum Event selbst ersteigert hat, und endet um 18 Uhr.

An den Sonntagen und zur Finissage am 30. April 2023 ist das Schaubüdchen in der Ursulastraße 24 in Bochum jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei. Alle Ausstellungsstücke sind von außen sichtbar angebracht und können jederzeit besucht und angesehen werden.

Ausstellungseröffnung der dpg Bochum NRW e.V. zu 100 Jahre Władysław Bartoszewski: Widerstand – Erinnerung – Versöhnung zwischen Deutschland und Polen

Der Verein Deutsch-Polnische Gesellschaft Bochum NRW e.V. lädt ein zu einer besonderen Ausstellung über das Leben und Wirken eines besonderen Polen, der 2015 im hohen Alter von 93 Jahren verstarb und in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre: Władysław Bartoszewski.

Bartoszweski war ein besonderer Friedensstifter. Er gehörte zu den größten Humanisten des 20. Jahrhunderts und war bekennender Europäer. Er war mehrfach Außenminister von Polen, Diplomat, Historiker, Publizist und auch Gastprofessor. Doch ohne seine schrecklichen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg wäre er nicht der geworden, der er wurde. Als Widerstandskämpfer und Holocaustüberlebender setzte er sich trotzdem für eine Deutsch-Polnische und auch Polnisch-Jüdische Verständigung ein. In Israel wird er geehrt als „Gerechter unter den Völkern“.

Bartoszewski Übersicht (c) dpg Bochum NRW e.V.

In den letzten Jahren wird Polen nicht nur wirtschaftlich und touristisch interessanter für Deutsche. Im Zuge der EU-Osterweiterung 2004 und der offenen Grenzen, auch mit dem nahen Kriegsgeschehen in der Ukraine, in denen Polen sich mehr als ein Vorbild zeigt bei 5 Mio Flüchtlingen aus dem Nachbarland, wächst die Neugier auf das östlich liegende Land mit seiner wechselvollen reichhaltigen, z.T. auch deutschen, Geschichte.

Polen ist mehrfach zerstückelt worden im Laufe der Jahrhunderte und erlebte erst am 11.11.1918 wieder einen Neuanfang als Republik. Im 2. Weltkrieg von Deutschen und Russen zermahlen begann erst nach dem Kampf gegen den Kommunismus mit dem Streik der Danziger Werftarbeiter mit Lech Walesa ein rasanter wirtschaftlicher Aufstieg Polens in Europa, der seinesgleichen sucht. Ohne Polen kein Fall der Berliner Mauer. Die ersten freien Wahlen in den kommunistischen Ländern waren in Polen am Tag als die Mauer fiel.

All dies in Kürze zusammengefasst kann nicht widergeben, in welcher rasanten Umwälzung Bartoszewski seinen Respekt und menschlichen Antlitz gewahrt hat. Er zauberte eine Völkerverständigung zwischen den Deutschen und Polen herbei, die über Jahrzehnte, gar Jahrhunderte, gestört wurden durch Eroberung und Erniedrigung des slawischen Volkes von allen Seiten.

Im Sinne eines lebendigen europäischen Dialogs ist es wichtig mehr über diesen besonderen Mann aus Polen zu erfahren in dieser Ausstellung in der VHS Bochum, Gustav-Heinemann-Platz 2-4.

Ein Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung, die bis zum 30.11.22 geht.

Montags, Freitags und Samstags können Gruppen, Studierende und Schulklassen Führungen mit dem Verein dpg Bochum nrw e.V. vereinbart werden: info@dpg-bochum.de

Die Ausstellung wird am Freitag, 4.11.22 um 17 Uhr von der Bürgermeisterin Gaby Schäfer eröffnet. Nach einigen Rednern beginnt um 17.30 Uhr ein kleiner Vortrag über „Das Erbe des Bartoszewski“ von Adam Krzeminski.

Adam Krzeminski ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und ebenfalls Historiker und Publizist. Er führt am Samstag um 11 Uhr noch einmal exklusiv durch die Ausstellung.

Anita Baranowska-Koch von der „Bartoszewski Initiative” Berlin & dgpbv e.V. führt anschließend durch die Ausstellung.

Ab 18.30 Uhr können offene Fragen zu Europa und Polen beantwortet werden. Snacks und Getränke sind frei.

Mehr Informationen über Wladyslaw Bartoszewski: www.dpg-bochum.nrw/wladyslaw-bartoszewski

EINLADUNG zur
Ausstellungseröffnung
Fr 04.11.2022 um 17.00h

vhs in Bochum
Gustav-Heinemann-Platz 2-6
44787 Bochum
Dauer der Ausstellung bis Do 30.11.2022

 

Rahmenprogramm zur Ausstellung

Fr 11.11.2022 (ab 18 Uhr)
“Polen und Europa”

Lesung und Gespräch u.a. mit:
ARTUR BECKER (zugesagt)
Deutsch-Polnischer Publizist
aktuelles Buch: Links – Ende und Anfang einer Utopie (Westend Verlag F.a.M, Juli 2022)
mehrfach ausgezeichnet Publizist, Autor, zuletzt  29. Oktober 2022 in Japan.
LINK Über den Autor

Raum: 047
vhs Bochum (Erdgeschoss)
+ Sonderführung durch die Ausstellung

Mi 16.11.2022
von 18.00h bis 21.45h

vhs Kurs: Polnische Küche
vhs Kursnummer:
! nur mit Reservierung unter LINK
Kosten: Euro 31,00 / erm: Euro 24,60


“JETZT! Ein Wochenende fürs Klima

im Zeitraum Fr 18.11.2022 bis So 20.11.2022

Sa 19.11.2022
um 13.45h bis 15.15h
Energiewende in Europa
ein Vortrag von Iryna Nesterenko (dpg bochum nrw e.V.)
LINK


Mo 28.11.2022

ab 18.00h
Polnisch Deutscher LYRIK Abend
mit Wisława Szymborska
gelesen u.a. von der Schauspielerin Monika Bujinski
eventuell auch Filmvorführung
weiteres folgt zeitnahe hier

 

Diese Ausstellung in der vhs Bochum ist eine Kooperation mit der
Bartoszewski Initiative Berlin
Partner: Europa Union – Bochum

Pressetext:
siehe auch unter Menu PRESSE

Realisation:
dpg bochum nrw e.V. mit vhs und der Bartoszewski Initiative Berlin
Ansprechpartner: Frau Emanuela Danielewicz
Vorsitzende dpg bochum nrw e.V.

Dank an die Förderer:
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
sowie Stiftung STANZWERK in Kooperation mit der Stahlerzeugnisse Artur Schade GmbH Deutschland – Polen – Indien

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+Fotos I +Video I Eröffnung der Ausstellung „Papier ist nicht geduldig“ im August Everding Kulturzentrum

„Papier ist nicht geduldig“ lautet der Titel einer besonderen Wanderausstellung, die am 19.8. in Bottrop eröffnet wurde. Die Hintergründe sind vielfältig, denn Papier verfällt, wenn es nicht erhalten wird. Die Ausstellung zeigt, dass die Arbeit eines Papierrestaurators wichtig für den Erhalt historischer Dokumente ist.
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Seit dem 19.8. bis zum 15.10.22 kann die Wanderausstellung „Papier ist nicht geduldig“ bewundert werden. Die kostenlose Ausstellung vom Arbeitskreis Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren e.V. über die Erhaltung von Schriftgut und Grafik befindet sich im Kulturzentrum August Everding, Blumenstraße 12-14. Öffnungszeiten: Mo-Fr : 9-20 Uhr – Sa : 9 – 14 Uhr

Die Eröffnung der Ausstellung mit klassischer Blockflötenmusik aus dem 16. Jahrhundert symbolisierte die Entstehungszeit der im Stadtarchiv Bottrop lagernden ältesten Schriften.

Ein Bild einer restaurierten Komposition aus dem 16. Jahrhundert für Blockflöte zur besonderen musikalischen Eröffnung – Foto: André Brune

Oberbürgermeister Bernd Tischler erwähnte in seiner Eröffnungsrede, dass wir alle uns glücklich schätzen können Gemaltes, Gezeichnetes und Geschriebenes aus vielen zurückliegenden Jahrhunderten noch heute nutzen können. Die Arbeit der Restauratoren lässt Geschichte immer noch lebendig bleiben.

Einige Werkzeuge und Materialien zur Restauration – Foto: André Brune

In einer Vitrine liegen technische Werkzeuge und Materialien zur Papier- und Buchrestaurierung aus. Z.B. kann ein Teflonspatel Verklebungen lösen oder der Hautleim besteht aus proteinbasierendem Leim und dient als Klebstoff für Lederarbeiten. In anderen Vitrinen sind restaurierte Bücher zu sehen. Auf Tafeln wird das Aussehen eines Buches vorher und nach der Restauration veranschaulicht und erklärt.

Papier ist nicht geduldig

Papier ist eben nicht geduldig und lässt das alte Sprichwort wie eine alte Pergamentseite zerfallen. Denn Bücher, Schriften und Dokumente sind im Laufe der Zeit unterschiedlichen Negativitäten ausgesetzt. Schimmel durch Feuchtigkeit, Zersetzung durch Sonneneinwirkung oder Veränderung der Struktur durch falsche Lagerung kann jedes Blatt Papier oder altes Ledereinband irreparabel zerstören ohne die Arbeit der Restauratoren und Restauratorinnen. Auf den ausgestellten Tafeln und veranschaulichten Material aus Büchern, Zeitung, Film und Fotos in den Schauvitrinen wird der Restaurationsaufwand bei Büchern, aber auch Filmrollen und Fotos aus alter und neuerer Zeit erklärt. Alte wiederentdeckte Kompositionspapiere aus dem 16. Jahrhundert müssen besonders behandelt werden und sind besonders erhaltenswert. Jede noch so falsch restaurierte Note, kann einen ganz anderen Ton in der Musik machen und die ursprüngliche Komposition verändern.

Bottroper Volkszeitung mit Veranschaulichung der Restauration – Foto: André Brune

 

Der Verein

Der Verein Arbeitskreis Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren e.V. ist 2010 gegründet worden. Ein Verein vereinfacht durch Anträge Fördermittel vom Land für die Restauration zu bekommen. Durch die Klimaveränderung und damit einhergehende Erhöhung der Temperatur ist die Lagerung in vielen Archiven gefährdet. Schon ein Grad mehr kann Schriften schleichend zerstören.

Was macht ein Restaurator?

Birgit Geller ist Chef-Restauratorin für Schriftgut im LWL-Archivamt in Münster. Sie leitet mit vier Mitarbeiter*innen die Restaurierungswerkstatt. Dort können private und kommunale Betriebe aus dem Bereich Westfalen-Lippe beschädigte Schriftgüter bearbeitet werden.

Birgit Geller, Chef-Restauratorin des LWL-Archivamts in Münster, erklärt die Arbeit eines Restaurators – Foto: André Brune

Sie führt nach der Rede vom Oberbürgermeister aus, dass Restauratoren nicht einfach so ein Buch wieder fit für die Archive machen können. Es müssen Fachgespräche geführt werden z.B. mit Architekten und Klimatechnikern über die Eignung, das Belüften und Verhalten der Lagerräumlichkeiten. Mit Kunstwissenschaftlern müssen besondere Schriften zeitlich eingeordnet werden, bevor sie entsprechend mit gewissen einzuordnenden Materialien restauriert werden können.

Sollte das riechbare leicht entzündliche Cellulosenitrat bei Filmrollen entdeckt werden, muss abgewogen werden, wie und ob überhaupt restauriert werden kann.

Fachsimpelei von Interessierten vor der Information über Brandschäden in der Amaliabibliothek in Weimar – Foto: André Brune

 

Ausbildung zum Papierrestaurator

Die Ausbildung zum Papierrestaurator ist keine einfache Handwerksausbildung, sondern kann an der Technischen Hochschule in Köln, Hildesheim oder an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und München mit einem Bachelorstudiengang von 6 Semester erlernt werden. Anschließen kann ein weiterführender Masterstudiengang  gemacht werden. Das zeigt schon wie hochwertig und aufwendig der Beruf eines Papierrestaurators ist.

Der Bedarf von Papierrestauratoren ist in Deutschland und auch im Ausland sehr groß. Wer sich für alte Schriften, Bücher und Zeichnungen und für dessen Erhalt interessiert kann sich hier informieren:

https://www.th-koeln.de/studium/restaurierung-und-konservierung-von-kunst–und-kulturgut-bachelor—bewerbung_912.php

Die Studienschwerpunkte des Bachelor sind Gemälde, Skulptur, Moderne Kunst, Objekte aus Holz und Werkstoffe der Moderne, Schriftgut, Grafik, Fotografie und Buchmalerie, Textilien und archäologische Fasern, Wandmalerei und Kulturgut aus Stein.

Städte stellen zur Zeit aus Kostengründen meist keine eigene Restauratoren ein. Die sogenannte Drittmittelvergabe ist günstiger und kann mit Fördermitteln vom jeweiligen Bundesland unterstützt werden.

Ein erster interessanter Einblick in die Arbeit, das hinter dem Erhalt von Schriften aus den Stadtarchiven steckt, zeigt diese Ausstellung bis zum 15.10.22 in der Blumenstraße im August Everding Kulturzentrum.

Ein Beruf für die Zukunft

Jugendliche, die sich noch nicht sicher sind, was ihre berufliche Zukunft ist, können durch die Ausstellung neugierig gemacht werden. Ein Restaurierungsablauf braucht präzise Hände, wichtige Überlegungen der Schäden und Lagerhaltung, die Einschätzung der Entstehung und seinen damaligen verwendeten Stoffen. Ein Papierrestaurator ist ein besonderer Beruf im Stillen, der für den Erhalt der menschlichen Geschichte sehr wichtig ist. Vielleicht finden sich neue Frauen und Männer, die sich dieser zukünftigen Aufgabe stellen wollen durch diese besondere Wanderausstellung. Das wäre auf jeden Fall wünschenswert für den weiteren Erhalt historischer Schriftgüter.

Weitere Informationen:

Archivamt: LWL | Startseite – LWL-Archivamt für Westfalen

Verein und Träger der Wanderausstellung: Arbeitskreis Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren e.V.

Autor: André Brune