Der Bochumer Verein Teil 1 I Die Gründer und Unternehmer Jacob Mayer, Eduard Kühne und Louis Baare I +Videopodcast I +Podcast Folge 14 #119

Der neue „Ruhrgebiet erklärt“ aus der Reihe „Ruhrpottologe unterwegs im Ruhrgebiet“ ist Teil 1 einer vierteiligen Reihe über den Stahlhersteller Bochumer Verein. Jack Tengo und ich beginnen mit den wichtigsten Personen ohne die das Unternehmen gar nicht erst gewesen wäre: Jacob Mayer, Eduard Kühneund dem  Generaldirektor Louis Baare, der kam, als die kleine von Konkurs bedrohte auf einem ehemaligen Bochumer Ackergelände stehende Firma zu einem Aktienunternehmen wurde: Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrication AG. 

Es geht um die Geschichte, den Aufstieg und Fall eines der größten Stahlhersteller. Wir besprechen nicht nur einfach einen Wikipediaeintrag, sondern auch humorvoll über Anekdoten, die ich bei der Recherche gefunden habe, sowie auch das Drumherum der Zeit, als die Gründung vollzogen wurde unter welchen Bedingungen von der Ersten Weltwirtschaftskrise bis zu den ersten Aufträgen von Kanonen und die Weltausstellung in Paris mit der ersten aus einem Guß hergestellten Glocke, von der eine der zweitgrößten vor dem Rathaus Bochum steht.

Gusstahlfabrik in Bochum von Mayer und Kuehne 1845 (c) aufgehoben aus Wikipedia

Es geht um das Auf und Ab in der Stahlproduktion, die Beteiligungen der Firma in alle Welt, die Nebenschauplätze vom Siegerland über Lothringen bis nach Schweden, aber auch die negativen Seiten von Zwangsarbeitern im ersten, sowie im zweiten Weltkrieg. 

Bochumer Verein (Postkarte um 1907) vom Bildarchiv Stadt Bochum

Aufhänger der Idee war eine Gästeführer – Hospitation von Bochum Marketing in der Unterwelt der Jahrhunderthalle. Ich hab gesagt: Erst der Podcast, dann Gästeführung. Der heutige Eventpunkt „Jahrhunderthalle“ auf der Route der Industriekultur hat eine große Drumherum-Geschichte, die es im Podcast zu erzählen gilt in einem wahren Industrie-Epos.

Alle vier Teile werden eine Woche vor der Veröffentlichung auf den Podcast-Kanälen vorher beim Internetradio Hitradio Ruhr als Vorpremiere immer Sonntags von 16-19 Uhr veröffentlicht werden. Dabei begleitet uns Musik von Tana Schanzara, Dieter Krebs, Wolfgang Petry, Hausmeister Klopotek und viele andere Interpreten bei den eher trockenen Themen, die wir mit Humor aufbereiten und nicht langweilig werden lassen. 

Eine Woche später wird der Podcast dann am Sonntag ab 19 Uhr zu hören sein auf allen Podcast – Kanälen, sowie im Youtube – Kanal: @ruhrpottologeTV oder auch bei Jack Tengo. Alle Links und Infos kommen, wie jetzt immer über den Blog.

Wir behandeln in Teil 1 den Aufstieg des Bochumer Vereins, der ohne die drei wichtigsten Persönlichkeiten nicht möglich gewesen wäre. Wir besprechen die Wurzeln der Fabrik, das nicht den Anfang im Ruhrgebiet nahm, sondern in Nippes, was viele nicht wissen oder nicht erzählt bekommen.

Podcast anhören im Radio Sonntags 16-19 Uhr:

bei HITRADIO RUHR – Dein Sender für´s Ruhrgebiet.

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Der Erfinder: Jacob Mayer – vom Uhrmacher zum Stahlpionier

Jacob Mayer (1813–1875), geboren im württembergischen Dunningen, war eigentlich Uhrmacher – und zugleich ein Tüftler, der das Herstellungsverfahren von Gussstahl revolutionieren wollte. Auf der Suche nach dem nötigen Know-how ging er nach Sheffield, der britischen Stahlmetropole, wo er die Grundlagen moderner Tiegelgussverfahren studierte bei dem britischen Uhrmacher Huntsman, der sich das selber in Indien genauer angeschaut hatte. Jacob hätte seinen Nachnamen in Bond ändern können, der war ja schließlich aus dem Ruhrgebiet, geboren in Wattenscheid. Jacob Meyer war der Techniker und Eduard Kühne war der Geschäftsmann, der auf die Idee der Gründung einer Stahlfirma aufmerksam wurde und unterstützen wollte als Geschäftsführer Links zu Jacob Mayer:

Jacob Mayer 1862 (c) aufgehoben aus Wikipedia

Mehr über Jacob Mayer: https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Mayer

1836 gelang ihm der Durchbruch: der erste Gussstahl auf deutschem Boden – noch in Köln-Nippes. Doch die Vision war größer. Die Verwirklichung sollte im Ruhrgebiet nicht in Aachen oder Köln sein. Seine aus einem Guß gegossene erste Glocke auf der Weltausstellung 1855 war nicht nur damals die erste ihrer Art vor Ort, sondern beeindruckte auch den Nachbarkonkurrenten aus Essen Alfred Krupp.

Der Möglichmacher: Eduard Kühne – Kaufmann mit Weitblick und leider tragischem Ende

Eduard Kühne (1810–1883) war der kaufmännische Partner, ohne den Mayer nie ein Werk aufgebaut hätte in seinem Wunschgebiet. Als Kaufmann mit Kapital, Kontakten und Mut unterschrieb er 1842 den Gründungsvertrag und finanzierte die frühen, verlustreichen Experimente bis es nicht mehr ging. Als die gemeinsame Firma des Technikers Jacob Mayer und des Geschäftsführers Eduard Kühne in Konkurs rutschte, half nur ein Neustart als Aktiengesellschaft 1854 in dem die 1842 gegründete Firma Guß- et Cement, Stahlfabrik bei Bochum oder Essen Mayer & Kühne zum Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrication AG, kurz BVG. 

Doch trotz seines Pioniergeistes geriet Kühne, der unter dem eingesetzten Generaldirektor Louis Baare seine Ideen nicht mehr durchsetzen konnte und somit 1858 seinen Hut nahm, später in finanzielle Schwierigkeiten, verlor sein Vermögen und starb verarmt in Kleve. In Bochum wird Kühne vielleicht deswegen nicht unbedingt als Vorreiter des Bochumer Vereins gedacht, obwohl ohne ihn es nicht dazu gekommen wäre. Von ihm gibt es keine Fotos oder Lithografien.

Kurzbiografie Kühne: https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_K%C3%BChne

Der Stratege und Patriarch: Louis Baare – der Mann, der Bochum zur Großstadt machte

Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1854 wurde Louis Baare (1821–1895) Geschäftsführer des neuen Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation AG. Baare machte aus dem Unternehmen einen Stahlgiganten – strukturiert, modern, sozial engagiert und international erfolgreich.

Louis Baare (c) aufgehoben aus Wikipedia

Unter seiner Führung wuchs das Werk von wenigen Hundert Arbeitern auf über 16.000 Beschäftigte (1909). Er prägte das Stadtbild. Er hatte sehr gute politische Verbindungen bis zum damaligen Reichminister Otto von Bismarck und entwarf die Idee einer Unfallversicherung. Er ließ einen neuen Stadtteil entstehen, wie das bekannte Stahlhausen direkt gegenüber des Eingangs zum Werk. Es war vergleichbar mit der Form des sozialen Engagement der Firma Krupp in Essen.

Zur Person Baare: https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Baare

Die weiteren Teile gehen mehr auf die Geschichte des Unternehmens, die dunkle Zeit und den Neubeginn, den Abriss und die Jahrhunderthalle von heute mit den Events von Ruhrtriennale, Konzerten und Jahrmarkt-Attraktion.

Zweiter Teil bespricht den Aufstieg von der Glocke zur Weltindustrie

Zu den legendären Momenten gehört die Gussstahlglocke von 1855, die auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille gewann. Die noch größere Glocke der Weltausstellung von 1867 steht heute auf dem Rathausplatz in Bochum.

Bochumer Verein, 1898 (c) aufgehoben, aus Wikipedia

Glocke Bochum: https://de.wikipedia.org/wiki/Gussstahlglocke_(Bochum)

Doch die Glocken machten nur 0,4% der Produktion aus. Der Bochumer Verein war eher der Motor für zivile Infrastrukturprodukte von Werkzeug bis zu Schiffsschrauben, Räder für die Eisenbahn, Lokomotivteile, Schienen und Weichen und später auch Rüstungsgüter. Durch die immer neuen Ingenieurstechniken in der Zeit der Einigung von Kleinstaaten zum Deutschen Reich modernisierte sich die Fabrik immer wieder und erweiterte seine Standorte innerhalb der Stadt später mit zwei weiteren Stahlerzeugung- und Verarbeitungshallen auf der heutigen Bessemerstraße und in Höntrop auf der Essener Straße.

Bochum explodiert – von 3.000 zu 65.000 Einwohnern

Mit der Industrialisierung strömten Menschen aus Preußen, Württemberg, Schlesien, Polen und dem gesamten Deutschen Reich nach Bochum. Die Einwohnerzahl verfünffachte sich binnen weniger Jahrzehnte. Ohne Mayer, Kühne und Baare wäre Bochum vielleicht ein kleines Ackerbaudorf geblieben oder ein anderer hätte es gemacht.

Wer sich alle Podcasts anhören möchte, wird im dritten Teil die dunkle Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft und die Zwangsarbeit im Bochumer Verein, sowie den Neubeginn bis zum Abbruch und Neubau einer Parklandschaft mit integrierter Eventstation innerhalb der ehemaligen Ausstellungshalle und heute genannten Jahrhunderthalle .

Der Podcast behandelt außerdem die dunklen Kapitel: Rüstungsproduktion und den massiven Einsatz von Zwangsarbeiter*innen im Zweiten Weltkrieg.

Vom Stahlwerk zur Jahrhunderthalle: Kultur statt Hochöfen behandelt der vierte Podcast

Mit dem Strukturwandel schloss weitgehend das Werk – aber das Gelände lebt weiter: Die Jahrhunderthalle Bochum, einst Herzstück des Bochumer Vereins, ist heute einer der bedeutendsten Kulturorte des Ruhrgebiets und zentraler Spielort der Ruhrtriennale.

Weitere interessante Links und Quellen:

2. Heimatbuch 1928 – Jakob Mayer – Die Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. ist eine Vereinigung zur Erforschung und Pflege der Regionalgeschichte in Bochum.

bochum.de: Louis_Baare.pdf

Das Unternehmen – Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH

Bochumer Verein – Gelsenkirchener Geschichten Wiki

Gussstahl aus Bochum revolutionierte die Stahlherstellung

­Bochum: Begründer des Bochumer Vereins Jacob Mayer vor 200 Jahren geboren – Industriekultur

Bochumer Verein – Wikipedia

Wer nur den Podcast „Ruhrgebiet erklärt“ folgen möchte:

Im Waldpädagogischen Zentrum in Bottrop mit Ulrich Trockle I +Videopodcast I +Podcast #115 I +Fotogalerie

Eine Begehung im Waldpädagogisches Zentrum in Bottrop-Kirchhellen mit Ulrich Trockle in zwei Teilen war ein besonderes Erlebnis, denn dort kann jeder Natur erleben und bewahren!

Ulrich Trockle (rechts)

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Es war mir ein wichtiges Bedürfnis einen Blogbeitrag über das Waldpädagogische Zentrum zu machen, ihren Menschen und ihrem Tun für die Natur und nachfolgenden Generationen. Es ist ein Verein, der wieder ein Vorbild auch für andere Städte im Ruhrgebiet sein kann. Nicht nur ein neuer Mischwald entsteht durch ihn, sondern Kindern und Jugendlichen wird erklärt, was Natur ist, wie sie mit Natur umgehen können und sollten. Für jede Generation ist etwas zu lernen dabei. Staunen und auch Natur und Wald neu zu erschaffen, auf eigenem Stadtgebiet, den vorher Kinder wiederum zur Aufzucht eingepflanzt haben.

Die Baumaufzuchtbeete

Den Geschäftsführer des Vereins Ulrich Trockle vom Waldpädagogischen Zentrum lernte ich beim neuen Gastgebernetzwerk von Bottrop kennen und habe ihm nach einer gemeinsamen Begehung angeboten einen individuellen Videopodcast mit Begehung über das gesamte Gelände zu machen. Der herzlichen Einladung bin ich gefolgt und war erstaunt, wie groß es ist und was alles das Waldpädagogische Zentrum seit 1995 in die Wege geleitet hat.

Ulrich Trockle im Element Erzählen über das Waldpädagogische Zentrum

Zu diesem Zeitpunkt zog ich nach Bochum. Wäre ich in Bottrop geblieben, wäre ich einer der ersten Mitglieder geworden, weil es ein besonderer Verein ist, der Kinder und Erwachsene nicht erzieht, sondern mit Spiel und Spaß zur Natur führt und dabei einen neuen Wald klimagerecht aufbaut auf Flächen, die landwirtschaftlich vorher stark genutzt wurden.

Der Eingang Ruhehorst 14 zum Waldpädagogischen Zentrum

Der Verein sorgt für regionale Zusammenkünfte von Kindergärten und Schulen und Erwachsenen, sich mit dem Wald und seiner Natur auseinanderzusetzen, ihn respektieren zu lernen. Er ist ein kleiner Teil für den Weg zu einer besseren zukünftigen Welt. Hier wird angefangen Wald zu erschaffen. Der Verein führt jährlich Kinder und Jugendliche dazu die Natur schätzen zu lernen. Vor Ort lernen sie sie besser kennen und können mit ihren eigenen Händen Natur erschaffen.

Für mich war klar nach den insgesamt zweieinhalb Stunden Aufenthalt direkt meine Unterschrift für eine Mitgliedschaft zu geben. Wie weit ich aktiv sein kann, ob passiv oder aktiv, spielt erstmal keine Rolle. Der geringe Mitgliedsbeitrag tut nicht weh. Die Hälfte des Mitgliedsbeitrags geht in einen weiteren alten deutschen Verein zum Schutz der deutschen Wälder. Dann wird eben einmal auf Essengehen verzichtet im Jahr und tut was gutes für den Planeten Erde auf regionalem Niveau im Ruhrgebiet.

Tatsächlich wissen innerhalb der Stadt, geschweige denn der umliegenden Städte, nur wenige von diesem besonderen Verein und ihrem Tun. So hoffe ich, dass ich dazu beitragen kann etwas mehr Reichweite über die Bottroper Stadtgrenzen hinaus für das Waldpädagogische Zentrum mit Blog, Videopodcast und einer kleinen Fotogalerie über das Gelände zu geben. In Teil 1 gibt es ein Interview mit Ulrich Trockle und in Teil 2 zeigt er das ganze Gelände, das Vereinshaus und das Haus der Waldjugend, sowie das Wildgehege, das Imkerhaus und einiges mehr:

Zum Videopodcast/Podcast Teil 1 (Interview mit Ulrich Trockle)

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Zum Videopodcast/Podcast Teil 2 (Begehung mit Ulrich Trockle über das Gelände vom WPZ)

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Ulrich Trockle und das Waldpädagogische Zentrum in Bottrop

Seit Februar 2024 leitet Ulrich Trockle das Waldpädagogische Zentrum Kirchhellen. Ulli, wie seine Freunde ihn nennen suchte nach 30 Jahren als Geschäftsführer eines Autohauses und nun in der Rente, suchte er nach einer besonderen Aufgabe mit viel Sinn.

„Ich wollte etwas machen, das für kommende Generationen Wert hat“, sagt Trockle. Die Arbeit mit Kindern, Schulen und Vereinen erfüllt ihn heute mit viel Freude und ist ein großer Gewinn für den Verein, der innerhalb der Stadtgrenzen der Stadt Bottrop nach mehr als 30 Jahren immer noch nicht so bekannt ist, obwohl Schulen und Kindergärten eingeladen sind seit 26 Jahren  einen neuen Wald zu pflanzen. Was in der Form einmalig ist und für andere Städte, nicht nur im Ruhrgebiet ein Vorbild ist, muss natürlich im Blog und als Podcast besonders erwähnt werden.

Er ist die Stimme des Vereins zur Zeit, animiert auf vielen Veranstaltungen das Waldpädagogische Zentrum zu besuchen. Doch alle Arbeiten und Aktivitäten liegen natürlich beim gesamten Vorstand und den vielen ehrenamtlichen Helfern vom und außerhalb des Vereins, die das Organisieren der Pflanzungen unterstützen oder das Frühlingsfest und den Adventsbasar aufbauen und betreuen.

Ulrich Trockle vor dem Wildschweingehege

Deswegen habe ich auch zwei Teile gemacht, um einmal die Person und den Verein vorzustellen und im zweiten Teil die Begehung des 1,6 ha großen Areals mit Kräutergarten, Baumzüchtung, Imkerei, Obstbaumwiese, Wildschweine, Mufflons, Ziegen, Hühner und Bienen näher zu bringen.

Die Bienen fliegen fleißig Honig besorgen in der Umgebung

Es soll animieren sich den Verein näher anzuschauen, vielleicht auch einzusteigen oder zumindest einmal im Jahr bei der Einpflanzaktion eines zukünftigen neuen Waldes innerhalb des Stadtgebiets mit über 1400 Kindern mitzuhelfen im Frühjahr oder es in die eigene Stadt zu tragen, um so etwas pädagogisch sinnvolles zu eröffnen.

Die Bäume von der Schule Am Tetraeder eingepflanzt ins Zuchtbeet

Kirchhellen und die Bekanntheit des Vereins

Kirchhellen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert: Von ehemals 5.000 Einwohnern ist die Zahl inzwischen auf über 22.000 gestiegen. Früher kannte jeder jeden – heute ist das anders, sagte Ulrich im Podcast. Wer im südlichen Stadtteil Ebel wohnt, hat wahrscheinlich noch nie was von diesem einzigartigen Naturzentrum gehört.

Deshalb setzt Ulrich verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit und neu entstandene Netzwerke, um das Zentrum bekannt zu machen. Mittlerweile zählt der Verein über 300 Mitglieder. Wichtig zu wissen ist, dass der Verein eng mit dem Naturschutzverein SDW, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V., zusammenarbeitet, der sich der Waldpädagogik und eben dem Schutz des deutschen Waldes widmet. So wird die Hälfte von läppischen 26 € Mitgliedsbeitrag für den Verein an den SDW abgeführt, um deren naturfördernde Arbeit zu unterstützen.

SDW – Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg gründete sich 1947 ein neuer Verein, der sich mit dem Waldschutz beschäftigen sollte. Es wurden Jugendlager in den Wäldern veranstaltet und Schulwälder eingerichtet. Waldjugendheime und Häuser im Wald sollten der Jugend das Verständnis zur Natur und deren Erhaltung näher gebracht werden. Sehr interessant, dass es zu einer Zeit gegründet wurde, als viele eher um Hunger und Wiederaufbau ging.

Daraus entwickelte sich die „Waldpädagogik“, ein Bildungskonzept für nachhaltige Entwicklung, die sich mit mehr als nur um den Erhalt des Waldes beschäftigt. Dazu gehört nicht nur die ganzheitliche Betreuung des Waldes, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung und der wichtigere Teil der Gesundheitsbildung. Denn der Wald hat ja nicht nur einen Nutzen für die Forstwirtschaft, sondern auch eine Schutz- und Reinigungsfunktion, gerade für stark luftbelastete Gegenden, wie das früher im Ruhrgebiet war, sowie auch eine Erholungsfunktion für Bürger und Bürgerinnen, nicht nur am Wochenende.

Unter diesem Aspekt sind die Waldschulen entstanden, Waldlehrpfade, sowie Waldlehrgärten, Forstmuseen, auch Waldtheater, Walderlebniszentren und daraus wiederum einzelne Vereine und Verbände, wie das Waldpädagogische Zentrum, die sich vor Ort mit dem Thema widmen.

Wer mehr über den SDW wissen möchte, oder sogar freiberuflicher Waldpädagoge werden möchte (Alter spielt keine Rolle!):

https://sdw.de

Oder die Angebote vor Ort in Waldschulen oder Bildungszentren aufsuchen möchte:

https://in.den-wald.de

Das TUN im Waldpädagogischen Zentrum

Baumpflanzaktionen mit Schulen und Kindergärten

Ein besonderes Highlight sind die jährlichen Baumpflanzaktionen. Alle Grundschulen in Bottrop werden damit angesprochen. Ein Jahrgang kommt in das Waldpädagogische Zentrum, wo auf ihren vorgefertigten Pflanzbeet eine Reihe Setzlinge gepflanzt werden. Vorrangig finden diese Pflanzungen im März statt, damit die kleinen Setzlinge noch genug Feuchtigkeit abbekommen, um die Hitze des Sommer zu überstehen. Bei späterer Pflanzung können 30 – 40% der Setzlinge eingehen.

Auch die Kindergärten können einpflanzen

Vier Jahre später werden sie auch im Frühjahr in einem von einem privaten Landwirt zur Verfügung gestellten ehemaligen Ackergelände in der Kirchheller Heide eingepflanzt. Ein neuer Wald entsteht. Es wird nicht aufgeforstet. Somit trägt der kleine örtliche Verein, das Waldpädagogischen Zentrum, viel mehr für den Klimaschutz bei als so manch andere und kann damit gleichzeitig den Schüler und Schülerinnen die Natur erklären, in dem sie selbst mit anpacken. Die Kinder erleben dabei nicht nur das Pflanzen, sondern auch Waldbegehungen mit Spielen und Naturerlebnissen.

So sind in 26 Jahren der jährlichen Pflanzaktionen auf 220.000 Bäume auf insgesamt 26 ha gepflanzt worden. Ziel ist Qualität vor Quantität – die Kinder sollen mit positiven Erfahrungen nach Hause gehen.

Klimagerechte Bäume

Gepflanzt werden vor allem Mischwälder aus Eichen, Buchen oder Vogelkirschen. Haselnussbäume haben eine Besonderheit. Sie werden am Rand gepflanzt, weil sie schnell wachsen. Sie halten das Wild auf, damit sie die kleinen Setzlinge nicht abkauen. Bewußt wird kein Baum aus den südlichen Regionen eingepflanzt. Das Klima verändert sich zwar rasend schnell, aber dennoch sind diese Baumsorten noch nicht geeignet in den hiesigen Boden einzupflanzen. Der Mineralgehalt und die Beschaffenheit der Böden sind vor Ort andere als hier. Sie können das Wachsen der heimischen Baumsorten auch hemmen. Im Einkauf, teilte Ulrich Trockle mit, kostet ein Setzling in der Mischkalkulation etwa 1,80 €.

Nachwuchsarbeit: Die Waldjugend

Der Verein hat auch eine Waldjugendgruppe. Sie trifft sich jeden Samstag von 10 bis 13 Uhr.  Mitmachen können Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre. Aber auch Jugendliche bis 25 Jahren sind herzlich eingeladen zu unterstützen. Im Waldjugendhaus mit Küche und Werkraum können sie auf Sofas sich fläzen. Dort können sie zur Verfügung gestellte ausgestopfte Tiere, die allesamt nicht erlegt wurden, sondern eines natürlichen Todes gestorben sind, für die Schaukästen vorbereiten, die auf dem Gelände des Vereins stehen, um die Waldtiere näher bringen. Von Fuchs bis zum Fischreiher, dem Biber und den Meisen oder Rehen, sind fast alle heimischen Tiersorten anschaulich zu sehen, auch in der Haupthütte, wo auch Hochzeitsfeiern stattfinden können gegen eine kleine Spende.

Die Waldjugend erlernt durch handwerkliche Projekte den Bau von Nistkästen. Wer hier einmal war, will auch nicht mehr zurück an die Playstation. Hier wird konkret die Zukunft gestaltet. Meisen zum Beispiel fressen den Eichenprozessionsspinner. Somit sind sie wichtig für den Erhalt der Eichen im Wald. Eichen können über 1000 Jahre alt werden. So macht nicht nur die neue Generation etwas gutes für die Nachwelt. Das Tun hier ist für die Zukunft des Planeten, auch wenn sich das im regionalen Bereich beschränkt.

Der Aufenthaltsraum der Waldjugend

Bildung und Gemeinschaft

Die 52 Bottroper Kindergärten nutzen das Zentrum. Wöchentlich sollen die Kindergärten vor Ort abwechselnd in das Waldpädagogische Zentrum. Sie lernen mit Begeisterung die Natur kennen. Das Miteinander klappt hier auf dem großen Areal besser als in den kleineren Räumlichkeiten eines Kindergartens. Ein Waldkindergarten soll hier entstehen, damit Kinder unter sechs Jahren, egal welcher Farbe oder Religion in der Natur diese erleben können. Ulrich sieht bei den Kindern eben keine Hürden. Sie werden eher von den Erwachsenen aufgebaut.

Tiere, Imker und Naturerlebnis

Auf dem Gelände leben Mufflons, Wildschweine, Enten, Hühner und Bienen. Der Bottroper Imkerverein, der älteste Verein der Stadt, hat hier eine feste Hütte mit Seminarräumen. Besucher können in Schaukästen die Arbeit der Bienen hautnah erleben. Das Highlight für die Kinder sind die Wildschweine. Deren Eingrenzung musste jetzt zu einem doppelten Zaun vergrößert werden, damit die afrikanische Schweinepest nicht auf oder von den Wildschweinen übertragen wird. Das würde zur Folge haben, so das Bottroper Veterinäramt, dass ca 50000 Schweine in den umliegenden Landwirtschaftsbetrieben „gekeult“, also getötet werden müssten. Was teuer für den Verein ist, so könnte dieser Umstand, der passieren könnte eher für einen noch größeren wirtschaftlichen Schaden werden, den keiner bezahlen kann.

Die Wildschweine freuen sich über Besuch

Die Mufflons sind sehr neugierig, aber auch gleichzeitig scheu. Sie sind eine Augenweide auf dem Gelände.

Die Mufflons sind neugierig, aber auch scheu

Es gibt einen umgedrehten Baum, der Besuchern zeigt, wie ein Baum mit Wurzeln aussieht.

Der umgedrehte Baum

Abgeschnittene Äste und Triebe werden an den Rand des Weges gelegt für die unzähligen Kleintiere, die das Totholz zum nisten nehmen.

Eine Informationstafel wofür Totholz wichtig ist

An den Zäunen hängen verschiedene Nistkästen für verschiedene Vögel, die wiederum die Waldjugend auch fertig stellt. Meisenkästen werden zum Beispiel an Eichen gehängt. Sie fressen Eichenprozessionsspinner. Eine Win – Win – Situation sozusagen für die Eiche und die Meise.

Auf dem Gelände stehen achteckige Glasschaukästen, die ich von früher vor dem Umbau der Fußgängerzone aus meiner Geburtsstadt kenne. Sie sind hier gelandet. In ihnen tummeln sich die ausgestopften Waldtiere. Sie sind alle eines natürlichen Todes gestorben, betont Ulrich Trockle immer wieder.

Die Glasschaukästen aus der Fußgängerzone haben einen vernünftigen Sinn bekommen

Die Glasschaukästen gibt es allerdings immer noch in den ein oder anderen Ruhrgebietsstädten. Kürzlich entdeckte ich einen in der Fußgängerzone in Bochum-Gerthe und in der Fußgängerzone in Recklinghausen standen ein paar. Meist waren sie leer und sehr verwahrlost. Leider! Hier auf dem Vereinsgelände zeigen sie anschaulich die Wald – und Wildtiere für jede Generation.

Veranstaltungen und Feste

Das Frühlingsfest mit ökumenischem Gottesdienst ist jährlich das größte Event mit den meisten Besuchern. Vor Ort üben die Jagdhornbläser. Immer wieder werden verschiedene Aktionen in der Natur gemacht. In der großen Vereinshütte können Feste gefeiert werden auch on externen Gruppen gegen eine kleine Spende.

Der Innenraum des Festsaals des Vereins mit eigener Zapfhahntheke aus einer ehemaligen Gaststätte von Kirchhellen

Jährlich finden die Jägerprüfungen vor Ort statt und es werden unterschiedliche Seminare durchgeführt.

Historie und Engagement

Das Gelände war ursprünglich ein Schießstand von Polizei und Jägern. Schon seit dem 1. Weltkrieg wurde hier das Schießen geübt. Als die Polizei es zuletzt nicht mehr nutzte, verfiel die Hütte. So hat sich Heinrich Tenhumberg die Idee in den Kopf gesetzt daraus einen außerschulischen Lernort herzurichten. Die 21 Grundschulen und Förderschulen und Kindergärten wurden direkt eingebunden. Er war bis 2010 Vorsitzender des Kreisverbands. Bis heute führt Peter Pawliczek das WPZ den Vorstand, wie es abgekürzt heißt.

Insgesamt unterstützen 10 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie etwa 130 Freiwillige bei den jährlichen Pflanzaktionen den Verein. Bei der nächsten Pflanzaktion bin ich der 131 auf jeden Fall!

Sponsoren und Mitgliedschaft

Die Arbeit wird durch Mitgliedsbeiträge ermöglicht. Pro Jahr kostet es nur 26 €, davon gehen 13 € an die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Das Ganze wird durch Sponsoren unterstützt, um entweder die Setzlinge, die jährlichen Pflanzaktionen oder auch Flächen anzubieten, wie Stremmer – Sand und Kies, Wald und Flur GmbH, Metallbedachung Markus Kremer, Euroquarz und der Baumdienst Enbergs, sowie die beiden örtlichen Banken, Vereinte Volksbank und Sparkasse Bottrop. Natürlich sind immer neue Sponsoren herzlich eingeladen.

Blick in die Zukunft

Ulrich Trockle plant bereits die Pflanzflächen für die Jahre 2027 bis 2029. „Die größte Herausforderung ist, geeignete Flächen zu finden“, betont er. Dabei wird stets auf nachhaltige Waldwirtschaft geachtet: Der Eigentümer der Flächen übernimmt die Pflege und kann Bäume später nutzen. Zwischen 20 und 60 Jahren dauert es, bis ein Baum „erntereif“ ist.

Aber sie ist gleichzeitig auch eine Möglichkeit eines Landwirts generationenübergreifend in der Forstwirtschaft tätig zu sein, wenn die Flächen klima- und naturgerecht nutzbar gemacht werden. Niemand kann voraussehen, wie lange in der Kirchhellener Heide Sand und Kies weiter abgebaut werden. Wenn dort eine Fläche frei wird, dann ist das in der Zukunft auch eine Möglichkeit für den natürlichen Strukturwandel, wo keine Grundstücke für Häuser bereitgestellt werden, sondern eher die Natur sich normal weiter entwickeln kann.

„Wir wollen, dass vor allem die Kinder positive Erlebnisse mit nach Hause nehmen“, so Trockle, Ein Ziel bleibt klar: Natur erlebbar machen und kommende Generationen für den Wald begeistern und für den Erhalt ihres eigenen Planeten pädagogisch zu unterstützen.

Fazit

Ich wollte sofort dabei sein, ob ich in Bochum wohne oder in Gelsenkirchen wohnen würde. Es ist ein Verein, den es zu unterstützen gilt für die nächsten Generationen. Die 26 € tun mir nicht weh im Jahr. Dafür lasse ich einmal einen Restaurantbesuch aus und gebe das für einen sehr guten Zweck aus, nämlich den Erhalt der Natur und die pädagogische Nutzung für die Zukunft unserer nächsten Generationen. Ich habe keine Kinder, so unterstütze ich das erst recht!

Außerdem ist er eine Vorbildfunktion für andere Städte im Ruhrgebiet. Ich hoffe, das ich das nun über die Stadtgrenzen hiermit bekannter gemacht zu habe.

Mitmachen – Kontakt – Sponsoren – Links

Wer da auch mitmachen möchte, eine Waldfläche zur Verfügung stellen kann oder den Verein einfach nur mit einem Mitgliedsbeitrag unterstützten möchte, kann sich beim WPZ melden:

SDW KV Bottrop e.V.
Ansprechpartner: Ulrich Trockle

Ruhehorst 14
46244 Bottrop
Deutschland
Tel.: 
0204585111
E-Mail:
kontakt@sdw-wpz-bottrop.de

https://sdw-wpz-bottrop.de

Sponsoren:

Stremmer Sand + Kies

Wald und Flur GmbH & Co KG

Konzept-Metall-Bedachungs GmbH in Bottrop | Leistungen auf dem Dach

EUROQUARZ – Quarzsand, Quarzkies & Filterkiesprodukte

Baumdienst Enbergs GmbH – Home

Vereinte Volksbank

Sparkasse Bottrop

FOTOGALERIE (c) André Brune

Eine Bottroper Landkarte, mit den eingezeichneten Waldgebieten vom Waldpädagogischen Zentrum
Der Kräutergarten
Das Backhaus im Kräutergarten
Die Baumzuchtbeete hinter dem Kräutergarten
Informationstafeln zu den Kräutern
Das Imkerhaus des ältesten Imkervereins in der Stadt Bottrop
Die Waben tropfen den Honig anschaulich aus
Wilde Orchidee
Bienen in Aktion
Die Mufflons sind neugierig, aber scheu (c) André Brune
Hornissen kämpfen um Essen
Das Wildschweingehege
Die Wildschweine freuen sich über Besuch
Viel wildes Grün für Insekten und Bienen an der Obstwiese
Die Nachhaltigkeitshütte für pädagogische Erklärungen von Müll in der Natur
Streuobstwiese
Die Glasschaukästen aus der städtischen Fußgängerzone
Die Glasschaukästen aus der Fußgängerzone haben einen vernünftigen Sinn bekommen
Ein großes Insektenhotel
Giftige Pflanze: Gefleckter Aronstab - nicht mit Bärlauch verwechseln!
Die Ziegen
Das Brabanthuhn spielt Eminem. Der Goldklunker fehlt.

Malin Ostermann und das Mundartprojekt Dialektatlas – Gehört Ruhrdeutsch dazu? I +Videopodcast I +Podcast #110

Es gibt einen Dialektatlas, der die regionale Mundart aus den Regionen des Mittleren Westens für die Ewigkeit online mit Hörproben und Schriftlich festhalten wird. Malin Ostermann arbeitet an dieser Studie seit einigen Jahren mit. Sie hat mir auch die Antwort auf die Frage gegeben, ob Ruhrdeutsch in der Form ein Dialekt ist oder ein Regiolekt. Sie hat mir aber auch einen interessanten Einblick gegeben in die Sprachgeschichte und warum das Mammutprojekt so wichtig ist die nun sterbenden Dialekte zu bewahren für die Nachwelt.

Schaut doch einfach mal ins Video oder hört in den Podcast rein:

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Mehr Informationen

Malin Ostermann ist eine der Mitarbeiterinnen von der Universität Bonn an der Philosophischen Fakultät für Germanistik, vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung. Das Projekt „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW)“ wird von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste gefördert. 2016 wurde es gestartet. Es wird nach einer Laufzeit von unglaublichen 17 Jahren 2032 abgeschlossen sein.

In vielen Regionen werden immer noch Menschen gesucht, die sich als „Gewährsperson“ zu einer „Erhebung“ bereit erklären, also Menschen, die bereit sind dabei freiwillig mitzumachen bei der Studie. So sollen aussterbende örtliche Mundartdialekte in den nachfolgenden Generationen nicht vergessen werden. In der Form der Digitalen Sprachverarbeitung ist das bisher für diese Region noch nie gemacht worden. Das Thema Sprache ist zwar trocken, aber wir haben einen wirklich spannenden Einblick in die regionalen Dialekte. Das Ruhrgebiet als solches ist auch vertreten, es könnte aber noch besser werden. Denn der Kreis Recklinghausen ist noch ein weißer Fleck, wo sich bisher noch niemand gefunden hat, der sich bereit erklärt hat mitzumachen. Dabei ist das gar nicht so schwer.

Wie läuft das Projekt „Dialektatlas“ ab?

  1. Recherchieren – An allen Standorten wird recherchiert, wo Befragungen stattfinden können und sollen. Das Projekt basiert auf den Sprachwissenschaftler Georg Wenker aus dem 19. Jahrhundert, der zum ersten Mal einen Großteil der Dialekte in Deutschland erforscht hat und entsprechende „Dialektgrenzen“ dadurch ermittelt hat.
  1. Kontaktieren – es werden über Heimatvereine, Ortsvorsteher und Bürgermeister *innen nach den „Gewährspersonen“ kontaktiert, die Interesse haben einen Fragebogen, der die „Ortsfestigkeit“ feststellt, also wie lange die Person dort wohnt, also wie fest sitzt sozusagen der Dialekt oder auch nicht. Dann wird ein Termin vereinbart, und die Person wird aufgesucht um zu
  1. Befragen & Aufnehmen – Malin Ostermann ist eine sogenannte „Exploratorin“, die dann anhand von einem Fragebuch Ausdrücke aus dem Dialekt prüft mit Bild- und Satzkarten und kleinen Videos. Die Befragung wird komplett aufgenommen und gespeichert. Keine Angst. Es wird kein Schindluder getrieben, sondern mit dem Datensatz und der Aufnahme natürlich rein wissenschaftlich umgegangen. Die Sprachdaten werden gespeichert und bei eingesprochenen Wörtern, wie zum Beispiel Kartoffel, wird dann das ausgesprochene Wort herausgefiltert und dem Dialektatlas online zugeführt.
  1. Sichern – Natürlich werden die kompletten Daten der Personen und Sprache getrennt voneinander digitalisiert und verschlüsselt über eine projektinterne Plattform. Alles nach Datenschutzgesetz für die weitere wissenschaftliche Bearbeitung.
  1. Aufbereiten – Etwa 800 Fragen werden durch entsprechende Bearbeiter*innen bearbeitet. Sie schneiden die Dialektwörter aus den Aufnahmen heraus zur Transkription in die entsprechende Lautschrift. Und es wird noch eine spezielle Analyse durchgeführt auf linguistische Phänomene.
  1. Hören & Sehen – Nachdem dieser mühsame Fragenkatalog gestellt, gesichert und aufbereitet, sowie analysiert wurde, kommen die Sprachbeispiele und ihre laiengerechte Verschriftung auf die sogenannten „Preview-Karten“. Das ist der Dialektatlas, der zum Teil auch gehört werden kann, was Malin mir im Podcast am Laptop zeigt. So wird ein Vergleich gemacht werden können zwischen den Orten. Manchmal eben hat ein Nachbarort eine andere Aussprache zur Kartoffel. Das liegt an den Sprachinseln, die früher eben waren, weil die Menschen mangels Geld und Möglichkeiten eben nicht verreist waren und immer im Ort blieben. Oder sie veränderten sich, weil sie Zuwanderung hatten oder sich mundartig eben ausgetauscht haben. Ohne Vergleichsdaten kann man das alles nicht genau feststellen.
Flyer zur Übersicht: 2024-06-17_DMW_Flyer_A5.pdf

Ich persönlich finde es faszinierend, dass es diese besondere Studie gibt, um die alte Sprache des Alltags in den Regionen für die Nachwelt festzuhalten. Ich finde sie auch sehr wichtig. Denn ich merke seit einigen Jahren, wie sich unsere Sprache verändert durch die Globalisierung, dem Internet, den abgehakten Nachrichten in den Chatrooms eine Verschwimmung der Dialekte hin zu reinem Hochdeutsch mit vielen englischen Wörtern, die oft grausig auch in der Werbung die deutsche Sprache verunstalten. Der englischsprachige Einfluss wird immer größer, aber es lässt auch deutsche Wörter in den englischen Sprachraum zu. So wird das deutsche Wort „Wanderlust“ weltweit für die wirkliche Freude zum Wandern genutzt. Da kann man sich aufregen, wie man möchte. Die Einflüsse können nicht getilgt werden. Sie werden sich auch weiter verändern werden in der Zukunft. Das ist ein normaler Vorgang seitdem wir als Mensch angefangen haben zu sprechen.

Sprachveränderung

Es passiert gerade durch den globalen Einfluss in der Sprache sehr viel, da wird die Regionalität eher vergessen. Die Jugendsprache hat jedes Jahr neue Wörter, die auch im Duden aufgenommen werden. Ein Komitee von Sprachwissenschaftlern, die neue Wörter aufnehmen, die immer mehr den deutschen Sprachraum übernehmen, prüfen aber auch, ob es Wörter gibt, die kaum noch gesprochen werden. So gehen auch ältere kaum genutzte Wörter wieder aus dem Duden heraus. Das war schon immer so. Man kann sich über die Jahrzehnte die alten Duden mit neuen vergleichen und wird mit Sicherheit große Veränderungen vorfinden. Aber wer liest schon einen Duden, der höchstens zum Nachschlagen einzelner Wörter genutzt wird, um zu wissen, wie es geschrieben wird?

Alte Wörter im regionalen Bereich gehen somit auch verloren. Die Wörter werden ersetzt durch andere oder entwickeln sich weiter. Diese Studie rettet sozusagen die Mundart der Regionen und die entsprechende große Vielfalt, so wie es schon im Süden Deutschlands gemacht wurde.

Österreich, die Schweiz, Bayern und Baden-Württemberg sind da schon fertig mit der Sprachforschung. In Deutschland liegt es bei der Kulturhoheit der Länder. Der Norden und auch Osten Deutschlands sind noch weiß. Dort gibt es so eine großangelegte Dialektforschung noch nicht oder nur im kleinen Rahmen. Es wäre schon spannend zu wissen, in wie fern sich dort der niederdeutsche Dialekt entwickelt hat, der einen großen Einfluss für das Ruhrgebiet hatte bis heute. Für diesen Bereich im Ruhrgebiet und drumherum gibt es die Erhebung nun.

Durchgeführt wird die Studie und das Werden vom Dialektatlas der mittleren westdeutschen Gebiete an den Universitäten in Siegen, Paderborn, Münster und in Bonn. Ich war zum Gespräch eingeladen worden in Bonn. Dort besteht die Projektleitung aus Prof. Dr. Claudia Wich-Reif (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn). Außerdem sind zuständig Prof. Dr. Petra M. Vogel an der Universität Siegen, Prof. Dr. Helmut Spiekermann von der WWU Münster und Prof. Dr. Doris Tophinke von der Universität Paderborn.

Malin Ostermann und der Dialektatlas

Kennengelernt habe ich Malin Ostermann bei dem 100 Jahre Fest vom Verein Komm-Ommend, der die regionale Mundart in Essen – Werden das Waddisch noch pflegt und hegt (Hab ich im Podcast/Blogbeitrag drüber berichtet: Waddisch – Ruhrpottologe – André Brune). Doch auch dort ist der Verein überaltert, das Interesse in Werden leider sehr gering mitzumachen, weil es im Alltag nicht mehr verwendet wird. Mir machte es Spaß den Podcast mit Marc Real zu machen, der enthusiastisch den Verein mit jungem Esprit am Leben erhält und auch junges Publikum anspricht. Natürlich war ich Feuer und Flamme einen Podcast mit Malin Ostermann zu machen über das Projekt Dialektatlas. Sie lud mich nach Bonn zu ihrem Sprachinstitut der Universität ein.

Malin ist früh mit ihren Eltern durch deren Arbeit nach Portugal gekommen. Sie begeisterte sich schon früh für Sprachen. Sie hatte auch nicht gewusst, dass in Portugal an der Algarve anders gesprochen wurde als in Norden bei Porto. Für sie war, wie auch für uns Außenstehende Portugiesisch eine einheitliche Sprache. Aber es ist dort genauso regional unterschiedlich, wie in Deutschland zwischen Bayern und Schleswig-Holstein.

Mit 18 kam sie aus Portugal zurück nach Deutschland und hat in Siegen den Bachelor in Sprachwissenschaft und in Bonn den Master in Germanistik gemacht. Ursprünglich war die Dialektforschung nicht ihr Ziel. Sie hatte das eher nebenbei im Studium kennengelernt. Professorin Wich-Reif bat sie für das Projekt zu bleiben und mitzumachen, was sie mit Begeisterung auch unterstützt. Sie ist einer der Exploratoren. Sie macht die Erhebungen vor Ort bei den Probanten, die das Projekt mit ihrem Mundartdialekt unterstützten.

Malin Ostermann schreibt an einer Doktorarbeit im Rahmen des Projekts, das eigentlich nur im Inneren der deutschen Grenzen hält. Sie wurde gefragt, ob sie nicht über die Grenzen hinausschauen möchte Ich wünsche ihr viel Erfolg dabei und denke, dass sie wirklich eine tolle Doktorarbeit hinlegen wird, die sich eben mit der deutschen Sprache im Grenzraum beschäftigt. Das wurde bisher eben auch nicht gemacht. Dort wird hier und da auch Deutsch gesprochen oder einzelne Wörter aus dem Deutschen beeinflussen den dortigen Dialekt stärker als im Inland.  Es ist eben auch so, dass auf der belgischen, wie auch auf der niederländischen Seite, sowie auch in Luxemburg und auch Frankreich, wie in Elsass und Lothringen Deutsch gesprochen wird.

Dort hat sich mit Sicherheit eine eigene Mundart entwickelt mit mehr Einfluss von Flämisch, Niederländisch und Französisch. Umso spannender ist es herauszufinden, wie nah sie an dem Wort Kartoffel sind oder nicht. Denn vom Erdäppel bis zum Krumper ist die Kartoffel allein in Nordrhein-Westfalen ein einziges Wortphänomen in den verschiedensten Regionen. Sie erklärt mir auch, dass wenn kleinräumig geschaut wird, jeder Ort einen unterschiedlichen Begriff sogar hat für zum Beispiel die „Kartoffel“.

Es gibt viele Gründe warum die Sprache sich früher noch nicht und später mehr verändert hat, besonders im Ruhrgebiet. Die Menschen konnten früher nicht verreisen. Sie hatten kein Geld. Sie arbeiteten, um zu überleben immer meist an einem einzigen Ort, gingen nie weg und starben dort. Sogenannte Sprachinseln entstanden, so wie eben das Waddisch in Essen-Werden, das genauso anders ist als z.B. in Werne an der Lippe oder in Duisburg-Meiderich früher gesprochen wurde. Durch die Industrialisierung und Einbindung in die Großstädte, dem Einwandern von fremden Arbeitskräften wurde nach und nach auch der Heimatdialekt dem Tode geweiht. Nur vereinzelt wehren sich ein paar Vereine im Ruhrgebiet noch und erhalten die Sprachtradition und haben sichtlich Spaß daran.

Die heutige deutsche Sprache entstand ursprünglich aus dem Indogermanischen. Durch Völkerwanderungen hat sich auch die Vermischung und später die weitere Sprache in den Orten weiterentwickelt. Es gibt die schon erwähnte Benrather Linie. Sie trennt das Althochdeutsche von den anderen germanischen Sprachen auch vom Englischen. Georg Wenker prägte diesen Begriff 1877, als er bei seinen Forschungen die sprachliche Veränderung nah bei Düsseldorf am Rhein feststellte, wo sich das Niederdeutsche/Niederfränkische vom Mittel- und Oberdeutsch durch Lautverschiebungen in der Sprache veränderte. Er legte eine Sprachkarte fest, die in den Räumlichkeiten des Instituts hängt.

Martin Luther, Duden und Potten

Was mit Martin Luther im 16. Jahrhundert mit dem Druck der Bibel auf Deutsch begann, mit dem Rechtschreibwerk von Konrad Duden fortgeführt wurde, haben die Schulen und auch Eltern geschafft. Erziehungstechnisch wurde den Schüler und Schülerinnen das Hochdeutsch oft genug gewaltsam mit dem Lineal auf den Fingern oder auch Prügel zu Hause eingeprägt. Man wollte ihnen die „Dialekte“ austreiben. Sie waren nicht mehr schicklich zur Neuzeit. Sie sollen verstanden werden in allen Teilen des Landes. Die „Einheitssprache“ des vereinten Deutschen Reiches unter den Kaisern bis in die Zeit der Bundesrepublik setzte sich mehr und mehr durch. Es gibt aber noch in den Bundesländern Sachsen und Bayern, sowie auch Baden-Württemberg genügend Leute, wo durch Vereine und Initiativen auch die Jugend angeregt wird den Dialekt zu pflegen.

Im Ruhrgebiet kann man das nicht unbedingt pflegen, im Gegenteil, alles was überlustig klingt ist eher witzig, eine Verulkung der wirklichen echten Sprache, die zum Teil noch gesprochen wird. Klar kann man das auch in die Welt tragen, aber es ist nicht echt. Es ist mundartlich lustig. Was humorvoll ist, mögen die Leute der Region. Das ist keine Frage. Ich schalte auch um, wenn ich will und ich kann. Ruhrdeutsch ist eben nicht Tegtmeier, Knebel und Pottfluencer, der die Pottsprache in die Welt bringen möchte. Alles witzig keine Frage, aber so lustig es klingt, so abgedreht spricht niemand und hat auch niemand so gesprochen früher, wie heute. Einzelne Wörter vielleicht. Das ist Comedy und nicht die Sprache, nicht der Regiolekt. Aber es ist der Mainstream, der die Sprache für kurze Zeit noch einmal hochholt und mit Witz aufrecht erhält. Das hat mit der Studie insgesamt wenig zu tun bis gar nichts. So gut wie kein Wort wird so richtig übernommen werden, weil viele Ausdrücke auch aus meiner Jugendzeit stammte der 1980er und 1990er Jahren und nicht aus der Zeit der Urgroßväter von damals.

Ist Ruhrdeutsch ein Dialekt?

Eindeutig sprachwissenschaftlich gesehen NEIN! Klar kenne ich, wie alle Einwohner*innen, die hier groß geworden sind viele Wörter. Aber kommen denn die Wörter meist aus dem Ruhrgebiet, die der Pottfluencer Daniel Aßmann seit einem Jahr so gern in einem eher Comedy-Ruhrkauderwelsch raushaut? Ruhrcomedy ist lustig, aber nicht echt.

Das ist witzig. Daniel macht es gut. Ich hab damit in gewisser Form mit zu langen Videos und Erklärungen vor fünf Jahren begonnen. Dennoch wollte ich das Ruhrdeutsch nicht verulken, sondern die Alltagssprache nutzen, um einzelne Wörter zu erklären. Die Anfänge sind in Facebook zu sehen und werden von mir nun neu aufgelegt. Damals fand ich bei fast allen bisher besprochenen Wörtern heraus, dass sie ins Ruhrgebiet eingeschleppt wurden oder eigentlich aus der Zeit der Benrather Linie stammen, also schon hier durch das Niederdeutsche im normalen Sprachgebrauch festgestanden haben. Andere wiederum kamen von woanders her, werden auch woanders gesprochen und sind deswegen auch keine Pottwörter, die in die Welt getragen werden müssen. Ich mag den Spaß ja und ich möchte ihn wirklich nicht verderben!  

Viele stammen nicht wirklich von hier und sind deswegen auch keine Ruhrgebietswörter. Wir meinen, weil wir damit groß geworden sind, dass es zum Ruhrdeutschen gehört. Einige Wörter stammen aus der Jugend und sind auch woanders zu hören. Die Wörter Maloche und Kasalla, sowie Fiesematente stammen von woanders her, was ich beim Recherchieren herausfand. Sie sind bekannt, aber nicht aus dem Ruhrgebiet. Sie haben nur in den Regiolekt Einzug erhalten und wurden im Sprachgebrauch auch gut genutzt.

Die Sprache des Ruhrgebiets hat sich im Laufe der Industrialisierung verändert durch Zuwanderung aus vielen Teilen des damaligen Deutschen Reiches, wie auch durch das örtliche Hin- und Herwandern, da hin zu gehen, wo Arbeit ist, so dass die Sprache sich verändert hat. Die ursprüngliche Mundart hatte nicht mehr die Kraft sich durchzusetzen. Sie verlor an Bedeutung, wie es eben um das Ruhrgebiet herum gerade passiert, wo diese Art der Zuwanderung nicht passiert ist. Es passiert jetzt durch verschiedene Eindrücke der Globalisierung.

Dialektuntergang

Die wirklich echte ruhrdeutsche Sprache mit Wörtern, die wir in unserer Jugend oder in der Jugend der Generation meiner Eltern und Großeltern oder noch älter gesprochen wurde, geht nun nach und nach verloren. Das ist schade, aber das war und ist immer schon der Lauf der Dinge. Wir sind inmitten einem Prozess des Sprachwandels, den wir ältere nicht wahrhaben, den wir festhalten wollen. Aber auch das Althochdeutsche wurde im Laufe der Jahrhunderte vom Mittelhochdeutschen und dann vom Hochdeutschen ersetzt. Das ist nun eben auch im Ruhrgebiet der Fall. Es gibt kaum noch Arbeiter, die die lässige Art haben, die üblichen bekannten Wörter weiter zu nutzen. Sie gehen nun nach und nach in Rente.

Eltern gaben ihren Kindern im Ruhrgebiet früher auch mit, dass die ruhrgebietsartige Aussprache eine eher minderwertige Arbeitersprache war. Sie wollten sie zu etwas besseren bekehren, damit sie in der Gesellschaft überall anerkannt werden, statt aus dem grau-schwarzen Loch der Industrie zu kommen, die ärmlich war und im Rest von Deutschland als schmutzig angesehen wurde. Obwohl ohne das Ruhrgebiet wäre Deutschland nicht das von heute möglich gewesen. Das, was in anderen Teilen Deutschlands tatsächlich noch normal ist in ganz Deutschland, schien im Ruhrgebiet einen schlechten Eindruck nach außen zu machen, wer mit „Dat“ und „Wat“ kam, obwohl es in Köln, in Münster, Hamburg und Rostock durch den Einfluss des Niederdeutschen eigentlich normal ist bis heute.

Das Ruhrgebiet liegt nun mal nördlich der sogenannten „Benrather Linie“, wo das Niederdeutsche, die plattdeutsche Sprache normal war. Im Ruhrgebiet teilt sie sich in den westfälischen und sauerländischen, den münsterländischen Sandplatt, sowie dem Rheinländischen (Achtung!:) Dialekt.

Ebenso hat sich viel verändert nicht nur durch Zuwanderung. Im Laufe der Jahrhunderte und dem letzten Jahrhundert kamen auch Einflüsse durch Besetzung von französischen Truppen unter Napoleon, sowie auch viel früher noch durch das Durchstreifen von Söldnertruppen im 30jährigen Krieg.

So weit zur Geschichte müssen wir allerdings nicht zurückgehen, um das Studienprogramm heute zu unterstützen, damit alte Wörter auch in der Zukunft noch hör- und lesbar sind. Dafür sorgt Malin Ostermann, die in Cottbus geboren wurde.

Dialektpionierforscher Georg Wenker

Der schon erwähnte Georg Wenker war der Pionier der Dialektologie. Er machte die erste Erhebung der deutschen Dialektsprache und erstellte daraufhin einen ersten Dialektatlas. Er machte die Benrather Linie fest und zeigte mit dieser Linie, wo der Dialekt sich mundartlich veränderte. In der Sprache wurden unterschiedliche Ausdrücke verwendet, die im Norden normal waren, was im Süden eher nicht der Fall war, wie bei Ik statt Ich oder Dat und Das oder bei Hebben und Haben, auch die Tide und Zeiten sind darin gemeint.

Seit dem zweiten Weltkrieg verschiebt sich vieles. Im Ruhrgebiet selbst sind auch neue Wörter dazugekommen, die nun langsam auch wieder ihre Bedeutung verlieren. Sie wanderten durch die ostpreussischen Flüchtlinge ein, so wie 50 Jahre vorher polnische Einwanderer taten. Im Bergbau ist der Motek noch ein Begriff für den Hammer. Doch der Bergbau ist zu Ende im Ruhrgebiet. Der Motek wird bald auch nicht mehr als Wort benutzt werden in Deutschland, aber in Polen bleibt er bestimmt.

Die Benrather Linie beginnt in der belgischen Stadt Eupen, wo auch heute noch weitgehend Deutsch gesprochen wird. Sie zieht durch die Niederlanden bei Broekhuizen. Bei Kerkrade geht sie in die deutsche Grenze. Dann ging sie von Aachen bis hinter Küstritz, zog durch Berlin (deswegen klingen einige Wörter auch im Ruhrdeutschen nach Berlinerisch und kreuzen sich sprachlich).

Die Linie hat sich nach dem zweiten Weltkrieg verändert. Und sie verändert sich wahrscheinlich heute rasant noch mehr nach Norden bis sie in wenigen Jahrzehnter wahrscheinlich auch Geschichte ist.

Fazit

Die Studie bzw. Erhebung ist umso wichtiger durch die Verschiebung. Auch wenn es eine trockene Materie ist. Für jeden ist es interessant mal in die Region zu gehen, wo wie Wörter anders klingen oder mal geklungen haben. Es ist wie eine Vergangenheit, die durch diese Studie wieder aufgeweckt wird und dann erhalten bleibt. Die Sprache wird sich weiter verändern. Für jede Generation, die älter wird, wird es genauso schwierig zu verstehen sein, wie für unsere Generation. Aber das ist der Lauf der Dinge. Umso wichtiger ist der Erhalt der ganz alten Sprache, wie Dinge früher ausgesprochen wurden. Auch wenn es wenige Menschen wahrscheinlich interessieren wird. Verlorene regionale Sprachen in aller Welt und ihre Wörter gehören zur Geschichtsforschung des Menschen.

Ich werde an der Studie als Gewährsperson bei Malin nochmal mitmachen und dann noch einmal darüber berichten, wie das war. Zeit habe ich noch bis 2030. Dann müsste das noch 2 Jahre lang von mir eingesprochene wahrscheinlich noch ausstudiert werden, um es der Öffentlichkeit auf den Dialektatlas packen zu können…

Wer mehr wissen möchte über die Studie oder mitmachen möchte:

DMW – Dialektatlas Mittleres Westdeutschland

https://www.dmw-projekt.de

Wer mitmachen möchte:

https://www.dmw-projekt.de/#mitmachen

Soziale Medien:

Facebook : DialektatlasDMW

Instagram : @dialektatlasdmw

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Teilnehmende Universitäten:

https://www.iglk.uni-bonn.de/de/forschung/forschungsprojekte/dialektatlas-mittleres-westdeutschland

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Dialektatlas Mittleres Westdeutschland – Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft | Universität Paderborn

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https://www.uni-siegen.de/sisal/

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https://www.uni-muenster.de/Germanistik/cfn/Forschung/projekte/dialektatlas.html

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Zu den Online-Atlas-Karten:

www.dmw-projekt.de/?page_id=748&af=1

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Die PDF-Datei zur Erklärung:

2024-06-17_DMW_Flyer_A5.pdf

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Sprachwissenschaftler: Georg Wenker – Wikipedia

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Sprachgrenze: Benrather Linie – Wikipedia

Interview, Podcast & Bergmannsheil I 18.7.25

Was für ein ereignisreicher Tag!

Erst bekam ich kurz vor dem wichtigen Interviewtermin mit einer Mediafirma an der Jahrhunderthalle Bochum (Infos kommen im Herbst!) noch einen Anruf, wo es um einen Podcasttermin ging mit einem Verein Fitab50 e. V. in Recklinghausen, den ich beim Ruhrdax-Netzwerk im letzten Oktober ausgemacht habe. Der Zumbabereich möchte mit mir einen Videopodcast machen.

Natürlich habe ich da vor ein bisschen mitzuzumben, aber alles bleibt anders…

Durch den Anruf war ich unter Zeitdruck. Wollte ja pünktlich zum Termin kommen. Aber um 10.53 Uhr als ich an der Ampel an der Jahrhunderthalle stand und stand und stand… Kam der Anruf, dass er sich um 10 Minuten verspäten werde.

Natürlich war ich komplett durch das Rasen um pünktlich anzukommen verschwitzt. Hoffentlich kann der bei dem Foto, was er machen wollte, die Schweißflecken wegretuschieren, dachte ich mir da so direkt…

Mit dem Herrn von der Mediafirma habe ich nach dem Foto und Kurzinterview ein Selfie gemacht (kommt im Herbst!). Dabei habe ich den Rucksack abgelegt oben an der Brüstung, wo die Jahrhunderthalle bewundert werden kann.

Zur Zeit findet dort ein Teil vom  Sportfest der Rhein-Ruhr FISU World University Games statt. Das passt natürlich, dass ich ein völlig geniales Foto bekommen konnte, was mit meinem Flaschengefühleprojekt in Verbindung steht.

Die Jahrhunderthalle begrüßt internationale Gäste zu den Universitäts-Ruhrgames

Nach dem Interview sind wir einmal rum, weil unten an der Jahrhunderthalle war alles laut und abgesperrt für Gäste von außen worden. Nach dem Selfie sind wir sind die Treppe runter. Ich musste mein Fahrrad die steile Treppe runterkriegen. Dabei haben wir gequatscht über meine Sprecherarbeit und dabei vergaß ich meinen Rucksack wieder auf den Rücken zu packen. Vor allem, weil ich wieder die mit hässlichen Graffitis beschmierten Historischen Hinweistafeln gesehen habe. Das brachte mich auf dir Palme!

Alle Schilder sind versaut. Der RVR kümmert sich nicht. Echt traurig!
Schild direkt gegenüber! Touristen haben hier kein gutes Bild von dem Westpark. Echt ärgerlich!

Nach 10 Minuten und kurz vor der Verabschiedung, wollte ich ihm noch meine Visitenkarte in die Hand drücken und siehe da: Wo ist der Rucksack?

Da war noch alles gut…

Ich sofort los.  Doch statt mit dem Rad da hoch zu rasen, was ja schneller gewesen wäre, rannte ich wie der schnellste Mann der Welt den Berg hoch und auf der Hälfte macht es Peng und ich musste humpeln.

Schuldig war der Rucksack, der im Bergmannsheil unschuldig blickte auf dem Fußboden der Notfallaufnahme. Warum hat er nicht um Hilfe geschrien als ich ihn alleine ließ?

Ich wusste, dass war keine gute Idee zu rennen, wenn man sich vorher nicht warm gemacht hat und schon gar nicht einen leichten Berg hoch.

Waren die Bänder gerissen? War es eher eine Muskelzerrung. Nein, das Peng war bestimmt ein Muskelfaserriss. So meine Diagnose. Ich hatte das schon mal als Fußballer vom VfB Bottrop in der E-Jugend am ersten Trainigstag in der Halle.

Es war tiefer kalter Winter. Ich gerade 12 Jahre alt oder jünger. Kann mich nicht genau erinnern. Es war ein Geburtstagsgeschenk meiner Schwester Mitglied zu werden in einem Sportverein. Ich war immer schon ehrgeizig jeden Ball zu kriegen. War in der Abwehr immer gerne. Aber war nie ein Typ damals in einen Verein einzutreten. Beim ersten Trainingstag in der Halle war ich schnell bei jedem Ball, wehrte ihn ab, sprang in die Höhe und zack hörte ich ein Peng und konnte nach 15 Minuten schon aus dem Training mit 6 Wochen Pause humpeln.

Vom Team bin ich danach nie mehr richtig aufgenommen worden. Und ich ging nach Hause endgültig nach ein paar Trainigseinheiten nachdem ich soweit wieder fit war. Tja die Nationalmannschaft hat leider einen guten Abwehrspieler verloren…

Und so ahnte ich auch diesmal genau durch diese kindliche Erfahrung, dass es dumm gelaufen ist im wahrsten Sinne des Wortes durch eigene Dummheit und einer schnellen Fehlentscheidung zu rennen statt mit dem Rad hoch zu fahren. Im Angesicht der Situation für den Podcast mit der Autorin Sabine Hofmann im Anschluß sollte doch jetzt nicht scheitern dürfen. Sabine hatte geplant bei schönem Wetter mit dem Fahrrad quer durch Bochum Hofstede im Richtung Stadt zu gurken. Im Rucksack war die Kamera, das Mikro und mein Portemonnaie für ein anschließendes Eis. Das alles hätte ja auch ausfallen können, wenn mein Rucksack geklaut worden wäre.

Nein, mein Wille war da, ich ahnte, der Rucksack ist noch da. Aber ich musste schnell sein!

Er war da. Ich sah den orangen Rucksack von unten. Aber jetzt war auch der kaputte Muskel oder ein Band, eine verletzte Sehne da. Ich humpelte so schnell ich konnte die steile Treppe hoch, nahm ihn von der Bank, dann wieder runterhumpeln. Und nach dem Verabschieden war ich total durchgeschwitzt. Und in 30 Minuten ging es ja weiter… Und jetzt fahren mit dem Rad. Ging das überhaupt?

Interessant, dass der Muskel beim Radfahren sich nicht so bemerkbar gemacht hatte. Ich habe einen Winkel herausgefunden, um es nicht so zu belasten. Nur einen Berg hoch und Schlaglöcher mochte die rechte Wade nicht. Also die Podcasttour würde so fortgesetzt werden können. Wenigstens das.

Glück gehabt! Wie man’s nimmt…

In der Kneipe ‚Speckschweiz‘ in der Hofsteder Straße wartete ich mit einem dort für Kinder kostenlos ausgegeben Wassereis und einem alkoholfreien Fiege Pils, denn Malzbier hatten die nicht.

Speckschweiz in Hofstede ist eine kleine urige Kneipe, die es dort seit 20 Jahren gibt. Dort kann man die üblichen Kneipenspiele spielen. Man kommt mit den anwesenden Personen schnell ins Gespräch. Wahrscheinlich kann man sofort mitzocken. Aber dafür war ich nicht da. Ich wollte meine trockene Kehle vor dem Interview kühlen und befeuchten.

Draußen trocknete das T-Shirt durch die warme Sonne ein wenig. Ein bisschen Parfum musste drauf. Sonst hätte Sabine nachher wegen der Ausströmungen vom Rennen und Radfahren den Termin abgesagt…

Sabine Hofmann mit mir am Startpunkt einer Mietskaserne, die im Trümmerland eine wichtige Rolle spielt

Aber alles ging gut. Das Ergebnis werdet ihr in ein paar Wochen sehen. Wir aßen am Ende kein Eis, sondern durfte mich dazugesellen, was ich sonst nicht machen würde, um nicht zu stören, zu den Freunden, mit denen das Ehepaar Hofmann verabredet war. Aber ich war ausgelaugt, brauchte was zu trinken und etwas zu essen.

Rote Beete Salat mit Sonnenblumenkernen und Apfel. Echt lecker

Ich aß meinen bestellten köstlichen Rote-Beete-Salat im Café Konkret, verabschiedete mich, damit sie allein klönen konnten über das Odental, wo sie wohnt und humpelte quer durch das Bermudadreieck. Es gab neugierige, aber auch mitleidige Blicke. Ich war durch das humpeln mit dem Rad in der Hand (dort ist Radfahren in der Fußgängerzone ja verboten und es war auch zu voll zu der Zeit, es zu riskieren) ein Blickfang. Der einzige, der humpelte. Da ging mir durch den Kopf, dass ich doch lieber zur Notaufnahme fahren sollte. Ich bin ja kein Arzt. Und nachher kann ich morgen gar nicht mehr laufen. Jetzt war noch genug Adrenalin im Blut. Aber ich hatte riesige Vorfreude auf meine Dusche zu Hause, wenn es kein Bänderriss ist, der sofort operiert werden müsste.

Das Unfallkrankenhaus Bergmannsheil von Bochum lag auf dem Weg nach Hause. Also fuhr ich hin. Ich wollte lieber eine ärztliche Diagnose haben vorsichtshalber. Ich musste wissen, wie ich damit umgehen soll.

Auf dem langen Weg zurück zum Haupteingang

Nun ja, wer durch den Haupteingang kommt muss nur den Punkten mit dem Roten Kreuz folgen. Dann allerdings braucht man hunpeltechnisch nur noch ungefähr gefühlt 200 Meter laufen quer durch das Erdgeschoss.

Der lange Weg zur Notfallambulanz im Bergmannsheil

Um 21.30 Uhr war ich da und um 23.30 Uhr war ich dann endlich wieder raus. Der junge Arzt hat einmal geprüft. Die Achillessehne war nicht gerissen. Ein MRT müsste man machen, aber eine Röntgenaufnahme und ein Ultraschall konnte meine eigene Diagnose bestätigen : Muskelfaserriss.

Schonen Sie das den Muskel, sagte er. Nun die 200 Meter zum Haupteingang zurück, wo das Fahrrad stand, war erstmal mit Nichtschonung möglich. Hab dem Pförtner gesagt, dass die doch umme Ecke am Haupteingang noch mal eine Notaufnahme machen sollten. Wie soll ich denn sonst mein Bein schonen, wenn ich erstmal meilenweit laufen muss… Er hat gelacht und dabei zustimmend genickt. Ich verliere ja trotz fluchen, nie meinen Humor.

Man sieht nichts, aber ist ganz schön schmerzhaft…

Es war wie damals beim Fußball im Oberschenkel. Das jetzt im unteren Teil der rechten Wade war aber fpr das Laufen doofer. Immer rechts passiert es. Merkwürdig … Und nun ist das Laufen eher ein Humpeln… Aber was solls. Da muss ich durch und ausgerechnet jetzt, wo ich im Garten was machen wollte, der gerade wieder überwuchert, beim Zumba Podcast mitmachen wollte, bei der Gesellschaft Bochum Donezk die zwei LKWs mitpacken wollte, was ich seit Dezember aus Zeitgründen nicht machen konnte und Wander-Gästeführung-Wege ablaufen wollte in der übernächsten Woche, wo ich mir extra Zeit eingebaut habe.

Aber so ist das Leben, manchmal passieren banale Dinge, die von einer Sekunde auf die andere durch dumme Kleinigkeiten zeitlich alles verändern können.

Jeder hat schon solche dumme Situationen erlebt. Jeder wird auch immer wieder so etwas erleben und am Ende kann eine Sache gut, aber auch sehr schlecht ausgehen.

Ich hatte zwar Pech, aber in einigen Wochen geht auch das Laufen wieder und alles ist wieder gut. Jetzt muss ich mich mit der Situation arrangieren, heißt schonen. Was liegt näher, als meine bisher liegen gebliebenen Podcasts endlich zeitlich in den nächsten Wochen in Ruhe bearbeiten zu können, meine Gästeführungsseite endlich fertig zu stellen und mal mit weniger Stress als bisher die nächsten Wochen sinnvoll auch mit Recherchen zu nutzen.

Mitte August ist wieder alles im Lot und die Steuern der letzten drei Jahre sind auch bearbeitet. Als wenn es so sein müsste, dass auch das Finanzamt alle Unterlagen endlich von mir bekommt, weil ich ja jetzt Zeit habe, das auch ganz in Ruhe zu machen.

Obwohl Lust hab ich dazu nicht. Wer hat schon Lust auf Steuererklärung?…

Freut euch also auf den ein oder anderen Podcast, die sonst so gar nicht in der Form von anderen entstehen würde mit dem entsprechenden Blogbeitrag mit Fotos und Infos zu den verschiedenen Themen, von den Naturfreunden Verein, über zwei Podcasts zur Suche nach Spuren von Ruhrgebiet in den belgischen Schützengräben vom ersten Weltkrieg, eine alternden Rockergruppe, die schon viel zu lange mit der Veröffentlichung wartet, und natürlich auch der Podcast mit Sabine und ihren in Bochum spielenden Nachkriegszeitromanen. Natürlich starte ich auch wieder mit Jack den Ruhrgebiet erklärt – Podcast. Wir haben beide kaum Zeit gefunden uns miteinander zusammen zu setzen bei Zoom durch meine Vorbereitungen zur Gästeführungsinternetseite.

Doch heute, heute leg ich nur mein Bein hoch und mache erstmal einen Spiele- und Grillabend mit Freunden. Das war verabredet. Den Weg nehme ich auf mich. Das lenkt ab vom Problem. Und muss auch drin sein!

Ich denke, das machen hoffentlich viele von euch! Denn wer weiß, ob der Sommer so sonnig bleibt, wie heute am 19.7. mit 31 Grad. Was mir schon wieder zu warm ist.

Glück auf! Und denkt bitte daran: Nichts vergessen auf einer Bank und dann auch nicht spontan losrennen wie ich Dusselkopp!

Hab schon mal Pflegegrad 1 beantragt…

Flaschengefühle bei den Ruhrgames

Vonne Kohle zur KI I Ruhrgebiet erklärt Folge 12 #105 I +Podcast I +Videopodcast

Der neue Strukturwandel im Revier ist im vollen Gange!

Kein einfaches Thema, aber hochaktuell, denn die KI – Firmen sind die nächsten Kohleschürfer im Ruhrgebiet.

Ich peitsche förmlich mit ein paar Infos auch Jack durch den Podcast, der darüber weniger als ich weiß. Und wir sind auch nur Laien, wollen nur kurz darüber etwas erzählen. 

Der Strukturwandel findet überall statt. Brachliegende Gewerbegebiete werden von Bürogebäuden besetzt in denen Programmierlabore entstehen und das Wettrennen in der Welt eröffnet haben gegenüber dem Weltmarktführer USA.

TEASER

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Der kleine Abriß soll nur eine kleine Aufklärung sein über die Dinge des zukünftigen Arbeitslebens, das sich sehr verändern wird. Das kann alles ein kleiner Podcast nicht aufklären. Dafür müssten wir als Laien sehr viel in die Tiefe gehen. Es hat aber Spaß gemacht so einige Dinge ans Tageslicht zu holen.

Wir haben auch einen Podcast-Tipp: der Podcast AufRuhr vom Regionalverband Ruhr. Es lohnt sich reinzuhören. 

Zum Thema gibt es ein Buch von Max Thinius, ein Futurologe, ‚Von der Kohle zur KI ‚. 

Heute haben wir zu Anfang einen Artikel aus Chronik des Ruhrgebiets zum Jahr 1938 über die Planung der Verkehrswege. Spannend, das sich nicht viel getan hat seitdem… 

Viel Spaß also beim Reinhören oder Schauen!

Shownotes

Chronik – Auszug von 1938

Chronik des Ruhrgebiets
Bodo Hardenberg Chronik Verlag
Nur noch antiquarisch zu bekommen
***
Podcast-Tipp

AufRuhr – Eine Reise durch das (neue) Ruhrgebiet
vom Regionalverband Ruhr

https://open.spotify.com/show/7hPECgmooxKcEmFE1JMi1t?si=aZ7PSHMORXm_zBZuGNMhZg

***
Buch-Tipp

Max Thinius : Von der Kohle zur KI

https://maxthinius.de/neues-buch-jetzt-bestellen-von-der-kohle-zur-ki-von-der-ki-zur-kohle

Auch als Vortrag zu buchen direkt über ihn

 

Wer nur dem Podcast „Ruhrgebiet erklärt“ folgen möchte:

Geschichte von Sterkrade und seine Zeche I Ruhrgebiet erklärt Folge #2 I +Videopodcast I +Podcast Nr 79

Im zweiten Podcast von „Ruhrgebiet erklärt“, erzählen Jack Tengo und ich die Geschichte über den Stadtteil Sterkrade, die Zeche Sterkrade, gewesener Zwangsarbeit und wegen der aktuellen Situation die mittlerweile grüne Fläche mit einer Bebauung zu roden, auch unsere Information und Kritik zu dem alten Zechengelände.

Als Videopodcast:

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 Ein kleiner Abriss der Geschichte von Sterkrade und seine Zeche Sterkrade 

Als „Starkinrotha“ erstmals urkundlich in der Abtei Werden aufgenommen um 890 n.Chr. entwickelte sich das Dorf erst zur Zeit der Industrialisierung zu einer großen stark besiedelten Stadt mit einer eigenen Bürgermeisterei, wo heute über 80000 Menschen wohnen. 

Am 1.8.1929 bei der Neugliederung in der Weimarer Republik kam die vorher mehrmals anderen Städten zugesprochene Gemeinde dann als Stadtteil zu Oberhausen, wo sie bis heute ihr Dasein fristet eingekreist von den Autobahnen A3, A2, A42 und A516. 

Sterkrade besitzt nur einen kleinen Volkspark zur Erholung der Bewohner. Bekannt ist Sterkrade durch die Fronleichnamkirmes, die wir im Podcast nicht erwähnen, weil wir auf die Geschichte eingehen. Über Sterkrade machen wir noch einmal einen Podcast, wie sich dieser Stadtteil so entwickelt hat mit Informationen von vor Ort von mir und Interviews. Also bleibt dran! 

Sterkrade hat eine eigene Innenstadt mit einer großen Industriegeschichte allein durch die GHH – Gute Hoffnungshütte und deren in Betrieb genommenen Zechen vor Ort. Die GHH hat bis zur ihrem Auflösen mit an den Zechen Sterkrade und Osterfeld Kokereien einen weltgroßen Betrieb gehabt und im Zweiten Weltkrieg über 1700 Zwangsarbeiter für den weiterlaufenden Betrieb gesorgt unter menschenunwürdigen Zuständen. Über die GHH werden wir ebenfalls noch einen Podcast allein machen müssen, denn es würde den Rahmen sprengen, darüber zu sprechen.

Die GHH hat 1897 angefangen den Schacht 1 abzuteufen. 1903 fing die erste Förderung an. Durch die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre wurde beschlossen, nach nur 30 Jahren die Schächte 1 und 2 nicht mehr für den Kohleabbau, sondern als Wetterschacht für die Zeche Osterfeld zu nutzen.

So war das mal früher. Plakatwand der Stadt Oberhausen

 

Die Bewetterung wurde bis zur Schließung 1994 fortgeführt. Die umliegenden historischen Gebäude sollten allesamt als Industriedenkmal erhalten werden. Nach acht Jahren wurde es nur das Maschinenhaus mit dem seltenen Fördergerüst eines österreichischen Ingenieurs, er hat auch mitgearbeitet an der Müngstener Brücke und Wuppertaler Schwebebahn:

Anton Friedrich Zschetzsche – Wikipedia

Gegenwart der Zeche Sterkrade

Das Gelände liegt nun 30 Jahre brach und wurde von der Natur erobert. Nun möchte man diese Fläche roden und einer Wohn- und Gewerbesiedlung zusprechen. Natürlich war da mal so oder so eine bebaute Gegend. Doch heute sind die Zeiten anders. Klimawandel und Artensterben sollte bei der Politik auf der Agenda ganz oben stehen. Aber wie so oft, steht Geld verdienen an erster Stelle bei klammen Städten, statt den Bürger und Bürgerinnen eine Erholungszone mehr zu geben. Die Flächenversiegelung ist immens in Sterkrade. Oberhausen selbst gehört zu den zweitversiegelsten Städten Deutschlands.  Umso mehr ist es wichtig das Grün als eine wunderschöne Parklandschaft zu erhalten und dem eingetragenen Industriedenkmal einmal mehr Respekt zu zollen mit der umliegenden grünen Naturlandschaft, statt mit neuen Gebäuden drumherum, die das ganze Denkmal klein machen werden.

Wir sagen viel Spaß und Glück auf  

André Brune @ruhrpottologeTV  (Youtube) &  @JackTengo  

Wichtige Links zum Thema des Podcast: 

https://www.oberhausen.de/ 

https://zeche-oberhausen.de 

https://neue-zeche-oberhausen.de 

https://de.wikipedia.org/wiki/Gutehoffnungsh%C3%BCtte 

https://de.wikipedia.org/wiki/Sterkrade 

https://de.wikipedia.org/wiki/Zeche_Sterkrade 

https://www.industriedenkmal-stiftung.de/denkmale/zeche-sterkrade 

Transkript über die Geschichte der Zeche Sterkrade

Geschichte und Gegenwart Zeche Sterkrade

Heute ist nur noch ein kleines Überbleibsel von der ursprünglichen Zeche Sterkrade übrig, das von der heutigen Von-Trotha-Straße aus besichtigt werden kann. Nur 30 Jahre war die Zeche im eigentlichen Steinkohleabbau tätig. Danach bekam der Schacht 1 eine andere Arbeit zugewiesen. Als 1897 das Abteufen des Schachtes 1 begann, sollte es nur ein Wetterschacht für das Steinkohlebergwerk Osterfeld sein und als zweiter Ausgang für die Zeche Hugo – Haniel dienen. Der allerdings ging durch ein Schwimmsandeinbruch zu Bruch. Also beschloss die Direktion die Förderung in der Bürgermeisterei Sterkrade aufzunehmen. Denn damals war Sterkrade noch eine eigenständige Stadt und gehörte noch nicht zu Oberhausen, sondern wurde erst am 1.4.1926 eingemeindet.

Es gab schon einen ersten Schacht in der Nähe des heutigen Bahnhofs Sterkrade namens Constanzia. Die ersten Gebäude waren ein Kesselhaus und ein Maschinenhaus, wo die Arbeiter sich umkleiden konnten und die Büros eingerichtet worden. Sehr fortschrittlich wurde schon agiert, denn es wurde ein elektrisch betriebener Förderhaspel installiert. Vor Ort gab es große Wasserzuflüsse und es musste mit Luftschleusen abgeteuft werden.

1901 erreichte die Abteufung das Karbon mit 278 m. 1902 erlange man 296 Meter die 1. Sohle, auch 300 – Meter – Sohle genannt. Das war 135 m unter NN. Im gleichen Jahr erreichte man die 2. Sohle in 362 Metern Tiefe. In 85 Meter Abstand wurde ein zweiter Schacht abgeteuft.

Am 26. November kamen bei Sprengarbeiten drei Bergleute zu Tode. Schweigeminute.

Auf dem ehemaligen Aldekampshof wurden die Bürogebäude, die Waschkaue, die Aufbereitung, die Schachtfördereinrichtung und Schachthalle betriebsbereit gestellt. Um wenig Zeit zu verlieren beim An- und Ausfahren wurde eine Lampenstube an die Waschkaue angeschlossen. Hier ging es um neueste Erkenntnisse schneller und effektiver Kohle zu scheffeln.

Die Hauptförderanlage hatte eine Trommelfördermaschine, der Seilkorb hatte einen Durchmesser von 8,5 Metern. Die Nebenförderanlage war als Treibscheibenförderung konzipiert. Schacht 2 war ebenfalls damit ausgerüstet.

Ein großes Zechenkraftwerk wurde im Jahr 1903 ebenfalls in Betrieb genommen mit zwei durch Dampfturbinen angetriebenen Generatoren mit einer Leistung von 475 KW und mit einer Hochdruckturbine ausgerüsteter Generator mit einer unglaublichen Leistung von 1,5 Megawatt.

Die Grubenwässer wurden zum Bergwerk Osterfeld und zur Zeche Hugo abgeleitet und dort nach über Tage gepumpt. 1904 wurde noch tiefer geteuft. Die bisherigen Kohlen wurden für den Eigenverbrauch genutzt, danach konnte es vertrieben werden. 1905 erreichte die Tiefe die 4. Sohle von 563 Meter, das waren vor Ort 522 Meter unter NN.

Schacht 2 wurde mit der 2. Sohle durchschlägig. Zwei Grubenlüfter saugten 12000 Kubikmeter Abwetter ab. Auf der Kokerei der Zeche Osterfeld wurde die Sterkrader Kohle Verkokungsversuche gemacht, die ergaben, dass sich das Verkoken lohnen würde. Also wurde 1907 eine Kokerei mit einer Kohlenwertstoffgewinnungsanlage eröffnet. Es wurde dort neben Koks auch Teer und Ammoniak hergestellt. Zwei Koksofenbatterien mit jeweils 60 Unterbrennöfen lieferten täglich 570 Tonnen Koks. In den zwei Dampfkesseln wurde das anfallende Kokereigas verwertet. Zwischen der Kohlenwäsche und den Koksöfen gab es eine Seilbahn. Zwischen der Kohlenwäsche und Bergehalde wurde eine zweite eingerichtet für die bei der Aufberreitung anfallenden Waschberge.

Schon 1911 wurden die Grubenpferde mit druckluftbetriebenen Grubenloks ersetzt auf der 2. Sohle. Mitten im ersten Weltkrieg 1915 wurde das erste Zechenkraftwerk durch ein neues ersetzt mit Dampfkessel, Kompressoren und Generatoren in einem gemeinsamen Gebäude. Die alten Flammrohrkessel wurden durch acht moderne Wanderrostkessel ersetzt. Jetzt arbeitete dort ein Turbogenerator mit einer Leistung von 6000 Kilowatt. 1922 wurde die Zeche an das GHH Stromringnetz angeschlossen und 1925 wurde eine Teerdestillation einstalliert. Anfallende Rohteere von den Kokereien Jacobi, Sterkrade, Osterfeld und Vondern wurden zu Benzol, Terröl, Naphtalin und Pech verarbeittet.

Durch die Weltwirtschaftskrise und den erheblichen Umsatzeinbrüchen in den Jahren 1930/31 bei Kohle und Koks rationalisierte die Gutehoffnungshütte und schloss die Kokerei am 10. Juni 1931 der Zeche Sterkrade. Die Zeche Osterfeld übernahm die weitere Verkokung. Am 1.2.1933 wurde die Förderung eingestellt und als Außenschachtanlage der Zeche Osterfeld zugeordnet. Nur noch die Zeche Osterfeld baute Kohle ab. Sterkrade hatte noch die Seilfahrt und Bewetterung. 1971 wurden die Schächte 1 und 2 in Sterkrade unbenannt zu Osterfeld 5 und Osterfeld 6. 1995 war endgültig Schluss und die Schächte wurden verfüllt. Ursprünglich sollte die gesamte Anlage mit den beiden Fördergerüsten, die Maschinenhäuser und das Kauengebäude erhalten bleiben, aber am Ende blieb nur noch Schacht 1.

Unglaublich 38 Bergleute fingen 1897 an auf dem Bergwerksgelände mit den ersten Arbeiten. 1904 wurde mit 475 Mitarbeitern 70000 Tonnen Steinkohle gefördert. Nur ein Jahr später wurde mit knapp 800 Bergleuten schon 223.348 Tonnen gefördert. 1913 wurde die 500000 Tonnen – Marke überschritten und 1835 Mitarbeiter waren dort beschäftigt. Die höchste Belegschaft war 1922 mit 2815. Im Jahr 1932, da sieht man den unglaublichen Fortschritt, haben nur 1201 Bergleute 424.732 Tonnen Steinkohle gefördert. Es wirkt wie ein letzter Tyrannosaurus Rex in einem großen grünen Dschungel an dem es Radfahrer und Fußgänger wagen vorbei zu laufen.

Es ist ein eingeschössiges Einstrebengerüst der Bauart Zschetzsche und gehört zu den wenigen erhaltenen dreibeinigen Konstruktionen in Nordrhein-Westfalen und den ältesten Deutschen Strebengerüsten. Nur das Schachtgerüst Carolinenglück 3 in Bochum gehört noch dazu.

Das in Fachwerkbauweise errichtete Fördergerüst konnte vier nebeneinanderliegende Seilscheiben aufnehmen, von denen noch zwei erhalten geblieben sind. Es ragt aus der dazugehörigen Maschinenhalle und ist in der Ferne zu sehen gewesen. Mittlerweile sind die Bäume drumherum nach der Schließung so hoch gewachsen und dennoch wird von der RAG Immobilien und der Stadt Oberhausen nun nach so vielen Jahren, denen man der Natur den freien Lauf gegeben hat, es weitgehend zu bebauen mit Wohn- und Bürogebäuden. Klimaneutral und ohne Autozufahrt sollen die Menschen auf einer historischen Fläche mit Blick auf ein besonderes Industriedenkmal ruhig schlafen können…

Ein paar Eckdaten:

Die maximalie Förderung pro Jahr betrug maximal 663.143 t. In der Spitzenzeit von 1903 bis 1933 haben maximal 2815 Bergarbeiter und Angestellte den Kohlenabbau gesichert.

In dreigeschossigen Ziegelbau aus dem Jahr 1903 sind rundbogige Blendarkadenfassaden.

Im ersten und zweiten Geschoss sind hochrechteckige Zwillingsfenster mit Metallsprossen.

Die GHH (Gutehoffnungshütte) war der Verantwortliche Erbauer der Anlage in Oberhausen – Sterkrade, als Sterkrade noch eine eigenständige Stadt war. Der Firma gehörten auch die Steinkohlebergwerke Hugo und Vondern, die 1895 und 1898 entstanden sind.

Rund um den Schacht 1 von Zeche Sterkrade wurde eine Kohlenwäsche, eine elektrische Zentrale und eine Kokerei hinzugefügt und danach stetig weiter ausgebaut.

Ab 1933 wurde der Schacht nur noch zur Bewetterung, Seilfahrt und Materialförderung genutzt. Von da an wurde auch wieder angefangen das ein oder andere überflüssige Industriegebäude wieder abzureißen.

1989 wurde der Zusammenschluß mit der Zeche Osterfeld und dem Bergwerk Lohberg beschlossen. 1994 wurde auch der Übertragebetrieb der Zeche Sterkrade endgültig stillgelegt und verfüllt. Acht Jahre dauerte es bis das Fördergerüst in die Denkmalliste der Stadt Oberhausen eingetragen wurde.

An dem Schacht vorbei führt die historische HOAG – Güterbahnstraße für Spaziergänger und Radfahrer. Das ist die Abkürzung von Hüttenwerk Oberhausen Aktiengesellschaft.

Restauratoren haben sich an die ursprüngliche Farbe gehalten, als es 2012 bis 2015 saniert wurde.

Im Gebäude finden immer wieder Aktionen statt und Führungen.

Das Gelände ist 2900 m2 groß.

Link: https://industriedenkmal-stiftung.de

Aus Wikipedia über den Ingenieur Anton Friedrich Zschetzsche

Kurze Biografie von Anton Friedrich Zschetzsche: Geboren in Zidlochovice in Mähren, das damals Groß Seelowitz hieß am 15.8.1856. Er starb am 31.8.1922 in Mödling. In der Zeit seines Lebens war er österreichischer Brückenbau-Ingenieur und Hochschullehrer. Er war Mitarbeiter von Anton von Rieppel beim Bau der Müngstener Brücke und bei Max Carstanjen bei der Konstruktion der Wuppertaler Schwebebahn. Außerdem hinterließ er seine Zechenhandschrift auch bei der Zeche Minister Achenbach in Lünen.

Hinweis:

Über die Geschichte von Sterkrade gibt es einen Link oben zum historischen Wikipedia – Sterkrade – Beitrag, den wir genutzt haben. Sterkrade selbst wird noch einmal Thema sein, um über den Wandel der Geschichte bis heute darzustellen an Hand von Interviews, Informationen und Begehungen.

Wer nur diesen Podcast folgen möchte, kann es gern tun. Er ist bei mir noch einmal ausgekoppelt als eigenständige Podcastreihe für die Interessenten, die nur das Hören möchten:

Neuer Podcast startet! Ruhrgebiet erklärt #1 I Der Bergbau und seine Heiligen I Städte, Geschichte, Geschichten und Persönlichkeiten mit Jack Tengo I +Buchempfehlung I Licht im Schacht von Manfred Keller I +Videopodcast I +Podcast

Mit „Ruhrgebiet erklärt“ erscheint eine neue Podcastreihe zusammen mit Jack Tengo. Sie startet ihre Premiere am 31.8. um 12 Uhr und kommt ab sofort nun alle zwei Wochen auf Youtube und den Podcast – Kanälen.

Wir nehmen es auf Zoom für das lieber zuschauende Publikum auf und laden es auch gleichzeitig als Podcast hoch:

 

zu Sehen als Video im Youtube-Kanal :

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Mehr Informationen
Collage: Manfred Keller. Licht im Schacht I Titelcover und Rückseite mit ISBN-Nummer (C) F.A. Gimmerthal KG Verlag

Schon lange wollte ich das ein oder andere von und über das Ruhrgebiet im Podcast erzählen. Es macht aber mehr Lust, wenn man jemand Gleichgesinnten trifft. Mit Jack Tengo habe ich zusammen schon den Quasselsalat bzw. Quasselkompott gemacht. Allerdings haben wir uns da über alltägliche Nachrichten mit Humor und Aufregung ausgelassen. So lustig und manchmal auch spannend das war, wir stellen diesen Podcast ab sofort ein. Zumal wir den nur sporadisch gemacht haben. In der ganzen Zeit hatten wir leider Todesfälle in der Familie und mussten uns um andere Dinge kümmern. Also lag es nahe nach seinem Schicksalsschlag von diesem Jahr abwartend nun zusammen diesen Podcast zu kreieren.

Nun starten wir neu mit dem Thema, was mich als Ruhrpottologe schon seit drei Jahren umtreibt und machen nun den weitaus spannenderen Podcast über das Ruhrgebiet auf.

Wir beginnen mit einer Buchbesprechung und nehmen das Thema abschließend nach unserem gemeinsamen Podcast über die Heilige Barbara nochmal auf und sprechen über die anderen vorhergehenden Schutzpatronen der Bergleute: Daniel, Anna, Christophorus und Andreas.

zu Hören als Folge Nummer 77 in der Podcast-Reihe „Ruhrpottologe unterwegs“ zu hören:

Als neue eigenständige Reihe “Ruhrgebiet erklärt“ zu hören und abonnieren:

Zum Autor und Buch

Manfred Keller, geboren 1940, ist Doktor der Theologie und war langjähriger Leiter der Evangelischen Stadtakademie in Bochum. Er hat ein knapp 50 seitiges Buch über die Verbindung der Heiligen mit dem Bergbau, darunter auch die schon von uns gepodcasteten Heilige Barbara, geschrieben.

Kurzweilig und spannend mit reichhaltigem Bildermaterial ist es zu lesen. Wir haben das Buch nicht nur zu empfehlen, sondern strickten mit den weiteren Informationen unter anderem den Podcast als Abschluss zur Heiligen Barbara, der größten Schutzpatronin der Bergleute.

Es ist neben einer Buchbesprechung, ein Thema, dass über die Jahrhunderte die Menschheit geprägt hat. Seit den menschlichen Aufzeichnungen haben die verschiedenen Berufszweige Götter gehabt, die bei den Römern Fruchtbarkeit für das Ackerland, den Wettergott oder auch bei Krankheiten einen unsichtbaren Gott angerufen. Die katholische Kirche hat das System durchaus sinnvoll ergänzt für ihre Art des Gottglaubens. Die Heiligen sind die „Vermittler“ zwischen dem Dies- und dem Jenseits, wenn man es so sagen kann.

Das Buch ist sehr empfehlenswert!*

Manfred Keller: Licht im Schacht – Heilige und Schutzpatrone der Bergleute

ISBN: 9783000606083

Verlag F.A. Gimmerthal KG

Licht im Schacht – Gimmerthal Verlag Bochum (gimmerthal-verlag.de)

Denn die katholische Kirche hatte im Gegensatz zum vorherigen römischen Vielgötterglaube ja nur einen einzigen Gott. Die Heiligen traten nun im Vergleich zu den alten Römern als Vermittler auf und wurden angerufen.

Bei steigendem Grubenwasser und drohendem Ertrinken wurde z.B. der Andreas angerufen, bevor es die Barbara wurde. Um einen dicken Flöz zu finden, rief man den Daniel an, den Visionär, dessen Überleben in der Löwengrube im alten Babylon auch „Gruben“-Namensgeber wurde in vielerlei bergbauworttechnischer Hinsicht.

Das Buch hat nur 48 Seiten und erzählt in einer extremen Kurzform die Geschichten der Heiligen und ihre Verbindung zum Bergbau. Dies ist aber so anschaulich gewesen, dass ich kurzerhand beschlossen habe, den ersten Podcast geschichtlich zu nutzen. Denn ohne die Heiligen wäre hier auch der Bergbau anders gelaufen. Auch die Architektur wäre eine andere. Die Barbara taucht in vielen alten Häusern als Relief oder in einer Ecke eingesenkte Statue auf.

Ohne Bergbau kein Ruhrgebiet. Dabei fing der Bergbau eher im Harz und Erzgebirge an, um Eisenerze, Kupfer, Salz und Silber abzubauen statt Steinkohle. Das kam alles hier erst viel später. Auch darüber werden wir berichten. Das Ruhrgebiet ist eine spannende Region.

Es umspannt interessante zusammenhängende Informationen. Es hat tolle Menschen hervorgebracht, auch prominente Persönlichkeiten, die wir besprechen werden, wie Heinz Rühmann.

Wir haben unzählige Themen auf der Agenda und ich bin erfreut diese nun nicht alleine den Zuhörern und Zuhörerinnen zu erzählen, sondern im Zwiegespräch mit dem sympathischen Jack Tengo, der aus dem Osten des Ruhrgebiets aus Werne an der Lippe kommt.

Mit ihm habe ich sozusagen meinen allerersten „Gast“-Podcast gemacht in meinen Anfängen als Ruhrpottologe vor drei Jahren. Wir sind gute Freunde geworden.

Freut euch also auf einen sehr interessanten Podcast über die Heiligen im Bergbau mit einer ordentlichen Prise Humor. Anfangs bei der Vorstellung erzählen wir aber auch, warum dieser Podcast in seiner Form längere Wartezeit hatte und wir nur sehr unregelmäßig podcasten konnten. Aber dann geht’s los. Die nächsten zwei sind auch schon fertig gestellt und werden nach unserem Intermezzo mit der Geschichte und Gegenwartsproblematik zur Zeche Sterkrade alle zwei Wochen Samstags um 12 Uhr erscheinen, auch im Youtube – Kanal bei  mir und bei Jack Tengo. Dazwischen kommen meine eigenen mit Gästen oder ohne.

Wir haben aber nicht immer den Bergbau auf dem Schirm! Die nächsten befassen sich mit dem Thema „Früher war alles besser?“ und „Warum und woher der Begriff Ruhrpott?“

Viel Spaß also mit dem ersten und den Heiligen, der in meiner Podcast – Reihe „Ruhrpottologe unterwegs“ einfach nur nicht der erste, sondern der mittlerweile 77. Podcast sein wird!

Eine Bitte haben wir dennoch:

Schreibt uns Kritik !

Macht Vorschläge über die Dinge, die ihr gerne hören oder und sehen wollt !

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Wir freuen uns auf jeden Fall auf das Feedback !

Glück auf

*Die Buchempfehlung ist keinerlei bezahlte Werbung, sondern war unaufgefordert und ein gern gelesenes Buch!

Wandern mit Esel-Liebe von Lisa Hoffmann in Recklinghausen trifft Kräuterwandern mit Nicole Heppert I +Videos I +Podcast I +Fotos

Eselliebe empfindet jeder sofort beim Wandern mit den niedlichen Eseln bei Lisa Hoffmann von der Bauspielfarm in Recklinghausen-Suderwich. Nach einer kleinen Erfrischungspause hatten wir anschließend eine informative Kräuterwanderung mit Nicole Heppert.  

Zu den Videos:

Bei einer Verlosungsaktion, die ich mit Nicole zusammen gemacht habe, konnten die Gewinnerinnen Annika Baltrusch und Sibylle Bärsch kostenlos teilnehmen. Beide genossen mit der Gruppe den sonnigen Tag mit den pelzigen Tieren und den schmackhaften Blättern unterschiedlicher Pflanzen, die um die Bauspielfarm herum zu finden waren.

Annika Baltrusch & Sibylle Bärsch haben die Verlosungsaktion gewonnen

Sibylle Bärsch lief mit der kleinen Peach , während Annika Baltrusch mit dem tiefenentspannten Erwin lief. Wir hatten Paul an der Leine. Er ist wahrscheinlich der älteste Esel in der Bauspielfarm.

Es zeigt sich wieder, dass wir nicht aus dem Ruhrgebiet raus müssen, um tolle Dinge zu sehen und zu erleben. Die guten Dinge im Ruhrpott liegen ganz in der Nähe. Wir haben reichlich Naturerlebnismöglichkeiten. Der Dreck der Industrie ist sozusagen schon lange vom Efeu verschlungen worden. 

Der Erlebnistag machte allen Teilnehmern Spaß. Er endete mit mehr Respekt für Tiere, die wir nicht jeden Tag sehen und für Kräuter, die wir jeden Tag sehen, aber nicht wahrnehmen, wenn wir an einer einfachen Grünfläche vorbeigehen.

Paul war plötzlich unter mir durch gelaufen und ich kam nicht runter.

Unweit vom Ortskern Suderwich gibt es die Bauspielfarm. In dieser Farm leben Hühner, Hennen und Esel!

Während die Hühner im Hintergrund einiges zu erzählen haben, konzentrierten wir uns auf Lisas Erklärungen, wie ein Esel den Zaum bekommt. Alle Anwesenden bekommen einen Esel zugeteilt.

Lisa weiß nicht, wie alt unser zugeteilte Esel Paul ist. Er hatte keinen Ausweis, als er zu ihnen kam. Für Impfungen brauchen Esel auch einen Pass. Genau, wie beim Hund, müssen Esel einem Besitzer zugewiesen werden können.

Paul wollte erstmal essen, bevor wir gehen. In der Zwischenzeit wo Paul isst, wird er von uns gestriegelt. Dann bekommen Esel Vertrauen zum Menschen. Wir bürsten unter Hahnengeschrei und machen die Hufen ebenfalls etwas sauber.

Wichtig ist, dass er ihr ältere Hosen anzieht. Denn es kann sein, dass nicht nur Paul seine Nase an den Hosen abwischt. Scheinbar war es ein Akt der Anfreundung.

Lisa macht die Eselwanderungen jetzt seit 2021. Sie ist Tiermedizinische Fachangestellte. Auf der Bauspielfarm arbeitet sie nebenbei als Tierpflegerin. In jeder Minute ist ihr Lächeln zu sehen. Diese Arbeit mit den Eseln ist wirklich wahre Liebe. So ist sie auch auf den Namen gekommen: Wandern mit Esel-Liebe 

Von Frühjahr bis Herbst ist sie zwei bis drei Mal pro Woche unterwegs in Suderwich mit Paul, Peach und Co. Sie passt auf, dass die Esel unterwegs keine Eicheln essen. Sie können schwere Koliken verursachen und sogar tödlich enden. 

Am Gürtel schwingt ein Kehrblech mit, damit mögliche Kothaufen nicht auf der Straße oder Bürgersteig liegen bleiben. Sie hält die Gruppe zusammen und begleitet diejenigen intensiver, die mit ihren Eseln nicht klar kommen. 

Sie erklärt, dass manche Esel aus schlechter Tierhaltung kommen. Mit Sicherheit fühlen sie sich auf der Bauspielfarm sehr wohl, die für Kinder und Jugendliche eine ganz besondere Spielfläche ist. Außerdem gibt dort unterschiedliche Sorten an Hühnern. Alle können und wollen sogar gestreichelt werden. Eier können auch gegen einen kleine Spende mitgenommen werden. Davon wird wiederum die ein oder andere Arztrechnung bezahlt.

Wieviele Personen können bei einer Esel – Wanderung dabei sein?
 
Es gibt fünf Esel. Zwei Personen an einem Esel ist üblich. Es gingen auch schon Schulklassen mit. Dann gehen an einem ein oder zwei Personen mehr mit. Den Eseln macht das nichts aus. 

Ich frage mich natürlich, was ich bräuchte, wenn ich Eselwandern anbieten würde. Zuerst muss eine Gewerbeanmeldung gemacht werden. Aber da darf nicht vergessen werden, welche Unkosten auf einen Zukommen können: Hufpflege, Tierarztrechnungen, Futter, Freilauf etc. 

Die Gründe eine Eselwanderung anzubieten müssen schon gut bedacht sein. Bei schlechtem Wetter können Eselwanderungen auch abgesagt werden. Und im Winter ist das für alle Beteiligten nicht immer eine tolle Sache.

Der Ort Suderwich 

Suderwich ist ein kleines altes Örtchen von Recklinghausen. Mit einer kleinen Ortsmitte, wo eine alte Schnapsbrennerei steht.

Wir gehen durch die kleine Altstadt, vorbei an einer alten Mühle, Fachwerkhäusern und Jahrhundertwendehäuser. Der Ort ist zwar klein, aber wirkt wie ein Ferienort irgendwo im Sauerland ohne Berge.

Lisa erzählt auch von den schönen Erfahrungen, die sie hatte, als sie mit ihren Eseln das nah gelegene Seniorenheim und den Kindergarten besucht. Alle waren begeistert. Wiederholungen wird es mit Sicherheit wieder geben.

Wer alleine mit dem Esel wandern möchte bezahlt 39 €.   

Die Bauspielfarm selbst ist ein kleiner Geheimtipp für Kinder und Jugendliche von 6 bis 14 Jahren. Unter 6 Jahren müssen begleitet werden. Sie ist von Montags bis Freitag nachmittags geöffnet. Es gibt keinen Eintritt.

Hier können sie sich richtig austoben. Es gibt einen großen Spielplatz, Wasserspiele, Trampolin, Hochseilgarten, einen Bau- und Tierbereich. Weiterhin werden Angebote mit Projekten und im Gewächshaus gemacht. 

Kindergeburtstage können hier ebenfalls gefeiert werden. In der Nähe gibt es ein Flüchtlingsheim, deswegen teilt eine Hinweistafel auf Ukrainisch auf die Bauspielfarm hin. 

Nachdem wir die Esel die Hufen mit einer Bürste gesäubert haben, hatten wir erstmal eine Erfrischungspause genossen mit Holundersirup und Kräuterwasser.

Kurze Pause vor der Kräuterwanderung

Anschließend hatte Nicole Heppert uns dann um die Bauspielfarm geführt. Kaum sind wir ein paar Meter gelaufen, haben wir auch schon die ersten Ausführungen von Nicole gehört.

Vorbei an einem Waldstück und einem Sportplatz gab es neben Brennessel genügend andere Kräuterpflanzen zu entdecken. Es ist immer wieder von neuem spannend und interessant. 

Nicole Heppert Kräuterwanderungen machen Spaß

Im Podcast kommt sie nur kurz vor. Ein kleines Video habe ich dennoch von der Kräuterwanderung zusammengestellt. Denn Sie hat ja schon einen Podcast mit mir gemacht. Hier sind alle wichtigen Links zu der persönlichen Kräuterwanderung mit ihr:

 Podcast I +Video I +Fotogalerie I Der Ruhrpottologe isst mit Happy Nicole Heppert Kräuter – Ruhrpottologe – André Brune

Anschließend ging ich mit meiner Frau Ewa in die „Alte Dorfbrennerei“ essen. Große volle Teller haben wir von der netten Bedienung bekommen. Ich hatte einen reichhaltigen Salat mit Pfifferlingen. 

Ewas Wiener Schnitzel war fast so groß wie der Teller. Den Nachtisch hab ich mir nicht entgehen lassen: Herrencreme. Er war „fast“ so lecker, wie meine Mutter ihn immer gemacht hatte. In dem großen alten Fachwerkhaus können auch Hochzeiten und Geburtstage gefeiert werden!

Es war ein gelungener Ausflug bei bestem Wetter! Es lohnt sich auf jeden Fall eine Eselwanderung mitzumachen. Aber auch mal um Suderwich herum herumzuwandern und anschließend in die Alte Dorfbrennerei für ein Bierchen einzukehren, ist mit Sicherheit einen Tag wert.

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Mehr Informationen

Lisa Hoffmann und Nicole Heppert bieten diese Tour zusammen mindestens zwei Mal im Jahr an, die wir erstmalig mitgemacht haben. Bei größerem Interesse werden diese Touren öfter stattfinden. Also schaut mal auf deren Internetseite, wann „Eselwandern meets Kräuterwandern“ wieder auftaucht. Ich werde ebenfalls darauf hinweisen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Glück auf, Esel hopp, Kräuter topp!

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Shownotes:

Wandern mit Eselliebe

Internet: https://die-eselwiese.de/

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Instagram : @wandern_mit_eselliebe

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Bauspielfarm

Lülfstraße 69

Oder

Schulstraße 60

45665 Recklinghausen

Bauspielfarm & Hochseilgarten Recklingausen | Eine Einrichtung der Falken Recklinghausen (bauspielfarm-re.de)

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Kräuterwandern mit Nicole Heppert

Home – Kräuterwanderungen Kräutertouren Kräuterworkshops in Kleingruppen in Bottrop im Ruhrgebiet in NRW (happyheppert.com)

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Restauranttipp in Suderwich

Alte Dorfbrennerei

Am alten Kirchplatz 5

45665 Recklinghausen

Tel: 02361 1062033

http://suderwich-alte-dorfbrennerei.de

Speisekarte

Speisekarte Alte Dorfbrennerei in Recklinghausen

Öffnungszeiten

WochentageÖffnungszeiten
Samstag
12:00 – 22:00
Sonntag
12:00 – 22:00
Montag
17:00 – 22:00
Dienstag
17:00 – 22:00
Mittwoch
17:00 – 22:00
Donnerstag
17:00 – 22:00
Freitag
17:00 – 22:00

FOTO-GALERIE zur Kräuterwanderung

Blumige Wa(h)limpressionen bei Catharina Lindeskov Nielsen I Beeindruckende Art Exhibition im Bahnhof Dahlhausen I +Video I +Podcast I +Fotos

Den Namen Catharina Lindeskov Nielsen muss man sich in Zukunft mit Sicherheit merken. Denn die gebürtige 33jährige dänische Bochumerin hat eine ganz besondere Art Gegenwartsprobleme in ihren Kunstwerken darzustellen.

Teaser zum Video:

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Ihre Werke spiegeln die moderne Zivilisation und ihre menschlichen Abgründe wider. Umweltprobleme, Mobbing oder Bodyshaming tauchten als wichtiges Element ihrer ersten eigenen Vernissage „Art Exhibition“ vom 18.-27. August 2023. Im Rahmen der Endhaltestelle der Kulturlinie 308/318, die nach Corona wieder neu belebt wurde mit Literatur, Musik und Kunst beeindruckte sie vor allem in der Wartehalle mit dem großen Buckelwal, der blau leuchtete.

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In der Fahrkartenausgabestelle waren Bilder von Männern mit Blumenumrandung aufgehängt. Diese wurden im Dezember mit dem Publikumspreis mit dem 1. Platz bei der „Revierkunst“ – Ausstellung in der Hattinger Henrichshütte ausgezeichnet.

Urkunde Revierkunst - 1. Platz

Im Buckelwal konnten durch die Beleuchtung Plastikgegenstände entdeckt werden, die das Kunstwerk so besonders macht, wenn der Ernst der Lage in den Weltmeeren nicht so extrem schlimm wäre.

Sie hörte die Nachricht von einem an einem Strand verendeten Jungwal, der über 100 kg Plastik in sich trug. Weitere Informationen, wie die 1,6 Mio km2 große Müllinsel im Meer machten ihr Bauchschmerzen. Diese Informationen vereinte sie in dem einzigartigen Kunstwerk. Der in naher Zukunft in einem Foyer einer Firma hängen wird.

Auf einer großen Leinwand hinter der großen Walflosse sind Menschen wie in einem Wollknäuel miteinander verwoben. Die Videoinstallation zeigt den „Togetherness“-Gedanken von Catharina Lindeskov Nielsen. Jede Person steht nach und nach auf und sucht sich einen Standpunkt weit entfernt von dem Knäuel. Jeder muss seine Position im Leben finden, aber andererseits müssen alle zusammen arbeiten, um einen Wandel gemeinsam zu erreichen, erzählt sie mir im Gespräch. Niemand geringerer als Mahatma Ghandi mit dem Zitat: „Wer einen Fluss überqueren will, muss das eine Ufer erst verlasse“, war ihre Inspirationsquelle.

Allein schon der Gang durch den historischen Bahnhof von Bochum Dahlhausen kurz vor dem Eisenbahnmuseum, war es als Kulisse schon wert diese Ausstellung zu besuchen. Der Bahnhof bot in meinen Augen den besten Hintergrund für die Ausstellung von Catharina Lindeskov Nielsen.

Ihre moderne Kunst mit den jeweiligen wichtigen „Gegenwartsproblemen“ bricht die Historie auf, obwohl im 19. Jahrhundert damals die gleichen Probleme herrschten, wie heute, nur auf eine andere Art und Weise.

Als Kunst sah man eher Landschaftsbildern und Porträts, aber der Wandel zum Ende des Jahrhunderts kam mit dem Aufbrechen von Strukturen in der Malerei. Der Impressionismus kam auf und erste Skulpturen tauchten auf, die sich nicht mehr an alte Meister hielten, sondern die Zeit auf ihre Art und Weise interpretieren sollten.

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Umweltprobleme, wie die Verschmutzung von Luft und Gewässer, die hier im Ruhrgebiet zur damaligen Zeit sehr extrem war, oder die familiären Probleme unter dem starken religiösen oder sozialen Eindruck, der hier vorherrschten, tauchten in der Kunst kaum auf. Catharina bricht mit ihren Kunstwerken auch mit noch heute verkrusteten Strukturen im Denken und Handeln der Menschen, die immer noch nicht erkannt haben, dass wir nur auf einer Erde wohnen, die wir zu unseren Lebzeiten geliehen haben und sie verdrecken und verseuchen.

2020 als die Welle der Fridays for Future – Demonstrationen für mehr weltweiten Klimaschutz kurz vor der Corona-Pandemie ihren Höhepunkt mit ihrem Vorbild Greta Thunberg erreiche, hat Catharina sie als Göttin des Frühlings „Demeter“ aus der griechischen Mythologie mit einem Blumenkranz gemalt. Sie steht als starke Frau für den Aufbruch in eine blumige neue bunte Welt, die sich für den besseren Klimaschutz weltweit.

In dem Gesamtkunstwerk der „Daphne“-Mythologie zeigt die Künstlerin auch menschliche Abgründe, wie sie aber wie Phönix aus der Asche, daraus herauskommen und ein neues oder anderes Leben beginnen, als die Eltern es zum Beispiel vormachen oder gelebt sehen wollten.

Da sind die drei starken Frauen, die ihre Schicksalsschläge haben, die Catharina in einer einzigartigen fotografischer Weise auf Papier zeigt. Die einzelnen Fotos der Frauen sind eine Abfolge mit dem aus dem oberhalb des Herzens herauswachsenden Blume ihres Charakters, die auf dem Papier mit einem Beamer gezeigt werden. Gleichzeitig können Besucher die Geschichten der Frauen mit einem Kopfhörer hören, was sie für Schicksalsschläge haben und welchen Einfluss sie unterstanden, und wie sie das Leben neu begonnen haben.

Basiernd auf die jeweilige weibliche Figur hat Catharina die Form auf weißem Papier herausgeschnitten, wo die Fotoabfolge mit der oberhalb des Herzens herauswachsende Pflanze, den neuen Weg im Leben zeigt, das sie selbst erkoren haben.

Sie stehen um einem „Lebensbaum“ wie zufällig. Auf seinen Zweigen hängen Blätter hinter „Glas“ mit einem sinnigen Spruch verschiedener Persönlichkeiten, wie Albert Einstein. Fast wie ein wunderbarer positiver und nachdenklich stimmender Weihnachtsbaum steht er da im sanften blauen Licht eingehüllt. Wer ein „Blatt“ erwirbt für 30 € tut auch etwas Gutes. 5 € gehen an das Tierheim in Bottrop.

Hanna
Sina

Im farblichen Gegensatz zu der blumigen Mythologie-Kunst von Demeter und Daphne, hängen dort auch Schwarz-Goldene Bilder aus Acryl, das Kaleidoskop der Insekten. Akribisch gezeichnete Insekten, Käfer, Libelle und Motten sind mit Blättern aus Gold eingerahmt, mit der sie selbst immer in der Natur in Verbindung stehen.

Die bei „Revierkunst“ der „Metropole Ruhr“ ausgezeichneten Bilder von Männern mit Blumen hat sie mit dem Genderklischee gebrochen. Sie kehrt das Gendern um und macht aus den „harten“ Männerporträts, die mit den Pflanzeneigenschaften zusammenhängen, eine blumige Gestalt, die dadurch eher weiblich „weicher“ wirkt. Ihr Mann bekam die Sonnenblume mit der Charaktereigenschaft „Lebensfroh“ zugewiesen, denn das ist er, auch wenn er selbst ihr berichtet hat, dass Menschen, die ihn begegnen lieber die Straßenseite wechseln…

Die Aufwendigkeit dieser Bilder ist groß gewesen. Mehrere Wochen hat sie gebraucht um das erste Bild fertig zu stellen. Das Malen und Abtrennen auf dem Organza ist sehr mühsam gewesen. Die Vielschichtigkeit der Menschen wird in den Bilder faszinierend verarbeitet.

Kunst und Germanistik auf Lehramt hat Catharina studiert. Sie war im Museum für verfolgte Kunst in Solingen angestellt. Jetzt seit dem 1.3.2024 verheiratet, ein Kind und Hund, hat sie erste Auftragsarbeiten. Die Hochzeit wurde tatsächlich verschoben. Sie war am Tag der Vernissage geplant gewesen. Aufgeschoben ist je nie aufgehoben!

Fotos freundlichst bereitgestellt von Catharina Lindeskov Nielsen

Herzlichen Glückwunsch für den 1. Platz bei „Revierkunst“ und zur Hochzeit!

Von mir ein großes Glück auf für noch ganz viele tolle Kunstprojekte! 

Das nächste ist schon in den Startlöchern:

Am 25. – 28.4.2024 wandert der große Buckelwal noch einmal zu einer Ausstellung, wo Catharina Lindeskov Nielsen vertreten ist: Art Discovery Fair Cologne, die Entdeckermesse für zeitgenössische Kunst. Wer weiß, was sich dort ergeben wird!

Discovery Art Fair Köln – die Entdeckermesse für zeitgenössische Kunst in Köln

Links zu Catharina Lindeskov Nielsen

HomepageCatharina Lindeskov Nielsen – Paintings – Performence – Installations

Youtube: Lindeskov Art – YouTube

Instagram: Lindeskov.Art (@lindeskov.art) • Instagram-Fotos und -Videos

Mit der Künstlerin in Kontakt treten: info@lindeskov.art

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FOTOGALERIE aus der Ausstellung

Vorstellung neuer Podcast mit Ralf Opiol unterwegs „In Sachen Kunst“ I +Video I +Fotos

Ein neuer Podcast entsteht in meinem Rahmen: „In Sachen Kunst“ ist als Experiment zu sehen mit dem Künstler Metropiol Ralf Opiol als Gesprächspartner und Mitmoderator, wenn wir in Museen oder in Ateliers von Künstlern zusammen gehen und über Kunst reden. Wir wollen Kunst nahbar machen, Menschen neugierig und die Scheu vor moderner Kunst nehmen. Wenn erlaubt mit Videoaufnahmen oder nur als Podcast in Museen, im Atelier bei Künstlern und im Dialog zur Geschichte, Erlebnissen oder Informationen. Als Video zu sehen wird es dann im Youtube-Kanal bei mir und Ralf Opiol und zu hören als Podcast bei „Ruhrpottologe unterwegs“.

Zum Short-Vorstellungsrunde

https://youtube.com/shorts/NLYU9Wh_1eI?si=DR2VrxKqPCKEM5RN

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Mehr Informationen

Letztes Jahr habe ich den ein oder anderen noch nicht fertig gestellten Podcast im Rahmen meiner vielfältigen Tätigkeit als Ruhrpottologe gemacht und dabei auch die Jahresausstellung von 2022 mit Ralf Opiol besucht. 

Tatsächlich war dieser Podcast einer meiner erfolgreichsten. So habe ich Ralf Opiol den Vorschlag gemacht, diese neue Jahresausstellung wieder zu besuchen und daraufhin zusammen einen Podcast über Kunst zu machen. Der Podcast, soll auf Kunst Neugierde wecken und sich auf einfache Art und Weise mit den Kunstwerken beschäftigt.

Wir wollen, wenn unsere Zeit es erlaubt, Künstler und Künstlerinnen zu einem Gespräch einladen, ihre Werke vorstellen, Ausstellungen und Vernissagen besuchen und besprechen und auch die Kunstgeschichte und ihre Eigenarten auf einfache Art und Weise jedem zugänglich machen ohne hochgestochen und wissenschaftlich zu sein.

Kunst ist mehr. Das Motto „Zur Kunst musst du gehen“ prägt Ralf Opiol schon immer und es bewahrheitet sich. Jedes Bild, ob Abstrakt, Naiv oder Mixed Media, haben eine Aussage zu weltlichen oder inneren Problemen und zeigen es auf unnachahmliche Weise in einem einzigen Werk oder es zieht sich mit einem roten Faden durch das Kunstwerk eines Künstlers.

Wir haben uns kurz während des Drehs angeschaut und spontan den Titel „Irgendwas mit Kunst“ ausgedacht. Irgendwie passte der Titel spontan. Jedoch wußten wir zu dem Zeitpunkt nicht, dass es schon einen Podcast gibt mit diesem Namen. So wird der nun ab dem dritten veröffentlichten Teil einfach „In Sachen Kunst“ heißen und unter meinem Podcast „Ruhrpottologe unterwegs“ vorerst laufen. Sollte er erfolgreich sein, werden wir überlegen eine eigenständige Reihe daraus zu machen. Er ist jetzt experimentell angelegt, ob er regelmäßig stattfinden wird, hängt auch mit der beruflichen Situation und meinen Projekten zusammen. Es wird sich zeigen. Wir haben erstmal mit dem erneuten Besuch der diesjährigen Bottroper Jahresausstellung 2023 im Josef – Albers- Museum Quadrat gestartet und wollen über die Stadtgrenzen hinaus gehen.

 

Wir wünschen gemeinsam viel Spaß, den wir beim Besuch des Museums Quadrat ebenso hatten.

 

Glück auf und viel Spaß beim Zuhören oder Zuschauen wünschen 

Ruhrpottologe André Brune & Metropiol Ralf Opiol