Ernst Bente war ein Opfer des Nationalsozialismus. Er war wegen Diebstahl und Raubüberfälle, sowie unerlaubten Waffenbesitz zu fünf Jahren Haft und fünf Jahre Ehrverlust verurteilt worden in Bochum. Dann kam die Gestapo und brachte ihn in den Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald. Im KZ Mauthausen wurde er als menschliches Versuchskaninchen ausgenutzt. Deswegen der Titel zum Stolperstein für Ernst Bente. Ab da ging es nur noch ums Überleben. Warum hat Ernst Bente diese Taten begangen frage ich mich. Welche Taten wiegen schwerer: Raubüberfall, wo niemand zu schaden kommt oder ein Arzt, der jemanden dessen bürgerlichen Rechte vom Staat für eine begrenzte Zeit ausgehebelt werden, Impfversuche macht?
Am 8.11.2025 machte ich den Stolperstein von Ernst Bente sauber im Rahmen der Aufrufaktion vom Kinder- und Jugendring Bochum und beschloss spontan einen Podcast über das Opfer Ernst Bente zu gestalten für das Projekt und die Reihe Stolpersteine Ruhrgebiet.
Teaser und Säuberungsaktion-Video:
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Ernst Bente sollte eine Stimme bekommen, wie es auch Paul Borek schon bekommen hatte. Es erwartete mich mehr als die Recherchen vom Lessing – Gymnasium Bochum, als ich mich näher mit den Unterlagen vom Arolsen Archiv beschäftigte während ich die Aufnahme machte.

Dabei wollte ich nur den recherchierten Text vom Lessing – Gymnasium vorlesen. Doch dann kamen viele Fragen, die ich mir stellte, während der Aufnahme.
Warum hat er die schweren Taten begangen, obwohl er wußte, was mit ihm passieren wird, wenn er verhaftet werden würde?
War er immer noch Kommunist und damit im Untergrund im Widerstand?

Hat er die Taten begangen, weil er eine Krankheit oder eine körperliche Behinderung hatte und keine Arbeit dadurch finden konnte, um seine Familie zu ernähren?
War er wehrunwürdig, weil er eine körperliche Behinderung hatte oder wurde er wegen der Taten so eingestuft?

War er arbeitslos, weil er eine körperliche Behinderung hatte oder weil er wegen Diebstahl im Bergbau auf einer Schwarzen Liste gesetzt wurde?
Hatte er sich freiwillig den Typhus-Impfungen zur Verfügung gestellt oder wurde er einfach gespritzt mit dem Hinweis: Du wirst das KZ überleben, wenn du das mitmachst. So wurde man psychisch unter Druck gesetzt, aber hätte durch die Nebenwirkungen auch sterben können. Was ist dann das geringere Übel: Im Steinbruch umzukommen oder durch eine Spritze?
Mir rattert da das Gehirn, wenn ich mich in seine Lage versetze und gleichzeitig läuft es mir kalt über den Rücken runter. Obwohl er ein Verbrecher war, war er in der Gesellschaft des Nationalsozialismus für eine begrenzte Zeit als ein Nichts, eine Nummer eingestuft worden, des Lebens nicht würdig und wurde auch so behandelt.
Und was ist aus ihm geworden, als die Amerikaner ihn entlassen haben? Wie hat er die letzten Jahre seines Lebens gelebt? Hat seine geschiedene Frau und sein Kind ihn doch noch mal besucht? Hat er ein neues Leben, die zweite Chance gut nutzen können?
Wie ist man nach dem Zweiten Weltkrieg in der Gesellschaft mit ihm umgegangen? Wie hat er die psychische Belastung ausgehalten? Wo und wie wohnte er? Wann starb er und wurde begraben? Gibt es die Grabstelle noch?
Ernst Bente kann als umstrittene gewaltbereite Person dargestellt werden, weil er fünf Jahr hinter Gittern kommen sollte wegen Raubüberfall, versuchten Raubüberfall, Diebstahl und unerlaubten Waffenbesitz. Doch er landete nicht in einem normalen Zuchthaus, wie die Gefängnisse früher hießen, sondern in einem Konzentrationslager. Warum hat er die Taten begannen und warum kam er relativ schnell in ein Konzentrationslager?
So viele Fragen über eine Person und ich bin eigentlich nicht am Ende mit den Fragen.
Zum Videopodcast mit den Bildern der Rechercheergebnissen:
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Mehr InformationenZur Person Ernst Bente:
Geboren am 15.2.1911 in Bochum als Sohn von Ernst Bente und Ehefrau Laura. Wohnte damals in der Weststraße 67d in Langendreer.

Er wurde Bergmann und war mit Martha verheiratet. Ein Kind hatte die junge Familie und lebte in Bochum-Werne Auf den Holln 30, bevor er abgeführt wurde von der Bochumer Kripo am 4.9.1939. Er wurde wegen Raub, versuchten Raubes, Diebstahl und verbotenen Waffenbesitz zu fünf Jahren Gefängnis sowie Ehrverlust verurteilt.

Wenige Wochen später am 13.10. verschleppte ihn dann die Gestapo (Geheime Staatspolizei), wahrscheinlich wegen der Bandbreite seiner Verbrechen, ins Konzentrationslager Buchenwald.
Im KZ Buchenwald wurde er als „Wehrunwürdiger“ Häftling mit der Nummer 8284 erfasst und dem Arbeitskommando Steinbruch zugewiesen als Zwangsarbeiter. Auf der Karteikarte vom Konzentrations-Lager Buchenwald wird eine „Bisherige Parteizugehörigkeit“ als KJ 30-32 notiert.

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum
Als ich die Buchstaben kJ und Ziffern nachforschte fand ich raus, dass er wohl der Kommunistischen Jugend zwischen 1930 und 1932 angehörte. Es gab in diesen Jahren überall in Deutschland heftige Straßenschlachten zwischen Anhängern der NSDAP und der Kommunistischen Jugend, die zu diesem Zeitpunkt um die 50000 junge Männer und Frauen angehörten. Neue Fragen tun sich auf:
War das nun das Vorstrafenregister oder die Zugehörigkeit bei einer Kommunistischen Organisation, die ihm zum Verhängnis wurde? War er vielleicht für die Kommunisten im Widerstand? Hat er vielleicht die Raubüberfälle dafür gemacht. Als ich die Karte las, war die Spekulation über sein Handeln noch größer.
Ich fand heraus, dass er wahrscheinlich bei der Kommunistischen Jugend Mitglied war von 1930-1932. Das klingt plausibel. Denn Ernst Bente ist geboren 1911. Er war zu dem Zeitpunkt 19 Jahre alt und genau im richtigen Alter dafür. Ist er 1932 ausgetreten, aber aus welchen Gründen? Hat er bei den Straßenschlachten mitgemacht? Hat er seine Frau Martha dort kennengelernt, wurde Vater und hat sich von den gewaltbereiten Kommunisten zurückgezogen? Warum er ausgetreten ist, kann verschiedene Ursachen haben.
Reine Spekulation wäre, aber auch plausibel wäre, dass er für die Kommunisten schon angefangen hatte, Geld durch Raubüberfälle zu organisieren. Er ist vielleicht da hinein gerutscht. Oder er hat durch Raubüberfälle den Widerstand ab 1933 unterstützt oder er hat ganz einfach seine Frau und Kind am Leben erhalten wollen, weil er keine Arbeit bekam, weil er mal Mitglied der Kommunisten war oder weil er als Bergmann Diebstahl begann und dadurch Arbeitslos. Klaute er etwa ein Mutterklötzchen?
Sind Alkohol-, Drogen- oder die Spielsucht ein Grund gewesen immer wieder Geld zu besorgen durch Raubüberfällen und Diebstahl? Welche körperliche Einschränkung hatte er, dass er auf einer Karteikarte als „Wehrunwürdig“ eingestuft worden ist. Egal, warum er das tat, er hatte sein Gründe vor allem im Nationalsozialismus es zu tun und wurde von der Bochumer Kripo verhaftet. Er bekam fünf Jahre Haft aufgebrummt mit gleichzeitigem „Ehrverlust“.
Heinrich Himmler ordnete 1937 an, dass die notorischen Berufsverbrecher eine stärkere Gangart bekommen sollten. So wurden die BVler von der Gestapo in ein KZ überführt und mussten die unmenschlichen Bedingungen aushalten oder starben dort.
Ernst Bente wurde von der Gestapo abgeführt am 4.9.1939, also wenige Tage nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht nach Polen, ins KZ Buchenwald. In die Armee wurde er nicht eingezogen. Es gab ja auch Selbstmordkommandos, wo Schwerverbrecher eingesetzt wurden. Kommst du heil zurück, wird deine Strafe dir erlassen…
Ernst war aber als „Wehrunwürdig“ eingestuft worden. Zum einen hatte er Glück die Front nicht erleben zu müssen, zum anderen war er sozusagen in einer Heimatfront ohne mögliche Wiederkehr gelandet. Im KZ Buchenwald war er in den Steinbruch zugewiesen worden. Aber welche Tätigkeit er dort hatte, wenn er wehrunfähig war, ist nicht klar definierbar. Hatte er sich in die Hand geschossen?

Er war als Berufsverbrecher BV eingestuft worden, die gleichzeitig den gesetzlichen Ehrverlust über sich ergehen lassen mussten. Eine Strafe, die in der Bundesrepublik abgeschafft wurde. Allerdings erst 1969! Ein Ehrverlust ist die Aberkennung aller Bürgerrechte.
Die Folgen der Aberkennung der bürgerlichen Rechte waren in § 33 und § 34 StGB a. F. geregelt. Sie bewirkte den dauernden Verlust der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Rechte sowie aller öffentlichen Ämter, Würden, Titel, Orden und Ehrenzeichen. Während der Dauer konnten auch solche Ämter, Würden, Titel, Orden und Ehrenzeichen nicht erlangt werden. Ferner bewirkte die Aberkennung den Verlust der Fähigkeit, in öffentlichen Angelegenheiten zu stimmen, zu wählen oder gewählt zu werden und andere politische Rechte auszuüben; Zeuge bei Aufnahme von Urkunden zu sein; Vormund, Nebenvormund, Kurator, gerichtlicher Beistand oder Mitglied eines Familienrats zu sein, es sei denn, dass es sich um Verwandte absteigender Linie handelte und die obervormundschaftliche Behörde oder der Familienrat die Genehmigung erteilte.
Die Zeitdauer des Verlustes war in § 32 Abs. 2 StGB a. F. geregelt. Sie betrug bei zeitlich begrenzter Zuchthausstrafe mindestens zwei und höchstens zehn, bei Gefängnisstrafe mindestens ein und höchstens fünf Jahre. Diese Fristen wurden ab dem Tag berechnet, an dem die Strafe verbüßt, verjährt oder erlassen war, wobei allerdings bei Erlass nach einer Probezeit (Strafaussetzung zur Bewährung) diese einberechnet wurde (§ 36 StGB a. F.). Quelle: Wikipedia
Was wiegt höher: Raubüberfall oder unfreiwillige Menschenversuche
Den Medizinern in Mauthausen war das recht, so konnten sie ihn als Versuchskaninchen nutzen. Dort kam Ernst Bente an am 16.4.1940. Die Überführung zum KZ Mauthausen war sozusagen ein „Geschenk“ zum Geburtstag von den Verwaltern von Buchenwald.
Ernst Bente hatte keine Rechte als BV und verurteilt mit Ehrverlust. Hier frage ich mich, wer der größere Verbrecher ist: Der Staat oder die einzelnen Ärzte, die ihren Hippokratischen Eid abgelegt haben, diesen aber nicht mehr befolgten, weil die Karriere in der SS interessanter war, als einzelnen Menschen zu helfen?
Ist also ein unfreiwilliger Menschenversuch mit zu erprobenden Medizinischen Mitteln an Menschen ohne bürgerlichen Rechte (Ehrverlust) ein weniger großes Verbrechen als ein Raubüberfall oder Diebstahl von jemanden, der dadurch für eine begrenzte Zeit keinen Platz mehr in der arischen Gesellschaft haben sollte. Ist ein Raubüberfall aus welchen Gründen auch immer oder ihn als unfreiwilliges Impfobjekt zu nutzen für den Fortbestand der arischen Rasse nun in der heutigen juristischen Waage gelegt das gefährlichere, das schlimmere Verbrechen?
Eins vorneweg: Die meisten Mediziner sind entnazifiziert worden und konnten mit ihrem Hippokratischen Eid weiter im Krankenhaus, in der Forschung oder ihrer Arztpraxis nach dem Zweiten Weltkrieg unbehelligt arbeiten ohne jemals hinter schwedische Gardinen zu kommen. Sie bekamen mit Sicherheit eine beachtliche Rente, während Ernst Bente 1960 im Arolsen Archives gehen musste, um die KZ-Jahre sich anrechnen zu lassen. Ansonsten hätte er noch weniger Rente bekommen. Ich kriege das Kotzen, wenn ich mir das näher ansehe und was Ernst Bente für ein Schicksal hatte, die in den Händen der Mediziner gelegt wurde. Dazu komme ich jetzt:
Ernst Bente wurde am 15.4.1940 ins KZ Mauthausen überführt mit 1 Paar Schuhe, 1+1 Strumpfpaaren, 1 Rock (längerer Mantel), 1 Hose, 1 Pullover, 2 + 1 Hemd, und tatsächlich nur EINER Unterhose und 1 Kamm. Das ist wahrlich nicht viel, was sein Leben noch ausmachte. Das war alles, was er noch besaß.

Im KZ bekam er die Bezeichnung „BV„, das in einem nach unten zeigenden Dreieck oder Winkel eingetragen wurde: Lange Zeit wurde es von Historikern als „Befristete Vorbeugehaft“ anhand des Buches „Der SS-Staat – Das System der deutschen Konzentrationslager“ vom Historiker Eugen Kogon angegeben. Doch Ende der 1980er Jahre fanden Historiker heraus, dass es nicht stimmen kann. BV steht höchstwahrscheinlich als Abkürzung für Berufs-Verbrecher.
Da es kein Foto von Ernst Bente gibt, hier seine Beschreibung von der Karteikarte, um sich ein Bild von ihm als Mensch zu machen:
1,70 Groß und schlank. Gesicht oval, Augen blau, Nase gerade, Mund groß, Ohren groß, ihm fehlte 1 Zahn, Haare blond, Sprache deutsch.

Er war länger als fünf Jahre „Befristete Vorbeugehaft“ im KZ. In dieser Zeit begannen die Mediziner Typhus-Impf-Versuchsreihen an Gefangene zu verabreichen. Ernst Bente war wohl einer der ersten. Welche Nebenwirkungen, Schäden oder sonstige Dinge mit ihm angestellt wurden und er ertragen musste…
Für mich ist ganz klar, dass ein Raubüberfall nicht positiv im Lebenslauf ist, aber unfreiwillige Menschenversuche geht gar nicht!
Vor kurzem hatte ich auch einen Podcast über die Mediziner angehört, die sich der Karriere wegen der SS angeschlossen haben, so auch Dr. Karl Gross.
Es war nicht richtig Raubüberfälle zu machen, keine Frage. Aber wieso nimmt ein Mann das Risiko auf sich verhaftet zu werden in der Zeit von Unterdrückung des eigenen Volkes unter der NSDAP-Regierung. Er muss doch gewußt haben, dass er mit seinen Handlungen in ein KZ kommen konnte ohne Widerkehr in ein normales Leben. Und wieviel wußte seine Frau Martha, die sich wiederum von ihm scheiden ließ. Hat sie ihn etwa denunziert? Oder hat sie die Scheidung eingereicht, weil auch sie ins Fadenkreuz kam und wollte dabei eigentlich nur verantwortungsbewußt das Kind ohne Probleme in der neu konstruierten Volksgemeinschaft großziehen, was ihr Mann vielleicht nicht akzeptieren wollte. Wir wissen nicht, was im familiären Haushalt passierte.
Ernst Bente war in der ganzen Zeit des Krieges im KZ Mauthausen. Seine Haft von fünf Jahren wurde nicht beendet. Er war weiterhin dort. Vielleicht wurde ihm gesagt, dass er nur entlassen wird, wenn er die Versuchsreihe für die Typhus-Impfungen mitmachen würde. Auch das ist reine Spekulation. Sicher ist, dass der Staat, die Firmen und die ausführenden Mediziner vor Ort in den KZs mit den Menschenversuchen ein viel größeres Verbrechen begannen als Ernst Bente mit den Raubüberfällen. Er wurde verbrecherischer behandelt als er je selbst ausgeführt hatte. Und so gut wie niemand wurde zur Rechenschaft gezogen.
Der Dr. Mengele von Mauthausen Dr. Karl Gross war in sein altes Leben zurück gegangen und wurde wieder Landarzt ab 1947.
Zur Person des SS-Arztes Karl Josef Gross:
Geboren in Bad Vellach am 12.12.1907, wo er auch am 1.1.1967 wieder starb. Im Heimatort wurde er Kurarzt nach der Promotion 1933. Er soll kostenlos mittellose Patienten behandelt haben. Warum sein Charakter sich änderte, ist mir schleierhaft, wenn das wahr ist.
Er trat am 1.2.1939 als SS-Hauptsturmführer der Waffen-SS bei. Mit der SS-Nummer 314902 avancierte er zum Geburtstag von Adolf Hitler 1942 zum SS-Sturmbannführer. Er diente als Truppenarzt und forschte unablässig ab Mai 1942 am Hygiene-Institut der Waffen-SS in Berlin. Ab Juni wechselte er ins Robert-Koch – Krankenhaus nach Wien.
Dort testete er im Auftrag der Behringwerke Impfstoffe gegen Paratyphus an Häftlinge im KZ Mauthausen. Ab 1943 veranlasste Heinrich Himmler, dass er an das Zentralinstitut für Krebsforschung in Nesselstedt (heute Pokrzywo bei Posen/polnisch Poznan kam und die bakteriologische Abteilung übernahm.
Eine schnelle wohlwollende Karriere, weil er unabdingbar in Augen Himmlers erfolgreich testete. Denn er war der Leiter, der Forschung, die an Häftlingen vom KZ Mauthausen Impfstoffe ausprobierten. Mit seiner Handschrift sind noch Akten einzusehen, wo 1105 Opfer mit Datum und Art der Tests im Zeitraum von Februar bis April 1943 erhalten sind. Darin sind Vaccine zu Typhus, Paratyphus A und B, sowie Tetanusimpftoff verzeichnet, die von der IG-Farben hergestellt wurden. Die Blutuntersuchungen wurden an der Wiener Universität untersucht.
Nach Kriegsende durfte er wieder als Arzt arbeiten. Wegen der Zugehörigkeit zur SS wurde er verhaftet, aber nach kurzer Zeit wieder entlassen. Ärzte wurden schließlich gebraucht. Aber kaum jemand ging in seine Praxis, so dass er bis zu seinem Lebensende mit seiner Familie nur vom Vermögen des Vaters überleben konnte.
Quelle: Wikipedia

Es ist für mich schleierhaft, dass dieser doch angeblich netter großzügiger Arzt die Karriere vorzog. Er wollte weg aus dem verschlafenen Kurort. Hatte eine Karriere vorgehabt und stieg wie ein Falke auf innerhalb der SS. Hier ist das genaue Gegenteil von Ernst Bente, der Abstieg als Krimineller, der ins KZ kam während Karl Gross als studierter Arzt die Karriere in einem Unrechtsystem vorzog, um berühmt zu werden als Impfstofferfinder. Die Firmen Behring und IG-Farben haben aus den Experimenten von damals bis heute profitiert.
Vielleicht hatte er den Nobelpreis für Medizin im Sinn auf Kosten von minderwertigen Leben, wie man es so formulieren könnte. Was ist abscheulicher in der Tat der Dinge? Ein Raubüberfall, wo kein Menschen zu schaden kommt oder eine unfreiwillig gemachte Impfstoffstudie an Häftlinge, die es nicht wert waren zu leben in dem System der Diktatur, wo einige wenige Menschen über das Leben von vielen entschieden?
Die Liste von Medizinverbrechen ist lang! Und viele machten mit. Viele, die hinterher von nichts wußten oder gewußt haben wollten und hinterher unbehelligt, entnazifiziert in ihrer Praxis, im Krankenhaus oder der Forschung weiter gearbeitet haben:
Liste von KZ-Ärzten und anderen Beteiligten an NS-Medizinverbrechen – Wikipedia
Das war auch noch nicht alles. Wer eingeteilt wurde als Berufsverbrecher hatte als Nebenstrafe auch keine bürgerlichen Rechte mehr. Der Ehrverlust wog damals schwer. Einmal als BV eingeteilt, hatte man keine Rechte mehr als Mensch im Staat, nicht mal wählen gehen war erlaubt. Aber wen sollte man da noch wählen im NS-Staat?
Im Dritten Reich war privater Waffenbesitz nicht erlaubt. Dies und vier andere Straftaten, Raubüberfall, Diebstahl, versuchter Raubüberfall machten ihn zu einem Berufsverbrecher und unabdingbar zu einem KZ-Strafgefangenen bis zu seinem Tod.
Ernst Bente hatte es irgendwie geschafft zu überleben. Wie er es überlebt hat, hat er in keinen Memoiren hinterlassen. Von den Amerikanern wurde das KZ Mauthausen befreit. Ein Major, ein Colonel und ein Captain saßen in einem Ausschuss, die die Entlassung aus dem KZ entschieden.
Entlassung und Zweite Chance

Drei Militärangehörige, A.J. Michell, Colonel, T.T. Marye, ein Major und T.A. Taracouzie, Captain entschieden in einem Ausschuss über die Entlassung von Ernst Bente. Er hatte es tatsächlich geschafft zu überleben. War es Glück? War es der unbändige Überlebenswille? Oder war er im Lager einer, der andere unterstützt hat unter hoher Gefahr selbst erwischt zu werden? Das weiß niemand. Niemand kann uns mehr heute mitteilen, ob er trotz seiner Straftaten ein hilfsbereiter und risikofreudiger Mann war. Risikofreudig muss er gewesen sein, sonst hätte niemand ihn wegen Raubüberfall fassen können.
Ernst Bente hatte überlebt. Wie hatte er sich gefühlt? War es ein hochjauchzendes Jubeln? Sprang er in die Luft? Hätte er dafür überhaupt die Kraft gehabt? Wie war sein gesundheitlicher Zustand nach den Impfungen und der Zwangsarbeit? Wie war sein seelischer Zustand mit der Verarbeitung des kompletten Elends und Tod innerhalb des Konzentrationslagers Mauthausen? Fragen, die ich mir immer stelle, wenn ich mehr über die Person herausfinde.
Diese Entlassungsurkunde vom Militärgouvernement musste er sich 1960 als Nachweis im Arolsen Archiv besorgen. Wie es ihm nach dem zweiten Weltkrieg ging weiß niemand. Ob er ein zweites neues Leben beginnen konnte, ist nicht belegbar. Er ging in Rente. Ernst Bente hatte einen starken Lebenswillen und überlebte auch die Versuchsreihen mit Typhus-Impfungen.
Damit war sein Verbrechertum mehr als bestraft worden. Er hat den KZ-Aufenthalt überlebt und ist irgendwann in Frieden gestorben. Wann ist nicht belegbar. Macht mich aber neugierig, so dass ich mehr über diesen Menschen herausfinden möchte. Denn seine Geschichte steht für mehrere Tausend BVler, die ebenfalls ins KZ kamen, auch im Steinbruch arbeiten mussten und wahrscheinlich dort zu Tode kamen oder eine experimentelle Impfung gespritzt bekamen. Impfungen für das Überleben der arischen Rasse? Oder für die Häftlinge zum Erhalt der Arbeitskraft für das Wirken der Nationalsozialisten als kostenlose Arbeitnehmer?
Das sind Fragen, die ich gern von einem Historiker beantwortet haben möchte. Ich werde mich auf jeden Fall auf dem Weg machen, um mehr über Ernst Bente zu erfahren. Sein Leben ist filmreif und würde eine Lücke füllen über die immer noch Stiefmütterlich behandelten „Asozialen“ in der nationalsozialistischen Gesellschaft, die nicht würdig waren eine zweite Chance zu bekommen nach einem Gefängnisaufenthalt. So wie es heute normal ist. Heute hätte er die fünf Jahre abgesessen und danach hätte er eingegliedert zu einem normalen Leben zurückfinden können.
Ich werde nicht müde es zu betonen: NIE WIEDER IST JETZT! Gegen Rassismus und gegen Antisemitismus! Wir sind alle Menschen! Der Mensch ist Vielfalt.
Ernst Bente war einer von uns. Geboren in Bochum-Langendreer. Gewohnt in Bochum – Werne im Ruhrgebiet.
Glück auf! Ruhe in Frieden!
Ich werde Ernst Bente, einem Opfer der Gesetze des Nationalsozialismus, nun mit anderen Augen sehen und mehr achten, mir mehr Fragen stellen. Sein Stolperstein, in Messing eingemeißelter Name mit den Daten seiner Aufenthalte in den KZs, wurde am 8. Oktober 2020 vor seinem letzten Wohnort – Auf den Holln 30 in Bochum-Werne – bevor er dort von der Kripo verhaftet wurde, verlegt.

Wer weitere Recherchen nachlesen möchte, sowie die PDF-Datei der Lessingschule weiterleiten, kann die Recherche der Lessingschule als PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum nutzen, die ich hier als Screenshot abgebildet habe, sowie weitere Links zum Thema, die ich nachrecherchiert habe:
PowerPoint-Präsentation der Recherchen vom Lessing-Gymnasium Bochum vom Stadtarchiv Bochum
https://www.bochum.de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W2BXPCA9578BOCMDE/$File/265_Bente_Ernst.pdf
Stadt Bochum Infos: Neue „Stolpersteine“ erinnern an Opfer der NS-Diktatur in Bochum
https://wie.de/poi/ernst-bente.8428772639
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Der SS-Staat – Das System der deutschen Konzentrationslager – Wikipedia
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Organisation der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Kategorie:Lagerarzt im KZ Mauthausen – Wikipedia
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Zu den Informationen der Versuchsreihen von Typhus – Impfungen :
Impfungen mit T.A.B.-Endogen-Adsorbat-Impfstoff – Reihe I: ohne Titel – Deutsche Digitale Bibliothek
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/R2J6WORZJRIRAI3RUKK4WNVWHS2FSO7O
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https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/mobileMain.xhtml
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https://eguide.arolsen-archives.org/fileadmin/eguide-website/downloads/Haftarten_dt.pdf
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BV – Befristete Vorbeugehaft?
https://de.wikipedia.org/wiki/Befristete_Vorbeugungshaft?wprov=sfla1
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Kennzeichnung der Häftlinge in den Konzentrationslagern – Wikipedia
Klassifizierungssystem in den NS-Konzentrationslagern | Holocaust-Enzyklopädie
Gefangenen-Personalkarte | Dokumentationsstelle Dresden | Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Häftlings-Personal-Karte – e-Guide Arolsen Archives
Übersicht über die Kennzeichnung von KZ-Häftlingen | Holocaust-Enzyklopädie
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KJVD – Der kommunistische Jugendverband für Deutschland | Geschichte
1930 – 1932: Der Kampf um die Republik
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Nationalsozialismus – Wehrpflicht/Wehrunwürdig
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Bürgerliche Ehrenrechte/Ehrverlust– Wikipedia
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Podcast-Empfehlung zum Thema: NS-Cliquen: Günther und die Chemie (S02/E02) | MDR.DE
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Meine Videos sind ohne lange Überlegungen entstanden. Ich habe mir ein Drehbuch ausgedacht, spielte die Hauptrolle eines Demenzerkrankten, der sich verirrt hat in seiner Stadt. Mein Freund Ralf Opiol erklärte sich bereit, mich dabei zu filmen, wie ich umherirre. Er brachte mich dann zum Seniorenzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Bottrop, Rottmannsmühle, an der Karl-Englert-Straße. Dort wurde ich von dem Pfleger, gespielt und im Original von Christian Rapp, der schon lange dort aus voller Überzeugung seinen Beruf ausübt, in Empfang genommen. Ihm und Ralf Opiol sowie dem DRK-Seniorenzentrum Rottmannsmühle danke ich nochmals für das Mitwirken an diesem Film, damit er so authentisch wie möglich gemacht werden konnte. Die Leiterin Beatrice Werner war sofort mit Feuer und Flamme dabei.




































