Milton Merlano – Gründer vom Verein Barrierefrei sei mit dabei I +Videopodcast I +Podcast #114

Neugierig auf Milton Merlano, der eine Vision hat, seine Stadt barrierefrei zu gestalten, das Vorbild für das ganze Ruhrgebiet sein könnte?

Dann hört in den Podcast bzw. schau in den Videopodcast hinein:

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Mehr Informationen

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland: Artikel 3

Das Grundgesetz bildet in Deutschland die rechtliche Grundordnung. Im dritten Artikel wurde festgelegt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Menschen mit Behinderung werden darin explizit erwähnt: Artikel 3, Absatz 3, Satz 2: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Quelle: www.gesetze-im-internet.de )

Betroffen und Verärgert

Milton Merlano kennt den Ärger aus eigener Erfahrung: In Ruhrgebiets-Städten findet man viele Läden, Restaurants,  Ämter oder auch Zugänge zu Ärzten und Kanzleien mit Treppen ohne barrierefreie Zugänge. Immer noch in den modernen oder sollte ich modernden Zeiten sagen, denn das o.g. Gesetz wird meines Erachtens nicht geachtet, sondern in vielen Firmen, wenn es um die Möglichkeit als körperlich eingeschränkter Mensch Arbeit zu bekommen nach Recht und Gesetz, auch mit Füßen getreten oder aus Gründen weniger beachtet als es nötig wäre. Milton hat Arbeit, die ihn erfüllt, aber privat ist er ein Kämpfer geworden für die Sache für mehr Barrierefreiheit, denn er ist ein Betroffener und sieht steht jeden Tag hier und da vor Barrieren, da wo sie einfach weg sein könnten. Diese Barrieren sind auch psychisch eine Hürde für die Betroffenen.

Milton Merlano bei der Vereinssitzung

 

Die Idee

Milton Merlano sitzt durch eine Kinderlähmung im Rollstuhl. Im November 2024 hat er die Idee einen Verein zu gründen, was viele Vorteile bringen kann, um seine Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Verein Barrierefrei Sei mit dabei e.V.

 

Der Verein übernimmt den Kaufpreis mit Hilfe von Spenden die Hälfte für eine mobile Rampe, bringt zusätzlich kostenlos einen Aufkleber als Hinweis für die Rampenaufstellung und eine Klingel an, um für die Betroffenen die Aufmerksamkeit der jeweiligen Verhinderung die Stufen hinauf zu kommen zu schaffen. Dann wird die mobile Rampe von Mitarbeitern oder Inhabern der jeweiligen Institution aufgestellt, solange wie es nötig ist ohne langjährige Baugenehmigungen abzuwarten oder Ärger mit dem Ordnungsamt zu bekommen.

Eine tragbare mobile Rampe vor dem Aufklappen

 

Das gesetzliche Grundrecht der Inklusion und Barrierefreiheit wird so durch den gemeinnützigen Verein auf eine einfache Art und Weise durchgesetzt und erregt mehr Aufmerksamkeit für diese konkrete geschaffene Lösung. Menschen im Rollstuhl oder im Rollator unterwegs können gleichberechtigt einkaufen und damit am Leben einfacher teilnehmen, wo vorher eine einzige Stufe eine große Hürde vorhanden war.

Der 1. Vorsitzende und Visionär

Milton Merlano, gebürtiger Kolumbianer, im Ruhrgebiet aufgewachsen, war lange eine „Sofakartoffel“ – bis er beschloss aufzuhören mit dem Meckern. Er wollte aktiv etwas bewegen. Das ging zu Anfang am besten sich politisch zu engagieren. Auf dem Sofa knirschten zwar die Federkerne, aber sonst konnte Milton von dort aus nichts bewegen. Das änderte sich im Laufe der Zeit seines Tuns und dazu kam eine Idee, die er bei einer Reise nach Paris vor einigen Jahren mitbrachte.

Lena Schmidt von Radio Bochum interviewt Milton beim Vorstellen der Rampen in Bochum-Gerthe

 

Aus dem Wunsch, Dinge besser zu machen, ist sein Engagement gewachsen: Aus einer Idee wurde ein Verein, der nun kurz vor den Sommerferien als gemeinnützig anerkannt wurde. Ab dem Zeitpunkt konnte gestartet werden für die mobilen Rampen Spenden zu sammeln und das einfache Win-Win-Konzept auch den Geschäftsinhaber*Innen vorzustellen.

Aufkleber und Klingel bei einem Anbieter einer mobilen Rampe

 

Win-Win-Situation

Der Verein bekommt Spendengeld. Die Spendengelder können steuerlich abgesetzt werden. Der Verein kauft für potentielle Interessenten die mobilen Rampen ein. Er übernimmt die Hälfte des Kaufpreises und übergibt sie eigentümerrechtlich den Interessenten, die die andere Hälfte kostenmäßig übernehmen. Gleichzeitig können sie diese Ausgabe auch steuerrechtlich absetzen. Sie bekommen den Hinweisaufkleber und die Klingel kostenlos dazu. Ebenfalls ergibt sich daraus nun noch der Faktor kostenlose Werbung dazu. Denn der Kauf und das Zeigen der Aufkleber bedeutet auch eine positive Bewertung in eigener Sache.

Die Inhaber sind begeistert: Der Nebeneingang vom Eiscafé Da Luca hat jetzt eine Rampe

 

Jede Firma wird auf der Vereinshomepage genannt. In den Bewertungen von Google und in den Sozialen Medien wird das Unternehmen zusätzlich positiv erwähnt werden für die Barrierefreiheit. So wird das Geschäft mit Sicherheit positiv in Erinnerung behalten werden! Und der Schritt für mehr Akzeptanz für mehr Barrierefreiheit wird mit jeder verteilten Rampe ein bisschen größer und wird auch andere, die sich vorher geweigert haben, vielleicht ebenfalls überzeugen lassen sich eine mobile Rampe anzuschaffen.

Lena von Radio Bochum interviewt die Inhaber vom Eiscafé Da Luca in Bochum-Gerthe

 

Im Großen und Ganzen bewirkt der Verein einen einfachen Weg einen barrierefreien Zugang für Geschäfte schneller voranzutreiben, als es städtische Genehmigungsverfahren jemals ermöglichen würden, die oft Jahre dauern.

Das Eiscafé Da Luca in der Fußgängerzone in Bochum-Gerthe

 

Das Ziel

Barrierefreiheit soll kein Luxus sein durch verbundene teure bauliche Kosten und langjährigen Genehmigungsverfahrens, sondern ein einfaches Selbst-in-die-Hand-nehmen-Durchsetzen sein eines des im Bürgerlichen Grundrecht rechtlichen Rahmen ohne bauliche Veränderungen vornehmen zu können.

Ich selbst habe den Verein mitgegründet, obwohl ich nicht betroffen bin, aber ich kann ja durch gesundheitliche Einschränkungen, wie ein Schlaganfall oder einen Fahrradunfall jederzeit einer der nächsten sein. Niemand will daran denken, aber wir sollten es nicht vergessen.

Ich sehe die Zukunft und ich sehe eine positive Veränderung einer Stadt auch für Gäste, die entsprechend eben eine gesundheitliche oder altersbedingte körperliche Behinderung haben und auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind oder einfach nur einen Kinderwagen fahren mit dem es nicht immer so einfach ist, die entsprechenden Stufen hochzukommen.

Die erste Rampe vom Verein Barrierefrei sei mit dabei

 

Netzwerken

Als Mitglied des Unternehmernetzwerks K.L.U.G. Netzwerk lernte ich Stephan Fink kennen, der ein eigenes Netzwerk betreibt: Business Club NRW. Wir haben einen Vortrag verfolgt über Barrierefreies Internet von dem sehbehinderten Unternehmer Stephan Jacobs aus Köln. Als wir ins Gespräch kamen beim Abschied, fragte er mich, ob ich in meinem Netzwerk etwas wüsste, was mit seinem Netzwerk ein Jahr lang mit Sponsorengeldern unterstützt werden könnte.

Ich berichtete über den sich gründenden Verein „Barrierefrei – Sei mit dabei“.  Er war begeistert, informierte sein Netzwerk und schon ging es weiter. Er ist auch Mitglied ist geworden. Über sein Netzwerk kam eine Firma hinzu, die das Layout entwickelt hat und gespendet hat. Die Erfolgsgestalter haben wirklich ein Gespür gehabt, was der Verein nach Außen zeigt. Die Flyer, die Internetseite und auch das wichtige Logo waren nach drei Vorschlägen schon perfekt.

Erste Erfolge

Über das Netzwerk kamen einige Geldspenden zusammen. So konnten die ersten Rampen und der Start des Vereins finanziert werden.

Durch die Quartiersmanagerin Sonja Hasenkamp von Bochum Marketing kam der Verein an zwei interessierte Geschäftsinhaberinnen, die die ersten zwei Rampen, die wir kostenlos übergeben haben in den Bochumer Norden nach Gerthe. Die Fußgängerzone ist damit auch weiter aufgewertet worden.

Sonja Hasenkamp von Bochum Marketing hat die Idee des Vereins in den Bochumer Norden getragen und Erfolg gehabt

 

So freuen sich nun Serpil Akbas mit ihrem Friseursalon Haartotal und das Eiscafé Da Luca über das Anbieten barrierefreier Zugänge. Der Anfang ist gemacht. Jetzt geht es weiter.

Serpil Akbas mit ihrem Friseursalon Haartotal ist ebenfalls begeistert mehr Barrierefreiheit anbieten zu können in der Gerther Fußgängerzone

 

Miltons Aufstehen aus dem Sofa, rein in den Rollstuhl, einen Aufruf in der Presse zu machen, dadurch 15 Gleichgesinnte zu bekommen, die Seite an Seite nun für ein barrierefreieres Leben kämpfen hat sich also schon nach wenigen Monaten gelohnt!

Wie funktioniert das Mobile Rampen-System?

Der Verein beschafft mobile Rampen und übernimmt die Hälfte der Kosten – zusätzlich Klingel- und Aufkleberkosten. Die andere Hälfte tragen die interessierten Geschäftsinhaber. Die mobilen Rampen lassen sich ein- und ausklappen, je nach Bedarf. Damit werden auftretende Hindernisse vorübergehend beseitigt, ohne bauliche Großprojekte anstoßen zu müssen.

Hinter dem Engagement steckt mehr als Technik: Es geht um eine wertebasierte Haltung, in der Barrierefreiheit, die in der Praxis sichtbar wird. Milton arbeitet außerdem ehrenamtlich in einer beratenden Funktion bei der Stadt Bochum, damit sie entsprechende barrierefreie Projekte umsetzt. Aber das reichte ihm nicht, weil er sah, dass es sehr lange dauert und an viele Dinge gedacht werden muss, auch schon, wenn es um einen eher banalen Behindertenparkplatz geht.

Hartnäckiger Kämpfer

Milton ist sein Leben lang ein Kämpfer gewesen, das nur kurzzeitig auf dem Sofa eingeschlafen ist. Jetzt geht sein Weg weiter. Er nimmt ab Herbst Flugstunden und freut sich auf die Erweiterung seines Lebenshorizonts, das er mit seinem Vater schon beweisen konnte. Mit ihm ist er in 50 Etappen durch ganz Deutschland von Flensburg bis Konstanz gewandert.

Er bewies auch Hartnäckigkeit, um einen guten Schirmherr für den Verein zu bekommen: Der Oberbürgermeisterkandidat Jörg Lukat, Polizeipräsident a.D. von Bochum ist ein sympathischer Mensch und ist mit vielen Menschen in Kontakt gekommen. Bei der Vorstellung seiner Person hat er volle Unterstützung angeboten für den Verein.

https://www.instagram.com/p/DJ85MoBM2JL/

@barrierefrei_sei_mit_dabei_ev

Demografie fordert Weitblick

Demografischer Wandel erfordert das Ziel einer flächendeckenden Barrierefreiheit. Der Verein will Barrierefreiheit flächendeckend vorantreiben. Im Namen steht nicht der Name Bochum. Wer in anderen Städten den Verein für einen barrierefreien Zugang anfragt, wird nicht abgewiesen.

Der erste Vereinsstand bei einem Straßenfest für Nachhaltigkeit in Bochum-Hamme am 17.5.2025

 

Die Idee ist, dass Städte ihre Strukturen stärker nach den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen ausrichten – nicht nur, weil es im Gesetz steht, sondern dadurch echte Teilhabe gelebt wird. Es ist mittlerweile auch der Politik klar, dass der Demografische Wandel auch dazu führt, dass in der Überalterung der Gesellschaft auch ein höherer Grad an Behinderungen auftauchen wird, ob im Alter oder durch gesundheitliche Probleme oder weil es angeboren ist. 10% der deutschen Bevölkerung gehören zu dieser Klientel. Das ist schon mehr, als viele denken und spielt mit Sicherheit ein großer Faktor in der Zukunft mehr politischen und auch wirtschaftlichen Willen in Barrierefreiheit und Inklusion zu bewegen in Projekten und Baumaßnahmen.

Zur Übersicht der Gesetzgebung

Das Grundrecht auf Barrierefreiheit ist in Deutschland durch verschiedene Gesetze und internationale Abkommen verankert, die die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben sicherstellen.

Gesetzliche Grundlagen (KI-Übersicht aus BING mit entsprechenden Links)

  1. Grundgesetz (GG): Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes besagt: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Dies stellt sicher, dass Menschen mit Behinderungen gleich behandelt werden und Zugang zu allen Bereichen des Lebens haben.  (Quelle: Aktion Mensch)
  2. UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK): Diese internationale Vereinbarung, die Deutschland 2009 ratifiziert hat, konkretisiert die Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen. Artikel 9 der UN-BRK definiert Barrierefreiheit als den gleichberechtigten Zugang zu Transportmitteln, Informationen und Dienstleistungen.  (Quelle: Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.)
  3. Behindertengleichstellungsgesetz (BGG): Dieses Gesetz regelt die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen im öffentlichen Recht und verpflichtet öffentliche Einrichtungen zur Schaffung von Barrierefreiheit. Es gilt für alle Bundesbehörden und stellt sicher, dass Gebäude, Verkehrsmittel und digitale Angebote barrierefrei sind.  (Quelle: Aktion Mensch)
  4. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Dieses Gesetz, das am 28. Juni 2025 in Kraft trat, regelt die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen, einschließlich Online-Shops und Apps. Es zielt darauf ab, die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen zu verbessern.  (Bundesregierung)

Bedeutung der Barrierefreiheit

Barrierefreiheit ist entscheidend für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben. Sie ermöglicht den Zugang zu Bildung, Arbeit, Kultur und Freizeitaktivitäten. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sollen sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben können, ohne durch bauliche oder digitale Barrieren eingeschränkt zu werden. 

www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de

Insgesamt ist das Grundrecht auf Barrierefreiheit ein wesentlicher Bestandteil der Menschenrechte in Deutschland, das durch verschiedene Gesetze und internationale Abkommen gestützt wird. Es fördert die Gleichstellung und die Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft. Mein Fazit in der Übersicht: Es wird aber eben nur zu einem Bruchteil wirklich durchgeführt! Das ist meines Erachtens nicht akzeptabel!

Milton schaut positiv in die Zukunft

 Fazit

Barrierefreiheit ist mehr als eine Frage des Grundrechts. Es ist eine Frage der Teilhabe am Leben und Würde. Fragt man Menschen, die über Barrierefreiheit denkt, dann sind alle überzeugt mitzumachen. Wenn es an das Eingemachte geht, ist es zu teuer, gibt es Hürden oder wird das Gesagte am Ende eher als hohle Phrase von gestern abgetan und nichts gemacht. Alle wollen, doch nur wenige sind bereit diesen Willen auch durchzusetzen.

Miltons Engagement zeigt, wie man mit kleinen, pragmatischen Lösungen eine große Wirkung erzielen kann – und wie Netzwerke, Spenden und Ehrenamt gemeinsam etwas bewegen können, das nachwirken kann. Das ist echte Zugänglichkeit für alle. Und es birgt eine Hoffnung, dass mein im ersten Absatz geschriebenes negatives Denken darüber in naher Zukunft mit dem Verein verändert werden kann. Ich hoffe es mit Milton und dem gesamten Verein!

Ein Rampe für Dich!

Wenn auch du, lieber Leser oder Leserin, eine mobile Rampe haben möchtest oder den Verein unterstützen möchtest, dann melde dich einfach in den unten angegebenen Angaben oder Links, direkt auch bei Milton.

Ich unterstütze den Verein im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ich habe die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Für mich war ganz klar von Anfang an, dass wenn die ersten Rampen an den ersten Läden stehen, kommt ein Podcast und  Blogbeitrag über den Mann, der die Idee aus Paris nach Bochum, ins Ruhrgebiet gebracht hat.

Milton Merlano ist ein Pottmensch, der sich auch politisch einsetzt für eine bessere Stadt aus Überzeugung für die Menschen, die mehr Teilhabe bekommen sollen und das Grundrecht darauf diese auch umgesetzt zu bekommen. Es geht mit einfachen Mitteln. Milton beweist es. Meine Unterstützung hat er definitiv und das ist auch wichtig für mich dies in meinem Blog für das Ruhrgebiet allgemein hier hinein zu verewigen!

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Mehr Informationen zum Verein und die bisherigen Unterstützer:

Barrierefrei Sei mit dabei e.V.

https://barrierefrei-sei-mit-dabei.de  

  1. Vorsitzender: Milton Merlano

milton.merlano@barrierefrei-sei-mit-dabei.de

Telefon: 0234-54454611

Wer den Verein mit einer Spende unterstützen möchte:

Bankverbindung Barrierefrei – Sei mit dabei e.V.

IBAN: DE 49 4306 0129 0154 9273 00
BIC:    GENODEM1BOC

Volksbank Bochum Witten eG

Oder direkt über PayPal.
Link zum Spenden: PayPal Barrierefrei – Sei mit dabei e.V. 

Spendenquittung anfordern:

vereinskasse@barrierefrei-sei-mit-dabei.de

Öffentlichkeitsarbeit:

André Brune – Mobil: 01633912257

Instagram: @barrierefreie_sei_mit_dabei_ev

Facebook  

PDF-FLYER : barrierefrei_flyer_v6_Digital

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Unterstützter/Sponsoren:

EROLGSGESTALTER GmbH

Reichspräsidentenstraße 21-25

45470 Mülheim an der Ruhr

Telefon: 0208 777245-30

Email: info@erfolgsgestalter.de

https://erfolgsgestalter.de

Markenberatung in Mülheim an der Ruhr | NeuroMarketing & Markenstrategie, Marketing & Designagentur

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Business-Club.NRW – Das Unternehmernetzwerk im Ruhrgebiet

Stephan Fink

Blötter Weg 79

45478 Mülheim an der Ruhr

Telefon: 017687091000

Email: kontakt@business-club.nrw

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K.L.U.G. Netzwerk

https://klug-netzwerk.de

Netzwerk für Unternehmen und Kunden » K.L.U.G Netzwerk

Leitung: Sybille Hellier

Telefon: 0209-94577720

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https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/

Bundesfachstelle Barrierefreiheit – Gesetzliche Grundlagen

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https://www.barrierefreifueralle.de/ Gesetzliche Grundlagen

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https://www.dguv.de/DGUV Barrierefrei – Grundgesetz

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https://aktion-mensch.de I Inklusion I Gesetze I Teilhabe und Barrierefreiheit

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https://bfsg-gesetz.de (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz)

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Die UN-Behindertenrechtskonvention | Aktion Mensch

Alle Fotos bis auf die Flyer sind Copyright André Brune

Podcast I +Fotos I Der Ruhrpottologe wird blind im Stockfinster von Thorsten Haneke

Im Gespräch mit dem Ideengeber und Inhaber von Stockfinster Thorsten Haneke und dem Guide Jan Patrick Wilhelm

Stockfinster zeigt Sehenden die Welt der Sehbehinderten

Blind kam ich nicht zur Welt. Auch Jan Patrick Wilhelm kam nicht blind zur Welt. Jan ist mit 2%iger Sehkraft auf dem rechten Auge die rechte Hand vom Initiator des „Stockfinster“ und einer der Guides, der durch die stockfinsteren Räumlichkeiten führt. Dabei wird das erfühlen, riechen und erleben „sichtbar“ gemacht für Sehende. Ein Verstehen für Blinde und ihr Leben und die Art und Weise, wie „Blind“ im Alltag gelebt wird.

Eingangsschild Stockfinster

Über ihn kam ich zum Kontakt mit diesem besonderen Unternehmen, das Thorsten Haneke aufgebaut hat: Stockfinster.

Thorsten Hanekes Idee

Ein Ruhrpottler durch und durch. Geboren in Bochum, aufgewachsen in Herne und heute in Hattingen wohnend, entdeckte in München mit seiner damaligen Partnerin ein „Dunkelrestaurant“, das „Finster“.

Der Treppenaufgang zum Stockfinster

Schon war die Idee geboren ein besseres Restaurantkonzept ins Ruhrgebiet zu bringen. Seit 2007 ist das Dunkelrestaurant „Finster“ ein sehr erfolgreiches Restaurant in Essen. Durch das Restaurant mit der gelebten Inklusion Blinde bzw. Sehbehinderte als Koch und Kellner einzustellen, ist er auf eine weitere Idee gekommen.

Thorsten Haneke rechts und Jan Patrick Wilhelm links

Thorsten Haneke ist mit seinen 54 Jahren kein Mensch, der die Füße hochlegt und sich auf seinen Lorbeeren ausruht. Neben dem Dunkelrestaurant führte er von 2015 bis 2020 auch die Gastronomie im Schloss Borbeck. Thorsten ist sehr vielseitig. Kaum einer weiß, dass er früher mal Tanzmusik als DJ unter anderem beim Ballermann aufgelegt hat. Thorsten ist mittlerweile weg von der Musikbranche hin zu einem besonderen Beruf geschwenkt: Bauingenieur. Er kennt sich also bestens aus mit dem Umbaumaßnahmen und rechtlichen Dingen eines alten Betriebsgebäudes zum „Stockfinster“. Sein Bedürfnis ist es, die Erfahrungen aus dem Restaurant heraus in Bewegung zu bringen, um für ein noch besseres Verständnis für Menschen mit Behinderung zu vermitteln.

Durch das Dunkelrestaurant hat Thorsten schon Kontakte in die Community der Blinden gehabt, die eng miteinander verbunden sind. Jan Patrick Wilhelm ist einer davon. 1993 geboren hat er in seiner Jugend plötzlich seine Sehkraft durch eine Infektion bis auf 2% auf dem rechten Auge verloren.

Ratlose Ärzte

„Sie sehen nichts, wir leider auch nicht“, war ein zynischer Spruch eines Arztes, den Jan zu hören bekam. Die Ärzte waren ratlos und fanden die Gründe nicht nur raus, sondern sie konnten ihm auch nicht helfen. Jan musste sein Leben neu starten.

Der Eingang zum Stockfinster

Jeder kann Blind werden

Jan erzählt über seine starke Sehbehinderung durch eine über Nacht gekommene Infektion als Kind. Kein Arzt konnte erklären, woher die mysteriöse Infektion gekommen war und warum und wie er sehbedindert wurde. Es waren einfache Erkältungssymptome, die auftauchten. Am Ende rieten die Ärzte ihm zu einer Blindenschule zu gehen und sein Leben neu zu justieren.

Der lange Tisch für Schulklassen

Das heißt nicht, dass Blinde nichts machen können. Denn Jan ist zuständig für die Bearbeitung von Internet und Social Media Kanäle und ist der perfekte Guide für „Stockfinster“. Er ist schon im Vorfeld der Eröffnung eine große Hilfe für Thorsten Hanekes Idee.

Viele reden über Inklusion, machen jedoch wenig

Jan Patrick Wilhelm wollte bei „Stockfinster“ sofort dabei sein.

„Viele reden über Inklusion, aber wenig wird gemacht“, sagte er im Interview. In seinen „Augen“ findet die Sensibilität für die Inklusion sehr selten statt. Um mehr Verständnis für Blinde zu bekommen, hat Jan auch den Youtube-Kanal „BlindeTube“ gegründet, wo er u.a. mit anderen Sehbehinderten über „Blinde Situationen“ oder „Gott und die Welt“ plaudert.

Ausstattung im Eingangsbereich

Sie konnten ihm nicht helfen. Sie wußten nicht, woher die Erkrankung kam.

„Herr Wilhelm, Sie sehen nichts. Wir leider auch nicht“, sagte ein behandelnder Arzt.

 Es war eine mysteriöse Infektion. Jan war einfach ganz plötzlich Blind. Es kann also jeden treffen.

Ehre des Arbeit

Tunnelblick

Vor meinem Besuch war mir nicht klar, dass es verschiedene Sorten „Blindheit“ und eine Einteilung von Sehbehinderung gibt. Der Tunnelblick ist Vielen bekannt, aber nicht wie er wirklich zustande kommt. Jan erklärt es im Podcast.

Die Arbeit eines Blinden

Strukturiertes Arbeiten ist wichtig bei Sehbehinderten. Ein Messer darf nicht woanders liegen, wenn gekocht wird. Das Anbrennen von Essen kann  schon zu einem Chaos in der Küche führen kann.

Ruhrpott im Stockfinster

Kai Pflaume im Dunkelrestaurant

Für eine Aufnahme von 6 Minuten mit dem Moderator Kai Pflaume arbeiteten 10 Leute von morgens bis abends. Hinterher konnte man nicht mal mehr die aufgeschnittenen Schränke und Wände sehen. Alles wunderbar verputzt und wieder hergerichtet.

Stockfinster sehen

1,2 Mio Blinde bzw. Sehbehinderte mit sehr geringer Sehkraft leben allein in Deutschland. Weltweit gibt es tatsächlich 1,1 Milliarden Menschen mit eingeschränkter Sehkraft bis Blindheit. In ärmeren Regionen der Welt, wie in Afrika, ist die rechtzeitige Versorgung mit entsprechenden medizinischen Möglichkeiten und Brillen stark beeinträchtigt. Die Statistik für Deutschland und auch weltweit wird wahrscheinlich auch höher sein.

Finde die Spinne Kasten

Gemütlich in einem Kinosessel fläzend wird im ersten leicht verdunkelten Eingangsraum vom „Stockfinster“ die Begehung, das Nutzen des Blindenstabs und  Beachten des Gehens im Dunkeln erklärt. Jan und die anderen Guides bereiten so die Besucher*innen auf ihre „Blindheit“ vor.

Dann gehen alle hinter dem Guide langsam in den ersten Raum, um einzelne Buchstaben zu ertasten. In jedem Raum sind verschiedene Experimente, die das Fühlen und Hören stärker beanspruchen und die Sinne schärfen. 

Auch eine Straße wird gelernt zu übertreten in 15 Sekunden. Einen Korb mit einem Basketball werfen oder im Ruhrpottraum besondere andere Dinge fühlen.

Am Ende erwartet den Besucher eine Bar bzw. das Dunkelcafé, in dem mit Bargeld die Bestellung eines Essener Stauders möglich ist. Wer dann noch Fragen an den Guide hat, können diese nun ergiebig gestellt werden.

Im Podcast ist eine kleine Begehung. Dieser ist zwar mit den Interviews über zwei Stunden lang geworden, aber Thorsten Haneke und der Guide Jan Patrick Wilhelm sollten sich vorstellen dürfen und die Idee von Stockfinster dem Zuhörer näher bringen.

Aus meinen Erfahrungen, die ich im Stockfinster als Sehender gemacht habe, kann ich nur den Hut ziehen. Diese ganz besondere Einrichtung von Thorsten Haneke. „Stockfinster“ gehört für mich nicht nur zu einem einfachen Erlebnis Blindheit kennenzulernen, sondern zu einem einmaligen Verständnis Inklusion besser verstehen zu können auf allen Ebenen.

Der Spieletisch

Der Podcast mit den Interviews von Thorsten Haneke und Jan Patrick Wilhelm können nur einen kleinen Teil klären. „Blindes Leben“ erspüren und erfahren ist im „Stockfinster“ nun möglich geworden.

Bilder oder Buchstaben erfühlen erfordert neben Geduld auch Übung. Ich brauchte sehr lange um manche Dinge erfühlt bildlich vorzustellen. Oft konnte ich nur raten, weil mein Gehirn mir anderes vorgegaukelt hat.

Bergbauutensilien was der Sehende sieht

Inklusion erleben

Eine Kamera kann und darf diese Empfindungen nicht hergeben. Ein Podcast zum Hören, ist ein besseres Medium. Aber es selbst zu erleben ist die beste Methode „Stockfinster“ zu erleben. Anschließend können die Erlebnisse der Empfindungen mit anderen im Ausgangsbereich des „Dunkelcafés“ mit Anderen geteilt werden.

Für mich ist das „Stockfinster“ von Thorsten Haneke schon jetzt eine besondere Institution für ein besseres Verständnis Blind zu sein. Er verdient ein Bundesverdienstkreuz für die erlebte Inklusion, von der so viel geredet wird, aber in Wirklichkeit, gerade im Bereich vieler namhafter Firmen, kaum durchgeführt wird. Wobei die Gründe nicht klar sind.

Win-Win Situation

So kann „Stockfinster“ auch aufklärend sein für die Personalabteilungen, die Inklusion bisher eher ablehnend gegenüber stehen. Blinde können Dinge anders sehen, als Sehende sich das vorstellen. Das kann für viele Seiten sogar eine Win-Win-Situation sein.

Schulen und Vereine, sowie Interessierte aus allen Teilen Deutschlands, können das Blindsein entdecken und erfühlen. Es kann ein Gespür entwickelt werden, wie Blinde sich durch das Leben tasten und auf einem selbst bezogen bewußter das Leben zu nehmen.

Geduldig sein, das ist vor allem das Erleben von Blindsein. Für mich war das Fixieren und Konzentrieren meiner Wahrnehmung beim Fühlen und Hören im „Stockfinster“ plötzlich anders wahrgenommen. Blindsein bzw. Blindwerden lässt die Sinnesorgane verändern.

Außerhalb der dunklen Räume ist ein Wartebereich, bevor es ins „Stockfinster“ geht. Ein meterlanger Tisch lädt zum Spielen ein, ist aber auch für Schulklassen gedacht. An der Wand ist ein „Fühlkasten“ mit dem Hinweis „Finde die Spinne“. Ein lustiges „Fühlspiel“, das sich lohnt.

Mein Fazit:

Stockfinster wird ein neues Verständnis bieten für gelebte Inklusion. „Stockfinster“ ist ein Muss es zu besuchen mitten im Ruhrgebiet in Essen.

Respekt für diese Idee und viel Erfolg wünscht der Ruhrpottologe André Brune

Weitere Informationen und Links:

Internet: https://stockfinster.de

Facebook: (20+) Stockfinster – Lichtlose Interaktion | Facebook

Instagram: Stockfinster (@stock_finster) • Instagram-Fotos und -Videos

Email: info@stockfinster.de

Adresse:

Stockfinster

Münchener Str. 65

45145 Essen

WhatsApp: 01631429680

Telefon: 020179885558

Fax: 020179885575

Das Dunkelrestaurant:

Finster

Steinhauser Str. 26

45147 Essen

Reservierungen:

Tel: 02014519567

Internet: Restaurant FINSTER – SINNreich essen (finster-essen.de)

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.:

Startseite – Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (dbsv.org)

Landesvereine:

Landesvereine – Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (dbsv.org)