Spendenaktion Hospizverein Regenbogen in Halberstadt vom Bochumer Dieter Seifert
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Dieters Spendenfahrten zum Hospiz Halberstadt
Dieters Motorradtouren – Zentrum für Spendenaktionen
Tagebuch 2025 | Dieters Motorradtouren
Mehr Infos im Blog:
Zur Person der Spendenaktion: Dieter Seifert
Wie kommt ein Bochumer nach Halberstadt?
Die turbulente Lebensgeschichte von Dieter Seifert
Erstes Kapitel
Dieter konnte es nicht fassen: Seine diesjährige Spendenkampagne zugunsten des Hospizvereins Regenbogen in Halberstadt, der Stadt seiner Kindheit, hatte am 1. Januar 2025 begonnen. Sie endete am 31. Juli 2025, dem Tag seines 70. Geburtstags. Zum Schluss lagen 5.441,13 € im Spendentopf.
2023 hatte er die erste Kampagne gestartet, die über 1000 Euro erbrachte. Die zweite Kampagne im Jahr 2024 endete schon mit über 1400 Euro an Spenden.
Warum ein Bochumer einen Hospizverein in einem Provinznest in der ehemaligen DDR tatkräftig unterstützt, erschließt sich nicht ohne Weiteres. Am Ende der Geschichte wird es klar sein.
Zweites Kapitel
Am 31. Juli 1955 wurde der Kleine in Unna geboren. Seine Eltern waren erst einige Jahre zuvor in Bönen nahe Unna gelandet. Der Vater kam aus Thale im Harz, die Mutter aus Chemnitz, das zu der Zeit Karl-Marx-Stadt hieß. Vermutlich war die Ehe von Anfang nicht sehr sonnig, denn der Kleine verbrachte schon wenige Monate nach seiner Geburt immer wieder sehr viel Zeit bei den Eltern seines Vaters in Thale, also in der DDR. Das ging vor dem Mauerbau am 13. August 1961unkompliziert.
Um 1960 waren die Großeltern von Thale nach Halberstadt umgezogen, was nicht weit entfernt lag. Im Frühsommer 1961 kam der Junge wieder zu seinen Großeltern und sollte dort fast 5 Jahre lang bleiben. Die Ehe seiner Eltern war nämlich längst gescheitert.
So kam der Siebenjährige 1962 in die Halberstädter Friedensschule, die heute nicht mehr dort steht. 1964 hatte die zwischenzeitlich geschiedene Mutter wieder geheiratet. Sie lebte mit ihrer neuen Familie in Dortmund und es gelang ihr, ihren Sohn 1966 zu sich zu holen.
Drittes Kapitel
1969 verließen die Großeltern die DDR und zogen nach Bönen, also nach Westdeutschland. Ihr Sohn, Dieters Vater, lebte nach wie vor dort. Die Großeltern, die 1903 und 1904 in Bochum geboren waren, hatte es nämlich im Zweiten Weltkrieg nach Thale verschlagen. Aber das wäre eine andere Geschichte, in der Schiffe, der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg eine sehr große Rolle spielen.
Damit war das letzte Verbindungsglied von Dieter nach Halberstadt gekappt. Da der Umzug von Halberstadt nach Dortmund innerhalb weniger Tage vollzogen worden war, hatte er sich nicht von seinen Klassenkameraden, Nachbarn etc. verabschiedet. Für ihn war ohnehin das, was in diesen Tagen passiert war, nicht richtig greifbar.
Es würde immer nur ein Gast in Halberstadt sein. Schon vorher taten seine Großeltern alles, damit er keine Wurzeln schlug. Als Kind verstand er nicht, dass seine Großeltern ihn nicht, wie die anderen Kinder zu den Jungpionieren schickte, wo er wie alle „sozialistisch erzogen“ worden wäre und im System der DDR gekommen wäre. Er fühlte sich isoliert, und als Kind verstand er es nicht. Niemand versuchte es ihm zu erklären. So verschwand Halberstadt nach dem Umzug ins Ruhrgebiet erstmal in den Nebeln der Erinnerung, blieb jedoch immer schemenhaft sichtbar.
Viertes Kapitel
Dieter wuchs als Dortmunder heran. In dem neuen Milieu kam er schlecht zurecht und es blieb ihm über lange Zeit fremd. Er eckte an vielen Stellen an. Aber er war ziemlich aufgeweckt und wechselte schnell von der Grundschule in Dortmund auf die Realschule und dann auf das Gymnasium. Die Kurzschuljahre in NRW zwischen 1966 und 1968 machten schnelle Schulwechsel leichter. Der Kontakt zu den Großeltern wurde immer seltener; sie waren sich fremd geworden.
1970 flog der Junge nach einer Reihe von Schlägereien vom Gymnasium, arbeitete dann eine Zeitlang als Hilfsarbeiter in einer Maschinenfabrik und begann schließlich eine Ausbildung zum Buchdrucker, die er 1974 mit der bestandenen Gesellenprüfung beendete.
Es folgte der Wehrdienst. Anschließend arbeitete er bis 1982 als Drucker in verschiedenen Betrieben. Zu Hause ausgezogen war er 1976. Die Oma war schon 1972 gestorben, der Opa starb 1981. Zum Opa bestand in dessen letzten Lebensjahren ein sehr herzlicher Kontakt. Halberstadt spielte keine Rolle mehr. Die Stadt verblasste in den Erinnerungen bis zu einem Schlüsselmoment in seinem Leben.
Fünftes Kapitel
1981 wurde ihm ein befristeter Job in einer gewerkschaftlichen Bildungsstätte angeboten. Ein Ergebnis seines vorherigen gewerkschaftlichen Engagements. Wie es in der Industrie üblich war, wurde er früh in der Ausbildung Gewerkschaftsmitglied. Schnell wurde er selbst aktiv in der Gewerkschaftsjugend.
Die Karriereleiter ging weiter mit der Wahl zum Betriebsrat über die ehrenamtliche Mitarbeit in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit. 1982 war ein Schlüsseljahr seines Lebens. Er zog mit seiner damaligen Frau in den Untertaunus und arbeitete zwei Jahre lang in der „Roten Burg“, der IG Druck und Papier.

Danach lernte er zwei Jahre lang in einer gewerkschaftlichen Bildungseinrichtung, die mit der Frankfurter Uni zusammenarbeitete, sehr viel Theoretisches aus den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Das genügte dank des intensiven Unterrichts mit wenigstens 6 bis 8 Lernstunden pro Tag, um aus ihm einen DGB-Rechtsschutzsekretär im Kreis Mettmann zu machen.
In den Jahren ab 1986 konnte er nicht nur in seinem Beruf immer mehr Kenntnisse und Erfahrungen sammeln, er konnte auch in seiner Freizeit die Entwicklung im Ostblock genau verfolgen, insbesondere den Niedergang der UdSSR und der DDR.
So kam es nicht von ungefähr, dass er im Juni 1990 auf eigene Faust mit dem Auto nach Halberstadt fuhr. Damals existierte die DDR mit Visapflicht, Grenzkontrollen, Zwangsumtausch auf dem Papier noch.
Sechstes Kapitel
Dieter lebte wieder allein nach der Scheidung in Bochum. An einem Freitagmorgen im Juni 1990 machte er sich einfach mit dem Auto auf dem Weg nach Halberstadt. Hinter Goslar überquerte er die Grenze – und nichts passierte. Zwei Volkspolizisten standen am Straßenrand und wirkten überraschend uninteressiert.
Er kam nach Halberstadt und fand das „Hotel St. Florian“. Damals kostete ein Zimmer noch 90 DM. Sofort buchte er zwei Nächte. Das war noch vor der Währungsunion. Der Preis wäre schon für ein Luxushotel im Westen teuer gewesen. Doch es war egal.
Zu Fuß erkundete der Bochumer die Stadt seiner Kindheit und fand das Haus, in dem er mit den Großeltern gelebt hatte. Auch seine alte Friedensschule und viele andere Plätze an die er sich wieder erinnern konnte.
Abends kam er im Hotelrestaurant in Kontakt mit einem Ehepaar aus Halberstadt. Die Frau war in dieselbe Schule gegangen, nur eine Klasse höher. Damit war schon einmal Gesprächsstoff da und der Abend verging wie im Fluge.
Am kommenden Tag, vor der Rückfahrt, stand noch eine Straßenbahnrundfahrt auf dem Programm. Mit einem schönen Umweg, der ihn noch auf die Wartburg führte, war die Rückfahrt sehr eindrucksvoll. Insgesamt war dieser Besuch in jeglicher Hinsicht sehr beeindruckend, löste aber noch nicht die Bedürfnisse in seiner Kindheitsstadt zu unterstützen. Das kam erst später.
Siebtes Kapitel
Eine weiter Lebensveränderung kam 1991. Dieter verließ den DGB und ging zur frischgegründeten IG Medien, einer Gewerkschaft, die durch einen Zusammenschluss mehrerer kleiner Gewerkschaften entstanden war.
Der Arbeitsort war in Dortmund, also wurde auch der Wohnsitz wieder nach Dortmund verlegt. Der Bochumer wurde Dortmunder. 1993 kam dann das Angebot, für eine begrenzte Zeit in Erfurt bei der IG Medien zu arbeiten. Aus privaten Gründen ging es nicht, aber er begann Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretäre aus der ehemaligen DDR im deutschen Sozialrecht zu schulen.
Der DDR war ja ohne Vorwarnung das komplette Sozialversicherungssystem der BRD übergestülpt worden und die Kolleginnen und Kollegen im Osten standen völlig ratlos da. Seminare fanden in Chemnitz, Dresden, Erfurt, Leipzig und in einer Bildungsstätte im Thüringer Wald statt. Durch diese unglückliche Begebenheit für die ehemaligen Deutschen Demokraten gab es für den Gewerkschafter aus dem Westen ein besonderes Abenteuer. Er lernte Elisabeth kennen. Sie war eine Kollegin aus Gera. Und es klingelte sofort zwischen ihnen. Nach rund zweieinhalb Jahren schwerer Fernbeziehung zog Elisabeth zu ihm, weil sie einem Jobangebot in Düsseldorf gefolgt war.
Achtes Kapitel
Nun wurde der Dortmunder Essener, denn um die sehr unterschiedlichen Wege zur Arbeit auszugleichen, zogen die Beiden in die Stadt mitten ins Ruhrgebiet. Irgendwann bekam Elisabeth eine Einladung nach Weida in Thüringen zum Klassentreffen. Weil sie mit dem Namen des Einladers nicht sofort etwas anfangen konnte, suchten die Beiden im Internet nach ihm und fanden den Namen in einer Community, die sich auf Menschen spezialisiert hat, die in der selben Schule waren.
Elisabeth meldete sich an mit ihrem Dieter an dort an. Plötzlich kam eines Tages eine Frage über diese Plattform: „Bist du nicht Der, der damals zu seinen Eltern in den Westen gegangen ist?“ Ein früherer Klassenkamerad aus der Friedensschule hatte sich erinnert. Es wird wieder bestätigt: Die Welt ist ein Dorf.
Erste Einladungen zu einem Klassentreffen und es folgten weitere. Dieter kam so öfter mit der Stadt seiner Kindheit wieder zusammen. So entdeckte er immer mehr Ecken, die er wiedererkannte und erlebte mit, wie sich die Stadt als Teil des neuen Bundeslandes Sachsen-Anhalt entwickelte. Durch Eingemeindungen wuchs Halberstadt Stück für Stück. Häuser aus dem Mittelalter wurden größtenteils saniert und neue Viertel entstanden. Und dann kamen erneute Veränderungen bis er über die vielen Umwege dann zum Hospizverein Regenbogen kam.
Neuntes Kapitel
Mittlerweile schreiben wir schon 2014. Dieter wurde mit Elisabeth wieder Bochumer. Sie zogen von Essen nach Bochum-Dahlhausen. Mit nur 59 konnte er aufhören zu arbeiten. Ein gut gefülltes Überstundenkonto und ein Altersteilzeitvertrag machen es möglich.
2015 kauft er sich nach jahrzehntelanger Pause wieder ein Motorrad. Als junger Mensch hatte er den Motorradführerschein gemacht, war aber als Gewerkschaftssekretär nicht dazu gekommen, selbst zu fahren.
Einige Jahre später lernt er die Vereinigten Motorradstaffeln kennen, eine Gruppe von Motorradfahrern, die zusammen mit der Polizei Wohltätigkeitskorsos von Motorradfahrern im Straßenverkehr absichert. Hier konnte er sein Hobby Motorradfahren mit seinem Ding Gutes zu tun einfach verbinden. So entstand der Zündfunke eine eigene Kampagne zu starten für den Hospizverein in Halberstadt.
Die örtliche Presse greift die Geschichte gern auf. Plötzlich melden sich Menschen bei unserem Bochumer, die er aus seiner frühen Kindheit kannte aus der Zeit vor dem Umzug zu seinen Großeltern nach Halberstadt. Es schließt sich ein Kreis, der 1966 über viele Umwege unterbrochen wurde. Es tauchen Menschen wieder auf, die ihm früher sehr wichtig waren und er bekommt nun neue Freundschaften und Bekanntschaften hinzu.
Gutes Tun für einen guten Zweck, Menschen zu helfen, kann einem selbst einen neuen Horizont eröffnen und neue Menschen kennenzulernen, die einem wichtig werden können.
Dieter ist nun 70 Jahre alt. Er wird alles solange tun, wie er es kann aus der Kraft der Überzeugung und Stärke.
Zehntes Kapitel
Dieters Geschichte ist turbulent. Wie es über Umwege zurück zu den Wurzeln kam ist unglaublich. Wer ihn in seinem Tun unterstützen möchte und dabei den Menschen in einem Hospiz eine Freude bringen, der kann gern etwas Spenden.
Meldet Euch bei Dieter Seifert. Seine Internetadresse lautet:
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