Von Bottrop nache Fußgängerzone Herten – Spontaner Roadtrip durch dat Ruhrgebiet I +Videopodcast I +Podcast #137

Es war ein spontaner Ausflug nach Herten. Das hat mich bewegt zu einem spontanen Roadtrip-Podcast in der Reihe „Ruhrpottologe unterwegs im Ruhrgebiet“. Mit einem neugierigen ersten Blick frage ich: Was kann in Herten entdeckt werden? Mehr als gedacht und nicht nur deswegen ist Herten für mich definitiv nicht nur ein Besuch wert:

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Text auf Ruhrdeutsch zum Hören:

Herten hat wat

Die Stadt war ein Dorf mit einem Adelsgeschlecht. Mit dem Bergbau wurde sie zu einer Stadt mit bemerkenswerten Schönheiten. Meine Empfehlung: Den Blick nach oben, zur Seite und in die Ferne schweifen lassen. Mit dem Rad oder zu Fuß erkunden geht Herten ganz einfach. Denn es gibt auf den knappen 38 Qudratkilometer zwischen alter Architektur, natürlich die übliche Mischung aus typischer Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und dann gibt es ganz viel Kunst in der Innenstadt in Form von Skulpturen zu bestaunen und fussweit auch ganz viel Natur mit einem schicken Wasserschloss.

Manchmal sind es gar nicht die langen geplanten Touren, die am meisten Eindruck hinterlassen, sondern die spontanen Fahrten. Einfach mal los ins Auto oder die Bahn steigen, denn ja, auch Herten hat wieder einen Bahnhof! Bis vor wenigen Jahren war Herten die Stadt in Deutschland ohne Bahnhof. Jetzt hat sie seit Dezember 2025 sogar zwei. Der andere ist im Stadtteil Westerholt.

Mit dem Bus geht es natürlich auch, oder mit dem Fahrrad logischerweise. Genau so habe ich es auch gemacht. Ich hatte noch was in Bottrop zu erledigen und hab mich entschieden einfach nach Norden zu fahren nach Herten, um hinein in die Fußgängerzone zu gehen, um sie endlich kennenzulernen. Ich war noch nie da. Den Schlosspark kannte ich, aber in die Fußgängerzone bin ich nicht gegangen. Und ich denke, dass es vielen so geht, die Herten besuchen. Ein erster neugieriger Blick bestätigt es: Herten hat wat. Auch in der Fußgängerzone, die nicht klein ist.

Herten auf den zweiten Blick
Ein wenig durch die Straßen laufen, die Atmosphäre aufnehmen und auch mal rechts und links schauen, das mache ich in jeder Stadt, die ich kennenlerne. Und oft ist es genau das, was Horizonte erweitern lässt. Kaum einer schaut nach oben auf die Dachfirste. Dort können lustige oder angstmachende Gesichter einen anblicken oder erschrecken. Manche Fenster haben schöne Pflanzen, die auch zuhause schick sein könnten. Die Stadt und ihre Bewohner zeigen ihren Charakter zwischen Alltag, ihrer Geschichte und den typischen Flair vom Ruhrgebiet zwischen Bodenständigkeit, schnörkelloser Einfachheit und Schnickschnack.

Die Fußgängerzone in Herten ist dabei mehr als nur Einkaufsbereich. Hier entfaltet sich auf mehr als nur einer Straße das Stadtleben. Viele Bänke laden zum Verweilen ein. Ein Teil ist klimafreundlich aufbereitet worden mit mehr Grün und mehr Bänken, die ich in Bochum, Bottrop oder Gelsenkirchen vermisse. Die Fußgängerzone macht die Stadt größer als sie ist, auch wenn sie in einer Stunde erlaufen ist. Natürlich gibt es hier und da auch Leerstand, wie überall. Aber die Stadt versucht dem baulich etwas entgegen zu setzen. Und genau das macht den Reiz aus.

Innenstadt mit eigenem Charakter
Wer durch Herten läuft, merkt schnell: Diese Stadt lebt von ihren Gegensätzen. Hier treffen täglicher Trubel in der architektonischen Vielfalt und auf historischen Spuren. Manches fällt sofort ins Auge, manches kann erst mit dem zweiten Blick entdeckt werden.

Gerade das mag ich am Ruhrgebiet insgesamt: Städte müssen nicht rausgeputzt sein. Sie wirken dadurch auch viel interessanter. Sie leben und zeigen dadurch Charakter und ihren eigenen Charme. Herten hat Charakter und Charme und eine gute Eisdiele: Dolce Vita. Waldmeister ist sehr zu empfehlen! Und das Spaghettieis wird hier ganz besonders zubereitet:

Orientierungspunkt St. Antonius
Ein besonderer Orientierungspunkt in der Innenstadt ist die St.-Antonius-Kirche. Der Kirchturm ist nicht hoch, aber er ist der Mittelpunkt der Stadt und von der Fußgängerzone aus immer zu sehen oder hören. Davor verschandelten Architekten den Markplatz mit einem flachen Betongebäude. Mittlerweile sehe ich das aber anders. Es hat seinen eigenen Charme von Gegensätzlichkeit. Die war wohl beabsichtigt damals: Die alte Kirche, die im Krieg kaum was abbekommen hat zu einem Brutalismusgebäude mit Flachdach sind wie ein abstrakttes Kunstwerk zu betrachten. Ein Besuch in der Kirche lohnt sich wegen dem historischen Innenleben, das den Krieg überlebt hat in dieser überwiegend katholischen Stadt.

Schlendern ist angesagt.

Schlendern mit einem Eis in der Hand, sich die Skulpturen einer Schweineherde dabei anzuschauen oder in eine alte Buchhandlung gehen, um zu schmökern oder sich den Zinnkram anschauen, die Bergbaumotive eingraviert haben oder Stadtmotive, wie es in den 1970er und 1980er Jahren üblich war. Das findet sich in einem Secondhandladen im ehemaligen Kaisersaal gegenüber der Kirche. Es wirkt eher wie ein antiker Souvenirladen, der nun Dinge aus verstorbenen Bergleuten verkauft, die bei den Haushaltsauflösungen sonst in den Container kommen. Doch die neue Generation kann damit nichts mehr anfangen. Mit dem Bergbau kann sie sich nicht identifizieren. Kaum einer hat noch Eltern, die Untertage arbeiteten. Der Großvater vielleicht war noch mit der Grubenlampe unterwegs. Aber das ist ja auch schon über zwanzig Jahre her. Die Zeit vergeht und Herten ist im Umbau. Der Strukturwandel von der Kohle weg, hin zu mehr Unabhängigkeit in der Welt. Herten will Wasserstoffstadt werden. Wenn sie bis vor wenigen Jahrzehnten die größte Bergbaustadt Europas war, so ist das sehr ambitioniert Europas größte Wasserstoffstadt zu werden. Alle Achtung, wenn die Situation sinnvoll genutzt wird und wirklich funktioniert. Für die Stadt bedeutet es einen neuen Aufbruch in die Moderne. Dafür wünsche ich ihr viel Erfolg und Glück.

Fazit : Warum Herten besuchen?
Mit hat die Stadt gefallen. Sie war sauber. Herten hat viele klimafreundliche Stellen und Sitzplätze, die zum Verweilen einladen. Natürlich gibt es auch die immer noch nicht fertig gestellte Galerie am Rathaus, wo Einkaufen schöner sein soll. Aber mal ehrlich : Im Zuge von Internetshops und auch ein paar Leerstände in der Innenstadt, braucht niemand mehr so einen Klotz in einer Stadt mit knapp 70000 Einwohnern. Dort könnte eine Grünanlage oder ein Generationenhaus stehen, um die Stadt neu zu beleben, als Grüngürtel oder zur Neubelebung der City.

Herten und damit auch der Stadtteil Westerholt, den ich mir ja noch extra anschaue, ist eine Stadt mit Sehenswürdigkeiten, wo man einfach mal einen Halt einlegen sollte. Das Schloss habe ich mir mit seiner großen Parkanlage an dem Tag nicht angesehen. Also verbindet mal einen Besuch des Schlosses auch mit der Fußgängerzone oder umgekehrt. Und es gibt ja noch mehr: Halde Hoheward, Zeche Schlägel und Eisen, das Fachwerkdorf Westerholt. Ein kurzer oder längerer Zwischenstopp lohnt sich also.

Wahrscheinlich mag man nicht die Art dieses Podcasts, den ich in der Tradition meines ersten gemacht habe. Aber er ist ehrlich, authentisch direkt vor Ort spontan eingesprochen. Keine angepasste Tontechnik, kaum gekürzt, der Wind tost und verringert hier und da mein Sprechen, genauso wie am Anfang wohl versehentlich die Freisprechanlage das Mikro war. Ja und? Das war ein spontaner Roadtrip im Ruhrpott. Und ihr seid sozusagen live dabei im Podcast.

Herten hat Ecken und Kanten, hat Historie vom alten Ruhrgebiet von vor dem Bergbau, Schönheit und Charakter. 
Und Herten verlässt euch hier im Blog noch nicht. Wir, Jack Tengo und ich sind nämlich noch lange nicht fertig mit dem Podcast. Es fängt erstmal an.

Glück auf in Herten!

Alle Fotos (C) André Brune

Dieter Seifert – Gästeführer im Eisenbahnmuseum Dahlhausen & Spendensammler für den Hospizverein Regenbogen in Halberstadt  I +Videopodcast I +Podcast I +Fotos I +Links

Dieter Seifert ist ein Brückenbauer zwischen der Stadt seiner Kindheit Halberstadt und seinem Wohnort Bochum. Einerseits ist er mit Herzblut als Gästeführer im Eisenbahnmuseum Dahlhausen einmal die Woche unterwegs, andererseits setzt er sich für seine besondere Spendenaktion ein. Im Podcast erfahrt ihr einiges über das Eisenbahnmuseum und Dieters Spendentouren für den Hospizverein Regenbogen:

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Biker4Kids Fahrer Dieter

Dieter Seifert ist selbst seit Jahren als Sicherungsfahrer mit den Vereinigten Motorradstaffeln und vielen anderen Ehrenamtlichen bei den Biker4Kids dabei. Hier bekam Dieter den Funke selbst für einen guten Zweck Spenden zu sammeln. So entstand die Idee mit der Spendensammlung für den Hospizverein Regenbogen in der Stadt seiner Kindheit: Halberstadt.

Dieter vor seinem ehrenamtlichen Arbeitsplatz an der Drehscheibe im Eisenbahnmuseum Dahlhausen

Was sind die Biker4Kids?

Das was im Ruhrgebiet die Kinderfahrten sind, die ich selbst zwei Mal begleitet und worüber ich berichtet habe, gibt es seit 2007. Begeisterte Motorradfahrer*innen aus Düsseldorf und Umgebung unterstützen die Kinderhospizarbeit in Düsseldorf.

Der Start war in der Eifel. Die Geschwister von Kindern mit der lebensverkürzenden Krankheit AKHD wurden zu einer Motorradtour eingeladen. Die einmalige Aktion wurde so begeistert aufgenommen, dass dieser ehrenamtliche Dienst dauerhaft durchgeführt werden sollte. So entstanden die Biker4Kids, die nicht nur die erkrankten Kinder, sondern auch die Familien und Geschwister einbinden, die täglich mit der Belastung leben. Mittlerweile fährt auch ein großer Bus mit, der die Kinder und Familienangehörigen mitnimmt, die nicht auf einem Motorrad mitfahren können.

So entstand der jährliche Motorradkorso und zusätzliche monatliche kleinere Aktionen, um die belasteten Menschen ein wenig Freude in ihren Alltag zu bringen.

Es gibt einen monatlich stattfindenden Stammtisch, wo die Projekte besprochen und geplant werden, dadurch finden auch spontane Ausfahrten statt.

Mehr Infos: https://www.biker4kids.de/

Du möchtest die Biker4Kids unterstützen:

Spendenkonto

Stadtsparkasse Düsseldorf

BIC: DUSSDEDDXXX

IBAN: DE85 3005 0110 1008 1416 06

Spenden | Biker4Kids

Kontakt | Biker4Kids


Spendenfahrten von Bochum nach Halberstadt

Die Idee der Spendenfahrten nach Halberstadt hatte Dieter durch die Teilnahme bei den Biker4Kids bekommen. Nun fährt er für einen guten Zweck mit seiner Suzuki nach Halberstadt und macht im August jedes Jahr eine Abschlussfahrt mit einem gut herangewachsenen Spendenscheck.

Auf seiner Internetseite https://bikersammeltspenden.de  zeigt er neben seinem Engagement für den Hospizverein Regenbogen auch mit Fotos sein Halberstadt und die Orte, die er auf seinen Motorradtouren unterwegs besucht.

Halberstadt hat verwinkelte Gassen mit schnuckeligen Fachwerkhäusern, die zum Teil noch aus dem 15. Jahrhundert stammen und Touristen zum Flanieren einladen. In der DDR – Zeit verfiel die Bausubstanz stark. Mittlerweile ist es ein blühender Kern geworden.

Der Anfang der Spendensammlung für den Hospizverein Regenbogen

Im Jahr 2023 begann Dieter Spenden von Freunden und Bekannten zu sammeln für den Hospizverein Regenbogen. Er konnte auch einen Apotheker in Dahlhausen zu einer größeren Spende bewegen, so das eine erste Spendenübergabe von 1013,13 € zusammenkamen.

Dieter nimmt seine Spendenaktionen sehr ernst. Er wird das machen, solange es seine jetzt siebzig Jahre alte Knochen schaffen werden, sagte er mir. 2024 steigerte sich der Spendenbetrag auf 1413,13 €.

Ein Rundblick auf die schöne Halberstadt

https://youtu.be/BPJbaqb3Cao

Erfolgreichste Sammelaktion 2025 für den Hospizverein Regenbogen

Im dritten Jahr 2025 von Dieters Spendenaktion bekam er Unterstützung von Mario Hinze. Als Team bekamen sie 5441,13 € durch viele Spenden aus Halberstadt und Umgebung hauptsächlich zusammen. Die Spenderfirmen werden auch auf seiner Internetseite erwähnt.

In diesem Jahr brauchte der Hospizverein ganz viel Geld. Denn im Jahr 2025 musste der Hospizverein hauptamtliche Koordinatorinnen ausbilden. Die Krankenkassen finanzieren zum Großteil die Hospizvereine, ersetzen auch Personalkosten, aber sie finanzieren nicht Aus- oder Fortbildung. So wurde plötzlich für zwei Hospizmitarbeiterinnen für eine nötige Ausbildung 7500 € gebraucht. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Dieter und Mario haben somit dann mehr als dreiviertel durch Spenden decken können. Respekt!

Für das Jahr 2026 sind schon Ende des Jahres wieder einiges zusammengekommen:  575,35 €. Das könnte das vorherige Spendenergebnis toppen. Das wünsche ich dieser besonderen von Dieter angeleierten Spendenaktion, dass sie weitergehen wird und das Hospiz ohne geldliche Probleme für die Menschen da sein kann, die ihren letzten Weg dort verbringen.

Die wilde 13

Jedes Jahr „rundet“ ein Modelleisenbahnfreund als letzter Spender auf mit der Endung von 13 Cent. Das wurde jetzt mit der örtlichen Presse zu einem „Running Gag“ und wird nun jedes Jahr so durchgeführt. Die tolle Idee entstand durch den Müllwerker und Modellbauliebhaber Jens: „Jens, der Lokomotivführer und die wilde 13“ in Anlehnung an Michael Endes Roman über Jim Knopf.


Ehrenamtlicher Gästeführer im Eisenbahnmuseum Dahlhausen

Der gelernte Buchdrucker Dieter ist umtriebig und hartnäckig in seiner Sache. Das ist als ehemaliger Betriebsratsvorsitzender und Gewerkschafter auch nötig. So auch bei der Gästeführung im Eisenbahnmuseum Bochum – Dahlhausen. Dort arbeitet er seit 2018 gern im Team für Gleisarbeiten. An einem Tag pro Woche erklärt er lebhaft und voller Begeisterung den Besuchern von der Drehscheibe aus, die Geschichte und Technik des Eisenbahnmuseums und Dampflokbetriebs in Bochum. Er dreht sich gern einmal im Kreis für alle, um sie zu zeigen, wo die Loks drauf fahren, wie sie zu ihrem Bestimmungsort kamen und auch heute noch kommen: In den Lokschuppen, zur Reparatur, zum Posieren, Rangieren oder Abstellen.

Eine weitere Gruppe hört begeistert den Worten von Dieter zu, um das Eisenbahnmuseum besser kennenzulernen

Verschlafenes altes Ruhrgebiet

Geboren wurde Dieter Seifert in Unna. Nach Halberstadt kam er zu den Großeltern, die ihn eine Zeit lang erzogen bis er zurück ins Ruhrgebiet kam, wo er Dortmund als verschlafenes Nest gefühlt erlebte. Nirgends ein Straßencafé, aber verrauchte Kneipen waren an jeder Ecke zu finden. In Frankfurt lernte er in einer gewerkschaftlichen Bildungseinrichtung zwei Jahre lang Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Er liebte das Straßenleben dort, was im Ruhrpott zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu finden war.

Anfang der 1990er kam er wegen der Arbeit zurück ins Ruhrgebiet. Mit seiner in Sachsen-Anhalt kennengelernte zukünftige Frau Elisabeth zogen sie nach Essen und staunte, wie sich das Ruhrgebiet verändert hatte. Mit 59 ging er in Altersteilzeit und zog mit seiner Frau in eine seniorengerechte Wohnung in Bochum-Dahlhausen nah am Eisenbahnmuseum.

Das Ruhrgebiet hat sich stark verändert zum Positiven, betonte Dieter im Gespräch. Er fühlt sich angekommen und liebt seine Arbeit im Eisenbahnmuseum. Die Kinder der Besucher bindet er immer ein in den Erklärungen und animiert sie etwas an der Drehscheibe zu machen, damit sie sich nicht zu sehr langweilen. Sie dürfen die Hupe drücken oder die Weiche stellen.

Besucher lernen auch die Anfänge der Bahn an der Ruhr mittels eines Modells kennen

 

Geschichte des Eisenbahnmuseums

Die deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, die heute noch Eisenbahnmuseen in Karlsruhe betreibt, wurde im Frühjahr 1969 gegründet worden. Die Gesellschaft hat dann direkt zugeschlagen. Es hat ein paar Jahre gedauert, denn die Deutsche Bahn wollte das Gelände einfach verfallen lassen.

Aus den Verhandlungen gingen sie jedoch zufrieden hinaus. Sie verdienten ja Geld mit der Vermietung. Anschließend wurde die Gleisseite museumsgerecht umgebaut werden. Fahrzeuge wurden beschafft, um das Museum zu füllen. Der Dampflokbetrieb in Deutschland wurde 1973 eingestellt. Einige Dampfloks konnten vor dem Verschrotten für das Museum gerettet werden.

(auf das Eisenbahnmuseum gehe ich extra noch einmal ein)

Auch auf dem Museumsgelände darf eine Lore nicht fehlen. Diese stammte aus der Zeche Carl Funke

Dieter erzählte mir, dass zur Zeit der dampfenden Bahn 50 Meter rechts und links der Schiene immer frei geschnitten wurde, damit das Grün im Sommer der Hitze mit dem Funkenflug nicht in Berührung kommen konnte, um einen Waldbrand zu erzeugen.

Dampfloks konnten auch Waldbrände verursachen, wenn nicht 50 Meter an beiden Seiten ständig gerodet worden wäre

1977 zog eine Dampflok den Museumszug bis zum Hauptbahnhof Hagen. Anfangs öffnete das Museum auch nur drei Tage die Woche. Sogar der Samstag war geschlossen. Das habe ich selbst mal erlebt, weil ich mit meinem Vater ins Museum wollte, und es war geschlossen. Wir landeten dann im Kloster Stiepel und aßen dort was. Den Besuch haben wir ein paar Wochen später nachgeholt. Das ist aber auch schon etwa 20 Jahre her…

Lerne die wichtigen Signale kennen

 

Kinder haben viel Platz im Museum

Auf dem Eisenbahnmuseumsgelände haben die Kinder viel Platz zum Austoben und Spielen, wenn sie die Loks und Waggons nicht interessiert. Falls es schlechtes Wetter gibt, können sie in der Lokleitung mit der Holzeisenbahn im Kinderspielzimmer spielen. Einmal im Jahr gibt es auch ein Kinderfest.

Kindertage sind alljährlich im August

Ein Transrapid im Ruhrgebiet

Eine technische Meisterleistung und moderne Augenweide im Bochumer Eisenbahnmuseum

Der Transrapid war eine neue Technik. Ein deutsches Patent, dass die Eisenbahn revolutionieren sollte im neuen Jahrtausend. Das technische Wunderwerk deutscher Ingenieurskunst stand in Bayern herum und gammelte vor sich hin. Das Eisenbahnmuseum Dahlhausen konnte es für symbolische 1 € retten und steht mit geldlicher Unterstützung der Sparkassenstiftung NRW von 250000 € für den Transport und das Aufstellen nun seit September 2024 auf dem Gelände vom Eisenbahnmuseum. 

Eine Dachdeckerfirma musste erst mal die Lecks oben flicken, damit nicht noch mehr Feuchtigkeit den Innenraum zerstört. Dort befinden sich hauptsächlich Kabel, die aus dem Innenleben hervorlugen, statt bequeme Sitze. Vorerst ist das Gefährt nur gesichert vor noch mehr Verfall. Es wird noch einige Jahre und etliche Spendengelder dauern bis für Besucher und Besucherinnen den Transrapid auch von innen zeigen zu können. Priorität haben die Fahrzeuge mit denen gefahren werden kann auf der Ruhrtalstrecke.

Ruhrtalbahn

Eröffnet wurde die mittlere Ruhrtalbahn 1874. Sie diente für den Abtransport der dort entlang geförderten Kohle aus den Zechen, sowie der Industrie, die sie brauchte. Personenverkehr war eher nebensächlich. Als 1971 sich das Befahren auch nicht mehr für Personen lohnte, wurde lag die Strecke brach.

Der Blick über einen verrosteten Dampfkessel auf das große Gelände vom Eisenbahnmuseum

10 Jahre später nahm der Museumsverkehr die fahrt wieder auf und konnte den schon 1973 verbotenen Dampflokbetrieb als historische Bahnfahrt begeistern. Heute kostet die Fahrt mit der Dampflok bis zu Endstation Wengern-Ost hin und zurück 26 €. Mit der Diesellok 20 €.

Alles muss immer geölt werden, damit nichts kaputt geht

Die Route der Industriekultur kreuzt mehrmals die Bahnlinie. So liegen viele sehenswerte touristischen Ziele entlang der Strecke, wie das  LWL-Industriemuseum Henrichshütte, das Muttental, das Gruben- und Feldbahnmuseum Theresia und das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall,  die historischen Stadtkerne von Hattingen und Wengern, sowie die Burg Blankenstein, das Haus Kemnade oder der Kemnader See und die Ruine Hardenstein. Wer mit dem Rad unterwegs ist, kann unterwegs die Bahn nutzen um den berühmten RuhrtalRadweg
etwas zu kürzen. Auch Anlegestellen  zum Kanufahren liegen direkt neben der Strecke.

Filmkulisse Eisenbahnmuseum

Oft genug werden historische Filme im Eisenbahnmuseum mit den funktionierenden Dampfloks und historisch getreuen Waggons gedreht. Unter anderem wurde hier Sönke Wortmanns mittlerweile schon zum Klassiker gehörenden „Das Wunder von Bern“ gedreht.

Der wichtigste Ort für eine alte Filmkulisse im Museum ist der Bahnhof

Fünf Tage lang wurden die verschiedensten wichtigen Szenen in der weltweit meist gesehenen Filmserie Deutschlands produziert von der ARD und Sky: „Babylon Berlin“. Die Verfilmung der Krimiromane von Volker Kutscher sind hier und im Bahnhof Krefeld aufgenommen worden und versetzen die Zuschauer in eine Zeit kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wo die Romane anfangs spielen. Die Verfilmungen gehören zu den bisher teuersten Produktionen des deutschen Fernsehens.

Die ehrenamtlichen Museumsführer oder Bastler kriegen nichts mit. Sie reparieren oder sanieren dann Loks, Waggons oder andere wichtigen Dinge im Museum. Weil das Museum dann geschlossen ist.

Ehrenamt Eisenbahnmuseum

Dieter in Aktion an der Drehscheibe

Wer handwerklich etwas kann, der ist auch gern gesehen. Angst zu haben braucht man nicht. Hier wird Mann und Frau beigebracht mit welchem Werkzeug an der Lok geschraubt werden muss. Dieter selbst ist gern im Gleisbauteam. Denn Gleise müssen immer mal wieder ausgetauscht werden. „Das Lösen der Schrauben ist die schwerste körperlich Arbeit, doch dann kommt der Bagger, um die Schienen herauszuholen“, sagte Dieter.

Im musealen Bereich sind es hauptsächlich Holzschwellen. Das Eisenbahnmuseum arbeitet mit einigen Kalkwerken, wie in Wülfrath, zusammen. Die Holzschwellen werden dort regelmäßig ausgetauscht, die dann dem Museum gegeben.

120 Ehrenamtliche helfen hier. Es ist ein Mitmach-Museum. Jede und Jeder ist herzlich eingeladen mitzumachen.

Manchmal kommen welche von weiter her für vier oder fünf Tage für Arbeiten an den Loks, wenn es um Getriebe oder schwereren Reparaturen geht, die hier nicht jeder kann. Es gibt Ehrenamtler, die nach ihrer Arbeit noch abends zum Schrauben kommen.

Gruppenführungen möglich

Auch an geschlossenen Tagen kann eine Gästeführung durchgeführt werden auf Anfrage. Eine Gruppenführung bis zu 10 Personen kostet 230 € zur Zeit und jede weitere Person 10 € zusätzlich.

Lohnenswerter Besuch im Eisenbahnmuseum

Ein Besuch im Eisenbahnmuseum lohnt sich auch für technisch Nichtinteressierte. Hier wird man in eine andere verlorene Zeit versetzt. Ob die alte Schienenbahn oder ein Waggon vom Orientexpress. Ein Blick in Waggons oder Loks lässt einen nostalgisch werden.

Auch spezielle Waggons sind aufbereitet für die Besucher

Die Eintrittspreise sind mehr als moderat für das, was das Museum bietet und immer in Stand setzen muss. Es gibt auch eine Jahreskarte, damit man nicht immer den Eintritt zahlen muss. Mit der Ruhrtopcard kommt man einmal im Jahr auch kostenlos rein. Familien mit Kindern haben nicht nur mit einer Dampflokfahrt durch das Ruhrtal eine besondere touristische Möglichkeit vor der Haustür im Ruhrgebiet, sondern auch einen großen Spielplatz mit Mehrwert.

Spielen erlaubt

Bücher und Souvenirs im neuen Eingangs- und Ausgangsbereich des Museums

 

Eisenbahnmuseum Bochum – Dahlhausen

Öffnungszeiten

  • Saison vom 01.03.2025 bis 16.11.2025
  • Dienstag bis Samstag & an allen Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr
  • letzter Einlass: 16 Uhr
  • Montags geschlossen (Ausser an Feiertagen)
  • Freundliche und angeleinte Hunde sind im Museum willkommen

Eintrittspreise

  •  Erwachsene: 11,00 €
  •  Kinder (6-14 Jahre): 5,50 €
  •  Familie (2 Erw. + Kinder): 28,00 €
  •  Saisonkarte Erwachsener: 88,00 €
  • Zahlungen mit EC-Karten nur für Eintritt
  • Gruppenführungen bis 10 Personen 230 €, jede weitere 10 €
  • Anmeldung für Gruppenführungen: Bestellformular Führung, Draisine,Feldbahn
Adresse
Eisenbahnmuseum Dahlhausen
Dr.-C.-Otto-Straße 191
44879 Bochum
Tel: 0234492516
info@eisenbahnmuseum-bochum.de
https://eisenbahnmuseum-bochum.de 

Links & Videos zum Eisenbahnmuseum und Dieter Seiferts Spendenaktion:

Startseite – Eisenbahnmuseum Bochum

Eisenbahnmuseum Bochum – Wikipedia

Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen

Eisenbahn Museum Bochum teil 1

Eisenbahn Museum Bochum teil 2

Ein Rundgang durchs Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen

2023 Besuch des Eisenbahnmuseums Bochum Dahlhausen

Eisenbahnmuseum Bochum 2025  Bochum Dahlhausen – Museumstage & historische Lokomotiven erleben

Das Eisenbahnmuseum Bochum – Industriekultur im Ruhrgebiet

Das Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen: Eine Begegnung mit Geschichte, Technik und einem längst vergangenen Stück Ruhrgebiet – Ruhrbarone

Eisenbahnmuseum Bochum – Bochum Tourismus

Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen (Museum)

Transrapid – Wikipedia

Der Transrapid – Deutsche Ingenieurskunst | Industriefilm von 1997

Transrapid – Werbefilm der deutschen Magnetschwebebahn (1985)

So funktioniert der Transrapid: Schweben, Antrieb & Steuerung ausführlich erklärt

Alles über den Transrapid | Ausführlicher Vortrag über Geschichte, Technik und Zukunft

Hier vergammelt der schnellste Zug Europas

Aufstieg und Fall- Die Tragische Geschichte des Transrapid (Dokumentation/4K)

Vor 20 Jahren: Streit um den Transrapid | SPIEGEL TV

Debatte um den Transrapid | SPIEGEL TV 1999

Ruhrtopcard kaufen (unaufgeforderte Werbung, hab sie selbst)

https://ruhrtopcard.de

Spendenaktion von Dieter Seifert

Spendenfahrt Hospiz Halberstadt

Dieters Motorradtouren – Zentrum für Spendenaktionen

www.bikersammeltspenden.de

Tagebuch 2025 | Dieters Motorradtouren

2025 Pressespiegel.pdf

Hospizverein Regenbogen
https://www.hospizverein-regenbogen.de/

Allgemeine Information

Deutsche Hospiz- und Palliativverband:
https://www.dhpv.de/start.html

Organspende-Information:
https://www.organspende-info.de/

Du möchtest Dieters Spendenaktion und damit den Hospizverein Halberstadt unterstützen:

  1. Spendenmöglichkeit
    Paypal (Zahlung an Freund:innen und Familie)

paypal.me/DHFSeifert 

  1. Spendenmöglichkeit
    Überweisung an dieses Konto:
    IBAN DE66 4305 0001 0145 3329 38
    Kontoinhaber: Dieter Seifert
  2. Spendenmöglichkeit
    Überweisung auf das Konto des Hospizvereins:
    IBAN DE70 8105 2000 0311 3018 94 

Halberstadt (ein Besuch aus dem Ruhrgebiet in den Harz lohnt sich!):

Halberstadt – Ihr Tor zum Harz

Halberstadt von oben und die besten Aussichtspunkte – Sebastian Grote | Fotograf

Harz Ausflugsziele: Meine Lieblingsorte & Insider Tipps – Itchy Feet Reiseblog

Halberstadt – Wikipedia

Stadt Halberstadt – YouTube

Halberstadt Stadtrundgang

DDR 1975 Halberstadt , das kommt nie wieder 8 mm rare private Aufnahmen 4K

Halberstadt – wunderbar verwandelt

Halberstadt Eine Zeitreise durch 40 Jahre

Halberstadt 1945-2012

Ihr Pfand hilft Obdachlosen – ein besonderer Verein I Matthias Kersting und die Aktion Bollerwagen in Bochum I +Videopodcast I +Podcast #116 I +Fotos

Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V. – Hilfe, die direkt ankommt

Unter dem Motto „Jede Flasche zählt“ sammelt und gibt der Verein direkt die Spende an Wohnungslose:  Getränke, Essen, Schlafsäcke und Hygieneartikel. Ich bin jetzt mitgegangen, um den Ablauf zu erleben. 

Pfand sammeln einige Obdachlose, aber nicht alle. Es gibt jedoch eine sinnvollere direktere Alternative zum Pfandspenden als sie überall herumstehen zu lassen, was in dem Moment sogar eine Ordnungswidrigkeit ist und eben Müll auf der Straße: Direkt den Pfand an eine Organisation geben, der sich dann wiederum richtig darum kümmert. So kommen mehr als nur ein paar Cents bei den Obdachlosen an.

Die Idee und Gründung

Eine besondere Idee hatten die Vorsitzenden der VfL-Fanfußballclubs Oliver Nolting vom Blue-White-Malibu-1848 und Matthias Kersting vom Bochumer Herzschlag. Sie gründeten 2021 den Verein „Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V.“  Während der Corona-Pandemie saßen sie bei einem Fläschchen Bier auf einer Parkbank, wie es damals üblich war und wollten etwas für die Obdachlosen machen. So beschlossen sie Pfand zu sammeln an einem Getränkemarkt. Die Suche nach einem Getränkemarkt ging los. Nachdem der erste mitmachte, kamen vier weitere dazu, so dass der Verein immer im Wechsel vor Ort an verschiedenen Stellen an einem Sammeltag den Pfand der Menschen übernahmen, die ihn gegen neue Getränke eintauschen wollten. Das System kam bei den meisten sehr gut an. Zuletzt sind über 400 € am 13.9. an einem Sammeltag zusammengekommen.

Des weiteren bot der VfL Bochum 2022 dem gemeinnützigen Verein „Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V. mittlerweile zwei Mal an die Pfandbecher der Fußballfans im Stadion an der Castroper Straße einsammeln zu lassen. Ein Pfandbecher kostet 2 €. Zu Ostern 2024 kamen so 2158 Pfandbecher zusammen mit einer zusätzlichen Geldspende. Das war eine gute Summe um einige Lebensmittel, Schlafsäcke und Hygieneartikel für die Obdachlosen in Bochum besorgen zu können. 

Über die Gründung und das Handeln des Vereins spricht Matthias Kersting, einer der Gründer, im Podcast. Ich lasse auch kurz die Eindrücke zweier weiterer Mitläuferinnen, Heidi und Christina Pottmeyer zu Wort kommen.

Alles könnt ihr sehen oder hören im neuen Videopodcast bwz. Podcast:

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Spontan mitgemacht bei der „Aktion Bollerwagen“

Mal im Team mitgehen und erleben, helfen und die Gesellschaft ehrenamtlich zu unterstützen!

Mein Motto: Einfach machen

Ich war für einen Spätnachmittag spontan eingeladen worden an einem heißen Tag bei ihrer „Aktion Bollerwagen“. Damit verteilen sie direkt Wasser, Obst, auch Ruck- und Schlafsäcke für die Obdachlosen. Es war direkt nach dem Podcast mit Milton Merlano über den Verein „Barrierefrei sei mit dabei e.V.“ , der schon unter #114 erschienen ist.

Ich war beeindruckt von ihrem Tun und ihrem Umgang mit den Betroffenen, um die über 99% der Menschen einen großen Bogen machen oder sie sogar beschimpfen, sie sollen arbeiten gehen statt auf der Tasche zu liegen. Doch sie liegen niemanden auf der Tasche. Sie boxen sich irgendwie durchs Leben. 

Kleine Aufmerksamkeiten sind für sie eine Besonderheit, die sie schätzen, weil sie nichts mehr haben. Sie besitzen kein Auto, keine Wohnung, geschweige denn ein Bett oder einen Kühlschrank. Wenn wir uns das bewusst machen, dann denken wir anders über sie, aber das ist ein Lernprozess bei vielen. Wohnungslose müssen betteln, um zu überleben. Das ist oft nicht einfach, besonders bei denjenigen, die gerade Obdachlos werden, also in eine unerwünschte Situation kommen, wo Stolz und Scham eine große Rolle spielen. Im Winter müssen sie Glück haben immer einen warmen Schlafplatz zu bekommen. Es kann passieren, dass wir auch eine Todesnachricht erhalten von einem erfrorenen Obdachlosen. Das war 2021 in Bochum passiert.

Machen wir uns nichts vor, schon morgen kann ein Unfall, eine schmerzvolle Trennung, Spielsucht, große Schuldenanhäufung, Arbeitslosigkeit, eine psychische Erkrankung oder einige andere schicksalsträchtige lebensverändernde Dinge dazu führen selbst in diese Lage zu kommen, und zwar schneller als man denkt.

Ich habe erlebt, wie Matthias und Heidi mit ihnen offenherzig sprechen. Wenn die Obdachlosen mit dem Vornamen angesprochen werden, sind sie sofort im Gespräch, fühlen sich respektiert und unterhalten sich über Gott und die Welt. Sie alle hatten ein Leben vor diesem Leben. Sie plaudern über Politik, die Stadt und das Wetter, wie heiß es ist, wie kalt oder regnerisch. Das Überleben hängt immer an einem seidenen Faden ohne ein vernünftiges Dach über den Kopf.

Montagsaktion

Jede Woche Montag schmieren Vereinsmitglieder am Musikforum in Bochum Brote und Brötchen mit Käse und Wurst. Kaffee wird ausgeschenkt, Süßigkeiten, Joghurt und Obst verteilt. Falls Altkleidung vorhanden ist, wird es ausgelegt und ist auch gleich schnell wieder weg.

Das ganze bezahlt der kleine, aber sehr aktive Verein Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V., nur ein kleiner Teil kommt von Sponsoren.

Menschen, die sich engagieren

Heidi  ist schon 78 Jahre alt. Mit Herzblut unterstützt sie den Verein seit drei Jahren. Sie erfährt viel Dankbarkeit für ihr Handeln. Sie will den Menschen in der Notlage unterstützen. Sie lief die vielen Kilometer in der Stadt als wenn sie 30 Jahre jünger wäre und würde ihr letztes Hemd abgeben, wenn sie könnte. Viel Freude erlebt sie, wenn sie die Dankbarkeit der Obdachlosen, das freudige Blitzen in den den Augen der Betroffenen sieht. Das macht dieses besondere Ehrenamt aus. Sie macht weiter, solange sie kann.

Heidi (links), Matthias Kersting, Vorsitzender (Mitte), Christina Pottmeyer (rechts)

Christina Pottmeyer ist Vorstandsmitglied vom Kreisverband der Bochumer AWO und war erstmals dabei. Sie lernte den Verein durch Matthias Kersting kennen, der sie zum Mitmachen eingeladen hatte. Für sie war es eine neue Erfahrung, direkt auf wohnungslose Menschen zuzugehen. Anfangs hatte sie Hemmungen. Diese baute sie jedoch nach und nach ab und bemerkte, dass der persönliche Kontakt eine positive Wirkung für beide Seiten erzielte.

Heute sammelt der Verein regelmäßig Pfand an sechs verschiedenen Supermärkten bzw. Getränkemärkten in Bochum. Einmal im Monat stehen dort abwechselnd in den Stadtteilen Infostände. In jedem Markt gibt es eine feste Pfanddose. Jeder Cent wird eins zu eins in Sachspenden, Lebensmittel und Getränke eingesetzt, um wohnungslose Menschen direkt vernünftig zu unterstützen.

Aktionen und Veranstaltungen

Das von dem Verein bisher zwei Mal stattgefundene Dreikönigstreffen mit Musikprogramm hat einen großen Erfolg. Beim letzten Mal 2024 besuchten 250 Betroffene die gebuchte KoFabrik in der Innenstadt. Es gab über 1.500 Waffeln und 35 Pizzableche. Dabei öffneten sich so einige Wohnungslose und erzählten ihre Geschichte. Wer sie hört bekommt Respekt und Wertschätzung. An dem Tag halfen auch der Oberbürgermeisterkandidat der SPD Jörg Lukat und der Bundestagsabgeordnete Serdar Yüksel.

Auch prominente Unterstützung gibt es: Der ehemalige VfL-Torwart Ralf Zumdick, vielen älteren Fußballkennern bekannt als „Die Katze“ ist Pate des Vereins. Auch die Damenmannschaft des VfL unterstützt tatkräftig.

Wusstest Du, dass es einen Tag der Wohnungslosen am 11.9. gibt?

Ich nicht, auch nicht das die Zahl der wohnungslosen Personen in Bochum sich von 900 im Jahr 2019 auf 1140 bis jetzt im Jahr 2025 vergrößert hat. Die Mieten werden gleichzeitig teurer. In allen Ruhrgebietsstädten ist eine Erhöhung an Wohnungslosen statistisch zu verzeichnen. Es gibt allerdings auch eine Dunkelziffer, deren Anzahl nicht anzugeben ist.

Konkrete Hilfe

Besonders bewegend war der Tod eines erfrorenen Obdachlosen 2021 in Bochum. Daraus entstand die Idee der Schlafsackpatenschaft. Für 25 Euro kann man einen „Kälterucksack“ spenden, gefüllt mit wichtigen Dingen wie Schlafsack, Isomatte und kleinen Alltagshelfern. 25 € ist nicht viel, um einen Menschen auf der Straße etwas mehr Würde und auch Überlebenschance zu geben. Es gibt den ein oder anderen, der wieder herauskommt, eine Wohnung bekommt und ein neues Leben beginnt.

Übergabe eines Schlafsacks

Wie schon erwähnt gab es am 13.9.25 eine Sammelaktion. Konkret wurde Pfand gesammelt in Wattenscheid bei „trinkgut“. Laut der Facebook-Angabe des Vereins wurden von Kunden und Kundinnen insgesamt 437,35 € gespendet. Das Geld wird wiederum der „Aktion Bollerwagen“ zur Verfügung gestellt, bei der ich teilgenommen hatte. Mit dem Geld können so genug Getränke, Lebensmittel und Hygieneartikel gekauft werden. 

In der nächsten Planung am 4.10.25 ist der REWE Markt Mokanski am Hellweg 163 in Bochum vorgemerkt. Vielleicht hat ja ein Leser oder eine Leserin Interesse mitzuhelfen. Oder möchte sich jemand das Prinzip anschauen, um es in seiner Stadt zu organisieren. Ich würde mich freuen, hiermit etwas in diese Richtung angeworfen zu haben.

FAZIT

Jeden Tag wird gemeckert, dass es uns ja doch soooo schlecht geht. Das will uns auch die ein oder andere Partei aus der ganz linken oder gerade besonders der rechten Ecke erzählen, wie die AfD, aber in Wahrheit geht es Menschen ganz besonders auf der Straße schlecht. Sie meckern nicht, sondern versuchen zu überleben. Die konkrete Hilfe des Vereins ist da Gold wert und baut auch Vorurteile ab. Jeder oder jede interessierte Person kann den Verein begleiten und es dann auch besser verstehen! Das baut Vorurteile ab und Respekt und Verständnis für die andere Seite auf. Es war ein besonderer Tag mit einigen sozialen Dingen, die jeder selbst anstoßen und unterstützen kann. Dankbarkeit in den Augen zu sehen kann innerlich eine gute Befriedigung geben etwas handfestes Gutes getan zu haben. Konkret etwas zu unternehmen für Menschen, die Hilfe brauchen, kann den eigenen Horizont erweitern.

Mein Buchtipp

Um sich mit der „Obdachlosigkeit“ zu befassen, die uns alle irgendwie drohen kann, kann sich folgenden Buchtitel besorgen:

Obdachlosigkeit – Warum sie mit uns allen zu tun hat | Scheidegger & Spiess

Mehr erfahren & mithelfen

Der Verein hat bewusst keine eigene Website, damit jeder Cent direkt in die Hilfe fließen kann. Die zentrale Plattform ist die Facebook-Seite von „Ihr Pfand für Obdachlose e.V.“. Dort gibt es regelmäßig Einblicke in die Aktionen, Termine für Pfandsammlungen und die Möglichkeit, per PayPal oder QR-Code schnell und unkompliziert zu spenden.

Ein Mitgliedsbeitrag ist läppische 2 € im Monat.

Mitgliedsantrag zum Ausdrucken

 

Ich habe angeboten die Kosten für eine Internetseite zu übernehmen, denn nicht jeder hat heute Facebook. Jüngere Menschen werden dadurch nicht mehr angesprochen. Die Reichweite würde dadurch etwas erhöht werden. Wer mehr wissen möchte bis jetzt:

Links & Kontakt

Facebook.com/IhrPfandHilftObdachlosen

instagram.com/IhrPfandhilftObdachlosen

Wer direkt spenden möchte für einen Schlafsack oder ein Essen:

Spenden an
Sparkasse Bochum
Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V.
IBAN: DE37 4305 0001 0031 4137 50

Kontakt

Königsberger Str. 9, Bochum

Tel.: +49 170 4397004 Oliver Nolting oder

0170 4396919 Matthias Kersting

Email: ihrpfandhilftobdachlosen@gmx.de

Über Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V.

Die Sammeltermine erfahren Sie hier unter Veranstaltungen sowie auf den Seiten vom Bochumer Herzschlag

Facebook : facebook.com/bochumer.herzschlag

 und Blue-White-Malibu-1848

Blue-White-Malibu-1848 : https://fanclubbochum.bwm.de 

Fotos Copyright teilweise vom Verein „Ihr Pfand für Obdachlose e.V.“ und André Brune

Im Waldpädagogischen Zentrum in Bottrop mit Ulrich Trockle I +Videopodcast I +Podcast #115 I +Fotogalerie

Eine Begehung im Waldpädagogisches Zentrum in Bottrop-Kirchhellen mit Ulrich Trockle in zwei Teilen war ein besonderes Erlebnis, denn dort kann jeder Natur erleben und bewahren!

Ulrich Trockle (rechts)

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Es war mir ein wichtiges Bedürfnis einen Blogbeitrag über das Waldpädagogische Zentrum zu machen, ihren Menschen und ihrem Tun für die Natur und nachfolgenden Generationen. Es ist ein Verein, der wieder ein Vorbild auch für andere Städte im Ruhrgebiet sein kann. Nicht nur ein neuer Mischwald entsteht durch ihn, sondern Kindern und Jugendlichen wird erklärt, was Natur ist, wie sie mit Natur umgehen können und sollten. Für jede Generation ist etwas zu lernen dabei. Staunen und auch Natur und Wald neu zu erschaffen, auf eigenem Stadtgebiet, den vorher Kinder wiederum zur Aufzucht eingepflanzt haben.

Die Baumaufzuchtbeete

Den Geschäftsführer des Vereins Ulrich Trockle vom Waldpädagogischen Zentrum lernte ich beim neuen Gastgebernetzwerk von Bottrop kennen und habe ihm nach einer gemeinsamen Begehung angeboten einen individuellen Videopodcast mit Begehung über das gesamte Gelände zu machen. Der herzlichen Einladung bin ich gefolgt und war erstaunt, wie groß es ist und was alles das Waldpädagogische Zentrum seit 1995 in die Wege geleitet hat.

Ulrich Trockle im Element Erzählen über das Waldpädagogische Zentrum

Zu diesem Zeitpunkt zog ich nach Bochum. Wäre ich in Bottrop geblieben, wäre ich einer der ersten Mitglieder geworden, weil es ein besonderer Verein ist, der Kinder und Erwachsene nicht erzieht, sondern mit Spiel und Spaß zur Natur führt und dabei einen neuen Wald klimagerecht aufbaut auf Flächen, die landwirtschaftlich vorher stark genutzt wurden.

Der Eingang Ruhehorst 14 zum Waldpädagogischen Zentrum

Der Verein sorgt für regionale Zusammenkünfte von Kindergärten und Schulen und Erwachsenen, sich mit dem Wald und seiner Natur auseinanderzusetzen, ihn respektieren zu lernen. Er ist ein kleiner Teil für den Weg zu einer besseren zukünftigen Welt. Hier wird angefangen Wald zu erschaffen. Der Verein führt jährlich Kinder und Jugendliche dazu die Natur schätzen zu lernen. Vor Ort lernen sie sie besser kennen und können mit ihren eigenen Händen Natur erschaffen.

Für mich war klar nach den insgesamt zweieinhalb Stunden Aufenthalt direkt meine Unterschrift für eine Mitgliedschaft zu geben. Wie weit ich aktiv sein kann, ob passiv oder aktiv, spielt erstmal keine Rolle. Der geringe Mitgliedsbeitrag tut nicht weh. Die Hälfte des Mitgliedsbeitrags geht in einen weiteren alten deutschen Verein zum Schutz der deutschen Wälder. Dann wird eben einmal auf Essengehen verzichtet im Jahr und tut was gutes für den Planeten Erde auf regionalem Niveau im Ruhrgebiet.

Tatsächlich wissen innerhalb der Stadt, geschweige denn der umliegenden Städte, nur wenige von diesem besonderen Verein und ihrem Tun. So hoffe ich, dass ich dazu beitragen kann etwas mehr Reichweite über die Bottroper Stadtgrenzen hinaus für das Waldpädagogische Zentrum mit Blog, Videopodcast und einer kleinen Fotogalerie über das Gelände zu geben. In Teil 1 gibt es ein Interview mit Ulrich Trockle und in Teil 2 zeigt er das ganze Gelände, das Vereinshaus und das Haus der Waldjugend, sowie das Wildgehege, das Imkerhaus und einiges mehr:

Zum Videopodcast/Podcast Teil 1 (Interview mit Ulrich Trockle)

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Zum Videopodcast/Podcast Teil 2 (Begehung mit Ulrich Trockle über das Gelände vom WPZ)

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Ulrich Trockle und das Waldpädagogische Zentrum in Bottrop

Seit Februar 2024 leitet Ulrich Trockle das Waldpädagogische Zentrum Kirchhellen. Ulli, wie seine Freunde ihn nennen suchte nach 30 Jahren als Geschäftsführer eines Autohauses und nun in der Rente, suchte er nach einer besonderen Aufgabe mit viel Sinn.

„Ich wollte etwas machen, das für kommende Generationen Wert hat“, sagt Trockle. Die Arbeit mit Kindern, Schulen und Vereinen erfüllt ihn heute mit viel Freude und ist ein großer Gewinn für den Verein, der innerhalb der Stadtgrenzen der Stadt Bottrop nach mehr als 30 Jahren immer noch nicht so bekannt ist, obwohl Schulen und Kindergärten eingeladen sind seit 26 Jahren  einen neuen Wald zu pflanzen. Was in der Form einmalig ist und für andere Städte, nicht nur im Ruhrgebiet ein Vorbild ist, muss natürlich im Blog und als Podcast besonders erwähnt werden.

Er ist die Stimme des Vereins zur Zeit, animiert auf vielen Veranstaltungen das Waldpädagogische Zentrum zu besuchen. Doch alle Arbeiten und Aktivitäten liegen natürlich beim gesamten Vorstand und den vielen ehrenamtlichen Helfern vom und außerhalb des Vereins, die das Organisieren der Pflanzungen unterstützen oder das Frühlingsfest und den Adventsbasar aufbauen und betreuen.

Ulrich Trockle vor dem Wildschweingehege

Deswegen habe ich auch zwei Teile gemacht, um einmal die Person und den Verein vorzustellen und im zweiten Teil die Begehung des 1,6 ha großen Areals mit Kräutergarten, Baumzüchtung, Imkerei, Obstbaumwiese, Wildschweine, Mufflons, Ziegen, Hühner und Bienen näher zu bringen.

Die Bienen fliegen fleißig Honig besorgen in der Umgebung

Es soll animieren sich den Verein näher anzuschauen, vielleicht auch einzusteigen oder zumindest einmal im Jahr bei der Einpflanzaktion eines zukünftigen neuen Waldes innerhalb des Stadtgebiets mit über 1400 Kindern mitzuhelfen im Frühjahr oder es in die eigene Stadt zu tragen, um so etwas pädagogisch sinnvolles zu eröffnen.

Die Bäume von der Schule Am Tetraeder eingepflanzt ins Zuchtbeet

Kirchhellen und die Bekanntheit des Vereins

Kirchhellen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert: Von ehemals 5.000 Einwohnern ist die Zahl inzwischen auf über 22.000 gestiegen. Früher kannte jeder jeden – heute ist das anders, sagte Ulrich im Podcast. Wer im südlichen Stadtteil Ebel wohnt, hat wahrscheinlich noch nie was von diesem einzigartigen Naturzentrum gehört.

Deshalb setzt Ulrich verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit und neu entstandene Netzwerke, um das Zentrum bekannt zu machen. Mittlerweile zählt der Verein über 300 Mitglieder. Wichtig zu wissen ist, dass der Verein eng mit dem Naturschutzverein SDW, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V., zusammenarbeitet, der sich der Waldpädagogik und eben dem Schutz des deutschen Waldes widmet. So wird die Hälfte von läppischen 26 € Mitgliedsbeitrag für den Verein an den SDW abgeführt, um deren naturfördernde Arbeit zu unterstützen.

SDW – Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg gründete sich 1947 ein neuer Verein, der sich mit dem Waldschutz beschäftigen sollte. Es wurden Jugendlager in den Wäldern veranstaltet und Schulwälder eingerichtet. Waldjugendheime und Häuser im Wald sollten der Jugend das Verständnis zur Natur und deren Erhaltung näher gebracht werden. Sehr interessant, dass es zu einer Zeit gegründet wurde, als viele eher um Hunger und Wiederaufbau ging.

Daraus entwickelte sich die „Waldpädagogik“, ein Bildungskonzept für nachhaltige Entwicklung, die sich mit mehr als nur um den Erhalt des Waldes beschäftigt. Dazu gehört nicht nur die ganzheitliche Betreuung des Waldes, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung und der wichtigere Teil der Gesundheitsbildung. Denn der Wald hat ja nicht nur einen Nutzen für die Forstwirtschaft, sondern auch eine Schutz- und Reinigungsfunktion, gerade für stark luftbelastete Gegenden, wie das früher im Ruhrgebiet war, sowie auch eine Erholungsfunktion für Bürger und Bürgerinnen, nicht nur am Wochenende.

Unter diesem Aspekt sind die Waldschulen entstanden, Waldlehrpfade, sowie Waldlehrgärten, Forstmuseen, auch Waldtheater, Walderlebniszentren und daraus wiederum einzelne Vereine und Verbände, wie das Waldpädagogische Zentrum, die sich vor Ort mit dem Thema widmen.

Wer mehr über den SDW wissen möchte, oder sogar freiberuflicher Waldpädagoge werden möchte (Alter spielt keine Rolle!):

https://sdw.de

Oder die Angebote vor Ort in Waldschulen oder Bildungszentren aufsuchen möchte:

https://in.den-wald.de

Das TUN im Waldpädagogischen Zentrum

Baumpflanzaktionen mit Schulen und Kindergärten

Ein besonderes Highlight sind die jährlichen Baumpflanzaktionen. Alle Grundschulen in Bottrop werden damit angesprochen. Ein Jahrgang kommt in das Waldpädagogische Zentrum, wo auf ihren vorgefertigten Pflanzbeet eine Reihe Setzlinge gepflanzt werden. Vorrangig finden diese Pflanzungen im März statt, damit die kleinen Setzlinge noch genug Feuchtigkeit abbekommen, um die Hitze des Sommer zu überstehen. Bei späterer Pflanzung können 30 – 40% der Setzlinge eingehen.

Auch die Kindergärten können einpflanzen

Vier Jahre später werden sie auch im Frühjahr in einem von einem privaten Landwirt zur Verfügung gestellten ehemaligen Ackergelände in der Kirchheller Heide eingepflanzt. Ein neuer Wald entsteht. Es wird nicht aufgeforstet. Somit trägt der kleine örtliche Verein, das Waldpädagogischen Zentrum, viel mehr für den Klimaschutz bei als so manch andere und kann damit gleichzeitig den Schüler und Schülerinnen die Natur erklären, in dem sie selbst mit anpacken. Die Kinder erleben dabei nicht nur das Pflanzen, sondern auch Waldbegehungen mit Spielen und Naturerlebnissen.

So sind in 26 Jahren der jährlichen Pflanzaktionen auf 220.000 Bäume auf insgesamt 26 ha gepflanzt worden. Ziel ist Qualität vor Quantität – die Kinder sollen mit positiven Erfahrungen nach Hause gehen.

Klimagerechte Bäume

Gepflanzt werden vor allem Mischwälder aus Eichen, Buchen oder Vogelkirschen. Haselnussbäume haben eine Besonderheit. Sie werden am Rand gepflanzt, weil sie schnell wachsen. Sie halten das Wild auf, damit sie die kleinen Setzlinge nicht abkauen. Bewußt wird kein Baum aus den südlichen Regionen eingepflanzt. Das Klima verändert sich zwar rasend schnell, aber dennoch sind diese Baumsorten noch nicht geeignet in den hiesigen Boden einzupflanzen. Der Mineralgehalt und die Beschaffenheit der Böden sind vor Ort andere als hier. Sie können das Wachsen der heimischen Baumsorten auch hemmen. Im Einkauf, teilte Ulrich Trockle mit, kostet ein Setzling in der Mischkalkulation etwa 1,80 €.

Nachwuchsarbeit: Die Waldjugend

Der Verein hat auch eine Waldjugendgruppe. Sie trifft sich jeden Samstag von 10 bis 13 Uhr.  Mitmachen können Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre. Aber auch Jugendliche bis 25 Jahren sind herzlich eingeladen zu unterstützen. Im Waldjugendhaus mit Küche und Werkraum können sie auf Sofas sich fläzen. Dort können sie zur Verfügung gestellte ausgestopfte Tiere, die allesamt nicht erlegt wurden, sondern eines natürlichen Todes gestorben sind, für die Schaukästen vorbereiten, die auf dem Gelände des Vereins stehen, um die Waldtiere näher bringen. Von Fuchs bis zum Fischreiher, dem Biber und den Meisen oder Rehen, sind fast alle heimischen Tiersorten anschaulich zu sehen, auch in der Haupthütte, wo auch Hochzeitsfeiern stattfinden können gegen eine kleine Spende.

Die Waldjugend erlernt durch handwerkliche Projekte den Bau von Nistkästen. Wer hier einmal war, will auch nicht mehr zurück an die Playstation. Hier wird konkret die Zukunft gestaltet. Meisen zum Beispiel fressen den Eichenprozessionsspinner. Somit sind sie wichtig für den Erhalt der Eichen im Wald. Eichen können über 1000 Jahre alt werden. So macht nicht nur die neue Generation etwas gutes für die Nachwelt. Das Tun hier ist für die Zukunft des Planeten, auch wenn sich das im regionalen Bereich beschränkt.

Der Aufenthaltsraum der Waldjugend

Bildung und Gemeinschaft

Die 52 Bottroper Kindergärten nutzen das Zentrum. Wöchentlich sollen die Kindergärten vor Ort abwechselnd in das Waldpädagogische Zentrum. Sie lernen mit Begeisterung die Natur kennen. Das Miteinander klappt hier auf dem großen Areal besser als in den kleineren Räumlichkeiten eines Kindergartens. Ein Waldkindergarten soll hier entstehen, damit Kinder unter sechs Jahren, egal welcher Farbe oder Religion in der Natur diese erleben können. Ulrich sieht bei den Kindern eben keine Hürden. Sie werden eher von den Erwachsenen aufgebaut.

Tiere, Imker und Naturerlebnis

Auf dem Gelände leben Mufflons, Wildschweine, Enten, Hühner und Bienen. Der Bottroper Imkerverein, der älteste Verein der Stadt, hat hier eine feste Hütte mit Seminarräumen. Besucher können in Schaukästen die Arbeit der Bienen hautnah erleben. Das Highlight für die Kinder sind die Wildschweine. Deren Eingrenzung musste jetzt zu einem doppelten Zaun vergrößert werden, damit die afrikanische Schweinepest nicht auf oder von den Wildschweinen übertragen wird. Das würde zur Folge haben, so das Bottroper Veterinäramt, dass ca 50000 Schweine in den umliegenden Landwirtschaftsbetrieben „gekeult“, also getötet werden müssten. Was teuer für den Verein ist, so könnte dieser Umstand, der passieren könnte eher für einen noch größeren wirtschaftlichen Schaden werden, den keiner bezahlen kann.

Die Wildschweine freuen sich über Besuch

Die Mufflons sind sehr neugierig, aber auch gleichzeitig scheu. Sie sind eine Augenweide auf dem Gelände.

Die Mufflons sind neugierig, aber auch scheu

Es gibt einen umgedrehten Baum, der Besuchern zeigt, wie ein Baum mit Wurzeln aussieht.

Der umgedrehte Baum

Abgeschnittene Äste und Triebe werden an den Rand des Weges gelegt für die unzähligen Kleintiere, die das Totholz zum nisten nehmen.

Eine Informationstafel wofür Totholz wichtig ist

An den Zäunen hängen verschiedene Nistkästen für verschiedene Vögel, die wiederum die Waldjugend auch fertig stellt. Meisenkästen werden zum Beispiel an Eichen gehängt. Sie fressen Eichenprozessionsspinner. Eine Win – Win – Situation sozusagen für die Eiche und die Meise.

Auf dem Gelände stehen achteckige Glasschaukästen, die ich von früher vor dem Umbau der Fußgängerzone aus meiner Geburtsstadt kenne. Sie sind hier gelandet. In ihnen tummeln sich die ausgestopften Waldtiere. Sie sind alle eines natürlichen Todes gestorben, betont Ulrich Trockle immer wieder.

Die Glasschaukästen aus der Fußgängerzone haben einen vernünftigen Sinn bekommen

Die Glasschaukästen gibt es allerdings immer noch in den ein oder anderen Ruhrgebietsstädten. Kürzlich entdeckte ich einen in der Fußgängerzone in Bochum-Gerthe und in der Fußgängerzone in Recklinghausen standen ein paar. Meist waren sie leer und sehr verwahrlost. Leider! Hier auf dem Vereinsgelände zeigen sie anschaulich die Wald – und Wildtiere für jede Generation.

Veranstaltungen und Feste

Das Frühlingsfest mit ökumenischem Gottesdienst ist jährlich das größte Event mit den meisten Besuchern. Vor Ort üben die Jagdhornbläser. Immer wieder werden verschiedene Aktionen in der Natur gemacht. In der großen Vereinshütte können Feste gefeiert werden auch on externen Gruppen gegen eine kleine Spende.

Der Innenraum des Festsaals des Vereins mit eigener Zapfhahntheke aus einer ehemaligen Gaststätte von Kirchhellen

Jährlich finden die Jägerprüfungen vor Ort statt und es werden unterschiedliche Seminare durchgeführt.

Historie und Engagement

Das Gelände war ursprünglich ein Schießstand von Polizei und Jägern. Schon seit dem 1. Weltkrieg wurde hier das Schießen geübt. Als die Polizei es zuletzt nicht mehr nutzte, verfiel die Hütte. So hat sich Heinrich Tenhumberg die Idee in den Kopf gesetzt daraus einen außerschulischen Lernort herzurichten. Die 21 Grundschulen und Förderschulen und Kindergärten wurden direkt eingebunden. Er war bis 2010 Vorsitzender des Kreisverbands. Bis heute führt Peter Pawliczek das WPZ den Vorstand, wie es abgekürzt heißt.

Insgesamt unterstützen 10 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie etwa 130 Freiwillige bei den jährlichen Pflanzaktionen den Verein. Bei der nächsten Pflanzaktion bin ich der 131 auf jeden Fall!

Sponsoren und Mitgliedschaft

Die Arbeit wird durch Mitgliedsbeiträge ermöglicht. Pro Jahr kostet es nur 26 €, davon gehen 13 € an die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Das Ganze wird durch Sponsoren unterstützt, um entweder die Setzlinge, die jährlichen Pflanzaktionen oder auch Flächen anzubieten, wie Stremmer – Sand und Kies, Wald und Flur GmbH, Metallbedachung Markus Kremer, Euroquarz und der Baumdienst Enbergs, sowie die beiden örtlichen Banken, Vereinte Volksbank und Sparkasse Bottrop. Natürlich sind immer neue Sponsoren herzlich eingeladen.

Blick in die Zukunft

Ulrich Trockle plant bereits die Pflanzflächen für die Jahre 2027 bis 2029. „Die größte Herausforderung ist, geeignete Flächen zu finden“, betont er. Dabei wird stets auf nachhaltige Waldwirtschaft geachtet: Der Eigentümer der Flächen übernimmt die Pflege und kann Bäume später nutzen. Zwischen 20 und 60 Jahren dauert es, bis ein Baum „erntereif“ ist.

Aber sie ist gleichzeitig auch eine Möglichkeit eines Landwirts generationenübergreifend in der Forstwirtschaft tätig zu sein, wenn die Flächen klima- und naturgerecht nutzbar gemacht werden. Niemand kann voraussehen, wie lange in der Kirchhellener Heide Sand und Kies weiter abgebaut werden. Wenn dort eine Fläche frei wird, dann ist das in der Zukunft auch eine Möglichkeit für den natürlichen Strukturwandel, wo keine Grundstücke für Häuser bereitgestellt werden, sondern eher die Natur sich normal weiter entwickeln kann.

„Wir wollen, dass vor allem die Kinder positive Erlebnisse mit nach Hause nehmen“, so Trockle, Ein Ziel bleibt klar: Natur erlebbar machen und kommende Generationen für den Wald begeistern und für den Erhalt ihres eigenen Planeten pädagogisch zu unterstützen.

Fazit

Ich wollte sofort dabei sein, ob ich in Bochum wohne oder in Gelsenkirchen wohnen würde. Es ist ein Verein, den es zu unterstützen gilt für die nächsten Generationen. Die 26 € tun mir nicht weh im Jahr. Dafür lasse ich einmal einen Restaurantbesuch aus und gebe das für einen sehr guten Zweck aus, nämlich den Erhalt der Natur und die pädagogische Nutzung für die Zukunft unserer nächsten Generationen. Ich habe keine Kinder, so unterstütze ich das erst recht!

Außerdem ist er eine Vorbildfunktion für andere Städte im Ruhrgebiet. Ich hoffe, das ich das nun über die Stadtgrenzen hiermit bekannter gemacht zu habe.

Mitmachen – Kontakt – Sponsoren – Links

Wer da auch mitmachen möchte, eine Waldfläche zur Verfügung stellen kann oder den Verein einfach nur mit einem Mitgliedsbeitrag unterstützten möchte, kann sich beim WPZ melden:

SDW KV Bottrop e.V.
Ansprechpartner: Ulrich Trockle

Ruhehorst 14
46244 Bottrop
Deutschland
Tel.: 
0204585111
E-Mail:
kontakt@sdw-wpz-bottrop.de

https://sdw-wpz-bottrop.de

Sponsoren:

Stremmer Sand + Kies

Wald und Flur GmbH & Co KG

Konzept-Metall-Bedachungs GmbH in Bottrop | Leistungen auf dem Dach

EUROQUARZ – Quarzsand, Quarzkies & Filterkiesprodukte

Baumdienst Enbergs GmbH – Home

Vereinte Volksbank

Sparkasse Bottrop

FOTOGALERIE (c) André Brune

Eine Bottroper Landkarte, mit den eingezeichneten Waldgebieten vom Waldpädagogischen Zentrum
Der Kräutergarten
Das Backhaus im Kräutergarten
Die Baumzuchtbeete hinter dem Kräutergarten
Informationstafeln zu den Kräutern
Das Imkerhaus des ältesten Imkervereins in der Stadt Bottrop
Die Waben tropfen den Honig anschaulich aus
Wilde Orchidee
Bienen in Aktion
Die Mufflons sind neugierig, aber scheu (c) André Brune
Hornissen kämpfen um Essen
Das Wildschweingehege
Die Wildschweine freuen sich über Besuch
Viel wildes Grün für Insekten und Bienen an der Obstwiese
Die Nachhaltigkeitshütte für pädagogische Erklärungen von Müll in der Natur
Streuobstwiese
Die Glasschaukästen aus der städtischen Fußgängerzone
Die Glasschaukästen aus der Fußgängerzone haben einen vernünftigen Sinn bekommen
Ein großes Insektenhotel
Giftige Pflanze: Gefleckter Aronstab - nicht mit Bärlauch verwechseln!
Die Ziegen
Das Brabanthuhn spielt Eminem. Der Goldklunker fehlt.

Milton Merlano – Gründer vom Verein Barrierefrei sei mit dabei I +Videopodcast I +Podcast #114

Neugierig auf Milton Merlano, der eine Vision hat, seine Stadt barrierefrei zu gestalten, das Vorbild für das ganze Ruhrgebiet sein könnte?

Dann hört in den Podcast bzw. schau in den Videopodcast hinein:

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Mehr Informationen

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland: Artikel 3

Das Grundgesetz bildet in Deutschland die rechtliche Grundordnung. Im dritten Artikel wurde festgelegt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Menschen mit Behinderung werden darin explizit erwähnt: Artikel 3, Absatz 3, Satz 2: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Quelle: www.gesetze-im-internet.de )

Betroffen und Verärgert

Milton Merlano kennt den Ärger aus eigener Erfahrung: In Ruhrgebiets-Städten findet man viele Läden, Restaurants,  Ämter oder auch Zugänge zu Ärzten und Kanzleien mit Treppen ohne barrierefreie Zugänge. Immer noch in den modernen oder sollte ich modernden Zeiten sagen, denn das o.g. Gesetz wird meines Erachtens nicht geachtet, sondern in vielen Firmen, wenn es um die Möglichkeit als körperlich eingeschränkter Mensch Arbeit zu bekommen nach Recht und Gesetz, auch mit Füßen getreten oder aus Gründen weniger beachtet als es nötig wäre. Milton hat Arbeit, die ihn erfüllt, aber privat ist er ein Kämpfer geworden für die Sache für mehr Barrierefreiheit, denn er ist ein Betroffener und sieht steht jeden Tag hier und da vor Barrieren, da wo sie einfach weg sein könnten. Diese Barrieren sind auch psychisch eine Hürde für die Betroffenen.

Milton Merlano bei der Vereinssitzung

 

Die Idee

Milton Merlano sitzt durch eine Kinderlähmung im Rollstuhl. Im November 2024 hat er die Idee einen Verein zu gründen, was viele Vorteile bringen kann, um seine Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Verein Barrierefrei Sei mit dabei e.V.

 

Der Verein übernimmt den Kaufpreis mit Hilfe von Spenden die Hälfte für eine mobile Rampe, bringt zusätzlich kostenlos einen Aufkleber als Hinweis für die Rampenaufstellung und eine Klingel an, um für die Betroffenen die Aufmerksamkeit der jeweiligen Verhinderung die Stufen hinauf zu kommen zu schaffen. Dann wird die mobile Rampe von Mitarbeitern oder Inhabern der jeweiligen Institution aufgestellt, solange wie es nötig ist ohne langjährige Baugenehmigungen abzuwarten oder Ärger mit dem Ordnungsamt zu bekommen.

Eine tragbare mobile Rampe vor dem Aufklappen

 

Das gesetzliche Grundrecht der Inklusion und Barrierefreiheit wird so durch den gemeinnützigen Verein auf eine einfache Art und Weise durchgesetzt und erregt mehr Aufmerksamkeit für diese konkrete geschaffene Lösung. Menschen im Rollstuhl oder im Rollator unterwegs können gleichberechtigt einkaufen und damit am Leben einfacher teilnehmen, wo vorher eine einzige Stufe eine große Hürde vorhanden war.

Der 1. Vorsitzende und Visionär

Milton Merlano, gebürtiger Kolumbianer, im Ruhrgebiet aufgewachsen, war lange eine „Sofakartoffel“ – bis er beschloss aufzuhören mit dem Meckern. Er wollte aktiv etwas bewegen. Das ging zu Anfang am besten sich politisch zu engagieren. Auf dem Sofa knirschten zwar die Federkerne, aber sonst konnte Milton von dort aus nichts bewegen. Das änderte sich im Laufe der Zeit seines Tuns und dazu kam eine Idee, die er bei einer Reise nach Paris vor einigen Jahren mitbrachte.

Lena Schmidt von Radio Bochum interviewt Milton beim Vorstellen der Rampen in Bochum-Gerthe

 

Aus dem Wunsch, Dinge besser zu machen, ist sein Engagement gewachsen: Aus einer Idee wurde ein Verein, der nun kurz vor den Sommerferien als gemeinnützig anerkannt wurde. Ab dem Zeitpunkt konnte gestartet werden für die mobilen Rampen Spenden zu sammeln und das einfache Win-Win-Konzept auch den Geschäftsinhaber*Innen vorzustellen.

Aufkleber und Klingel bei einem Anbieter einer mobilen Rampe

 

Win-Win-Situation

Der Verein bekommt Spendengeld. Die Spendengelder können steuerlich abgesetzt werden. Der Verein kauft für potentielle Interessenten die mobilen Rampen ein. Er übernimmt die Hälfte des Kaufpreises und übergibt sie eigentümerrechtlich den Interessenten, die die andere Hälfte kostenmäßig übernehmen. Gleichzeitig können sie diese Ausgabe auch steuerrechtlich absetzen. Sie bekommen den Hinweisaufkleber und die Klingel kostenlos dazu. Ebenfalls ergibt sich daraus nun noch der Faktor kostenlose Werbung dazu. Denn der Kauf und das Zeigen der Aufkleber bedeutet auch eine positive Bewertung in eigener Sache.

Die Inhaber sind begeistert: Der Nebeneingang vom Eiscafé Da Luca hat jetzt eine Rampe

 

Jede Firma wird auf der Vereinshomepage genannt. In den Bewertungen von Google und in den Sozialen Medien wird das Unternehmen zusätzlich positiv erwähnt werden für die Barrierefreiheit. So wird das Geschäft mit Sicherheit positiv in Erinnerung behalten werden! Und der Schritt für mehr Akzeptanz für mehr Barrierefreiheit wird mit jeder verteilten Rampe ein bisschen größer und wird auch andere, die sich vorher geweigert haben, vielleicht ebenfalls überzeugen lassen sich eine mobile Rampe anzuschaffen.

Lena von Radio Bochum interviewt die Inhaber vom Eiscafé Da Luca in Bochum-Gerthe

 

Im Großen und Ganzen bewirkt der Verein einen einfachen Weg einen barrierefreien Zugang für Geschäfte schneller voranzutreiben, als es städtische Genehmigungsverfahren jemals ermöglichen würden, die oft Jahre dauern.

Das Eiscafé Da Luca in der Fußgängerzone in Bochum-Gerthe

 

Das Ziel

Barrierefreiheit soll kein Luxus sein durch verbundene teure bauliche Kosten und langjährigen Genehmigungsverfahrens, sondern ein einfaches Selbst-in-die-Hand-nehmen-Durchsetzen sein eines des im Bürgerlichen Grundrecht rechtlichen Rahmen ohne bauliche Veränderungen vornehmen zu können.

Ich selbst habe den Verein mitgegründet, obwohl ich nicht betroffen bin, aber ich kann ja durch gesundheitliche Einschränkungen, wie ein Schlaganfall oder einen Fahrradunfall jederzeit einer der nächsten sein. Niemand will daran denken, aber wir sollten es nicht vergessen.

Ich sehe die Zukunft und ich sehe eine positive Veränderung einer Stadt auch für Gäste, die entsprechend eben eine gesundheitliche oder altersbedingte körperliche Behinderung haben und auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind oder einfach nur einen Kinderwagen fahren mit dem es nicht immer so einfach ist, die entsprechenden Stufen hochzukommen.

Die erste Rampe vom Verein Barrierefrei sei mit dabei

 

Netzwerken

Als Mitglied des Unternehmernetzwerks K.L.U.G. Netzwerk lernte ich Stephan Fink kennen, der ein eigenes Netzwerk betreibt: Business Club NRW. Wir haben einen Vortrag verfolgt über Barrierefreies Internet von dem sehbehinderten Unternehmer Stephan Jacobs aus Köln. Als wir ins Gespräch kamen beim Abschied, fragte er mich, ob ich in meinem Netzwerk etwas wüsste, was mit seinem Netzwerk ein Jahr lang mit Sponsorengeldern unterstützt werden könnte.

Ich berichtete über den sich gründenden Verein „Barrierefrei – Sei mit dabei“.  Er war begeistert, informierte sein Netzwerk und schon ging es weiter. Er ist auch Mitglied ist geworden. Über sein Netzwerk kam eine Firma hinzu, die das Layout entwickelt hat und gespendet hat. Die Erfolgsgestalter haben wirklich ein Gespür gehabt, was der Verein nach Außen zeigt. Die Flyer, die Internetseite und auch das wichtige Logo waren nach drei Vorschlägen schon perfekt.

Erste Erfolge

Über das Netzwerk kamen einige Geldspenden zusammen. So konnten die ersten Rampen und der Start des Vereins finanziert werden.

Durch die Quartiersmanagerin Sonja Hasenkamp von Bochum Marketing kam der Verein an zwei interessierte Geschäftsinhaberinnen, die die ersten zwei Rampen, die wir kostenlos übergeben haben in den Bochumer Norden nach Gerthe. Die Fußgängerzone ist damit auch weiter aufgewertet worden.

Sonja Hasenkamp von Bochum Marketing hat die Idee des Vereins in den Bochumer Norden getragen und Erfolg gehabt

 

So freuen sich nun Serpil Akbas mit ihrem Friseursalon Haartotal und das Eiscafé Da Luca über das Anbieten barrierefreier Zugänge. Der Anfang ist gemacht. Jetzt geht es weiter.

Serpil Akbas mit ihrem Friseursalon Haartotal ist ebenfalls begeistert mehr Barrierefreiheit anbieten zu können in der Gerther Fußgängerzone

 

Miltons Aufstehen aus dem Sofa, rein in den Rollstuhl, einen Aufruf in der Presse zu machen, dadurch 15 Gleichgesinnte zu bekommen, die Seite an Seite nun für ein barrierefreieres Leben kämpfen hat sich also schon nach wenigen Monaten gelohnt!

Wie funktioniert das Mobile Rampen-System?

Der Verein beschafft mobile Rampen und übernimmt die Hälfte der Kosten – zusätzlich Klingel- und Aufkleberkosten. Die andere Hälfte tragen die interessierten Geschäftsinhaber. Die mobilen Rampen lassen sich ein- und ausklappen, je nach Bedarf. Damit werden auftretende Hindernisse vorübergehend beseitigt, ohne bauliche Großprojekte anstoßen zu müssen.

Hinter dem Engagement steckt mehr als Technik: Es geht um eine wertebasierte Haltung, in der Barrierefreiheit, die in der Praxis sichtbar wird. Milton arbeitet außerdem ehrenamtlich in einer beratenden Funktion bei der Stadt Bochum, damit sie entsprechende barrierefreie Projekte umsetzt. Aber das reichte ihm nicht, weil er sah, dass es sehr lange dauert und an viele Dinge gedacht werden muss, auch schon, wenn es um einen eher banalen Behindertenparkplatz geht.

Hartnäckiger Kämpfer

Milton ist sein Leben lang ein Kämpfer gewesen, das nur kurzzeitig auf dem Sofa eingeschlafen ist. Jetzt geht sein Weg weiter. Er nimmt ab Herbst Flugstunden und freut sich auf die Erweiterung seines Lebenshorizonts, das er mit seinem Vater schon beweisen konnte. Mit ihm ist er in 50 Etappen durch ganz Deutschland von Flensburg bis Konstanz gewandert.

Er bewies auch Hartnäckigkeit, um einen guten Schirmherr für den Verein zu bekommen: Der Oberbürgermeisterkandidat Jörg Lukat, Polizeipräsident a.D. von Bochum ist ein sympathischer Mensch und ist mit vielen Menschen in Kontakt gekommen. Bei der Vorstellung seiner Person hat er volle Unterstützung angeboten für den Verein.

https://www.instagram.com/p/DJ85MoBM2JL/

@barrierefrei_sei_mit_dabei_ev

Demografie fordert Weitblick

Demografischer Wandel erfordert das Ziel einer flächendeckenden Barrierefreiheit. Der Verein will Barrierefreiheit flächendeckend vorantreiben. Im Namen steht nicht der Name Bochum. Wer in anderen Städten den Verein für einen barrierefreien Zugang anfragt, wird nicht abgewiesen.

Der erste Vereinsstand bei einem Straßenfest für Nachhaltigkeit in Bochum-Hamme am 17.5.2025

 

Die Idee ist, dass Städte ihre Strukturen stärker nach den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen ausrichten – nicht nur, weil es im Gesetz steht, sondern dadurch echte Teilhabe gelebt wird. Es ist mittlerweile auch der Politik klar, dass der Demografische Wandel auch dazu führt, dass in der Überalterung der Gesellschaft auch ein höherer Grad an Behinderungen auftauchen wird, ob im Alter oder durch gesundheitliche Probleme oder weil es angeboren ist. 10% der deutschen Bevölkerung gehören zu dieser Klientel. Das ist schon mehr, als viele denken und spielt mit Sicherheit ein großer Faktor in der Zukunft mehr politischen und auch wirtschaftlichen Willen in Barrierefreiheit und Inklusion zu bewegen in Projekten und Baumaßnahmen.

Zur Übersicht der Gesetzgebung

Das Grundrecht auf Barrierefreiheit ist in Deutschland durch verschiedene Gesetze und internationale Abkommen verankert, die die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben sicherstellen.

Gesetzliche Grundlagen (KI-Übersicht aus BING mit entsprechenden Links)

  1. Grundgesetz (GG): Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes besagt: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Dies stellt sicher, dass Menschen mit Behinderungen gleich behandelt werden und Zugang zu allen Bereichen des Lebens haben.  (Quelle: Aktion Mensch)
  2. UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK): Diese internationale Vereinbarung, die Deutschland 2009 ratifiziert hat, konkretisiert die Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen. Artikel 9 der UN-BRK definiert Barrierefreiheit als den gleichberechtigten Zugang zu Transportmitteln, Informationen und Dienstleistungen.  (Quelle: Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.)
  3. Behindertengleichstellungsgesetz (BGG): Dieses Gesetz regelt die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen im öffentlichen Recht und verpflichtet öffentliche Einrichtungen zur Schaffung von Barrierefreiheit. Es gilt für alle Bundesbehörden und stellt sicher, dass Gebäude, Verkehrsmittel und digitale Angebote barrierefrei sind.  (Quelle: Aktion Mensch)
  4. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Dieses Gesetz, das am 28. Juni 2025 in Kraft trat, regelt die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen, einschließlich Online-Shops und Apps. Es zielt darauf ab, die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen zu verbessern.  (Bundesregierung)

Bedeutung der Barrierefreiheit

Barrierefreiheit ist entscheidend für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben. Sie ermöglicht den Zugang zu Bildung, Arbeit, Kultur und Freizeitaktivitäten. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sollen sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben können, ohne durch bauliche oder digitale Barrieren eingeschränkt zu werden. 

www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de

Insgesamt ist das Grundrecht auf Barrierefreiheit ein wesentlicher Bestandteil der Menschenrechte in Deutschland, das durch verschiedene Gesetze und internationale Abkommen gestützt wird. Es fördert die Gleichstellung und die Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft. Mein Fazit in der Übersicht: Es wird aber eben nur zu einem Bruchteil wirklich durchgeführt! Das ist meines Erachtens nicht akzeptabel!

Milton schaut positiv in die Zukunft

 Fazit

Barrierefreiheit ist mehr als eine Frage des Grundrechts. Es ist eine Frage der Teilhabe am Leben und Würde. Fragt man Menschen, die über Barrierefreiheit denkt, dann sind alle überzeugt mitzumachen. Wenn es an das Eingemachte geht, ist es zu teuer, gibt es Hürden oder wird das Gesagte am Ende eher als hohle Phrase von gestern abgetan und nichts gemacht. Alle wollen, doch nur wenige sind bereit diesen Willen auch durchzusetzen.

Miltons Engagement zeigt, wie man mit kleinen, pragmatischen Lösungen eine große Wirkung erzielen kann – und wie Netzwerke, Spenden und Ehrenamt gemeinsam etwas bewegen können, das nachwirken kann. Das ist echte Zugänglichkeit für alle. Und es birgt eine Hoffnung, dass mein im ersten Absatz geschriebenes negatives Denken darüber in naher Zukunft mit dem Verein verändert werden kann. Ich hoffe es mit Milton und dem gesamten Verein!

Ein Rampe für Dich!

Wenn auch du, lieber Leser oder Leserin, eine mobile Rampe haben möchtest oder den Verein unterstützen möchtest, dann melde dich einfach in den unten angegebenen Angaben oder Links, direkt auch bei Milton.

Ich unterstütze den Verein im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ich habe die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Für mich war ganz klar von Anfang an, dass wenn die ersten Rampen an den ersten Läden stehen, kommt ein Podcast und  Blogbeitrag über den Mann, der die Idee aus Paris nach Bochum, ins Ruhrgebiet gebracht hat.

Milton Merlano ist ein Pottmensch, der sich auch politisch einsetzt für eine bessere Stadt aus Überzeugung für die Menschen, die mehr Teilhabe bekommen sollen und das Grundrecht darauf diese auch umgesetzt zu bekommen. Es geht mit einfachen Mitteln. Milton beweist es. Meine Unterstützung hat er definitiv und das ist auch wichtig für mich dies in meinem Blog für das Ruhrgebiet allgemein hier hinein zu verewigen!

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Mehr Informationen zum Verein und die bisherigen Unterstützer:

Barrierefrei Sei mit dabei e.V.

https://barrierefrei-sei-mit-dabei.de  

  1. Vorsitzender: Milton Merlano

milton.merlano@barrierefrei-sei-mit-dabei.de

Telefon: 0234-54454611

Wer den Verein mit einer Spende unterstützen möchte:

Bankverbindung Barrierefrei – Sei mit dabei e.V.

IBAN: DE 49 4306 0129 0154 9273 00
BIC:    GENODEM1BOC

Volksbank Bochum Witten eG

Oder direkt über PayPal.
Link zum Spenden: PayPal Barrierefrei – Sei mit dabei e.V. 

Spendenquittung anfordern:

vereinskasse@barrierefrei-sei-mit-dabei.de

Öffentlichkeitsarbeit:

André Brune – Mobil: 01633912257

Instagram: @barrierefreie_sei_mit_dabei_ev

Facebook  

PDF-FLYER : barrierefrei_flyer_v6_Digital

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Unterstützter/Sponsoren:

EROLGSGESTALTER GmbH

Reichspräsidentenstraße 21-25

45470 Mülheim an der Ruhr

Telefon: 0208 777245-30

Email: info@erfolgsgestalter.de

https://erfolgsgestalter.de

Markenberatung in Mülheim an der Ruhr | NeuroMarketing & Markenstrategie, Marketing & Designagentur

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Business-Club.NRW – Das Unternehmernetzwerk im Ruhrgebiet

Stephan Fink

Blötter Weg 79

45478 Mülheim an der Ruhr

Telefon: 017687091000

Email: kontakt@business-club.nrw

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K.L.U.G. Netzwerk

https://klug-netzwerk.de

Netzwerk für Unternehmen und Kunden » K.L.U.G Netzwerk

Leitung: Sybille Hellier

Telefon: 0209-94577720

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https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/

Bundesfachstelle Barrierefreiheit – Gesetzliche Grundlagen

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https://www.barrierefreifueralle.de/ Gesetzliche Grundlagen

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https://www.dguv.de/DGUV Barrierefrei – Grundgesetz

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https://aktion-mensch.de I Inklusion I Gesetze I Teilhabe und Barrierefreiheit

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https://bfsg-gesetz.de (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz)

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Die UN-Behindertenrechtskonvention | Aktion Mensch

Alle Fotos bis auf die Flyer sind Copyright André Brune

Eine Roadstory mit Melanie Hagen & der App I +Videopodcast I +Podcast #113

Das Ruhrgebiet mit einer App erkunden? Das geht! Sei dabei! Ich bin es und habe dafür den Früher-Vogel-fängt-den-Wurm-Preis von 0,99 € bezahlt!. Melanie Hagen und Thomas Vollstädt gründeten eine GbR, als sie sich kennenlernten, um eine innovative App zu entwickeln, die eine Reise zu einem Ort informativ begleitet, bevor es besucht wird.

Die Idee zur App Roadstory kam Melanie auf Hawaii! Schon bevor die Villa Hügel erreicht wird, können die Infos zu Krupp & Konsorten erfahren werden, so erzählt Melanie Hagen über das Entstehen, die Entwicklung und das weitere Tun im Podcast Nummer 113 bei Ruhrpottologe unterwegs im Ruhrgebiet bzw. Videopodcast bei RuhrpottlogeTV in Youtube:

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Mehr Informationen

Melanies Geschäftspartner Thomas Vollstädt ist Webentwickler und für den Content zuständig. Melanie Hagen arbeitete zuvor in einer Softwarefirma als Software-Beraterin im Bereich Maschinenlearning; dort sammelte sie Erfahrungen mit Automatisierung und Bestellprozessen. Für das Entstehen der App brauchte Melanie einen Webentwickler. Sie lernte zufällig Thomas kennen, der begeistert sofort mitmachte. Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend und spornten an weiterzumachen.

Thomas Vollstädt & Melanie Hagen beim Pott-Talk getroffen

Sie wandten sich an die Stadtmarketing-Abteilungen der Ruhrgebietsstädte, erklärten ihr Konzept und suchten nach Partnern. Aktuell werden für die von einer KI eingesprochenen Texte zur Erklärung von Sehenswürdigkeiten aus Wikipedia und auch ChatGPT genutzt. Die Vorinformationen werden natürlich von Menschen nochmals überprüft. Von 10 Informationen aus ChatGPT, sind meist nur drei wirklich nutzbar.

Das Team arbeitet seit einem Jahr zusammen und ist durch die Zusammenarbeit auch freundschaftlich verbunden. Die Idee kam Melanie in den USA: Dort erlebte sie eine ähnliche App in einem Nationalpark in Hawaii. In Europa existiert ein ähnliches Angebot bisher noch nicht. Geplant und gestartet sind sie zunächst mit 15 Touren im Ruhrgebiet, wobei der Fokus auf der Industriekultur des Reviers liegt, aber auch Schlösser und andere Schmuckstücke Berücksichtigung finden sollen.

Die Bochumer Wirtschaftsförderung unterstützte das Projekt sofort und Bochum Marketing lieferte die Informationen für den Bochumer Teil. Ein Stadtrundgang ist zum Beispiel auch in der App. Durch die Förderung landete Melanie und Thomas Firma im Funkhaus in Bochum am Fritz-Husemann-Platz für ein Jahr. Auch andere Start-Up-Firmen sind hier zu finden, wie in einem Coworking-Space, die gefördert wurden. Melanie bunkerte uns den Raum „Oma Krause“. Ein herrlicher Raum, der wirklich an die Oma oder Uroma erinnert mit dem alten Lampenschirmen oder dem Gelsenkirchener Barockmöbeln, entsprechende bequeme Sitzmöbel mit Kissen, die erstmal den Handkantenschlag bekommen können, Geschirr aus den Zeiten 1950er – 1980er, entsprechende Fotos und einen Schrank ohne Fernseher, denn das ist das einzige Moderne hier: Ein Flachbildfernseher:

Ihre Recherchen fanden auch ungewöhnliche Dinge, wie den Salzbergbau in Unna und deren Ängste gegenüber dem aufkommenden Steinkohlebergbau. Bereits bei der Überprüfung der KI-Funktionsweise stellte sich heraus, dass sieben der zehn generierten „Fun Facts“ falsch waren – eine nützliche Erinnerung, wie wichtig menschliche Kontrolle bleibt.

Bochum Marketing unterstützt das Vorhaben. Die App ist eine sehr gute Verbindung, wenn es zum Beispiel zur Jahrhunderthalle geht. Erste Informationen können abgerufen werden, bevor vor Ort die menschliche Gästeführung den Part der Historientiefe übernimmt.

Ein Ziel ist auch, die App in verschiedenen Sprachen zu entwickeln. Bisher kommen keine Profisprecher zum Einsatz. Das ist auch ein Kostenfaktor, den ich verstehen kann als professioneller Sprecher. Das übernehmen KI-Sprecher. Das zeigt jedoch, dass es noch Grenzen gibt. Sätze sind mittendrin abgehackt oder Straßen sind falsch ausgedrückt, wie die Huestraße zur Hüstraße wird.

Dennoch ist das Ziel diese in verschiedenen Sprachen anbieten zu können. Die App hat auch ein enormes Ausbaupotenzial: NutzerInnen können je nach Fortbewegungsart – Auto, Fahrrad oder zu Fuß – erste Touren ab Herbst 2025 starten können.

Preis

Zu Beginn werden Touren für 3–5 Euro zum Download angeboten; Tourenpakete für 12–15 Euro können das gesamte Ruhrgebiet abdecken. Bis zur offiziellen Veröffentlichung können Interessierte als Testperson teilnehmen oder das Earlybird-Angebot für das Ruhrgebiet von 0,99 Euro statt 15,99 € ab Herbst 2025 nutzen.

Das Deutschland-Paket liegt jetzt noch bei 5,99 € statt 28,99 €. Von der See bis in die Berge, Kurzurlaube, Auszeiten, Panoramarouten und Entdeckungen in ganz Deutschland sind darin enthalten. Im Europa-Paket werden ab Sommer 2026 traumhafte Urlaube in 15 Ländern Europas vorgestellt für jetzt noch 39,99 € statt 129,99 € einmalig. Kein Abo soll folgen. 

Die Touren werden alle ständig erwartet. Es sollen aus den verschiedenen Ländern Touren angeboten werden, auch in der Landessprache. Das ist das hochgesteckte Ziel. Als Tester und Earlybird kann ich ab sofort das System bzw. die Touren vom Ruhrgebiet vorab testen. Kritik und Verbesserungsvorschläge sind in den Anfängen natürlich erwünscht. Die App soll sich auch auf dem Markt besser als andere behaupten können. Deswegen:

Tester werden noch gesucht!

Ich bin auf die beiden beim Pott-Talk in Bochum aufmerksam geworden und bot ihnen einen Podcast an, wofür sie sich sofort begeistert hatten. Jetzt konnte ich ihren Start im Funkhaus in Bochum mit Blick auf den neu fast fertig gestalteten Fritz – Husemann-Platz  von ganz oben blicken. Als sie mir die Funktion erklärte, erzählte ich von einer Gästeführung zu den Stolpersteinen, die ich plane, so dass wir übereingekommen sind, dass ich sie für die App einsprechen kann und sie kostenlos zur Verfügung gestellt werden wird. Erinnerungskultur ist Melanie auch sehr wichtig, gerade zur jetzigen politischen Situation.

Wie funktioniert die App Roadstory?

Will man z.B. von Bochum zur Villa Hügel fahren, wählt man in der App Krupp & Konsorten aus. Während der Fahrt wird in einem Umkreis die gerade relevanten Audioinformationen abgespielt, heruntergedimmt, damit der Fahrer sich konzentrieren kann. Die App unterbrich sanft die Musik- oder Podcast-Wiedergabe. Dann werden die ZuhörerInnen von der Stimme mit Informationen gefüttert. Die App soll dynamischer werden und sich an verschiedene Gegebenheiten anpassen.

Tester gesucht!

Mehr Informationen, die Early-Bird-Angebote und die Touren findet ihr unter 

www.roadstory-audio.com

Mail: explore@roadstory-audio.com

Fragen? 015156941404

Social Media:
Roadstory Audio | LinkedIn

Roadstory Audioguide (@roadstory_audio) I Instagram

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Erwähnt wurde die App https://Lialo.com als Vergleich.

Dort können Gästeführungen individuell runtergeladen werden gegen einen entsprechenden Preis. Beide Apps können sich sehr gut ergänzen, genauso sollte trotzdem kein Reiseführer vergessen werden.

FAZIT:

Eine innovative App, die zuerst das Ruhrgebiet auf eine neue Art touristisch entdecken lässt, bevor sie in die Europäische Liga aufsteigt. Einige Touren sind schon zu finden, wie in der Toskana oder auf den Kanaren. 

Ich sehe viel Potenzial. Ich habe die App mir für 0,99 € runtergeladen als früher Vogel, der den Wurm fängt. Ich werde die ein oder andere Tour als Tester ausprobieren. Ich bin gespannt und werde den Weg der Inhaber der App Roadmovie verfolgen. 

Vor allem freue ich mich auf das Stolpersteinprojekt, dass ich in Bochum starte und auch in anderen Städten des Ruhrgebiets vorhabe für die App zu erstellen. Sie werden kostenlos abrufbar sein. Und sie wird für die App auch von mir kostenlos im Sinne der Erinnerungskultur für die Opfer des Nationalsozialismus, damit es sich nicht wiederholt mit Melanie und Thomas eingerichtet werden, egal, wieviele Menschen diesen jeweiligen Stolperstein-Weg nutzen werden.

Fit ab 50 Recklinghausen – Vorbildlicher Sportverein für Junggebliebene I Interview mit Karin Bergmann I +Videopodcast I +Podcast #111 I +Fotogalerie mit Zumba Gold Kurs

Wer sagt, dass Sport nur etwas für die Jugend ist? In Recklinghausen beweist der Verein Fit ab 50 eindrucksvoll das Gegenteil. Mit zur Zeit 624 Mitgliedern zeigt er, wie man auch jenseits der 50 aktiv, gesund und vor allem gemeinsam fit bleiben kann. Der Verein möchte die „goldene“ 50+ Generation ansprechen, um mit Gleichgesinnten gemeinsam Sport zu treiben.

Mit Karin Bergmann, der 1. Vorsitzenden von Fit ab 50 e.V., spreche ich im Podcast über diesen Verein, der einmalig ist im Ruhrgebiet, weil er eben nur über 50 Jährige anspricht und damit auch eine Art Vorbildfunktion für andere Orte sein kann für mehr Bewegung und Gemeinsames Erleben mit Gleichgesinnten. Ich möchte ihn über die Stadtgrenzen hinaus bringen, damit es mehr Menschen gibt, die zusammen was machen, statt zuhause allein zu sein und nicht wissen, was heute gemacht werden kann. Im Verein kann man täglich was mit anderen was unternehmen und es ist so vielfältig, dass es für jedes Alter ab 50 was gibt, was einem passt.

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Mehr Informationen

Persönliche Begegnung

Ich selbst lernte die 1. Vorsitzende Karin Bergmann beim Ruhrdax im Herbst 2024 kennen, einem Netzwerktreffen für sozial engagierte Vereine oder Organisationen im Ruhrgebiet. Sie berichtete mir nicht nur von den vielfältigen Aktivitäten, sondern auch davon, wie sehr die Menschen in Recklinghausen den Verein schätzen.

Eine kleine Anekdote zeigt das deutlich: Eine Recklinghäuserin, die nach Witten zog, war dort enttäuscht, keinen vergleichbaren Verein zu finden. „Fit ab 50“ ist eben mehr als ein Sportverein – er ist ein Stück Lebensqualität.

Stefanie Wuwer – Zumba Gold Kursleiterin (Links), Karin Bergmann, 1. Vorsitzende von Fit ab 50 e.V. (Mitte)

 

Mehr als nur Sport

Gegründet im Jahr 1999 feierte der Verein 2024 sein 25-jähriges Jubiläum. Sein Ziel: Bewegung, Gesundheit und Gemeinschaft. Denn Sport bedeutet hier nicht nur körperliche Fitness – er wirkt auch gegen Einsamkeit, die viele Menschen in diesem Alter erleben, sei es durch Scheidung, den Tod des Partners oder schlicht durch nachlassende Kontakte.

Ein besonderes Highlight sind die 20 verschiedenen Sportarten, die angeboten werden – vom klassischen Ballsport über Tanz bis hin zu Denksportaufgaben, die Gedächtnis und Koordination trainieren und sogar Demenz vorbeugen können.

Sportangebote im Überblick

Ball-Sportarten

Outdoor-Sportarten

Tanzsport

Entspannung

Gymnastik :

Schwimmen

(alle Links führen zu Ort- und Zeitangabe zur Homepage von Fit ab 50)

Jede Sportart wird von ausgebildeten Kursleiter*innen begleitet.

Stefanie Wuwer hab ich kurz interviewt bekommen, als ich mit ihrer Gold-Truppe einen Film für das Stadtsportfest zusammengestellt habe. 20 Sekunden werden am 6.9.2025 auf einer großen Leinwand zu sehen sein. Steffi, wie sie sich gern nennen läss, hat sich am Anfang der Kursleitung alle möglichen Zumba-Tänze ausgedacht. Als sie 2023 beim Verein als Kursleiterin anfing, wurde ihr klar, dass die schnellen Bewegungen erstmal zurückgeschraubt werden müssen für die über 50 Jährigen. 

Mit ihrer sympathischen Art und den Zumbarhythmus, den sie scheinbar mit der Muttermilch aufgesogen hat, betreut sie mittlerweile eine Teilnehmerinnenschaft von über 20 zusammengetrommelt, die einmal pro Woche ihre Hüften schwingen, um noch lange frisch im Saft zu bleiben. Männer sind so gut wie nie dabei…

Während der Aufnahmen, wo ich auch versucht habe mitzumachen, trotz eines Muskelfaserrisses (war etwas vorsichtig, wie ein Stück Holz), fiel mir auf, dass man erstmal auch kognitiv die schnellen Bewegungen, die sie vorzeigt, mitmachen muss. Drei Besuche braucht man schon, um soweit zu sein, die Andeutungen gehirntechnisch zu verstehen und entsprechend mitzumachen. Zumba hatte ich zuvor nur von Hörensagen mitbekommen, dass es ein guter Fitness-Tanzsport ist, wo Gehirn und Körper stark beansprucht werden, aber auch jeder Muskel genutzt wird. Ein Sport für jedes Alter, wer auf diesen Tanz steht!

Gemeinschaft wird großgeschrieben

Die Vereinsmitglieder sind zu zwei Dritteln Frauen, ein Drittel Männer. Während Männer sich eher im Ballsport austoben, sind Frauen in fast allen Sportarten vertreten.

Ein früheres Vorstandsmitglied, heute 90 Jahre alt, spielte noch bis vor kurzem Tennis. Das zeigt, dass durch nicht übertriebener Sportbetätigung eine gute Fitness bis ins hohe Alter erreicht werden kann.

StadtSportVest – StadtSportVerband Recklinghausen e.V.

Das Sportvest (warum in Recklinghausen alles Vest statt Fest heißt, kläre ich demnächst in einem „Ruhrgebiet erklärt“ Podcast) vom Stadtsportverband von Recklinghausen findet am 6.9.2025 zum 12. Mal statt und lädt die Bürger und Bürgerinnen ein sich umzuschauen. Welche Sportart, welcher Verein ist der passende, um mitzumachen. 

Auch Fit ab 50 e.V. nimmt jedes Mal daran teil und wird bestimmt das ein oder andere Mitglied gewinnen. Steffi mit Zumba Gold und die Kursleiterin Petra Kübber-Rösmann mit Fatburner- und Core-Training werden bestimmt die Bühne zum Beben bringen.  

Auf den verschiedenen Plätzen in der Innenstadt, wie auf dem Altstadtmarktplatz, dem Gymnasium Petrinum, am Kirchplatz St. Peter, sowie auf dem Löhrhof und im Palais Vest finden Interviews und Vorstellungen mit Spiel, Spaß und Musik statt, um die Sportarten von 35 Vereinen in der Stadt allen Interessierten vorzustellen. 
Es gibt u.a. auch Verlosungsaktionen für ein beitragsfreies Jahr einer Mitgliedschaft. 

Es werden Fragen geklärt, welche Sportarten es in der Stadt gibt, und ob man selbst in seiner Altersgruppe und der sportlichen Konstitution der jeweiligen Altersgruppe und den jeweiligen Sportaktivitäten gewachsen ist. Zwischen 11 und 16 Uhr kann sich jeder Interessierte auf dem Sportfest sehr ausführlich informieren. Vielleicht wollen ganz viele jetzt bei Zumba Gold mitmachen nachdem sie meine dort erstelltes Video gesehen haben. Wer weiß…

Mitgliedschaft & Kosten

  • Mitgliedsbeitrag: 10 € im Monat / 120 € im Jahr (inkl. Nutzung städtischer Hallen & Kursleiter*innen)

  • Zusatzangebot: Kooperation mit dem Fitnessstudio Cityfitness – der Verein unterstützt den Eintritt einen vergünstigten Monatstarif

  • Aufnahme: Mindestalter 48 Jahre

Damit können Interessierte an fast jedem Tag der Woche an einem Kurs teilnehmen – sei es wöchentlich, zwei Mal im Monat oder am Wochenende. Es findet immer irgendwo irgendwas statt.

Fazit zum Verein Fit Ab 50 Recklinghausen e.V.

Für einen geringen monatlichen Beitrag hat man eine sehr gute Bandbreite an sportlicher Aktivität, einen vergünstigten Tarif für ein Fitnessstudio, so dass auch mit einer kleinen Rente oder Menschen mit einem dünnen Portemonnaie viel gemeinsamen Sport gemacht werden kann. So kann auch einer Vereinsamung vorgebeugt werden und natürlich auch eine verbesserte Fitness. 10 € sind günstiger im Monat als eine Tablettenpackung in der Apotheke für irgendwelche Wehwehchen, die durch Sport eventuell ja verringert werden können.

Die Babyboomer sind jetzt in dem Alter über 50 (ich gehöre ja auch dazu). Sie können sich in diesem Verein gut vernetzen, neue Freunde und Freundinnen finden, vielleicht auch die ein oder andere neue Partnerschaft. Einmal im Jahr gibt es eine organisierte Reise vom Verein. Alles in allem wirklich ein Vorbild für andere Orte solch einen Verein für die „goldene“ Generation ins Leben zu rufen, wer selbst unzufrieden ist, weil man zum Beispiel eben mit jüngeren nicht mithalten kann im jeweils hiesigen Sportverein. Jeder muss sich einfach vor Augen halten, dass man eben älter wird und nicht mehr sportlich so mithalten kann. Aber auf gleicher Höhe bzw. Alter macht es dann wieder Spaß zusammen Sport zu treiben. Und danach kann man sich ja auch auf ein Essen, Kaffee oder Bierchen treffen, um anschließend mit Sport das wieder gemeinsam abzutrainieren.

Es ist toller Verein, den ich da in einer kurzen Form kennenlernen konnte. Wer nicht in Recklinghausen wohnt und wem der Weg nicht zu weit ist, kann auch Mitglied werden und fährt dann zu den Örtlichkeiten, wo der jeweilige Sport stattfindet. Das ist doch eine tolle Sache!

Links und Adresse zum Verein

Zur Vereinsseite: https://www.Fitab50-recklinghausen.de

Mitglied werden: Muster-Aufnahmeantrag (PDF)

Kontakt:

FitAb50 Recklinghausen e.V.

45605 Recklinghausen

Tel: 02361/3880999

info@fitab50-recklinghausen.de

***

Das Fitnessstudio, wo man als Mitglied des Vereins einen vergünstigten Monatsbeitrag zahlt:

https://www.city.fitness/studios/recklinghausen

Adresse: 

City-Fitness RecklinghausenHubertusstraße 26

Öffnungszeiten: 

  • Mo, Di, Do: 06:00 – 23:00 Uhr
  • Mi, Fr: 07:00 – 23:00 Uhr
  • Sa, So, Feiertag: 08:00 – 20:00 Uhr
Fotogalerie vom ZUMBA Gold – Kurs mit Stefanie Wuwer (c) André Brune

Malin Ostermann und das Mundartprojekt Dialektatlas – Gehört Ruhrdeutsch dazu? I +Videopodcast I +Podcast #110

Es gibt einen Dialektatlas, der die regionale Mundart aus den Regionen des Mittleren Westens für die Ewigkeit online mit Hörproben und Schriftlich festhalten wird. Malin Ostermann arbeitet an dieser Studie seit einigen Jahren mit. Sie hat mir auch die Antwort auf die Frage gegeben, ob Ruhrdeutsch in der Form ein Dialekt ist oder ein Regiolekt. Sie hat mir aber auch einen interessanten Einblick gegeben in die Sprachgeschichte und warum das Mammutprojekt so wichtig ist die nun sterbenden Dialekte zu bewahren für die Nachwelt.

Schaut doch einfach mal ins Video oder hört in den Podcast rein:

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Mehr Informationen

Malin Ostermann ist eine der Mitarbeiterinnen von der Universität Bonn an der Philosophischen Fakultät für Germanistik, vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Arbeitsstelle Rheinische Sprachforschung. Das Projekt „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW)“ wird von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste gefördert. 2016 wurde es gestartet. Es wird nach einer Laufzeit von unglaublichen 17 Jahren 2032 abgeschlossen sein.

In vielen Regionen werden immer noch Menschen gesucht, die sich als „Gewährsperson“ zu einer „Erhebung“ bereit erklären, also Menschen, die bereit sind dabei freiwillig mitzumachen bei der Studie. So sollen aussterbende örtliche Mundartdialekte in den nachfolgenden Generationen nicht vergessen werden. In der Form der Digitalen Sprachverarbeitung ist das bisher für diese Region noch nie gemacht worden. Das Thema Sprache ist zwar trocken, aber wir haben einen wirklich spannenden Einblick in die regionalen Dialekte. Das Ruhrgebiet als solches ist auch vertreten, es könnte aber noch besser werden. Denn der Kreis Recklinghausen ist noch ein weißer Fleck, wo sich bisher noch niemand gefunden hat, der sich bereit erklärt hat mitzumachen. Dabei ist das gar nicht so schwer.

Wie läuft das Projekt „Dialektatlas“ ab?

  1. Recherchieren – An allen Standorten wird recherchiert, wo Befragungen stattfinden können und sollen. Das Projekt basiert auf den Sprachwissenschaftler Georg Wenker aus dem 19. Jahrhundert, der zum ersten Mal einen Großteil der Dialekte in Deutschland erforscht hat und entsprechende „Dialektgrenzen“ dadurch ermittelt hat.
  1. Kontaktieren – es werden über Heimatvereine, Ortsvorsteher und Bürgermeister *innen nach den „Gewährspersonen“ kontaktiert, die Interesse haben einen Fragebogen, der die „Ortsfestigkeit“ feststellt, also wie lange die Person dort wohnt, also wie fest sitzt sozusagen der Dialekt oder auch nicht. Dann wird ein Termin vereinbart, und die Person wird aufgesucht um zu
  1. Befragen & Aufnehmen – Malin Ostermann ist eine sogenannte „Exploratorin“, die dann anhand von einem Fragebuch Ausdrücke aus dem Dialekt prüft mit Bild- und Satzkarten und kleinen Videos. Die Befragung wird komplett aufgenommen und gespeichert. Keine Angst. Es wird kein Schindluder getrieben, sondern mit dem Datensatz und der Aufnahme natürlich rein wissenschaftlich umgegangen. Die Sprachdaten werden gespeichert und bei eingesprochenen Wörtern, wie zum Beispiel Kartoffel, wird dann das ausgesprochene Wort herausgefiltert und dem Dialektatlas online zugeführt.
  1. Sichern – Natürlich werden die kompletten Daten der Personen und Sprache getrennt voneinander digitalisiert und verschlüsselt über eine projektinterne Plattform. Alles nach Datenschutzgesetz für die weitere wissenschaftliche Bearbeitung.
  1. Aufbereiten – Etwa 800 Fragen werden durch entsprechende Bearbeiter*innen bearbeitet. Sie schneiden die Dialektwörter aus den Aufnahmen heraus zur Transkription in die entsprechende Lautschrift. Und es wird noch eine spezielle Analyse durchgeführt auf linguistische Phänomene.
  1. Hören & Sehen – Nachdem dieser mühsame Fragenkatalog gestellt, gesichert und aufbereitet, sowie analysiert wurde, kommen die Sprachbeispiele und ihre laiengerechte Verschriftung auf die sogenannten „Preview-Karten“. Das ist der Dialektatlas, der zum Teil auch gehört werden kann, was Malin mir im Podcast am Laptop zeigt. So wird ein Vergleich gemacht werden können zwischen den Orten. Manchmal eben hat ein Nachbarort eine andere Aussprache zur Kartoffel. Das liegt an den Sprachinseln, die früher eben waren, weil die Menschen mangels Geld und Möglichkeiten eben nicht verreist waren und immer im Ort blieben. Oder sie veränderten sich, weil sie Zuwanderung hatten oder sich mundartig eben ausgetauscht haben. Ohne Vergleichsdaten kann man das alles nicht genau feststellen.
Flyer zur Übersicht: 2024-06-17_DMW_Flyer_A5.pdf

Ich persönlich finde es faszinierend, dass es diese besondere Studie gibt, um die alte Sprache des Alltags in den Regionen für die Nachwelt festzuhalten. Ich finde sie auch sehr wichtig. Denn ich merke seit einigen Jahren, wie sich unsere Sprache verändert durch die Globalisierung, dem Internet, den abgehakten Nachrichten in den Chatrooms eine Verschwimmung der Dialekte hin zu reinem Hochdeutsch mit vielen englischen Wörtern, die oft grausig auch in der Werbung die deutsche Sprache verunstalten. Der englischsprachige Einfluss wird immer größer, aber es lässt auch deutsche Wörter in den englischen Sprachraum zu. So wird das deutsche Wort „Wanderlust“ weltweit für die wirkliche Freude zum Wandern genutzt. Da kann man sich aufregen, wie man möchte. Die Einflüsse können nicht getilgt werden. Sie werden sich auch weiter verändern werden in der Zukunft. Das ist ein normaler Vorgang seitdem wir als Mensch angefangen haben zu sprechen.

Sprachveränderung

Es passiert gerade durch den globalen Einfluss in der Sprache sehr viel, da wird die Regionalität eher vergessen. Die Jugendsprache hat jedes Jahr neue Wörter, die auch im Duden aufgenommen werden. Ein Komitee von Sprachwissenschaftlern, die neue Wörter aufnehmen, die immer mehr den deutschen Sprachraum übernehmen, prüfen aber auch, ob es Wörter gibt, die kaum noch gesprochen werden. So gehen auch ältere kaum genutzte Wörter wieder aus dem Duden heraus. Das war schon immer so. Man kann sich über die Jahrzehnte die alten Duden mit neuen vergleichen und wird mit Sicherheit große Veränderungen vorfinden. Aber wer liest schon einen Duden, der höchstens zum Nachschlagen einzelner Wörter genutzt wird, um zu wissen, wie es geschrieben wird?

Alte Wörter im regionalen Bereich gehen somit auch verloren. Die Wörter werden ersetzt durch andere oder entwickeln sich weiter. Diese Studie rettet sozusagen die Mundart der Regionen und die entsprechende große Vielfalt, so wie es schon im Süden Deutschlands gemacht wurde.

Österreich, die Schweiz, Bayern und Baden-Württemberg sind da schon fertig mit der Sprachforschung. In Deutschland liegt es bei der Kulturhoheit der Länder. Der Norden und auch Osten Deutschlands sind noch weiß. Dort gibt es so eine großangelegte Dialektforschung noch nicht oder nur im kleinen Rahmen. Es wäre schon spannend zu wissen, in wie fern sich dort der niederdeutsche Dialekt entwickelt hat, der einen großen Einfluss für das Ruhrgebiet hatte bis heute. Für diesen Bereich im Ruhrgebiet und drumherum gibt es die Erhebung nun.

Durchgeführt wird die Studie und das Werden vom Dialektatlas der mittleren westdeutschen Gebiete an den Universitäten in Siegen, Paderborn, Münster und in Bonn. Ich war zum Gespräch eingeladen worden in Bonn. Dort besteht die Projektleitung aus Prof. Dr. Claudia Wich-Reif (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn). Außerdem sind zuständig Prof. Dr. Petra M. Vogel an der Universität Siegen, Prof. Dr. Helmut Spiekermann von der WWU Münster und Prof. Dr. Doris Tophinke von der Universität Paderborn.

Malin Ostermann und der Dialektatlas

Kennengelernt habe ich Malin Ostermann bei dem 100 Jahre Fest vom Verein Komm-Ommend, der die regionale Mundart in Essen – Werden das Waddisch noch pflegt und hegt (Hab ich im Podcast/Blogbeitrag drüber berichtet: Waddisch – Ruhrpottologe – André Brune). Doch auch dort ist der Verein überaltert, das Interesse in Werden leider sehr gering mitzumachen, weil es im Alltag nicht mehr verwendet wird. Mir machte es Spaß den Podcast mit Marc Real zu machen, der enthusiastisch den Verein mit jungem Esprit am Leben erhält und auch junges Publikum anspricht. Natürlich war ich Feuer und Flamme einen Podcast mit Malin Ostermann zu machen über das Projekt Dialektatlas. Sie lud mich nach Bonn zu ihrem Sprachinstitut der Universität ein.

Malin ist früh mit ihren Eltern durch deren Arbeit nach Portugal gekommen. Sie begeisterte sich schon früh für Sprachen. Sie hatte auch nicht gewusst, dass in Portugal an der Algarve anders gesprochen wurde als in Norden bei Porto. Für sie war, wie auch für uns Außenstehende Portugiesisch eine einheitliche Sprache. Aber es ist dort genauso regional unterschiedlich, wie in Deutschland zwischen Bayern und Schleswig-Holstein.

Mit 18 kam sie aus Portugal zurück nach Deutschland und hat in Siegen den Bachelor in Sprachwissenschaft und in Bonn den Master in Germanistik gemacht. Ursprünglich war die Dialektforschung nicht ihr Ziel. Sie hatte das eher nebenbei im Studium kennengelernt. Professorin Wich-Reif bat sie für das Projekt zu bleiben und mitzumachen, was sie mit Begeisterung auch unterstützt. Sie ist einer der Exploratoren. Sie macht die Erhebungen vor Ort bei den Probanten, die das Projekt mit ihrem Mundartdialekt unterstützten.

Malin Ostermann schreibt an einer Doktorarbeit im Rahmen des Projekts, das eigentlich nur im Inneren der deutschen Grenzen hält. Sie wurde gefragt, ob sie nicht über die Grenzen hinausschauen möchte Ich wünsche ihr viel Erfolg dabei und denke, dass sie wirklich eine tolle Doktorarbeit hinlegen wird, die sich eben mit der deutschen Sprache im Grenzraum beschäftigt. Das wurde bisher eben auch nicht gemacht. Dort wird hier und da auch Deutsch gesprochen oder einzelne Wörter aus dem Deutschen beeinflussen den dortigen Dialekt stärker als im Inland.  Es ist eben auch so, dass auf der belgischen, wie auch auf der niederländischen Seite, sowie auch in Luxemburg und auch Frankreich, wie in Elsass und Lothringen Deutsch gesprochen wird.

Dort hat sich mit Sicherheit eine eigene Mundart entwickelt mit mehr Einfluss von Flämisch, Niederländisch und Französisch. Umso spannender ist es herauszufinden, wie nah sie an dem Wort Kartoffel sind oder nicht. Denn vom Erdäppel bis zum Krumper ist die Kartoffel allein in Nordrhein-Westfalen ein einziges Wortphänomen in den verschiedensten Regionen. Sie erklärt mir auch, dass wenn kleinräumig geschaut wird, jeder Ort einen unterschiedlichen Begriff sogar hat für zum Beispiel die „Kartoffel“.

Es gibt viele Gründe warum die Sprache sich früher noch nicht und später mehr verändert hat, besonders im Ruhrgebiet. Die Menschen konnten früher nicht verreisen. Sie hatten kein Geld. Sie arbeiteten, um zu überleben immer meist an einem einzigen Ort, gingen nie weg und starben dort. Sogenannte Sprachinseln entstanden, so wie eben das Waddisch in Essen-Werden, das genauso anders ist als z.B. in Werne an der Lippe oder in Duisburg-Meiderich früher gesprochen wurde. Durch die Industrialisierung und Einbindung in die Großstädte, dem Einwandern von fremden Arbeitskräften wurde nach und nach auch der Heimatdialekt dem Tode geweiht. Nur vereinzelt wehren sich ein paar Vereine im Ruhrgebiet noch und erhalten die Sprachtradition und haben sichtlich Spaß daran.

Die heutige deutsche Sprache entstand ursprünglich aus dem Indogermanischen. Durch Völkerwanderungen hat sich auch die Vermischung und später die weitere Sprache in den Orten weiterentwickelt. Es gibt die schon erwähnte Benrather Linie. Sie trennt das Althochdeutsche von den anderen germanischen Sprachen auch vom Englischen. Georg Wenker prägte diesen Begriff 1877, als er bei seinen Forschungen die sprachliche Veränderung nah bei Düsseldorf am Rhein feststellte, wo sich das Niederdeutsche/Niederfränkische vom Mittel- und Oberdeutsch durch Lautverschiebungen in der Sprache veränderte. Er legte eine Sprachkarte fest, die in den Räumlichkeiten des Instituts hängt.

Martin Luther, Duden und Potten

Was mit Martin Luther im 16. Jahrhundert mit dem Druck der Bibel auf Deutsch begann, mit dem Rechtschreibwerk von Konrad Duden fortgeführt wurde, haben die Schulen und auch Eltern geschafft. Erziehungstechnisch wurde den Schüler und Schülerinnen das Hochdeutsch oft genug gewaltsam mit dem Lineal auf den Fingern oder auch Prügel zu Hause eingeprägt. Man wollte ihnen die „Dialekte“ austreiben. Sie waren nicht mehr schicklich zur Neuzeit. Sie sollen verstanden werden in allen Teilen des Landes. Die „Einheitssprache“ des vereinten Deutschen Reiches unter den Kaisern bis in die Zeit der Bundesrepublik setzte sich mehr und mehr durch. Es gibt aber noch in den Bundesländern Sachsen und Bayern, sowie auch Baden-Württemberg genügend Leute, wo durch Vereine und Initiativen auch die Jugend angeregt wird den Dialekt zu pflegen.

Im Ruhrgebiet kann man das nicht unbedingt pflegen, im Gegenteil, alles was überlustig klingt ist eher witzig, eine Verulkung der wirklichen echten Sprache, die zum Teil noch gesprochen wird. Klar kann man das auch in die Welt tragen, aber es ist nicht echt. Es ist mundartlich lustig. Was humorvoll ist, mögen die Leute der Region. Das ist keine Frage. Ich schalte auch um, wenn ich will und ich kann. Ruhrdeutsch ist eben nicht Tegtmeier, Knebel und Pottfluencer, der die Pottsprache in die Welt bringen möchte. Alles witzig keine Frage, aber so lustig es klingt, so abgedreht spricht niemand und hat auch niemand so gesprochen früher, wie heute. Einzelne Wörter vielleicht. Das ist Comedy und nicht die Sprache, nicht der Regiolekt. Aber es ist der Mainstream, der die Sprache für kurze Zeit noch einmal hochholt und mit Witz aufrecht erhält. Das hat mit der Studie insgesamt wenig zu tun bis gar nichts. So gut wie kein Wort wird so richtig übernommen werden, weil viele Ausdrücke auch aus meiner Jugendzeit stammte der 1980er und 1990er Jahren und nicht aus der Zeit der Urgroßväter von damals.

Ist Ruhrdeutsch ein Dialekt?

Eindeutig sprachwissenschaftlich gesehen NEIN! Klar kenne ich, wie alle Einwohner*innen, die hier groß geworden sind viele Wörter. Aber kommen denn die Wörter meist aus dem Ruhrgebiet, die der Pottfluencer Daniel Aßmann seit einem Jahr so gern in einem eher Comedy-Ruhrkauderwelsch raushaut? Ruhrcomedy ist lustig, aber nicht echt.

Das ist witzig. Daniel macht es gut. Ich hab damit in gewisser Form mit zu langen Videos und Erklärungen vor fünf Jahren begonnen. Dennoch wollte ich das Ruhrdeutsch nicht verulken, sondern die Alltagssprache nutzen, um einzelne Wörter zu erklären. Die Anfänge sind in Facebook zu sehen und werden von mir nun neu aufgelegt. Damals fand ich bei fast allen bisher besprochenen Wörtern heraus, dass sie ins Ruhrgebiet eingeschleppt wurden oder eigentlich aus der Zeit der Benrather Linie stammen, also schon hier durch das Niederdeutsche im normalen Sprachgebrauch festgestanden haben. Andere wiederum kamen von woanders her, werden auch woanders gesprochen und sind deswegen auch keine Pottwörter, die in die Welt getragen werden müssen. Ich mag den Spaß ja und ich möchte ihn wirklich nicht verderben!  

Viele stammen nicht wirklich von hier und sind deswegen auch keine Ruhrgebietswörter. Wir meinen, weil wir damit groß geworden sind, dass es zum Ruhrdeutschen gehört. Einige Wörter stammen aus der Jugend und sind auch woanders zu hören. Die Wörter Maloche und Kasalla, sowie Fiesematente stammen von woanders her, was ich beim Recherchieren herausfand. Sie sind bekannt, aber nicht aus dem Ruhrgebiet. Sie haben nur in den Regiolekt Einzug erhalten und wurden im Sprachgebrauch auch gut genutzt.

Die Sprache des Ruhrgebiets hat sich im Laufe der Industrialisierung verändert durch Zuwanderung aus vielen Teilen des damaligen Deutschen Reiches, wie auch durch das örtliche Hin- und Herwandern, da hin zu gehen, wo Arbeit ist, so dass die Sprache sich verändert hat. Die ursprüngliche Mundart hatte nicht mehr die Kraft sich durchzusetzen. Sie verlor an Bedeutung, wie es eben um das Ruhrgebiet herum gerade passiert, wo diese Art der Zuwanderung nicht passiert ist. Es passiert jetzt durch verschiedene Eindrücke der Globalisierung.

Dialektuntergang

Die wirklich echte ruhrdeutsche Sprache mit Wörtern, die wir in unserer Jugend oder in der Jugend der Generation meiner Eltern und Großeltern oder noch älter gesprochen wurde, geht nun nach und nach verloren. Das ist schade, aber das war und ist immer schon der Lauf der Dinge. Wir sind inmitten einem Prozess des Sprachwandels, den wir ältere nicht wahrhaben, den wir festhalten wollen. Aber auch das Althochdeutsche wurde im Laufe der Jahrhunderte vom Mittelhochdeutschen und dann vom Hochdeutschen ersetzt. Das ist nun eben auch im Ruhrgebiet der Fall. Es gibt kaum noch Arbeiter, die die lässige Art haben, die üblichen bekannten Wörter weiter zu nutzen. Sie gehen nun nach und nach in Rente.

Eltern gaben ihren Kindern im Ruhrgebiet früher auch mit, dass die ruhrgebietsartige Aussprache eine eher minderwertige Arbeitersprache war. Sie wollten sie zu etwas besseren bekehren, damit sie in der Gesellschaft überall anerkannt werden, statt aus dem grau-schwarzen Loch der Industrie zu kommen, die ärmlich war und im Rest von Deutschland als schmutzig angesehen wurde. Obwohl ohne das Ruhrgebiet wäre Deutschland nicht das von heute möglich gewesen. Das, was in anderen Teilen Deutschlands tatsächlich noch normal ist in ganz Deutschland, schien im Ruhrgebiet einen schlechten Eindruck nach außen zu machen, wer mit „Dat“ und „Wat“ kam, obwohl es in Köln, in Münster, Hamburg und Rostock durch den Einfluss des Niederdeutschen eigentlich normal ist bis heute.

Das Ruhrgebiet liegt nun mal nördlich der sogenannten „Benrather Linie“, wo das Niederdeutsche, die plattdeutsche Sprache normal war. Im Ruhrgebiet teilt sie sich in den westfälischen und sauerländischen, den münsterländischen Sandplatt, sowie dem Rheinländischen (Achtung!:) Dialekt.

Ebenso hat sich viel verändert nicht nur durch Zuwanderung. Im Laufe der Jahrhunderte und dem letzten Jahrhundert kamen auch Einflüsse durch Besetzung von französischen Truppen unter Napoleon, sowie auch viel früher noch durch das Durchstreifen von Söldnertruppen im 30jährigen Krieg.

So weit zur Geschichte müssen wir allerdings nicht zurückgehen, um das Studienprogramm heute zu unterstützen, damit alte Wörter auch in der Zukunft noch hör- und lesbar sind. Dafür sorgt Malin Ostermann, die in Cottbus geboren wurde.

Dialektpionierforscher Georg Wenker

Der schon erwähnte Georg Wenker war der Pionier der Dialektologie. Er machte die erste Erhebung der deutschen Dialektsprache und erstellte daraufhin einen ersten Dialektatlas. Er machte die Benrather Linie fest und zeigte mit dieser Linie, wo der Dialekt sich mundartlich veränderte. In der Sprache wurden unterschiedliche Ausdrücke verwendet, die im Norden normal waren, was im Süden eher nicht der Fall war, wie bei Ik statt Ich oder Dat und Das oder bei Hebben und Haben, auch die Tide und Zeiten sind darin gemeint.

Seit dem zweiten Weltkrieg verschiebt sich vieles. Im Ruhrgebiet selbst sind auch neue Wörter dazugekommen, die nun langsam auch wieder ihre Bedeutung verlieren. Sie wanderten durch die ostpreussischen Flüchtlinge ein, so wie 50 Jahre vorher polnische Einwanderer taten. Im Bergbau ist der Motek noch ein Begriff für den Hammer. Doch der Bergbau ist zu Ende im Ruhrgebiet. Der Motek wird bald auch nicht mehr als Wort benutzt werden in Deutschland, aber in Polen bleibt er bestimmt.

Die Benrather Linie beginnt in der belgischen Stadt Eupen, wo auch heute noch weitgehend Deutsch gesprochen wird. Sie zieht durch die Niederlanden bei Broekhuizen. Bei Kerkrade geht sie in die deutsche Grenze. Dann ging sie von Aachen bis hinter Küstritz, zog durch Berlin (deswegen klingen einige Wörter auch im Ruhrdeutschen nach Berlinerisch und kreuzen sich sprachlich).

Die Linie hat sich nach dem zweiten Weltkrieg verändert. Und sie verändert sich wahrscheinlich heute rasant noch mehr nach Norden bis sie in wenigen Jahrzehnter wahrscheinlich auch Geschichte ist.

Fazit

Die Studie bzw. Erhebung ist umso wichtiger durch die Verschiebung. Auch wenn es eine trockene Materie ist. Für jeden ist es interessant mal in die Region zu gehen, wo wie Wörter anders klingen oder mal geklungen haben. Es ist wie eine Vergangenheit, die durch diese Studie wieder aufgeweckt wird und dann erhalten bleibt. Die Sprache wird sich weiter verändern. Für jede Generation, die älter wird, wird es genauso schwierig zu verstehen sein, wie für unsere Generation. Aber das ist der Lauf der Dinge. Umso wichtiger ist der Erhalt der ganz alten Sprache, wie Dinge früher ausgesprochen wurden. Auch wenn es wenige Menschen wahrscheinlich interessieren wird. Verlorene regionale Sprachen in aller Welt und ihre Wörter gehören zur Geschichtsforschung des Menschen.

Ich werde an der Studie als Gewährsperson bei Malin nochmal mitmachen und dann noch einmal darüber berichten, wie das war. Zeit habe ich noch bis 2030. Dann müsste das noch 2 Jahre lang von mir eingesprochene wahrscheinlich noch ausstudiert werden, um es der Öffentlichkeit auf den Dialektatlas packen zu können…

Wer mehr wissen möchte über die Studie oder mitmachen möchte:

DMW – Dialektatlas Mittleres Westdeutschland

https://www.dmw-projekt.de

Wer mitmachen möchte:

https://www.dmw-projekt.de/#mitmachen

Soziale Medien:

Facebook : DialektatlasDMW

Instagram : @dialektatlasdmw

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Teilnehmende Universitäten:

https://www.iglk.uni-bonn.de/de/forschung/forschungsprojekte/dialektatlas-mittleres-westdeutschland

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Dialektatlas Mittleres Westdeutschland – Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft | Universität Paderborn

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https://www.uni-siegen.de/sisal/

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https://www.uni-muenster.de/Germanistik/cfn/Forschung/projekte/dialektatlas.html

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Zu den Online-Atlas-Karten:

www.dmw-projekt.de/?page_id=748&af=1

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Die PDF-Datei zur Erklärung:

2024-06-17_DMW_Flyer_A5.pdf

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Sprachwissenschaftler: Georg Wenker – Wikipedia

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Sprachgrenze: Benrather Linie – Wikipedia

Die Umwelt erfahren mit Naturfreunde – am Beispiel Ortsverein Bottrop I +Videopodcast I + Podcast I +Fotos #109

Was sind die Naturfreunde? Wie lange gibt es sie schon? Und was machen die Naturfreunde eigentlich? Das sind nicht die einzigen Fragen, die ich hatte, als ich zu den Bottropern Naturfreunden gekommen bin, um einen Podcast mit ihnen zu machen. 

Ich wußte bislang nicht, wie groß sie wirklich sind und welchen öko-sozialen Hintergrund sie eigentlich haben seit ihrer Gründung im Jahr 1895. Sie stellen sich offen gegen den rechten Populismus und  machen mit ihrem eigenen Projekt FARN und dem Naturfreunde-Verlag Präventionsarbeit. Sie setzen sich auch für den sanften Tourismus ein. 

Stellvertretend habe ich nun einen von den weltweiten 600 Ortsgruppen nun interviewt. Im Vorstand sitzen Wilhelm Schluckebier und Rainer Fries, die mir viele Fragen beantwortet haben, die nicht nur ich bestimmt nicht wissen:

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Mehr Informationen

Vielleicht ist der Titel zu lang. Vielleicht hätte ich einen griffigeren nehmen sollen, aber vielleicht versteht ihr es, wenn ich den Titel „Umwelt erfahren“ genutzt habe, wenn ihr weiterlest oder den Podcast gehört oder gesehen habt. Denn die Umwelt ist nicht nur Natur, die es zu schützen gilt. Die Umwelt ist auch der Mensch, der sie beeinflusst mit Tourismus zum Beispiel oder auch der offene Gesellschaftliche Dialog, der durch Populisten gestört wird, die wieder mit Hass und Zerstörung drohen, was die Naturfreunde schon einmal durchmachen mussten. Denn wußtest du, dass…

Rechts: Wilhelm Schluckebier, Links: Rainer Fries vom Vorstand der Naturfreunde Bottrop vor ihrem Naturfreundehaus Auf der Koppe 16

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ einer der ältesten Vereine sind und gar nicht in Deutschland gegründet wurden?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ von den Nationalsozialisten und Kommunisten verboten wurden?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ nicht nur sich für den Naturschutz, sondern auch die erste Friedensbewegung in Deutschland mitgeprägt haben?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ sich für günstigen Urlaub mit ihren Naturfreundehäusern für die ärmeren Familien oder Kinder- und Jugendgruppen einsetzen und damit nach den Jugendherbergen der zweitgrößte Anbieter in Deutschland sind?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ von engagierten Arbeitern in Wien 1895 gegründet wurden?

Wußtest du, dass sie sich nicht nur für Naturschutz, sondern auch für eine offene Gesellschaft und auch die heutigen Erinnerungskultur einsetzen?

Wußtest du, dass die „Naturfreunde“ eigene Skischulen haben?

Wußtest du, das die „Naturfreunde“ weltweit in 21 Ländern heute aktiv sind, wie z.B. in Algerien, Togo, Finnland, Tschechien oder in den USA?

Ich denke, dass diese Fragen mir mit Sicherheit 99% der Leser und Leserinnen nicht beantworten hätten können. Der traditionelle Verein, der von den Nazis unter Adolf Hitler und auch in der DDR unter den Kommunisten verboten wurde, engagierte sich eben früher schon nicht nur für die Natur, dass er nicht eingezäunt wird von den reicheren bürgerlichen Besitzern, sondern auch für eine offene soziale und demokratische Gesellschaft.

Ein Abriss der Geschichte

Die Städte wurden in der Zeit der Industrialisierung immer dichter. Die Landbevölkerung zog in die Städte. Dort wurde gebaut ohne Rücksicht auf die natürlichen Flächen in den Innenstädten. Aus den Schornsteinen der Wohnhäusern und Fabrikgebäuden rauchte es. Schwefel, Stickoxide, Kohlenmonoxid und was da noch alles ohne Filteranlagen in die nahe Umwelt abgegeben wurde, ließ gerade die Kinder der ärmeren Schichten leiden. Gesundheitliche Probleme, wie Asthma, Krupphusten und Eisenmangel, genauso wie der tägliche Lärm durch die Pferdekutschen, die auf den Kopfsteinpflaster laut durch die Städte rasten, waren genau wie heute der Lärm der Autos, ein Grund, das die Menschen krank machten. Wo kann man das besser in den Griff bekommen, als in der Natur. Doch die wurde von den Reichen und der bürgerlichen Klasse der damaligen Zeit für sich beansprucht. Sie zäunten ihre Privaten Wälder und Wege ab. Die Naturfreunde waren gleichgesinnte aus der bürgerlich-arbeitenden Bevölkerung, die das verhindern wollten und es erfolgreich auch getan haben.

So entwickelte sich der Verein „Naturfreunde“ in Wien mit dem Hintergrund für die Kinder und Jugendlichen und den ärmeren Schichten der Arbeiterfamilien Natur zu schützen und ihn zur Erholung nutzen zu können. Der Wiener Sozialist, Freidenker und Lehrer Georg Schmiedl suchte nach Gleichgesinnten, um in die Natur zu gehen und diesen nachhaltig zu schützen, darin wandern zu können ohne Zäune und auch die sozialistische Prägung zu fördern für eine offene demokratische Gesellschaft.

Im Ortsverein Hamburg entstand dann die Idee Naturfreundehäuser auf Kosten von Spenden und des Vereins zu bauen, damit die Kinder und Jugendlichen, sowie die ärmeren Schichten der Bevölkerung raus in die Natur können und ganz nah oder direkt in der Natur sich erholen konnten. Das konnte auch mehr als nur ein Wochenende werden. Grillen auf dem Grundstück, Spielen und Musizieren, sowie Veranstaltungen unabhängig von der Glaubensrichtung oder politischen Gesinnung haben die Naturfreunde einen Weg gefunden vielen Menschen wieder ein Lächeln ins Gesicht zu bringen. Es entstand in der Lüneburger Heide das erste Naturfreundehaus Deutschlands. Eins von heute 400 neben Hütten, Städteheimen und Bootshäusern.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden neue Naturfreundehäuser gebaut. Darunter entstand auch Auf der Koppe 16 in Bottrop 1952 in Eigenarbeit und Geldern das Haus. Es hat zwar keine Übernachtungsmöglichkeit, aber es ist ein eingetragenes Jugendbegegnungszentrum. Wobei heute die Jugend leider nicht mehr in der Überzahl ist in Bottrop, sondern eher die im Rentenalter liegenden Mitglieder.  Es gibt keine Jugendgruppe mehr.

Ich habe sie beim Touristenworkshop in Bottrop kennengelernt. Ich wollte sie interviewen, weil ich das Konzept gar nicht kannte, wo ich doch mit Natur- und Umweltschutz mein Leben lang schon verbunden bin. Es war schon erstaunlich, was ich erfahren habe. Eine spannende, traurige und ereignisreiche Geschichte prägt die Naturfreunde. Und es ist schade, dass heute so mancher Ortsverein ums Überleben kämpfen muss. In Gladbeck wurde er kürzlich geschlossen. Ebenso ist der Ortsverein in Oberhausen kränklich. „Einzelkämpfer“ schlossen sich den Bottropern an. In Bochum gibt es im Stadteil Linden einen, den ich noch aufsuchen möchte. Vergessen ist wohl, dass die Naturfreunde in der Nazizeit verboten waren, weil sie offene Kritik an der herrschenden Kapitalklasse verübten, die wiederum die Nazis damals so gern finanzierten.

Am Beispiel vom Ortsverein Bottrop stelle ich den Ortsverein im Ruhrgebiet vor und hoffe, dass sich Menschen finden, die es toll finden, was sie machen und vielleicht….vielleicht kommt der ein oder andere hin und möchte mit anpacken und unterstützen, egal in welchem Alter! 

Hier findet sich Nachhaltigkeit, Sanfter Tourismus, Offene Gesellschaft, Prävention gegen Rassismus und Klimaschutz, sowie das gesellige Beisammensein mit Rad-, Wander-, Kanu-Touren und Grillfeste und diverse Kultur- und Aufklärungsveranstaltungen.

Ich hatte ja auch schon im Februar 2025 eine Einladung bekommen über mein Kunstaktionsprojekt „Flaschengefühle“  vorzustellen, wo es um Glasmüll geht, der das Stadtbild immer mehr belastet. Mein Freund Ralf Opiol hat ein Foto während des Vortrags mit Lesung der Texte zu meinen Bildern gemacht.

Mein Vortrag vor den Bottroper Naturfreunden zum Thema Glasmüll und dem Kunstprojekt „Flaschengefühle“ Foto (c) Ralf Opiol
Das Naturfreundehaus in Bottrop, erbaut von 1952-56 aus eigenen Mitteln

Ortsverein Bottrop im Ruhrgebiet

Der Bottroper Verein feiert 2026 ihr 95 jähriges Bestehen. Sie machen viele Dinge, um auch jüngeres Publikum anzusprechen. Sie bieten ein vielfältiges Programm an Aktivitäten an. Es gibt Radtouren, Wandertouren, die auch unabhängig vom Verein besucht werden können, sowie Veranstaltungen wie Kindermärkte, Blumentauschbörsen, Sommerfeste und Weihnachtsbasare.

Das Veranstaltungsbrett im Eingangsbereich

Kreativgruppen stellen selbstgemachte Marmeladen her, malen zusammen kunstvolle Bilder oder arbeiten mit Holz. Zudem werden Erste-Hilfe-Kurse, Stammtische und Vorträge angeboten, beispielsweise zur Geschichte des Ruhrgebiets oder zum Kapp-Putsch.

Ein Gedicht der Naturfreunde mit viel Sinn für das Leben

Wilhelm Schluckebier regte an die Emscher als Flusslandschaft des Jahres zu initiieren, was die Naturfreunde mit dem Deutschen Anglerfischerverband (DAFV) alle zwei Jahre seit 1998 zusammen machen.

Blick in den Garten aus dem Veranstaltungsraum hinaus

Wilhelm Schluckebier, den ich neben Rainer Fries aus dem Vorstand der Bottroper Naturfreunde interviewte, kam 1989 von Hessen nach Bottrop. Er ist auch der zuständige Betreuer des Käte-Strobel-Naturfreundehauses bei Gummersbach. Das ist ein ganz besonderes Haus, denn dort können sozial schwache Erwachsene für nur 50 € und 25 € pro Kind/Jugendliche pro Woche übernachten mit drei Mahlzeiten am Tag. Ein Antrag bei der Diakonie Reisen muss vorher gestellt werden, ob die Familie förderungswürdig ist, dann kann es losgehen in die Natur und sich eine Auszeit gegönnt werden.

NFH Käte-Strobel-Haus

Rainer Fries war früher in den Jugendgruppen aktiv. Eine Zeitlang hatte er sich zurück gezogen aus dem Verein und ist kürzlich wieder dazugekommen und hat sofort im Vorstand mitgemacht. Er organisiert die Radtouren in und um Bottrop herum, die einmal im Monat stattfinden.

Derzeit gibt es jedoch keine aktive Jugendgruppe vor Ort. Das Haus der Naturfreunde dient als Jugendbegegnungszentrum und Veranstaltungsort für verschiedene Events. Auch gleichgesinnte Vereine, wie der einmal im Monat ehrenamtlich in der Natur „müllsammelnde“ Verein Waldfegen e.V. nutzen die Räumlichkeiten für Vereinssitzungen.

Bei den Naturfreunden gab es auch Widerstandskämpfer zur Zeit der Nationalsozialisten. Da gehört es selbstverständlich für den Verein dazu auch an die dunkle Zeit zu erinnern. Sie unterstützten 2022 die Erinnerungskultur. Stolz kann die Bottroper Ortsgruppe einen kleinen Stolperstein-Wanderführer präsentieren. Er beinhaltet wichtige Informationen zu den einzelnen Personen. Er ist kostenlos und kann beim Verein bestellt werden.

Sie setzen sich auch gegen Einsamkeit, Hilflosigkeit und Rechtsradikalität ein. Nur Gemeinsam ist man stark, so ihr Motto.

Übersicht der Aktivitäten der Bottroper Naturfreunde

Neu ist der Erlebnis-Rucksack, der für eine Wandertour von knapp 5 km vom Naturfreundehaus aus gemacht werden kann. Für Familien oder Schulklassen mit Kindern bis 12 Jahren enthält der Erlebnis-Rucksack einige Utensilien bereit, um die Natur nah um das Naturfreundehaus zu erkunden, wie zum Beispiel eine Insektenlupe.

Der Vereinsverband, Engagement und Naturfreundehäuser

Der Verein ist in Österreich und Deutschland in weiteren 19 Ländern in über 600 Ortsgruppen weltweit mit insgesamt etwa 350.000 Mitgliedern vertreten. Das größte Angebot stellen die Naturfreundehäuser dar, die nach den Jugendherbergen die wichtigsten Gruppenunterkünfte sind. Aber es gibt auch Bootshäuser und aktive Kanugruppen, sowie eigene Skischulen und Präventionskurse zum Thema Rechtsextremismus und offene Gesellschaft.

In Nordrhein-Westfalen ist der Landesverband mit Sitz in Düsseldorf, auf Bundesebene befindet sich der Sitz in Berlin. Die Naturfreunde verbinden Natur- und Umweltschutz mit sozialem Engagement und politischer Arbeit. So setzen sie sich beispielsweise gegen Umweltzerstörung ein und haben die Emscher als Flusslandschaft des Jahres initiiert. Historisch waren sie auch im Widerstand aktiv.

Der Garten hinter dem Naturfreundehaus in Bottrop

Das Motto der Naturfreunde lautet: „Tut Gutes und rede darüber.“ Der Verein ist offen für alle, die sich für Natur, Umwelt und soziale Gerechtigkeit engagieren möchten. Wer aktiv werden will, findet vielfältige Wege, sich einzubringen – sei es durch Mitarbeit in den Gruppen, bei Veranstaltungen oder auch in sozialen Projekten. Die Naturfreunde sind eine Gemeinschaft, die sich für eine lebenswerte Umwelt und eine solidarische Gesellschaft stark macht. Das ist doch genau das, was uns alle so bewegt. Eine offene Gesellschaft, die Natur nicht nur respektiert, sondern fördert.

Im Garten kann gegrillt werden. Gemeinschaft und Geselligkeit steht an oberster Stelle

Ein besonderes Mitglied verlor der Bottroper Ortsverein bei einer Naturfreunde-Wanderung. Der deutschlandweit in den 1960er Jahren bekannte Boxer Dieter Renz, dem in Bottrop die Sporthalle gewidmet wurde, rutschte am 10.8.1969 bei einer Wanderung in den Schweizer Alpen unglücklich ab und verstarb vor Ort mit nur 26 Jahren.

Der Bottroper Boxer und Naturfreund Dieter Renz starb bei einer Naturfreunde-Bergwanderung in der Schweiz

Aktivitäten und Angebote in Bottrop (Nichtmitglieder sind herzlich willkommen!)

    • Radtouren, Wandertouren
    • Veranstaltungen wie Kindermärkte, Blumentauschbörsen, Sommerfeste, Weihnachtsbasare
    • Kreativgruppen, z.B. Herstellung von Marmelade, Holzarbeiten
    • Erste-Hilfe-Kurse, Stammtische, Vorträge (z.B. zur Geschichte des Ruhrgebiets, Kapp-Putsch)
    • Jugendgruppen (z.B. „Mal du mal“), allerdings derzeit keine aktive Jugendgruppe vor Ort
    • Das Haus dient als Jugendbegegnungszentrum und Veranstaltungsort
Die letzte Pflanzentauschbörse im April 2025

Aktivitäten und Angebote Allgemein

    • Die Naturfreunde bieten 400 Naturfreundehäuser, um Urlaub günstig in der Natur verbringen zu können für Erwachsene, Kinder und Jugendliche an
    • Die Naturfreunde betreiben eigene Skischulen: NaturFreunde-Schneesportschulen in Deutschland
    • Die Naturfreunde setzen sich für Natur- und Umweltschutz, besonders für den Sanften Tourismus ein
    • Die Naturfreunde haben Fachgruppen für den Bergsport, Kanusport, Schneesport und für das Wandern
    • Die Naturfreunde nehmen politischen Einfluss mit den Fachgruppen für Kultur und Bildung, Natur- und Umweltschutz
    • Trainer*innen-ausbildung für Berg-, Kanu-, Schnee- und Wandersport
    • Bieten Klassenfahrten an zu ihren Naturfreundehäusern
    • Bieten Seminare, machen Projekte für nachhaltigen Tourismus
    • Internationale Zusammenarbeit bei Umweltbildung, Klimaschutz, Armutsbegrenzung, öko-sozial verträglichen Tourismus
    • Organisieren Friedenswanderungen, sowie Stärkenberatung (gegen den Erstarken von rechtem Populismus)
    • Es gibt einen eigenen Verlag, der Schriften für Aufklärung zum Thema Natur- und Umweltschutz, sowie auch politische Schriften zum Thema Rechtsextremismus, Aufklärung und Prävention verlegt

 

Struktur und Mitglieder

    • Insgesamt 350.000 Mitglieder insgesamt. Allein in Deutschland 65000.
    • Über 500 Ortsgruppen und Häuser allein in Deutschland
    • Sitz vom Landesverband Nordrhein-Westfalen: Düsseldorf
    • Sitz vom Bundesverband: Berlin
    • Das größte Angebot sind die Naturfreundehäuser, die neben Jugendherbergen die wichtigsten Gruppenunterkünfte darstellen.
    • Die Naturfreunde betreiben eigene Skischulen: NaturFreunde-Schneesportschulen in Deutschland
    • Die Naturfreunde haben eine eigene Jugendorganisation: Naturfreundejugend Deutschlands
    • Die Naturfreunde haben mittlerweile in 21 Ländern weltweit einen Standort

Politisches Engagement

    • Ursprünglich setzten Sie sich für
    • Die Naturfreunde verbinden Natur- und Umweltschutz mit sozialer und politischer Arbeit, z.B. gegen Umweltzerstörung
    • Sie waren in der Vergangenheit auch im Widerstand aktiv, z.B. gegen das Verbot durch die Nationalsozialisten oder in der DDR.

Kleine Chronik der Naturfreunde

    • Der Wiener Sozialist, Freidenker und Lehrer Georg Schmiedl inseriert in der „Arbeiterzeitung“ am 22. – 24.3.1895. Er sucht Gleichgesinnte zur Gründung einer „touristischen Gruppe“. So fand am Ostersonntag mit Josef Rohrauer, Alois und Karl Renner zusammen der erste Ausflug in den Wiener Wald statt.
    • Im gleichen Jahr am 16. September gründen 185 Frauen und Männer im Gasthaus Zum goldenen Luchsen in Neulerchenfeld in Wien den „Touristenverein ‚Die Naturfreunde'“. Der Jahresbeitrag beträgt einen Gulden, der rührige Sensenschmied Alois Rohrauer wird Obmann. Karl Renner entwirft das Symbol des neuen Vereins: Der Handschlag mit den drei Alpenrosen steht für die Solidarität der Arbeiterbewegung und bleibt bis heute unverändert das Markenzeichen des Vereins.
    • Im Juli 1897 erscheint die erste Ausgabe „Der Naturfreund“ mit einer Auflage von 400 Stück
    • Im Januar 1900 wird „Berg frei“ in der Ortsgruppe Graz der Gruß später zum Gruß des gesamten Vereins. Er bedeutet ein Recht auf Freizeit in den Bergen, nicht nur für Adel und Bürgertum, die es für sich behaupten wollen und die Arbeiter zurückdrängen wollen.
    • Die erste deutsche Ortsgruppe im Gesamtverein gründet sich in München im August 1905. Mittlerweile ist es die 42. Gruppe mit 9000 Mitgliedern, davon 15% Frauen.
    • In den Stubaier Alpen in Tirol wird das erste Naturfreundehaus auf dem Padasterjoch eingeweiht im Jahr 1907
    • In Deutschland entsteht am Rand der Lüneburger Heide das erste Naturfreundehaus durch die Hamburger Gruppe im Jahr 1911
    • 1922 gibt es schon 159000 Naturfreunde
    • 1933 werden die Naturfreunde verboten wegen ihrer offenen Kritik am Kapital und der herrschenden Klasse. Alle mittlerweile 428 erbauten Naturfreundehäuser, davon 300 in Deutschland werden beschlagnahmt und missbraucht für die eigenen Gruppen, wie Bund deutscher Mädel oder Hitlerjugend.
    • Nach 1945 werden die enteigneten Häuser wieder zurückgegeben. In der DDR wird es erst nach 1990 der Fall sein.
    • Ab 1962 beteiligen sich die Naturfreunde an den Ostermärschen der Atomwaffengegner. Sie sind international in 17 Ländern auf allen Kontinenten mit 270000 Mitgliedern mittlerweile vertreten. Neben Naturfreundehäuser gibt es auch Hütten in den Bergen, aber auch Stadtheime und Bootshäuser.
    • 2001 beschließen die Naturfreunde in Deutschland eine Namensänderung. Im „Manifest Nachhaltigkeit“ wird die Bedeutung des neuen Namens „Naturfreunde Deutschlands – Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur“ festgehalten.
    • 2017 wird die Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) gegründet, das auch vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ für drei Jahre gefördert
    • Mehr Chronikinformationen: Chronik der NaturFreunde

Was ist FARN?

    • Mit FARN klären sie zum Beispiel die Narrative der Rechstextremen auf: FARN – Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz |
    • Untersucht historische und aktuelle Verknüpfungen rechter und völkischer Strömungen im deutschen Natur- und Umweltschutz
    • Identifiziert rechtsextreme und menschenverachtende Ideologien und erarbeitet menschenbejahende und demokratiefördernde Gegenentwürfe
    • Bietet Informationen, Beratung und Qualifikation für Akteure*innen des Natur- und Umweltschutzes in der Kinder- und Jugendhilfe, auch für Jugendliche und Erwachsene

Käte-Strobel – Haus

    • Ist in den 1970er Jahren erbaut worden vom Bundesfamilien-Ministerium, um sozialschwachen Familien Urlaub zu ermöglichen in der Natur des Oberbergischen Landes zwischen Meinerzhagen und Gummersbach
    • Besitzt ein Hallenbad, eine Saune, eine Kegelbahn, einen Tischtennisraum und große Gruppenräume, sowie eine große Außenanlage mit Spiel- und Sportplätze
    • Es hat Platz für 110 Personen oder 180 für Schulklassen, wenn Klappbetten zusätzlich genutzt werden sollten.
    • Die Unterbringung ist in Appartements mit Dusche und WC, einem Wohnraum und zwei bis vier Schlafräumen.
    • Es gehört heute zum Landesverband der Naturfreunde NRW und wird von den Mitgliedern über einen gemeinnützigen Hausverwaltungsverein betreut.
    • Neben der Beherbergung werden auch Seminare angeboten, die sich hauptsächlich mit politischen Inhalten beschäftigen, sowie auch Familienseminare.
    • Es stehen 7 Seminarräume zur Verfügung

Wer war Käte Strobel?

Die 1907 in Nürnberg geborene Käte Strobel heiratete 1928 einen Sozialdemokraten, der 1934 wegen Hochverrat zu zweieinhalb Jahren ins Konzentrationslager Dachau interniert wurde. Er kam später im Weltkrieg in ein Strafbatallion nach Jugoslawien, wo er in Kriegsgefangenschaft kam.

Käte Strobel war selbst ebenfalls schon 1921 in der sozialistischen Jugendbewegung eingetreten. Bis zum Verbot 1933 gehörte sie der SPD schon acht Jahre an. Sie war ab 1949 eine der wenigen Frauen, die im Bundestag Abgeordnete wurde. Von 1964 bis 1967 war sie auch die Vorsitzende der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament.

1966 wurde sie Bundesministerin für Gesundheitswesen. Sie führte die Sexuelle Aufklärung durch einen Sexualkunde-Atlas ein und ließ den Aufklärungsfilm Helga drehen. Unter der Bundesregierung von Willy Brandt wurde sie 1969 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit bis 1972. In dieser Zeit machte sie sich stark mit Fördermitteln für das Naturfreundehaus in Gummersbach, damit sozialschwache Familien auch Urlaub machen können für wenig Geld.

Sie bekam für ihren Einsatz das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland 1972 und wurde die erste Frau mit einer Ehrenbürgerwürde in ihrer Heimatstadt Nürnberg.

Nach ihr ist der Käte-Strobel-Straße in Nürnberg genannt und auch der Wanderweg, der an dem nach ihr benannten Naturfreundehaus in Gummersbach, den sie selbst eingeweiht hat.

Ihr Zitat „Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte“, gehört zu den wichtigsten politischen Sätzen, die in Deutschland gemacht wurden.

Sie starb 1996.

Käte Strobel – Wikipedia

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(Anmerkung zum Video: Schrecklich das eine weibliche KI-Stimme das runterleiert…)


Abschließende Bemerkung:
Der Verein ist offen für alle, die sich für Natur, Umwelt und soziale Gerechtigkeit engagieren möchten. Wer sich einbringen will, findet vielfältige Wege, aktiv zu werden. Ich bin schon in einigen Vereinen unterwegs, aber ich selbst überlege tatsächlich mich den Naturfreunden anzuschließen, weil sie genau das beinhalten, was mein Leben prägt: Umwelt- und Naturschutz, offene Gesellschaft, Gegen Rechtsextremismus in jeder Form, Einsatz für eine soziale Gerechtigkeit.

Ich denke, dass Jugendliche, die als Fridays for Future, für mehr Klimaschutz auf die Straßen gegangen sind, könnten sich doch hier auch engagieren. Nun, dass ist leider eine andere Geschichte, die nicht gerade rühmlich ist und den Kommentar lasse ich jetzt hier lieber, der ist zu hören im Podcast. Dafür gibt es ja auch die Möglichkeit sich eben der Naturfreundejugend anzuschließen.

Viel kostet der jährliche Beitrag einer Mitgliedschaft nicht. Für zwei Jahre gibt es eine ermäßigte Das ist doch nicht sooo viel für das was alles insgesamt geboten wird:

Vier Mal im Jahr kommt die Zeitschrift NATURFREUNDiN. Jedes Mitglied ist haftpflicht- und unfallversichert bei allen Veranstaltungen der NaturFreunde (auch online). Es gibt Rabatte auf die Übernachtungskosten in den Naturfreundehäusern. Geringere Teilnahmegebühren für Reisen und Ausbildungskurse werden gezahlt und es gibt regelmäpige Informationen zu aktuellen Themen und Aktivitäten.

Freuen würde ich mich schon, wenn ich ein paar neue Mitglieder durch meinen Blog-Beitrag gewinnen konnte für die Ortsgruppen, nicht nur im Ruhrgebiet. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg für das weitere TUN für die Naturfreunde!

FAZIT:

Was der Verein insgesamt macht ist sehr innovativ und präventiv. Das ist sehr ehrenswert!

Links:

Ortsgruppe Bottrop

NaturFreunde Bottrop e.V.

Auf der Koppe 16

D 46236 Bottrop

Ansprechpartner Wilhelm Schluckebier

Tel.:     02041 / 97433

Mobil:  0171 / 5548792

e-Mail: wilhelm.schluckebier@t-online.de

NaturFreunde Bottrop: https://www.naturfreunde-bottrop.de

***

Landesverband Nordrhein-Westfalen

Albertstr. 78
40233 Düsseldorf
Telefon (0211) 56 64 99 96
www.naturfreunde-nrw.de
info@naturfreunde-nrw.de

***

Landesverbände allgemein:

Landesverbände | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

***

Bundesverband in Berlin

Anschrift:
NaturFreunde Deutschlands
Warschauer Str. 58a/59a
10243 Berlin
+49 (0)30 29 77 32 60 | Tel
+49 (0)30 29 77 32 80 | Fax
info@naturfreunde.de
www.naturfreunde.de

Öffnungszeiten:
MO–DO: 08:30–16:30 Uhr
FR: 08:30–12:30 Uhr

Bundesgeschäftsstelle | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

***

Naturfreundejugend Deutschlands

Bundesgeschäftsstelle

(030) 29 77 32 70

(030) 29 77 32 80

info@naturfreundejugend.de

Naturfreundejugend Deutschlands | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

***

NaturFreunde Internationale (NFI)

Generalsekretariat

+43 (0)1 8 92 38 77 42

office@nf-int.org

Die NaturFreunde Internationale | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

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Für Aufklärung gegen Rechtsextremismus: FARN

FARN – Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz |

FARN-Publikationen zum Download

Downloads | FARN – Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz

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Naturfreundehaus finden:

Naturfreundehaus finden | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

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Käte-Strobel-Haus

Urlaub für sozialschwache Familien oder für Schulklassen

NFH Käte-Strobel-Haus : https://kaete-strobel-haus.de

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Aktiv – Veranstaltungskalender für zum Beispiel Kurzurlaube der Naturfreunde:

Veranstaltungskalender | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

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Trainer*innen – Ausbildung:

Trainer*innen-Ausbildungs-Portal der NaturFreunde Deutschlands

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Naturfreunde-Verlag

Willkommen im NaturFreunde-Shop mit Broschüren-Download | NaturFreunde Deutschlands | Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

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Zum Newsletter:

Abonniere hier den NaturFreunde-Newsletter https://naturfreunde.de/newsletter

 

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Wer Mitglied werden möchte:

Hier kannst du NaturFreund*in werden! https://naturfreunde.de/mitglied-werden 

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Alle Links und auch Informationen sind entnommen von der Internetseite des Bundesverbands der Naturfreunde: https://naturfreunde.de

Fotostrecke © André Brune

Der seitlich barrierefreie Hintereingang ins Naturfreundehaus von Bottrop
Der Grillofen, der auch für selbstgemachte Pizza gedacht ist
In der Küche finden auch Workshops statt, wie Seifen sieden, Marmelade kochen etc.
Der Kamin im Gesellschaftsraum
Ein Geschenk für mich: Selbstgemachte Marmelade aus einem Workshop
Ein Bild über die Stadt Bottrop, meiner Geburtsstadt, aus einem Workshop heraus kreiert
Zur Zeit hängen Bilder einer Bottroper Künstlerin im Gesellschaftsraum. Eine wechselnde Ausstellung mit Vernissage findet ebenfalls regelmäßig statt
Der Gesellschaftsraum für große Veranstaltungen
Selbstgebastelt und Selbstgemachtes in den Workshops für den Verkauf. Der Erlös geht in den Erhalt des Naturfreundehauses

Bücher zum Leihen und ganz viele Informationsbroschüren vom Verein
Der Workshop-Raum für kleinere Gruppen oder Seminare
Auf der anderen Seite ist eine Bottroper Karte und ein Glücksrad, das bei Veranstaltungen genutzt wird.

Auf den Spuren der Nachkriegskrimis in Bochum von mit Sabine Hofmann I +Videopodcast I +Podcast I +Fotos

Bochum in Trümmern kann man sich heute kaum noch vorstellen. Höchstens, wenn man in die Ukraine oder nach Gaza schaut. Doch die Innenstadt ist durch alliierte Luftangriffe zwischen 1942 und dem schlimmsten am 4.11.1944 zu 90% zerstört worden. Inmitten dieser entstandenen Ruinen spielt die Krimi-Trilogie Trümmerland, Totenwinter und Kopfgeld, der gebürtigen Bochumerin Sabine Hofmann mit allen „Gewürzen“ der damaligen Zeit.

Einige wichtige Punkte des ersten Romans Trümmerland fahre ich mit Sabine ab. Sie liest auch aus ihrem Roman vor und erzählt, wie sie darauf gekommen ist, was ihr Anliegen ist und wieso sie ihre Geburtsstadt genommen hat, um die spannende, aber auch grausamen Nachkriegsgeschichten zu erzählen, die wir beide selbst nicht erlebt haben.

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Ich war selbst lange Zeit Buchhändler gewesen. Ich fand die vom mittlerweile leider verstorbenen britischen Autor Phillip Kerr Krimiromane, die in den Nachkriegszeitjahren  spielten, spannend. In Berlin versucht Bernhard Gunther zwischen den alten noch vorhandenen Nazibonzen Mordfälle aufzuklären und verstrickt sich immer mehr in den Sumpf der alten Kameraden.

Jetzt traute sich die deutsche Autorin Sabine Hofmann, ihre Krimis nicht in Berlin, sondern in Bochum, mitten im Ruhrgebiet, spielen zu lassen. Auf über 1100 Seiten quetscht sie die von vielen verklärte Zeit in schwarze Buchstaben, die sich schnell lesen lassen. Und was liegt näher, als die eigene Heimatstadt zu nehmen und dort zu recherchieren? Und ganz ehrlich: Das Ruhrgebiet ist spannender als Berlin!

An einem Punkt der Rundreise hat Sabine mich mit ins Bildarchiv der Stadt Bochum entführt. Mit dem Paternoster, einem Relikt aus alten Zeiten und in Deutschland eine Rarität, wollten wir im Rathaus nach oben zum Bildarchiv fahren, aber der ist nur zu den Öffnungszeiten pausenlos unterwegs. Da noch im Rathaus saniert wird, war das Bildarchiv umgezogen und wir irrten durch die zweite Etage. Wir haben alle Gänge durchsucht und dachten, dass das Zimmer zuletzt in der Toilette wäre, weil da die Nummer 257 auftauchte. Aber dann kam eine Tür zum Treppenhaus und direkt links war es dann endlich und konnten Markus Lutter begrüßen, der extra wegen uns etwas länger blieb am Freitag.

Rechts: Markus Lutter in seinem Revier, dem Bildarchiv der Stadt Bochum mit Sabine Hofmann

Das von uns besuchte Bildarchiv der Stadt Bochum, betreut vom Verwaltungsfachangestellten Markus Lutter, der die Stadt wie seine Westentasche kennt, konnte Sabine bei ihren Recherchen sehr gut unterstützen Markus Lutter hat ein unglaubliches Wissen und betreut nicht nur seit vielen Jahren das Bildarchiv mit sage und schreibe rund 400.000 Fotos aus den Jahrzehnten seit den Anfängen der Fotografie, sondern digitalisiert sie auch. Wer die Fotos in digitaler Form sehen möchte, kann sie bei Flickr finden. (Link unten)

Ich habe Markus Lutter gefragt, ob er zu einem Podcast zu einem bestimmten Thema bereit wäre. Und so werde ich dieses Jahr natürlich nochmal auf ihn zukommen, um über einen Umweltskandal der 1970er Jahre zu sprechen, der Bochum und die ganze Bundesrepublik erschüttert hat.

Das Ruhrgebiet ist in der Literaturlandschaft zwar schon mit Frank Goosen und seinen Romanen sowie diversen tollen Krimiautoren nicht mehr wegzudenken, aber hier ist Sabine Hofmann einen erfrischenden neuen Weg der historischen Krimis gegangen. Sie sind eigentlich so aktuell wie nie, durch die aktuelle politische Stimmung im Land und die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine oder in Israel/Gaza.

Sabine Hofmann fragt: „Was macht es aus den Menschen, wenn sie vor dem Nichts stehen oder sich wieder neu sammeln, neu starten oder was ihnen in einem ‚früheren‘ Leben widerfahren ist? Gehen sie drüber hinweg? Beginnen sie an einem anderen Ort mit einem anderen Partner, wenn der vorherige im Krieg gestorben ist? Können sie das überhaupt?“

Die Romane lassen im Rahmen der Stadt Bochum die Welt in Trümmern vor Augen führen – mit all dem Leid. Die drückende Atmosphäre, die damals herrschte, die Unsicherheit, wohin die Reise geht, Hunger und Mangel sowie das Schweigen über die Taten, die kurz vorher noch tagtäglich durchgeführt wurden, wie das Töten von Zwangsarbeitern, werden uns innerhalb der Krimihandlungen gezeigt.

Ohne mahnende Worte mit erhobenem Zeigefinger, in einem einfachen, lesbaren Stil, führt Sabine Hofmann den Lesern vor Augen, was damals war und wie jeder einzelne auf seine Art und Weise damit umging. Mir gefällt die Authentizität der Romane. Ich fühlte mich in die Zeit hineinversetzt. Das kann durch die Fotos aus dem Bildarchiv gut nachvollzogen werden.

Besonders gefiel mir, dass die Nebenfiguren zwischendurch im Ruhrdeutsch-Dialekt sprachen.

Im dritten Teil „Kopfgeld“, setzte Sabine bewusst bei der Hauptfigur Max die Sprache ein, um die  Zerrissenheit der Heimatgefühle und Distanz zur Stadt Bochum darzustellen, denn seiner Familie ist hier Schreckliches widerfahren. Er hatte furchtbare Erfahrungen mit Freunde und Nachbarn gemacht. Dieses Mit- und Gegeneinander aus Distanz, Vertrautheit und Abkehr drückt sich im Sprachenwechsel aus nachdem er mit seiner Schwester zurück aus England in die alte Heimat Bochum kommt.

Durch die gewählte Form der Kriminalliteratur fließt ein roter Faden der Zeit und der Hauptcharaktere durch die drei Romane. In Sabine Hofmanns Krimis lässt sich alles finden: vom Start des Wiederaufbaus, dem Leben in Ruinen, der Suche nach Essen, wärmender Kleidung, dem verbotenen Schwarzhandel, dem Hungerwinter 46/47, bis hin zu den wirklich durchgeführten Mordbefehlen der Bochumer Gestapo im Stadtpark sowie der Judenverfolgung und der Rückkehr in eine zerstörte Heimatstadt.

Sabine Hofmann ist Lehrerin, studierte Germanistik und Romanistik. Sie lebte lange in Frankfurt, bevor sie entschied ihrem Mann ins hessische Erbach in den Odenwald zu folgen und dort Spanisch und Deutsch zu lehren.

Mit ihrer spanischen Freundin Rosa Ribas zusammen schrieb sie eine Krimihandlung, wo die Sprachwissenschaft auch eine große Rolle spielt und helfen kann einen Mordfall aufzuklären. So fingen sie an zu überlegen, ob es in Bochum oder in Spanien spielen sollte. Zuerst wurden dann drei Krimis, die im Barcelona der 1950er Jahre spielten, geschrieben. Sie bauen in den Krimis die dunkle Ära des faschistischen spanischen Führers Franco auf, wo die Presse gleichgeschaltet wurde und jede Person, die gegen das Regime wetterte, ins Gefängnis wandern konnte. Erschienen sind sie im Rowohlt Verlag.

(Screenshots meiner E-Books)

Während Rosa ihre Eltern noch zu der Atmosphäre der 1950er Jahre ausfragen konnte und auch erzählt wurde, hatte es Sabine schwieriger. Früher wurde sehr wenig über die Zeit erzählt. Das Überleben hatte Vorrang. Heute leben die Personen nicht mehr, die etwas erzählen konnten, wenn sie es gewollt hätten. Über die Zeit der Nationalsozialisten wurde meist geschwiegen. Es gab viele Mitläufer und genau diesen Charakterzug lässt sie in den Oberinspektor, so wurden die Hauptkommissare nach britischen Vorbild während der Besetzung genannt,  einfließen. Er war Mitläufer. Hatte immer seinen Job bei der Polizei getan, egal welche Regierung er durchgemacht hatte in seiner Dienstzeit.

Der erste Roman „Trümmerland“ spielt 1946 in einem zerbombten Bochum. Der Wohnraum ist knapp. Flüchtlinge aus dem Osten, die vor der Roten Armee der Sowjetunion, der Russen, flohen, suchten eine Unterbringungsmöglichkeit.

Teil 1 der Trilogie (Screenshot)

Edith Marheinecke ist eine Hauptfigur aller drei Romane. Du gutbürgerlich erzogene Edith floh vor den Russen und verlor ihre Heimat. In Bochum suchte sie nach einem neuen Leben. Bei Martha mit ihrer Tochter Hanna bekam sie eine Wohnmöglichkeit zugewiesen. Marthas Ehemann hatte noch kein Lebenszeichen mitgeteilt. Die Wohnung von Martha war in einer Mietskaserne auf der Hofsteder Str. 74, die heute noch in modernisierter Fassung steht.

Mietskaserne Hofsteder Str. 74 (ca. 1920er Jahre) Mit großem Dank von Sabine Hofmann bekommen für den Blog!)

In der Mietskaserne Hofsteder Straße 74 gab es früher die Toilette in den Zwischenetagen, Kohleofen, kein Badezimmer, kein Wasser in der Wohnung. Herd in der Wohnküche, nicht beheizte Zimmer, spartanische Einrichtung. So hatte Sabine noch die Erinnerung an die Wohnung der Tante, wenn sie sie besuchten. Deswegen kam dieses Haus als erstes Motiv im ersten Teil vor.

Allerdings musste Sabine beim Besuch der Tante keine Brennnesselsuppe mehr essen, was 1946 eher eine tägliche Mahlzeit war, weil es kaum etwas zu essen gab. Die Lebensmittelmärkte, die wir heute kennen mit vollen Regalen, gab es nicht. Auch der Tante Emma – Laden nebenan hatte nichts zu verkaufen. Die Infrastruktur war zerstört. Handelswege unterbrochen. Die Alliierten bestimmten, wie es weitergeht. Der Schwarzmarkt blühte, obwohl er verboten war. Man konnte gegen Zigaretten zum Beispiel Butter eintauschen. Zigaretten waren das Zahlungsmittel in der damaligen Zeit, nicht die Reichsmark. Es gab keine Regierung mehr, keine Nationalbank. Die Menschen musste irgendwie sich selbst helfen, um zu überleben.

Die Zeche Präsident war die nächste Station, wenn sie noch gestanden hätte. Hier spielt der Mantel eines Ermordeten am Anfang des Krimis eine wichtige Rolle. In ihm fanden die Frauen Butterscheine, die für ihr eigenes Überleben, wie der Gewinn einer Lotterie war.

Gelände der Zeche Präsident in Bochum (Foto von der Pressestelle/Bildarchiv der Stadt Bochum)

Die Zeche Präsident war eine wichtige und einer der größten Bergwerke von Bochum nah der Innenstadt. Jedoch wurde das Gelände so zerbombt, dass entschieden wurde, dort keine Steinkohle mehr abzubauen. Für die nahe Jahrhunderthalle entfiel die Möglichkeit nah abgebaute Kohle zu bekommen.

Neben Martha ist der Oberinspektor Dietrichs einer der wichtigsten Hauptpersonen, der ebenfalls in allen drei Romanen vorkommt. Er machte schweigend seine Polizeiarbeit, verlor seine Ehefrau beim Bombenangriff und lehnte sich nicht gegen das Regime auf, machte aber auch nicht bei Erschießungskommandos mit, die zum Beispiel in den Osten gingen.

Podcasten vor dem Polizeipräsidium Bochum

Nach dem Bildarchiv fuhren wir noch zur Uhlandstraße, wo das Polizeipräsidium der Stadt Bochum ist und Dietrichs seine Arbeit in den Romanen tat. Hier las Sabine wieder aus ihrem Roman vor und stellte den bulligen, aber schweigsamen Dietrichs vor, der hier in den Nachkriegsromanen seinen Dienst tat. Unweit von der Uhlandstraße begaben wir uns zu einer Stelle eines Massengrabs, dass sich auf der linken Seite vom Eingang zum Stadtparks befindet.

Kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs, als die Amerikaner schon im Anmarsch waren, hat die Gestapo in der Villa auf der Bergstraße 74 alle Insassen ermordet und an dieser Stelle vergraben. Die wirklichen Täter kamen mit keinen oder wenigen Jahren Gefängnis davon.

Die kleine Stahltafel weist darauf hin, das NIE WIEDER FASCHISMUS zwar schön ist, aber zur jetzigen Zeit sich zu wiederholen droht. Für mich ist die Tafel ein zu kleiner Hinweis auf die Schandtat dieser Faschisten, denn es waren schließlich nicht nur diese 20 Ermordeten. Die Bochumer Gestapo hat im Laufe der Jahre genug andere Verbrechen getan, die nicht nachgewiesen wurden.

Vor dem Hintergrund des Hungerwinters 1946/47 spielt der zweite Roman „Todeswinter“. Edith Marheinecke kommt bei einem zwielichtigen Rechtsanwalt unter. Als ein ehemaliger KZ-Häftling ermordet wird und ihr Arbeitgeber verwickelt zu sein schein, beginnt Edith selbst die Aufklärung in die Hand zu nehmen ohne zu ahnen, was sie herausfindet.

Teil 2 der Trilogie

Im Krimi „Kopfgeld“ geht Edith Marheinecke als Journalistin mit ihrer Kamera zur Geldausgabestelle am Tag der Einführung der neuen Währung, um darüber zu berichten. Edith machte einige Bilder als Konrad Garthner plötzlich tot unter einer Straßenbahn liegt. Können die Bilder den Fall aufklären oder ist Edith wegen der Fotos selbst in Gefahr? Hier fließt der wichtige Punkt der Shoah hinein. Inspiration war die Stolperstehle, die in Bochum an die Deportation von unzähligen Juden und Jüdinnen nach Auschwitz vom Nordbahnhof erinnert. Die Trilogie ist im Aufbau Verlag erschienen.

Teil 3 der Trilogie

Für mich als Ruhrpottologe ist es einfach wichtig auch die dunklen Seiten des heute so hoch gehobenen WIR SIND DER RUHRPOTT – ZUSAMMEN SIND WIR STARK etc. politisch meist wieder heute einen Keil in die Gesellschaft treibt, genauso wie im Fußball zwischen den Dortmunder Borussen und Schalke 04. Damals wurde wirklich umgebracht. Lebten die Menschen in Angst und Schrecken, denunzierten und kollaborierten die Nachbarn, Freunde und Verwandten aus Überzeugung oder aus anderen niederen Gründen. Hier ist eben auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen gewesen. Und es ist auch nie der Fall dass es mal so aalglatt geht, wie wir es gerne hätten.

Sabine Hofmann jedenfalls hat genau die Seite in ihren Romanen geöffnet, wie sie selbst als geborene Ruhrpottfrau ist. Offen sein und sagen oder schreiben, was man denkt mit dem rechten Fleck auf der Brust.

Foto Screenshot von der Internetseite www.sabinehofmann.net

Schon allein deswegen lohnt sich das Lesen aller Romane!

Sabine Hofmann beweist ihre Vielseitigkeit als Autorin auch in einem Sachbuch – ihrer Dissertation Die Konstruktion kolonialer Wirklichkeit aus dem Campus Verlag.

Wer meint, dass Sabine jetzt durch ihre Publikationen reich geworden ist, wird eines besseren im Podcast belehrt. Für die Taschenbuchveröffentlichung bei den namhaften Verlagen Rowohlt und Aufbau verdient sie pro Buch gerade mal 1 €. Das gilt für jeden Autoren, der mit Schreiben Geld verdienen will. Reich wird ein Autor oder Autorin nur wenn es ein Bestseller wird und wochenlang durch die Medien auf die entsprechenden Spiegel-Bestsellerliste puscht. Also muss die andere Literatur, die gut ist und nicht auf der berühmten Liste erscheint, irgendwie gefördert werden. Und damit auch die Person, die schreibt. Also für mich sind alle drei Romane Bestseller. Für euch müssen sie es noch werden. Hofmanns Krimis lohnen sich definitiv!

Ich betone: Ich bekomme für diese Infos keinen Cent. Gut ich hab ein Essen ausgegeben bekommen und ein Buch mit Widmung geschenkt bekommen. Aber sonst nichts. Es ist eine persönliche Buchempfehlung und es war ein tolles Gespräch mit einer tollen Frau gewesen in meinem Podcast! Und wir sehen uns nächstes Jahr definitiv wieder. Ich will doch wissen, wo die Leichen in Essen rumschwimmen aus ihrem nächsten Roman, wenn da auch hauptsächlich eingebrochen werden soll. Literatur muss genauso wie Kunst gefördert werden!

Am Ende waren wir noch zusammen nicht Eis essen, sondern einen Rote Beete-Salat im Café Konkret im Bochumer Bermuda-Dreieck. Lecker!

Links:

Alle Bücher: www.sabinehofmann.net

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Bildarchiv Stadt Bochum:

Stadt Bochum | Flickr

Facebook/Stadt Bochum

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Café Konkret – Bermuda3Eck Bochum

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Fotostrecke (c) André Brune

Die Skulptur „Entfaltung“ erstaunt jeden Besucher immer wieder neu, so auch Sabine Hofmann.

Eine Fotogalerie mit Fotos vom Bildarchiv der Pressestelle der Stadt Bochum: