Egon Breitrüssler – Ein Waldökologe steht auf altes Holz I +Hördatei auf Ruhrdeutsch

Entdeckt mit mir einen eher unbekannten faszinierenden Käfer des Totholzes und lest im Blog ein Porträt über Tarnung, Pilze, morsches Holz und die verborgene Vielfalt im Wald, der auch im Ruhrgebiet zu finden ist :

Wat habbich mich erschrocken! Da kommt knapp an meinem Ohr vorbei geflogen, fast in die volle Teetasse rein, so ein komisches Stück Holz durch den Wind angeflogen. Oder war das ein Kotbröckchen von unseren Eichhörnchen, was da auf den Balkontisch fiel? So dachte ich erst, doch dann bewegte es sich und ich entdeckte eine Käferart mitten im Ruhrgebiet auf unserem Balkon, die ich hier noch nie gesehen hatte.

Sofort machte ich ein Foto. War nicht einfach, weil der zwar etwas träge, aber schnell um die Tischkante lief auf die Schattenseite, um nicht gesehen zu werden. Aber ich hab es noch rechtzeitig geschafft und dann Google Lens genutzt, weil ich keine Ahnung hatte.

Dort wurde mir mitgeteilt, das es ein Breitfüssler sei. Hab mir seine Füße angesehen. So weit auseinander waren die nicht. Doch dann las ich noch einmal genauer, weil ich statt r ein f gelesen hatte: Breitrüssler heißt er richtig.

Einen breiten Rüssel, wie beim Elefanten hatte er auch nicht gehabt. Aber dann forschte ich nach und nun hat er im Blog eine Plattform für die Natur im Ruhrgebiet.

Die Studierten haben ihm schon lange einen schicken Namen verpasst. Ich hätte ihn Holzrindenkäfer oder so genannt. Seine lateinische Bezeichnung ist : Platyrhinus resinosus. Klingt wie: Platter Rhinozerosaurier.

Aber so groß war er auch nicht. Wie aus einem morschem Holz geschnitzt sieht er aus. Und das ist das Faszinierende gewesen. Es sind eben nicht immer die bunten, schillernden Insekten, die uns im Gedächtnis bleiben.

Jetzt beschreibe ich euch diesen Käfer, der so ganz anders ist und eben deswegen auch nicht so einfach zu entdecken ist:

Der stille unscheinbare Spezialist

Er ist sehr unauffällig, obwohl er so kantig und knorrig ist. Es scheint, dass der Wald ihn geformt hat. Er gehört zu den größten mitteleuropäischen Breitrüsslern mit 8 bis 15 Zentimeter Körperlänge, denn natürlich gibt es noch viele andere Sorten.

Da fragt ihr wohl euch, wofür dieser kotartige knorrige Holzkäfer ist? Er ist ein stiller Spezialist. Der Körper ist walzenförmig und abgeflacht. Er erscheint rau und wie eine Skulptur. Am Kopf und den Fühlern ist er dicht gelblich bis weißlich behaart. Ansonsten eher unregelmäßig über den Körper verteilt beharrt und besitzt Camouflagetöne in dunklen Erdbraunen- und Graufarben. Er erinnert an ein Stück verwitterte Rinde, einem kleinen Brocken Totholz, nicht an ein Insekt. Perfekte Tarnung für einen Käfer aus der Welt von Pilzen, morschem Holz und die Schattenseite vom Baum.

Breiter Rüssel

Tatsächlich ist der „Rüssel“ breit, kurz und abgeflacht. Er hat kurze Fühler, die sich von anderen Käfersorten unterscheidet. Deswegen ist er nur mit dieser Gattung platyrhinus in Europa vertreten.

Er liebt Laubwälder, besonders Buche, so eine, die direkt neben uns am Haus steht, alte Stümpfe, gelagertes Holz und von Pilzen durchsetztes Totholz. An verpilzten Buchenstöcken wird er im Sommer eher gefunden. Die Larven finden sich auf faulendem Holz oder Pilzgeflechten, wovon sie sich auch ernähren. Der Käfer ist also eine wichtige Instanz im natürlichen Zerfallprozess.

Garten nicht aufräumen

Wer seinen eigenen Garten immer aufräumt und alles Totholz wegräumt, nimmt diesen Käfer seinen Lebensraum und wird ihn nie entdecken können. Also lasst mal wat liegen, hömma!

Wo Holz altert, ist der Käfer da und ist dann kein Zufallsgast. Er gehört zu den oft übersehenden ökologischen Lebensgemeinschaften der Käfer und Insekten. Er ist ein träger Zeitgenosse, der sich bei Gefahr eher tot stellt. Deswegen sieht er eher wie ein Eichhörnchenkotstück aus. Aber dann ist er flink genug und versteckt sich, wie ich es erlebt habe.

Camouflagekäfer

Er setzt auf reglose Tarnung und Täuschung, um im richtigen Moment zu verschwinden, bevor er entdeckt wird von Vögeln, die ihn verschnabulieren würden. Solltet ihr ihn Nordafrika oder, wenn mal irgendwann dort wieder Frieden sein sollte, im Urlaub im Nahen Osten sein, dann findet ihr den Käferspezialisten auch dort.

Die Botschaft, die ich jetzt durch ihn vernahm, war nach der Recherche klar: Natur besteht eben nicht nur aus schönen Blüten, die ich letztens im Garten entdeckte, Vogelgezwitscher und grüne Baumkronen, sondern eben auch von dem Gegenteil, der dunklen Seite der Natur, die aber genauso wichtig ist.

Fazit

Der Breitrüssler atmet nicht so laut, wie Darth Vader, dafür ist er ein funktionstüchtiger Waldökologe, der nicht bezahlt werden muss. Er braucht auch kein Laserschwert, um sich durch das Totholz oder die Pilze am Baum zu futtern. Und er findet sich eben auch im Ruhrgebiet. Hier gibt es mehr als man vermuten würde unaufgeräumte natürliche Natur, also nicht nur in meinem Garten. Das Ruhrgebiet ist grün und hat eben auch Naturverwerter an ihrer Seite. Schaut mal genauer hin! Dazu gehört nun auch mein spezieller Käferfreund : Der träge Waldökologe Egon Breitrüssler

Kurzfassung

Name: Breitrüssler

Wissenschaftlicher Name: Platyrhinus resinosus

Familie: Breitrüssler (Anthribidae)

Größe: ca. 8–15 mm

Lebensraum: vor allem Laubwälder, besonders an pilzbesiedeltem Totholz und Buchenstümpfen

Besonderheit: knorrige Tarnoptik, enge Bindung an Pilze und morsches Holz, stellt sich bei Gefahr tot

Weiterführende Links

https://naturspektrum.de/db/m_spezies.php?art=platyrrhinus_resinosus

https://www.insektenbox.de/kaefer/platre.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Platyrhinus_resinosus?wprov=sfla1

https://www.digital-nature.de/tierwelt/insekten/ruessler/platyrhinus/detail/detail.html

http://www.eu-insekten.de/steckbrief.php?tier=Platyrhinus_resinosus

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