Was verbirgt sich hinter den einfachen vier Wänden in den Siedlungshäusern im Ruhrgebiet?
Welche kaum wahrnehmbare Persönlichkeiten können da entdeckt werden?
Versteckte Talente aus dem Ruhrgebiet, egal in welcher Sache zu zeigen, das ist für mich als Ruhrpottologe wichtig. Menschen, die keine große Lobby haben gehen im „Mainstream“ von heute unter.
Short-Teaser:
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Ich will sie zeigen, wenn ich sie finde und sie bereit sind über sich zu plaudern. Durch einen Kunden von mir bin ich auf so eine Person aufmerksam gemacht worden.
Der gelernte Schlosser und heutige Rentner Arnold Polakewitz öffnete mir sein Wohnzimmer und erzählte mir seinen Weg vom Minensuchboot bis zum Hobby-Schiffsmodellbauer und -Maler in einem kleinen Video:
Der heute 68jährige Arnold Polakewitz, dessen Vorfahr der berühmte polnische Schriftsteller Adam Mickiewicz war, baut nicht mit den teuren Fertigbausätzen aus einem Bastelladen.
Santa Maria von Kolumbus
„Das kann ja jeder“, sagte er. Die naturgetreue Santa Maria von Kolumbus steht auf einem Regal. Die Segel sind aus alten Bettlaken. Eine russische Galiot niederländischer Bauart, die um 1820 entstand, hat Segel aus einer Lederjacke. Die Vorbilder sind aus seinen Marinebüchern, die im schicken Eichenschrank hinter Glas schlummern und ihn inspirieren.
Segel aus einer Lederjacke
Die Modelle sind Recyclingschiffe. Fast alle Teile sind nach Maß gesägt, gedrechselt, gefeilt, gebogen, gehämmert aus alten Holzresten, Küchenbrettern, Feuerwerksholzresten, Spurlatten von unter Tage, Dipphölzer von einem Schnellimbiss, Stoff- und Lederreste für die Segel zusammengesetzt.
Einige Jahre dauert es bis er ein Schiff zusammengebaut hat. Die unglaublich filigrane Arbeit fordern seine Finger und Augen. Manchmal kann man bestimmte Teile nur zwei Stunden lang bearbeiten, was schon sehr anstrengend ist. Andere Male ist er acht Stunden dabei. An dem größten Schiff hat er insgesamt 10 Jahre gebaut.
Der Wert des Schiffes wäre drei Mal so hoch, wie ein Fertigbausatz, der selbst schon viel Geld kostet, dann zusammengesetzt wird, um es dann zu verkaufen. Es dauert und ist nicht so einfach ein Element so zu feilen, dass es exakt richtig aussieht und passt. Laien haben keine Vorstellung, was es heißt täglich am Basteltisch zusammengesunken hoch konzentriert zu sitzen, um aus etwas Unförmiges nach Maß gestaltendes Teil für ein Schiff zu bauen.
Auch die Buddelschiffe werden bei ihm von alten Holzresten zusammengeschustert. Ein U-Boot ist gerade in Arbeit. Alte Latten, die sonst in den Müll gewandert werden, recycelt Arnold für ein U-Boot-Modell. Die Kanone stammt aus einem Schaschlikstäbchen. Die Bastelarbeit hat sein Vater ihm beigebracht. Zwischen den Arbeitsgängen braucht er auch manchmal einige Tage, um die Gelenke der Hand auszuruhen.
Die Buddelschiffe werden nach einer von einem Kapitän beigebrachten Geheimmethode dreiteilig in den engen Flaschenhals geschoben. Teurer Schund erkennt Arnold sofort in den üblichen Souvenierläden.
Arnold mit dem witzigen Polakennamen (Polakewitz) ist begeistert von der Schifffahrt. Mit seinem trockenen Humor und der tiefen sonoren Stimme erzählt er, dass er für die Bundeswehr auf einem Minensuchboot 1976 unterwegs war. Er hat sogar ein Bundesverdienstkreuz von Helmut Schmidt persönlich überreicht ausgeschlagen, weil er ein Schiff und seine Mannschaft gerettet hat als es in Brand geriet durch einen Motorschaden, den er zufällig entdeckte, als er eine Rauchen ging.
Schmidt wäre sein politischer Mentor geworden, wenn er in die SPD eingetreten worden wäre. Aber als Zwanzigjähriger interessierte er sich nicht für Politik. Er stellte sich nicht gern in den Vordergrund und war immer begeistert von der Schifffahrt. Er wurde Schlosser, was ihm auch beim Basteln mit der Maßarbeit mit Säge und Feile bei Holzarbeiten half.
2009 hatte er seine Marinebilder in der ehemaligen Stadtteilbücherei Bottrop-Boy ausgestellt. Viele Bilder sind bei Verwandten und Bekannten gelandet. Einmal ging er mit seinen Landschaftsbildern zu einem Galeristen. Der war begeistert von seiner Malart. Die Mischung aus Emil Nolde und Vincent van Gogh wäre in den Verkauf gegangen, wenn er denn ein Kunststudium nachgewiesen hätte, teilte ihm der Galerist mit und bekam nur ein müdes Lächeln.
Wenn sich andere an seinen Bildern erfreuen, ist es für Arnold Polakewitz Anerkennung genug. Mit fünf Jahren hat er angefangen Bilder exakt nachzumalen. Als er in die 4. Klasse ging, entdeckte eine Lehrerin sein Talent. So hat er bei einem Malwettbewerb in Gelsenkirchen mit seinem Motiv von einer Förderturmlandschaft ein Fahrrad gewonnen. Sein Bild ist ins Bergbaumuseum Bochum gewandert. Wer weiß, vielleicht schlummert es dort noch im Archiv irgendwo.
2009 in der Ausstellung in Bottrop-Boy
Die Malmotive sind Landschaften oder Schiffe, die auch vielen noch bekannt sein dürften. Die letzten Segelschiffe unter deutscher Flagge, wie die Pamir, Passat oder Posen, die auf den Weltmeeren noch ohne GPS und ohne Dieselmotoren unterwegs waren, hängen an seiner Wohnzimmerwand.
Ein Bild zeigt eine Mühle und eine wunderschöne grüne Landschaft drumherum. Er malte die Mühle von Gelsenkirchen – Hüllen. Seine Frau wollte immer ein Bild mit einer Mühle haben. Unbewusst hatte er die Mühle seiner Heimat gemalt, wo er als Gelsenkirchener Blag rumgetrollt hatte. Ganz nah waren noch Bombentrichter. Heute wohnt er in Bottrop-Boy in einer einfachen Siedlung. Seine Heimat ist das Ruhrgebiet, seine Sehnsucht das Meer.
„Am Arsch der Welt“ nennt das Bild seine Frau
Möge Arnold noch viele Schiffe bauen und Bilder malen. Meine Anerkennung und die vieler seiner Bekannten hat er. Hier im Blog hat er nun auf jeden Fall einen Ehrenplatz als POTTmensch für sein TUN.
Glück auf!
FOTO-BILD-GALERIE (alle Bilder sind von Arnold Polakewitz/Fotografiert von André Brune)
Waldfegen heißt nicht den Wald abreißen, sondern sauber machen vom Unrat der Menschen, die einen Wald als Müllkippe nutzen. Nach langer Zeit war ich wieder beim Verein tätig, der einmal jeden letzten Sonntag im Monat an einem bestimmten Ort in der Stadt Bottrop zum „Waldputzen“ bzw. „Stadtputzen“ zum Mitmachen aufruft. Ich hatte zusätzlich vor, wie versprochen, die Gesamtsumme als Spende für den Verein aus dem Verkauf der „Flaschengefühle“-Fotos von der Nacht der 1000 Bilder zu überbringen.
Nach langer Zeit der Abstinenz vom Mithelfen war es ein Tag, den alle lieber Zuhause verbracht hätten mit Familie und Freunde. Aber hier geht man aus Überzeugung die Natur „sauber machen“, weil leider immer noch viele Leute unachtsam ihren Müll, ob Zigarettenkippe, Bierflasche, Reifen oder einen ganzen Sack Hausmüll einfach wegwerfen. Das ist nicht nur unansehnlich, sondern belastet auch die Umwelt, das Grundwasser und am Ende auch die Meere.
Am Infozelt befindet sich immer der Startpunkt. Alle wichtigen Utensilien, wie Eimer, Bollerwagen, Waldfegen-Warnweste oder auch Greifzangen befinden sich dort. Vor Ort ist immer jemand, um sich auszutauschen oder sich über das Thema Müll zu unterhalten.
Daneben ist der Container von der Bottroper Entsorgungsfirma BEST, der jedesmal zum Befüllen aufgestellt wird. Er wird am nächsten Tag gewogen, um die gesammelten Kilos mitzuteilen.
Diesmal steht eine komplette Gartensitzbank mit Tisch und Stühlen, wie abgesprochen davor. Und nur 50 Meter weiter lag eine Tischtennisplatte unter der sich schon Ameisen heimelig ein Häuschen gebaut haben.
Bevor ich Carmen Böhm, die 2. Vorsitzende und Mitbegründerin, begrüßt habe, ging ich gegenüber meines Parkplatzes ins Grün und machte schon den ersten Eimer mit Müll voll. Zigarettenkippen, Plastikblumentöpfe, Bauschutt, Kunststofffolien und andere Unappetitlichkeiten.
Spendenübergabe aus dem Flaschengefühle-Bilderverkauf an Waldfegen e.V. I Von links: Jessy Schmidt (Schatzmeisterin), Silke Richterich (1. Vorsitzende), Ruhrpottologe André Brune, Carmen Böhm (2. Vorsitzende) I Foto: (c) Carmen Böhm
Carmen Böhm startete 2019 in ihrer Wohnortnähe am Köllnischen Wald. Sie nahm beim Spaziergang gefundenen Müll mit. Dann lief alles von selbst. Es kamen viele Gleichgesinnte dazu, so dass beim Neustart nach der Corona-Pandemie mit genügend Mitgliedern ein gemeinnütziger Verein gegründet wurde. Waldfegen e.V. ist durch einen Lokalzeit-Beitrag im WDR seit 2023 überregional bekannt. Mit zur Zeit 72 Mitgliedern wurden insgesamt bisher unglaubliche 26 Tonnen Müll gesammelt.
Heute am 29.4. waren etwa 30 Helfer und Helferinnen vor Ort. Es war verdammt nochmal nicht wenig an der B224 am Wäldchen, was wir alle zusammen gefunden haben und in den Container gelandet ist.
An dem Tag zogen mich Flaschen wahrscheinlich magisch an. Als ich vor etwa vor zwei Jahren meine Fotoreihe „Flaschengefühle“ angefangen habe, um über Müll in der Natur und Stadt auch mit Kunst, Literatur und Politikern vor Ort eine „Mülldiskussion“ anzuregen, hatte ich nie an Flaschen gedacht.
Ein Dank für den Kauf der zwei Bilder, die als Spende für Waldfegen vorgesehen waren, geht an die Käufer der Bilder Mario Holubek und Rebecca Bujnowski.
Mario HolubekRebecca Bujnowski
Schon auf den ersten Metern über die B224-Fußgängerbrücke, die schon einige Mitglieder entlanggegangen sind, entdeckte ich Flaschen, die andere übersehen haben. Ein Blick ins Efeu-Gestrüpp genügte und ich sah direkt hinter der Brücke einen ersten braunen Schimmer: Eine alte Bierflasche wahrscheinlich. Der Aufkleber ist vom Regen schon abwaschen worden.
Beim Herausholen, entdeckte ich noch mehr. Daneben lagen unverkennber ein kleiner Feigling, ein geleerter Kräuterlikör und diverse andere Sorten Flaschen, insgesamt sechs Stück und eine Vorrichtung aus Kunststoff für einen Gartenschlauch, der dort auch schon länger lag.
Voller Flascheneimer
Alles im Efeu gefundene
Wieder sauber!
Ich pickte alles auf: während mir ein frischer großer Hundehaufen am Wegesrand in der Nase hing. Leider überlassen unverständlicherweise einige Hundebesitzer die vollgemachten Tüten gern der Natur, die auch immer wieder vom Team gefunden werden. Kürzlich habe ich eine Übersicht von Zerfallszeit im Allwetterzoo Münster gesehen.
Flaschen können ewig als Müll erhalten bleiben.
Was mich natürlich mehr denn je anspornt, dass nicht in der Natur liegen bleiben dürfen! Sie müssen dem Recycling zugeführt werden. Flaschen sind bestens recyclingfähig. Viele Male mehr als jede Kunststoffflasche!
Die Hundetüten brauchen in der Natur und im Meer etwa 10-20 Jahre, um sich zu zersetzen.
.Wir haben Müll gefunden, der zeigt, dass 30 Jahre alter Plastikmüll in der Erde wie neu aussieht. Nicht mal ein Wurm interessiert sich brennend dafür.
Mülltafel Allwetterzoo Münster im Robbenhavenhaus
Der Eimer war also schon zwei Mal voll, bevor ich überhaupt richtig loslegen konnte. Dann gab es einen Hilferuf per Whatsapp-Nachricht in der Waldfegen-Gruppe. Im Wald wurde am Wegesrand, 50 Meter von der Bundesstraße entfernt, ein Haufen Reifen plus Kunststoffflasche gefunden.
Vorher einfach nur häßlich!Nachher ist wieder schön!
Der kleine Elektrolieferwagen, den ein Mitglied zum Transport für große Teile mitbrachte, brauchte seine Zeit dahin zum Ort der Reifen. Ich brachte sie in der Zwischenzeit zur Straße. Bei den letzten Reifen, dachte ich mir die Absperrung mal zu prüfen, ob man auch mit dem Wagen hätte reinfahren können. Denn irgendwie mussten die Reifen ja reingekommen sein. Hätte ich das mal sofort gemacht, hätte ich mir die Schlepperei der schweren Reifen sparen können. So hab ich mir an dem Tag zumindest den Besuch im Fitness-Studio gespart.
Sieht geschlossen aus
Mutwillig zerstört, um wahrscheinlich Müll immer wieder abladen zu können
Hätte ich mal eher umgeklappt…
Kaum waren sie aufgeladen, kam in der Gruppe der nächste Hilferuf. Gegenüber von meinem Autostandplatz war ein Pfad hoch in den Wald.
Zwei Waldfegerinnen fanden durch ein zufälliges Blitzen nicht nur eine Flasche, sondern ganze Reste von einem ehemaligen Auto. Wahrscheinlich war es ein BMW aus den 1980er oder 1990er Jahren, dessen Sitze, Tankdeckel und Stoßstange dort mit Efeu, Moos und wilden Brombeeren verwachsen war. Die Autositze lagen dort, wie die Kunstinstallation im Wittringer Park von Gladbeck „Dinner im Wald“, aber das hier war keine Kunstinstallation, eher eine Art Rückzugsort für Jugendliche gewesen oder einfach ein Müllabladeplatz. Denn es fand sich auch Hausmüll unter einer dünnen Erdschicht.
Silke Richterich vom Vorstand des Vereins zeigt die mossbewachsenen Autositze
Die Verpackungen waren kaum verrottet, obwohl sie aus einer Zeit stammten als es noch die vierstellige Postleitzahl gab. Das war der Beweis, dass 30 Jahre Kunststoffmüll aussehen kann, als wäre er einen Tag zuvor vergraben worden.
Der gefundene MüllhaufenVierstellige Postleitzahl ist drauf – ca 30 Jahre alter MüllDornröschenschlafflascheAutofahren im Wald
Vier Bollerwagen wurden vollgepackt. Im Winter müsste dort noch einmal nachgeschaut werden, denn durch das überwuchernde Grün, konnte das ein oder andere nicht mitgenommen werden.
Zwei von vier vollen Bollerwagen aus dem Horrorfund im Wald I Foto: (c) Susanne K.Der nächste volle Bollerwagen I Foto: (c) Susanne K.
Natürlich wurden Lachgasflaschen auf einem Parkplatz unweit der Müllsammelstelle gefunden und am Container extra abgestellt. Wegen Explosionsgefahr können die Gasflaschen nicht einfach so in den Container entsorgt werden. Das Metall ist natürlich auch ein besonderes Recyclingmaterial.
Lachgasflaschen werden immer mehr. Ich selbst bin bei meiner eigenen Müllsammelaktion während der Projektwoche meiner „Flaschengefühle“-Ausstellung in Bochum im Juli 2023 zum ersten Mal auf dieses Müllproblem gestoßen.
Ich wußte noch nicht, was es ist, bis mir mein Interviewpartner Kai Braun damals am Bochumer Musikforum erzählte, was es eigentlich ist.
Nach der Einnahme des Lachgases fühlt man sich lockerer. Es wirkt wie eine leichte Droge. Abfeiern geht dann so richtig gut. Allerdings sind nach der Einnahme schon tödliche Autounfälle passiert, weil Lachgas Lähmungserscheinungen und Halluzinationen verursachen kann.
Die kommunale Politik nimmt das Thema nun in den Städtetagen auf, um etwas dagegen zu unternehmen. Ein allgemeingültiges Verbotsgesetz in der Bundesrepublik wird angeregt. In anderen Ländern sind sie schon verboten. Deutsche Politik braucht ihre Zeit…
Diejenigen, die meinen sich eine „gesunde“ Droge reinzuschieben, sollten definitiv wissen, dass der Konsum von „Exotic Whip“ gefährlicher ist als gedacht.
Foto (c) Carmen Böhm
Warten wir mal ab und hoffen, das die Politik diesen Konsum unterbindet oder zumindest besser regelt. Bis jetzt ist nichts geregelt. Es gibt keinen Pfand oder eine Rücknahmepflicht. Besser wäre einfach ein Verbot für den Normalverkauf. So jedenfalls geht es nicht weiter. Auch die Entsorgung ist ein Problem und es werden wertvolle Rohstoffe für ein unsinniges Konsumgut genutzt.
Mehr Infos zum Lachgas:
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Interessant war für mich, als ich kürzlich einige dieser Lachgaspatronen zum Entsorgen zur Sammelstelle des Umweltservice in Bochum gebracht habe, das niemand der Angestellten genau wußte, wo und wie sie zu entsorgen sind. Es befindet sich immer ein Restgasanteil, der hochexplosiv sein kann. Das ist eine besondere Gefahr, falls Kinder damit spielen. Ich will mir nicht mal ausmalen, was alles passieren kann mit diesen Mistdingern!
Um 15 Uhr war der Container voll. Ich konnte den Deckel gerade noch schließen. Wir quetschten nur die Autositze rein. Ein paar Tage später kam die Meldung vom Bottroper Entsorgungsunternehmen BEST, dass der Container unglaubliche 850 kg wog. Dazu berechnet wurden noch die schweren Altreifen, die Gartenmöbel, die Lachgaspatronen, die Tischtennisplatte mit ungefähr 100 kg. Also fast eine Tonne, die in den wenigen Stunden vom Verein Waldfegen zwischen der Straße „Im Dorbusch“ und der B224 im Stadtteil Bottrop-Boy, gesammelt wurde.
Diesen Tag des Waldfegens kann der Verein durchaus als Erfolgreich bezeichnen für die Natur. Trotzdem ist es eine traurige Entwicklung, die scheinbar nicht besser wird, wenn weiterhin politisch zugelassen wird so viel Verpackungen herzustellen, die nicht gebraucht werden.
Eine starke politische gesetzliche Veränderung für mehr Müllvermeidung, strengere Gesetze und teurere Bußgelder müssten her und nicht die Gelbe Tonne, die von Anfang an für die Industrie Mittel zum Zweck des Geldverdienens auf allen Ebenen war. Schon vor dreißig Jahren war ich als Ver- und Entsorger in verschiedenen Praktika während meiner Ausbildung in der Ruhrkohle und meiner Zeit als Aktivist von Robin Wood auf diese Problematik gestoßen und haben vor mehr Verpackungsmüll damals in Gesprächen mit Bürgern in der Fußgängerzone gewarnt. Klaus Töpfer für eine bessere Umweltpolitik der Müllvermeidung animieren wollen mit Aktionen und Briefen als es eben noch kein Internet gab.
Der Müll aus der Gelbe Tonne wurde nach der Verarbeitung nicht etwa in großem Maße recycelt, sondern der Stahlherstellung als billigeres Verbrennungsmaterial gegenüber dem schon damals immer teurer werdendem Öl nach Bremerhaven geschickt. Da wurde gut Geld verdient und es wurden auch Subventionsgelder genutzt.
BMW Tankdeckel, oder wat? I (c) Carmen Böhm
Ich hab in einer Firma gearbeitet, die Müll aus der Gelben Tonne zu einer Masse zerkleinert haben und zu Pellets verformt haben. Ich besitze immer noch eins aus der Zeit als Beweismittel. Seitdem hat Deutschland statistisch mehr Müll produziert statt weniger. Die Recyclingquote ist zwar höher, aber eben nicht 100 %, weil es auch nicht geht. Die Meere sind überlastet. Die Produktion von Glasflaschen sind in der Zwischenzeit bei vielen Getränkeherstellern auf Plastik umgestellt worden, weil es ja so leicht und billig herzustellen ist und als Konsumgut leicht zu tragen ist. Ganz ehrlich: Es schmeckt abscheulich aus Plastikflaschen!
Am Ende bezahlt wieder einmal der Verbraucher und gleichzeitig auch Steuerzahler, niemals eine verantwortlich zu machende Firma. Und genau da muss ein Hebel dran gesetzt werden. Die Lobby muss endlich einsehen, dass es so nicht mehr weitergeht.
Kaba-Relikt
Bei Waldfegen wird weitergemacht. Jeden letzten Sonntag im Monat wird, außer in der Sommerpause, Müll aus den Ecken von Wald und Wiese an bestimmten Stellen geangelt, weil der Mensch ist, wie er ist, obwohl es schönere Dinge gibt, nämlich die Natur ohne Müll zu genießen. Und das haben wir alle am Nachmittag der Sammelaktion gemacht bei schönstem Aprilwetter.
Das Motto von Waldfegen ist: Nicht reden! Machen!
Vom Sitzen und Gucken wären sonst seit dem Neustart nach der Coronapandemie 2021 nicht die beachtlichen über 26 Tonnen Müll gesammelt worden, also wer aktiv mitmachen möchte oder Passiv den Verein unterstützten möchte:
Es wurde gefiebert, gefeiert und gekauft in Bottrop in der Nacht vom 19. auf den 20. April. Unglaubliche 850 Besucher und Besucherinnen wollten die ausgestellten unterschiedlichen Werke von 52 Künstler und Künstlerinnen des neu gegründeten Künstler.Kollektiv.Bottrop innerhalb der geöffneten 22 Stunden-Show sehen.
Eingangsbereich des Art Space bei Essen- und Getränkeausgabe
Bis tief in der Nacht waren Gäste anwesend und schon morgens ab 7.30 Uhr kamen die ersten wieder um zu schauen und auch zu kaufen. Bilder auf Leinwand, hinter Glas, mit Acryl- oder Ölfarben, Fotografien, Skizzen, Drucke, Skulpturen und Porträts sind über die „Theke“ gegangen. Die Veranstaltung war insgesamt für die Ausrichter Nolin Wischermann und Ralf Opiol des dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten, dem Art Space des Künstlers Carsten Breuer, über die Maßen zufriedenstellend.
Was in dieser einzigartigen Vielfältigkeit an Kunst am Freitag Abend um 18 Uhr begann und am Samstag um 16 Uhr mit dem Reste abhängen endete, war für die Stadt Bottrop und ihren Künstlern und Bewohnern etwas Neues und besonders Einzigartiges geworden. In dieser von Anfang an propagierten Verkaufsausstellung wurden neue Kontakte geknüpft, reichlich Gespräche geführt und eben auch verkauft.
Kurz vor der grandiosen Live-Performance
Die Idee des Künstlers Ralf Opiol, die verschiedenen Kunststile, egal ob von Profis oder Neueinsteigern, in einem Raum der Öffentlichkeit vor Augen führen zu können, hat die Erwartungen mehr als erfüllt.
Ein Hoch auf Ralf Opiol I Foto: Ralf Opiol
Kein Bild teurer als 49 € war ein wichtiges Element der Ausstellung. Kunst sollte hier nicht verramscht werden. Die Künstler und Künstlerinnen sollten eine Plattform bekommen, um sich und ihre Werke vorstellen zu können. Der Verkauf war da ein großer Nebeneffekt. Neueinsteiger in der Kunstszene, die erstmals bei einer Ausstellung dabei waren, hatten eine Chance bekommen sich präsentieren zu können. Damit wurde auf eine kleine besondere Art und Weise auf die lokale Kunst aufmerksam gemacht.
Ich beim Filmen der Live-Performance I Foto: Claudia Brüggemeier
Fast alle haben einige Werke verkauft. Wer nichts verkauft hatte, war wenigstens sichtbar und im Gespräch der Besucher und Besucherinnen.
Ein paar leerere Wände am Ende
Ich selbst, als Wahlbochumer und gebürtiger Bottroper, habe Bilder ausstellen dürfen, unter anderem aus meiner Reihe „Flaschengefühle“, die mit Müll zu tun haben und „Regenscheibe“, sowie Bottroper Motive, die auch im Kalender 2024 vorgekommen sind.
Flaschen, Dosen oder Tetrapaks in der Natur, auf der Straße oder am Mülleimer setze ich fotografisch in Szene, um damit auf das Problem Müll in unserer Welt aufmerksam zu machen. Der Verkaufspreis sollte dann vollständig inklusive meiner Unkosten für die Erstellung der Bilder auf Leinwand an den Verein Waldfegen e.V. aus Bottrop gehen, der seit einigen Jahren einmal im Monat eine Müllsammelaktion an einem Ort im städtischen Raum ausführt.
Wenn es mir meine Zeit erlaubt, mache ich mit. Als Mitglied unterstütze ich den Verein so oder so sehr gerne, weil mich das Problem Müll nervt, seit ich denken und auch eine Ausbildung im Bereich Müllentsorgung vorweisen kann und es sich leider nicht geändert hat.
Zwei Bilder aus der Reihe wurden verkauft. So hat Waldfegen 60 € Spendengeld zusammenbekommen, die ich bei der nächsten Sammelaktion persönlich überbringe (Beitrag folgt). Vielen Dank an die Käufer Mario Holub, der als Mitspieler bei der „Nacktionalmannschaft“ und in Nebenrollen bei den „Pottoriginale„-Filmen von Gerrit Starczewski, bekannt wurde. Er kaufte das „Tetraflascheneder“.
Rebecca Bujnowski, die in diesem Jahr in der Jahresausstellung des Josef-Albers-Museum Quadrat einen eigenen Ausstellungsraum bekommen hat für eine Einzelausstellung ihrer besonderen Keramikkunst, begeisterte sich für die Geschichte, die ich erzählt habe über die Dose. Sie selbst war bei der Nacht der 1000 Bilder dabei mit einigen ihrer „Meeresskulpturen“. Sie wollte mein extra für diese Ausstellung fertig gestelltes „Vorher-Nachher-Jetzt“ – „Flaschengefühle“ – Bild mit der Originaldose haben, die ich aus der Erde gebuddelt habe.
Das „Tetrablaueder“-Foto von mir, kam in die Hände eines Amerikaners. Im Gespräch erzählte er, dass er alle sechs Monate nach Bottrop kommt um in der Firma Magontec auf der Industriestraße zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Seine erste Berührung mit dem Ruhrgebiet war der Blick vom Tetraeder aus. Er war vom Ruhrgebiet und den Menschen von Anfang an begeistert. Deswegen sammelt er für sich und seine amerikanischen Familienangehörigen Bilder bzw. Souvenirs vom Tetraeder und andere Industriekulturkunst vom Ruhrgebiet, um ihnen unsere Region von Deutschland zu zeigen. Bekannt ist mir, dass auch der Künstler Dirk Hermann hat zwei Bilder an ihn verkauft hat. Das Ruhrgebiet hängt nun in Rhode Island. Das macht einen Stolz und spornt an weiter zu machen, wenn Bilder von einem selbst in alle Welt gehen. Dumm, dass ich im Eifer der Begeisterung kein Selfie mit ihm gemacht habe. Hauptsache mein Tetraeder hängt in den USA!
Das „Regenscheibe“ – Foto „Bergbaumuseumregen“ landete bei Marcel Häselhoff.
Wieviele Werke insgesamt über die Theke gegangen sind, kann nur geschätzt werden. Es waren jedoch nicht wenige.
Aus Nostalgie lasse ich den Short vom Aufbau:
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Roman Jäkel hatte eine professionelle Tänzerin in einer roten Kunststofffolie gehüllt, die sich nach einer Stunde wieder mit einer Schere performancetechnisch davon befreite. Darunter musste es ziemlich warm gewesen sein. Ihre Atmung fand nur durch zwei freiliegende Nasenlöcher statt. Sie stand superheldenhaft diese Stunde auf High Heels. Sprechen ging nicht, nur Atmen durch die Nase bis sie die Schere und Hände benutzte, um sich von diesem nervenden Kostüm zu befreien. Der wutschnaubende Ausdruck nach der Befreiung war Teil der Performance. In meinen Augen war sie die Erde, die sich vom Müll der Menschheit befreit, der sie immer mehr umschlingt. Ein anderer sieht wahrscheinlich nur eine interessante Kunstform. Ein dritter kann damit nichts anfangen. Das selbstzerreißende Tun aus diesem eng umschlungenen Plastikstreifen zu kommen, wie die Bewegungskünstlerin Raffaela Naruhn es gemacht hat, war sehr bewundernswert:
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Mina und die Mandragora – Schnecke (hängt bei mir)
Daniela Nennstiel und ich ruhen uns aus
Gilda Bräuer verkauft Kunst-Memory I Foto: Claudia Brüggemeier
Golian Ezdin hatte mein besonderes Augenmerk bekommen. Sie stellte kürzlich in der Martinskirche aus. Selbst 2014 mit der Familie vor dem IS aus dem Irak geflüchtet, macht sie Flucht, Vertreibung und die Rolle der Frau in Zeiten von Krieg und Gewalt zum Thema ihrer Bilder. Ihr Bild „Geduld“, hängt nun bei meiner Frau im Büro.
Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn so eine Art der Ausstellung im ganzen Ruhrgebiet in jeder Stadt durchgeführt werden könnte, damit die jeweilige städtische Kunst in kleinem Rahmen ganz groß ins Gespräch kommt, nicht nur am Tag der Extraschicht. „Extranachtschicht“ mit mehr als 500 Kunstwerken allein in Bottrop. Das war was ganz Besonderes!
Zur Kunst muss man eben gehen. Sie muss weiter gefördert werden. Ohne Höhlenmalerei in der Steinzeit, heute keine Nacht der 1000 Bilder, egal wo! Sie kann Sehnsucht, Heimat, Fernweh, Schönheit, Mathematik uvm. zeigen, zu Diskussion und Horizonterweiterung dienen.
Alles in Allem eine gelungene Sache mit heißen Typen und cooler Kunst! Gerne mehr davon überall!
Viele Fotos habe ich nicht gemacht, weil ich selbst ständig im Gespräch war.
Mit diesem Beitrag, einem Podcast und der Stolperstein-Saubermach-Aktion möchte ich Paul Borek eine besondere Ehre zu Teil werden lassen, der bei der „Aktion T4“ von den Nationalsozialisten 1941 ermordet wurde in Hadamar.
Die Stolpersteinverlegung am 16.12.2024 war die Zweite, der ich zumindest in Bottrop beigewohnt hatte. Dort verlas der Oberbürgermeister seine Rede, während Gunter Demnig persönlich den Stolperstein für Paul Borek auf der Holtfortstraße 35 in Bottrop verlegte. Schüler und Schülerinnen der Willy-Brandt-Gesamtschule Abschlussklasse Q1 und der Familie von Paul Borek, die bis 2022 nicht genau wußten, was mit ihm geschehen war, trugen ihre gesammelten Informationen zu Paul Borek und der Familie Karp vor.
Short / Teaser zur Stolpersteinverlegung Paul Borek:
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Die Schüler und Schülerinnen hatten mit ihrem Lehrer Christopher Kühne das Thema Erinnerungskultur und die Stolpersteine durchgesprochen und forschten nach Personen, die noch keinen bekommen haben. Emily Bentz traf dabei in der eigenen Familienchronik auf den Namen Paul Borek, der verwandtschaftlich mit ihr verbunden ist, aber über dessen Schicksal keiner so genau Bescheid wußte. Es gab kein Todesfalldatum oder ein Foto.
Nach der Verlegung habe ich mich mit der Klasse in Verbindung gesetzt, um einen Podcast mit ihnen zu machen, dem sie bereitwillig zustimmten.
Oberbürgermeister von Bottrop Bernd Tischler kurz vor der Verlegung
Leon Tanten, Marlon Bochenek, Nico Zielinski, Nele Haibach, Louis Kanzler, Timo Baron, Annika Plöge, Emily Bentz und ihr Lehrer Christopher Kühne erzählten über ihre Recherchen, wie sie auf Paul Borek gestoßen sind. Sie erzählen, wie sie auf den ein oder anderen Stolperstein „gestolpert“ sind und sich gefragt haben, wofür diese Steine stehen und warum dort Namen mit Daten darauf stehen. Die Steine regen zum Nachdenken an über die Opfer und auch über die Zeit in der sie lebten. Im Religionsunterricht bei Christopher Kühne zum Thema Kirche in der NS-Zeit besprochen.
Meine verschiedenen Fragen bekamen interessante Antworten von der jungen Generation und wie sie damit auch in Zukunft mit ihren eigenen Kindern umgehen werden.
Sie fanden alle das ein Denkmal eher zu allgemein wäre, als ein Stolperstein, der ein persönliches Schicksal aufzeigen kann.
Was war der Anreiz einen Stolperstein zu verlegen?
Lehrer Christopher Kühne hat das Projekt „Stolpersteine“ schon länger gekannt. Es wollte etwas als Projekt „haftbar“ machen im Bereich der Erinnerungskultur. So fand er es toll, dass er dadurch mit den Schüler und Schülerinnen gemeinsam einen Stolperstein initialisieren konnte.
Die Klasse machte sich erstmal schlau, wie man Pate eines Stolpersteins wird und wie Recherchen zu einer Person bzw. Opfers ablaufen. In der Biographie von Paul Borek gab es Lücken, die nie aufgearbeitet wurden, die Emily Bentz als entfernte Verwandte aufgefallen ist.
Der Anfang ist immer im Stadtarchiv der jeweiligen Stadt zu finden, wo das Opfer geboren wurde. Dort finden sich auch Informationen über Deportierte oder ermordete Personen, wenn die Unterlagen erhalten blieben.
Bei den Recherchen trafen die Schüler und Schülerinnen auch auf die Familie Karp, die noch keinen Stolperstein bekommen haben. Es war für alle erstaunlich, dass nach über 80 Jahren immer noch Menschen gefunden werden, die durch die Nationalsozialisten umgebracht, gefoltert, interniert wurden oder ins Exil gingen.
Für die Projektarbeit opferten die Schüler und Schülerinnen ihre Freizeit, denn es war mehr Arbeit als gedacht. Es gab keine Biographie von Paul Borek oder über die Familie Karp. Sie musste erst recherchiert werden. Für die Kostenübernahme für die Herstellung und Verlegung der jeweiligen Stolpersteine von Paul Borek und der Familie Karp wurden private Firmen angesprochen. Der Stolperstein für Ruth Karp finanzierte z.B. die Brauerei „Bottroper Bier“.
Die Schüler und Schülerinnen haben auch selbst gesammelt innerhalb der Gesamtschule und der Lehrerschaft. Es gab sehr viel Zuspruch von allen Schülern und Schülerinnen bei der Sammelaktion und zu dem Projekt. Alle sind der Meinung, dass die Erinnerungskultur als Teil der Geschichte erhalten bleiben muss.
In dem Podcast habe ich mich inhaltlich aber mehr mit Paul Borek befasst und über die Recherchen und auch Gefühle, die die Schüler und Schülerinnen beim Recherchieren hatten und was für sie die Erinnerungskultur bedeutet.
Wie und wo wohnte Paul Borek?
Die historische Zechensiedlung des Bergwerks Prosper III in der Holtfortstraße 35 in Bottrop wird höchstwahrscheinlich heute fast genauso aussehen, wie sie damals ausgesehen haben mag, als Paul Borek hier groß wurde, bevor er in die Lehre als Anstreicher ins Münsterland ging und anschließend in die Heilanstalten, aus der er nicht mehr wiederkam. Ein Video zum Stolperstein durch das Saubermachen des Steins und einer Schweigeminute darin soll Paul Borek besonders würdigen und für die Euthanasie-Opfer stehen, die in Europa durch die Rassenwahnideen der Nationalsozialisten zu Tode gekommen sind.
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FOTOS zur Holtfortstraße, dem Wohnort von Paul Borek in Bottrop:
Sicht vom Stolperstein in Richtung Nordring
Vor meiner Saubermach-Aktion am 15.3.24
Was ist Aktion T4?
Nach 1945 ist diese Bezeichnung für den systematischen Massenmord an mehr als 70000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen in Deutschland von 1940 bis 1941 unter der Leitung der Zentraldienststelle T4 in Berlin, Tiergartenstraße 4, verwendet worden.
Insgesamt sind unter den rassenhygienischen Vorstellungen der Eugenik um die 200000 Menschen umgebracht worden. Sie waren für die Kriegswirtschaft nicht wichtig und für eine starke Volkswirtschaft in den Augen der Nationalsozialisten ein Klotz am Bein.
Familienangehörige bekamen in den Todesnachrichten die Information, dass sie an einer Lungenentzündung oder Herzinfarkt gestorben waren.
Für die Nationalsozialisten war eine „Höherzüchtung“ der „arischen Rasse“ ein wichtiges ideologisches Ziel. Um dies zu erreichen gab es neben der Vernichtung jüdischen Lebens auch die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ wichtig und wurde nach Aktenlage durch ärztliche Gutachten entschieden.
Schon kurz nach der Machtergreifung durch Adolf Hitlers NSDAP wurde am 14. Juli 1933 ein erstes Gesetz verabschiedet, das eine erzwungene Sterilisation von Menschen erblichen Krankheiten vorsah. Diese Geschichte der Zwangssterilisation von 400000 Männer und Frauen, wobei 6000 Menschen zu Tode kamen, ist noch heute wenig bekannt.
(Text aus dem Stadtarchiv Bottrop von Emily Bentz, Annika Plöger, Louis Kanzler, Timo Baron, Schüler und Schülerinnen der Willy-Brandt-Gesamtschule Q1. Mit freundlicher Genehmigung zur Bereitstellung in meinem Blog vom Stadtarchiv Bottrop von Heike Biskup, Link: Paul Borek | Stadt Bottrop)
Patenschaft
Patenschaft für den Stolperstein: Familie Borek Verlegung des Stolpersteins: 16. Dezember 2023
Leben
Paul Borek wurde am 19. Mai 1905 in Bottrop geboren. Er war das zehnte Kind des Bergmanns Alois Borek und seiner Frau Franziska, geb. Skrzyschowski. Seine Eltern waren Mitte der 1890er Jahre wie so viele Oberschlesier auf der Suche nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen ins Ruhrgebiet gekommen. Sie stammten aus Godów im Kreis Rybnik und kamen mit zwei kleinen Söhnen nach Bottrop. Dort wurden alle weiteren zwölf Kinder geboren.
Einige seiner Brüder folgten dem Beispiel des Vaters und wurden Bergmann. Paul dagegen verschlug es nach der Schulzeit im Jahre 1923 ins Münsterland. Zunächst arbeitete er zwei Jahre als landwirtschaftlicher Arbeiter bei einem Bauern in Lembeck. Anschließend absolvierte er in Groß Reken eine „Anstreicherlehre“, die er am 13. März 1928 mit der Gesellenprüfung abschloss. Seine bereits in Lembeck aufgefallene besonders fromme Lebensweise soll sich in dieser Zeit durch die Teilnahme an Exerzitien, also geistlichen Übungen, verstärkt haben.
Anfang Mai 1928 zeigten sich erstmalig Krankheitsanzeichen: Während der Malerarbeiten in einem Krankenhaus teilte er einem zufällig vorbeikommenden Pater mit, dass er umgehend in ein Kloster eintreten wolle. Als dieser den Wunsch mit einem Scherz erwiderte, legte Paul umgehend die Arbeit nieder und fuhr zu seinen Eltern nach Bottrop. Nach einer Untersuchung im dortigen Marienhospital wurde er am 1. Juni 1928 mit der Diagnose Schizophrenie in die Provinzialheilanstalt Warstein i. W. eingewiesen. Sein Vater und einer seiner Brüder, der Polizeiwachtmeister war, begleiteten ihn.
Bereits bei der Einlieferung war Pauls körperliche Verfassung nicht gut gewesen: er wurde als „mittelgroßer Mann in reduziertem Ernährungszustand“ beschrieben. Zunehmend verschlechterte sich in der Heilanstalt nicht nur sein körperlicher, sondern auch sein als psychischer Zustand: zunehmend desorientiert und verhaltensauffällig, zeigte er sich entweder aggressiv oder sehr in sich gekehrt. Seiner im Bundesarchiv verwahrten Patientenakte ist zu entnehmen, dass seine Familie ihn trotz der Entfernung zumindest bis Ende der 1930er Jahre in Warstein regelmäßig besuchte sowie Pakete und Briefe schickte. Paul reagierte auf alle Formen der Kontaktaufnahme zunächst erfreut, verfiel aber regelmäßig sehr schnell in einen teilnahmslosen Zustand.
Ab 1938 mehrten sich die Einträge in der Krankenakte, dass er ein „Dauerfall“ sei und die zuvor detailliert erfassten Beschreibungen zum Verhalten und zur Verfassung des Patienten nahmen merklich ab.
Am 14. Juli 1941 wurde er in die „Zwischenanstalt“ Weilmünster verlegt. Mit diesem Eintrag endet seine Krankenakte aus Warstein. Wie die weiteren Recherchen ergaben, wurde er mit einem der letzten Transporte von Weilmünster am 21. August 1941 nach Hadamar deportiert, wo er umgehend ermordet wurde. Sein Name ist im „Gedenkbuch zur Erinnerung an die 1941-1945 in der Tötungsanstalt Hadamar Ermordeten“ verzeichnet.
Ein Neffe Pauls hatte bereits seit den 1980er Jahren die Familiengeschichte erforscht, diverse Treffen der weitverzweigten Familie initiiert und alle Informationen in Buchform zusammengestellt. Zu Paul gab es keinerlei Informationen, so dass im Stammbaum lediglich sein Name verzeichnet war. Als eine Großnichte im Frühjahr 2021 zufällig auf die T4 Liste mit Pauls Namen stieß, war die Verwunderung groß. Keiner seiner Brüder oder Schwestern hatte je ein Wort über sein Schicksal verloren, obwohl viele ihn in der Heilanstalt in Warstein besucht hatten. So kannten die nachfolgenden Generationen nur die Erzählung, dass es einen (Groß-)Onkel gegeben hätte, der „wohl sehr fromm gewesen sei und der bereits als Jugendlicher gestorben“ wäre.
Seit 2022 ist nunmehr nicht mehr nur sein Name, sondern auch seine Lebensgeschichte im Stammbaum der Familie verankert.
Text: Emily Bentz, Annika Plöger, Louis Kanzler und Timo Baron; SchülerInnen der Jahrgangsstufe Q1 der Willy-Brandt-Gesamtschule Bottrop im Schuljahr 2022/2023 in Zusammenarbeit mit Cornelia und Rudolf Borek
Literatur und Quellen
Bundesarchiv, Bestand R 179 Kanzlei des Führers, Hauptamt II b, Patientenakte Provinzialheilanstalt Warstein i. W., R 179/23794.
LWV-Gedenkstätte Hadamar: Gedenkbuch zur Erinnerung an die Ermordeten der nationalsozialistischen „Euthanasie“ in der Tötungsanstalt Hadamar (https://www.gedenkstaette-hadamar.de/besuch/ausstellungen/, abgerufen am 23. Juni 2023).
Bernd Walter: Psychiatrie und Gesellschaft in der Moderne. Geisteskrankenfürsorge in der Provinz Westfalen zwischen Kaiserreich und NS-Regime, Paderborn 1996.
Landeswohlfahrtsverband Hessen (Hg.): Verlegt nach Hadamar. Die Geschichte einer NS-„Euthanasie“-Anstalt, Kassel 2009.
Mit freundlicher Genehmigung hier die Originalrede von Oberbürgermeister Bernd Tischler, die von ihm verlesen wurde bei der Stolpersteinverlegung Paul Borek:
Rede des Herrn Oberbürgermeisters Tischler
anlässlich der Verlegung neuer Stolpersteine in
Bottrop am Samstag, dem 16.12.2023 um 13.45 Uhr
auf der Holtfortstraße 35
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrter Herr Demnig (Künstler, verlegt die Stolpersteine),
sehr geehrter Herr Bürgermeister Strehl,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Presse,
meine Damen und Herren,
heute werden erneut Stolpersteine bei uns in Bottrop
verlegt. Damit wollen wir die Erinnerungskultur in unserer
Stadt lebendig halten und auch 78 Jahre nach dem Ende
der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus der
Opfer gedenken.
Dazu gehören unter anderem Isaak und Pepi Scheiner
sowie ihre Tochter Hildegard, Fanny Glinert, Samuel und
Scheindla Karp sowie ihre Kinder Mundyk, Max, Anna und
Ruth. Außerdem gedenken wir heute auch Elisabeth
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Bernhardine Spettmann, Alois Saffert und Paul Borek.
Letzterer hat hier, auf der Holtfortstraße 35, gewohnt.
Die Patenschaften für die verschiedenen Stolpersteine
wurden sowohl von Einzelpersonen als auch von
Institutionen und Gruppen von Menschen übernommen.
Das freut mich sehr, denn es zeigt, dass in unserer Stadt
die Erinnerungskultur und das Bewusstsein für die
Vergangenheit nicht nur lebendig sind, sondern über
Generationen hinweg getragen und fortgeführt werden.
Insbesondere die Willy-Brandt-Gesamtschule und das
Berufskolleg Bottrop zeigen mit ihrem Engagement, dass
sich auch junge Menschen mit der Geschichte befassen,
sich für die Vergangenheit interessieren und sich mit ihr
auseinandersetzen. Das ist gut und richtig so, denn nur
dadurch können wir sicherstellen, dass auch in Zukunft
das Bewusstsein für die Gräuel der Nazizeit lebendig
bleibt und das ist letztlich ein wichtiger Faktor, wenn es
darum geht zu verhindern, dass sich die Geschichte
jemals wiederholt.
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Meine Damen und Herren,
unzählige Menschen fielen der NS-Diktatur zum Opfer.
Dabei passiert es schnell, dass Einzelschicksale in der
schieren Menge der Gesamtzahl aller Opfer
verschwinden. Gerade auch deshalb gibt es die
Stolpersteine. Sie holen die Menschen aus der Anonymität
der Masse heraus und geben ihnen ihren Namen und
somit auch ihre Geschichte zurück. „Ein Stein. Ein Name.
Ein Mensch“, das kann man gewissermaßen als Motto
Ihrer Arbeit mit den Stolpersteinen verstehen, sehr
geehrter Herr Demnig. Und darin liegen der besondere
Wert und die Bedeutung der Stolpersteine, denn sie
erinnern uns an Schicksale, die wir nicht vergessen
dürfen.
Ich danke einmal mehr allen, die eine Patenschaft für
einen Stolperstein übernommen haben. Dieses
Engagement ist wichtig und es ist schön zu sehen, dass
sich immer wieder Patinnen und Paten für neue
Stolpersteine finden. Und auch Ihnen, sehr geehrter Herr
Demnig, möchte ich danken. Was Sie vor mittlerweile 27
Jahren mit der Verlegung Ihres ersten Stolpersteins
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angestoßen haben, hat sich über die Jahre zu einem
wichtigen Projekt der Erinnerungskultur und des Umgangs
mit der Zeit des Nationalsozialismus entwickelt.
Abschließend möchte ich noch auf eine Veranstaltung
heute Abend hinweisen. Um 18.00 Uhr wird Herr Demnig
im Kammerkonzertsaal des Kulturzentrums August
Everding in der Blumenstraße einen Vortrag unter dem
Motto „Stolpersteine – Spuren und Wege“ halten.
Der Eintritt ist frei, Interessentinnen und Interessenten
sind herzlich willkommen.
Ihnen allen noch einen schönen Nachmittag und ein
herzliches Glückauf.
Stolperstein Paul Borek neu verlegt am 16.12.23
Hinweis: Im ersten Stolperstein-Podcast ist der komplette Vortrag von Gunter Demnig zu hören:
Paul Borek passte nicht ins Weltbild der Nationalsozialistischen Ideologie und rechten Terrors. Deswegen wurde er am 21.8.1941 ermordet.
Mit den Videos und Podcast zu den Stolpersteinen im Ruhrgebiet, aus deren Region ich berichte als Blogger, will ich die Erinnerungskultur auf eine besondere Art und Weise hochhalten und immer wieder darauf hinweisen, dass keine Partei, wie die AFD einen Schritt unternehmen darf, einen Schlussstrich unter die Erinnerungskultur zu ziehen. Kein Opfer des deutschen Nationalsozialismus unter Adolf Hitler darf klein geredet werden.
Alle Opfer, ob mit oder ohne Stolperstein, nicht nur im Ruhrgebiet, waren Menschen unter Menschen. Ihnen gebührt mehr Aufmerksamkeit um nicht zu vergessen, was Rassenwahn, Eugenik , Roma-, Sinti- und Judenhass bis in die heutige Zeit Leid auf der ganzen Welt verursacht, damit es sich nicht wiederholt.
RUHE IN FRIEDEN PAUL BOREK !
NIE WIEDER IST JETZT!
GLÜCK AUF
Ruhrpottologe André Brune
P.S.: Abonniert meinen Newsletter. Hier werdet ihr immer wieder einen weiteren Stolperstein bzw. ein Opfer des Nationalsozialismus nachlesen, hören und sehen.
Nur einige Stunden konnten ca 50 Besucher, darunter auch einige Künstler des Bottroper Künstler Kollektivs die Bilder von Dirk Max Schwaertzel im Art Space von Carsten Breuer in Bottrop sehen.
Doch diese wenigen Stunden hinterließen einige vielfältige Spuren in meinem Kopf. Nicht nur die fesselnde Interpretation der Bilder des Dortmunder Künstlers und Industriedesigner durch den Kunstakademiker und Schriftsteller Frank Schablewski. Er zog auch die Bilder von Carsten Breuer ein. Das Bild von Trump als weibliche Person fand ich besonders genial. Die Ausführungen von Frank Schablewski konnten die Sichtweise auf die Welt der Kunst dieser Bilder ändern, wie bei mir.
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Ein unglaubliches Wissen hat Moderator, Kunstakademiker und Schriftsteller Frank Schablewski
Frank Schablewski debütierte mit dem Gedichtband Süßholzköpfe 1998 und hier komme ich zu einem „Süßholzraspler“, der uns alle durch seine besonderen Ausführungen zu einem bunten Kochtopf der Malkunst von Dirk Max Schwaertzel einlädt.
Short:
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Paul Schulte vom Künstler Kollektiv Bottrop betrachtet mit seiner Frau die Bilder
Meine tolle Samsung Smartphone Kamera konnte die Bilder nicht mal ganz wahrnehmen. Die mathematische Genauigkeit mit Acrylleinwand, Ölfarben und Blattgold ließ die Kameralinse genauso, wie unsere Augen an bestimmten Stellen hängen, um einen Sprung zu machen, um wieder genauer hinzusehen.
Das „Tasmanien Shallow“ zog mich in den Bann. Ich wurde förmlich am blattgoldenen Strand Tasmaniens eingesogen, um an einem Berg, der von vorn nicht gleich zu erkennen war, wieder herausgespuckt zu werden. Allein 5406 Mosaiken zieren das Bild, auf dem die Gravuren um die Mosaiken eher wie Lavaströme zu sehen sind. Das verwendete Blattgold und die Ölfarben sind in ihrer Farbgebung einfach ein Wahnsinn.
Genauso haben mich die „einfachen“ Bilder einer roten Atombombe und einer hochgereckten schwarzen Faust beeindruckt. Kaum hat der Künstler einen „Faden“ seiner Farbe genommen und kreisrund abgezogen, erschien im Vordergrund Marylin Monroe, die „Sexbombe“, die sie nun bildlich darstellt und Mohamed Ali, der nicht nur Boxer war, sondern auch die unterdrückten Schwarzen in den USA unterstützte. Beide haben in der Kunst durch Dirk Max Schwaertzel ihre in ihrer Zeit liegenden Markenzeichen im Hintergrund ihres Portraits bekommen.
Leider hatte ich keine Gelegenheit mit dem Künstler über die Art und Weise zu sprechen, wie er es gemacht hat. Es war einfach nur genial. Ich hoffe, es gibt mal eine Möglichkeit das nachzuholen. Von Gilda Bräuer und Paul Schulte erfuhr ich nachträglich jedoch die Kunst der „Spiralportraits“:
Das Portrait wird als Spirallinienraster aus selbstklebender Folie geschnitten. Die Farbe ist egal. Diese Folie wird auf den Keilrahmen geklebt. Dann wird eine Spirallinie abgezogen. Danach wird das endgütlige Bild gemalt, sowohl auf den Malgrund als auch auf die andere Folien. Wenn diese entfernt wird, wird das Portrait sichtbar.
Aus der schwarzen Ursprungsfläche die Portraits wahrzunehmen wird das Prinzip des Zeitungsdrucks genutzt. Hier wird spiralförmig eine Linie von innen nach außen statt Punkte geführt.
Bereiche mit breiterer schwarzer Linie wirken dunkel, die mit feiner Linie heller. Die Linie wird mit Hilfe eines Cutters aus der geschwärzten Folie als Spirale geschnitten. Es gibt dabei die Information an den Cutter, wo die Linie breiter und schmaler sein muss. Die Spirale lässt uns abschließend das Gesicht erkennen.
Das Ruhrgebiet war hier in seiner reinsten Kunstform am Ort. Der Ruhrpott ist wirklich mehr als nur Vielfalt. Es ist bunt, voller Ideen und auch für die Wohnzimmerwand in fernen Ländern, wie z.B. in Tasmanien.
Großartige naturgewaltige Kunst, die an einem Abend im Art Space des Künstlers Carsten Breuer gezeigt wurde.
Die umstrittene Figur Trump… Beeindruckendes Werk von Carsten Breuer
In Bottrop findet erstmalig „Die Nacht der 1000 Bilder“ statt. Kein Bild teurer als 49 € ist das Stichwort für die erste Verkaufsausstellung der Kunstwerke präsentiert von 50 Künstler und Künstlerinnen aus Bottrop und Umgebung, aus verschiedenen Genres und Stilrichtungen im „The Artspace“, der Galerie von Carsten Breuer.
Short vom Aufbau:
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Von abstrakter Malerei bis hin zu fotografischen Meisterwerken bietet die Ausstellung den Besuchern eine einzigartige Reise durch die Welt der Kunst aus Bottrop und Umgebung, inklusive einige hochwertige Fotos auf Acryl, Aluminium oder Leinwand meiner Fotoreihen.
Nicht nur in die kreative Vision jedes einzelnen Werkes kann eingetaucht werden. Jede Größe und Form ist dabei. Alle Künstler und Künstlerinnen können vor Ort kennengelernt werden und zu ihren Kunstwerken etwas erzählen.
Ralf Opiol hatte die Idee in einer Nacht kollektiv mit anderen Künstlern 1000 Bilder in seiner Heimatstadt Bottrop zu zeigen. Mit Nolin Wischermann, mit dem er zusammen den Bottrop.Art.Award vor zwei Jahren kreiert hatte, planten sie die Veranstaltung. In der Zusammenarbeit mit dem Essener Künstler Carsten Breuer in dessen großen Atelier „The Artspace“ wurde der Plan verwirklicht. Künstler und Künstlerinnen im neu entwickelten „Künstler Kollektiv Bottrop“ wurden eingeladen mitzumachen. So fanden sich 50 talentierte und auch bekannte Namen aus Bottrop und Nachbarstädten, wie u.a. Frank Gebauer, Gilda Bräuer, Catharina Lindeskov, Felix Amadeus Flick-Hofmann, Caro Kernspecht, Brigitte Münch, Rebecca Bujnowski, Paul Schulte, Ralf Opiol und Nolin Wischermann selbst und viele andere besondere Künstler (alle sind auf dem Foto zu lesen) sind nun dabei um 22 Stunden lang ihre Kunstwerke verkaufen zu können. Auch der Gewinner des Bottrop.Art.Award David Landgraf ist mit grandiosen Porträtzeichnungen dabei.
Wo?
The Artspace
Atelier von Carsten Breuer
Im Fuhlenbrock 168
Bottrop – Fuhlenbrock
Wer meine Motive aus der Fotoreihe „Flaschengefühle“, dem Kunstprojekt „Gegen die Vermüllung der Stadt“, erwirbt, der spendet die kompletten Erlöse an den Verein „Waldfegen e.V.“ in Bottrop, die einmal im Monat für eine saubere Stadt an bestimmten Orten eine Säuberungsaktion durchführen.
Außerdem habe ich auch Motive aus meiner Fotoreihe „Regenscheibe“ und auch aus dem Bottrop Kalender 2024 vor Ort drucken lassen. Kommt vorbei! Ihr lernt alle Künstler und Künstlerinnen kennen. Ihr könnt mit ihnen lamentieren und bei ihnen die Bilder kaufen!
Vor dem Start der Veranstaltung eklärt Ralf Opiol die Nacht der 1000 Bilder
49 € ist die Hürde, die für alle Kunstwerke eingebaut wurde, als Grenze, mit der dann beide Seiten leben können und sollten, wenn etwas gefällt. Und ganz ehrlich, da hängen Bilder, die mehr Geld verdient hätten.
Ausstellungen sind ja eigentlich auch „Verkaufsausstellungen“. Aber die wenigsten gehen hin, um sich ein Bild anzusehen, um es zu kaufen. Das muss es auch nicht. Hier in dieser besonderen Privatveranstaltung, ist jeder herzlich eingeladen zu schauen, vielleicht mit den Künstlern zu sprechen und die Bilder vor Ort auf sich wirken zu lassen. Wenn dann doch am Ende gekauft wird, umso schöner ist es, dass es 22 Stunden lang eine Nacht der 1000 Bilder gegeben hat, die dann für jeden einzelnen Künstler und Künstlerin als positives Erlebnis in Erinnerung bleiben wird und es wahrscheinlich in der Form nochmal wiederholt wird.
Und wenn nichts verkauft wird, dann war man da, hat ausgestellt und es gab Bewunderer oder Menschen, die über die Bilder zumindest diskutieren nach dem Besuch. Auch das gehört dazu bei einer Ausstellung. Also kommt gucken und kauft, wenn ihr etwas findet. Hier im Artspace, das dankenswerter Weise von Carsten Breuer zur Verfügung gestellt wird, wird es bestimmt interessant werden! Alle freuen sich auf die Besucher!
Wir sehen uns! Glück auf!
P.S.: Die „Nacht der 1000 Bilder“ ist eine Privatveranstaltung!
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Ingeborg Ader ist 91 Jahre alt. Erst kürzlich hat sie wieder ein Bild fertig gestellt, auch wenn die Hände es nicht mehr so können. Sie ist eine von mit Sicherheit vielen Künstlern, die für die Schublade malen bzw. gemalt haben, deren Werke der Öffentlichkeit nie gezeigt wurden oder gezeigt werden. Ich ändere es mit diesem Beitrag mit ihrer Erlaubnis.
Audio – Aufnahme mit ihrer Erlaubnis:
Ingeborg Ader vor ihrem zuletzt gemalten Kunstwerk (mittig)
Es gibt unterschiedliche Gründe, warum talentierte Künstler und Künstlerinnen ihre Werke nicht der Öffentlichkeit zeigen möchten. Ingeborg Ader hat mir erlaubt ihre in den letzten Jahrzehnten gemalten Bilder der Öffentlichkeit zu zeigen in meinem Blog.
Ihr Haus wirkt wie eine Galerie. Bunte Bilder, die entweder an Urlaubsorte oder vergangenen Zeiten erinnern, auch religiöse Motive hängen an den Wänden. Die Stilrichtung ist eine Mischung aus Impressionismus, Landschaftsmalerei und Naive Malerei. Das eine könnte ein Monet sein, das andere ein Chagall, aber es ist jeweils ein Ader.
Mit 50 fing Ingeborg Ader erst an zu malen. Sie hatte immer den Drang zu malen, hat es aber nie wirklich machen wollen oder können. Heute ist sie 91 und die Hände sind nicht mehr so willig, wie sie waren.
Der Lauf des Lebens macht vielen den Strich durch das Talent, was in einem schlummert. Die Erziehung von drei Kindern und einen Bergmann zu versorgen plus das Haus in Ordnung zu halten gingen vor. Da bleibt für einen selbst kaum Zeit. Doch irgendwann ist alles anders. Ingeborg Ader suchte nach einer Abwechslung. Das Malen war eine Möglichkeit aus diesem normalen Leben auszubrechen und ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen.
Von der oberen Etage bis in den Keller hängen Bilder, die auch in einem Museum hängen könnten. Ob das kleine Ölbild von Neuschwanstein oder das Abendmahl, das im Schlafzimmer hängt, neben jede Menge anderen Motiven.
Strandspaziergang der Eltern?
Ich bewundere die alte Dame, die von ihren Bildern schwärmt und fand es wichtig ihre Bilder zeigen zu dürfen. Vielleicht animiere ich dazu auch andere aus dem Schneckenhaus zu kommen. Einfach zeigen, was man kann ohne Scham. Ob es etwas wert ist spielt keine Rolle. Ob Anerkennung oder nicht, ist auch nicht wichtig. Der Wille es zu zeigen, was man aus Überzeugung macht, was Spaß macht oder Hobby ist, kann für den ein oder anderen auch zur Passion werden und sogar Berufung. Also keine Scheu!
Ingeborg Ader freut sich doch noch ein kleines bisschen Anerkennung zu bekommen von jemanden, der es wichtig findet diese Anerkennung anderen auch zu zeigen. So ist das Ruhrgebiet, so ist der Ruhrpottologe.
Sie hat ihren ersten Mann verloren an einem Tumor. Er war 24. Mit ihrem zweiten Mann und den Kindern aus der ersten Ehe hat sie eine glückliche zweite Jahreszeit fünfzig Jahre lang mit ihm gehabt.
Zum Malen kam sie über einen Krankenhausaufenthalt. Eine jüngere Patientin im Krankenzimmer war Grafikerin und Illustratorin und malte. Ingeborg Ader hat sich sehr für ihre Arbeiten interessiert. Die kranke Bettnachbarin animierte sie es doch auch mit Malen zu versuchen. Ingeborg Ader hat es sich nicht vorstellen können zu malen. Doch der innere Drang und die Neugier es auszuprobieren war größer.
Die gebürtige Essenerin fing mit Porträts an und arbeitete sich durch verschiedene Stilrichtungen. Sie entwickelte Spaß an der Kunst ohne daran zu denken die Werke zu veröffentlichen.
Erst mit meinem Besuch und meine Faszination ihrer Erzählung über die Bilder, die überall im Haus hingen, war sie bereit sich dafür zu öffnen. Bei meinem zweiten Besuch freute sie sich zu hören, dass nun ihre Freundin auf Gran Canaria die Bilder nun auch sehen kann, die sonst nur aus Telefongesprächen erfahren konnte, was tausende Kilometer entfernt in einem kleinen alten Haus einer alten Freundin so passiert.
In manchen Bildern sind schöne Urlaubserinnerungen abgebildet. Bottroper Motive sind ebenfalls zu finden. Die Hochstraße mit der Cyriakuskirche und dem Domcafé, worüber ich selbst meine Kindheit verbracht habe und groß wurde, bis ich 1995 nach Bochum zog. Wie klein die Welt doch ist.
Hochstraße mit Cyriakuskirche und Domcafe
Gaststätte Overbeckshof
Der Overbeckshof hatte immer große Hochzeiten ausgetragen. Der Stadtpark ist bis heute ein Hochzeitsmotiv, so auch ein Motiv ihrer Malarbeiten geworden.
Malen ist für Ingeborg Ader ein Hobby, aber vielleicht auch ein Festhalten schöner Erinnerungen, gerade, wenn das Leben nicht so rosig war und ein früher Tod eine Rolle in ihrem Leben spielte, der sie psychisch belastete.
Malen kann eine Katharsis sein für Menschen, ein Ausdruck, Innehalten, Meditation oder auch Mitteilen. Wer über sich hinauswachsen will, ohne einen geldlichen Hintergedanken zu haben, der kann genauso seine Bilder zeigen. Das heißt nicht, dass sie ohne Wert auch verkauft werden können, denn das wertet jedes Bild natürlich auf. Zu wissen, dass ein eigenes Bild irgendwo hängt.
Ob sie gut oder schlecht sind, das sollte niemand selbst beurteilen, denn Kunst beurteilen andere für sich. Die Betrachter entscheiden je nach Geschmack, ob es sehenswert ist oder nicht. In der modernen Kunst ist es wie mit Schuhen. Die einen sehen schick aus, sind aber nicht zu tragen. Die anderen sind klobig und nicht schön, aber sie haben eine Bequemlichkeit. So sind auch Bilder. Das eine ist für den anderen schön, mit dem anderen kann die weitere Person nichts anfangen. So ist es mit allen Dingen. Deswegen freue ich mich, dass ich die Kunst von Ingeborg Ader nach außen bringen konnte. Die Betrachter können entscheiden, ob sie es schön finden oder nicht.
Beachtlich ist jedoch trotzdem, dass Ingeborg Ader immer noch mit Freude malt. Und es ist toll, dass sie nun weltweit zu sehen ist in einer virtuellen Ausstellung bei mir dem Ruhrpottologen.
Aber einen bitteren Beigeschmack hat die ganze Sache, die ich entdeckt habe. Wenn Sie aus dem Haus raus muss – so hart es klingen mag: Lebendig oder Tod – so sind die Bilder, ihre Kunst, ihre Gedankenwelt mit dem Pinsel aufgemalt in Gefahr. Sie wandern, wie so vieles, was die Nachkommen nicht selbst an die Wand hängen können oder wollen und keinen geldlichen Wert besitzt im Container und somit in den Müll.
Ich beziehe das auf meine eigene Situation und die vieler Nachkommen. Denn es ist wichtig die persönlichen Dinge, egal in welchem Verhältnis man mit den Vorfahren selbst zu klären. Die Dinge, die ungewöhnlich sind, eine Erinnerung haben oder durch die Hand der Person gegangen ist, wohlwollend zu betrachten und genau zu überlegen, ob es doch nicht sinnvoll ist, es zu behalten oder jemanden zu geben, der Spaß daran hat. Dabei kann man mit Gewissheit sagen, dass es jemand bekommt, der Spaß daran hat, wie z.B. eben sich ein Bild aufzuhängen oder einen Kerzenständer hinzustellen oder den alten Sessel zu benutzen, die sonst alle auf den Müll landen würden.
Ich möchte hiermit einen Aufruf an die Nachkommen machen, darüber nachzudenken, ob es nicht schöner ist, diese Bilder oder einfach irgendwelche Dinge aus einem Haushalt der Vorfahren dann der Nachwelt weiterzugeben. Dieser Aufruf gilt für alle Nachkommen von talentierten Künstler und Künstlerinnen, die ihre Werke im Hausflur, Dachboden oder in der Schublade hängen und liegen haben. Vielleicht einfach für kleines Geld anbieten, das gespendet werden kann, damit es einen Wert hat. Denn jedes einzelne Kunstwerk, ob von Ingeborg Ader oder jemand anderer, der oder die für die Schublade gemalt, geschrieben, gedrechselt, gebaut, gedruckt, gestickt oder gehäkelt hat, sollte gewürdigt werden.
Es muss nicht nur ein Van Gogh überdauern, dessen Kunst zu Lebzeiten nichts wert war, sondern auch ein Stück von unbekannteren Menschen, damit sie in Erinnerung bleiben, so wie die gemalten Bildern von Erinnerungen an Urlaub, Gedanken zur Religion oder Natur von Ingeborg Ader in Szene gesetzt wurde. Und wer weiß, vielleicht ist eins der Bilder von Frau Ader in 100 Jahren 100 Mio Euro wert, wenn es diese Währung noch geben wird.
Ein besonderes Bild ist mir selbst in Erinnerung geblieben, nicht von Frau Ader, sondern von einem Künstler, der schon lange unter der Erde liegt. Ein unbekannter Künstler, ein Schlesier, der in der Nähe von Verdun im ersten Weltkrieg gekämpft hat für die Deutschen, während der Bruder auf der französischen Seite für die Unabhängigkeit Polens kämpfte. Das Bild zeigte eine zerstörte Kirche. Das Bild war grün und grau. Es strahlte eine Besonderheit aus. Irgendwie war in dieser Besonderheit eine gewisse Ruhe trotz der pausenlosen Kampfhandlungen zu sehen.
Ich spürte, dass es eine Beruhigung für den Maler war, gerade dieses Motiv zu wählen. In den schrecklichen Kriegstagen eben an einen Gott zu glauben und ein Leben nach dem Tod statt in diesen Schlachtfeldern. Das Bild habe ich leider nie fotografiert und als ich es wollte, ist die Person, der Großneffe des Malers leider verstorben, so dass ich das Bild nie wieder sehen konnte. Er war ein Mann, der den Vater von Lukas Podolski seit Kindheit kannte und in Polen vor der Auswanderung in den 1980ern besondere Fußballer selbst trainiert hatte. Wo das Bild gelandet ist, weiß ich nicht. Doch ich hoffe, dass es eben nicht auf dem Müll gelandet ist, denn gerade dieses Bild zeigt, wie wichtig es ist, darüber nachzudenken. Ich hätte mir das Bild mit dieser Geschichte an die Wand gehängt.
So wünsche ich Ingeborg Ader noch viel Lebenszeit, um weitere Bilder zu malen, die vielleicht der ein oder andere irgendwann selbst an der eigenen Wand sehen möchte!
Glück auf!
Bildergalerie
Copyright Fotos André Brune – Copyright der Bilder Ingeborg Ader
Nach den Veröffentlichungen der Correctiv-Recherche von den geheimen Plänen von Mitgliedern der AfD, Identitären und der Werteunion, ist es wichtig zu demonstrieren gegen Rechts, gegen die AfD, gegen die Planungen von „Remigration“, gegen das Heraufbeschwören des dunklen deutschen Kapitels der Geschichte mit seinen 60 Mio Toten und 6 Mio vergasten Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, körperlich und geistig Behinderten!
Es wurde Zeit! Zu lange wurde geschwiegen und den Populisten Raum gelassen.Nie wieder ist Jetzt! Für mich FÜR IMMER ! Deswegen habe ich einen Podcast zu den Demos gemacht, denn das Ruhrgebiet ist Bunt, ist Vielfalt, lebt Migration seit Mitte des 19. Jahrhunderts und wäre nicht das, was es heute ist! Deswegen auch eine Aufgabe eines Ruhrpottologen!
Ich nahm an zwei unterschiedlich organisierten Demonstrationen in Bochum und Bottrop teil. In Bochum, meiner Wahlheimat, organisierte am 19.1.24 die „Vereinigten der Verfolgten des Naziregimes“ – Bund der Antifaschisten und Antifaschistinnen eine Demonstration für 500 Menschen, die mit knapp 15000 Teilnehmern den Rahmen sprengte, aber friedlich nach der Kundgebung durch die südliche Innenstadt ging. Einen Tag später war vom „Bündnis Buntes Bottrop“ eine Kundgebung in meiner Heimatstadt Bottrop mit besonderen Reden vom Oberbürgermeister und Migranten, die vieles für das Ruhrgebiet und ihrer Heimatstadt tun und ihre Ängste zu hören. Im Podcast können die Kundgebungen weitgehend gehört werden in ihrer Unterschiedlichkeit, aber mit gleichen Gedanken gegen Rechts.
Zum Podcast:
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BOCHUM – die Demonstration der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
Bei der Kundgebung wurde das Erstarken und die Beweggründe der Identitären Bewegung mitgeteilt, die bei der Geheimen Sitzung in Potsdam teilgenommen hat. Am Ende der Demonstration konnte man ein DINA 4 – Heft mitnehmen, in der diese Bewegung erklärt wird, die in Bochum ebenfalls zu finden ist.
Es wurde die Ampel-Regierung kritisiert, die der AfD in die Hände spiele mit den neuen Gesetzgebungen und damit auch das Asylgesetz aushebele. Sie forderte auf, alle Fahnen der politischen Parteien nach hinten zu gehen. Alle nationalen Fahnen wurden ebenfalls verboten, was deren Recht auch war, auf der von ihnen organisierten Demonstration. Nach einigen Buhrufen wurde es murrend akzeptiert. Niemand ging, sondern zog mit den tausenden Menschen gen Schauspielhaus und zurück.
Der geheime Plan sieht vor rein rechnerisch fast 25 Mio Menschen zu deportieren oder als „kleines Übel“ hinfort zu fegen. Die Herkunft wird nach einer erneuerten Rassengesetzgebung von 1935 eingebaut in die deutsche Gesetzgebung. Darin wird auch Inklusion wieder rückgängig gemacht, Homosexualität verboten, Menschen ohne deutschen Pass oder als Doppelpass zurück in die Heimat geschickt. (Da wäre meine Frau dabei als Polin, die hier Steuern und Sozialbeiträge zahlt, wie soviele Migranten, egal welcher Herkunft!)
In der Kundgebung wurde Björn Höcke kritisiert
Der Fraktionsvorsitzende der AfD in Thüringen Björn Höcke redet von wohltemperierte Grausamkeit und erwähnt eine „Wendezeit“. Zitat: „Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, machen wir Deutschen keine halben Sachen.“
Ein paar Volksteile zu verlieren, die schwach oder nicht Willens sind, ist für ihn keine große Problematik, sondern ein kleines Übel. Ein Mensch, der im Westen der Bundesrepublik Geschichte studiert hat und einen Schlussstrich unter dem Holocaust und seine Erinnerungskultur ziehen will, hat in der heutigen deutschen politischen Situation nichts, aber auch gar nichts zu suchen.
Leugner der Geschichte
Wer Auschwitz verleugnet, auch wenn drei Mal der Hahn gekräht hat, der hat in meinen Augen nicht die Anerkennung als Politiker, sondern gilt für mich als ein Hetzer, der hinter Gittern gehört.
Er wählt seine Worte mit Bedacht, nutzt aber alte Wörter aus dem Nationalsozialistischen Propagandaapparat. Er sammelt Menschen um sich, die scheinbar selbst nicht an die 12-jährige blutige Geschichte glauben oder es verherrlichen. Alles Fake-News wird behauptet. Dokumentationen der öffentlich-rechtlichen Medien sind Lügenpresse etc
Aufruf zur Verantwortung gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus
Es wurde aufgerufen zu einem Zusammen- und Dagegenhalten als Gesellschaft, während die weiße Dystopie geplant wird mit Deportation und einem neuen Reich. Wir haben die Mittel und die Kraft. Wir müssen uns organisieren. Gründet Gruppen, geht in Freizeit- und Kulturvereinen, politischen Bewegung, um gegen die Wurzeln des Faschismus zu kämpfen. Sprecht mit Familien, auf der Uni, in der Schule darüber. Wenn die Opfer des Nationalsozialismus Nie wieder Faschismus sagen, dann ist das die Mutter aller Verantwortung der heutigen Zeit.
Die geheimen faschistischen Pläne sehen laut Correctiv-Recherche vor: Zuerst Geflüchtete, dann mit Menschen mit regulären Aufenthaltsrecht, anschließend mit Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft, die nicht in das Weltbild der Faschisten passen. Wir sind alle hier versammelt, weil wir gemeinsam gegen den Faschismus kämpfen wollen.
Nie wieder ist jetzt! Wir kämpfen schon lange gegen die Ausgrenzung und Entrechtung der Menschen, wurde in Bochum kundgetan. Es folgt ein immer größer werdender Ruf nach mehr Abschiebung und Abschottung. Es geht um Einteilung, wie in Auschwitz. Links die gebraucht werden für die Wirtschaft, rechts für die wir nicht brauchen, obwohl sie verfolgt werden in ihrem Land, falls sie zurück müssen. Es findet seit langem eine Verrohung bei den Diskussionen statt.
Ich war in Auschwitz. Dort sind mehr als 5 Mio Menschen vergast, gefoltert, getötet mit Schußwaffen, einfach verhungert oder an Krankheiten gestorben. Ist das die Zukunft einer demokratisch gewählten Partei, die unsere Demokratie wegwischen will, aber sie bewusst nutzt, um gewählt zu werden, wie es schon die NSDAP gemacht hat, um an die Macht zu kommen?
Video und Statement zur Bochumer Demonstration vom 19.1.24:
Auf dem Podium gab es verschiedene Redner und Rednerinnen, die ihren Unmut und ihre Ängste zu den geheimen Plänen mitgeteilt haben.
Bevor Oberbürgermeister Bernd Tischler eine Rede über die politische Situation hielt, hat der Sprecher des Bündnis Buntes Bottrop Jürgen Buschfeld die Kundgebung mit markigen Worten eröffnet. Oberbürgermeister Bernd Tischler war begeistert von der Anzahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Kundgebung.
Er prangerte das Unwort Remigration an und erinnerte an dunkle Zeiten von 1933 bis 1945 an, wo rechte Kräfte durch ihre politische Gesinnung Menschen verfolgt haben.
„Wir sind heute hier zusammengekommen, um absolut klar und deutlich zu machen, dass wir nicht zulassen werden, das sich sowas wiederholt und nochmals passieren kann. Wir sind mehr, wir sind lauter, gegenüber die, die unsere Demokratie angreifen.“
Oberbürgermeister Bernd Tischler von Bottrop
Er sagte, dass man aktiv wachsam und wehrhaft bleiben muss, um sich gegen solche Angriffe zu verteidigen. Unsere Demokratie, wie wir sie kennen und schätzen, muss geschützt werden. Er zählt in seiner Rede auf die Bottroper und Bottroperinnen in der Mehrheit, dass sie dann wissen, was zu tun sei.
Anschließend sagte aus persönlicher Sicht die Moderatorin und Kreisgruppengeschäftsführerin von der Paritätische Andrea Multmeier, dass ihre Mutter, geboren um Zeitpunkt der Machtergreifung Hitlers zur Demonstration mitkommen wollte.
„Ich weiß, wie die Nazis sind, wie sie waren und ich habe die Zeit nach dem Krieg erlebt,“ sagte die Mutter von Andrea Multmeier in einem Interview mit der Projektmitarbeiterin Sofia Prusko nach der Veranstaltung.
„Schön, dass du da bist, Mama!“ sagte Andrea Multmeier sichtlich bewegt. Das Publikum begleitete das mit tosendem Applaus die Worte. Ich hatte einen Klos im Hals, weil ich an meine vor einem Jahr verstorbene Mutter gedacht hatte, die wahrscheinlich genauso hier gestanden hätte, wenn sie noch leben würde.
Andrea Multmeier las anschließend den Artikel 1 aus dem Grundgesetz vor, dass dieses Jahr 75 Jahre alt wird. Der Artikel 3: Alle Menschen sind gleich vor dem Gesetz (…) wurde von ihr auch nicht ausgelassen.
„Wir wissen das doch alles,“ sagte sie. Aber scheinbar wisse es ein Teil der Gesellschaft nicht mehr. Anschließend bat sie Dana Rashid von der Caritas Bottrop, Hüriyet Yilmaz von der Arbeiterwohlfahrt Gelsenkirchen Fettah Timar, Vorsitzender von der Gesellschaft Deutsch-Kurdische Freundschaft, Irfan Durdu Rechtsanwalt und Arbeitgeber in Bottrop auf die Bühne. Sie alle haben einen Migrationshintergrund und sind tragende Säulen im Arbeitsleben, in der Familie und im gesellschaftlichen Alltag im Ruhrgebiet.
Multmeier fragte: “ Was ging euch durch den Kopf, als ihr von der Correctiv-Recherche gehört habt?
Durdu: „Das kanns wirklich nicht sein. In welcher Dreistigkeit an einem öffentlichen Ort in einer Gastronomie getroffen wird und dort bespricht, wie man Abtransporte organisiert. Mir fehlen die Worte.“
Fettah Timar: „Ich bin 1971 eingereist nach Deutschland. Ich habe alle Etappen der deutschen Geschichte mitbekommen. Anfang 2000 konnte man merken, wie Menschen schlechter behandelt wurden. Die Menschen, die hier hin gekommen sind, haben auch beim Aufschwung geholfen. Wir müssen wach werden. Wir müssen die Gesellschaft aufklären. Wir müssen die Angst ernst nehmen. Man muss aufhören mit AfD-Politik Stimmen zu gewinnen. Wir sind mehr als Ihr!“
Hüriyet Yilmaz aus Gelsenkirchen: „Ich komme aus einer Bergarbeiterfamilie. Meine Heimat ist Deutschland. Kindergarten, Schule und Studium habe ich hier absolviert. Ich begegne Menschen, die Angst haben, dass sie bald abgeschoben werden oder ihre Rente verlieren, obwohl sie hier seit Jahrzehnten leben und gearbeitet haben.“
In einem Dialog, den sie erlebt hatte mit ihrer deutschen Nachbarin, sagte sie, dass die Nachbarin Angst habe vor der AfD. Sie habe den Krieg und das ganze Elend miterlebt und fragte Hüriyet, wieso sie zur Kundgebung nach Bottrop gehe.
„Ich zeige meine Haltung. Ich sage meine Meinung. Ich sage, hier ist meine Heimat,“ antwortete Hüriyet darauf. Die Nachbarin sagte daraufhin: „Ich möchte das nicht noch einmal erleben. Sag auch für mich auch NEIN in Bottrop.“
„Wenn Sie an die Zukunft ihrer Kinder denken. Gehen sie wählen. Machen sie das Kreuz an der richtigen Stelle,“ sagte Hüryiet Yilmaz, bevor Dana Rashid von der Caritas das Mikrofon übergeben wurde.
Dana Rashid: „Ich bin in den 1990er mit den Eltern geflüchtet. Ich bin Muslimin. Mein Kind geht hier zur Schule. Wir entscheiden, wie wir hier leben wollen. Wir lassen uns von niemanden vorschreiben, wo wir leben.“ Das Leben zusammen ist bunt und bringt eine Bereicherung für alle, sagte sie.
Dana Rashid wirkt betroffen
Alle vier Redner und Rednerinnen forderten mehr Verantwortung, auf Migranten zugehen, sie kennenlernen, sich zu öffnen für die Kultur, wie sie leben, junge Menschen müssen wählen gehen, sich der Verantwortung bewußt sein, in der auch sie stehen werden für die nächste Generation. Ein Zeichen jeglicher Art gegen Rechts muss gesetzt werden. Die Gesellschaft muss erkennen, was es für Deutschland bedeutet, wenn jetzt nicht NEIN gesagt wird. Es muss mehr Aufklärung stattfinden. Debatte um Debatte für mehr klare Linie gegen Rechts.
Vor dem Ende der Kundgebung sprach noch die Vorsitzende des Jugendparlamentes von Bottrop Sinem Alpugan: „Wie kann es sein, dass Feinde der Demokratie, mit Hass gefüllten Menschen mit rassenideologischen Gedankengut sich zusammentreffen, um unglaubliche Pläne zu schmieden, wie man in großen Teilen diese Gesellschaft loswerden könnte. Dies passiert in einem Land, wo fest verankert im Grundgesetz steht, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.“
Jürgen Buschfeld – Sprecher von Bündnis Buntes Bottrop
Vor ein paar Jahren hat sie sich nicht vorstellen können, auf der Bühne zu stehen. Sie hat einen türkischen Migrationshintergrund. Sie kennt Bottrop als eine Stadt in der viele Kulturen und Religionen aufeinandertreffen. Hier wird der Mensch als Mensch gesehen, nicht mehr und nicht weniger. Das friedliche Zusammenleben. Wenn es heute heißt, dass ich meine Stimme erheben muss, dann bin ich dafür bereit. Ich weiß auch, dass die Jugend von Bottrop bereit ist für die gemeinsame Zukunft zu kämpfen und in Zukunft die Demokratie von ihren Feinden zu bewahren, so die weiteren beachtlichen Worte von Sinem Alpugan.
Sie bat darum, dass Hass und Hetze die Gesellschaft nicht spalten darf.
Sinem Alpugan, die Vorsitzende des Jugendparlaments von Bottrop
„Wenn wir es nicht tun, verliert nicht der Einzelne, sondern die Allgemeinheit den Kampf gegen Rechtsextremismus. Lasst uns gemeinsam dagegen vorgehen. Für eine offene und Menschenfreundliche Gesellschaft.“
Als Letztes sprachen die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche. Sie bedankten sich für das Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, wofür die Veranstaltung steht.
Folgende Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren auf dem Podium der Kundgebung:
Moderation: Andrea Multmeier (Kreisgruppengeschäftsführerin von der Paritätische) und Jürgen Buschfeld (Sprecher Bündnis Buntes Bottrop). Redner waren Oberbürgermeister Bernd Tischler, Sinem Alpugan, die Sprecherin vom Bottroper Jugendparlament (Die YOU.PA-Mitglieder | Jugendparlament Bottrop), Dana Rashid, Hüriyet Yilmaz, Fettah Timar, Irfan Durdu, Pfarrer Neumann, Pfarrerin Anke Büker-Mamy der katholischen und evangelischen Kirche von Bottrop.
Auch der Wirtschaft wired langsam bewußt, was es bedeutet, wenn die AfD mit ihren möglichen Gesetzen an die Macht kommen würde, so warnt der BDI-Präsident Siegfried Russwurm eindrücklich vor den Worten der AfD. Sie sei nicht nur für die Wirtschaft eine Gefahr, sondern für die gesamte Gesellschaft. Die Zugehörigkeit dürfe nicht vom Nachnamen abhängen, sagte er in einem Interview im Handelsblatt.
Lange genug wurde die AfD mit ihren skandierenden Sprüchen gegen die „Altparteien“, gegen jede Form von Freiheit von Religion, sexueller Gesinnung und Flüchtlingen zugelassen.
Durch das Akzeptieren dieser gefährlichen politischen Linie, wurde der Geist der Nationalsozialisten wieder hoffähig gemacht, die heute nicht in Uniformen, sondern in schicken Anzügen mit hässlichen Krawatten auftrumpfen wollen.
Lange genug wurde eine Partei so akzeptiert, die nur eines im Sinn hat: Macht an sich zu reißen, den Staat in ihrem Sinn umzubauen, um dann Europa in ihrem Sinn zu zerstören. Nichts anderes, was Putin so oder so will und das in seiner Form mit Sicherheit unterstützt. Nichts anderes, was der eventuelle neue alte Präsident der USA Donald Trump unterstützt, weil er alles, was gegen ihn spricht als Fake, als Lüge bezeichnet. Wir müssen klare Kante zeigen! Lügen müssen Lügen bleiben! Wahrheit muss Wahrheit bleiben! Das ist die Verantwortung eines jeden einzelnen von uns Bürger und Bürgerinnen und liegt nicht in der Hand der Mächtigen!
Es ist eine Politik hoffähig gemacht worden, die in den 1920er Jahren eine Menschheit in den nächsten Weltkrieg gezogen hat.
Meine Mutter hat als Kind den Krieg erlebt. Als die Bomben in der Ukraine fielen, hatte sie Angst um die Zukunft bekommen. Auch das Erstarken der AfD schürte in ihr und ihrer Generation, die in den 1930er Jahren geboren wurden und die Herrschaft der Nationalsozialisten am eigenen kindlichen Leib erleben mussten neue Ängste. Sie haben das Leid, den Tod und das Elend von Bomben, Bunkerleben und Hunger erlebt.
Zu ihren Ehren und ihrer Generation deren Eltern geschwiegen haben und angeblich nichts von den Greueltaten der Nationalsozialisten wußten, gehe ich nicht nur auf diese Demonstrationen. Sie sind im Ruhrgebiet wichtig. Nicht nur aus dem Grund eröffne ich am 27.1.24, dem Gedenktag zur Befreiung von Auschwitz an die Opfer der rassistischen Ideologie die neue Podcastreihe „Stolperstein Ruhrgebiet“.
Wenn eine Partei alles dafür tut, besonders eindeutig in den sozialen Medien, die öffentlich-rechtlichen Nachrichten als Fake und Lüge anzusehen, ist sie dann nicht verfassungsfeindlich?
Ist die Welt der AfD eine heile weiße Welt mit schicken Blazern und braunroten Krawatten?
Sicherlich kann sich jeder streiten und diskutieren über die üblichen Regierungen. Was ist schon in diesem Land gelaufen? Es fehlt an Geld an allen Ecken und Kanten. Die Infrastruktur ist marode, die Bildungssysteme sind veraltet, die Schulen kaputt, Lehrer fehlen, aber das hat nichts mit den Flüchtlingen zu tun.
Das ist die Sparpolitik gewesen als die Bankenkrise kam. Statt in den Zinsniedrigphasen Geld in die Hand zu nehmen und zu investieren in die Zukunft, wurde gespart. Dann kam Corona und gleichzeitig wurden die Zinsen erhöht. Der Schuldenturm erhöhte sich wieder. Trotzdem muss investiert werden. Die Ampel-Regierung trägt die Kommunikation sehr unglücklich nach außen, macht aber vieles in kurzes Zeit, was lange Brach lag. Doch das nutzt die AfD als neues Feindbild. Sie tut alles dafür in der Regierung gerade die Grünen am meisten durch den Kakao zu ziehen. Dennoch sind es alle „Altparteien“, die hinweggefegt werden sollen.
Was will die AfD wirklich?
Ich kann und will nicht schweigen als ein Mensch, der ohne Humor nicht seine Beiträge hier im Blog macht. Ich will nicht schweigen, weil ich die Geschichte in der Schule hatte, Museen und Erinnerungskultur besucht habe, die Stolpersteine sehe, Bücher lese und Dokumentationen schaue. Es ist mir wichtiger denn je als Mensch aus dem Ruhrgebiet zu erklären, wie wichtig Migration hier ist, weil ohne Migration kein Ruhrgebiet entstanden wäre.
Ohne Migration wäre das größte Industriegebiet in Deutschland nicht entstanden. Niemals wäre diese bunte Vielfalt von Menschen aus aller Welt, ihre Religion und ihre Essgewohnheiten hier nie gelandet.
Niemals würde es die schönen Zechensiedlungen geben. Die Fördertürme, die Kumpelhaftigkeit, die man heute so nicht mehr nennt, weil der Bergbau geschlossen wurde. Die Regierung ist nicht verantwortlich dafür, dass der Bergbau geschlossen wurde. Es ist der teurere Marktpreis der deutschen Kohle gewesen, die schon in den 1990er Jahren zu sehen war. Eine weitere Subventionierungsunterstützung kam nicht in Frage. Sicherlich auch ein Grund, was schwierig ist, in der Situation der unabhängigen Energiewirtschaft, als Deutschland sich von Russland durch das Gas abhängig zu machen.
Niemals wäre der Ruhrpott bei aller Probleme und Schwierigkeiten der Ballungsraum aus Kulturen nicht das, was es heute ist. Diese vielfältige Identität wollen andere zerstören.
Mal ganz bewußt und banal gedacht:
Was würde denn passieren,
wenn alle deportiert werden würden nach einer erneuten Einführung einer überarbeiteten Fassung der Rassengesetze von 1935? Nehmen wir nur dann das neu definierte Ruhrgebiet als Beispiel:
Leere Straßen, noch mehr geschlossene Läden, geschlossene Krankenhäuser und Altenheime, fast keine Gastronomie. Kein Lieferando, kein Paketdienst für Internetgeschäfte, kein Straßenbau, Häuserbau oder Obst- und Gemüseladen, noch weniger Handwerker und Lehrer etc
Alles würde zusammenbrechen. Niemand würde profitieren außer die Menschen in ihrer Genugtuung, die meinen, dass mit ihren „Germany First“ Gesetzen alles war, wenn sie es durchgeführt haben.
Ein Beispiel: Meine Frau ist Polin, d.h. ich bin mit einer Ausländerin verheiratet. Wird eine Ausnahme gemacht oder muss sie nach Polen zurück. Muss ich mit auswandern? Oder werden wir in ein Konzentrationslager gebracht, wo wir dann an Hungers sterben, damit ein Exempel statuiert wird.
Diese Worte, die ich hier schreibe, können auch eine andere Bedeutung bekommen, wenn sich die Verfassung ändert, weil es manche so wollen. Wenn die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, dann heißt es:
André Brune hat gegen die Partei gehetzt, Gefängnisstrafe, KZ etc ist im Ermessen der neu eingesetzten Richter und Gesetztmäßigkeiten. 6 Monate bei Wasser und Brot oder 5 Jahre Konzentrationslager oder Ausweisung?
Was geht in den Köpfen dieser rechten Menschen um? Und warum folgen so viele dieser Partei?
Wegen Unzufriedenheit mit der Demokratie? Wegen Unfähigkeit der Regierungen, die im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten arbeiten? Was will eine Partei, die alle bisherigen Errungenschaften wieder rückgängig machen möchte oder hinwegfegen, wie es immer gesagt wird. Die Freiheit und den Frieden in ganz Europa abschaffen?
Aber es ist mir wichtig, gerade die Migration des Ruhrgebiets hochzuhalten. Fast jeder von hier hat Wurzeln aus anderen „Volksgruppen“, ob Pole, Russe, Ukrainer, Tscheche, Ungar, Österreicher, Holländer, Belgier, Franzosen, Italiener, Kroate, Kenianer, Serbe, Slowene, Spanier, Portugiese, Chinese, Iraner, Kurde, Jordanier, Araber, Ägypter, Syrer, auch Amerikaner, aus Nord- oder Südamerika kamen hier hin in den letzten 170 Jahren her, um das Ruhrgebiet, zu gestalten in ihrer jetzigen Form. Sie alle haben friedlich mit den Deutschen zusammengelebt und den „Ruhrpott“ zusammengerührt. Natürlich gab und gibt es hier auch immer schon Faschisten, aber im Ruhrgebiet haben sie nicht die Erreichbarkeit bei der Mehrheit der Bewohner. Auch ich habe polnische, ukrainische und französische Wurzeln, habe Verwandte in Holland. Was würde das für eine Situation geben? Wahrscheinlich wäre ich einer der ersten wegen meiner öffentlichen Aussagen, der geprügelt, gefoltert, erschossen oder aufgehängt werden würde an der nächsten Laterne. Meinungsfreiheit ist das höchste Gut nach der Niederlage des Nationalsozialismus 1945. Aber die Meinungsfreiheit wird ausgenutzt eben von Menschen, die genau da hängen geblieben sind. Sie meinen frei äußern zu können, dass es Auschwitz nie gab. Sie meinen, dass alle Flüchtlinge Verbrecher sind, sie meinen, dass die „Altparteien“ nicht mehr wählbar sind.
Nach der Machtergreifung ist genau das passiert: Gleichschaltung der Gewerkschaften, der Vereine, der politischen Strukturen. Wer dagegen war, kam in ein Konzentrationslager. Menschen wurden von heute auf morgen mundtot gemacht. So würde es jedem ergehen, wenn solche Parteien in die Regierungsverantwortung kommen, die Verfassung aushebeln und das Grundgesetz missachten, das 2024 nun 75 Jahre alt wird.
Die AfD hat oft genug im Bundestag und vor allem im Internet klare Ansagen gegen die jetzige demokratische Grundordnung. Sie untergräbt jeden Tag mit vielen Helfershelfern in Kommentaren, im Teilen und Liken im Internet die freiheitliche Demokratie, weil sie dort in den Sozialen Medien durch die dadurch erzeugte freiwillige Erhöhung der Reichweite mehr Zuspruch mit einfachen angstmachenden und polemisierenden Sprüchen und Ki-gesteuerten Bildern, nicht nur die Wahrheit so reproduzieren, dass die Wahrheit als Lüge darstellt, sondern auch die Lüge als Wahrheit darstellt. Ein gefährlicher Prozess, die kaum nachprüfbar ist.
Zu behaupten, man ist demokratisch gewählt worden und dann die Demokratie nicht zu achten, sondern eben abzuschaffen, dass ist 1933 schon einmal gelungen und sie kann wieder gelingen, wenn wir alle als Gesellschaft weiter schweigen, ignorieren und akzeptieren, was die 20% der deutschen zumeist unwissentlich glauben besser zu wissen statt genauer hinzusehen. Diese 20%, deren Unmut und Unzufriedenheit doch mal der AfD zumuten wollen, weil sie sehen möchten, was sie kann, ist gefährlich. Diese 20% können eigene Richter stellen, den öffentlich-rechtlichem Fernsehen eigene Personen infiltrieren, können in vielen Hierarchien Gleichgesinnte einstellen lassen. Ein Björn Höcke als Ministerpräsident in Thüringen würde vieles im Land so verändern, dass kaum noch Möglichkeiten zur Normalität der Gesetzmäßigkeiten zu sehen sein werden. Es wird eine Untergrabung aller demokratischen Errungenschaften werden. Ein Höcke als Ministerpräsident wird das Land Thüringen in ein Kleinod des Rechtsextremen werden lassen. Er wird definitiv versuchen alle bisher freiheitlichen Errungenschaften zu zerstören und für die Machtübernahme in anderen Bundesländern als Vorbild vorbereiten. All das haben die Deutschen schon erlebt. Es wird ein Machtkampf auf höchster Ebene werden.
Es ist ein Irrglaube, der 1945 eben genau in Ruinen endete. Wir wollen nicht in Ruinen enden, aus der unsere heutige Demokratie entstanden ist, sondern wir wollen sie mit Europa gemeinsam gestalten in Frieden und Freiheit.
All diese Gründe, wie auch das Wissen, dass viele damals gesagt haben, das haben wir nicht gewußt, ist für mich ein Ansporn die Erinnerungskultur hochzuhalten. Ich gehe zur ein oder anderen Demonstration, wie es meine Zeit erlaubt.
Ich starte nun den Podcast Stolpersteine Ruhrgebiet am 27.1.24. Darin wird die Erinnerungskultur auf eine neue Art dargestellt. Gestartet wird mit zwei Vorträgen. Der erste Vortrag wird von dem „Stolperstein-Erfinder“ Gunter Demnig sein. Die Geschichte des Künstlers und wie es dazu kam. Im zweiten Podcast, der in zwei Teilen geteilt werden wird, ist ein Vortrag der Holocaust-Überlebenden Eva Weyl aus Amsterdam, die als Kind im Konzentrationslager von Westerbork war und nachts die Abtransporte mitbekommen hat, die nach Auschwitz gingen.
Sie hat es überlebt und berichtet, so lange sie kann, über diese Erfahrungen, die ich hiermit auch für die Ewigkeit festhalten möchte.
Jeder Stolperstein, den ich bei Ausflügen sehe, wird fotografiert und bei Gelegenheit anschließend dokumentiert, gelesen, als Hörspiel oder Schauspiel verarbeitet werden.
Dazu sind alle, die das unterstützten möchten, herzlich eingeladen mitzumachen. Bitte kontaktiert mich diesbezüglich!
Zunächst gehe ich kurz auf die Demonstrationen ein, die sehr unterschiedlich waren als Kundgebung. In Bochum war es ein antifaschistischer Verein, der mit 500 Demonstranten gerechnet hat. Am Ende der Veranstaltung wurde von ca. 15000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen von Seiten der Polizei gesprochen, in der WAZ schrieb man von 13000 Menschen. Egal, wie hoch die Anzahl in Bochum war, sie war hoch und ich war mittendrin.
Die Kundgebung vor dem Marsch durch die Stadt über das teilnehmende Schauspielhaus mit all ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ging es zurück zum Hauptbahnhof. Unter den Eisenbahnbrücken, die in vielen verschiedenen Sprachen, die in Bochum von Zugezogenen zu hören sind, steht in Lichtröhren „Willkommen“.
„Ob Ost, ob West, nieder mit der Nazipest“ wurde skandiert. Grundgedanke ist das gefährliche Einnisten rassistischer Informationen, die unsere reale Welt als „Fake-Welt“, als Lüge darstellen. Donald Trump, der ehemalige Präsident der USA, der das Capitol, also die amerikanische Demokratie, stürmen ließ, dafür aber nicht vor Gericht gestellt wird, und bald wieder Präsident sein kann, hat die Rechten in der Welt eine Stimme gegeben.
Jede noch so kleine Wahrheit ist für die rechten Kräfte eine Lüge. Sie bauen sich ihre Welt, so wie sie es möchten. Und Trump ist der Trumpf für die Zukunft, genauso wie der russische Präsident es schafft mit seinen Lügen Nazis in der Ukraine zu bekämpfen, die Nazis in Deutschland paradoxerweise auf die Seite der russischen Kriegsargumente zu ziehen um sie zu unterstützen.
„Widewidewit, mach mir die Welt, wie es dir gefällt.“ Ein Kinderbuchspruch aus Astrid Lindgrens Pipi Langstrumpf ist absurderweise zu einem Leitspruch rechter Gesinnung geworden. In Deutschland ist sie durch die „Willkommenspolitik“ von der Bundeskanzlerin Angela Merkel hoffähig gemacht worden und seitdem stark untermauert mit unzähligen polemischen Sprüchen auf Bundeswahlplakaten der AfD und im Internet.
Die schnellere Abschiebung ganzer „Volksgruppen“, wird kritisiert. Auch die jetzige Ampel-Regierung bekommt ihr Fett weg. Kritisiert wurde das kürzlich verabschiedete Gesetz der schnelleren Abschiebung, Verurteilung von Rettungskräften auf dem Meer oder an den Grenzen zu hohen Haftstrafen verurteilt. Das ist ein gefährlicher Schulterschluß mit der AfD, die seit Jahren von sofortiger Abschiebung redet. Es ist wichtig, sich auch diese neutrale Meinung der antifaschistischen Organisation anzuhören. Es ist wichtig, dass die Identitäre Bewegung als eine rechtsradikale Hetzorganisation verboten wird und rechtlich verfolgt wird. Erst recht nach diesen Veröffentlichungen nach der Recherche, die von AfD-Sympathisanten, wen wunderts, als Lüge, Fake und KI-Gesteuerte Falschmeldung im Internet tituliert werden. Mein Video zur Podcastaufnahme wurde sogar kommentiert mit dem Hinweis, dass alle Anwesenden nur 150 gewesen sein sollen und als Statisten bezahlt worden sind. Auch ich hätte daran Geld verdient.
Man liest das und denkt: Wie hohl sind die eigentlich?
Ich gebe dazu immer eine Antwort. Egal, welche negativen Kommentare kommen. Ich nehme mir die Zeit, um zu zeigen, dass ich diese Kommentare nicht akzeptiere. Ich kommentiere, weil sie die Reichweite rechter Gesinnung vergrößern. So ist die Algorhytmus-Welt der Sozialen Medien von Facebook, Instagram, Tiktok und Co.s
Hier der Link zum Video von Tiktok mit den entsprechenden Kommentaren:
Dafür kämpfe ich laut. Meinen Humor und meine anderen Dinge werde ich weiter machen, wie bisher, aber ich lasse meine politische Meinung nicht dahinter. Ich bekenne mich klar und deutlich gegen Rassismus, gegen die Haltung der Partei AfD, gegen jede Art von rassistischer Politik. Das ist und bleibt in mir und wird es immer bleiben durch die Erfahrungen der alten Generation, die als Kind Leid und Schweigen der Eltern mitgemacht haben. Ich werde nicht schweigen!
Bildergalerie von der Bochumer Demonstration
Bildergalerie von der Bottroper Kundgebung und Demonstration
Jürgen Burscheid – Sprecher von Bündnis Buntes Bottrop
Ein Mann sieht Orange – Die Kunst, eine Farbe ins Spiel zu bringen – Eine Ausstellung der besonderen Orange
Nolin Wischermann vor seiner Ausstellung Orange.Bottrop
Nolin Wischermann liebt seine Heimatstadt Bottrop, aber noch mehr die Farbe Orange. Im Jahr 2022 hat er gemeinsam mit Ralf Opiol und Konstantin Karras den Bottrop.Art.Award ins Leben gerufen, um Bottroper Künstlern einen Preis zu verleihen, den es in dieser Form zuvor nicht gegeben hatte. Mittlerweile mutierte er zum Bottroper Kunstpreis.
Von den ausgestellten Künstlern angesteckt, begann er in seinem Atelier mit Farbspraydosen zu experimentieren und erschuf erste Graffitibilder.
Er drückte auf den Sprühknopf, drehte die Bilder, ließ die Farbe vor dem Antrocknen noch etwas zerfließen und schuf so einzigartige Kunstwerke. Diese wirken wie fliegende Luftballons, Stecknadeln auf einem Kopfkissen oder ein variabler Stadtplan mit buntem Baumbestand. Orange und Grün sind dabei die vorherrschenden Farben.
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Die ungewöhnlichen Titel wie „Homogenität“ und „Heterogenität“ regen die Fantasie dazu an, etwas anderes zu sehen. Geht es um Gene, Genialität oder Genitalien?
Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen, um zu verstehen, was sich Nolin Wischermann überlegt hat, auf die Leinwand zu sprühen.
Im Bild „Aufstieg“ ist deutlich eine zerfließende Treppe zu erkennen, während am Horizont die Sonne scheint. Das Leben mit seinen Erfahrungswerten zerfließt am Punkt ins Nirgendwo. Ein blasses Gedächtnis oder ein Schatz beim Aufstieg ins Nichts. Unten irritiert ein orangefarbener Streifen, der seitlich nach links fließt. Er kann den Einfluss von außen oder den Beginn eines neuen Lebens symbolisieren. Muss es aber nicht.
Aufstieg (c) Nolin Wischermann
In der Reihe „orange.art“ dominieren die Farben Orange und Schwarz. Hier wird mit den Farben und dem Hintergrund gespielt. Betrachter mögen es schön finden oder nicht, es einordnen können, sich etwas vorstellen oder einfach kopfschüttelnd weitergehen.
orange.art #02 (c) Nolin Wischermann
Das Kreuz in „#03“ hat in der Mitte einen zerfließenden, braunen Sprühklecks bekommen. Ist es ein rostiger Nagel, der vielleicht die Kirche in ihrer jetzigen Form kritisiert, als rostige, alte, verkommene Institution oder einfach nur ein Verbindungsstück? Fantasien und Interpretationen sind keine Grenzen gesetzt.
orange.art #03 (c) Nolin Wischermann
Im Bild „#04“ fällt sichtlich ein oranger Komet durch das dunkle Weltall.
orange.art #04 (c) Nolin Wischermann
Die Graffiti-Kunst von Nolin Wischermann ist eine Suche, die nicht klar abgegrenzt ist. Punkte sind eingegrenzte Kreise, aber sie zerfließen nach außen.
graffiti.art untiteld #078 (c)Nolin Wischermann
Das Spiel mit Grün oder Braun zeigt auf manchen Bildern einen Wald oder Hirnströme, die in schwarzen Wellen über den orangefarbenen Hintergrund fließen und zerfließen. Ein orangefarbener Komet fliegt durch den schwarzen Weltraum oder eine orange Raupe zerfließt auf einem unscharfen dunklen Hintergrund.
Extrovert (c) Nolin Wischermann
Punkte, die zerfließen, lassen sich prägen. Punkte sind ein Schlusspunkt, setzen jedoch beim Künstler keinen, sondern geben die Möglichkeit ein anderes Ende zu überlegen. Damit zeigen die Bilder, dass nach einem Punkt auch ein Weitermachen und Weiterdenken möglich ist.
orange.art #06 (c) Nolin Wischermann
Ein zerfließendes Kreuz ist nicht das Ende. Die geometrische Form aus der Mathematik zeigt ein Ende, Kunst zeigt einen Neuanfang und die Unendlichkeit der Wahrnehmung und Farbkonstellationen. Ein Gedankenstrich, der zerfließt, ist ein flüchtiger Gedanke. Mehrere Punkte in verschiedenen Farben können je nach Herkunft der Gedanken aus der Dunkelheit Licht bringen oder umgekehrt. Die Bilder sind in der Tat eine Herausforderung für die Betrachter, aber sehenswert. Sie stehen für den Anfang einer Kunstform, die Nolin Wischermann irgendwann auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machen kann.
graffiti.art untitled #057 (c) Nolin Wischermann
Orange ist Nolins Lieblingsfarbe und wurde zu seinem Markenzeichen, ähnlich wie andere Künstler bestimmte Farben, einen roten Faden oder wiederkehrende Symbole in ihre Werke integrieren. Es entstanden bereits bekannte Werke wie „Aufschwung“, „Wagemut“ und „Gegenwehr“, die nicht nur in der Popup-Galerie hängen, sondern auch schon in der Jahresausstellung des Josef-Albers-Museum Quadrat 2022 zu sehen waren.
Bilder aus der Jahresausstellung im Museum Quadrat 2022
In kurzer Zeit hat Nolin Wischermann durch einen Kunstvirus über 150 Motive geschaffen. Ein kleiner Teil davon ist nun in der Popup-Galerie ausgestellt worden. Er wollte sich selbst beweisen, dass er mehr kann. Stadtbekannte Motive, bei Sonnenschein fotografiert, hat er mit einem orangefarbenen Horizont verfremdet. Orange füllt den Hintergrund städtischer Denkmäler, bekannter Skulpturen und der Rathausturm.
orange.sky von Nolin Wischermann
Blaue Himmel werden durch Orange ersetzt, was die Fotos wie Szenen vom Mars wirken lässt. Orange dominiert die Fotografien, verleiht den Motiven aber eine wärmere Wirkung und spiegelt sie in einer anderen Originalität wider. Das Grau der Stadt und die negativen Aspekte der letzten Jahre werden farblich in den Bildern ad acta gelegt. Die Bilder erwärmen die Wände schon beim Betreten der Ausstellung in der Popup-Galerie in Bottrop, Hansastraße 17.
Eingangsbereich Popup-Galerie
Manche denken an die 1970er Jahre, in denen Orange- und Brauntöne vorherrschten und vor einigen Jahren als Farbe in Kleidung, Wandfarbe oder Wohnmöbeln, wie zum Beispiel einem Stressless-Sessel, wiederbelebt wurden. Die Farbe wertet langweiliges Weiß mit einem Knall auf. Orange ist auch meine eigene Lieblingsfarbe, nicht umsonst trage ich eine orange Alltagsbrille. Ich war beeindruckt von der kurzen Zeit der intensiven Auseinandersetzung mit seinen Ideen, der Umsetzung und der Farbnutzung in seinen Bildern.
Die Fotos aus seiner Serie „orange.sky“ zeigen klar, wo sein Herz hängt: seine Heimatstadt und die Farbe Orange. Orange.Bottrop ist auch der Aufhänger der Ausstellung. Nolin Wischermann kommt aus dem Marketingbereich und hat klare Vorstellungen darüber, was mit seinen Bildern gemacht werden kann. Auf Bierdeckeln oder größeren quadratischen Kacheln, dem Ehrenbürger Josef Albers gewidmet, hat er seine Motive drucken lassen, um sie als kleine Bilder in die Wohnungen der Bottroper zu bringen für kleines Geld.
Verkaufstisch von Nolin Wischermann
Zusätzlich hat Nolin Wischermann in seiner vierwöchigen Ausstellung acht Gastkünstler eingeladen, die alle die Aufgabe hatten, die Farbe Orange in die Motivsuche einzubeziehen.
orange.sky (c) Nolin Wischermann
Das Bild von Fabian Skowronek zeigt mit einer orangefarbenen Krone einen bekannten Rapper, der einen Traum gelebt hat (@ivematic).
it was all a dream (c) Fabian Skowronekit was all a dream (c) Fabian Skowronek
Ralf Opiol hat in seiner neuesten Collagenarbeit eine eher traurige Stadtgeschichte in einen kleinen Rahmen gebracht: Der Aasgeier, das Apothekenzeichen, ein orangefarbener Krebs und das Wort „Stadt“ sagen alles über den Skandal des Apothekers aus, der noch in Haft sitzt. „Haftnotiz“ hat in einem kleinen Rahmen den kompletten mehrjährigen Skandal geschafft. Ein Bild, das innerhalb der Ausstellung als erstes verkauft wurde und mit Sicherheit noch für Aufsehen sorgen wird (@metropiol).
Fabian Mende hat auf dem Weihnachtsmarkt von Münster oranges Licht fotografisch eingefangen. Das Foto zeigt die Spiegelung eines Baukrans oder einer Weihnachtsbude. Doch beim Betrachten sind es, wie der Titel schon sagt, Treppen in Reflektion. Oder einfach Stairways to Heaven/Treppen zum Himmel? (@der.mende).
stairs in reflection (c) Fabian Mendestairs in reflection (c) Fabian Mende
Caro Kernspecht zeigt auf ihrem Bild eine im orangefarbenen Horizont endende Landstraße. Das kann das Ende sein oder ein Weg nach rechts oder links, den wir im Leben wählen können. Am Horizont gibt es immer eine Wahl zu sehen. Oder einfach nur der Sonnenuntergang am Firmament. (@caro_._art).
Caro Kernspecht vor ihrem Kunstwerkorange hour (c) Caro Kernspecht
Gilda Bräuer stellt in ihrem Rahmen die Frage „Would all this be true, if I didn’t care for you?“. Kunstvoll wird ein Stück Jeansstoff mit orangefarbendem Garn eingerahmt auf dem die Frage „Wäre das alles wahr, wenn ich mich nicht um dich kümmern würde?“ Eine private oder eine politische Frage? Die Antwort liegt in der Kunst die Frage selbst zu beantworten. (@gilda_braeuer).
i didn´t care (c) Gilda Bräuer
Marcel Häselhoff hat auf vier orangefarbenen Bierdeckeln das alte Bottroper und das Kirchhellener Stadtwappen, das Tetraeder und Rathaus in schwarz verewigt (@marcel_hazel_1990 / @the.hazel.perspective).
Carsten Breuer führt seine Motivauswahl des Hollywoodkinos fort. Auf seinem türkisorangenen Bild ist nicht leicht erkennbar Meryl Streep, die wie Mephisto die Betrachter anschaut. Ich konnte sie jedenfalls nicht sofort erkennen. Aber das Bild zeigt mir eine wandlungsfähige Schauspielerin, die ihresgleichen sucht. Dennoch hat das Bild keinen Titel. (@carstenbreuerarts).
untitled (c) Carsten Breuer
Am Schaufenster stehen benutzte orangefarbene Sprayflaschen des Künstlers.
Spraydosen von NW
Insgesamt handelt es sich um eine sehenswerte Ausstellung, die noch bis zum 31. Januar läuft, mit verschiedenen Aktionen und einem Künstlerdialog.
Öffnungszeiten:
Januar 9-13 Uhr + 20-22 Uhr Bottroper.Bier & Kunst mit DJ timo k
Wer von Orange nicht genug bekommen kann und sich für Zuhause Bottroper Motive mit Sonnenuntergangsstimmung an die Wand hängen möchte, kann über 150 Motive auf der Internetseite finden: https://nolinwischermann.art. Dort gibt es Drucke der Fotografien auf 5 mm Leichtschaumplatten in den Größen 10×10 cm, 20×20 cm und 30×30 cm in der bekannten Sonnenuntergangsstimmung sowie in Schwarz-Weiß.
Oder vielleicht wird es ja auch ein Graffiti-Bild das die Fantasie anregt und auf der langweiligen Wand farbliche Muster versprüht.
In Bottrop geborene, ansässige oder arbeitende Künstler und Künstlerinnen bekommen einmal im Jahr die Ehre ihre eingereichten Werke im Josef-Albers-Museum ausgestellt zu werden. Eine Jury aus Stadtvertretern, Künstlern und Kunsthistorikern wählen die passenden Kunstwerke aus und platzieren sie in entsprechender Auswahl in der modernen Galeriehalle, die vom Parkplatz aus gesehen werden und alljährlich kostenlos besucht werden kann.
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Letztes Jahr habe ich es im Rahmen meiner vielfältigen Tätigkeit als Ruhrpottologe gemacht und die Jahresausstellung von 2022 bis 2023 mit Ralf Opiol besucht. Der Podcast wurde einer meiner erfolgreichsten Podcast. Das macht Lust auf mehr.
Dieses Jahr wurden wir wieder mehr als überrascht, wie vielfältig die Kunstlandschaft ist und haben unseren Horizont erweitert. Seht selbst in Teil 1 oder hört. Die Ausstellung ist noch bis zum 7.1.24 geöffnet.
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Definitiv haben wir unseren gemeinsamen neuen Podcast zur Jahresausstellung diesmal in zwei Teile geschnitten, um genügend Zeit für die über 50 Werke zu haben sie zu besprechen. Das ist natürlich viel zu wenig, aber es ist ein kleiner Eindruck unserer gemeinsamen Begehung, die beim ersten Mal schon sehr gut gelaufen ist. Wir haben beide eine sehr unterschiedliche Sicht der Dinge und das macht das Ganze aus.
Diesmal beginnen wir mit dem Podcast der Jahresausstellung im „Partykeller des Museums“:
Square Dance als Einzelausstellung
Monika Lioba Lang bezeichnete den untersten abgeschiedenen Raum des Museums Quadrat als Partykeller. Dort finden alljährlich die Einzelausstellungen eines besonders zu würdigenden Künstlers statt. Diesmal im Jahr 2023 bekam Monika Lioba Lang den Zuschlag und ließ den Raum wahrlich tanzend in bleibender Erinnerung.
Ihre Square-Dance – Figuren wirken für mich als Außenstehender erst wie ein Fallrohr, das in einen Abwasserkanal ragt. Ein technischer Zeichner würde die aus Makrameegarn gemachten und an Nylonfäden hängenden Ringe genauso sehen, wie ich als ausgebildeter Ver- und Entsorger.
Das war mein erster Gedanke ohne auf den Titel „Square Dance“ zu achten, den die Künstlerin ihren Figuren gegeben hat. Insgesamt sahen die Figuren, wie Frauen aus, die gekleidet waren mit Kleidern aus verschiedenen Kulturen und Jahrhunderten. Je näher die Figuren betrachtet werden, desto mehr formt sich eine andere Betrachtungs- und Denkweise über diese Kunstwerke, die Monika Lioba Lang erschaffen hat. Je näher die Betrachter kommen, desto klarer wird die leichte Bewegung der an Fäden hängenden Marionettenfiguren, die sanft tanzen im leider eher schlecht beleuchteten „Partyraum“.
Kritikpunkte, die ich loswerden muss
Negativ fand ich, dass die Bezeichnung der Künstlerin beim Herausgehen an der rechten Türseite sehr versteckt und unbeleuchtet zu finden war. Ein Aufsteller in der Mitte beim Übergang zum abgeteilten Raum oder beim Hineingehen in den „Partykeller“ wäre sinnvoller gewesen. Die Aufklärung und Information über die Künstlerin und ihre Kunstwerke lag leicht zerknittert auf einem Tisch im Ausstellungsraum der unteren Etage. Dort lag auch die Preisliste der Jahresausstellung in Klarsichthüllen. Letztes Jahr war diese noch nicht mal dabei. Immerhin ein Fortschritt.
Wenn auch in jeder Ausstellung die Bilder gekauft werden können, wäre es doch sinnvoll die Preise entweder direkt auf den kleinen Hinweistafeln der Künstler zu schreiben oder sie im Ausgangsbereich als Aufsteller, nicht herumliegend auf einem Tisch irgendwo zu lassen. Das ist eher Herabwürdigend als sinnvoll gegenüber die Mühen und Kosten, die Künstler vorher für ihr Erschaffen der Kunst ausgegeben haben, um dort hängen oder stehen zu können. Dies soll eine kleine Anregung für das Museum Quadrat von mir für das nächste Mal sein.
Ich hänge den Preis nun bei meinen individuellen Beiträgen und im Foto an, weil ich es wichtig finde, dass die Ideen und Mühen der Künstler in ihrer Umsetzung auch in Geldwerten gemessen werden sollten. Künstler müssen ja auch von irgendwas leben. Von Luft und Pinsel wird es keine neuen Kunstwerke geben. So teile ich den Lesern nun mit, dass die Square-Dance – Figuren von Monika Lioba Lang für jeweils 5992 Euronen zu bekommen sind. Die Fine Art Print – Bilder „Gefallen I. und V. sind für 417 € veranschlagt worden.
Kirsten Brzoska
malte in Acryl auf großer Leinwand bunte Fische, Karpfen, Goldfisch oder Forelle, die in einem Aquarium oder Teich schwimmen und die Betrachter neugierig ansehen, während das Wasser und das am Boden liegende Grün sehr dunkel gehalten wurde. Die neugierigen Fische können im Wohnzimmer hängen ohne es zu überschwemmen für 400 €.
Daniela Nennstiel
hat zwei Pouring-Bilder namens Pinklady I und II in der Ausstellung neben Kirsten Brzoska hängen. Die Künstlerin spielt mit den Farben, vor allem Meeresblau. Es ist ihre Lieblingsfarbe in fast allen Kunstwerken. Bevor die Farbe antrocknet, hat sie bei Pinklady II in meinen Augen ein Multiversum erschaffen, die eine Galaxie oder mehrere oder einfach nur das Innere von Gefühlen darstellen. Die Bilder können auch einfach ohne irgendwelche Beweggründe und Ideen zur Interpretation als „Einfach schön“ bezeichnet werden. Über einem Sideboard hängend für schlappe 160 € sind die Pinkladys wahrlich ein Hingucker.
Edgar Wiese
hat in „Bottrop“ eine „Wohnung zu vermieten“. Die sichtbar in warmen Lehmfarben auf Leinwand entstandene Altbauwohnung mit einer verschobenen Perspektive steht leer bis auf ein Josef-Albers-Bild, das auf dem Boden gestellt wurde. Die Wärme der Wohnung lädt ein nach Bottrop zu ziehen, egal wie schief die Wände sind. Der Künstler will mit dem Bild wahrscheinlich mitteilen, dass es schön ist in Bottrop zu wohnen, trotz der Ecken und Kanten, die die Bewohner der Stadt ertragen müssen. Wer sich in seiner eigenen Wohnung dieses übergroße Bild aufhängen möchte, sollte Edgar Wiese selbst nach dem Preis fragen. Er gibt den Preis nur auf Anfrage heraus.
Barbara Schmuchal
zeichnete eine Kohle/Collage auf Papier und nannte vielleicht den stehend nachdenklich dreinblickenden Mann, vor den liegenden bunten Büchern Libricola. Neben den farblich abgebildeten Büchern, sind die Birnen im Bild ebenfalls farblich abgebildet und übergroß gezeichnet. Vielleicht will die Künstlerin die Betrachter einladen wieder Bücher zu lesen und dabei Vitamine zu sich zu nehmen, damit die Gehirnwindungen auch wieder mehr beansprucht werden. Das Bild ist unverkäuflich.
Carsten Breuer
ist ein vielfältiger Künstler mit einer Idee hinter den Bildern, die Filmgeschichte geschrieben haben. Im ausgestellten Bild spielt neben Steve McQueen aus seinem Film „Bullit“ nicht allein die Hauptrolle. Der im Film mitspielende wichtige Wagen „Mustang“, der in wilden Verfolgungsjagden über die Leinwand bretterte ist auf Breuers Leinwand von links nach rechts ebenso zu entdecken. Alle wichtigen Filminhalte und ein Zitat aus dem Film zieren das Kunstwerk aus Acryl auf Leinwand und Mischtechnik mit Fotopatch. Die knallige Farbe Rosa lässt die Pop-Art der Kunstzeit Ende der 1960er Jahre neu aufbrillieren. Für 2500 € wertet es jedes Wohnzimmer von Filmliebhabern auf. Das ausgestellte „Bullit“ ist nur das I von mehreren.
Christina Kleinheins
ist wahrscheinlich begeisterte Kirmesgängerin. Sie weiß genau in welcher Perspektive sie an welchem Platz in Bottrop oder der besuchten Stadt Jena auf den Auslöser drücken muss, um ein faszinierendes Foto von einer Kirmes zu bekommen. Christina hat die Bilder Zuckerwatte, Im Kreis, Gloria, Caramba und Las Vegas wahrscheinlich mit dem Handy in 16:9 fotografiert. Die Schwarz-Weiß-Fotografien sind jedoch nicht einfach nur so in einen Rahmen gelegt worden, sondern leicht versetzt, so dass jedes Foto eine Eigenart bekommt die Betrachter nochmals genauer hinschauen zu lassen. Alle fünf können für jeweils 69 € gekauft werden.
Melanie Senkowski
„7*Zwerg + 1 *Schneewittchen“ ist ein von der Art und Weise der Malerei mit Acryl und Permanentmarker auf Leinwand ein abgehobenes naives Werk in der Landschaft aller ausgestellten Bilder. Die Schneeflocke ist übergroß und zeigt angedeutet den Namen an, wie die weibliche Figur dahinter heißt. „Wittchen“ steht neben der Flocke, damit jeder Betrachter Bescheid weiß, worum es in diesem Bild auch wirklich geht, wer nicht versteht, was die große weißrosafarbene Kugel auf dem Bild zu bedeuten hat. Die sieben Figuren mit ihren lustig dargestellten Mützen werden zum besseren Verständnis mit dem Schriftzug ZWERG für die Betrachter zu den Sieben Zwergen mit Schneewittchen. Im ersten Moment denkt man bestimmt, dass dieses Bild hier nichts zu suchen hat, aber der Aufwand, es so auf die Leinwand produziert zu haben mit der Überlegung, die Figuren entsprechend in Szene zu setzen, machen das Kunstwerk zu einem der Besonderheiten in der Ausstellung. Das Bild ist schon vor der Ausstellung verkauft worden.
Iris Stöber
hat zwei Collagen von Siebdruck entstehen lassen: „Harmlos – Nicht harmlos“ 1 und 2 . Die Typographie und figurativen Elemente erzählen verschiedene Geschichten, je länger die Betrachter es in sich aufnehmen. Ohne Rahmen sind beide für jeweils 270 € zu bekommen.
Irina Dukart
hat zwei beeindruckende Bilder in der Jahresausstellung. Betrachter können nach dem Lesen „Blindzeichnung V“ nur spekulieren, ob die Künstlerin blind ist, absichtlich mit einer Augenbinde oder geschlossenen Augen eine Blindzeichnung gemacht hat. Es sind zwei Personen zu erkennen bei näherer Betrachtung, die länger als nur 10 Sekunden braucht, um das Geschehene zu entdecken. Das macht das Kunstwerk aus. Eine Art Meditation und Denkphase und auch Begeisterung über die Form dieser Maltechnik mit Bleistift und Buntstiften auf Pappe. Für 390 € ist es zu bekommen.
Das zweite links daneben hängende ist eine „Kolorierte Blindzeichnung“ mit Acryl und Fineliner. Hier kann die Künstlerin zuerst wieder blind ein Gesicht gezeichnet haben und anschließend mit Acrylfarben ausgemalt haben. Beeindruckend und gleichzeitig ist das erschreckende Innere eines Gesichts nach Außen gekehrt worden. Wer sich länger damit beschäftigen möchte, kann es sich zuhause für 290 € aufhängen. Viel zu günstig in meinen Augen, wenn ich mir so manche Preise der anderen Künstler ansehe. Ich würde dafür mindestens das Dreifache sehen. Aber das ist die Entscheidung der Künstlerin, die in ihrer Arbeit wohl nicht das Geld in Vordergrund stehen sieht, sondern eher wünscht das ihr Werk für kleines Geld in die Wohnung kommt bei Menschen, die sich an ihrer Bildkunst jeden Tag erfreuen möchten.
Andrea „Ada“ Leitner
hat ihr unverkäufliche Skizzenbuch im unteren Ausstellungsraum zur Verfügung der Besucher gestellt. Mit Samthandschuhen kann es durchgeblättert werden. In ihr sind in keiner geometrischen Form Figuren entstanden, die mit leichten hellen Farbtönen die Fantasie schalten und walten lassen. Frau und Mann, Kind und Erwachsene, Nixen oder Gehende, Stehende oder Sitzende Personen sind auf den Seiten zu entdecken. Die Skizzen und auch der Spitzname „Ada“ lässt die Betrachter in eine expressionistische dadaistische Malwelt eintauchen, wie der Titel des Skizzenbuchs „AdAismus“ es auch mitteilt.
Das oben hängende farbenfrohe Bild eines überbordendes Figurenkabinetts, dass aus dem Skizzenbuch entstanden ist, könnten Menschen oder Nixen darstellen. Es könnte im Meer spielen oder aber auch in einem Haus. Der Name „Verrate bitte nicht unser Geheimnis“ aus Acyrl auf Leinwand lässt die Betrachter schmunzelnd oder nachdenklich zurück. Welches Geheimnis verwahrt das Bild? Das kann die Beziehungsstruktur der Figuren sein, die nicht eindeutig zu sehen sind. Das ist aber das interessante an dem Bild. Der Titel kann einem noch mehr Fragen aufbürden und das Bild länger in die Betrachtung ziehen, weil das Geheimnis gesucht wird. Wer das Geheimnis zuhause lüften möchte, kann das Kunstwerk für 1020 € kaufen.
Andrea „Ada“ Leitner bei ihrem ausgestellten Kunstwerk
Winfried Winkler
„Pfingstsee“, eine Schwarzweißfotografie aus dem Köllnischen Wald. Es betont das sichtbar Totholz. Der durch Bergsenkung entstandene See spiegelt die Wolken und lässt die einzigartige Naturlandschaft im Foto dokumentarisch klar auf die Betrachter. Nicht nur zu Pfingsten kann das Bild für 350 € zuhause hängen.
Hans Platzek
Die Aquarelle auf Papier „Bunter Herbst“ (150 €) links und „Sonniger Wintertag“ (250 €) rechts schieben bildlich die Jahreszeit in den Vordergrund und nicht die im Hintergrund abgebildeten Häuser. Es sind wunderschöne Landschaftsbilder, die unsere zur Zeit durcheinandergeratene Welt der Jahreszeiten in eine schönere Vergangenheit blicken lassen.
Petra Pauen
hat Zwischenwelten in Aquarell und Kreide auf Papier entstehen lassen. I, II, III und IV sind in einem Zusammenhang zu sehen. Die Interpretation von Grünkohl in den Zwischenwelten wäre hier eine humorvolle Art diese Bilder zu beschreiben. Aber sie sind dennoch etwas tiefergehender. Zwischenwelten sind überall. Da die Bilder in naturnahem Grün gehalten wurden, könnten sie auch die Zwischenwelten von Gräser oder Blätter sein. Die Bilder können den Mikrokosmos eines Blattes einer Eiche oder eine Form zwischen von Welten außerhalb unserer Vorstellungskraft darstellen. Auf jeden Fall regen die Bilder von Petra Pauen die Fantasie an. Wer sich die Anregung an die eigene Wand hängen möchte: Ohne Rahmen je Bild 250 €
Rainer Wieczorek
hat das eindeutigste Heimatbild in die Ausstellung gebracht. Mit eher dunklen Acrylfarben auf Leinwand entstand das eindrucksvolle Bild „Gasometer“, das in der Nacht entstanden sein muss. Jeder Stadtteil-Bewohner der Welheimer Mark oder Welheim müsste es 3200 € wert. Der eine wird es als Dartscheibe benutzen, weil die Kokerei mit ihren Abgasen den Garten versaut, die anderen aus Nostalgie oder weil sie dort gerne arbeiten und mit den Kollegen am Koks rühren nicht reinziehen. Der dunkle Bereich unterhalb des Gasometers könnte tatsächlich die nicht benutzbaren vergifteten Gärten darstellen, die hier und da mit leichtem Gelb und Grün auftauchen und im Bild leichte verfließen.
Ulrike Bünner
„Im Oktober“ entstand im Oktober 2023 mit Acryl, Tusche und Öl auf Leinwand. Zwei sich umarmende Frauen, die in einer traurigen Situation stehen. Was genau das Motiv ist, kann mehrfach beantwortet werden. Zum einen kann es ein familiärer Verlust sein. Mutter und Tochter oder gute Freundinnen halten sich gegenseitig in ihrer Trauer. Es kann ein Verlust in der Ukraine sein, der Ehemann oder und Vater kann gefallen sein. Oder es ist durch den Überfall der Hamas-Terroristen und den damit zusammenhängenden Entführungen, Verstümmelungen und Vergewaltigungen entstanden, deren Bilder und Informationen uns seit dem 7.10.2023 fast täglich in den Medien mitgeteilt werden. Ein beeindruckendes Werk, das eine traurige Situation würdigt, egal wofür die beiden Frauen dort sich nun halten, es lässt einen selbst traurig nachdenklich zurück. Für 800 € kann diese Traurigkeit auch im Wohnzimmer hängen, dass gleichzeitig aber auch eine gewisse Hoffnung spüren lässt beim genauren Betrachten. Das Leben geht weiter – irgendwie.
Beate Reith
hat mit Aquarellfarben auf Papier die Bilder „Kitesurfer“ und „Nordsee“ entstehen lassen. Von weitem sehen die Kites wie Möwen aus. Solche Bilder in Aquarell entstehen zu lassen, wie ein gemaltes Foto mit den Einzelheiten der Nordseelandschaft, ist wahrlich eine Kunst. Ohne Rahmen kosten die Aquarelle jeweils 220 €
Herta Müller
großes Bild namens „Kleines Ufer – fließend“ lässt mit Ölfarben auf Leinwand wirklich eine sich bewegende Struktur eines fließenden Gewässers sehen. Der kleine Uferausschnitt und die Farbvielfalt mit der leichten Unruhe eines fließenden Baches beruhigt jedoch den Betrachter. Je länger draufgeschaut wird, desto eher hört man auch das leichte Rauschen des Baches, dann die Vögel, das Summen von Insekten und zuletzt den Stich einer Mücke auf der Haut. Für 12000 € ist das Bild zu haben. Es ist das zweitteuerste Kunstwerk der Ausstellung. Ob es ein angemessener Preis ist, sei dahingestellt. Es wertet das naturnahe Werk auf jeden Fall stark auf.
Marc-André Jäger
hat mit einem Acryl und Fineliner auf Leinwand zwei sehr filigrane Bilder im Ausgangsbereich hängen. Beide Bilder haben keinen Namen. Sie wirken so einfach gemalt und sind dennoch sehr aufwendig vom Künstler produziert worden. Die dummyartigen Figuren im unteren Bild und auch das Obere wirken wie eine therapeutische Malerei, die unter psychischem Stress entstanden sind. Und dennoch wirken sie für mich, wie eine schwierig entstandene gemalte kleine Fantasiewelt. Sie treffen mit Sicherheit nicht jeden Geschmack sind aber eben auch sehr offen in der Interpretation zu sehen. Das „Dummybild“ unten kostet 90 €, das obere ohne Namen 190 €.
„Der Beobachter“ von Werner Bönigk
ist eine naive Variante von Mona Lisa. Das Gesicht schaut in alle Richtungen. Der erste Eindruck wirkt wie das gemalte Bild eines Kindes. Es ist aber gerade deswegen wahrscheinlich auch schwierig zu so malen. Es hängt im Ein- bzw. Ausgangsbereich der Ausstellung. Der Betrachter schaut auf die komplette Ausstellung in einer gewissen Höhe. Das mit Acryl auf Leinwand entstandene Bild kann einen Zuhause für 210 € weiter betrachten.
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„Bottrop“ hat eine Collage entstehen lassen mit einem Stadtplan von Bottrop und eine Erde in einem Netz. Die Stadt steht scheinbar im Mittelpunkt der Erde mit herausgeschnittenen oder scheinbar überfluteten Straßen. Ist der Treibhauseffekt mit den Klimaveränderungen gemeint mit dieser nachdenklich machenden Collagenarbeit? Oder meint die Künstlerin Lisa Thesing doch etwas völlig anderes? Das Flugzeug kann auch ein Flug zur Schwarzen Heide bedeuten oder einfach nur die Sicht aus dem Flugzeug, wie klein die Welt ist. Bottrop ist eben genau so klein, wie die Welt. Oft finden Begebenheiten bei der über 118000 Einwohner doch so statt, dass man sagt, wie klein die Welt doch ist Eine faszinierende Collagenarbeit, die unverkäuflich ist.
Wolfgang Hohmann
Sein „Stilleben“ ist das einzige dieser Art in dieser Ausstellung, dass vielleicht seinen eigenen Keller oder Atelier zeigt. Eine alte Persiltonne beherbergt Stangen, Tapetenrollen oder gerolltes Papier, das auch für die Arbeit als Künstler wichtig sein können. Dahinter steht ein Feldbett. Dazwischen bricht ein Hula Hopp-Reifen die Idee eines Ateliers. Aber der Reifen könnte auch genutzt werden, um sich in Bewegung zu halten. Rechts im Bild ist eine Stange, das eine Wasserwaage sein kann oder eine Halterung für eine Staffelei. Das Bild ist mit Acryl auf Holz entstanden und für 500 € kann es erworben werden. Der Titel ist gleichzeitig auch die Ruhe eines Raums, in dem eher kein Leben steckt, aber dennoch zum Leben still erweckt wird, wenn der Raum genutzt wird.
Rebecca Bujnowski
stellt dieses Jahr wieder zwei beeindruckende glasierte Ton-Kunstwerke aus. Beide sehen aus wie Korallenriffe. Während das eine mit ein wenig Blattgold überzogen zu sein scheint, ist das andere eher dunkel gehalten. Rebecca Bujnowksi erhält nächstes Jahr die Einzelausstellung innerhalb der Jahresausstellung. Wir dürfen auf besondere Einzelstücke gespannt sein. Eins ist mit Blattgold überzogen. Das andere ist in einem Blauton gehalten. Sie wird nächstes Jahr eine Einzelausstellung haben. Overgrown Circles, open and close kostet 710 € und running fluent circles in blue 790 €.
Gilda Bräuer
ist mit zwei besonderen Bildern vertreten. „Rote Ellipse 1“ entstand aus Lacken, Filzstiftauftrag mit Polyestergarn auf Leinwänden. Es lässt die Betrachter eine Art Computerkern sehen, wie bei dem Film „Tron“ oder eine Darstellung eines mathematisch abgegrenzten galaktischen Raums, in denen eine Ellipse eine wichtige Verbindungsform besitzt. Der Preis von 650 € ist galaktisch niedrig in meinen Augen, aber ein Preis, der sich lohnt, dieses Science-Fiction-Bild zuhause aufzuhängen.
Im Backdrop, der Hintergrund des rechten Bildes „Rote Ellips 2“ wurde rot lackiert. Die umgedrehte Leinwand wurde mit klar lackierten Baumwollfäden verbunden. Auf ihnen ist mit roter Ölfarbe eine Ellipse gemalt. Wieder beeindruckt mich die Ideenvielfalt dieser Künstlerin, die für dieses Bild 800 € verlangt. Das ist auch angemessen für den Aufwand der Näherei, die dahintersteckt.
Ralf Opiol
hatte diesmal auch die Ehre ein Bild besteuern zu können. Es ist „Optoelektronisch C“ für das er etwa 12 Stunden gebraucht hat, um es so in Szene zu setzen. Der Barcode eines kaufbaren Produkts hat ihn inspiriert erste Bilder in seiner wiedererkennbaren Farbe Oliv mit kleinen feinen Strichen entstehen zu lassen. Ralf Opiol arbeitet seine Collagen meist in Mixed Media zuerst mit Zeitungspapier. Aus dem Bild ist eine Frau zu erkennen, aber nur scheinbar. Sie steht für die Kassiererinnen und Kassierer an den Kassen im Einzelhandel.
Um diese optoelektronischen Bilder zu erschaffen hat der Künstler unterschiedliche Methoden ausprobiert: Aquarell, Bleistift, Filzstift, Ölkreide oder mit Tusche. Zwei Zeitungsausschnitte werden übereinandergelegt und für die „Strichkunst“ vorbereitet. Wer das Kassensystem an der Wand hängen haben möchte, kann dies für tun für 1000 €
Paul Schulte
präsentiert ein neues Ideenkonzept aus Buchstaben, die in symmetrischer Abfolge in roter Farbe mit Blockface-Kit, einer Stempelkunst, auf einem Digitaldruck einer Gewebestruktur auf Graupappe aufgetragen wurde.
Das rechte Bild „Rote Vokale“ in der Ausstellung kann so die Betrachter zum Lesen einladen Die Wörter „Magermilchjoghurt, Arbeitsordnung und Wasserskisportclub“ sind in comicartig zu lesen. Das zweite Werk links enthält ein Zitat der Ehefrau von Josef Albers. Anni Albers, nachdem auch der Platz vor dem Museum benannt wurde sagte einmal „I would like to make something important“. Eine inspirierende neue Art von Kunstwerken, die Paul Schulte nach seinen Scutoiden im letzten Jahr erschaffen hat, der bei mir zuhause einen Standort bekommen hat. Die zwei Kunstwerke von vier insgesamt kosten je 580 €.
Heide Kraft
hat mit Pigmente und Tusche auf Holz das Kunstwerk „Schwarz trifft auf Weiß“ entstehen lassen. Die Besucher beschäftigen sich vielfach länger mit dem abstrahierten Bild von Heide Kraft. In diesem Bild kann vieles interpretiert werden. Während im Austausch mit Ralf Opiol bei ihm eher eine Landschaft mit einem See zu sehen ist, sehe ich einen Mann, der einen anderen tritt bis er blutet. Der Titel vereinfacht wahrscheinlich eher nur die Farbe Schwarz mit ihren geschwungenen Strichen und Punkten, die nur unwesentlich mit einem kleine Ton in Orange zum Nachdenken anregen, das für mich Blut ist. Jeder sieht das Bild wahrscheinlich anders als ich. Wer es zuhause hängen haben möchte oder exklusiv im Büro, wo an den Chef unter einem gedacht wird, kann es inklusiv Rahmen für 490 € erwerben…
Evelina Velkaite
hat drei Bilder in diesem Jahr aufhängen können. Sie hat eine Kombination aus zwei Bildern, die blaue bis ins violette Farbe betont einbaut. Das linke Kunstwerk kann ein Fjord in Norwegen mit Polarlicht sein. Das rechte Bild kann eher ein Gletscher oder Eisberg im Polarlicht sein. Im dritten Bild ist ein kräftiges warmes Gelb die betonende Farbe. Es ist aus dem Indien-Zyklus. Lila ist auch hier im Mittelpunkt wird aber vom Gelb überspannt, das die Hitze des Landes wahrscheinlich darstellt. Lila wird oft auch als eine spirituelle Farbe genutzt, so dass die zwei anderen Bilder die Erfahrung mit dem spirituellen Inneren dieser Indienreise sein kann, statt ein Fjord in Norwegen mit Polarlicht. Es hängt jedoch nicht zwischen den dunklen Bildern, sondern an einer anderen Wand schräg gegenüber. War es beabsichtigt oder eher eine wichtige Abgrenzung zu den zwei eher dunklen Kunstwerken?
Die dunkel mit Acryl auf Leinwand aufgetragenen großen Bilder hat Evelina „Neue Realität 1“ und „Neue Realität 2“ getauft. Ist es denn wirklich nun ein Fjord oder ein geschmolzener Gletscher? Denn die Klimaveränderung ist da, Gletscher schmelzen. Das Weiß wird im Polarlicht weniger Weiß wirken. Oder ist es eine Art von Bewußtsein das malerisch dargestellt wird oder das Jenseits. Diese Bilder lassen Betrachter fragend zurück, aber das macht diese Bilder auch aus. Mit 9480 € können sie jeweils zuhause aufgehängt werden und die Fragen weiter anspornen.
Das Bild „Indien-Zyklus“ mit Acryl und Ölkreide auf Leinwand zeigt ein Erlebnis am Fluss Ganges, wo an Gestorbene erinnert wird. Das Violett der „Realitätsbilder“ zeigt hier die mögliche Spiritualität im Kleinen. Wohingegen die großen Kunstwerke „Neue Realität“ eben die neue Realität, wahrscheinlich das Jenseits sein kann. Jenseits von Gut und Böse kann das teuerste Bild der Jahresausstellung sein: 13000 €. Ob es berechtigt ist so hoch anzusetzen ist dahingestellt. Die Größe, der Aufwand und die Idee zeigen hier eine einmalige malerische Interpretation. Der Indien-Zyklus kann eine steigende Aktie werden, die Evelina Velkaite hier im Museum leuchtend zeigt
Vincent Reilly
entwickelte eine „Studie eines toten Maulwurfs“ Ohne den Hinweis des Künstlers zu lesen, lässt die Betrachter auch einen Dinosaurier oder Vogel auf dem Boden sehen. Im Hintergrund rauchen Schornsteine einer Hütte. Das ganze Bildkonstrukt kann mehrere Deutungen zulassen. Zum einen die Umweltverschmutzung der Industrie, die unsere Natur zerstören und damit auch Tieren den Lebensraum nehmen, oder es zeichnet das Ende der Natur und die Eroberung der menschlichen Zivilisation. Hier kann es aber auch gedeutet werden als eine Geschichte des Ruhrgebiets. Als wir, die wir heute farbige Fotos von Landschaften machen, kann es scheinbar ein Foto aus den Anfängen der Industrialisierung des Ruhrgebiets sein, als alles Schwarzweiß war. Aber vielleicht meint Vincent Reilly ja etwas völlig anderes mit dem Bild. Hier sieht jeder, wie vielfältig Kunst sein kann. Das Bild muss nicht gefallen, aber es kann trotzdem den Horizont öffnen und zum Nachdenken anregen, was der Künstler mit seinem Kunstwerk mitteilen möchte. Eine Diskussion ist somit eröffnet. Wer das Bild haben möchte kann es für 150 € bekommen.
Stefan Wepil
hat wieder zwei beeindruckende Bilder beigesteuert. Letztes Jahr war ich von den bunten Korallenriffen begeistert. Dieses Jahr hat er zwei verschiedene Arten von Städte in Mixed Media Art in der Ausstellung hängen. Das obere ist die „Quocht-Höhlenstadt“. Das unverkäufliche Bild lässt den Betrachter durch ein grünes Dickicht gehen, bevor er in die grüne Stadt mit Hochhäusern kommt, die im Schwarz einer Höhle entstanden ist.
In der „Elelschia Stadt Lio“ ist eine neue Form des Zusammenlebens entstanden. Arbeit und Wohnen sind wahrscheinlich nah beieinander unter offenem Horizont im Gegensatz zu der Höhlenstadt. Vielleicht sind das zwei verschiedene Zukunftsprojekte, wie es mit der Menschheit weitergeht im Zuge der Klimaveränderung. Vielleicht sind sie auch nur einfach der Fantasie entnommen, obwohl so eine Elelschia – Stadt in England am Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden ist, ist sie bis heute Vorbild für Städte dieser Art geworden. Zur Zeit entsteht so eine Megacity in China nach dieser Bauweise. Die zukünftige Wohn- und Arbeitskultur wird mit diesem Bild auf jeden Fall zum Thema beim Betrachten. Für 400 € kann damit zuhause weitergesponnen und den Grundstein gelegt werden. Ob ich da wohnen möchte. Klares Nein. Aber wer weiß, wie schön es da sein könnte.
Klaus Hoffmann
hat zwei kaleidoskopartigen Bilder in der Ausstellung hängen. Sie erinnern an die 3D Bilder von M. C. Escher. „100 Quadrate“ (490 €) ist mit Acryl auf Leinwand entstanden. Eine sehr mühselige Arbeit diese in abwechselnde Abfolge von schwarzen kristallartigen Sonnen auf weißem Hintergrund exakt so entstehen zu lassen, die bei einer entfernten Sicht optisch verändert werden. Das Bild scheint sich zu drehen. Nur bei näherer Betrachtung sind feine Linien zu sehen. Ein herausragendes Bild in dieser Ausstellung.
Genauso herausragend ist das „Op-Art Perspektive“ (350 €), mit Tusche auf Papier. Es ist zwar kleiner, aber hier wird die optische Wahrnehmung besonders stark herausgefordert. Die Preise sind viel zu gering für diese besonderen Arbeiten, die Klaus Hofmann ausstellen konnte.
Dieter Schröder
hat drei Radierungen in der Ausstellung hängen. Landscape I, II und V sind im hellen Grünton abwechselnd mit Gelb in verschiedenen Größen zu sehen. Hier wird wieder die Fantasie angeregt. Es kann eine Naturlandschaft mit Strand oder umgekehrt sein oder ein Wald mit versandetem Boden. Alle wirken beruhigend und bei näherer Betrachtung dennoch unruhig. Alle können für jeweils 650 € gekauft werden.
Bernd Stappert
hat auf seinen Schwarzweiß-Fotos Ausschnitte von gruseligen Bäumen in die Ausstellung gebracht. Sein „Gespensterwald 1“ und „Gespensterwald 2“ sind gerade durch das in Schwarzweiß gehaltene Foto gruseliger und lassen einen an Geschichten von Stephen King und Edgar Allen Poe erinnern. In der Kirchheller Heide erzählen bestimmt genug Bäume Gespenstergeschichten, die Bernd Stappert entdecken kann. Beide Fotos sind für 120 € zu bekommen.
Heinz-Michael Becker „3-D Perspektivwechsel“
Das 15 Mal 15 cm Quadrat ist mit Quadraten entstanden durch Holzbausteine. Egal von welcher Perspektive das Kunstwerk betrachtet wird. Die schwarzweiße Struktur lädt immer wieder ein es in einem anderen Blickwinkel zu sehen. Das eigene Leben sollte, so wie dieses Kunstwerk ebenso von vielen Seiten aus betrachtet werden. Leider gibt es bei vielen Menschen einen fehlenden Horizont und den berüchtigten Tunnelblick. Doch dieses Bild zeigt, dass Geometrie einem die Augen öffnen können. Wer zuhause darüber sinnieren möchte, kann das Werk für nur kleine 110 € bekommen.
Wolfgang Fröhling
hat in dieser Ausstellung drei Bilder hängen. Das eine ist „Düsseldorfer Landstraße“ aus dem Jahr 2023. Ein kleines Haus an dem links ein Wohnwagen steht in scheinbar symmetrischer Nachbarschaft. Wohn- und Wohnmobil stehen auf dem Foto in einer naturnahen Landschaft genau mittig. Langeweile kommt beim Draufschauen jedoch nicht auf. Das gelbe Haus sticht das Grau des Himmels aus. Für 800 € ist es zuhause weiter zu betrachten.
Die beiden anderen sind in Bottrop auf der „Prosperstraße“ entstanden. Die Halde mit der Skihalle ist in einer besonderen Perspektive, während am „Alter Postweg“ die unterschiedlichen Farben einer alten Kiesgrube, wo eventuell Ölschiefer das klare blaue Wasser mit einem ekeligen Braunton zu verschmutzen droht. Beide Bilder sind für jeweils 650 € zu bekommen.
Reimund Walther
hat mit „Architektur I“ (500 €) eine Hochhausskulptur aus Rechtecken und Quadraten erschaffen. Es ist eine von nur zwei Skulpturen in diesem Jahr. Ich als Brettspieler habe es durchaus als ein beachtliches Mordswerkzeug erkoren für Cluedo. Eine beeindruckende Skulptur ohne Humor auf jeden Fall.
Das zweite Kunstwerk „Architektur II“ (200 €) ist dem Museum und ein dem Josef Albers gewidmetes Quadrat aus Aluminium im Quadrat eines sandgestrahlten Aluminium-Quadrats. Eine beeindruckende Variante in der vielfältigen Ideenlandschaft der Kunst von und um Josef Albers, dem Ehrenbürger und Künstler der Stadt Bottrop.
Stefan Hütte alias @Bottblick
hat in seinen Fotos immer Bottrop im Blick. Er erzählte mir bei einem zufälligen Treffen bei der Ausstellung Orange in Bottrop von Nolin Wischermann, dass er es zufällig beim Laufen auf die Halde mit der Skihalle so gesehen hat. Ohne lange nachzudenken hat er ein Fundstück fotografiert, dass so eine Menge mehr reininterpretiert werden kann, als er es selbst vermuten würde. Ich habe erst gedacht, dass es mit Photoshop eingearbeitet wurde. Ich konnte mir einen Traktor oben auf der Halde nicht vorstellen. Zudem war der Malakoffturm nicht zu sehen, sondern nur der Förderturm, der dort herausragt. Der Traktor ist im Vordergrund. So sieht steht für mich dieses Schwarzweiß-Foto für mehrere Dinge. Zum einen prägte die Landwirtschaft schon vor der Ansiedelung der Industrie die Landschaft im Ruhrgebiet. Hier waren jedoch keine Berge, sondern sanfte Hügel und schon gar keine Fördertürme zu sehen. Der Förderturm von Prosper II ist stark im Hintergrund, das wiederum zeigt, wie wenig der Bergbau noch mit der Landschaft zu tun hat, aber dennoch diese über 150 Jahre neu geprägt hat, aber jetzt Geschichte ist, während die Landwirtschaft immer noch bestehen bleibt. Der monströse Traktor ist der Mittelpunkt und bleibt. Der Förderturm ist klein und könnte jeden Moment wieder vom Traktor klein gefahren werden. So vieles lässt sich fantasievoll mit diesem einen Bild sagen. Der Name „Zeitenwende“ prägt das Bild zudem noch in zweierlei Hinsicht: Vergangenheit und Zukunft der Stadt bzw. vom Ruhrgebiet. Für nur 69 € ist das Bild zu bekommen.
Angelika Schilling
hat zwei Fotos in der Jahresausstellung. Das erste ist fast ähnlich wie ein Bild von dem leider schon verstorbenen Many Szejestecki, der mit Technischen Zeichnungen die Untertagewelt und die darauf liegende Stadt bildhaft in Szene gesetzt hat. Kürzlich hatte sein Sohn eine Ausstellung in der Galerie KiR in Oberhausen, wo ich es leider nicht geschafft habe hinzukommen. Angelika Schilling hat im Licht- und Schattenspiel II so in Szene gesetzt, dass es wie Dominosteine aussehen lässt, die kurz vor dem Umkippen stehen. Oder es lässt eine gemalte Unterstruktur die Betrachter in die fotografische 3D-Welt eines M. C. Escher versinken. Im zweiten Foto steht ein weißer Plastikstuhl auf einer unbearbeiteten Betonunterfläche vor einem mit schwarzen Quadraten zusammengefügte industrielle Tür. Angelika Schilling hat absichtlich nicht in Waage fotografiert. Zwei Schwarz-Weiß-Fotografien, die kunstvoll in Szene gesetzt wurden und zum Fantasieren anregen. Wer die Fotos kaufen möchte:
Kunst-Stücke II – „08/15“ : 1400 €
Licht- und Schattenspiel II – Fotografie auf Hahnemühle 1/10 : 1500 €
Christel Sellmons
hat zwei Fotografien vom „Düsseldorf Hauptbahnhof I und II“ in der Jahresausstellung stehen. Der Bahnhof mit seinem geriffelten Hintergrund. Die Geometrie des ganzen Bahnsteigs erinnert an moderne Kunst und ist dennoch nur eine Fotografie eines Bahnhofs, der architektonisch kalt aus dem Boden gestampft wurde und nicht wirklich schön ist. Interessanterweise ist dieser Bahnsteig sehr sauber, als wenn für dieses Bild extra kurz vorher der Reinigungstrupp durchgegangen wäre. Die Fotos sind für jeweils 500 € zu haben
Gereon Krebber
hat mit dem fantasievollen Namen ebenso fantasiereich „Smavo“ mit Metallstäbchen im Sockel entstehen lassen. Zu sehen ist ein keramisches halbes „Ei“, aus dem scheinbar etwas schlüpft. Es erinnert schon im ersten Gedanken an den weltberühmten Science-Fiction – Film „Alien“ und lässt die Betrachter schmunzelnd, wie leicht beängstigend zurück. Vielleicht springt da ja gleich etwas heraus. Zumindest ist aus der Geldbörse einiges herauszuspringen: 4300 € kostet die eine von nur zwei ausgestellten Skulpturen in der Ausstellung.
Das Motto auch für diese Ausstellung, die ich im 2024 bestimmt wieder besuchen werde mit Ralf Opiol mit Spannung und Freude:
Zur Kunst musst du gehen!
Aber hier hat jeder Interessent die Chance auch nach der Ausstellung die Bilder nochmal in Ruhe zu betrachten und auch zu kaufen, wer Interesse hat. Natürlich beim Künstler nicht bei mir.
Glück auf und bis zum nächsten Mal, wenn es heißt: Ruhrpottologe unterwegs – In Sachen Kunst
FOTOSTRECKE & PREISLISTE aus der Jahresausstellung 2023 im Museum Quadrat:
PREISLISTE
PREISLISTE der Einzelpräsentation „Square Dance“ von Monika Lioba Lang
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