Westfalia Herne – ein besonderer Traditionsverein mitten im Ruhrpott

Boah ey! Hömma ! Da habbich nur die Verlosungsaktion für dat Buch vom Michael Göbel machen wollen. Die Gewinnerauslosung von „Mein Oppa war Bergmann“ sollte am Ort des Geschehens, also wo die Antwort auf meine Frage, wo denn der Göbel fürn Jährchen inne Jugend gespielt hat, dann gezogen werden. Die Antwort war ja nich ganz so einfach gestellt, nur die Podcasthörer oder Kenner von Michael Göbel haben et gewusst. Und schon war ich mitten im Stadion und neben mir plötzlich ein Vorstandsmitglied und gab mir nochn Cap mit für die Gewinnerin.

a) SC Westfalia Herne 04 b) SpVgg Erkenschwick 1916 e.V. c) FC Schalke 04 d) FC 96 Recklinghausen waren die Antwortmöglichkeiten. Nur Westfalia Herne war richtig.

Göbel als Schalker Fan habbich als Verein, plus den Traditionsverein von SpVgg Erkenschwick, , seinem Wohnort Recklinghausen-Süd, und natürlich Westfalia Herne, als richtige Antwort angegeben. Also mehrere falsche Fährten;-)

Da lief dat Video mitte Auslosung mit meiner Frau als Glücksfee und am Ende der Auslosung kam einer vom Vorstand, der Frank Boguschewski, vorbei. Haben kurz gequasselt miteinander und schon gleich nen Podcast mitn Chefvorstand Andreas Schmidt vereinbart. Als Abschluß hatta mir noch zwei Mützen umsonst gespendet, eine Cap für den Autor und eine Mütze die Gewinnerin. Und da habbich gesacht, da mach ich doch schnell nochn Video und ne neue Kategorie in meinem Blog, denn der Fußball gehört zum Ruhrgebiet, wie dat Herz zum Menschen, der POTTsport. Und da gibbet ja noch ne Menge Traditionsvereine, die früher ma ganz oben spielten und jetz nur noch Oberliga sind. Abba der Treue zum Verein tut dem nix.

Also jetz wat über Westfalia Herne:

SC Westfalia Herne 04

Gegründet 1904 von 16 Kaufleuten, Angestellten und paar schlaue Schüler der höheren Schule im Rittersaal von und zu Schloss Strünkede. Bis 1914 waren et die Farben Rot-Weiß, die auch heute noch im Wappen zu sehen sind, abba dat Blau kam als vorrangige Farbe dazu.

Ab 1909 taten sich zwei gefährliche Herner Lokalrivalen auf: Germania Herne und ab 1912 der SV Sodingen, der auch heute noch in der 6. Klasse der Oberliga Westfalen, also eine Klasse unter Westfalia Herne spielt.

Dat Stadion is namentlich Stadion am Schloss Strünkede. Dat Schloss is ein Steinwurf durchn Park entfernt. Kannse abba vom Stadion durch die dicken Bäume nich sehn. Is auf jeden Fall nen Besuch wert. Wirse von mir noch wat von erfahren.

Seit 2017 spielen die in der fünftklassigen Oberliga Westfalen und mussten am 5.12.2019 in Insolvenz. Is abba abgewendet, sons wär hier nix mehr los. Doch vorher war dat ein grandioser Verein im Ruhrpott:

Von 1933 bis 1944 und von 1954 bis 1963 spielten die inne damals sogenannten 1. Liga. Dat lief damals vor der 1. Bundesliga mitte Meisterschaft bisken anders ab. Abba auf jeden Fall waren die Herner gut um oben wie die Schalker nebenan mitzuzocken. Mit dem Hans Tilkowski, dem berühmtesten Spieler haben die 1954 die Oberliga-Meisterschaft gewonnen und sind aufgestiegen.

1959 und 1960 spielten die sogar umme Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Und inne Saison 1958/59 sind die sogar Meister geworden. Leider scheute sich der damalige Vorstand vor den Investitionen inne Mannschaft zum Start der Bundesliga. Die waren abba nötig waren wegen Lizenz und Stadion und Mithalten mitte andern, wie Schalke 04. So zerfiel dat tolle Fußballgebilde von Westfalia Herne und et ging ersma bergab.

Ausse Zeit heraus kennse den ein oder anderen Nationalspieler von Westfalia Herne – jau, da staunse, die gabet wirklich ! – besonders Hans Tilkowski, dem auch die Clubbude neben dem Stadion gewidmet is, Helmut Benthaus und Alfred Pyka.

Beim Hindümpeln inne Oberliga tat sich 1974 ein besonderer Mäzen auf fürn Vorstand: Erhard Goldbach. Der hieß nich nur so reich, der war dat auch. Der hatte ne Tankstellenkette, genannt „Goldin“ und war Mineralölhändler. Der hat sich nich lange überreden lassen und hat investiert. So konnte in der Zeit Westfalia Herne tatsächlich sich inne 2. Bundeliga gut schlagen bis….

…Ja bis 1979 die Zollfahndung bei dem goldigen Spender auftauchte mit ner großangelegten Razzia, wo die Fußballer dat dann aussem Radio staunend erfuhren. Nur 345 Mio DM, wat heute ca. 172 Mio Euro sind, wat damals ne Menge Moos geldwerttechnisch mehr war als heute, hatter hinterzogen. Und die goldige Schenkung von 3,4 Mio Deutsche Mark, Teil dat ma durch 2, dann weisse Bescheid in Euro, entpuppte sich als ein Darlehen, wat dem Verein letztendlich die Lizenz für die 2. Bundesliga kostete. Die Herner wurden direkt inne Oberliga Westfalen herabgestuft und da dümpelnse noch heute rum und konnten sich aus dem Dilemma nich mehr herausangeln.

Nix desto trotz kannse dir ma vor Augen halten, dat inne 1980er trotzdem ma paar Spieler da ihre Maucken inne Stulpen gepackt haben, wo du heute nich denks, dat die ausgerechnet da übern Rasen gejockelt sind. Wenne den ZDF-Sportmoderator Michael Steinbrecher kenns, der war inne Saison 1985/86 ma vorbeiglotzen. Wenne ihn nich kenns, guckse hier auf seine Seite: https://michael-steinbrecher.de/

Und dann noch den großartigen Regisseur Sönke Wortmann. Der spielte als defensiver Mittelfeldspieler inne Saison 1980/81. Wer denn namentlich nich kennt, der hat den großartigen Fußballfilm mit dem Weltmeisterschaftsfinale Deutschland – Ungarn 1954 : „Das Wunder von Bern“ oder die Doku von 2006: „Deutschland – ein Sommermärchen“, abba auch „Die Päpstin“. Die hat allerdings von Fußball im Mittelalter noch keine Ahnung gehabt als die sich dat Tiara, also die Papstkrone, aufgesetzt hatte. Wenn ma wat von seine Produktionsseite wissen wills: Little Shark Entertainment GmbH – Über uns und Person : Sönke Wortmann – Wikipedia

Zurück zu Westfalia Herne! Denn et gibt noch wat wichtiget zu sagen: In der ewigen Tabelle der Oberliga Westfalen, wo die ja leider schon viel zu lange hängen, haben die abba nen besonderen Platz 6 aus 969 Punkte in 762 Spielen. Dat is doch ganz schön beachtlich. Und wenne vom Verein mehr wissen wills, guckse ma auf Wikipedia und deren Internetseite, dat war so meine Quellen auch. Und demnächst auch den Podcast, weil ich da mich einladen konnte beim Vorstand. Bin auf jeden Fall gespannt. Ihr hoffentlich auch!

Westfalia Herne – WikipediaSC Westfalia 04 e.V. Herne (westfalia-herne.de) (offizielle Webseite)

Jetz weisse widda mehr übert Revier – Fußball, denn Fußball gehört zum Pott, wie dat Herz zum Menschen hier- Glück auf Euer Ruhrpottologe André Brune

Wenn ich hier wat falsch geforscht hab, dann teilt mir dat doch bitte zwecks korrigieren mit. Danke!

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Ich erzähl dat ma, wat ich hier so schreiben tu –
Film/Moderation: André Brune
Die Glücksfee, meine Frau Ewa und ich losten im Stadion am Schloss Strünkede die Gewinnerin Christiane Kerkeling aus, die nich mittn Hape verwandt is – Foto: André Brune
Traditionsverein Westfalia Herne – Eingang vonne Geschäftsstelle – Foto: André Brune
Damite Bescheid weiß wegen Eintritt und Ordnung – Foto: André Brune
Stadion am Schloss Strünkede – Foto: André Brune
Notausgang mit Sponsoringliste des SC Westfalia 04 Herne e.V. – Foto: André Brune

Übern Tellerrand geguckt in Höntrop anne Baare-Villa aufn Töpfermarkt

Im wahrsten Sinne in Sachen Keramikteller bin ich beim sonntäglichen Brötchenholen in unserer Stadtteilbäckerei überrascht über ein Plakat gestolpert. Jahrelang is mir dat ja schon aufgefallen in Bochum, abba war nie da, obwohl ich schon seit 1995 in Bochum wohne und dat immer widda auftaucht im September und wenn ich vor hab dahin zu gehen, is schon widda vorbei. Jetz wohn ich seit 2013 sozusagen umme Ecke, nur 2 km entfernt vonne Villa Baare und bin dat erste Mal aufn Töpfermarkt gegangen. Hat sich gelohnt. Hab son Schwimmteil mit Fröschen gekauft fürn Gartenteich, einen Spülwurm für die elektrischen Zahnbürsten und einen Fliegenpilz für den Balkon. Allet is aus Ton. Und wenn so gucks bei den 50 HandwerkerInnen, die zum Großteil schon seit 1995 dabei sind, dann kannse dein Geld schnell loswerden. Denn dat sind wirklich so tolle Dinge da. Von Kunst bis zu anwendbaren Tassen mit Seepferdchen is allet dabei.

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Geh ma aufe Internetseite von www.höntroper-töpfermarkt.de da findse auch die 50 AusstellerInnen, die nix anders machen als Spaß mit dem Ton zu haben und dann dafür auch noch Geld kriegen. Die Krux is abba im September finden so viele verschiedene Märkte statt, von Mittelalter bis hin zu Erntefeste, wat weiß ich. Also kannse dir ja aussuchen.

Und eine Tonkünstlerin, von der ich auch den Spülwurm hab für die Zahnbürsten, kommt aus Witten. Die wird von mir noch dieses Jahr einen Besuch für meinen Blog bekommen und wird gepodcastet werden, wenn se will. Zumindest hatse nix dagegen gehabt. Auf Bald im Töpfermarkt in Höntrop! Immer am letzten Wochenende im September seit 1994!

Wo findet der Höntroper Töpfermarkt statt?

Tja, da isset schon wirklich ganz interessant! Denn der Ort is wat ganz Besonderet! Im Ortsteil Höntrop gabet mal bis zur Eingemeindung nach Wattenscheid die Baarestraße in diesem Straßenabschnitt. Heute is dat die Höntroper Straße. Und dat hat nix mit der Eingemeindung von Wattenscheid nach Bochum 1976 geschehen zu tun…Gewidmet wurde diese Straße damals dem großen Generaldirektor Louis Baare vom Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation inne Nähe von Zeche Vereinigte Maria Anna Steinbank. Wer sich noch erinnern kann, weiß dat hier ma so um 2000 ein Auto vorm Haus in 15 Meter Tiefe abrutschte, als sich ein Loch durch die Zeche aufgetan hat. Die Steinbank vonne Maria Anna war die größte Zeche in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1904. Dat war ein riesiget Gelände. Abba da kann sich keiner mehr erinnern. Lebt auch keiner mehr von. Logisch. Heute is da nur noch ein Stein vom Malakofturm und die Hinweistafel, wat da ma war. Ansonsten is da jetz Aldi, die Höntroper Feuerwehr, ne Schule und Kindergarten und jede Menge Einfamilienhäuser.

Ein Stein vom Malakoffturm der Zeche Maria Anna Steinbank
Hinweisschild vom Bergbauwanderweg über Zeche Maria Anna Steinbank, Schacht 4 von 1871 bis 1904 in Höntrop gegenüber der Villa Baare

Die Zeche is wat wichtiget im Teil von Otto Taeglichsbeck gewesen. Denn wer in Bottrop oder Waltrop die Taeglichsbeckstraße bewohnt, weiß nich, dat der ma ne wichtige Persönlichkeit nich nur im Ruhrpott war. Abba dazu gibbet einen eigenen Straßenbericht in Hochdeutsch demnächst. Ich recherchiere noch.

Die Villa vom Louis is 1888 im Dreikaiserjahr (zwei Kaiser gestorben, der Dritte war Kaiser Wilhelm II.) gebaut worden. So gesehen im Neoklassizismus, wenn ich nich irre. Da stehen noch sogar Bäume aus der Zeit im Garten. Neben einem Wirtschaftsgebäude hat sein Sohn Fritz Baare  nochn Turm und Weiteres 1904 angebaut.

Villa Baare mit dem vom Fritz Baare gebauten Turm

Nach 1945 wurde dat ein Kinder-Kurheim. 1974 an die Stadt verkauft, nutz heute dat herrschaftliche Anwesen ein Verein fürn Waldorfkindergarten.

Im Video hab ich ein paar Bilderkes. Abba durch die Handwerkerstände und vielen BesucherInnen war dat komplette Gebäude nich zu fotografieren.

Vielleicht sehn wir uns da nächstet Jahr am 24. Und 25.9.2022? Würd mich freuen!

Euer Ruhrpottologe André Brune

Quelle: www.höntroper-töpfermarkt.de und www.wikipedia.de und die Hinweistafeln von Bergbauwanderweg

Juttas Lädchen in Bottrop mit dem Hans Dampf in allen Gassen Patrick Paulick

Der Patrick Paulick schwingt die Hufen, wie der Superheld „Flash“. Das Kostüm fehlt allerdings. Er schwirrt von rechts nach links. Wenn eine alte Dame nur die Tür aufmacht, ist er schon da, um ihr zu helfen, die paar Treppen hochzukommen. Du brauchst ihn nur zu fragen, er kennt alle Produkte in seiner trinkhallenmäßigen Bude. Er hat alle probiert, um seinen KundenInnen zu erzählen, wenn sie fragen, wie es schmeckt. Er kennt viele mit Namen. Er weiß am Ende des Einkaufs alle Preise auswendig. Und wenn von drei Kuchentabletts à 50 Stück noch zehn Teile drauf sind, schmeißt er sie nicht weg. Entweder sind die alten Brötchen Tierfutter oder sie werden für die Hälfte verkauft oder verschenkt. Das gilt auch für Mindesthaltbarkeitsprodukte, wenn das Datum erreicht ist. Jeder wird gedutzt. Vornehm geht die Welt zu Grunde, so eine Lösung braucht Patrick nicht. Ich durfte für knappe zwei Stunden über die Schultern gucken und einen Podcast drehen. Anschließend habe ich noch ein Video gedreht, warum die Bude Bude heißt. Hier könnt Ihr kurz die Ausführungen lesen, das Video schauen oder in den Podcast hören. Und hier ihn persönlichst besuchen: Scharnhölzstr. 234 · 46238 Bottrop

Wichtig zu wissen ist, dat hier is keine bezahlte Werbung, sondern ein Gespräch wie so eine Bude läuft.

Viel Spaß dabei, denn dann weisse Bescheid!

Zum Podcast:

https://ruhrpottologe-andre-brune.letscast.fm/episode/inne-bude-beim-roten-blitz-patrick-paulick

Das Wort „Bude“

Bude (bekannt mittlerweile auch als Trinkhalle/Kiosk) ist aus dem mittelhochdeutsch „buode“. Die Vermutung der Etymologen ist, dass es aus dem Verb „boww“ für „bauen“ ist (Quelle: www.wissen.de (Wahrig))

Es steht für „Hütte, Haus, kleine Wohnung, Gebäude, auch Räume in verschiedenster Art, meist kleine eher

Das Schwedische „bod“ bezeichnet bis heute eine kleine Wohnung.

Im Altnordischen ist „bud“ eine „Wohnung“ oder „Laden“ (Quelle: Wahrig)

Im Litauischen ist „buttas“ eine „Hütte“ oder „Haus“.

Im Englischen steht „booth“ für „Marktbude, Telefonzelle und Wahlkabine“.

Erstmals tauchte das Wort ungefähr im 12. Jahrhundert auf. Die Buoden waren schnell aus Holz gezimmerte Verkaufsstände auf Zeit auf Markplätzen, Festen oder Messen und Jahrmärkte. Als die Städte größer wurden. Waren hinter den permanent eingerichteten Läden Wohnungen entstanden bzw. Häuser. So bekam der Begriff „buode“ eine größere Bedeutung als der ursprüngliche Marktstand aus Holz. Bis heute heißt deswegen auch richtig, die Bude eine Wohnung oder Haus mit Verkaufsmöglichkeit. Im Ruhrpott ist das z.B. die Klingelbude. Da wo geklingelt wird, ist der Besitzer gerade am Fernsehgucken und wird gestört. Das sind die griesgrämigen Budenbesitzer, die gerade „Sturm der Liebe“ einige Minuten verpassen, weil sie gestört wurden.

Die Klümpkesbude ist dann ein anderer Ausdruck, wenn in der Bude hauptsächlich Süßigkeiten angeboten bzw. verkauft werden. Der Begriff ist von mir schon erklärt worden. Kurze Ausführung: Klümpkes, Klümpchen, auch Klümbkes, von der Schreibweise möglich, ist das Wort für Bonbon/Süßigkeiten, weil Bonbons wie kleine Klumpen aus Steinkohle aussehen.

Im Norden waren Buden kleine Häuser, meist auch aus Holz, der armen Fischer, die abgegrenzt von den Wohlhabenderen Kaufleuten mit Giebelhäuser wohnten. In Bremen ist aus der Zeit noch „Butze“ bekannt für ein kleines altes Haus.

Bi Ba Butze… noch ein Begriff vom „Butzemann“, einer Sammelbezeichnung für schreckende Dämonen und Gespenster, Kobolde und Zwergen als Kinderschreckfigur. Im Schweizerischen und Süddeutschen Raum ist es bekannt durch die hässlichen Holzfratzen zu Neujahr oder Karnevel, auch im skandinavischen oder norddeutschen Raum ist der „Butzemann“ bekannt.

Im Norden geht der Endungsname eines Ortsteils mit „Budda“, auch „Budde“ auf Bude zurück. Spekulativ wäre anzumerken, das diese möglicherweise Armenviertel bzw. Armendörfer waren.

Im 18. Jahrhundert wurden Wohnungen mit einem eigenen Eingang im Erdgeschoss „Buden“ genannt.

Ab dem 19. Jahrhundert wurden Schulgebäude, Klassenzimmer, Kaserne und die Stube als Bude genannt. In der Umgangssprache für billige kleine Wohnungen oder Geschäfte/Läden ist die Bude ebenfalls bekannt.

Mit einer „Bruchbude“ will keiner so richtig etwas anfangen. Die „Baubude“ ist für die Bauarbeiter bekannt.

In den 1920ern ist die „Kesse Bude“ als Lokal für Homosexuelle Frauen bekannt geworden im Milieu.

Ab den 1950 ist das Tor mit einem Drahtgefecht ausgestattet bekommen. Wenn die Fans zum Spiel gingen oder während des Spiels wurde lautstark bekundet „Wir haun den heut die Bude voll“.

In der Studentensprache bezeichnet man einen Zimmergenossen als „Budenknochen“ oder ein „Budenkonzert“ eine Party., Auch ein „Budenzauber“ kann eine Party sein. Diese allerdings würde eher heimlich gemacht, wenn die Eltern den ganzen Abend weg sind.

Auch das Trommelfeuer blieb im Jargon für „Budenzauber“.

Es gibt auch etliche Sprüche, die sich eingebürgert haben, wie z.B.:

„Die Bude einrennen“ – heißt mit vielen Personen gleichzeitig zu Besuch kommen

„Auf die Bude rücken“ – heißt du kommst trotzdem du ein nicht gern gesehener Gast wird oder unaufgeforderter Besuch oder etwas zu bereinigen.

„Fällt die Bude auf dem Kopf“ – heißt: Ich halte das in der Wohnung nicht mehr aus.

„Leben in die Bude bringen“ – Für Unterhaltung und Stimmung sorgen.

„Sturmfreie Bude“ – ist ein Ausdruck aus dem Mittelalter. für eine sturmfreie Burg. Sie ist dann nicht vom gengerischen Heer gestürmt worden, denn sie war sicher vor dem Angreifer. Die Mauern waren dann meist zu dick. Heute ist der Strohwitwer froh, wenn die Ehefrau mal weg ist. Endlich Füße auf den Tisch legen und abfeiern. Da ist das eher umgekehrt. Sturmfrei heißt heute: Eine Einladung machen.

Die Unterscheidung von Bude und Kiosk und Trinkhalle ist einfach:

Trinkhalle – ist ein größerer Verkaufsraum, wo hauptsächlich Getränke verkauft werden.

Kiosk – kommt aus dem osmanischen türkischen und bezeichnet wird so der Gartenpavillion. Der Kiosk ist über die Jahrhunderte ein alleinstehendes Bauwerk mit Verkaufsmöglichkeiten geworden. Heute jedoch arg vermischt, so das die Ursprünglichkeit nicht mehr gegeben ist und eine Bude mittlerweile nur noch Kiosk genannt wird. Das Wort Kösk (osmanisch) kam von Mauren besetzten Spanien über Frankreich nach Deutschland. Französisch: kiosque; italienisch: chiosco; spanisch: quisco. (Quelle: Wikipedia)

Ursprünglich ist eine Bude um 1870er Jahre erbaut worden. Sie dienten, wie in den Kurorten auch als „Trinkhalle“. Seltersbude wurde sie ebenfalls genannt. Zu dieser Zeit waren Wasser- und Abwasserzu- und abläufe noch nicht flächendeckend eingebaut worden und Krankheiten, wie Cholera und Ruhr an der Tagesordnung. Um dem Abhilfe zu schaffen und den Alkoholkonsum zu verringern, bauten Bürger genau das: Eine Trinkhalle. Wasser wurde hauptsächlich verkauft. Weil gleichzeitig der Staat die Sucht nach Alkohol damit verringern wollte.

 Nach dem 1. Weltkrieg etablierten sie sich schnell als regionale Erst- und Bestversorger. Die Bude ist eine „Begegnungsstätte“ für Klatsch und Tratsch. Nach dem 2. Weltkrieg entstehen in den Ruinen die Buden als eine wichtige regionale Versorgungsinstitution.


Trotz des Verkaufs in Tankstellen und größeren Spielräumen für die Öffnungszeiten, haben sich noch viele Buden gehalten. So kann ich in einem Podcast Patrick Paulick vorstellen, der eine Trinkhalle führt und den Verkauf über alles liebt. 
18000 Trinkhallen (Buden) sollen im Ruhrgebiet noch in Betrieb sein. Statistisch die größte Dichte an Buden. Die Statistik ist aus dem Jahr 2018, als am 25.08.2018 den „Tag der Trinkhallen“ als eine wichtige Institution in den Stadtteilen damit geehrt wurde. Mehr Informationen:
www.tagdertrinkhallen.ruhr/die-trinkhallen/alle-trinkhallen 

Jetz wissta bescheid! Glück auf ! Euer Ruhrpottologe André Brune  
Quelle: Wikipedia.de/wissen.de/Peter Honnen: Wo kommt dat her? (Greven Verlag)

POTTChristina, die multiple Hüftschwingerin von Dortmund

Bisse auch ein POTTmensch?

Dat hier habbich einfach als eine neue Form von Potree gedacht. Hier sollen Menschen zu sehen sein, die wat besonders machen, leisten oder einfach nur plötzlich da auftauchen und wat machen, watte nich glauben kanns, wenne dat siehs.

Meine erster POTTmensch is die Christina aus Dortmund. Ich hab da bei der dem ersten in Dortmund gegründeten Fußballverein von Benno Elkan geforscht und hab da so ungefähr 20 Minuten überlegt, wat ich wie Fotos mach und hab da nachgefragt, ob die wat wissen. Abba die wußten nix. Zumindest die anne Rezeption ausm Büro. Allet kannse ja auch nich wissen. War ja selbs erstaunt, dat der auch Bayern München mitgegründet hat, ein Dortmunder…. Steht so in Wikipedia. Tatsache. Und da er als Jude leider in Exil gehen musste, inne Nazi-Zeit, is der auf jeden Fall als Dortmunder eine wichtige Persönlichkeit in meinem Blog über Historische Personen. Abba dat nur am Rande. Benno kommt abba später, als historische Persönlichkeit vom Pott.

Denn die Christina is der POTTmensch von Heute. Nicht historisch, sondern vom Alltag. Denn in der ganzen Zeit hat die Christina da unter der Fußgänger- und Fahrradbrücke inne Nähe gegenüber vom Sportgelände vom TSC Eintracht Dortmund mitn Hullahupp-Reifen (sagn wir so, geschrieben richtig: Hulla Hoop-Reifen) die Hüften geschwungen, dabei telefoniert mitn Smarty und nachm Beenden im Tablet ein Buch gelesen. Ich konnte nich anders und da habbich se einfach ma gefragt, ob se bereit wär sich filmen und fotografieren zu lassen, denn dat wär reif fürt Guiness Buch der Rekorde. Und da siehse ma widda, dat die Frauen mehrere Sachen auf einmal machen können. Ich hab schon Schwierigkeiten nur eine Kamera richtig zu halten.

Auf die Frage, warum se dat so die ganze Zeit macht, sacht se, dat se auf ihr Blach wartet, wat im Verein sich sportlich betäticht. Der macht nämlich viel für die Kinder. Und so schwingt se beim Warten die Hüfte um selbs sportlich zu bleiben, dabei nimmt se sich Zeit auch wat zu lesen, weil se sons nich dazu kommt.

Schnulze geht dabei am besten, statt Krimi, sacht se. Und telefonieren hat se dann auch hinter sich. Und die ganze Zeit schwingt se die Hüfte. Unglaublich!

Und dabei unterhalten mit mir ging auch. Allet kein Problem, sacht se. Und Zuhause macht se dat auch. Muss man bisken wat wech räumen, damit da nix kaputt geht, abba dann is dat Wohnzimmer oder die Küche sicher vor ihr. Und los geht et.

Und wenne glaubs, du weiss allet, dann weisse jetz ers bescheid: Denn mit einer Stunde Training kannse 400 bis 600 Kalorien verbrauchen, so sah dat bei Christina auch aus. Boah ey, voll schlank! Im Vergleich zum abmühenden Joggen verbrennse da nach 30 Minuten so 300 Kalorien.

Jetz überlegse drei Mal bei Wind und Wetter ohne Kosten im Fitnessstudio zu haben zuhause die Hüfte zu schwingen. Besorg dir doch auch ma son Reifen. Abba nimm den mit Gripp. Kosten so umme 30 Euro. Christinas Rat, nich meiner.

Ich wünsch der Christina auf jeden Fall noch viel Spaß bei vielen Hüftschwingungen! Für mich würdig gewesen sie in die dann spontan nach fast 20 Minuten hinschielen überlegte neue Rubrik sie als erstes einzubauen. Und bedanke mich für Ihr Einverständnis, dass sie mitgemacht hat! Glück auf Christina !

Und euch beim Hüfteschwingen, dabei Lesen, Telefonieren und gemütlich abnehmen viel Spaß !

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Euer Ruhrpottologe André Brune

P.S.: Hab hier keinen Sponsor für den Reifen. Wenn ich einen empfohlenen bekomme, dann kannse draufklicken. Wenne sonne Firma bis, die wat vernünftiget in dieser Richtung verkaufen tut. Dann meld dich. Die Leute brauchen son Hüftschwinger dingend nache Pandemie!

Der Ruhrpottologe kämpft mit der Bruderschaft der Klinge – Podcast

Mittelalterlicher Ritterkampf richtig lernen mit der Bruderschaft der Klinge in Werne

Der Ruhrpottologe André Brune macht eine Zeitreise und übt sich im Schwertkampf eines Ritters. Die Bruderschaft der Klinge ist eine verschworene Gruppe, die Spaß am Ritterkampf hat. Originalgetreu kämpfen sie in ihrer selbstgeschmiedeten Rüstung. Schnell ins Schwitzen ist der Ruhrpottologe aber auch gekommen, als er selbst das Schwert erhebt und übt. Game of Thrones ist ein Kinderkram dagegen, wenne wirklich 15 bis 40 kg Rüstung auf dir liegen hass, is ein Kampf eigentlich nach wenigen Minuten erledigt. Dann is dat eher ein Krampf statt Kampf.

Der Podcast-Link:

https://ruhrpottologe-andre-brune.letscast.fm/episode/der-ruhrpottologe-kaempft-mit-der-bruderschaft-der-klinge-in-werne

Hinweis für Interessierte:

Die suchen immer gerne noch nach Gleichgesinnten und Gleichgesinntinnen. Also wenna Bock habt, meldet Euch ma beim Jens. (Handy-Kontaktnummer per Mail über mich: ruhrpottologe@gmail.com) .

GESUCHT:

Ein Raum für Kampfübungen im Winter wird auch gesucht. Denn die selbstgemachten Eisenrüstungen können schnell rosten da draußen… Also bitte einfach mal bei der Gruppe melden! Sie werden sich über jeden Neuling freuen. Ich hatte auch meinen Spaß und komme bei Gelegenheit zum Üben gerne wieder.

Glaubt mir! Is besser als jede Fitnessbude! Wenne einmal die Rüstung an hass, dann weisse Bescheid !

Und ein Besuch inne Altstadt von Werne lohnt sich anschließend auf jeden Fall !

Jens mit seiner selbstgeschmiedeten Doppelaxt – Foto: André Brune
Die Eisenrüstung muss immer rostfrei sein und der Kopfschutz aus dem Fechtsport – Foto: André Brune
Der Kampfmönch Jack Tengo – Foto: André Brune
Das Maskottchen der Bruderschaft der Klinge – Foto: André Brune
Selbstgemachte Schwerter – Foto: André Brune

Altstadt von Werne – Foto: André Brune

Biss vom Zombie-Maskottchen kann tödlich sein – Also bitte fern von mir bleiben ! – Foto: André Brune
Kauf von Ausrüstungsgegenstände ist Mytholon – Foto: André Brune

Podcast I + Bildergalerie I Der Ruhrpottologe trifft die Ruhrpottgöre von Heimatliebe Ruhrgebiet

Souvenire vom Pott? Dat gabet früha nich. Seit einigen Jahren, nach der Kulturhauptstadt und der Schließung der letzten Zeche in Bottrop, hat dat wohl jeder verstanden: Wir dürfen doch stolz auf unsere Heimat sein, genau wie ein Bayer auf seine Berge, sind wir auf unsere Halden stolz, die wir selbst zusammengeschustert haben. Also kann man da auch sich selbst wat inne Wohnung stellen, aufm Leib tragen oder einfach ma inne ferne Heimat verschenken. Und zum Verschenken musse dir wat Vernünftiget aussuchen. Und dat kannze im Laden vonne selbsternannten Ruhrpottgöre Denise Barz in „Heimatliebe Ruhrgebiet“ tun. Ich hab sie ma besucht und gepodcastet. Dafür hab ich kein Geld genommen, denn dat, wat se macht ist ja wat Besonderet für dat Ruhrgebiet.

Denise blüht auf, wenn sie über die Geschäftsidee spricht. Mit Herzblut und vielseitigen kreativen Bildern und Sprüchen animiert sie jeden Tag auf Instagram und Facebook ihre Stammkunden und neuen Interessenten doch einfach mal in den ungewöhnlichen Laden in Essen am Limbecker Platz in der Shopping Mall zu gehen. So klein der Laden ist, so vielfältig ist die Auswahl. Der Ruhrpottologe möchte Personen vorstellen, die ihr Herz an das komplette Ruhrgebiet verloren haben, die nicht nur hier geboren sind, sondern hier auch etwas machen. Verkaufsartikel von Ruhrgebietsfirmen, wie Pottkorn, Pottkaffee, Kokoschinski, auch Robin Ruth oder eigens entworfene Tassen und T-Shirts sind die Renner im Geschäft von Denise. Ihre Augen leuchten, wenn sie über die jetzt sechs, durch die Pandemie eingeschränkten, aber insgesamt sehr positiven Jahre spricht. Sie war zur richtigen Zeit mit der richtigen Idee gestartet und plaudert über sich und „Heimatliebe Ruhrgebiet“.*

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Der Youtube-Podcast mit exklusivem Video-Material am Ende – Film: André Brune

*Dies ist unbezahlte Werbung nach den neuen Richtlinien. Hier geht es um die Vorstellung eines besonderen Geschäfts im Ruhrgebiet mit Ruhrgebietssouvenirs.

Mitten im Limbecker Platz Essen schlägt das Herz des Ruhrpotts. Alle Lokalpatrioten und Ruhrpott Fans finden hier viele töfte Ruhrpott Schätze und lokales Pott Design. Das moderne Ladenkonzept bietet neben einer Vielzahl trendiger Souvenirs wie Aufkleber, Tassen, Magnete, Schlüsselanhänger auch viele modische Accessoires. Einige Kreationen stammen aus eigener Feder und sind nur hier im Heimatliebe Ruhrgebiet Shop zu bekommen! Also schaut doch mal vorbei und stöbert in diesem wahren Ruhrpott Eldorado!**

**entnommen von der Internetseite:
https://www.heimatliebe-ruhrgebiet.de
Heimatliebe Ruhrgebiet, Ruhrpott Souvenirs, das Ruhrgebiet – Heimatliebe Ruhrgebiet (heimatliebe-ruhrgebiet.de)

Facebook: https://www.facebook.com/heimatlieberuhrgebiet2020
Instagram: @heimatlieberuhrgebiet
Email: info@heimatliebe-ruhrgebiet.de 

 

Bisse Bottrop oder Geholbracht worden?

Satirischet über die Stadt, die nich anne Ruhr liecht

Hömma! Wat soll dat? Ich frach dat ma so in drei Worten. Denn als ich noch Blach war, war dat verpöhnt mitn Auto zu kommen. Da war man eher reich, weil die Haushalte eigentlich nur ein Auto hatten und damit fuhr der Chef des Hauses, nämlich der Vadder, mit zur Arbeit. Die Mudda war Hausfrau oder arbeitete bei Karstadt in Teilzeit, um die Kinder zu bekochen, wennse vonne Schule mitn Bus, Fahrrad oder zu Fuß, so wie ich, gekommen sind.

Dat Unbegreifliche is für mich, dat meine Generation wie Hubschrauber umme Blagen schwirren. Extra größere Karren kaufen, damit die aufm Weg zur Schule vielleicht noch Frühstücksfernsehen von Youtube glotzen können, damit se wissen, wat so Ambach is bei den Pausengesprächen. Dann is die Strecke zur Schule doppelt so lang, weil die mitte Autos inne Schlange anne Ampel stehen, wo du mit Fahrrad, dat is son Gestell aus Stahl, Alu oder auch Karbon, wo du mit zwei Rädern dich fortbewegen und anne Autos vorbeidüsen kanns. Wat mittlerweile sogar mit Batterie lautlos mit bis zu 30 km/h geht, kannse auch nich schneller mitte CO2-Schleudern haben.

Und dann noch BussiBussi und Herzken hier und da. Und noch glotzen, bis et endlich inne Klassenzimmer verschwindet, statt mitn Ranzen aufe andere Seite des Schulhofes, um inne Stadt zu gehen, um zu schwänzen. Die Eltern müssen heute wohl immer Argusaugen auf ihre Blagen haben. Warum is dat so? Ich hab keine Blagen. Weil sich dat eben nich so ereignet hat, wie ich mir dat hätte gewünscht. Abba dat is ein anderet Thema.

Als ich mit vier Jahren in Kindergarten kam, habbich meiner Mudda gesacht, dat ich alleine gehen will. Wat is denn heute mit den Memmen los? Für mich war dat selbsverständlich  zum Kindergarten und zur Schule zu gehen. Nur eine Woche lang, damit ich mich nich verlaufen kann, is Mudda mitgegangen. Und dann bin ich mit Freunden aussem Kindergarten oder Schule zusammen gegangen, haben noch die Plätze unterwegs unsicher gemacht.

Heute hört dat Freundschaftliche schon auf, wenne vom Schulhof gehs. Steigs wohlbehalten in Auto ein, ob Sonne oder Regen. Mutti is ja da oder Vatti. Beide gestresst von der Arbeit, abba auch um Sorgen, dat die Blagen von jemanden mitgenommen werden könnten. Man hört ja soviel im Internet.

Ja und? Ich weiß, ich hab ja keine Blagen. Abba ich kann nur sagn, dat früher auch Leute rumgeisterten, die einen mit Bonbons gelockt haben. Da muss man die Kinders eben erziehen, um dat die ein Bonbon vom Fremden eben nich annehmen sollen. Und da is son Elterntach sinnvoll, um rauszufinden, ob ein paar Kinder zusammen den Schulweg zu Fuß, per Rad oder Bus machen können, damit sind mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  1. Kein Verkehrschaos vor den Schulen mit langen Verabschiedungen, Unfällen und Rumgehupe inne Siedlungen wegen Lärmstörung
  2. Die Blagen, die da Freitags für Klimaschutz aufe Straße zu Fuß gehen, können auch zu Fuß zur Schule jeden Tag gehen, damit die CO2-Produktion auf niedrigsten Nivo inne Stadt geht.
  3. Spart die Stadt Hol- und Bringschilder um Punkt 1 mit Unfällen zu verhindern. Dat kostet Geld und auch die Straßeninstandsetzung für jeden übergroßen SUV, der da durch die schon vorhandenen Schlaglöcher den Allrad ausprobiert.
  4. Is dat gesünder, weil die Blagen ja eh schon durch die Pandemie zu viel Chipse gegessen haben. Und bei dem Durchfall danach, hoffe ich dat die Paletten Toilettenrollen auch gereicht haben, die da so leergekauft wurden inne Homescholling-Office-Pandemie-Zeit.
  5. Hat ja ein Noch-Bundesverkehrsminister ein zukünftiget Flugtaxi vorgestellt. Statt ma sein Amt vernünftig auszuführen, würde er die Situation damit vor den Schulen noch chaotischer machen. Stellt Euch mal vor, die Eltern fliegen jetz auch noch bis zur Schule. Dann brauchse am Jahnstadion nochn Tower, Fluglotsen und Flugampeln, weil dat nur Chaos gibt. Und wie steigen die Blagen dann aus? Mitn Fallschirm natürlich. Direkt ab durche Dachluke am Heinrich-Heine. Dann wird da eine Art Rohrpost eingebaut und diejenigen welche, rutschen direkt durch dat Rohr ab in den Holzstuhl vom zugewiesenen Klassenraum. Da steht dann auch ein Rollator mit Sitzmöglichkeit, weil die A) so fett geworden sind, dat die sich kaum noch bewegen können und B) dadurch kaum noch 10 Schritte ohne ausse Puste zu kommen sich hinsetzen müssen und C) um den Zuckergehalt von Chipse und Co einzudämmen liegen die Insulinspritzen von geschulten Lehrerpersonal schon bereit für den nächsten Kollaps der Unterzuckerung beim Lernen von Pythagoras und Interpretation von Die Leiden des jungen Werthers.

Da is mir der letzte Gedanke gleich beim Goethe geblieben. Kannse dich ja gleich erschiessen. Wenne ausse Schule komms, wirse dann zur Ausbildung und Uni auch vonne Eltern gebracht. Danach zur Arbeit und Schichtdienst auch, damit et sich auch lohnt, einen neuen SUV extra für die Kinder anzuschaffen. Mit der Größe der Kinder, wächst auch die Karre dann. Ein gutet Argument wär dann zu sagen, dat sich die Blagen, dann wegen Klimaschutz ja kein Auto kaufen brauchen. Die Eltern bringen sie ja mit den sparsamen neuen oder E-Hybrid-Tes-yota-Porsche überall hin.

Ach du schöne neue Welt. Kinder müssen Eigenverantwortung lernen. Dat tun se nich, wenn se gebracht werden. Denn die ganz alte Generation, wie meine Mudda, die mussten sechs bis acht kilometer bis zur Schule oder Arbeit laufen, weil dat Geld für Bus, Fahrrad oder auch Auto einfach fehlte. Mein Vorschlag: Kauft doch ma paar vernünftige Wanderschuhe. Auch zwei Fliegen wieder gefangen: Schulweg und Wanderweg im Urlaub mit einem paar dann schon angewachsene Wanderschuhe erkunden. Dat is doch ma praktisch und taktisch überlegt.

Überlegt euch dat, liebe Eltern. Schickt die Blagen ma eigenverantwortlich inne Schule. Denn nur so können die auch die Freiheit genießen von Wind und Wetter, Schnee, Kälte, Hitze im Sommer mit ner neuen Freundin oder Freund anne Hand oder umgekehrt. Wat sons nich stattfindet, weil die Verabschiedung am Tor eine Kurze bleibt. Abba wenn Ihr dat mitn Flugtaxi vorhabt, dann geht schon ma üben anne Schwarzen Heide. Und den Fallschirm nich vergessen! Viel Spaß dabei!

Glück auf Bottrop Euer Ruhrpottologe André Brune

Bei Florian Löwenzahn gefunden im Westfalenpark

Der Ruhrpottologe André Brune besucht den Westfalenpark Dortmund

Lange her, dat ich ma im Westfalenpark war. Da konnte ich noch die Stahlhütte sehen, wo heute der Phönixsee getränkt ausse Emscher is. Ich hab damals mit ner alten russischen Kamera künstlerische schwarz-weiß Aufnahmen gemacht. Irgendwo fliegen die Bilder noch rum in irgendwelchen Schuhkartons in irgendwelchen Regalen hinter Büchern und Staub. Kennse ja. Willse glatt ne Ausstellung machen, dann wird dat nix und legs die auf Lager und vergisst die dann bisse dann widda innen Westfalenpark landes und genau in die Richtung glotzt, wo ich die Kamera damals hingehalten hab.

Mitn Sessellift in Richtung Phönixsee-Gasometer – Foto: André Brune

Kinders, wie die Zeit vergeht….doch der Westfalenpark is nich gealtert. Sieht fast genau so aus, wie damals. Gut, die haben da neue Klamotten angelegt, abba irgendswie sieht dat allet noch so aus, wie damals in den 1950er Jahren. Dabei is der Park viel älter. Glaubse nich?

Ersma musse wissen, dat der 70 ha groß is, also ein Fußballfeld hat 0,714 ha. Kannse selbst ausrechnen, dat der Park schon sehr riesich is. Da läuft sich son Haaland schon die Beine ab, wenner vom Haupteingang am Florianturm vorbei runner läuft bis zum Ausgang Hörde. Der nimmt da bestimmt eher die Bimmelbahn, um die Füße hochzulegn. Die fährt übrigens immer noch. Genau wie inne Gruga. Einmal alle 30 Minuten einmal durchn Park. Und der Sessellift is auch noch da und funktionuckelt. Blickse runter aufe Rosenbeete und die Mücken müssen sich inne Luft anstrengen um die Beine zu treffen, die runnerhängen ausm Sitz.

Bevor der Westfalenpark in Dortmund drei Mal die Bundesgartenschau 1959, 1969 und 1991 austragen durfte, war dat eigentlich der alte Kaiser-Wilhelm-Hain. Einer der ersten Erholungsparkanlagen Deutschlands. Zumindest des Ruhrpotts…. Er gehört abba tatsächlich zu den größten Parkanlagen Europas. Und im „Deutschen Rosarium“ kannse 3000 Sorten Rosen sehen.

Neben des Kaiser-Wilhelm-Hains, war ne wilde Mülldeponie und eine verwilderte Kleingartenanlage und nicht zuletzt auch ein Bergwerk. Heute läufse aufe Deponie rum und trittse aufe Flöze vonner ältesten Tiefbauzeche Deutschlands.

Und wenne glaubs, datt dat schon allet war, dann staunse widda über eine Sache, dat sons die Olympischen Spiele in München so nich hätten stattfinden können. Denn hier hat der Architekt Günter Behnisch 1969 ein Sonnensegel entworfen. Experimentmäßig haben die ein freitragendet Dach konstruiert und aufgestellt. Die Deckenkonstruktion funktionierte und so bauten die dann anhand des Dortmunder Experiments dat jetzt alte Olympiastadion, wat unter Denkmalschutz steht. So müsste Bayern eigentlich schon aus Verneigung zum Ruhrpott immer freiwillich gegen Dortmund verlieren, wenne dat so überlegs. Abba die lassen die Lederhosen ja leider an…

Die Bimmelbahn vom Westfalenpark Dortmund – Foto: André Brune

2,5% der Fläche wurde ab 1991 dem Naturschutz unterstellt. Dat is so gut wie nirgends zu finden und freut die Blagen, die in Scharen ausm Kindergarten oder Schulen kommen, um sich die rumkriechenden Reptilien und Amphibien zu begucken.

Der Florianturm is übrigens damals dat höchste Gebäude Westdeutschlands gewesen. Dat hat sogar die Bungee-Jumper gefreut bis leider einer sein Hirn suchen musste. Dann wurd dat verboten da, weil zu gefährlich.

Bisse in Hurghada? Florianturm mit ägyptischen Palmen – Foto: André Brune

Und wat du auch noch wissen muss, dat hier einer der ältesten Zechen vom Pott war. Die Zeche „Am Busch“ wurde 1768 eingerichtet und war in Dortmund die erste Zeche mit einer Dampfmaschine ab 1816 um dat Grubenwasser auszupumpen aus 25 Meter Tiefe. Hier fand unter den Rosen sozusagen der erste Tiefbau Deutschlands statt.

Der Mergelschacht, einer der Zechen im heutige Parkgelände – Foto: André Brune

Seit 2007 wurde nach und nach der Park umgestaltet. Wobei ich da nix richtig anders sehe, als mal war. Auf jeden Fall kannse Dir hier noch dat Deutsche Kochbuchmuseum, die Volkssternwarte Dortmund und dat nostalgische Puppentheater angucken. Vor dem Puppentheater errinerte mich die Märchenfiguren an den Traumlandpark Bottrop. Hier kannse ein Euro in son Münzkasten werfen und aufn Knopf drücken, dann kommt die Erzählung von Hänsel, Gretel und Rotkäppchen mit dem Wolf und Rumpelstilzchen.

Dat nostalgische Puppentheater – Foto: André Brune

Wo früher, da kann ich mich nämlich noch erinnern, dat RWE-Sonnenenergieforum war, is jetzt dat Ballettzentrum Westfalen. Nich umsonst is dat Theater Dortmund weltberühmt für seine Ballettaufführung. Hab selbs den sterbenden Schwan gesehen von Tschaikowski da. Ich bin Laie und würde mir sowat nie im Fernsehen ansehen. Ich war begeistert und dat Publikum hat die Tänzer und Tänzerinnen aus aller Welt reichlich beklatscht. Eine Tänzerin war aus Gladbeck! Der Rest aus Kuba, Weißrussland, Russland, China, USA und woanders.

Wir sind auf jeden Fall an den Fischteichen vorbei, die riesige Kois drin haben. Einer tauchte immer wieder auf. Hab die Musik vom „Weißen Hai“ im Kopf gehabt. Gut dat der keine Zähne hatte. Wer weiß, wat noch passiert wär. Obwohl ich hätt den gern den Tiroler Kaiserschmarrn zum Futtern gegeben. Meine Geschmacksnerven sagten, dat der Koch nochma nach Tirol fahren sollte zum üben. Ich hätte einfach wat anders essen sollen. Warum auch in Dortmund Tirol vor Augen führen.

Die Palmen führten meine Fans ja in die Irre. Hab die so fotografiert, dat die glaubten ich wär in Urlaub in Ägypten. Falsche Fährte gelegt. Dat is wirklich toll gemacht da. Und die Flamingos sind auch immer noch da auf einem Bein. Dat rosa Federvieh is wirklich eine Augenweide.

Florian im Ohr – Foto: André Brune

Und zu guter Letzt komm ich annen blauen Bauwagen vorbei und dachte augenreibend, dat ich dat doch kenn. Bei näherer Betrachtung les ich auf einem Schild, dat is tatsächlich der echte Bauwagen vom ZDF ause Sendung „Löwenzahn“ von Peter Lustig. Und den kann ich mir in Bochum jederzeit ausleihen. Gedreht haben die dat doch immer in Berlin. Jetz steht der blaue Bauwagen bei mir umme Ecke. Dat Dingen aus meiner Kinderheit! Ich war begeistert!

Dem Peter Lustig sein Bauwagen vom ZDF. Kannse bei mir umme Ecke in Bochum leihen. Foto: André Brune

Mein Hündin mit ihrer 15einhalb konnte nich mehr. Ich musste die bei dem schönen Wetter nur noch tragen bis mein Kreuz sich meldete. Wer trägt mich, wenn ich 105 Jahre alt werde? Hab ja keine Blagen. Und hab auch noch kein Kind seine Eltern tragen sehen. Dat wär doch ma wat. Seh gerad die Fußgängerzonen im Pott. Die Eltern jeweils aufe Schulter oder im Arm getragen vonne Kinders stehen Schlange bei de Ärzte. Ach ne. Lass ma. Solange et geht, solltese auf jeden Fall ma innen Westfalenpark gehen. Am besten bei gutem Wetter. Glaubt abba nich, dat da überall schön Kaffeetrinken is. Die Pandemie hat leider so einige Pächter den Garaus gemacht. Wollen wir ma hoffen, dat et widda aufwärts geht. Auch da im Florianturm, wo man nich hochkommt im Moment wegen der Pandemie. Mi Mi Mi. Wat sacht uns dat: Impfen gehen, dann kannse dir dat Rosenbeet vom Westfalenpark auch von 200 Meter Höhe angucken.  Sons bleibt dat noch zu. Leider! Ich leb ja auch noch nacher zweiten.

Habt Spaß im Westfalenpark! Nächste Mal schick ich wat über Gelsenkirchen, damit dat hier nich nachher noch ausartet, dat ich über Gelsenkirchen nich berichten will. Ne ne. Hab schon wat im Kasten!

Seid gespannt und bis dahin wünsche ich ein fröhlichet Glück auf! Euer Ruhrpottologe André Brune

Weitere Fotos:

P.S.: Der Artikel ist als Kolumne: Übern Tellerrand glotzen mitn Florian im Westfalenpark Dortmund in der Bottroper Zeitung am 29.8.21 erschienen:

Kolumne: Übern Tellerrand glotzen mitn Florian im Westfalenpark | BOTTROPER ZEITUNG (bottroper-zeitung.de)

Logo vom Ruhrpottologen – André Brune

POTTkolumne: Bisse Bottrop oder vonne Mark?

Hömma! Da habbich doch recherchiert für nen Artikel für ne ganz lange Straße inne Welheimer Ecke, wo dat so müffelt bis ins Mark. Die Müffelrichtung is entweder von oder nach alle Himmelsrichtungen, wenne weiß wat ich mein. Da is die Kokerei gefühlt mitten im Maisfeld anne Markstraße. So hieß die heutige „In der Welheimer Mark“ früha ma so um vor deiner Zeit. Und wenn die ma Druck aufe Leitung haben, so wie du, da weisse ja, da musse aufn Pott im Stehen oder Sitzen, kommt immer auf die Person an und Geschlecht.

Die Kokerei is weiblich, die macht dat im Stehen, kannse mir glaubn. Wenne da so übern Kanal aufe A42 bretters, kannse die Latüchte wahrscheinlich bis in Kosmos sehn. Du muss wissen, dat die Welheimer Mark kaum Strom braucht nachts. Dat is weltweit einmalich. Die lassen die Rollade oben, wenn die weibliche Fackel die Räumlichkeiten erhellt. Wat willse da noch LED oder Kerzen anstecken. Die ELE bekommt ausse Mark kaum nen Cent. Die haben dat Auge Saurons da umme Ecke stehen, wenne weiß wat ich mein. Dat soll gefährlichet Zeuchs sein inne Luft, sagen Anwohner. Wenne da oben aufe Fackel stehen würdes, wär nix mehr übrich von dir. Dat sind übba 1000 Grad, die allet an Überdruck ausse Leitungen fegt. Sei froh, dat et die gibt. Wenn nämlich nich, dann kannse dir deine Zehen einzeln unterm Maisfeld suchen, sonne Explosion wär dann. Und wenne so da am Maisfeld stehs und gucks, wie dat da raucht, dann musse ma Nachts dahin. Da springen dir die Popcorn entgegen. Dann gibbet Popcornregen, weil der Mais gegrillt wird vonne heißen Fackel.

Kokerei im Popcornfeld – Foto: André Brune

Inne Kokerei wird noch richtich gearbeitet unter großer Hitze. Ich schwitz ja schon, wennet nur bisken auffe Glatze scheinen tut. Eigentlich sind ja die Ostereier da aufe anderen Seite vom Maisfeld der ruhigere Lichtblick fürs Auge und die Kamera als Postkartenmotiv. Und da hasse dann die andere Müffelei. Doch dat is gar nix heute mehr gegen dat, wat hier früher abging. Noch bis inne 80er kannse sagn, hat die Emscher mit die offenen Betonkanäle der Bäche Boye und Co und die Kläranlage, einer der größten der Welt, einen besonderen Duft versprüht: Chanel Nr. 00. Wenne ausn Urlaub mitn Cabrio üba die B224 angekommen bis wußtest du, du bis inne Heimat. Da, wo du tächlich dein Kreuzworträtsel machs oder Facebooknachrichten daddels auf zwei Quadratmeters, hasse hier in Groß.

Jetz is dat Klärschlammbecken unter Glas. Solarthermische Trocknung heißt dat jetz. Wie funktionuckelt dat denn? Geh ma auf dat Stille und mach dat große Geschäft unterm Glasdach. Da kommt dir ersma kein Duft mehr entgegen und der entstehende Dampf beim Trocknen kannse dann als Biogas in dein Auto packen als LPG. Fährse sogar umweltfreundlich. In Nordkorea habbich gesehen machen die Strom für Fernsehen und Radio. Da musse nur die Generatoren der Geräte ankurbeln, wie son Oldtimer ausse 20er vor 100 Jahren. Die heizen sogar den Herd und die Behausung damit. Der Kim der weiß, wie dat mit COZwei-Einsparungen geht! Habbich inne Doku gesehn. Kann sich die Bundesregierung ma ne Scheibe von abschneiden. Die Emschergenossenschaft hat die Doku bestimmt gesehn und hat dat Kimsche Konzept mitte Sonne für ne schnellere Vergasung mit deutscher Ingenörkunst entwickelt.- Anzeige –

Idyllische Faultürme der Emschergenossen – Foto: André Brune

Und wirklich, die Luft nähert sich bis auf den Koksschwefel von Gegenüber ab und zu fast an dat Jahr 1834, wo hier noch Wildpferde rumhüpften. In Echt! Die letzten 100 Emscherbrücher Wildpferde hat dann der Tünnes von Landrat Devens versteigert und hat sich ne ganze Straße davon gekauft. Devensstraße kennse ja…

Und die Chinesen haben sich ja auch ein Teil von hier mitgenommen. Welheim steht jetz in Shanghai oder wo auch immer. Bis zum Jahr 2000 wurde sechs Jahre lang der fleißig von den Bewohnern gesammelte Müll in Öl umgewandelt. Der Bundesumweltminister Töpfer hat den roten Knopf mit tollen Fernsehaufnahmen gedrückt. Sechs Jahre später waren et die Chinesen bei Ebay. Zu teuer meinten die Betreiber statt et weiterzuentwickeln. Heute wär dat ne Goldgrube. Machen halt widda die Chinesen, wie beim Transrapid. Immer größer und besser aus dem Material, wat wir nich mehr wollen. Selbst in Schuld sach ich ma.

Da, wo die Hydrieranlage stand is, noch ein Betonklotz übrich. Denn dat ganze Gebiet is Altlasttnaturschutzgebiet. Da kannse ma gucken, wie in 20 Jahren die Natur sich die Gegend zurückgeholt hat. Unglaublich!

Ehemalige Gastwirtschaft Schweers in der Welheimer Mark – Foto: André Brune

Nache Brücke kommse an son großet Haus vorbei. Da war ma die einzige und letzte Gaststätte vonne Mark: Schweers. Die Säulen im Eingangsbereich und dat leere Sichtfenster für den leckeren Zungenschlag sind noch übrich gebliebene Relikte ausse Zeit, die keiner mehr so kennt. Heute saufen die ja alle nur noch vor der Glotze und Flaschenpost bringts kistenweise. Ich will nich wissen, wie die Gewichtsklassen sich gegenüber früher verschlechtert haben, weil weniger gelaufen wird bis zur Kneipe, die et ja nich mehr gibt.

Ich sach ma, die Mark is sehenswert mit Industriekultur und schönem Wohnen inne Natur. Et is längst nich mehr so, wie früher. Lohnt sich ma einmal da rumzuwandern und ein Abstecher bei der letzten Freßbude im Ort anne St. Antonius zu machen. Da fehlt son Lebensmittelmarkt sach ich ma. Alle brauchen ein Auto, denn der Bus kommt nur einmal pro Stunde. Dat is ja schon traurig vonne COZwei – Bilanz. Da kommse dir als Marker vor wie abgeschnitten vom Rest der Welt von Bottrop. Abba wohnen kannse da ganz schön im Grünen. Geh ma hin, mir hat dat da gefallen! Zur Not nimmse ne Nasenklammer mit. Abba glaub mir, so schlimm is dat nich mehr!

DER PODCAST ZUR KOLUMNE: https://ruhrpottologe-andre-brune.letscast.fm/episode/die-strasse-die-stank-in-der-welheimer-mark

Glück auf Welheimer Mark Euer Ruhrpottologe André Brune

Straßenname „In der Welheimer Mark“ in Bottrop

Herkunft, Bedeutung, Gegenwart

Straßennamen begleiten uns unser ganzes Leben. Dort erleben wir unsere Kindheit, Heiraten, Arbeiten, Besuchen, Leben und Sterben. Das sind unsere Heimatstraßen. Doch die Straßennamenbedeutung ist für uns eher nebensächlich. Woher stammt der Name, was oder wer steckt dahinter und manche würden mit einer Zeitreise gerne sehen, wie sie vor 100 oder 50 Jahren ausgesehen haben mag.  

Und warum sind manche einfach namentlich geändert worden? Ich beschreibe Geschichte und Gegenwart städtischer Straßennamen in Bildern und Videos in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und dem Vermessungs- und Katasteramt Bottrop. Viel Spaß beim Lesen, Hören, Sehen und Staunen:

Ausschnitt vom Stadtplan Bottrop 1896 – ehemals genannte Markstraße

Der Name der Straße „ In der Welheimer Mark“ ist von der Stadtverordnetenversammlung am 22.8.1921 beschlossen worden. Der neue Name sollte einen Hinweis auf den neu entstehenden Stadtteil und eine breite Verbindungsstraße zwischen Prosperstraße und Knappenstraße werden mit neuen Ansiedlungen von Wohnhäusern und Industrieanlagen. Sie befindet sich im heutigen Stadtplan K,L,M 14,15,16. Eine Karte von 1906 zeigt im Planquadrat L8 – M6 den Vorgängernamen „Markstraße“. Auch 1896 war die Markstraße schon da, aber es siedelten sich hier noch keine großen Arbeiterfamilien an. Die heutige Straße „In der Welheimer Mark“ Straße entstand somit vor 1896. Sie führt über ca 2 km von der Knappenstraße ausgehend in Richtung Prosperstraße. 1906 lag sie nah am Emscherzufluß Aspel-Flötte, der wiederum an der Stadtgrenze war. Sie wurde gesäumt von vielen Ackerflächen und nur ca. 30 Häusern, wovon noch einige stehen.

-Ausschnitt vom Stadtplan Bottrop 1954 – „In der Welheimer Mark“
Die Veränderung der Jahrzehnte im Aussschnitt vom Stadtplan 1965 – „In der Welheimer Mark“

Kurz vor dem Ende in einer Kurve, wo heute ungefähr das neue renaturierte Emscherzuflusssystem liegt, stand früher eine große Katholische Schule. Gegenüber standen auch einige Häuser. Die Straße wurde im Einzugsbereich der Prosperstraße erst so kurvig gebaut worden durch den Ausbau der Bundesstraße und der erweiterten Reinigung des Emscherzuflußgebiets. Bei Hausnummer 80 überquert das Gleisbett über eine alte Eisenbrücke auch heute noch die „Fiskalische Bahn“ kurz hinter bzw. vor der Stadtteilsiedlung Welheimer Mark. Sie verteilte die Kohle u.a. auch von der Zeche Rheinbaben in Richtung Essen zur Weiterverarbeitung, zum Heizen oder für die angefangene Stromerzeugung beim Verbrennen. 1906 ist die Mark noch ein recht unbewohntes idyllisches Nest mit viel Landwirtschaft und wenig Industrie außer der Pulvermühle, die an der Knappenstraße lag. Bis zur Versteigerung der letzten 100 Emscherbrücher Wildpferde im Jahr 1834 durch den Landrat Friedrich Carl Devens hatten sie hier eine freie Wildbahn. Die Luft und Landschaft muss das genaue Gegenteil gewesen sein, was nach 1906 passierte. Dies ist aber eine andere Geschichte.

Die Welheimer Mark war zu diesem Zeitpunkt kaum bewohnt und es gab auch noch keine Arbeitersiedlung. Die ersten Marker wohnten tatsächlich nur an dieser „Grenzstraße“ zum Regierungsbezirk Düsseldorf kurz vor der mäandernden und oft über die Ufer tretenden Emscher.

Woher stammt der Ausdruck „Mark“?

Er basiert auf dem indogermanischen „mereg-, oder mrog- für Rand bzw. Grenze. Das Wort Grenze allerdings kommt aus dem altslawischen/ altpolnischen Begriff „granica“. Der heutige Stadtteil mit der entprechenden Straße „In der Welheimer Mark“, auch die alte Bezeichnung Markstraße, ist durch diese Wortwahl „Mark“ eine Randstraße von Bottrop, und eben auch eine Grenzstraße des Regierungsbezirks Münster. Ab der anderen Emscherseite begann der preussische Regierungsbezirk Düsseldorf mit Borbeck und Karnap. Diese wurden 1913 und Karnap 1929 nach Essen eingemeindet. Der Begriff „Mark“ hat jedoch noch eine größere Bedeutung aus dem Mittelalter. Doch die Herkunft der Bedeutung wird ausführlicher behandelt in der im August zusätzlichen neu startendenden Geschichte Bottroper Gebiete und Stadtteile. Zurück zur Straße:

Nur 15 Jahre später sah die Welheimer Mark schon anders aus. Einige Straßen und Häuser wurden neu gebaut für die Arbeiterfamilien, die in der Munitionsfabrik von Krupp arbeiteten. und verbanden die Knappenstraße trapezförmig in der noch heute sehenswerten typischen Bauweise mit „In der Welheimer Mark“.

ehemalige Gastwirtschaft „Schweers“ – Foto: André Brune

Eine besondere Bedeutung für die Mark hat die Hausnummer 55. In ihr war die Stadtteil-Gastwirtschaft „Schweers“. 1897 begann Josef Schweers mit der Übernahme der Theke im Haus Nr. 53. Durch die in den Jahren 1905 bis 1918 neu gebauten Häuser durch den Zuzug vieler neuer Arbeiterfamilien für die Munitionsfabrik von Krupp und die Zeche Prosper II, baute 1914 sein Sohn Josef Schweers junior eine größer Gastwirtschaft im Jahr 1914. Allerdings ist dies die letzte „Kneipe“ vor Ort vor ca 15 bis 20 Jahren gewesen. Im ursprünglichen Gastwirtschaftsgebäude Nr. 53 zeugen typische Wandfliesen im Eingangsbereich noch von einem Metzgerladen. Links im flachen Gebäude war ein kleiner Lebensmittelmarkt. Rechts vom Gebäude gab es einen Schuhladen. Die Mark besitzt leider nur noch einen Friseur und eine Pizzeria gegenüber der Kirche St. Antonius. Vor den Schließungen war die Versorgung vor Ort sehr gut. Vielleicht ist das ein Ansporn einen kleinen Lebensmittelmarkt mit anderen Utensilien zu eröffnen, um große Wege zu sparen für die Welheimer in der Mark.

Nach dem 2. Weltkrieg entstanden ab den 1950er Jahren durch die Arenberg Bergbau GmbH für die Prosper II-Arbeiterschaft zusätzliche Straßen und Siedlungshäuser, z.B. in der Straße „Döckelhorst“. Diese wurden kürzlich komplett von Vonovia frisch saniert und liegen eingebettet in herrlicher Natur.

Idyllische Faultürme – Foto: André Brune

Rechtsseitig gegenüber der Straße Haverkamp entstand 1929 einer von vier Kläranlagen der Emschergenossenschaft entlang der mittlerweile in Beton eingegossenen wilden Emscher. Die Betonemscher wurde so zu einem Abwasserfluss die Industrieabwässer und menschliche Abfälle, Exkremente, wie Toilettenpapier durch die kleinen Zuflüsse und Abwasserrohre auffangen musste. Eine eigene durch natürliche Reinigung konnte durch die Einbetonierung nicht mehr stattfinden. Ohne Sauerstoffzufuhr und der Verunreinigung ist jedes betreten selbstmörderisch und verboten bis heute. Die Luft wurde damals „markig“ zersetzt durch den stark bakteriellen Gehalt in den entsprechenden Aufbereitungsbecken der offenen Reinigung. Sie reinigte das gesamte verunreinigte Wasser der Zuflüsse an dieser Stelle mit modernster mechanischen Technik, bevor es in die Emscher geleitet wurde.  Die ursprüngliche Idylle bekam einen üblen täglich begleitenden Duft, der zusätzlich von der Kokerei mit Schwefel angereichert wurde. Noch 1965 gehörte mit Dortmund zu den immisionsreichsten Orten Deutschlands mit begleitenden Erkrankungen der BewohnerInnen.

ehemaliger Eingang zur Kole-Öl-Anlage – Foto: André Brune

Linksseitig hinter der Eisenbahnbrücke stand bis zum Jahr 2000 die Kohle-Öl-Anlage. Das Prinzip aus Kohle Öl zu gewinnen war eine deutschen Erfindung für die Kriegsmaschinerie Hitlers, um unabhängig Öl aus Kohle zu produzieren. 1994 mit großem Tamtam mit dem damaligen Umweltminister Klaus Töpfer wurde diese Anlage für die Duale System Deutschland (DSD)  so umfunktioniert, das der Grüne-Punkt-Müll in Öl umgewandelt werden sollte. Nur sechs Jahre später wanderte bei einer Versteigerung der Großteil nach China, wo sie weiterentwickelt wurde, hier jedoch zu diesem Zeitpunkt leider zu teuer für die Betreiber war. Heute ist nur noch eine wilde Naturlandschaft zu sehen und der Eingangsbereich wird durch einen großen Betonstein gesperrt.  

Von 1991 bis 1996 wurde die Anlage komplett für 230 Mio Euro saniert. Das 147000 m2 große Gelände kann nun 8500 Liter Wasser pro Sekunde mechanisch mit Rechen, Sand- und Fettfang und in einem 10 Meter tiefen Belebtschlammbecken mit Vor- und Nachklärbecken reinigen. Allein das Klärbecken hat eine Gesamtfläche von 58000 m2. In den vier 54 Meter höchsten Faultürmen der Welt mit einem Gesamtvolumen von 60000 m2 entsteht Faulgas aus dem Klärschlamm. Dies wird zur Stromgewinnung und Beheizung der Anlage genutzt. 2008 bekam die Emschergenossenschaft den Innovationspreis der International Water Association verliehen für die „Veredelung“ des Faulgases zu Bio-Erdgas. Damit werden die hauseigenen Fahrzeuge betankt. Ein weiterer Schritt ist die Wassersstoffnutzung.

Blick auf Solarthermische Verbrennungsanlage unter Glas

2021 wurde jetzt die weltweit erste solarthermische Klärschlammtrocknungsanlage auf dem Gelände der alten Schlammplätze gebaut. Sie sieht aus wie ein riesiges gläsernes Treibhaus und ist von der Bundesstraße und „In der Welheimer Mark“ aus zu sehen. In den 32 Trocknungsanlagen auf einer Fläche von 61000 m2 werden mit Hilfe von Sonnenenergie und der Abwärme der Klärschlammverbrennung der Klärschlamm getrocknet. So kann zusätzlich CO2 eingespart werden. Chemischer Wäscher und Biofilter reinigen die Abluft, die durch die eigenständige Verbrennung entsteht.

Renaturierte Boye im Zulauf zum Reinigen – Foto: André Brune

Die kleinen Flüsse Boye, Schwarzbach, Lanferbach, Holz-, Resser- und Sellmannsbach aus den Städten Bottrop, Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Gladbeck werden hier vor dem Zufluß in die Emscher bzw. auch aus der Emscher heraus gereinigt. Das sind 240 km2 und das Abwasser von ca. 740000 Einwohner und zahlentechnisch umgerechnet für Industrieabwässer 480000 Einwohner, die hier abwassertechnisch wieder aufbereitet werden. Nachts sind die bunt erleuchteten Faultürme sind ein schönes Postkartenmotiv moderner und innovativer Industriekultur.

Vor der Kurve Richtung Prosperstraße baute die Emschergenossenschaft für ihre Mitarbeiter Ende der 1960er eine kleine günstig zu mietenden Wohnsiedlung mit großzügigen Wohn- und Kellerräumen, Terrasse, Balkon. In der Kurve liegt der Zulauf der renaturierten Bäche Boye. Sie fließt in den Kanal Prosper zur ersten Reinigung mit dem Rechen. Auf dem Gelände suchte bei meinen Recherchen ein Fischreiher sein Glück.

St. Antonius Kirche mit der ältesten Glocke Bottrops – Foto : André Brune

St. Antonius erbaut 1942, die katholische Kirche im Stadtteil, ist im schlichten grauen Stil erbaut. Dies macht es umso interessanter, denn sie besitzt die älteste Glocke Bottrops. Sie stammt aus der mittelalterlischen Kommende Welheim, die im zweiten Weltkrieg komplett zerstört wurde.

Haltestelle Grenze Welheim – Foto: André Brune

Die Linie 294 fährt durch den Stadtteil über die „In der Welheimer Mark“ leider nur einmal pro Stunde. Aber um den historisch idyllischen, wie auch heute technisch innovativen Hintergrund dieser Straße zu erfahren lohnt es sich einmal um die Welheimer Mark zu laufen. Noch immer in Betrieb befindliche Ackerfelder, die historische Kruppsche Arbeitersiedlung und die nur noch wenigen Schornsteine des Ruhrgebiets begleiten die kleine Wanderung. Wer es möchte, kann bei der Emschergenossenschaft oder in der Kokerei nach einer Begehung fragen.

Podcast zur Straße „In der Welheimer Mark“ : Der Ruhrpottologe – Unterwegs im Ruhrpott
Die Straße, die stank: In der Welheimer Mark
Der Ruhrpottologe erzählt beim Erlaufen der Straße, was die Straße verändert hat

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Mehr Informationen

Glück auf wünscht der Autor André Brune

Quellenangabe/Karten:

Leben im Bottroper Süden, Hrsg. Heike Biskup, Bottrop 2007

Alt-Bottroper Kneipenlandschaft, Hrsg. Wilfried Krix, Stadtarchiv Bottrop 2007

Stadtplanausschnitte mit freundlicher Genehmigung der Stadt Bottrop

Internetseite: www.emschergenossenschaft.de

Wikipedia: „Mark“

Fotos/Text: André Brune