Bochumer Verein Teil 3 I Von der braunen Zeit bis zur Gegenwart 1933 – 1990 I +Videopodcast I +Podcast Folge 16 #121

In Teil 3 unseres gemeinsamen Projektes ‚Ruhrgebiet erklärt‘ Folge 16 sprechen wir über die eher unrühmliche Vergangenheit unter der Herrschaft des Nationalsozialismus, Zwangsarbeit und die Nachkriegszeit vom Stahlhersteller im Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahl AG.

Ein nicht ganz so einfacher Podcast, der in Hitradio Ruhr seine Premiere hatte eine Woche zuvor.

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Wer nur der Reihe „Ruhrgebiet erklärt“ mit mir und Jack Tengo folgen möchte:

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Die Firma hat sich sehr unrühmlich verhalten. Viele Zwangsarbeiter wurden ausgenutzt, um die Rüstung am Laufen zu halten. In Bochum gab es ein Außenlager vom KZ Buchenwald. Das sagt schon genug aus, wie die Situation in Bochum war. Und es sagt aus, dass Verantwortliche wußten, was mit denen passierte, die nicht mehr arbeitsfähig waren. Jahrzehntelang wurden Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen nicht entschädigt. Aber wie das genau war, dass wird in einem anderen Podcast der Stolperstein-Reihe besprochen werden.

Die Nachkriegszeit hat dem Bochumer Verein nach einem Aufschwung wirtschaftlich stark zugesetzt. Es wurde auch woanders und billiger Stahl hergestellt. Eine Aktienmehrheit von Krupp hat so die Übernahme vom8 Bochumer Verein Generationen nach dem alten Alfried endlich möglich gemacht. Die Situation war dann aber leider so, dass Krupp in Bochum das Werk nach und nach eher abwickelte. Durch Managementfehler sind die Herstellungsverfahren einfach veraltet gewesen und sie wurden nicht mehr ersetzt.

Natürlich flechten wir jetzt immer ein Ruhrpottwort ein, um es zu erklären, woher es stammt und ob es wirklich von hier kommt. Oder was man noch so sagt.

Der Bochumer Verein lebt noch. Und einige Hallen werden auch noch genutzt für Herstellung von speziellen Radsätzen im Eisenbahnbau. Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH ist keine Aktiengesellschaft mehr. Die Firma prüft auch Materialien. Im vierten Teil reden wir über die moderne Firma, aber sprechen auch über den die Jahrhunderthalle, ihre Geschichte und den Ursprung als Ausstellungshalle, sowie ihre Architektur, den heutigen Westpark auf dem Ursprungsgelände des Stahlwerks nah der Innenstadt und reißen die Ruhrtriennale an. Das es weitere Veranstaltungen in der Jahrhunderthalle gibt ist selbstverständlich. Als da wären der historische Jahrmarkt oder im Jahr 2025 die studentische Sportveranstaltung FISO. Die Jahrhunderthalle und das Gelände hat einen großen Mehrwert für die Stadt Bochum und gilt als ein internationaler Must-See touristischer Ausflugsort des Ruhrgebiets. 

Für die Opfer von Eschede, die bei dem schwersten ICE-Unglück am 3.6.1998 ums Leben gekommen sind, legen wir am Ende eine Schweigeminute im Podcast ein. Dieses Unglück hat zu einer noch größeren Material- und Sicherheitsüberprüfung bei der Bahn geführt, damit dies nicht wieder passieren kann. Damals war der Bochumer Verein unter die Lupe genommen. 

2016 war ein Schnittpunkt für die traditionelle deutsche Firma. Sie wurde von Full Hill, einem chinesischen Investor gekauft. 2022 wechselte der Geschäftsführer. Die Spezialisierung war wohl wirklich sehr wichtig für das Überleben dieses Restunternehmens, aber hat nur entfernt mit dem Ursprung der Gusstahlfabrik Meyer & Kühne zu tun. Auf dem Gelände steht kein Hochofen mehr, der den Stahl zu einem Rad formt.

Andere Teile der Firma, wie die große Stahlverarbeitungshalle in Höntrop, die in den 1920er Jahren die größte der Welt war, sowie die in Bochum anderen verteilten „Herstellerhallen“ gehören mittlerweile anderen Firmen. Eine wurde kürzlich im Oktober 2025 von ThyssenKrupp geschlossen. An der Castroper Straße wird nun nichts mehr produziert und die Stadt Bochum setzt sich schon hin, um das Gelände neu zu gestalten, wie es schon mit dem Opel-Gelände passiert ist. Bochum ist das Markenzeichen für positiven Strukturwandel im Revier und schaut nach vorn.

Glück auf ist übrigens der Gruß der Stahlleute ebenfalls nutzen, weil sie eng mit dem Bergbau verbunden sind. Ohne Kohle, keine Stahlerzeugung. Die Zeche Carolinenglück, wovon noch ein Fördergerüst an der Erzbahntrasse unter Denkmalschutz steht, gehörte dem Bochumer Verein.

Damit endet der letzte Podcast über den Bochumer Verein. Alles konnten wir nicht reinpacken. Das hätte den schon großen Rahmen noch größer gemacht und gesprengt. Es hat Spaß gemacht, ihn zu kreieren. Die nächsten folgen und werden das Ruhrgebiet erklären. 

Viel Spaß dabei! Für weitere Infos geht auf die Quellen und weiteren Informationen :

https://www.bochum.de/Stadtarchiv/Bochum-in-der-NS-Zeit/Zwangsarbeiter-im-NS-Staat-und-ihr-Schicksal-in-Bochum

https://bochum-donezk.de/projekte/ehemalige-zwangsarbeiter

https://bochum-donezk.de/images/stories/ehem_zwang/2024-Flyer-Ehemaliges-Zwangsarbeiterlager-Bochum-Bergen.pdf

https://www.bochum.de/Stadtarchiv/Bochum-in-der-NS-Zeit/Ehemaliges-Zwangsarbeiterlager-Bergener-Strasse-116a-i

https://www.aussenlager-buchenwald.de/details.html?camp=20

https://de.wikipedia.org/wiki/NS-Zwangsarbeit_in_Bochum_und_Wattenscheid?wprov=sfla1

https://www.zwangsarbeit-archiv.de/buecher_medien/literatur/b00355/index.html

https://www.bochumgegenrechts.de/bochum/kriegsgefangenen-zwangsarbeiter-konzentrationslager-und-gefaengnisse-waehrend-des-faschismus-in-bochum/

https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/bochum-aufloesung-aussenlager-kz-buchenwald-100.html

https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/bochum-aufloesung-aussenlager-kz-buchenwald-100.html

https://www.porta-polonica.de/de/atlas-der-erinnerungsorte/von-polnischen-kumpels-polenzechen-und-ostarbeitern-ein-blick-auf-100?page=5

https://r-mediabase.eu/zwangsarbeit-in-bochum/

https://www.bochumer-verein.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Bochumer_Verein?wprov=sfla1

Peter Honnen: Wo kommt dat her?

Der Bochumer Verein Teil 1 I Die Gründer und Unternehmer Jacob Mayer, Eduard Kühne und Louis Baare I +Videopodcast I +Podcast Folge 14 #119

Der neue „Ruhrgebiet erklärt“ aus der Reihe „Ruhrpottologe unterwegs im Ruhrgebiet“ ist Teil 1 einer vierteiligen Reihe über den Stahlhersteller Bochumer Verein. Jack Tengo und ich beginnen mit den wichtigsten Personen ohne die das Unternehmen gar nicht erst gewesen wäre: Jacob Mayer, Eduard Kühneund dem  Generaldirektor Louis Baare, der kam, als die kleine von Konkurs bedrohte auf einem ehemaligen Bochumer Ackergelände stehende Firma zu einem Aktienunternehmen wurde: Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrication AG. 

Es geht um die Geschichte, den Aufstieg und Fall eines der größten Stahlhersteller. Wir besprechen nicht nur einfach einen Wikipediaeintrag, sondern auch humorvoll über Anekdoten, die ich bei der Recherche gefunden habe, sowie auch das Drumherum der Zeit, als die Gründung vollzogen wurde unter welchen Bedingungen von der Ersten Weltwirtschaftskrise bis zu den ersten Aufträgen von Kanonen und die Weltausstellung in Paris mit der ersten aus einem Guß hergestellten Glocke, von der eine der zweitgrößten vor dem Rathaus Bochum steht.

Gusstahlfabrik in Bochum von Mayer und Kuehne 1845 (c) aufgehoben aus Wikipedia

Es geht um das Auf und Ab in der Stahlproduktion, die Beteiligungen der Firma in alle Welt, die Nebenschauplätze vom Siegerland über Lothringen bis nach Schweden, aber auch die negativen Seiten von Zwangsarbeitern im ersten, sowie im zweiten Weltkrieg. 

Bochumer Verein (Postkarte um 1907) vom Bildarchiv Stadt Bochum

Aufhänger der Idee war eine Gästeführer – Hospitation von Bochum Marketing in der Unterwelt der Jahrhunderthalle. Ich hab gesagt: Erst der Podcast, dann Gästeführung. Der heutige Eventpunkt „Jahrhunderthalle“ auf der Route der Industriekultur hat eine große Drumherum-Geschichte, die es im Podcast zu erzählen gilt in einem wahren Industrie-Epos.

Alle vier Teile werden eine Woche vor der Veröffentlichung auf den Podcast-Kanälen vorher beim Internetradio Hitradio Ruhr als Vorpremiere immer Sonntags von 16-19 Uhr veröffentlicht werden. Dabei begleitet uns Musik von Tana Schanzara, Dieter Krebs, Wolfgang Petry, Hausmeister Klopotek und viele andere Interpreten bei den eher trockenen Themen, die wir mit Humor aufbereiten und nicht langweilig werden lassen. 

Eine Woche später wird der Podcast dann am Sonntag ab 19 Uhr zu hören sein auf allen Podcast – Kanälen, sowie im Youtube – Kanal: @ruhrpottologeTV oder auch bei Jack Tengo. Alle Links und Infos kommen, wie jetzt immer über den Blog.

Wir behandeln in Teil 1 den Aufstieg des Bochumer Vereins, der ohne die drei wichtigsten Persönlichkeiten nicht möglich gewesen wäre. Wir besprechen die Wurzeln der Fabrik, das nicht den Anfang im Ruhrgebiet nahm, sondern in Nippes, was viele nicht wissen oder nicht erzählt bekommen.

Podcast anhören im Radio Sonntags 16-19 Uhr:

bei HITRADIO RUHR – Dein Sender für´s Ruhrgebiet.

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Der Erfinder: Jacob Mayer – vom Uhrmacher zum Stahlpionier

Jacob Mayer (1813–1875), geboren im württembergischen Dunningen, war eigentlich Uhrmacher – und zugleich ein Tüftler, der das Herstellungsverfahren von Gussstahl revolutionieren wollte. Auf der Suche nach dem nötigen Know-how ging er nach Sheffield, der britischen Stahlmetropole, wo er die Grundlagen moderner Tiegelgussverfahren studierte bei dem britischen Uhrmacher Huntsman, der sich das selber in Indien genauer angeschaut hatte. Jacob hätte seinen Nachnamen in Bond ändern können, der war ja schließlich aus dem Ruhrgebiet, geboren in Wattenscheid. Jacob Meyer war der Techniker und Eduard Kühne war der Geschäftsmann, der auf die Idee der Gründung einer Stahlfirma aufmerksam wurde und unterstützen wollte als Geschäftsführer Links zu Jacob Mayer:

Jacob Mayer 1862 (c) aufgehoben aus Wikipedia

Mehr über Jacob Mayer: https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Mayer

1836 gelang ihm der Durchbruch: der erste Gussstahl auf deutschem Boden – noch in Köln-Nippes. Doch die Vision war größer. Die Verwirklichung sollte im Ruhrgebiet nicht in Aachen oder Köln sein. Seine aus einem Guß gegossene erste Glocke auf der Weltausstellung 1855 war nicht nur damals die erste ihrer Art vor Ort, sondern beeindruckte auch den Nachbarkonkurrenten aus Essen Alfred Krupp.

Der Möglichmacher: Eduard Kühne – Kaufmann mit Weitblick und leider tragischem Ende

Eduard Kühne (1810–1883) war der kaufmännische Partner, ohne den Mayer nie ein Werk aufgebaut hätte in seinem Wunschgebiet. Als Kaufmann mit Kapital, Kontakten und Mut unterschrieb er 1842 den Gründungsvertrag und finanzierte die frühen, verlustreichen Experimente bis es nicht mehr ging. Als die gemeinsame Firma des Technikers Jacob Mayer und des Geschäftsführers Eduard Kühne in Konkurs rutschte, half nur ein Neustart als Aktiengesellschaft 1854 in dem die 1842 gegründete Firma Guß- et Cement, Stahlfabrik bei Bochum oder Essen Mayer & Kühne zum Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrication AG, kurz BVG. 

Doch trotz seines Pioniergeistes geriet Kühne, der unter dem eingesetzten Generaldirektor Louis Baare seine Ideen nicht mehr durchsetzen konnte und somit 1858 seinen Hut nahm, später in finanzielle Schwierigkeiten, verlor sein Vermögen und starb verarmt in Kleve. In Bochum wird Kühne vielleicht deswegen nicht unbedingt als Vorreiter des Bochumer Vereins gedacht, obwohl ohne ihn es nicht dazu gekommen wäre. Von ihm gibt es keine Fotos oder Lithografien.

Kurzbiografie Kühne: https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_K%C3%BChne

Der Stratege und Patriarch: Louis Baare – der Mann, der Bochum zur Großstadt machte

Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1854 wurde Louis Baare (1821–1895) Geschäftsführer des neuen Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation AG. Baare machte aus dem Unternehmen einen Stahlgiganten – strukturiert, modern, sozial engagiert und international erfolgreich.

Louis Baare (c) aufgehoben aus Wikipedia

Unter seiner Führung wuchs das Werk von wenigen Hundert Arbeitern auf über 16.000 Beschäftigte (1909). Er prägte das Stadtbild. Er hatte sehr gute politische Verbindungen bis zum damaligen Reichminister Otto von Bismarck und entwarf die Idee einer Unfallversicherung. Er ließ einen neuen Stadtteil entstehen, wie das bekannte Stahlhausen direkt gegenüber des Eingangs zum Werk. Es war vergleichbar mit der Form des sozialen Engagement der Firma Krupp in Essen.

Zur Person Baare: https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Baare

Die weiteren Teile gehen mehr auf die Geschichte des Unternehmens, die dunkle Zeit und den Neubeginn, den Abriss und die Jahrhunderthalle von heute mit den Events von Ruhrtriennale, Konzerten und Jahrmarkt-Attraktion.

Zweiter Teil bespricht den Aufstieg von der Glocke zur Weltindustrie

Zu den legendären Momenten gehört die Gussstahlglocke von 1855, die auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille gewann. Die noch größere Glocke der Weltausstellung von 1867 steht heute auf dem Rathausplatz in Bochum.

Bochumer Verein, 1898 (c) aufgehoben, aus Wikipedia

Glocke Bochum: https://de.wikipedia.org/wiki/Gussstahlglocke_(Bochum)

Doch die Glocken machten nur 0,4% der Produktion aus. Der Bochumer Verein war eher der Motor für zivile Infrastrukturprodukte von Werkzeug bis zu Schiffsschrauben, Räder für die Eisenbahn, Lokomotivteile, Schienen und Weichen und später auch Rüstungsgüter. Durch die immer neuen Ingenieurstechniken in der Zeit der Einigung von Kleinstaaten zum Deutschen Reich modernisierte sich die Fabrik immer wieder und erweiterte seine Standorte innerhalb der Stadt später mit zwei weiteren Stahlerzeugung- und Verarbeitungshallen auf der heutigen Bessemerstraße und in Höntrop auf der Essener Straße.

Bochum explodiert – von 3.000 zu 65.000 Einwohnern

Mit der Industrialisierung strömten Menschen aus Preußen, Württemberg, Schlesien, Polen und dem gesamten Deutschen Reich nach Bochum. Die Einwohnerzahl verfünffachte sich binnen weniger Jahrzehnte. Ohne Mayer, Kühne und Baare wäre Bochum vielleicht ein kleines Ackerbaudorf geblieben oder ein anderer hätte es gemacht.

Wer sich alle Podcasts anhören möchte, wird im dritten Teil die dunkle Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft und die Zwangsarbeit im Bochumer Verein, sowie den Neubeginn bis zum Abbruch und Neubau einer Parklandschaft mit integrierter Eventstation innerhalb der ehemaligen Ausstellungshalle und heute genannten Jahrhunderthalle .

Der Podcast behandelt außerdem die dunklen Kapitel: Rüstungsproduktion und den massiven Einsatz von Zwangsarbeiter*innen im Zweiten Weltkrieg.

Vom Stahlwerk zur Jahrhunderthalle: Kultur statt Hochöfen behandelt der vierte Podcast

Mit dem Strukturwandel schloss weitgehend das Werk – aber das Gelände lebt weiter: Die Jahrhunderthalle Bochum, einst Herzstück des Bochumer Vereins, ist heute einer der bedeutendsten Kulturorte des Ruhrgebiets und zentraler Spielort der Ruhrtriennale.

Weitere interessante Links und Quellen:

2. Heimatbuch 1928 – Jakob Mayer – Die Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. ist eine Vereinigung zur Erforschung und Pflege der Regionalgeschichte in Bochum.

bochum.de: Louis_Baare.pdf

Das Unternehmen – Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH

Bochumer Verein – Gelsenkirchener Geschichten Wiki

Gussstahl aus Bochum revolutionierte die Stahlherstellung

­Bochum: Begründer des Bochumer Vereins Jacob Mayer vor 200 Jahren geboren – Industriekultur

Bochumer Verein – Wikipedia

Wer nur den Podcast „Ruhrgebiet erklärt“ folgen möchte:

Organismus : Bunker I Faszinierende Ausstellung im Kunstbunker vom Künstlerbund Bochum bis zum 14.1.23

Faszination Kunstbunker

Das besondere Thema „Organismus : Bunker“ hat sich der Bochumer Künstlerbund zu ihrer Ausstellung im neuen „Kunstbunker“ ausgedacht.

Der Kunstbunker – (c) André Brune

20 Künstler und Künstlerinnen haben sich Konzepte ausgedacht, die in keinem anderen Museum als in diesem zu finden wären. Denn der Künstlerbunker wurde als Luftschutzbunker 1941 von 1000, meist Zwangsarbeitern vom Bochumer Verein gebaut für 3200 Schutzbedürftige in Zeiten der Luftangriffe in Bochum-Stahlhausen. In den Räumen der Ausstellung sind Muster einer Tapete im Originalzustand. Das zeigt, dass die Menschen sich vor Ort trotz der immerwährenden Angst es versucht haben sich es etwas heimelig zu machen. Die Idee für dieses Motto war nicht weit hergeholt, denn die Frage steht im wahrsten Sinne im Raum: Wie haben sich die Bunkerbewohner in Zeiten des Krieges gefühlt? Leider ist es erschreckend aktuell, wenn wir an den aktuellen Krieg in der Ukraine denken oder den Unruhen im Iran, die Schrecknisse von Syrien oder den vergessenen Krieg in Jemen.

Pulsierendes Innenleben

Das empathisch pulsierende Innenlebens eines Bunkers, das gefüllt war von vielen Ängsten je länger und schlimmer die Bombadierungen waren, in Kunst umzuwandeln ist nicht einfach. Die Ausstellung zeigt, dass die Künstler und Künstlerinnen das sehr wohl geschafft haben. Wer einmal in dieser bedrückenden Atmosphäre eines genutzten Bunkers steht, versteht nicht nur die Bilder, Filme, Fotos und Skulpturen. Das laute Geräusch eines Herzschlags aus der Vertonung von Gisbert Danbergs Filmsequenz des Ertrinkens im Raum der Ausstellung macht den Bunker bedrückend lebendig. Zu den Öffnungszeiten führen anwesende Künstler auch durch die Ausstellungsräume. Dadurch wird die Kunst noch spannender und beeindruckender.

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Angeschlossen habe ich mich den Initiatoren vom Schaubüdchen. Sie organisierten eine geführte Führung durch den Kunstbunker mit seiner laufenden Ausstellung „Organismus:Bunker“ , der nur wenige hundert Meter entfernt ist vom kleinen Ausstellungskiosk.

Schon der Eingangsbereich mit dem noch angedeuteten Reichsadler aus Quadersteinen wirkt prägnant. Die Historie ist hier nicht ganz nebensächlich, weil sie wichtig ist für die Idee des Themas.

Wer durch die Glastür tritt, wundert sich über diesen großen Durchbruch. Denn es war ursprünglich eine Durchfahrt. Durch eine Luke oben in der Mitte konnten LKWs Versorgunsgüter sicher im Bunker abladen. Heute ist das Gebäude von außen nett herausgeputzt und sieht aus, wie ein großes schlichtes Wohngebäude. Oben auf dem Dach sind auch tatsächlich Wohnungen gebaut worden.

Eingangsbereich Kunstbunker (c) André Brune

Nach einer kurzen geschichtlichen Einführung zum Bunker von Jaqueline Kraemer, geht es schon die Betontreppe hoch, wo einem das Geräusch eines Herzschlags immer lauter entgegenkommt.

So unterschiedlich die Künstler und Künstlerinnen sind, so unterschiedlich ist auch die ausgestellte Kunst mit einer beeindruckenden Mischung aus Fotos, Skulpturen, Installationen und Bildern mit Acryl- oder Ölfarben.

Ausgestellt haben folgende 19 Künstler und Künstlerinnen: Krzysztof Gruse, Babette Sponheuer, Claudia Karweick, Tatiana Carneiro-dos-reis, Wibke Brandes, Farah Nourinejadfard, Klaus Pfeiffer, Johanna Sandau, Peter Gros, Klaus Nixdorf, Gisbert Danberg, Bernd Figgemeier, Anna Britz, Werner Block, Barbara Grosse, Ortrud Kabus, Uta Hoffmann, Dagmar Witt.

Krzysztof Gruse

nutzt das Thema Organismus als Summe der Verflechtung aller Leben. Das Leben ist verflochten. Ist eins zerstört, wird der Organismus insgesamt nicht mehr funktionieren und sterben.

Kontakt: https://superartmarkt.de/kuenstler/krzysztof-gruse/

Treppenaufgang zum Ausstellungsraum (c) André Brune
Babette Sponheuer und Felix Freier

inszenieren mit dem Konzept „Spurensuche“ – Abdrücke und Deja-vu an verschiedenen Wänden der Ausstellungsräume Hände. Die Dramatik im Bunker sind heute kaum vorstellbar. Wenn die vor den Bomben zusammengepferchten Menschen sich an den Wänden entlanggetastet haben, hinterließen sie unzählige heute nicht sichtbare Handabdrücke. Die Ängste, die durch die Aura der Hände in die Bunkerwände bis heute strahlen, wollen die beiden Künstler mit ihren Arbeiten sichtbar machen.

Kontakt:

Babette Sponheuer: bsp_contact@web.de

Felix Freier: felix.freier@rub.de 

Claudia Karweick und Daniela Werth 

haben eine Foto-Installation auf transluzenenter Polyesterfolie eine Installation der Lebendigkeit des Bunkers aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt. Die Kunst des Wandelns aus der Vergangenheit der Zweckgebundenheit des Krieges und der heutigen friedlichen Verwendung der dicken Wände ist eine innere Besonderheit dies in ein Bild zusammenzubringen.

Kontakt:

Claudia Karweick: claudia.karweick@gmail.comwww.claudiakarweick.com

Daniela Werth: info@daniela-werth.de

Tatiana Carneiro-dos-reis

Teil 1 und 2 namens „Organismus“ stellt auf Acryl die Interaktion und Globalisierung der Stockwerke dar. Beide Bilder stehen auf verschiedenen Ebenen und interagieren durch die Treppe miteinander.

Kontakt: https://tatiana-carneiro-dos-reis-q.jimdosite.com

Wibke Brandes 

symbolisiert in ihrem Acrylbild die Flucht aus der Heimat in eine neue Unterkunft für unbestimmte Zeit einhergehend mit traumatischen Erlebnissen oder auch Krankheit.

Kontakt: www.wibke-brandes.dewibkebrandes@yahoo.de

Farah Nourinejadfard 

hat ein Werk geschaffen, das aus ihrem Inneren kommt. Ihre Wurzeln aus dem Iran hat die Bunkergefühle in „Hände im Dunkel“ eingefangen. Das Bild kann auch das Abbild des Inneren von Betroffenen und Bewohnern des Bunkers sein. 

Kontakt: a.nourinejadford@outlook.de
 
Die dunkle Hand von Farah Nourinejadfard
Klaus Pfeiffer

„oxydation 1 bis oxydation 6“ ist eine Form der esoterischen Fotografie. Die sechs Fotografien fordern den Betrachter auf sich mit dem nicht sehenden Präsenzen auseinander zu setzen. Das andächtige Schauen in ein Bild der satten Schwarztöne erzeugen ein hineintauchen in die Welt der anderen Seite des Nichtsehens. Es erzeugt ein schwebendes Nachdenken über das Erlebte, dass sich immer noch im Raum befinden kann.

Kontakt: info@klauspfeiffer.com

Johanna Sandau

lässt Blut als Energie in ihre Bilder einfließen. Blut in der roten Farbe hat die Funktion Leben zu erhalten, aber auch zu beenden.

Kontakt: info@johannasandau.de

Blut von Johanna Sandau
Peter Gros

arbeitet mit Holz als Leinwand. Das ergibt eine besondere Form eines Bildes, da über den Rand einer vorgezeichneten Leinwand gemalt werden kann. Das Bild „Schutzhütte“ ist wie der Bunker inmitten der Schwärze und Unwirklichkeit des Krieges, das sich zu der „lebendigen“ Zeit des Bunkers im Krieg ausdehnte, aber sicheren Schutz vor dem Tod bot.

In der Ausstellung erklärte er seine Bilder mit Füßen oder Ohren in der Landschaft. Wie haben sich die Menschen im Alltag des Bunkers, die Welt vorgestellt. Haben sie sich in Träumen an einen anderen Ort gesehnt, an Berge, ans Meer? Nutzten sie die Geräusche des Bunkers, um sich in eine andere Welt zu versetzen? Fragen, die Peter Gros uns in seiner Vorstellungskraft erklärend auf den Weg mitgab.

Kontakt: www.pgrosmalerei.de

Schutzhütte von Peter Gros
Klaus Nixdorf 

zeigt in seiner „Spiegel-Skulptur“ namens „Fragmente“ in der Größe 2 * 2 Meter eine Reflexion des Innenraums aus unterschiedlichen Neigungswinkeln. Das Beeindruckende ist der Blickwinkel in die Spiegel in denen sich niemand ganz sehen kann. Gleichzeitig zeigt es auch die schnell zerbrechliche Psyche der Menschen, die von den Bomben bedroht werden.

Kontakt: a-k.nixdorf@t-online.de

Spiegel-Skulptur von Klaus Nixdorf im Raum
 
Gisbert Danberg 

zeigt mit dem Titel „Kyklos“ auf Griechisch in seinem millimetergenau gemessenen Ausstellungsraum wiederholende Kreisläufe aus Rohre, die durch Maschinen gehen und immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren, wie ein menschlicher Körper dessen Herz schlägt. Das Innere des Kunstbunkers wird in dieser Computeranimation abstrakt in 3D gezeigt.

Kontakt: mail@gisbert-danberg.de

Kyklos von Gisbert Danberg
 
Bernd Figgemeier 

stellt zwei Bilder aus. Während das eine als „up and down“  in Öl und Sand auf Leinwand gebeugte und aufrechtstehend das extreme Leben unter widrigen Umständen trotz des Bunkerschutzes in seiner Gänze zeigt, ist das zweite Bild „Frühe Schutzräume des Menschen“ mit Acrylfarbe und Quarzsand ein Rückblick auf die ersten Höhlen, die den Menschen Schutz boten gegen Witterung und Feinde aus der Natur.

Kontakt: bernd.figgemeier@web.de

Anna Brilz 

Installation „Pater Noster” aus verschiedensten Buchstaben, die in der Luft des Bunkers liegen. Menschen, die hier verharrt haben, fanden zum Glauben zurück, sprachen Gebete aus oder erzählten sich Märchen und Geschichten, um auf ein weiteres Leben zu hoffen.

Kontakt: www.mirart.de

Pater Noster von Anna Brilz
Werner Block 

legte auf den Bunkerboden ein „Gebrochenes Herz“. Eine Rauminstallation aus 15 verschiedenen Glasobjekten, wie Kopf, Fuß, Hände, Teile, die wie Organe aussehen und alle mit dem in Formaldehyd liegenden echten Herz von einem Tier mit Schläuchen verbunden, aber nicht direkt miteinander verbunden sind.

Kontakt: info@sternentor.de

Gebrochenes Herz von Werner Block
Barbara Grosse 

zeichnete mit Wachskreide auf Papier während sie einen Weg lief eine Linie. In der Linie findet sich Kreuzung und Verbindung der Linie neben Ordnung auch die „Figur-verwirrt“ beim genauen Betrachten des Bildes. Sinnbildlich stehen die Besucher neben sich und sind verwirrt durch die Situation in einem Bunker zu sitzen. Wahrscheinlich haben sie einen Schock oder wissen nicht, was als nächstes passiert.

Kontakt: www.barbaragrosse.de / Mail: b.s.grosse@gmail.com

Ortrud Kabus 

malt mit Acrylfarben und Öl Wuchsformen von Bäumen. In ihren Augen sind Geäste ähnlich wie menschliche Gestiken oder Körperteile.

Kontakt: www.ortrud-kabus.de

 
Uta Hoffmann 

schuf aus vielen verschiedenen und bunten Lederstücken aus der Auflösung der Familienwohnung eine große Collage. Die Lederstücke sind von ihrer Mutter seit den 1960er Jahren gesammelt worden. Sie war Innenarchitektin und wollte immer irgendwann etwas aus den Resten gestalten bis sie es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte. Viele Lederstücke sind in Form und Farbe so nicht mehr erhältlich. So verbindet sich Uta Hoffmann in der Ledercollage „Berührung“ noch einmal mit ihrer Mutter, aber auch gleichzeitig sagt es aus, das damals zu Zeiten des Krieges verbindende Materialien zur bzw. aus der Vergangenheit zu schätzen wären.

Kontakt: www.uta-hoffmann.de

Dagmar Witt 

erreichte mit ihrer „Hedera“, einem Efeu-Geäst ein wahrlichen Gegensatz zum Beton. Die in weiß angestrichenen Papier liegenden Verästelungen sind ein Sinnbild für das in alle Richtungen fließende Leben, während der Betonbunker eher starr für sich steht und von dem Geäst aus dem Dunkel heraus von Innen gesprengt werden könnte.

Kontakt: art-witt@online.de

 
Nach den Ausführungen und der Entdeckungen der Kunstobjekte in zwei Meter Dicken Mauern, waren wir alle begeistert und beeindruckt von der Kunst und dem Kunstraum, den auch Menschen sehen sollten, denen Kunst nichts sagt. Es lohnt sich allein schon wegen des Herzschlags durch die Räume zu schlendern und die Atmosphäre aufzusaugen. 

Empathische Menschen spüren noch immer diese Aura aus Angst, die in diesen Räumen geherrscht haben musste.

Persönliches Fazit:

Lohnt sich!

 

Wer die Ausstellung noch sehen möchte, kann dies folgendermaßen tun:

Kunstbunker Öffnungszeiten
Öffnungszeiten bis zum 14.1.23

Mittwochs von 16 bis 19 Uhr

Samstags von 14 bis 17 Uhr (und nach Vereinbarung)

Heiligabend und Silvester geschlossen.

Die Ausstellung geht noch bis zum 14. Januar. Dann findet ab 17 Uhr die Finissage statt mit einer szenischen Lesung zur Kunst des Älterwerdens von Boys Group – alte Männer, man weiß nicht genau warum…  

Ab 18 Uhr wird das neue Jahr gefeiert.

Kontakt zum Kunstbunker

Kunstbunker Bochum (kunstbunker-bochum.de)

Adresse:

Baarestr. 68

44793 Bochum

Google-Maps

Künstlerbund Bochum

Bochumer Künstlerbund – Bildende Kunst in Bochum (bochumer-kuenstlerbund.de)

bochumerkünstlerbund e.V.
Kulturbüro der Stadt Bochum
Stefanie Kepper
Westring 32
44777 Bochum
Tel: 0234-910-3953
Mail: skepper@bochum.de 

FOTOGALERIE AUS DEM KUNSTBUNKER