Extraschichtstaunen

Foto aus der Reihe ‚Flaschengefühle‘. Entdeckt in der Jahrhunderthalle während der Lichtinstallation.

Ein Pärchen genießt es im Arm auf einer Palettenbank. Ein anderes versucht es mit dem Smartphone einzufangen.

Die Flasche Bier von Fiege it dem Stahlbügel steht verloren am Rand zwischen den Stahlträgern. Sie wurde bewusst dort hingestellt. Jemand wird sie schon wegräumen, wird die Person gedacht haben. Sie hätte es auch selbst wieder mitnehmen können.

Doch egal, wie gehandelt wurde: Ein Gefühl von Erstaunen diese Jahrhunderthalle Bochum in einer besonderen Lichtinstallation mit einem Schluck aus der Flasche begleitet zu haben, wird in dem Glas mit einem Hauch aus dem Eisen in der Luft konserviert worden sein.

So entstand der lyrische Text dazu von mir dazu:

Das kühle Pils getrunken,
stehengelassen,
um zu staunen.

Festhalten in Linsen,
halten im Arm,
eingefroren in Medien

das Rot,
das Grün,
das bunte Lampenwerk,

in der Halle

Jahrhundert voller Taten,
Gegossen in Glockenformen,
Kanonen,
Karossen.

Geruch aus Eisen
Gefühl von Extraschichtstaunen
schwebt in der Flasche
aus Glas und Stahl.

Jahrzehnte voller Shuttlebusse,
um zu staunen,
das Kulturwerk,
Ruhrgebiet.

Foto & Text (c) André Brune

Flaschengefühle – eine Müll-Aktions-Ausstellung startet vom Ruhrpottologe im Schaubüdchen in Bochum am 1.7.23

In den Straßen unserer Städte finden sich allerorts leere, zurückgelassene Flaschen. So auch in denen des Westend-Viertels in Bochum. Sie bleiben in bestimmten Positionen stehen, werden nicht mitgenommen oder in einem Mülleimer gelegt.

Die von der Stadt Bochum geförderte Ausstellung  »Flaschengefühle« befasst sich als eine andere Art von Ausstellung im Rahmen einer Fotoreihe mit den in den Straßen zurückgelassenen Flaschen, ihrem Standort und der (vermutlichen) Situation, in der sie zurückgelassen wurden. Haben sich hier zwei getroffen und bei einer gemeinsamen Zigarette bloß über das Wetter oder über sehr wichtige Dinge gesprochen? Erzählt die einzelne Flasche etwas über die Einsamkeit einer Person, oder gab es einfach nur einen »Trinker« in einer größeren Gruppe vor Ort? Hatte jener Mensch es so eilig, dass er nur einen einzigen Schluck aus dieser Flasche nehmen konnte?

"Flaschenpiercing" - ein Foto der Reihe vom Ruhrpottologe André Brune | Foto: André Brune
  • „Flaschenpiercing“ – ein Foto der Reihe vom Ruhrpottologe André Brune
  • Foto: André Brune

Die Flaschen erzählen mitunter spannende Geschichten – sind aber auch eine ›Vermüllung der Stadt‹, mit der sich »Flaschengefühle« ebenfalls auseinandersetzt.

So wird es in der Projektwoche vom 17.7. bis 22.7. im Stadtteil eine Müllsammelaktion, Schilder gesäubert und gefundener Pfand dem Verein BODO übergeben sowie Podcast-Interviews mit Zuständigkeiten aus allen Parteien, Stadt, USB, sowie Betroffenen des Stadtteils aus einer Garteninitiative oder Anwohner*innen.

Projektwoche "Vermüllung der Stadt" | Foto: André Brune
  • Projektwoche „Vermüllung der Stadt“
  • Foto: André Brune

Vor Ort werden Videos zum Thema Müll entstehen, um auf die Situation aufmerksam zu machen.
Mit dem gefundenen Müll soll ein gemeinsames Objekt der Ausstellung entstehen. Freies Spiel für die Phantasie!
Am 21.7. wird vom Ruhrpottologe André Brune die Moderation zum Thema „Vermüllung der Stadt“ mit allen Parteien zwischen 17 und 19 Uhr stattfinden, sowie Umweltamt und USB. Alle sind herzlich zu diesem Gespräch und Diskussion eingeladen.

Die Ausstellung beginnt mit der Vernissage am 1.7. ab 14 Uhr und läuft bis zum 29.7.
Öffnungszeiten : Mittwochs 17 – 19 Uhr, Samstag von 11-15 Uhr
Projektwoche vom 17. – 22.7.

Die Vernissage beginnt um 14 Uhr am 1.7. im Schaubüdchen, Ursulastr. 24 in Bochum

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