Tinnef – ein Ruhrpottwort? I Seine vielseitige Bedeutung und fremde Herkunft I +Video I +Podcast

Was bedeutet Tinnef und kommt das Wort wirklich aus dem Ruhrgebiet?

Tinnef stammt aus dem Ruhrgebiet! So meint wahrscheinlich die Mehrheit. Das Wort klingt nach Ruhrgebiet, aber die Herkunft und die Bedeutung war und ist eine andere. Damit räume ich jetzt auf:

Der folgende Text ist zu hören im Podcast und sehen im Video:

Wenn man eine Urlaubsreise tut, kauft sich jeder Tinnef fürn Kühlschrank, anne Wand oder wat irgendwann inne Müllverbrennung landet.

Oft genug kommt der Ehemann nach Hause, weil er aufm Flohmarkt alten Kram so toll findet und die Olsche krakelt dann:

„Hömma, Ollen! Wat hasse widda da fürn Tinnef gekauft? Is kein Platz mehr inne Schränke!“

Das sie selbst allerdings den sterbenden Schwan aus Porzellan von Meissen in der Vitrine hat, tut nichts zur Sache. 

Wer braucht so was Unschönes? Wenn es wenigstens Wert hätte. Also älter als vielleicht 100 Jahre und mindestens einen Weltkrieg unbeschadet überstanden hat.

Im Ruhrgebiet hört man oft solche Sätze. Ein Tedi, Kik und Temu haben oft mehr von dem unnützen Zeug auf Lager. Aber es wird gekauft, sonst würde es niemand herstellen.

Auch eine Lügengeschichte hat viel Potenzial, um als Tinnef bezeichnet zu werden. So wie meine Geschichte um die Küchengerätehersteller – Familie Neff und die Tochter Tine, die sich im Herd versteckt haben, aber nie wieder gefunden wurde, die ich auf der Bühne bei Benjamin Eisenbergs „Comedy im Saal“ vor einigen Jahren zum Besten gab.

Aber Unsinn oder Kitsch ist nicht der Ursprung des Wortes, das in ganz Deutschland bekannt ist. Es kommt nicht aus dem Ruhrdeutschen. Es ist hier nicht heimisch, auch wenn es sich so anfühlt. Leider muss ich mit dem Mythos aufräumen. Du findest es hier oft im typischen Sprachgebrauch, aber es wird in Hamburg, in Berlin, in Hannover, sowie in Köln, aber auch in München gesagt, wenn es dort auch weit aus weniger als in Köln ausgesprochen wird.

Im Rheinischen ist es sogar mehr zu hören als anne Bude umme Ecke. Viele denken vielleicht, das es dort entstanden ist, weil anne Bude kann man auch Tinnef kaufen.

„Anne! Hasse ma son Tinnef, wat ich verschenken tun kann. Hab den Hochzeitstach wieder fast vergessen und wollt ohne nix nich nach Hause gehn, weisse Bescheid.“

Anne hat immer wat da. Die hilft immer. Und wenn es nur ein buntes Osterei ist zu Weihnachten.

Tinnef klingt wirklich kernig, direkt und nach typisch Ruhrpott. Die Frage, woher es stammt gehe ich in meinem Video aus der Reihe „Ruhrpott-Dialekt erklärt“ auf den Grund und fange mit einer kleinen Geschichte an, die ich bei Benjamin Eisenberg bei Comedy im Saal erzählt habe:

Woher stammt Tinnef eigentlich?

Kurz gesagt : Aus dem Hebräischen.

Mal wieder kommt ein Wort aus dem jüdischen Sprachgebrauch und mal wieder wurde der ursprüngliche Begriff von tinnuf über Tinneph zu Tinnef durch die Jahrhunderte verändert von einem eher schlimmen Wort des Jiddischen zu einem anderen schlimmen Wort über die Gaunersprache, dem sogenannten Rotwelschen.

Denn richtig übersetzt war tinnuf aus dem hebräischen Schmutz oder Kot das Ursprungswort.

Ein bisschen Mittelalter-Geschichte

Im Mittelalter wurden Juden in Ghettos gesteckt. Stadtbereiche, die nur für sie gedacht waren. Für Christen waren die Juden der Schmutz der Stadt die eingepfercht gehören. Bis in die Neuzeit hat sich auch dieser Antisemitismus breitgemacht, dass Juden die Brunnen verseucht haben, wenn es Cholera, Ruhr oder Pest gab. Juden waren immer an allem Schuld. Aber damals kannte man noch keine wissenschaftlichen Nachweise. Man suchte Schuldige für das eigene Unvermögen sich sauber zu halten. Wohin dieser im Kopf gewachsene Tinnef ging, nämlich Unsinn, wissen alle: In den Holocaust. Aber ich schweife ab. Im Jiddischen wurde aus dem Hebräischen die Schrift etwas verändert. Tinnuf wurde zu Tinneph. Und jetzt passierte auch bei der Anwendung des Wortes ein Wandel.

Juden konnten nur bestimmte Berufe ausüben. So gingen sie als Händler von Ort zu Ort und tatsächlich machten sie hier und da Geld mit Kurzwaren oder billigen Plunder, sowie gebastelten oder geschnitzten unnützen Zeug, also billigen Ramsch, der auch gekauft wurde, um andere eine Freude zu bieten. Die Juden hatten nichts zu lachen allerorten und so konnten sie aber dafür Geld zum Überleben für die Familien verdienen. Das jüdische Wort mit ph ging dann auch in den normalen Sprachgebrauch in ganz Deutschland über. Natürlich gibt es Anwandlungen je nach Dialekt.

Es gab auch sogenannte Tinfläden, also Tinnefläden. Holzhäuser, wo hinten die Familien gewisse Artikel zusammenbauten und vorne an der Ladentheke verkauften.

Das Wort ‚Tinnef‘ kam in alle Bereiche des Deutschen Reiches als ein Begriff für Ramsch.

Auch der alte Konrad Duden hat dieses Wort aufgenommen in seine Rechtschreibbibel der Deutschen Sprache. Darin heißt es: wertloses Zeug, Kram, Plunder“ und „Unsinn“. Das ungewöhnliche Wort war und ist bis heute im Einsatz, wer in Souvenierläden, bei Tedi, KIK und Co geht.

Im Internet bei Temu kann es ein Gegenstand sein, der wahrlich nichts taugt zu irgendwas, aber billig ist und heute aus dem fernen asiatischen Ländern kommt. Ein ansehnliches Foto lässt den Klick mit dem Finger schneller zu als man denkt. Die billige Herstellung verpestet die Umwelt mit giftigen Farben und ist oft  nur Schrott. Da kannste sagen:

„Schmeiß wech den Tinnef! Und kauf da nich widda son Mist! “

Oder aber es geht um die erwähnte Geschichte von der Tochter des Herstellergründers von Küchengeräte Carl Andreas Neff.

Tine, war die Schwester der Nachfolger Arnold Wilhelm und Heinrich. Sie hat sich in der Fabrik in Bretten in einen Ofen vor ihrem Vater versteckt. 1877 startete der Schlossermeister die Produktion für Herde und Öfen mit sechs Gesellen.

Sie tauchte jedoch nie wieder auf bei den Neffs. Entweder haben die Brüder eine Lausbubenstreich gespielt, um sie loszuwerden oder es war ein dummer Zufall, das der Herd ausgerechnet ins ferne Berlin wanderte. Jedenfalls konnte sie sich nicht mehr erinnern, woher sie kam, weil sie durch den Sauerstoffmangel während des Transports das Bewusstsein verlor und auch Gedächtnislücken aufwies. Sie kam in ein Waisenhaus und lebte bis an ihr Lebensende als Kochgehilfin beim Kaiser Wilhelm im Schloss von Berlin.

Tinnef oder Nicht – Tinnef, das ist hier die Frage

Die Geschichte klingt glaubhaft, ist aber Tinnef. Eine unsinnige Geschichte. Aber Neff gibt es bis heute trotz einer Insolvenz im Jahre 1982. Die Tine gibt es nicht. Neff ist heute eine der größten Hersteller der Welt für hochwertige Küchengeräte. Durch die Insolvenz wurde sie übernommen von dem BSH GmbH Konzern (Bosch und Siemens Hausgeräte). Noch heute werden in Baden-Württemberg in Bretten hochwertige Küchengeräte auf 105000 m² hergestellt.

Es sieht so aus, als wenn es ein eingeborenes Wort ist, und es klingt so schön Ruhrpottisch. Aber es hat durch die Zeit von Schmutz und Unrat über minderwertige Waren, wertloses Zeug und unsinnigen Lügengeschichten den Weg in die Sprache vom Hebräischen über dem Jiddischen, der Gaunersprache, dem Rotwelschen heute zu uns in die gesamte deutsche Sprache gefunden.

Wir benutzen das Wort jiddischer Herkunft so selbstverständlich, ohne zu wissen, dass es ursprünglich von dort kommt. Es passt so sehr ins Klischee im Ruhrpott geboren worden zu sein als Wort.

Hier sagt jeder sofort, was ihm nicht gefällt. Ob auf liebevolle, bitterernste oder scherzhafte Art, Tinnef verfehlt nie seine Wirkung im Gespräch. Es zeigt sofort, was von dem Gesagten oder Ramschteil gehalten wird.

Aber Tinnef kann auch ein emotionaler Gegenstand sein. Als ich das Video gedreht hatte, hatte ich kurz danach meine Mutter verloren nachdem mein Vater ein Jahr zuvor starb. Ich musste die elterliche Wohnung aufräumen und besenrein machen.

Meine Eltern liebten nicht jeden Tinnef. Aber gefunden habe ich dennoch viele. Durch die emotionale Verbindung der Familie, habe ich viele Dinge erstmal behalten. Trauerarbeit habe ich ganz allein bewältigen wollen damit. Noch nach Jahren schlummern einige in Kisten im Keller, oder sind hier und da in der Wohnung gelandet, weil ich mich von dem Tinnef immer noch nicht trennen kann, wie die kitschigen Engel oder eine geschnitzte Holzeule, die in der Wohnzimmervitrine stand. Die starrt jetzt im Schlafzimmer auf mich.

Manchen Tinnef kaufe ich natürlich auch im Urlaub. Einen kitschigen Kühlschrankmagnet von dem Ort, wo ich gerade bin, ist ein Muss geworden. Oder auch eine Schneekugel mit dem Namenszug Ruhrpott mit einem Fördergerüst, sowie eine alte Grubenlampe zieren meinen Raum. Kunst in Form von Skulpturen oder Bildern hängen an den Wänden oder liegen auf Regalen.

Viele würden das als Tinnef bezeichnen, besonders, die damit nichts anfangen können, was aber Kunst ist. Würde ich den Löffel abgeben, würde meine Frau entweder den Container bestellen oder den Tinnef behalten, weil sie emotional mit mir darüber verbunden wäre.

So ist Tinnef nicht gleich Tinnef. Was für den einen wertloser Ramsch ist, ist für den anderen das wertvollste im Leben. Es ist nicht immer gleich wertloser Ramsch und schon gar nicht ein Wort aus dem Ruhrgebiet. Es liegt im Auge des Betrachters.

Jetzt liebe Leser und Leserinnen, seid mal ehrlich zu euch. Wir haben alle irgendwo in der Schublade, im Schrank, in der Vitrine oder im Keller Tinnef stehen, wo ein anderer wiederum sagen würde :“Wat willste mit dem ganzen Tinnef?“

Nach mir die Sintflut! Dann ist es egal, wohin damit. So denken bestimmt alle jetzt. Aber ihr denkt bestimmt anders nun darüber.

Ob etwas Tinnef ist, liegt also manchmal im Auge des Betrachters.

Und das fälschlicherweise genannte Ruhrpottwort Tinnef zeigt, dass die Sprache, der Regiolekt, wie die Sprachwissenschaft das Ruhrdeutsche bezeichnet, viele Begegnungen, Veränderungen und eine lange Reise mitgemacht hat, um in der heutigen Bedeutung nicht nur im Ruhrgebiet gelandet zu sein.

Fazit

Tinnef stammt nicht vom Ruhrpott, nicht aus einer Arbeitersiedlung oder aus dem tiefen Stollen eines Bergwerks, sondern hat seine Wurzeln in der alten hebräischen Sprache und wurde durch Handelswege zu uns gebracht. Vom Schmutz und Dreck hin zu Kitsch und Unsinn.

Die Ruhrpottler haben sich das Wort mit einem eigenen Klang angeeignet in der Umgangssprache. Im Ruhrgebiet fühlt es sich an, als stammt es von hier!

Dat is kein Tinnef. Ich behaupte es auch nich, sondern so iset!

Glück auf

Weiterführende Links zum Wort „Tinnef“ :

Duden – Bedeutung, Rechtschreibung und Herkunft

Der Duden erklärt die Bedeutungen „wertloses Zeug“ und „Unsinn“ sowie die Herkunft aus dem Jiddischen und Hebräischen.

Jüdische Allgemeine – „Billiger Tinnef“

Ein ausführlicher und lesenswerter Beitrag über die sprachliche Entwicklung des Wortes vom Hebräischen über das Jiddische bis in die deutsche Umgangssprache.

Ruhrgebietssprache.de – Tinnef im Ruhrdeutschen

Hier wird „Tinnef“ als Ausdruck für dummes Zeug und Unsinn im Sprachgebrauch des Ruhrgebiets vorgestellt.

Wiktionary – Bedeutung, Aussprache und Synonyme

Der Eintrag enthält Bedeutungen, Aussprache, grammatische Angaben, Synonyme und Übersetzungen.

Duden – Synonyme für Tinnef

Eine Übersicht über ähnliche Begriffe wie Kram, Plunder, Ramsch oder Schund.

Jüdische Allgemeine – Sprachgeschichten

Eine Sammlung über deutsche Alltagswörter mit hebräischen oder jiddischen Wurzeln, darunter auch „Tinnef“, „Zoff“, „meschugge“ und „Tacheles“.

Göre – Ein Ruhrpottwort?

Göre – Ein Ruhrpottwort? – Das kleine Hörspiel zum nachfolgenden Text erklärt….

Ne, wat hasse denn geglaubt? Dat Wort Göre is schon lange unterwegs im Sprachgebrauch. Abba is kein Ruhrpottwort, auch wenn der Oppa nebenan zum ungezogenen Blach weiblicher Natur rumkrakeelt, dat die Göre sich verziehn soll, weilse sich weigert dem Oppa einen Sitzplatz inne Straßenbahn freizumachen. Dat is schließlich doch kein kurzer Wech vom Berchmannsheil nach Gelsenkirchen Mitte vorbei annem Schalker Stadion. Auch wenn er höflich fracht. Heutzutage kricht son alter Mann dann gleich zurückgebrüllt: „Wat willse, Alter Sack, ey!“ Freundliche Konwersatzion is anders.

Da hat der Alte eben heutzutage nix mehr zu melden, weiss Bescheid. Die Gören sind eben selbstbewusster heute und, wie heißt dat nomma? Emanzepiert. Richtich. Sonne Emanze, mit der willse dat lieba nich aufnehmen. Die haut dich unangespitzt wortwörtlich innen Boden.

Abba vielleicht hilft dat dem alten Mann bei de Konwersatzion ja, wenna bisken wat Geschichtlichet zum Wort raushaut, so dat die Göre doof ausse Wäsche guckt und emanzepatorisch wörtlich technisch die Spucke wechbleibt. So wie ungefähr wie dat, wat ich jetz mitteile zur Erklärung des Wortes. Musse nur vorher auswendich lernen, wie früha die Glocken vom Schiller, weiss Bescheid:

Hömma ! Du Göre, kannse mir als alten Mann nich ma ein Platz anbieten? Ich soll nicht beleidigend werden? Pass ma auf! Denn Göre is ja nich unbedingt beleidigend. Ich klär dich ma auf! Göre, da weisse dattu ausm 16. Jahrhundert ungefähr komms.

Dat is ein Wort wat von “gorag” abstammt, wat soga noch älter is, nämlich ausm 9. Jahrhundert ausm Althochdeutschen, wat soviel wie „gering“ oder „armselig“ heißt!

Später gabet dat immer noch im Mittelhochdeutschen als „gorrig“, wat nich gäriges Bier, obwohl is schon naheliegend. Denn wenne drüba nachdenks, gärt dat schon in sone Göre. Rech dich nich auf. Ich verklär dir dat ja nur! Also „gorrig“ is ein Wort für „die Kleine“. Dat hat man also für kleine Mädken gesacht so bis zum 16. Jahrhundert etwa. Du, die waren eh alle klein, musse wissen. Da war die Ernährung nich so reichhaltich mit Vitamine und Fleisch und so wie heute. Da waren die höchstens ein Meter fuffzich. Deswegen hieß der Kaiser Karl ja Groß, weil der knapp anne zwei Meter kam. Dat war schon ungewöhnlich damals. Abba der war ja Kaiser. Der konnte als Blach ja futtern, watta wollte. Dat konnte son kleinet Mädken ja nich und musste ackern aufn Feld und Früchte sammeln und so, weiss Bescheid.

Sei doch nich so ungeduldich. Jetz kommt et ja. Et gab ja auch noch die Abwandlung „gorec“ für „mager“. Und im Westfälischen, wo wir ja so westlich von wohnen im Pott und auch im Rheinischen, wo wir so östlich von wohnen, da haben die Leute dat mitn J verkleidet. Etwa so: „jörrich“ oder „jorrich“. Heißt abba imma noch „Kleines armseliges Wesen“.

Nein, dat heißt noch nich Göre, dat kommt ja jetz. Pass auf!

Da is so ein Wort aufgetaucht, wat „Gurre“ hieß, so in etwa um dat 13. Jahrhundert ausm Mittelhochdeutschen. Dat hat sich dann wohl im Niederdeutschen, wat so nördlich in Deutschland bis nach Holland hin gesprochen wurde in Göre umgewandelt. So jetz kommt dat, wasse wissen muss!

Ja klar, spann ich dich aufe Folter, wat „gurre“ heißt. Dat is ja dat spannende. Also Augen und Ohren auf: “Gurre” steht für “schlechte Stute”.

Jetz komma runter! Siehse aus wie n Pferd? Na also!

Ach du liebst Pferde? Na, dann is dat doch nich so schlimm. Denn im Mittelalter, sind die weiblichen Pferde nich so beliebt, wennse nich gebären. Dat is fürn Bauern oder auch Ritter, die jeweils Pferde für die Feldarbeit oder Soldaten brauchte, keine gute Sache. Und wenn die Frauen zuhause…. Na, du muss wissen, dat die Männer früher dat sagen hatten….naja, wenn die Frauen rumgezickt haben, so wie du, also faul oder schlecht fürt Gemüt, verzogen, unfug treibend waren, dann waren dat auch „Gurren“. Dat is ja meist so, wennse inne Pubertät sind. Keine Angst, hatte meine auch. Du wills nich wissen, wie ich mich früha benommen hab, als ich Vierzehn bis Sechzehn war…

Also ausm Wort „Gurre“ für „schlechte Stute“ hat sich dat inne Männerwelt durchgesetzt die verzogenen Mädels als „Göre“ dann zu bezeichnen.

Jetz ma ruhich, Braune. Ich hab dich doch noch nich als Göre bezeichnet. Ich will dir dat doch nur erklären. Eine Minute noch, denn et kommt jetz wat Besonderet. Denn wenne dich ma zu wat Besonderem entwickeln tus, dann wirse vielleicht so eine Grant Dam, wie die Franziska zu Reventlow.

Wat Grant Dam is?

Dat is ausm Französischem. Heißt so viel wie Große Frau übersetzt. Moment mal! Klugscheißer bin ich nich. Hab mich einfach ma schlau gemacht. Bisse nich neugierich, wer die Grant Dam war, also Franziska von und zu?

Also die Franziska zu Reventlow war eine selbstbewusste, kesse und abgebrühte junge Frau. Die hat Bücher geschrieben. Romane und Bühnenstücke, die vor allem im Berliner Miliö spielten. Keine Ahnung, ob du da nochn Roman von der kriss. Da musse ma inne Buchhandlung oder im, wie man so schön sacht: Internet gugeln.

Also die Romane und Stücke von der spielten in den wilden 1920er und 1930er Jahren, als nachm großen ersten Weltkriech, die Frauen alle selbstbewußter wurden, weil die anne Heimatfront überall ran mussten, weil die Männer innen Kriech zogen. Die wurden Schaffner, schraubten Bomben zusammen anne Werkbank, wurden Apothekerinnen, die ersten studierten besondere Fächer, wie Medizin und eröffneten Hotels oder eine Bank. Bevor da die Nazis kamen, war da für Frauen schon ein Weg offen nach oben. Dann sollten die nur noch gebären… Abba ich komm vom Thema ab. Also die spielten im Berliner Miliö der Mittelschicht und ärmeren Proletariats.

Wat Proletariat is? Na, hasse nich inne Schule zugehört? Die Proleten waren die Arbeitsklasse und die Mittelschicht eher die Angestellten und Kleinbürger, die ein gemütlichet Zuhause haben wollten. Da gabet schon ma Reibereien zwischen die, wennse zusammen anne Theke standen, weil die einen wollten eben Regieren, während die Mittelschicht eher regiert werden wollte, abba nich vom Proleten, deswegen… Ja, ja. Ich soll aufn Punkt kommen. Ich weiß…

Du muss auf jeden Fall noch von einer Bescheid wissen: Claire Waldorff !

Die kam echt von hier! Die is geboren bei dir umme Ecke in Gelsenkirchen 1884, als Claire Wortmann! Nein, die lebt nich mehr. Die hättse gern kennengelernt, klar. Die is alt geworden, abba starb 1957 in Bad Reichenhall. Keine Ahnung, ob die da zuviel Kurwasser gesoffen hat. Abba wat wichtich is, is, dat die eine Volkssängerin der Kleinkunst wurde. Sie war die deutsche Interpretin verschiedener Genres, also von Proletentum bis Großbürgerschaft, die Texte von Kurt Tucholski und Eduard Künecke, um nur zwei berühmte Persönlichkeiten aus der Zeit mit treffenden Vertonungen zur Zeit des Vulkanischen Umtriebs in Wort und Ton zu nennen.

Und wenne ne „Goldene Göre“ werden wills, dann musse wissen, dat die seit 2003 dat „Deutsche Kinderhilfswerk“ als Preis verleiht. Dat is einer der höchstdotierten Preise für wenne dich da für Kinder und Jugendbeteiligung beteilichst. Wat man da machen muss?

Da gehse ma schön brav gugeln. Und dann tusse ein gutet Werk für deine Altersklasse und kriss nochn Preis dafür, Du „Göre“!

Geht doch! Danke dir für den Platz, abba jetz muss ich leider aussteigen ausse Straßenbahn. Denk ma drüba nach, wenne nächstet Mal einen alten Sack wie mir, keinen Platz inne Straßenbahn anbietes. Ich kann im Gegensatz zu dir nich mehr so lange stehen und meine Augen können dat daddeln da mit deiner Fingerfertichkeit auch nich mehr hinkriegn.

Ja, danke für die Besserungswünsche, wennet noch wat wird. Bis nächstet Mal und vielleicht les ich ma wat inne Zeitung von dir! Wat ne Zeitung is? Dat erzähl ich de nächsten Fahrt, wenn ich sitze, dat is ein längeret Thema und jetz muss ich abba. Tschüskes!

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Göre – Erklärvideo bei der Ruhrpottgöre in „Heimatliebe Ruhrgebiet“, Essen – LImbecker Platz 1

Weitere Informationen/Buchtipps/CD-Tipps:

Claire Waldorff:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Amazon. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Amazon. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Amazon. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Amazon. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Franziska von Rewentlow:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Amazon. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Amazon. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Zur „GOLDENEN GÖRE“ vom DEUTSCHEN KINDERHILFSWERK:

ZUM ANMELDEN des AKTIONSPREISES (Anmeldeschluss ist der 31.01.2022):

https://www.dkhw.de/aktionen/deutscher-kinder-und-jugendpreis/

BISHERIGE PROJEKTE: Impressionen der letzten Jahre | Deutsches Kinderhilfswerk (dkhw.de)

Wer dem Kinderhilfswerk etwas spenden möchte: Ihre Spende für Kinder | Deutsches Kinderhilfswerk (dkhw.de)

Quelle:

Peter Honnen: Wo kommt dat her? Greven Verlag

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Amazon. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

www.de.wikipedia.org/wiki/Göre

www.de.wikipedia.org/wiki/Fanny_zu_Reventlow

www.de.wikipedia.org/wiki/Claire_Waldoff

www.dwds.de/wb/Göre