Zeitzeugin Liesel Appel und die Stolpersteine der Familie Meyer in Bottrop I +Videopodcast I +Podcast #142

Liesel Appel und die Familie Meyer – Eine Geschichte aus Bottrop gegen das Vergessen

Die Bottroper Zeitzeugin Liesel Appel wuchs in einem Elternhaus auf, das stark vom Nationalsozialismus geprägt war. Ihr eigenes Leben führte sie jedoch in eine vollkommen andere Richtung. Über Jahrzehnte suchte sie nach der Wahrheit über die jüdische Familie Meyer aus Bottrop und deren Sohn Edgar August Meyer.

Im Podcast erzählt sie von ihrer Kindheit, ihrem Bruch mit der Vergangenheit, ihrem Leben in London und den USA, ihr Kampf für mehr Gerechtigkeit und Menschlichkeit und von einer Suche, die erst nach vielen Jahrzehnten zu einem Ende kam.

Es ist eine Geschichte über Nationalsozialismus und Erinnerungskultur in Bottrop. Aber ebenso eine Geschichte über Zivilcourage, Rassismus, persönliche Verantwortung, Versöhnung – und darüber, dass Menschen selbst in dunklen Zeiten Entscheidungen treffen können, die Leben retten.

Für die Familie Meyer erinnern heute fünf Stolpersteine vor der Gladbecker Straße 334 in Bottrop-Eigen an ihr Schicksal.

Doch wer ist Liesel Appel und wer war Wilhelm Meyer, seine Eltern, Frau und Sohn, den sie selbst nur kurz kennenlernen konnte und dabei ihre Augen noch im Grundschulalter öffnete?

Liesel Appel hat ihr ganzes Leben für mehr Gerechtigkeit gekämpft und sich früh von ihrem Elternhaus abgenabelt. Das hatte einen gewissen Grund. Denn ihre Eltern Heinrich und Else Steffens waren glühende Verehrer des Nationalsozialismus. Die Ideologie war eine tragende Säule der Familie.

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Die Zeitzeugin Liesel Appel hat als Kind die dunklen Zeiten des Ruhrgebiets in Bottrop unter den Nationalsozialisten erlebt. Augen- und Zeitzeugen, die darüber sprechen können und wollen, werden in diesem Jahrzehnt immer weniger. Umso wichtiger ist jeder Beitrag, den ich finden kann, um die Erinnerungskultur im Revier gerade zu dieser brisanten politischen Zeit hochzuhalten. Denn auch Deutschlands politische Landschaft driftet wieder nach Rechts und Erinnerungskultur soll einen Schlussstrich bekommen. Umso wichtiger ist es mit jedem Beitrag diese zu unterstützen und zu bewahren.

Erinnern und Bewahren einer dramatischen Geschichte

Liesel lebt heute glücklich und zufrieden in Palm Beach und besucht heute ihre Heimat wieder gern, was sie früher eher vermied. Dies ist ein Podcast, der auch die guten Seiten von Menschen zeigen kann in dunklen Zeiten. Es geht um Menschen, die Ideologie unterstützen, aber stumme Helfer wurden, und ihre Menschlichkeit bewahrt haben, als sie das Kind der Meyers retteten und versteckten. Es geht um Liesel, die jahrzehntelang auf der Suche nach der wahren Geschichte war. Am Ende ihrer Suche entstand zum Erhalt der Geschichte neben ihrer Autobiographie „Der Sohn der Nachbarn“ und nun am 11.6.2025 die Verlegung der Stolpersteine zur Würdigung und Ehrung der Familie Meyer.

Zeitzeugin Liesel Appel im Podcast

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die noch einen persönlichen Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus und zu dessen unmittelbaren Folgen haben, werden immer weniger.

Umso wichtiger ist es, ihre Erinnerungen festzuhalten und weiterzugeben. Für mich gehört das zur Erinnerungskultur im Ruhrgebiet: Nicht nur Namen und Jahreszahlen festzuhalten, sondern die Geschichten der Menschen dahinter zu erzählen.

Im Gespräch mit Liesel Appel geht es deshalb nicht ausschließlich um Nationalsozialismus, Schuld und die Geschichte ihrer Familie. Es geht auch um die Frage, wie ein Mensch mit der Erkenntnis umgeht, dass die eigenen Eltern Teil einer menschenverachtenden Ideologie waren.

Und es geht um diejenigen Menschen, die sich selbst in dieser Zeit ihre Menschlichkeit bewahrten. Menschen, die halfen, obwohl Hilfe gefährlich sein konnte.

Eine Geschichte über Schuld, Mut und Menschlichkeit

Gerade darin liegt für mich eine besondere Stärke dieser Geschichte. Sie zeigt, dass Menschen widersprüchlich sein können. Sie erzählt von Ideologie und Verblendung, aber ebenso von Hilfe, Mut und Menschlichkeit.

Menschen, die Teil eines Systems oder seines Umfelds waren, konnten in entscheidenden Augenblicken trotzdem anders handeln und anderen Menschen helfen. Liesel Appel hat sich über Jahrzehnte mit diesen Widersprüchen auseinandergesetzt. Heute lebt sie in den USA und besucht ihre alte Heimat Bottrop wieder gerne. Der Podcast erzählt deshalb nicht nur eine Geschichte über die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte. Er erzählt auch davon, wie die Suche nach Wahrheit ein ganzes Leben prägen kann – und warum Erinnern auch heute notwendig bleibt:

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Aufwachsen in einer nationalsozialistisch geprägten Familie

Liesel Appel wurde am 14. September 1941 in Klingenberg am Main als Wunschkind geboren. Ihr Vater Heinrich Steffens war Schulleiter und wurde mit Kindern aus Bottrop dorthin evakuiert worden. Sie war ein Wunschkind ihrer Eltern und hatte einen rund 20 Jahre älteren Bruder, der während des Krieges bei der Marine auf einem U-Boot diente und später in britische Gefangenschaft geriet.

Nationalsozialistisches Gedankengut gehörte zum Weltbild ihres Elternhauses. Besonders ihr Vater war ein überzeugter Anhänger Adolf Hitlers. Ihre Mutter Else folgte ihrem Mann weitgehend. Liesel wurde in diese Welt hineingeboren, zu klein es zu verstehen. Liesel war als Wunschkind von ihrem Vater heiß und innig geliebt. Sie wurde überall herumgezeigt, dass sie für den Führer geboren wurde zum Erhalt des 1000 Jährigen Reiches. Bei der Geburt hat ihr Vater sie mit einem Hitlergruß begrüßt.

Liesel Appel mit ihren Eltern und Bruder vor dem Bildnis von Adolf Hitler. (c) Liesel Appel – zur freien Verfügung aus dem USA Holocaust Memorial Museum

Nach dem Krieg begann sie durch den Besuch von Wilhelm Meyer, dem lange verschwundenen Nachbar zu verstehen, was in ihrer Nachbarschaft geschehen war und brach mit ihrer eigenen Familiengeschichte

Ihr Vater sollte vor Gericht gestellt werden und floh vor den amerikanischen und britischen Besatzungsbehörden. Doch bevor es zu einer juristischen Aufarbeitung kommen konnte, nahm er sich vor ihren Augen das Leben. Die Erkenntnis über die politische Vergangenheit, prägte Liesels Leben in der Zukunft.

Die jüdischen Nachbarn an der Gladbecker Straße

Unmittelbar neben der Familie Heinrich, Else und Liesel Steffens lebte die jüdische Familie Meyer, deren Leben in der Reichspogromnacht vom 9. Auf den 10. November 1938 schlagartig veränderte. Während August kurz vorher schon verstarb, weil er sein Lebenswerk verkaufen sollte, wurde sein Frau, Sohn und Schwiegertochter aus dem Haus gejagt und misshandelt auf der Straße, wo heute die Fußgänger*innen und Radfahrer*innen entlang gehen bzw. fahren.

Ein besonderes dramatisches Schicksal musste der damals 13 Monate alte Edgar August Meyer erleben. Den überlieferten Schilderungen nach, sollte er aus dem Fenster geworfen werden. Doch er überlebte durch zwei Helden, wie Liesel sie bezeichnete.

Wilhelm, Fajda und der kleine gerettete Edgar August Meyer kurz nach der Flucht in Palästina 1939 (c) Liesel Appel – zur freien Verfügung

Der benachbarte Kinobetreiber Friedrich Sommer fing den Jungen auf und Johanna Banner, geborene Beckfeld versteckte den kleinen Edgar August unter lebensgefährlichen Bedingungen. Das Retter- und Versteckspiel konnte erst Jahrzehnte durch die Recherchen herausgefunden werden.

Schweigen nach dem Krieg

Das Kriegsende bedeutete nicht automatisch, dass über das Geschehene gesprochen wurde. Die Menschen schwiegen.

Auch Johanna Banner wollte später gegenüber Liesel Appel zunächst nur ungern über die Ereignisse sprechen. Die Angst saß offenbar noch lange nach dem Ende des Nationalsozialismus tief. Menschen, die während der NS-Zeit Täter, Mitläufer, Unterstützer oder Gegner gewesen waren, lebten anschließend wieder Tür an Tür miteinander. In der Gesellschaft wurde sie als Verräterin abgestempelt. Sie hatte noch lange Angst vor den alten Schergen. Denn Geheimnisse waren gefährlich.

Bottrop ist eine kleine Großstadt. In den Stadtteilen kennt man sich eben gut. Geheimnisse sind, wie in einem großen Dorf, nicht so einfach zu behalten. Wo zur Zeit des Nationalsozialismus Misstrauen und Denunziation gefördert wurde, war nach dem Ende und Neuanfang wiederum zu einem großen Misstrauen geworden. Wer war der gute Nachbar? Wer war wirklich Freund? Wer war politisch rechts? Die Fragen waren nach 1945 mehr zu einem Akzeptieren und großes Schweigen geworden.

Was wurde aus dem Geschäft der Familie Meyer?

Wie es eben üblich war, wurde das Geschäft der Familie Meyer nicht nachweisbar, aber höchstwahrscheinlich „arisiert“ und in nichtjüdischen Besitz übergeben. So war über Jahrzehnte weit und breit das Kaufhaus Wittke bekannt für die Bewohner und Bewohnerinnen des Stadtteils Eigen und darüber hinaus. Wie ein kleines Karstadt bekam man die wichtigsten Lebensmittel, Kleidung, Spielzeug, Haushaltswaren. Auch ich kannte das Haus. Meine Großeltern sind dort selbst immer einkaufen gefahren. Das Innere war mir bekannt. Doch mir war nicht bekannt, was da vorher war. Ich war zu klein, um es zu verstehen, genauso klein, wie damals Liesel. Und meine Großeltern haben es bestimmt gewußt. Sie wohnten im Eigen, aber mit einem kleinen Jungen spricht man nicht über solche Dinge. Ich wußte bis vor kurzem nichts von dieser Geschichte. Und dann war es zu spät, weil durch das Schweigen, nahmen meine Großeltern, wie viele andere die Informationen natürlich mit ins Grab. So war ich überrascht, als ich davon hörte, was genau hinter der Hausnummer 334 sich verbarg.

Wittke wurde nach und nach ausgebaut. Der alte Manufaktur- und Konfessionsladen der Meyers war nicht so groß, aber was genau im Hintergrund ablief, kann bis heute nicht nachvollzogen werden, außer dass die Kinder der Gründer von Wittke das Kaufhaus geschlossen haben.

Heute liegen genau vor diesem Gebäude die Stolpersteine für die Familie Meyer.

Für mich zeigt das, wie nah Geschichte sein kann. Manchmal läuft man jahrzehntelang an einem Ort vorbei, ohne zu wissen, was dort geschehen ist. So geben die Stolpersteine einem zumindest die Information mit: Wenn Du stehen bleibst und die Namen und Daten, sowie das eine Wort, was mit der Person geschehen ist, liest, wenigstens die Frage stellst, was mag hinter dieser Tür an dem Tag der Abholung auf einer LKW-Pritsche, in einem Gestapo-Wagen oder einer Verhaftung durch die Polizei geschehen sein.

Die Begegnung, die Liesels Sicht auf ihre Familie veränderte

Liesel spielte auf dem Bürgersteig und wurde von einem Mann angesprochen, der sich Wilhelm nannte. Sie war damals 9 Jahre alt. Er wollte ihre Mutter sprechen. Mit ihr wollte er dann über das Gebäude sprechen. Wilhelm hatte mit seiner Frau Fajdra Dobro und seinem Sohn Edgar August nach Palästina flüchten können. Doch Liesels Mutter verweigerte ein Gespräch.

Liesel verurteilte in diesen jungen Jahren, als sie erfuhr, was mit den Juden passiert ist, ihre Eltern und erfuhr immer mehr, was insgesamt jüdischen Menschen während der NS-Zeit widerfahren war. Die Begegnung mit Wilhelm Meyer war ein früher Wendepunkt in ihrem noch sehr jungen Leben, die ihren Weg auch in Zukunft bis heute geprägt hat. Es wurde eine Auseinandersetzung mit dem Elternhaus und die Suche nach der jüdischen Familie Meyer. Die Vergangenheit von Liesel wurde zu einem Berg von Fragen über das Verhalten und die Lebensweise der Eltern. Wie konnte die eigene Familie eine solche Ideologie unterstützen?

Wer wusste von den Verbrechen?

Wer schwieg?

Und wer half?

Mit 19 Jahren weg aus Bottrop

Bottrop schnürte Liesel den Hals zu. Sie wollte einfach nur weg.

1961 verließ sie Deutschland und ging mit einem kleinen Koffer nach London. Sie lernte Kindergärtnerin. Über ihren lebensfrohen Onkel, der Gynäkologe war und ihre Mutter wohl zur Geburt von Liesel „half“, kam sie bei einem seiner großen Feste in Kontakt mit einem schwarzen Londoner namens Hugh Scotland. Sie ließ alles stehen und liegen und ging mit ihm nach London und lebte auf sehr schmalen Grad.

Hugh war Eventmanager, aber mit Geld konnte er nicht umgehen. Liesel brachte erstmal Struktur in das Unternehmen. Auch hier begegnete sie überall Rassismus. Denn sie war als weiße Frau mit einem schwarzen Mann nicht gern gesehen. Als sie Kontakt mit einem Botschafter vom Kongo hatten, der die Rebellen unterstützte, half Hugh ihm und schmuggelte Geld. Dabei wurde er gefaßt.

Liesel kämpfte mit der Bild-Presse und den Behörden. Sie bekam ihren Mann wieder frei. Doch die Ehe scheiterte später.

Über ihre gemeinsame Event-Agentur lernte sie den Sänger George Browne, bekannt als Young Tiger, kennen. Mit ihm ging sie schließlich in die USA.

Rassismus ist überall

In den USA, in Florida, wo sie ein Restaurant übernahmen, wurden sie diskriminiert. Rassismus war an der Tagesordnung. Niemand interessierte sich von den weißten, dass auch schwarze Männer im zweiten Weltkrieg oder im Koreakrieg ihren Kopf hingehalten haben. Da sie Deutsche war, wurde sie ebenfalls mit der deutschen Vergangenheit konfrontriert.

In Palm Beach waren Liesel und George Browne nach ihrer eigenen Schilderung rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Ein jüdischer Anwalt half ihnen aus der Patsche der Pleite. Sie hatten alles verloren. Die Ehe scheiterte ebenfalls, doch Liesel machte weiter. Sie zog nach Kalifornien und arbeitete unter anderem für Estée Lauder.

Ein Leben gegen die Vorstellungen ihrer Eltern

Liesel Appel wollte ihr Leben bewusst anders führen als ihre Eltern: Freiheit statt ideologischer Enge. Offenheit statt Ausgrenzung.

Sie setzte sich für Menschen ein, die diskriminiert wurden, und beschäftigte sich immer intensiver mit ihrer eigenen Vergangenheit. Sie konvertierte zum jüdischen Glauben und hielt Vorträge über ihre Situation in der NS-Zeit und die Geschichte der Familie Meyer. Vor rund 25 Jahren begann sie schließlich systematisch nach dem kleinen Edgar August und seiner Familie zu suchen. Sie wollte wissen, was aus ihnen geworden ist und wandte sich an das Bottroper Stadtarchiv.

Was war aus Edgar geworden?

Wo hatte er gelebt?

Wer hatte ihn in jener Nacht tatsächlich gerettet?

Und warum hatten so viele Beteiligte anschließend jahrzehntelang darüber geschwiegen?

Was geschah mit der Familie Meyer?

Die Recherchen führten nach und nach zu nicht erfreulichen Antworten, denn die Mutter von Wilhelm, Fanny Meyer, wurde während des Holocaust deportiert ins Ghetto nach Riga. Dort verlor sich die Spur. Sie wurde offenbar ermordet. Nachweise sind keine gefunden worden. Sie gilt als spurlos verschwunden.

Wilhelm Meyer, seine Frau Fajga Dobra und ihr Sohn Edgar August konnten 1939 nach Palästina fliehen. Doch Fajga starb sehr früh. Wilhelm lebte auch nicht mehr. Und von Edgar August verlor sich jede Spur. Liesel suchte lange bis ein Anruf aus New York sie erreichte.

Eine Person hatte von ihrer Suche erfahren und konnte ihr mitteilen, wo sich das Grab von Edgar August Meyer befand. Es war nicht befriedigend vor dem Grab zu stehen, weil sie ihn gern so viel gefragt hätte. Aber sie war mit sich im Reinen, zumindest sein Grab gefunden zu haben und die Geschichte nach der jahrzehntelangen Suche ein Ende zu geben. Der Rahmen dieser Suche sollte nicht das Buch zum Abschluss sein, dass sie schrieb, sondern die Verlegung der Stolpersteine und ihren Besuchen in Bottrop. So ist sie mit der kleinen Stadt im Ruhrgebiet am Ende wieder mit vielen neuen Freundschaften nach Hause geflogen und würde jederzeit immer wieder gern sie besuchen kommen.

Das Buch „Der Sohn des Nachbarn“ erschien

Ihre Lebensgeschichte und die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit hielt Liesel Appel in ihrer Autobiografie „Der Sohn des Nachbarn“ fest. 2014 erschien die erste und einzige Auflage ihres Buches.

Sie widmete das Buch ihrer Mutter. Denn obwohl sie über viele Jahre ein sehr schwieriges Verhältnis zu ihr hatte, wolle sie ihr den Raum geben, den sie ihr zu Lebzeiten nicht gegeben hat. Sie wurde sich sicher, dass ihre Mutter nicht so verblendet war, sondern einfach nur in diese Zeit geboren wurde und Angst hatte drüber zu sprechen, sie als ihr Kind davor auch schützen. Doch das Kind hatte nicht das Verständnis dafür. Erst als die Mutter starb, als es zu spät war, kam ein gewisses Verständnis.

Das Buch erschien in Deutschland beim Bottroper Verlag Henselowsky Boschmann. Es ist vergriffen. Eine Neuauflage wird es wohl nicht mehr geben. Gebraucht wird es ab und zu angeboten.

Auch über den Glauben setzte sich Liesel mit ihrer Vergangenheit auseinander. Nachdem sie später einen jüdischen Mann geheiratet hatte, trat sie selbst zum Judentum über.

Fünf Stolpersteine für die Familie Meyer

Am 11. Juni 2025 wurde die Geschichte der Familie Meyer schließlich dauerhaft in das Bottroper Stadtbild eingeschrieben.

Vor der Gladbecker Straße 334 in Bottrop-Eigen wurden fünf Stolpersteine verlegt.

Sie erinnern an:

  • August Meyer
  • Fanny Meyer, geborene Meyer
  • Wilhelm Meyer
  • Fajga Dobra Meyer, geborene Markowitz
  • Edgar August Meyer

Die Patenschaften der Stolpersteine wurden von unterschiedlichen Menschen unterstützt:

Liesel Appel übernahm Edgar August Meyer.

Jürgen Krämer übernahm Fanny Meyer.

Die Freiwillige Feuerwehr Bottrop-Eigen übernahm Wilhelm Meyer.

Die Familie Schwittay übernahm die Patenschaft von Fajga Dobra Meyer, geborene Markowitz, und von August Meyer übernahm die Evangelische Kirchengemeinde Bottrop-Eigen sie.

Bei der Verlegung am 11.6.2025 waren unter anderem Oberbürgermeister Bernd Tischler sowie Familienmitglieder von Liesel dabei, die extra aus den USA nach Bottrop zur Einweihung angereist waren.

Liesel Appel übernahm die Patenschaft für den Stolperstein von Edgar August Meyer.

Damit bekam der Junge, nach dessen Schicksal sie so viele Jahre gesucht hatte, in ihrer Heimatstadt einen sichtbaren Erinnerungsort.

Warum dieser Podcast mehr als eine Lebensgeschichte ist

Ein Jahr nach der Stolpersteinverlegung hatte ich die Gelegenheit, mit Liesel Appel ausführlich über ihr Leben zu sprechen.Dieser Podcast ist deshalb weit mehr als eine Biografie.

Er verbindet die Geschichte Bottrops mit der Geschichte einer einzelnen Familie und mit dem persönlichen Weg einer Frau, die sich zeitlebens mit ihrer Herkunft auseinandergesetzt hat.

Es geht um die Frage, wie es ist, als Kind in einer Ideologie aufzuwachsen, für die man selbst keine Verantwortung trägt – und irgendwann zu erkennen, welche Folgen diese Ideologie für andere Menschen hatte.

Es geht um Schuld und Schweigen. Aber auch um Menschen, die in einem entscheidenden Moment geholfen haben.

Gerade die Geschichte um Edgar August Meyer zeigt, dass Biografien selten nur schwarz oder weiß sind. Menschen können Teil eines Systems gewesen sein und trotzdem in einem bestimmten Moment menschlich handeln. Das entschuldigt keine Unterstützung des Nationalsozialismus. Aber es gehört zur vollständigen Geschichte dazu.

Versöhnung mit Bottrop

Viele Jahrzehnte wollte Liesel Appel mit Bottrop nur wenig zu tun haben. Die Stadt war für sie mit ihrer Familie und den Erinnerungen an die Vergangenheit verbunden. Heute hat sich das verändert.

Sie hat ihre Heimat neu für sich entdeckt und besucht Bottrop wieder gerne. Zwischen dem Kind, das nach dem Krieg die Wahrheit über seine Familie erfahren musste, und der Frau, die Jahrzehnte später nach Bottrop zurückkehrt, liegt ein außergewöhnliches Leben.

Mit der Verlegung der Stolpersteine und dem Auffinden weiterer Informationen über Edgar August Meyer konnte sie einen Teil ihrer jahrzehntelangen Suche abschließen und ihren Frieden damit schließen

Ein neuer Kampf für Gerechtigkeit

Wer nun glaubt, Liesel Appel würde sich einfach zurückziehen, wird eines besseren belehrt. Sie kämpfte ihr Leben lang für Gerechtigkeit für Menschen und Minderheiten. Diese fordert sie nun auf Demonstrationen für Tiere.

Sie lebt vegan und engagiert sich gegen Tierversuche und das Töten von Tieren. Dabei bezieht sie sich unter anderem auf Gedanken des Literaturnobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer und auf Charles Pattersons Buch „Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka“.

Damit zieht sich ein Gedanke durch ihr gesamtes Leben:

Der Widerstand gegen Ausgrenzung, Gewalt und Ungerechtigkeit.

Erinnerungskultur im Ruhrgebiet

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit persönlichen Erinnerungen an den Nationalsozialismus und die unmittelbare Nachkriegszeit werden immer weniger.

Deshalb ist es wichtig, ihre Erzählungen festzuhalten.

Nicht, weil Erinnerungen historische Forschung ersetzen können. Persönliche Erinnerungen können sich unterscheiden, einzelne Details bleiben ungeklärt und manche Geschichten lassen sich Jahrzehnte später nur noch teilweise rekonstruieren. Auch Erinnerungen können falsch widergegeben werden. Doch sie zeigen, was historische Ereignisse mit Menschen gemacht haben. Genau deshalb sind auch die Stolpersteine so bedeutend:

Hinter jedem Namen steht ein Mensch.

Hinter jedem Geburtsjahr ein Leben.

Und hinter jedem Stein eine Geschichte, die nicht vergessen werden sollte.

Die Geschichte von Liesel Appel und der Familie Meyer gehört für mich dazu.

Sie erzählt von einem dunklen Kapitel mitten im Ruhrgebiet von Bottrop und Deutschland. Es zeigt, dass eben der Spruch, dass das Ruhrgebiet zusammen hält, nicht so ist und heute wieder so einen Sprung bekommt, wie es in den letzten Kommunalwahlen zu sehen war.

Liesels Geschichte jedoch erzählt davon, dass Menschen selbst unter unmenschlichen Bedingungen Menschlichkeit zeigen konnten – und dass die Suche nach Wahrheit auch nach Jahrzehnten noch etwas verändern kann.

Im nächsten kleineren Podcast gehe ich noch einmal auf die Familie Meyer ein. Es enthält die Reden von Liesel Appel und dem damaligen Oberbürgermeister Bernd Tischler. Im Videopodcast bin ich vor Ort und reinige die Steine nach einem Jahr zur Würdigung und Ehrung der Familie Meyer.

Der Podcast mit Liesel Appel ist deshalb nicht nur ein Blick zurück. Er ist eine Einladung, genauer hinzusehen, sich selbst und anderen Fragen zu stellen und dabei Erinnerung und Menschlichkeit ohne Hass lebendig zu halten. Damit es sich nicht wiederholt!

Liesel Appel mit André Brune beim Einsetzen der Stolpersteine (c) André Brune

 

Links und Recherchehinweise

Charles Patterson: „Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka“ – deutsche Ausgabe von „Eternal Treblinka“. Relevante Recherche-Links: Internet Archive mit deutscher Ausgabe:

https://archive.org/details/fur-die-tiere-ist-jeden-tag-treblinka-eternal-treblinka-uber-die-ursprunge-des-i

Deutsche Nationalbibliothek:

https://d-nb.info/97210139x/04

Die Buch Suche mit Angeboten zur deutschen Ausgabe:

https://diebuchsuche.de/buch-9783861506492.html

Henselowsky Boschmann Verlag, Buch „Der Sohn des Nachbarn“

Familie Meyer / Stolpersteine Bottrop:

Stadt Bottrop, Familienseite mit Biografien und Patenschaften: https://www.bottrop.de/microsites/Kulturzentrum_August_Everding/kulturzentrum/stadt–und-zeitgeschichte/stolpersteine/meyer-famliie.php

Stadt-Bottrop-Broschüre „Stolpersteine 2025“:

https://www.bottrop.de/downloads/kultur-bildung/stadtgeschichte/Stolpersteine-2025.pdf

Presse-Service der Stadt Bottrop zur Verlegung:

https://www.presse-service.de/meldung.aspx?ID=1188750

Bottroper Zeitung:

https://bottroper-zeitung.de/neue-stolpersteine-werden-in-bottrop-eigen-verlegt/

Wir lieben Bottrop

https://www.wir-lieben-bottrop.de/2025/06/04/nach-privater-recherche-neue-stolpersteine-werden-im-eigen-verlegt/

WAZ

https://www.waz.de/staedte/gelsenkirchen/article10388704/ein-kampf-um-gerechtigkeit.html

https://www.waz.de/staedte/bottrop/article10375434/buch-erschien-2014-auf-deutsch.html

https://www.waz.de/staedte/bottrop/article10016376/wunderbare-rettung-vor-den-nazis.html

Youtube-Video auf Englisch:

The Incredible Life of Liesel Appel: from Nazi Germany to Civil Rights to Animal Rights – YouTube

„Hitler’s Baby“ is an Animal Rights Activist?!

Das Ehri-Projekt – USA Holocaust Memorial Museum

EHRI – Steffens and Meyer families photographs

https://portal.ehri-project.eu/units/us-005578-irn37092

Gebraucht die Autobiographie kaufen:

Der Sohn des Nachbarn: Autobiografie : Appel, Liesel, Bolik, Rainer, Appel, Liesel: Amazon.de: Bücher

Auf Englisch:

[The Neighbor’s Son [ THE NEIGHBOR’S SON BY Appel, Liesel ( Author ) Sep-01-2005[ THE NEIGHBOR’S SON [ THE NEIGHBOR’S SON BY APPEL, LIESEL ( AUTHOR ) SEP-01-2005 ] By Appel, Liesel ( Author )Sep-01-2005 Paperback : Amazon.de: Bücher

Weitere Infos auf Englisch:

Kristallnacht talk at Temple Emanu-El to reveal woman’s journey

Ruhrpottologe-Bericht zur Stolpersteinverlegung am 11. Juni 2025: https://www.ruhrpottologe.de/ergreifende-stolpersteinverlegung-in-bottrop-in-besonderer-situation-i-11-6-2025/

Ihr Kampf für ihren ersten Ehemann Hugh Scotland aus dem kongolesischen Gefängnis zu bekommen:

  1. Dezember 1964 – macht Frau ein letztes Gebot für die Freiheit des Mannes… He wurde verhaftet von Pres Tshombes Bodyguard im Kongo: Frau Liesel Schottland verlässt London heute Morgen fliegen, Bonh – im Rahmen eines Angebots, Kongo Präsident Moise Tshombe sehen, die für Gespräche mit deutschen Diplomaten in der Stadt ist… Mrs-Schottland ist den Präsidenten zu intervenieren, um die Freisetzung von ihrem Ehemann Geschäftsmann Hugh Scotland – zu erhalten, der durch persönliche Leibwächter des Präsidenten verhaftet, als er dabei war, nach dem Massaker aus Stanleyville fliegen bitten. Mrs-Schottland hatte nach dem Massaker von Stanleyville. Frau Stockfotografie – Alamy

George Browne, auch Young Tiger genannt (2. Ehemann):

Calypso Be – Young Tiger – Deezer

https://link.deezer.com/s/348o0u27bBhasSrKz7bwz

George Browne (Young Tiger) | Spotify

Interaktive Anti-Müll-Ausstellung „Flaschengefühle“ wandert ins Welthaus nach Dortmund zur IGA 2027

Von Bochum wandert nun die Ausstellung am 13.8.2026 im Rahmen der IGA 2027 ins Pop-Up–Lädchen im Welthaus von Dortmund. Ab 16 Uhr ist die Vernissage. Ab 17 Uhr ist ein Vortrag von Sybille Hellier mit ihrem Projekt „AufGEraucht“ vor Ort und spricht über die Problematik der Grundwasserverseuchung von Zigarettenkippen.

Zwei Tage nach der Vernissage am Samstag am 15.8. zwischen 11 und 13 Uhr wird es einen Workshop geben, um mit Müll etwas zu basteln. Die Finissage wird dann mit einem Vortrag zum Thema „Flaschengefühle – Vermüllung der Stadt“ am 20.8. um 17 Uhr wieder beendet werden und auf den nächsten Ort warten.

Wer Interesse hat diese „Aufklärungsausstellung“ mit in die Welt zu tragen in einer Galerie oder städtischen Einrichtung, kann sich gern melden. Das Kunst-Aktions-Projekt „Flaschengefühle“ wird ab nächstes Jahr auch für Schulen angeboten werden.

Flaschengefühle – Gemeinsam für ein sauberes Bochum I Talk mit der Kommunalpolitik I +Videopodcast I +Podcast #141

Müll ist immer ein Aufreger in den Städten. Fabian Krömling (Grüne) und Stefan Klapperich (CDU) sind junge engagierte Kommunalpolitiker in zwei unterschiedlichen Parteien in Bochum. Sie sind meiner Einladung gefolgt zu einem kleinen Podcast-Plausch im Rahmen meiner interaktiven Flaschengefühle – Kunstaktionsprojekt-Ausstellung in der Nachhaltigkeitszentrale von Bochum Marketing in Bochum, um über die Vermüllung der Stadt zu sprechen, welche Maßnahmen möglich und zwischenzeitlich für ein saubereres Bochum geschehen sind.

Nach drei Jahren habe ich in der Nachhaltigkeitszentrale von Bochum Marketing mein Kunstaktionsprojekt innerhalb der Stadt neu auflegen können. Interaktiv habe ich Besucher und Besucherinnen die entwickelten Texte zu den Bildern zuordnen lassen. Wer Lust hatte, malte auf einer Leinwand ein „Flaschengefühl“. Bei einem Workshop baue ich mit Interessierten aus Drahtgeflecht Sehenswürdigkeiten oder Objekte in denen sauberer Abfall eingebaut werden konnte.

Das Konzept sieht auch vor ein Gespräch zu finden mit Kommunalpolitikern aus dem Bezirk Mitte und Zuständigkeiten. Vorher habe ich Müll gesammelt, um auch die negativen Dinge zeigen zu können. Weit laufen brauchte ich da nicht.

In der Kürze der Organisation und auch durch den Ferienanfang konnte ich aus Urlaubsgründen niemanden von der Mehrheitspartei SPD und den Linken bekommen. Die AfD hat für mich keine Relevanz, weil sie auch den Klimawandel leugnet und wurde deswegen schon nicht zum Gespräch eingeladen, weil sie nur einer bestimmten Einwohnergruppe Schuld für Müll in den Straßen zuschiebt statt sich an die eigene Nase zu packen. Da nehme ich kein Blatt vor dem Mund.

Die kleinen Parteien wurden in den Bezirk Mitte nicht reingewählt. Es sollten diesmal nur Bezirkspolitiker angesprochen werden. Stefan Klapperich war allerdings aus Wattenscheid, was mein Konzept kurzfristig veränderte und das Interview auf allgemeine Fragen zu Bochum spontan veränderte, was aber dem Podcast im Ganzen dadurch einen besseren Rahmen gab, weil dadurch Bochum und Wattenscheid insgesamt einen Raum bekamen, was gut und schlecht läuft. Und was auch in anderen Städten des Ruhrgebiets so ähnlich auch aussehen wird. Vielleicht wird es nur anders gehandhabt. So gilt jetzt dieser Podcast aus Bochum stellvertretend auch für die anderen Ruhrgebietsstädte. Müllprobleme gibt es überall.

So ging es locker vom Hocker mit den beiden jungen engagierten Politikern los:

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Kurzinfo Stefan Klapperich – CDU

Mit 26 Jahren gehört er bereits zu den engagierten Stimmen der Bochumer Kommunalpolitik und hat mit Sicherheit noch einen guten Karriereweg in der Politik. Er ist Mitglied im Rat der Stadt und planungspolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Stefan Klapperich ist Mitglied des Rates der Stadt Bochum und übernimmt dort die Rolle des planungspolitischen Sprechers. Zudem ist er Sprecher im Ausschuss für Planung und Grundstücke sowie Mitglied im Ausschuss für Sicherheit, Umwelt, Nachhaltigkeit und Ordnung.

Als stellvertretendes Mitglied ist er außerdem im Ausschuss für Beteiligungen und Controlling, im Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss sowie im Ausschuss für Kultur und Tourismus vertreten. In der Bezirksvertretung Wattenscheid wirkt er als beratendes Mitglied mit.

Seine politische Laufbahn begann unter anderem mit der Mitgliedschaft in der Bezirksvertretung Wattenscheid im Jahr 2020. Seit 2021 gehört er dem geschäftsführenden Kreisvorstand der CDU Bochum sowie dem Vorstand der Jungen Union Ruhr an.

Nach dem Abitur an der Hellweg-Schule Bochum studiert Klapperich seit 2018 Philosophie, Politik und Ökonomik an der Universität Witten/Herdecke. Ein Schuljahr verbrachte er zuvor an der Cathedral High School in Indianapolis in den USA.

Links: Fabian Krömling (Grüne) – Rechts: Stefan Klapperich (CDU)

Kurzinfo Fabian Krömling – Bündnis 90/Die Grünen Bochum

Fabian Krömling, Jahrgang 1993, ist geborener Berliner. Für sein Studium kam er nach Bochum und machte die Stadt zu seiner Wahlheimat. Beruflich ist er heute im Bereich Haus- und Wohnungsverwaltung tätig.

Seit 2019 ist er für die Grünen politisch unterwegs in den Fachbereichen Verkehr, Stadtentwicklung und Digitalisierung. Nach der Kommunalwahl zog er in die Bezirksvertretung Bochum-Mitte ein und wurde dort stellvertretender Fraktionsvorsitzender. 2021 rückte er in den Rat der Stadt Bochum nach.

Seit der Kommunalwahl 2025 gehört Fabian Krömling weiterhin dem Rat der Stadt Bochum an. In der Grünen Ratsfraktion ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender und planungspolitischer Sprecher. Er ist ordentliches Mitglied im Ausschuss für Planung und Grundstücke sowie im Wahlprüfungsausschuss. Darüber hinaus gehört er dem Aufsichtsrat der Stadtwerke Bochum sowie der Emschergenossenschaft an.

Zu seinen politischen Schwerpunkten gehören vor allem Stadtentwicklung, Stadtplanung, Wohnen, Klimaschutz und nachhaltiges Bauen. Dabei beschäftigt er sich mit der Frage, wie sich Bochum weiterentwickeln und gleichzeitig Flächen, Grünstrukturen und Klima schützen kann. Auch die Mobilitätswende sowie bessere Bedingungen für den Rad- und Fußverkehr spielten bereits früh in seinem politischen Engagement eine wichtige Rolle.

Es waren interessante Informationen. Es gab keine rege Diskussion, sondern auch zwischen den Parteiangehörigen aus Grüne und CDU beim Thema Umwelt tatsächlich große gemeinsame Überschneidungen. Im Gespräch ist es auch herauszuhören, dass beim Thema Umwelt alle Parteien scheinbar an einem Strang ziehen mittlerweile.

Fabian und Stefan sind beide Anfang Mitte 30 und gehören zu den jüngeren Politikern in der Stadt. Sie wirken auch sympathisch und gut aufgeklärt. Sie konnten sachlich gut antworten und haben den Podcast von einer knappen Stunde gut gefüllt.

Müllprobleme ist ein Aufreger

Wer verursacht es? Welche Überlegungen gibt es, um ihn zu vermeiden? Was wird getan, damit Pfandflaschen nicht auf den Böden gestellt werden? Wird der Kommunale Ordnungsdienst mehr Befugnisse übertragen? Und so weiter.

Fabian war in der Bezirksvertretung Mitte fünf Jahre. Er bestätigte, dass sich bei Müll und Parken die Gemüter am meisten erhitzen in der Stadt.

Mehr Sauberkeit durch Unterflurcontainer

Mittlerweile gibt es in der Erde eingelassene Container für Glas. Die Standortfrage der Unterflurcontainer ist nicht immer gut möglich. Sie sind auch größer und man muss genau schauen, wie es eingebaut wird, weil auch Grünflächen zerstört werden, weil gut ausgebaggert werden muss. So entstand durch eine Bürgerinitiative bei einem Wohnbereich, die die Zerstörung der Grünfläche bei einem Park verhindern wollte eine Alternativfläche. Da ist es auch in der Politik nötig bei Genehmigungen darauf zu achten.

Die Kosten liegen bei 250000 Euro für das Einlassen in die Erde für das Unterflurcontainerkonzept. Es müssen drei Container für Weiß-, Braun- und Grünglas eingelassen werden. Diese sind größer als die an den Straßen stehenden typisch bekannten Container. Diese wurden bisher an sechs Tagen die Wochen geleert. Das ist ein hoher Kostenfaktor für Transport. Die Unterflurcontainer sind größer, müssen weniger schnell geleert werden und haben noch eine beiläufige Funktion, dass an den Containern weniger Müll befindet, der da nicht hingehört. Die Umgebung wird sauberer. Und durch das größere Volumen der in den Boden eingelassenen Containern sind weniger Transportkosten nötig, was auf die Dauer einsparend wirken wird. Was in den Niederlanden schon länger eingebaut wird, ist endlich auch in Deutschland angekommen.

Flaschenringe um einen Mülleimer

Ein Flaschenring kostet 300 Euro. Das ist ebenfalls ein hoher Kostenfaktor, aber es macht das Stadtbild sauberer. Flaschen werden nicht mehr daneben gestellt, was in dem Moment abgestellter Müll ist und auch zu einem Bußgeld führen kann. Es ist auch für Menschen angenehmer nicht in dem Müllkörben rumzuwühlen, die sich mit Pfandflaschen ein wenig ihren Lebensunterhalt aufbessern. (Das ist schon beschissen, dies überhaupt schreiben zu müssen in einem Staat, der zu den reichsten der Welt gehört…)

Zigarettenkippen und E-Zigaretten sind schwierig

Bei meiner vorherigen Sammelaktion sind von mir wahrscheinlich in 20 Minuten etwa 50 Zigarettenkippen aufgesammelt worden. Ich fing an vor der Tür der Nachhaltigkeitszentrale auf der Hauptfußgängerstraße, die Kortumstraße. Achtlos weggeworfen, im Hinterkopf, dass es ja eh sauber gemacht wird, aber zu dem Zeitpunkt dann das Stadtbild verschlechtert.

Die Kortumstraße wird jedoch einmal Woche mit einem Hochdruckreiniger gesäubert. Nur sieht man nichts davon. Leider.

Die Menschen, die Zigarettenkippen wegwerfen ist nicht bekannt, dass 40 Liter Grundwasser mit einem einzigen Filter verseucht werden. Das ist wie ein Tropfen Öl aus dem Auto.

Was in Spanien funktioniert mit einem Landesgesetz auf öffentlichen Plätzen ein Rauchverbot zu erlassen, ist in Deutschland kaum möglich. Wobei Spanien auch durch Waldbrände einen erhöhten Beitrag dagegen leisten muss. In Deutschland ist das eine Frage der Zeit.

Schlimmer sind die E-Zigaretten. In ihnen steckt Mikroelektronik. Wenn sie weggeworfen werden, können sie sich auch entzünden. Verbaut sind wichtige Metalle, die der Wiederverwertung zugeführt werden können. Aufklärung ist also insgesamt wichtiger denn je. Dafür hab ich das Projekt AufGEraucht von Sybille Hellier vorgeschlagen, die in Schulen gehen wird und Vorträge darüber hält.

Bochum mit touristischem Blick

Kurz vorher bin ich zwischen Technischem Rathaus und der Volkshochschule und Stadtbücherei in Richtung Musikschule gegangen und habe in 30 Minuten eine Tasche voll Müll und etwa 50 Zigarettenkippen gesammelt. Was ich dann auch zeigen konnte. Als Bochumer schäme ich mich für die Ecke. Als Tourist würde ich mich ekeln und einfach nicht beachten, weil woanders auch Müll rumliegt oder einfach nicht den Blick dafür haben oder mich fragen, warum hier keiner was sauber macht. In einer Ecke lag ein Haufen Müll, den ich über den Mängelmelder angab und der auch mir nach etwa zwei Tagen über die Stadt meldete, dass es beseitigt wurde. Dafür kann er hilfreich für viele Probleme genutzt werden. Viele andere Städte haben ihn schon eingerichtet:

https://maengelmelder.Bochum.de

Beide Poltiker bestätigen, dass es auf die Sichtweise von einzelnen ankommt, wie sauber Bochum wirkt. Kommt ein Berliner, ist es in Bochum sauberer. Kommt ein Berchtesgadener findet er es schmuztig. Beide hatten Urlaub in Polen gemacht und es dort sauberer empfunden. Dadurch, dass ich oft dort bin, kann ich es in den Großstädten, wie Krakow oder Gdansk auch bestätigen. Die Bahnhöfe sind generell so sauber, dass man vom Boden lecken kann. In Bochum oder Dortmund ist man einfach nur froh schnell aus dem Dreck rauszukommen, der auf den Bahnsteigen rumfliegt. Kein schöner Anblick. Aber das sind die Menschen. Die machen diesen Dreck. Es müssen also Richtlinien und Verbote, sowie erhöhte Bußgelder ausgegeben werden, damit die Menschen endlich verstehen, dass es falsch ist, die Umwelt mit ihrem Plastik, den Kippen und leeren Flaschen zu belasten. Es kostet uns Steuerzahler am Ende mehr in den Abgaben.

Überschneidungen der Parteien

Stefan und Fabian haben Überschneidungen in en Maßnahmen, die gemacht werden können. Es sind schon viele gute Kompromisse gelöst worden, obwohl die Parteien unterschiedliche Standpunkte haben.

Die CDU setzt hier auch auf eine bessere Bildung. Mehr Investitionen in die Schulen. Die Grünen wollen mehr Verbindung zum Klimaschutz. Beide Dinge schließen sich ja gegenseitig nicht aus, sondern haben dort erst recht viele Überschneidungen. Die Kinder von heute in den Schulen sind schließlich die verantwortungsvollen Erwachsenen von Morgen.

Engagement zahlt sich aus

Umso wichtiger ist es allgemein zu sagen, dass es wichtiger denn je ist sich in Vereinen oder auch Parteien zu engagieren um eine lebenswerte Stadt zu kreieren und erhalten.

Ohne Engagement ist nichts zu bewegen. Das fängt schon bei einem selbst an. Auf der Couch, vor der Computertastatur kann man sich über viele Dinge aufregen, Hass und Kritik ausüben, aber das ändert nichts da draußen für einen selbst. Projekte in Umwelt oder für Demokratie unterstützen oder anstoßen, dass kann auch individuell geschehen oder unterstütz werden. Ich habe es mit meinem Kunstaktionsprojekt „Flaschengefühle“ allein geschafft etwas anzustoßen, darüber kritisch zu reden, drüber nachzudenken und sich selbst zu sensibilisieren, Müll aus der Stadt zu verbannen.

Du bist dran, was du machen kannst. Also engagiere dich. Es ist nie zu spät!

Das ist das Schlußwort auch von beiden jungen Politikern gewesen. Mal sehen, wie es in Dortmund die Tage im Welthaus wird, wo die Ausstellung auch stattfinden wird im Rahmen der IGA 2027. Dort allerdings kann ich keinen Podcast so kurzfristig aus dem Boden hinbekommen mit Dortmunder Politikern. Mal sehen.

DANKE AN

Ein großer Dank erstmal ging an Bochum Marketing GmbH, die mir die Möglichkeit gaben in der Nachhaltigkeitszentrale das Projekt „Flaschengefühle“ wieder zeigen zu können. Die Ausstellung selbst ist interaktiv mittlerweile von der Gestaltung geworden und immer erweiterbar bei mittlerweile fast 6000 fotografierten Flaschen, Tetra-Paks und Dosen im öffentlichen Raum. Und ein großer Dank an die beiden Kommunalpolitiker Stefan Klapperich und Fabian Krömling, die sich die Zeit genommen haben mitzumachen, sowie auch die Organisatoren der CDU und Grünen, die es möglich gemacht haben sie beide zu organisieren in der Kürze der Zeit. Eine Wiederholung ist jederzeit überall möglich – egal in welchem Stadtbezirk und welcher Stadt. Das Problem Müll begleitet uns leider überall!

Hinweis für die nächste Flaschengefühle Ausstellung:

13.8. im Welthaus von 16 – 17 Uhr Vernissage, ab 17 Uhr Vortrag von Sybille Hellier zum Thema Zigarettenkippe mit ihrem Projekt AufGEraucht. Am 15.8. von 11-13 Uhr Workshop: Basteln mit Müll. Finissage ist am 20.8. mit Vortrag zum Thema „Flaschengefühle – Vermüllung der Stadt“

Haltet Eure Stadt und Umwelt sauber!

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Weiterführende Links

Stefan Klapperich (CDU) – Ratsmitglied in Bochum
https://www.cdu-bochum.de/person/127/Stefan-Klapperich

https://www.bochum.de/Rat-der-Stadt-Bochum/Mitglieder-des-Rates/Stefan-Klapperich

https://www.facebook.com/share/r/1EqSgs32Cv/

https://www.instagram.com/stefanklapperich?igsh=MW90aHFka3ZpbmFlYw==

https://www.cdu-bochum.de/

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Fabian Krömling (Grüne) – Ratsmitglied in Bochum

https://www.bochum.de/Rat-der-Stadt-Bochum/Mitglieder-des-Rates/Fabian-Kroemling

https://www.instagram.com/fabian7727?igsh=aXlpN2gzeGFpamdl

https://gruene-bochum.de/

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https://maengelmelder.bochum.de

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Erstes Flaschengefühle Projekt 2023 :
https://www.ruhrpottologe.de/das-politische-gespraech-zur-vermuellung-der-stadt-bochum-im-rahmen-der-gefoerderten-ausstellung-flaschengefuehle-i-video-i-podcast/

Drei Erlebniswelten zwischen Karls Erlebnis-Dorf, Manifesta mit Kunst in Kirchen und schwarzen Nächten im Krimi I +Podcast I +Videopodast

In der 140. Folge von „Ruhrpottologe unterwegs im Ruhrgebiet“ geht es um drei ganz unterschiedliche Erlebniswelten, die eines gemeinsam haben: Der Wandel im Ruhrgebiet und überall ist irgendwie auch ein Teil von mir dabei.

Erlebnis-Welt 1: Karls Erlebnis-Dorf in Oberhausen

Ich nehme Euch in dieser Folge mit zum neuen Karls Erlebnis-Dorf in Oberhausen, wo Erdbeeren, Currywurst und Familienfreizeit auf Ruhrgebietskultur treffen, und wo ich das einmalige Curryversum meine Stimme verleihen konnte. Und wie ich dadurch auch für die Interpretin Nima Lindner als Tipp für den neuen Currywurstsong exklusiv für den Oberhausener Park empfohlen habe und sie es nun auch tatsächlich geworden ist.

Erlebnis-Welt 2: Manifesta 16+ Ruhr

Danach führt der Podcast zur einmaligen Manifesta 16+ Ruhr, die ehemalige Kirchen in Bochum, Essen, Gelsenkirchen, Duisburg und weiteren Städten zu Orten für Kunst, Begegnung und neue Nutzungsideen macht. Hier bin ich mit drei Kunstwerken in der St. Franziskuskirche in Bottrop zusammen mit Künstler und Künstlerinnen vom Künstler Kollektiv Bottrop dabei.  Einen ausführlicheren Beitrag über die Manifesta folgt.

Erlebnis-Welt 3: Spionagekrimi von Sabine Hofmann

Als dritte Station steht Sabine Hofmanns Spionagethriller „Weiße Westen, schwarze Nächte“ aus dem Aufbau Verlag im Mittelpunkt. Der Roman entführt uns ins Jahr 1966 nach Essen.

Die Atmosphäre ist schon getränkt durch die Anfänge des Strukturwandels erste Schließungen von Zechen, den Aufbau der Verkehrswege im Ruhrgebiet, sowie das schleichende Ende vom Wirtschaftswunder der 1950er Jahre und das Aufbegehren der Kinder gegen ihre Eltern, die von den Gräueltaten der  Nationalsozialisten unter Hitler und ihrem eigenen Tun weiterhin schweigen.

Dort tummeln sich im Kalten Krieg zwischen den Kommunisten im Osten und den Kapitalisten im Westen große Spionagefälle. Warum diesen nicht mal im Ruhrgebiet zwischen den großen Industrieanlagen und den Villenbesitzern spielen lassen.

Im Roman spiel ich keine Rolle, aber ein Jahr zuvor habe ich mit Sabine Hofmann einen Podcast über ihre in Bochum spielende Krimireihe, die kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gemacht. Ich bin mit ihr durch Bochum mit dem Rad gefahren. An wichtigen Recherche – Punkten des Romans Trümmerland sind wir stehen geblieben. Am Ende verriet sie mir, dass sie an einem Spionageroman arbeite, wo eine Einbrecherin eine Heldin werden wird und dieser nicht in Bochum, sondern in Essen spielen soll.

So bin ich indirekt und direkt mit allen Orten in Verbindung gekommen und mache einen Streifzug mit Informationen und persönlichen Erlebnissen eine Erlebniswelt in dem 140. Podcast von „Ruhrpottologe unterwegs im Ruhrgebiet“ auf, der in Oberhausen, Bottrop und Essen spielt.

Eine Anekdote habe ich jedoch. Dieser Podcast ist unter erschwerten Bedingungen gemacht worden. An einem Sonntagabend, sollte er einfach nur eingesprochen werden und dann hochgeladen werden. Aber da die Festplatte im Handy voll war, ohne das ich das bei der Aufnahme bemerkt habe, musste ich alles nochmal neu einsprechen. Und da es schon zu später Stunde war, es war einfach nur warm und es war schon nach 21 Uhr, wurde es beim zweiten Mal nicht besser. So habe ich dann leider doch alles mit den ersten vorhandenen 20 Minuten mit dem zweiten zusammenschneiden müssen. Als ich um 5 Uhr das Licht des Tages erblickte und mich zu Bette bewegte, wußte ich. Der Blogbeitrag muss warten. Ich bin erstmal fertig mit der Welt. Also verzeiht mir, wenn dies jetzt hier mit allen Links etwas verspätet kommt. Denn der nächste Podcast folgt sogleich und mein Steuerordner für das Finanzamt muss auch noch fertig gestellt werden.

Ihr bekommt von allen drei Erlebniswelten noch einen gesonderten Beitrag mit den entsprechenden Links, die ihr hier schon aufrufen könnt.

Jetzt viel Spaß beim Gucken und oder Hören:

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