Früher war alles besser? – Die Ausstellung zum Podcast ‚Heile Welt…‘ in der St. Anthony Hütte Oberhausen

Da hab ich mit Jack Tengo in der Folge 4 von ‚Ruhrgebiet erklärt‘ die Verklärung der Vergangenheit im Ruhrgebiet zu einer heilen Welt, wie das zur Zeit in Facebook stattfindet, auseinander genommen, und lese gestern, dass es dazu zufällig eine Ausstellung gibt.

Bei den vielen täglichen Informationen, die ich bekomme, ist das untergegangen. Da muss ich doch noch hin. Es wird nicht einfach von der Zeit, denn sie geht noch bis zum 2.2.25.

Achtung! Ist verlängert worden bis zum 18.5.25!

Super! Dann hab ich keinen Streß mehr, es selbst nicht geschafft zu haben und kann darüber wenigstens noch drüber berichten.

Also unbedingt sehenswert!

Sollte ich das schaffen, dann berichte ich natürlich darüber :

https://industriemuseum.lvr.de/de/die_museen/st__antony/ausstellungen_13/heile_welt____/HeileWelt.html

Schneewittken I Lesung im Dialekt I Märchen auf Ruhrpottisch Band 1 von Michael Göbel

Et wa eima… mitn Schneewittken… Weiter geht’s mit meiner vom Autor genehmigten Lesung aus Michael Göbel im Ruhrgebiet-Dialekt umgeschriebenen Grimmschen Märchen „Mäachen auf Ruhrpottisch“ Band 1 mitn Spiegelken, der bösen Schwiegamudder und den sieben Zwergn ihrm Kabachel im Grafenwalde hinter den sieben Halden.

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Hömma! Dat is unbezahlte Werbung, wenne dat so genau wissen wills. Ich mach dat aus Spässken!

Glück auf und bis zum nächsten, dat wird Rapunzel sein mit ihre Haare. Weiß Bescheid!

Wer dat Buch sich aneignen möchte, kann dat selbs bestellen:

https://buchshop.bod.de/maerchen-auf-ruhrpottisch-michael-goebel-9783741222849

P.S.: Viele sind schon auf dem Youtube-Kanal zu sehen, sind hier im Blog noch nicht verewigt. Aber hier gibts die Playlist:

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Live – Weihnachts-Spendenlesung für den Kinderschutzbund Bottrop I +Video I +Podcast #95

Kalle & Erwin & der heilige Abend in der Rathausschänke Bottrop plus Bonus von Jack Tengos „Erklärt“: Warum ein Tannenbaum?

Drei Wochen vor Weihnachten, voll im Weihnachtsstress und vielen Terminen im Kopf, bekam ich die Anfrage vom neuen Besitzerteam der Rathausschänke in Bottrop, ob ich nicht eine Idee hätte für einen Abend am Adventswochenende, da wäre noch ein Termin frei.

Natürlich hatte ich sofort eine Idee. Die tolle Weihnachtsgeschichte „Otto und der heilige Abend“ von meinem Podcast-Kollegen Jack Tengo, die ich lektoriert und letztes Jahr auch als Podcast eingesprochen habe, live zu lesen, aber etwas eingekürzt und mit zwei anderen Hauptakteuren: Kalle und Erwin, statt Otto und Michael, die als Weihnachtsmänner durch die Zechensiedlung gehen. Meine Alter Ego – Kunstfiguren, die auf ihre Art und Weise die Welt in und außerhalb vom Ruhrgebiet erklären. Jack war einverstanden. Er wäre gern dabei gewesen, war aber aus Krankheitsgründen verhindert.

Gregor Schaefers, den ich vom Bottroper Bier Team kenne und mit dessen Frau und Bekannten aus dem Münsterland ich meine erste Greeter-Tour durch Bottrop gemacht habe, fand die es interessant und lud mich ein es zu machen. Natürlich gab es werbetechnisch zu wenig Zeit, aber es fanden sich doch einige Persönchen ein, die es auch bis zum Schluß aushielten. Es ist auch schwer an Adventswochenenden viele Menschen zu organisieren, die woanders schon ihre Beine hinbewegt haben oder auf den Weihnachtsmärkten ihren Glühwein süppeln zu einer so einer Geschichte zu bekommen, obwohl es um Multikulti – Hochprozentiges geht und einem am Ende besoffenen und vollgefressenen Weihnachtsmann, der es gern für Kinder macht, weil er keine eigenen haben konnte.

Ich habe mich eigentlich nur selbst filmen wollen, wie ich was mache zur Kontrolle für ein nächstes Mal. Aber da niemand ins Bild kam, habe ich das Video als Podcast rausgebracht. Da es hallt und ich keine Mikrofontechnik hatte, habe ich mich entschieden es trotzdem zu veröffentlichen. Es ist authentisch. Und es könnte ja noch mehr Interessenten geben, die UNS für die nächsten Weihnachten buchen. Es kann natürlich auch für einen weiteren Guten Zweck eines anderen Vereins und in einer anderen Stadt sein.

Alle Anwesenden blieben bis zum Schluß und die nur zum Bier trinken kamen, blieben und gaben auch ein paar Euros für die Vorstellung. Ich habe mich gefreut, dass es sich doch noch gelohnt hat, das zu veranstalten. Am Ende ging mein Ruhrpottcappy durch den Schänkesaal und ich bekam etwa 25 € zusammen. Für die kleine anwesende Zuschauertruppe war das schon sehr viel.

Ich verdoppelte es und brachte es kurz vor Heiligabend zum Pädagogischen Leiter des Kinderschutzbund Bottrop Osama Aljabr, mit dem ich vor kurzem einen sehr bewegenden Podcast gemacht habe. Er freute sich riesig über den braunen Schein. Die Kinder können damit sogar zwei Mittagessen zubereitet bekommen. Eine Sache, die ich vor meinem Besuch bei ihm nicht gewusst habe, dass sie von Spenden abhängig sind. Da ich keine Kinder habe, hat es mich umso mehr gefreut auch vor Ort für Kinder eine besondere Aktion zu machen, die ich auch 2025 gerne wiederholen werde.

Meine Spendenübergabe:

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Nach der Live-Lesung habe ich Jack Tengo „Erklärt“ Warum ein Tannenbaum? als Bonus mit eingebaut. Viel Spaß, denn die Geschichte kann auch nach Weihnachten noch gut gehört werden! Und bekanntlich ist nach Weihnachten vor Weihnachten. (aus zeitlichen Gründen, hab ich es auch nicht eher bearbeiten können…)

Wer in den Podcast reinschauen möchte:

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Wer in den Podcast hören möchte:

Foto der Woche I Herbst im Spiegelbild

Im Spiegel der Einheit aus drei gleichen Volumen des Künstlers Max Bill, habe ich die Verschiedenheit des Herbstes fotografieren können, als die Bäume kaum noch Blätter hatten.

Das ist mein eigenes Favoritfoto, weil es alles enthält, was ein Herbst im Spiegelbild ausmacht.

Welches das schönste ist, kann ich nicht entscheiden, sondern ist für meine Blog Leser und Leserinnen frei zu entscheiden.

Unterhalb der Spiegelflächen lag der Laub. Der Himmel war blau. Ein besseres Wetter für dieses Foto hätte es nicht geben können. Max Bill: Einheit aus drei gleichen Volumen

Auf der Internetseite über die Skulptur aus Chrom-Nickel – Stahl steht wahrlich genau das, was ich empfunden habe und immer wieder empfinde :
„Wenn Sie das Kunstwerk umkreisen, eröffnen sich immer wieder neue überraschende Ausschnitte auf die Umgebung. Mit Hilfe der Spiegelungen macht der Künstler die Beziehung von Kunst, Natur und uns als Betrachter*innen umso deutlicher.“

Das kann ich nur bestätigen. Egal zu welcher Jahreszeit! Einfach nur eine wahnsinnig tolle Skulptur!

https://quadrat.bottrop.de/museen-und-park/skulpturenpark.php

Filmjuwelen, Auszeichnungen & Erlebnisse mit Botschaftern, Regisseuren und Schauspielern beim Bosnien-Herzegowina Looks Around Film Festival 2024 in Bottrop I +Videos I +Podcast I +Fotos I +Links

Ein Filmfestival in Bottrop? Mitten im Ruhrgebiet? Im einzigen Kino der Stadt? Und dann noch für Filme von und über ein Land, dass hier eher wieder untergeht in den Gesprächen, wie Bosnien-Herzegowina? Geht das überhaupt? Es geht, und wie!

Nicht nur Schauspielerinnen, Produzenten und Regisseure von dem ein oder anderen Film, sondern auch bosnische Politprominenz fläzten sich in den gemütlichen Kinosesseln vom Bottroper Filmforum. Sie gaben auch auf der Bühne in Gesprächen Auskunft über Projekte, Film und Politik des Landes Bosnien-Herzegowina, einem Land, dass wir kaum noch auf dem Schirm haben, obwohl wir sehr viele Einwanderer und Einwanderinnen durch den Krieg von 1992 bis 1995 im Ruhrgebiet noch heute haben.

Die Hauptarbeit Filme zu gucken hatten allerdings die JurymitgliederInnen aus dem Studentischen und dem Hauptwettbewerb. Sie mussten unter den jeweiligen 11 bzw. 12 Filmen den besten Film und die besondere Erwähnung, sowie im Hauptwettbewerb den besten Regisseur auswählen. Das war nicht einfach, denn ich selbst habe alle gesehen und war weitgehend begeistert. Der Eintritt war auch kostenlos.

Hier in diesem Beitrag sind alle Interviews und ein Video-Podcast über das Filmfestival, die alle in meinem Youtube-Kanal gesehen werden können.

Wie ich vermutet habe, waren da richtige Filmjuwelen dabei. Für die Jurys war es bestimmt nicht so einfach. Mich stimmt eher traurig, dass es wenig Publikum gab am 2. Tag des Wettbewerbs. Nur wenige Filminteressierte aus dem Ruhrgebiet kamen zu den Filmaufführungen, die ab 12 bis abends 22 Uhr gingen. Doch die Anwesenden, so wie ich, waren auf jeden Fall begeistert. Wenig deutsches Publikum war vor Ort, dabei gibt es doch viele Programmkinobesucher und oder auch Kurzfilm-Begeisterte. Und das Wetter war mehr als bescheiden, kalt und regnerisch. Sie lade ich definitiv beim nächsten Mal herzlich ein dabei zu sein, denn es lohnt sich wirklich!

Die Filme zeigten zum Großteil die Alltagsprobleme, sowie die Seele der Menschen, die in Bosnien-Herzegowina und den Nachbarstaaten, wie Slowenien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, also Länder des ehemaligen Jugoslawien, zur Zeit bewegen. Man könnte meinen, dass ist dort anders als bei uns. Aber eigentlich unterscheidet uns nur unwesentlich etwas von der Geschichte und den Einfluß der Religionen und des in den 1990ern aufkommenden Nationalismus. Der Krieg prägt die damals heranwachsende Generation, die es entweder durchlitten haben oder mit den Eltern geflüchtet sind. Fast jede Familie hat im Krieg Tote durch Kugel, Granaten, Mord und Genozid zu beklagen. 

Die Kinder dieser Zeit haben durch Vertreibung und Flucht, aber auch durch das Verlieren der Heimat ein Trauma, dass Jede und Jeder auf seine eigene Art und Weise bewältigt. Die heutige Generation, die nicht im Krieg aufgewachsen ist, durchlebt Frieden, aber sucht ihren Weg in der modernen Gesellschaft, die noch immer vom damaligen Krieg und Nationalismus beeinflusst wird. Die Filme können unterschiedlicher nicht sein. Umso spannender sind sie und regen zum Nachdenken an. Es gibt natürlich auch Filme über die nicht nachgedacht werden muss. Es gibt Filme, die gleiche Probleme, wie bei uns aufzeigen, ob das ein schlechter Handyempfang ist oder die Bewältigung von Tod in der Familie, sowie auch Depression oder Homophobie innerhalb der Familie.

Moderatorin am dritten Tag des Filmfestivals: Aida Demirovic – Krebs mit mir am Plakat

 

Die Filme beinhalten immer wieder das Thema des Krieges, sowie auch deutsche Filme zur Erinnerungskultur immer wieder die Schrecken der Naziherrschaft, den Zweiten Weltkrieg und den Nachwirkungen produziert werden. Die Filme der „Balkan-Länder“ zeigen auch die typischen Alltagsprobleme, die wir auch hier haben. Sie zeigen nicht nur Traumabewältigungen und politischen Anspannungen, sowie Schwierigkeiten im jeweiligen Land. Der Umgang mit Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Borderline, Homophobie, Sucht, Verlust, Mobbing, Angst und Verrat, um nur einige Beispiele zu nennen, ist in diesen Ländern auch präsent. Die filmische Verarbeitung von Studenten der Akademie der bildenden Künste, sowie auch von den schon bekannten Regisseuren, Animateurfilmern, Drehbuchautoren, sowie auch die glänzenden Schauspieler und Schauspielerinnen.

Neben der vielen kraftvollen Schauspielkunst, gab es auch Animationsfilme mit Puppen, digitale Tricktechnik oder hoher zeichnerischer Qualität. Am Ende des Tages waren meine Augen auch schwer und die Gedanken schwirrten. Welcher Film da noch um 13 Uhr war oder wie der um 14.45 Uhr hieß, das konnte ich nicht mehr behalten. Ein Film nach dem anderen jagte die Gehirnwindungen.

Der engagierte Wilfried, Vereinsmitglied und Filmvorführer beim Filmfestival

 

Ich gehe meist nur noch ins Kino um mir tricktechnische Filme auf der großen Leinwand anzusehen. Solche Programmkinofilme oder Kurzfilme laufen bei mir eher über den Fernsehbildschirm, aber ich war so begeistert, dass ich nun öfter wieder ins Programmkino gehe und das 8. Filmfestival steht bei mir auf der Agenda wieder zu besuchen 2025.

Filme, die nicht von Hollywood produziert werden, sind mehr als nur Gleichwertig anzusehen. Meist sind sie um Längen besser. Besonders Kurzfilme können in wenigen Minuten einen 90 Minuten Hollywoodschinken mehr als ausstechen. Der einzige Nachteil an der Sache ist, dass diese Filme meist in der Versenkung landen. Sie sind auf Youtube im Gemengelage oder werden eventuell im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wie auch Arte gezeigt, entweder um 23 Uhr oder gar nicht. Man muss schon gezielt in der Mediathek suchen oder Googlen und hoffen, dass was passendes Interessantes gefunden wird. Aber wer es nicht weiß, der kann es nicht suchen. 

Deswegen habe ich mir vorgenommen diesen Beitrag über das komplette im Ruhrgebiet stattgefundene Filmfestival zu machen und weil die Einwanderer und Einwanderinnen aus Bosnien-Herzegowina mittlerweile unser Ruhrgebiet auch kulturell nicht nur bereichert haben, sondern sie sind eine Stütze in vielen Arbeitsfeldern, engagieren sich politisch und sind hier angekommen mit offenen Armen, die sie uns selbst entgegenstrecken. Wer in Bosnien-Herzegowina noch nicht war, kann die Gastfreundschaft der Menschen dort nicht nachempfinden. Das haben sie auch nach hierhin mitgebracht.

Allgemeine Kritik an amerikanischen Filmproduktionen

Viele produzierten Filme aus dem Ausland werden durch Streaming und Youtube meist verheizt. Sie sind nicht im sogenannten „Mainstream – Blockbuster“ zu finden, werden kaum bis gar nicht beworben, auch aus Geldmangel. Filme aus dem Osten und Südosten Europas, aber auch aus Afrika haben in Deutschland kaum eine Lobby, dabei sind da mit Sicherheit viele tolle Sachen dabei. Doch in Deutschland bestimmt Hollywood die Kinolandschaft und beherrscht auch mit ihrer Prominenz die deutschen Fernsehsender seit Jahrzehnten. Ich finde, dass da ein Umdenken stattfinden sollte. Aber das ist ein langer Weg, denn auch im Streaming bestimmt Hollywood, wie Disney, Amazon und auch der amerikanische Streamingdienst Netflix, was geguckt werden soll. Dennoch ist eine Hollywoodproduktion ein Muss, denn Matt Damon und Ben Affleck sind auch für kritische Filme innerhalb der verkrusteten Geldmaschinerie mit Programmkinofilmen bekannt. Der ein oder andere hat auch hohe Anerkennung bekommen und bricht auch mit den üblichen Filmen. Beim Filmfestival wird ihr produzierter Film „Kiss the Future“ auf jeden Fall den Abschluss machen.

Der Kinosaal bevor es los ging noch schnell ein Foto aus dem Vorführraum

 

Das Bosnien-Herzegowina Looks Around Film Festival Tag 1, Freitag, 22.11.2024, 18 Uhr

Fälschlicherweise dachte ich, dass es um 14 Uhr los ging, aber in der eisigen Kälte vor verschlossener Tür stand nicht nur ich. Auch Jan Lachnicht war sich sicher, dass es früher losging. Der Lehrer vom Berufskolleg Bottrop, der mit seinen Schülern den tollen Bosnien-Hilfsfahrtfilm gemacht hat, den wir am Abend sehen würden, dachte ebenfalls, dass dort schon Leute sind. Er ging dann zu seinen Schülern, die noch die Filme jurymäßig auswerteten und ich nebenan in eine Postkartenausstellung meiner Geburtsstadt im August – Everding – Kulturzentrum. (Darüber berichte ich extra)

Zurück aus dem warmen Gebäude und begeisternden Ausstellung bin ich dann so gegen 17.30 Uhr in das Filmforum zurück gegangen. Da waren schon eine Menge Leute. Einige Mitglieder des Vereins Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V. waren schon da. Aber ich sah auch streßiges Entsetzen beim künstlerischen Leiter Samir Corkadi. Denn die Schauspielerin und Regisseurin der Abendvorstellung und Jurymitglied des Hauptwettbewerbs Mersiha Husagic sollte eigentlich mit dem Zug anreisen, aber bei Aachen war ein Zug entgleist. Sie musste kurzfristig einen Flieger nach Düsseldorf steigen, um noch pünktlich zum Ende ihres Films zu kommen, weil sie anschließend auch zu ihrem Film „Cherry Juice“ Fragen von Jasmina Music und dem Publikum beantworten sollte.

Spendenaktion für Hochwasserschäden in der Einrichtung für behinderte Menschen „Drin“

Im Eingangsbereich zum Kino stand eine Spendenbox neben der Garderobe, denn der das Filmfestival ausrichtende Verein „Aktion Lernen und Leben in Bosnien e.V.“ sammelte bis zum Ende der Vorstellungen Geld für die Einrichtung Drin in Fojnica für geistig und körperlich behinderte Menschen. Die betreuten Häuser und das Haupthaus erlitten durch Hochwasser immense Schäden. Die Heizung ist ausgefallen. Betten, Möbel und die Böden sind in den unteren Etagen alle durch das Wasser zerstört. 

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Ich habe beim Hilfstransport Ende Mai 2024 die Einrichtung auch besucht und kenne die Gegebenheiten, so dass ich einen kleinen Clip zur Unterstützung gemacht habe, der immer wieder während des Filmfestivals auch gezeigt wurde und für Spenden aufgerufen hatte. Der Verein wollte schnelle Hilfe zu Selbsthilfe machen und rief zu Geldspenden auf. Ich kreierte zwei kleine Videos mit Fotos, die mir zugeschickt wurden.

Hier ist er noch einmal der Link zum Blogbeitrag mit den Filmen, falls noch jemand den Verein mit einer Geldspende für die Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort unterstützten möchte: 

Spendenaktion für Flutopfer von Drin I Einrichtung für geistig behinderte Menschen in Bosnien

Das Konto zur Direktüberweisung:

DE 10424 51220 00000 37549

Paypal: socialmedia@aktion-bosnien.eu

Insgesamt kamen bis kurz nach dem Filmfestival tatsächlich über 13000 € zusammen. 

DAAANNNKKKEEE im Namen der Betroffenen!!!

Eröffnungsrede

Ein wenig Bottroper Kommunalpolitik – Prominenz war vor Ort: Von der SPD war die Ausschussvorsitzende für Integration und im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Familie Hajra Dorow, selbst geboren im ehemaligen Jugoslawien, 50 km entfernt von Sarajevo, in Donji – Kakanj. Sie wuchs in einem multikulturellen Haus auf, wo die Religionen sich die Türklinke in die Hand gaben. Kein Krieg, sondern ein multikulturelles miteinander spielen war angesagt zwischen den 60 Kindern. Ob Orthodox, Katholisch oder Muslimisch, es gab keine Probleme, sondern auch kultureller Austausch im Hausflur. Für sie ist Multikulti ein Geschen. Sie hatte Glück am 27. Juli 1992 nach Deutschland flüchten zu können, als der Krieg das Land ethnisch durchpflügt wurde. Heute wird sie nach der Eröffnungsrede des künstlerischen Leiters Samir Corkadi die politische Eröffnungsrede halten.

Hajra Dorow – frauen/ruhr/geschichte

Der Schirmherr und Patron Oberbürgermeister Bernd Tischler ließ über die Leinwand Grußworte flimmern. Anwesend  waren noch zwei Kommunalpolitiker der  Grünen: Andrea Swoboda, die Fraktionsvorsitzende  in Bottrop und Vorsitzende im Kulturausschuss, sowie Joachim Gutsche, Ratsherr und Sprecher für Kulturpolitik und Jugendhilfe.

Andrea Swoboda Stadtrat-Mitglieder – Grüne in Bottrop

Ansonsten niemand und das stimmt mich traurig, dass sich andere Kommunalpolitiker, sowie auch Landes- und Bundestagspolitiker hier nicht haben sehen lassen, vor allem nicht am dritten Abend, wo gleich zwei Botschafter des Landes Bosnien-Herzegowina anwesend waren. Denn dieses Filmfestival ist schon eine Kultur- und Landesaustauschinstitution geworden und das zum siebten Mal!

Andrea Swoboda von den Grünen stärkt sich erstmal vor dem Kinofilm

Von anderen kommunalen Parteien hab ich leider niemanden gesehen. Von daher sind sie auch nicht erwähnenswert.

Die Reden von Samir Corkadi und Hajra Dorow wurden natürlich auch in ihrer Landessprache gehalten. Ich habe mir allerdings erlaubt sie aus meinem ersten Video über das Filmfestival herauszuschneiden, um es nicht zu lang werden zu lassen. Ich erzähle über den ersten Tag und das Filmfestival und lasse es mit den Reden der beiden enden in Teil 1.

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Danach folgte die Ankündigung des Bosnien-Hilfsfahrt – Films vom Berufskolleg Bottrop. Lehrer Jan Lachnicht, sowie Lehrer Dennis Homann begleiteten mit drei Schülern Merle Hoffjan, Cagin Arslaner und Markus Gubanow den Hilfstransport, den auch ich mit Dorothea Bromkamp, dem zweiten Vorsitzenden des Vereins Herbert Schröer und Monika Zellmer begleitet habe.

v.l.: Dennis Homann (Lehrer am Berufskolleg Bottrop), Herbert Schröer (Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V.), Dorothea Bromkamp (Unterstützerin), Jan Lachnicht (Lehrer am Berufskolleg Bottrop), Merle Hoffjan, Markus Gubanow, Cargin Arslaner (alle drei Schüler am Berufskolleg Bottrop)

Der Film zeigt gut geschnitten, in guter Spiegelreflexkamera – Qualität und mit Drohnenaufnahmen das Tun des Vereins vor Ort und die wundervolle Landschaft des Landes. Sie machten Interviews mit den Menschen in den Schulen, die wir besuchten und am Kinderheim, wo wir Kinderkleidung, Spielzeug, meine zwei Umzugskisten Stofftiere (dazu im Extrabeitrag über die Hilfsfahrtbegleitung von mir in einigen Wochen) sowie Computer, Drucker, Schulmaterialien gespendet haben. Auf der Bühne bekamen alle anwesenden Hilfstransportbegleiter*Innen vom Verein ein Geschenktüte in die Hand gedrückt mit einem großen Dankeschön.

Der Film vom Berufskolleg hatte eine tolle Qualität. Da aber Innenaufnahmen und Interviews innerhalb der Einrichtung Drin für körperlich und geistig behinderte Menschen nicht erlaubt waren, außer Fotos ohne den Bewohnern, konnte sich keiner so richtig vorstellen, was nun für durch die Hochwasserschäden verloren gegangen ist. Ein verständlicher Kritikpunkt aus dem Publikum. Ich kann wenigstens mit meinen Fotos im Nachhinein etwas darüber zeigen. Sie folgen in meinem Beitrag über die Hilfsfahrt.

In knappen vierzig Minuten konnte das Publikum trotzdem einiges an Informationen bekommen, wie die Arbeit vor Ort bei den Einrichtungs- und Schulleitern ist und was für eine wertvolle Arbeit der Verein macht. Auch die Interviews mit den begleitenden Personen sind wertvoll in diesem Film, um zu verstehen, warum es gemacht wird und was es aus einem macht. Natürlich wird auch der kleine Tagesausflug nach Sarajevo schön in Szene gesetzt. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft hinterließ Zuschauenden einen bleibenden Eindruck und machte mit Sicherheit auch neugierig auf eine Mitfahrt beim nächsten Transport Ende Mai 2025. Der Film vom Berufskolleg Bottrop wurde entsprechend mit tosendem Applaus gefeiert.

Wer den Film sehen möchte, kann es auf der Youtube-Plattform des Berufskolleg Bottrop tun. Hier ist der Link:

Herzegowina Hilfsfahrt Bosnien-2024 – YouTube 

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Der Hilfsfahrt-Film bekommt wahrscheinlich 2025 eine Fortsetzung, denn das Berufskolleg hat mit dem Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien einen Kooperationsvertrag gemacht. Die Schüler und Schülerinnen lernen vor Ort nicht nur die Gegebenheiten kennen, sondern auch die Arbeit des Vereins und wie mit den Mediengerätschaften umgegangen wird: Vorbereitung und Durchführen von Interviews, Filmen, sowie Schnitt und Fertigstellung. Sie sammeln Erfahrung und nehmen für ihr zukünftiges Leben auf jeden Fall etwas besonderes mit.

Nicht nur das ist im Kooperationsvertrag, sondern auch die Ausführung als Jury für den Studentenwettbewerb beim Filmfestival. Unterstützt werden die Schüler und Schülerinnen vom Bochumer Kulturwissenschaftler Patrick Ritter, der auch schon mehrere Male dabei war und auch einen Hilfstransport begleitet hat. 

Mehr über Patrick Ritter:

Projektbüro für Wesenhaftes – Klima&Kunst, Diversität, Kulturwissenschaft: https://patrickritter.net

Insgesamt ist dieser Kooperationsvertrag eine gute Sache für eine gute Sache. Eine mehrfache Win-Win-Win – Situation, wie ich finde, die eben wie der Name zufälligerweise ergibt „Schule“ machen sollte! So etwas kann auch andere Vereine, nicht nur im Ruhrgebiet, eine Möglichkeit sein, jüngere Menschen für die Arbeit eines Vereins zu begeistern, sondern auch für die eigenen Arbeit zu gewinnen.

Kirschsaft mit Mersiha Husagic

Es folgte der eigentliche Erföffnungsfilm: „Cherry Juice“

Ein beeindruckender tragikkomischer Film, der von der Schauspielerin und dem diesjährigen Jury-Mitglied des Hauptwettbewerbs Mersiha Husagic in Szene gesetzt wurde. Sie hat nicht nur die Hauptrolle unglaublich überzeugend gespielt, sondern das Drehbuch dazu geschrieben und auch die Regie geführt. Der Film will vieles auf einmal bearbeiten. Mersiha Husagic spielt mit Wut, Trauma, Liebe, Queer und dem Alltag in zwei verschiedenen Ländern, sowie mit Gegenständen, die das Festhalten an Vergangenheit beinhalten. Beide Hauptdarsteller brennen für das Filmen, jede allerdings in einem anderen Bereich.

„Cherry Juice“, also Kirschsaft, ist das Problem, dass die Hauptdarstellerin Selma aus der Vergangenheit umtreibt. Ein von ihr geschriebenes Drehbuch sollte verfilmt werden, aber der Dreh ist abgesetzt worden, weil der Produzent wegen Steuerhinterziehung, wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, hinter Gitter kommt. 

Der deutsche Schauspieler Niklas Löffler spielt den lebensfrohen Hamburger Schauspieler Niklas Dietrich. Er kommt extra eingeflogen nach Sarajevo. Er hat das Drehbuch begeistert gelesen, bereitet sich akribisch in der queeren Szene von Hamburg vor und freut sich riesig auf den Film. Doch als er ankommt, holt ihn keiner ab. Er kommt in die Bar, wo er die pessimistisch eingestellte Selma aushilft und damit ihren Lebensunterhalt hauptsächlich verdient. Sie hatte das Drehbuch geschrieben und ist stark enttäuscht, dass der Film nun nicht gedreht wird, so dass sie völlig vergaß den deutschen Schauspieler abzusagen. 

Nach dem Begrüßungswodka, um das Passierte runterzuspülen, nimmt Selma ihn an die Hand. Sie streifen durch die Stadt, gehen tanzen, essen im Imbiss und lamentieren über den Film und das Leben. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen der Bosnierin und dem Deutschen. Durch ein verliebtes Raufen entwickelt sich Glück im Unglück. 

Beide entledigen sich dadurch dem Festhalten ihrer Symbole der Vergangenheit und es beginnt ein Neuanfang. Das ist so eine knappe inhaltliche Angabe des Films, den die Darsteller humorvoll und sympathisch rüberbringen. Der Film lässt einen bei den echten Super 8 – Aufnahmen aus der Zeit des Krieges bedrückend im Kinosessel zurück, aber der Film geht damit sehr gut um. Die Kriegsszenen sind wichtig für den Kirschsaft, denn Selmas Vater ist von einem Scharfschützen umgebracht worden, während er für seine Tochter ihr Lieblingsgetränk einkaufen wollte. Selma macht sich deswegen ihr Leben lang Vorwürfe.

Die seelische Verarbeitung hat Mersiha Husagic wunderbar in Szene gesetzt. Ich denke, da wird noch viel mehr kommen von der jungen Schauspielerin und Regisseurin, die im deutschen Fernsehen schon in vielen Serien zu sehen war, u.a. im Münsteraner Tatort „Ein Fuß kommt selten allein“.

Mersiha Husagic – Wikipedia

Mersiha Husagic (@mersihahusagic) • Instagram

Mersiha Husagic Foto: (C) André Brune

 

Anschließend war sie mit Maja Zeco im Interview bei Jasmina Music auf der Bühne. Sie erzählte über ihren Film. Maja Zeco ist leidenschaftliche Theaterschauspielerin, auch sie war zwar kürzlich in einem Tatort zu sehen. Sie bereichert aber eher die Berliner Theaterlandschaft. 

Maja Zećo – Wikipedia

Maja Zeco – Instagram

Maja Zeco Foto: (C) André Brune

Maja Zeco hat zur Zeit ein besonderes Theaterprojekt, dass sie leider nicht so einfach in Deutschland auf die Bühne bekommt. Mit dem Projekt „Libera Me“, das sie zusammen mit dem russischen Musiker und Komponisten Roman Stolyar entwickelt hat, ist sie auf Gastspielreisen durch Europa. „Libera Me“ vereint multimedial Stimmen von Kriegserfahrung aus Bosnien und der Ukraine. 

Libera me – Projekt -Instagram

Liegt es am russischen Musiker, der sich für Frieden zwischen den Ländern Ukraine und Russland einsetzt? Er kann nicht nach Russland zurück. Wahrscheinlich wird er sofort verhaftet oder an die Front als Kanonenfutter geschickt. Einmal im Jahr kann er nur seine Familie sehen in einem Land, wo Russen noch hin können.

Ich finde es traurig, dass das Stück nicht mit Handkuss aufgeführt wird. Ich hoffe, dass Maja und Roman doch noch genügend Möglichkeiten bekommen ihr Stück „Libera Me“ aufführen zu können. Es ist bestimmt ein wichtiges Projekt, dass nachhallende Wirkung hinterlassen wird. Beide Schauspielerinnen sitzen in der Jury für den Hauptwettbewerb neben dem Bottroper Kameramann Ferdinand Fries. Darüber mehr bei Tag 3. 

v.l.: Maja Zeco, Jasmina Music, Mersiha Husagic Foto: (C) André Brune

Das Interview mit den beiden Schauspielerinnen kann in Teil 2 gesehen werden:

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Der Abend war mit viel Applaus, tollen Gesprächen, schon zwei tollen Filmen und anschließenden gemeinsamen Klönen im Kino-Bistro „Kurz vorm Kino“ gefüllt. Ich wäre gern länger geblieben, aber am nächsten Tag war Filmmarathon angesagt. Ich wollte alles sehen und nicht dabei einschlafen.

Tag 2

Um 12 Uhr ging es los. In vier Blöcken mit dazwischen liegenden Gesprächen und Interviews wurde  Ich war gepannt, ob die Filme mich umhauen werden oder langweilen. Ich wurde nicht enttäuscht. Direkt der erste Film hatte es in sich:

Sutra Cemo Kupiti Ribice / We´ll Buy the Fish tomorrow

Asja trifft zufällig nach einigen Jahren ihre ältere Schwester wieder in einem Nachtclub. Sie ist lesbisch und die Eltern kamen mit ihr nicht mehr klar, als sie es herausbekommen haben. Sie wurde von der Mutter herausgeworfen. Ihre kleine Schwester liebte sie und konnte es nicht verstehen, was da passierte und warum sich auch die Schwester so verhielt gegenüber ihren Eltern. Ihre Psyche litt darunter, dass sie nun allein war und machte der Schwester Vorwürfe. Deswegen gab es auch eine starke Spannung bei dem ersten Wiedersehen nach Jahren. Selbst der Kindheit entwachsen versucht die große Schwester der kleinen nun die Situation zu erklären, was damals geschah. Der Film zeigt, dass es wichtig ist miteinander zu kommunizieren, statt sich einzusperren. Der Film hat ein großes Spannungsfeld innerhalb einer Familie bearbeitet, die überall sein könnte. Reden und Kommunikation bringen beide wieder näher. Homophobie, Borderline, Unverständnis, Familienbande innerhalb von erstaunlichen 18 Minuten verpackt und erstklassig umgesetzt.

Der Film von Sara Ristic aus Bosnien-Herzegowina, 2024 gedreht, schafft es das Publikum in Staunen zu versetzten, sich fragen zu stellen, was wir anderes hätten gemacht. Vor allem wie gehen wir mit der Situation selber um, wenn es im familiären Umfeld zu so einer Situation kommen wird. Welcher Film wird den ersten noch toppen können?

Hier hätte man jetzt sagen können: Der gewinnt bestimmt, ich gehe nach Hause. Aber da kamen noch ganz viele starke Filme. Doch tatsächlich hat dieser Film die Jury vom Berufskolleg Bottrop als „Mention Winner“ die besondere Erwähnung bekommen. Das Prädikat „sehr wertvoll“ hätte ich ebenfalls vergeben. Hat der Film auf jeden Fall verdient!

Herzlichen Glückwunsch!

Auch wenn der erste Film schon sehr stark war, erwähne ich nun alle anderen Filme ebenfalls, denn es lohnte sich dabei gewesen zu sein! Der nächste hat es auch in sich gehabt, denn es ging um #Metoo, Sex am Arbeitsplatz und Voyeurismus in einem Theater.

Mentor von Tinkara Klipsteter aus Slowenien wurde 2023 gedreht. Zuerst sieht man sich ins 18. Jahrhundert zurück versetzt, dann bemerkt man, dass es auf einer Theaterbühne spielt und das von Moliere bekannte Stück Tartuffe geprobt wird. Darin gibt es eine Verführungsrolle, worin das im wahren Leben spielende Schauspielerpaar, ein Paar ist, und eigentlich kein großes Problem haben sollten es zu spielen, aber es geht nicht. Beide kommen mit der Situation nicht klar und schaffen es nicht die Verführungssituation gegenüber der Regisseurin und dem beisitzenden Professor der Schauspielschule überzeugend darzustellen.

Darauf greift der Professor ein. Er tritt auf die Bühne und macht es vor aller Augen vor. Er umgarnt die junge Darstellerin so, wie es ablaufen könnte. Was wir Zuschauer nicht sehen ist, was er da genau mit seinen Händen tut. Alle sind gelähmt und schauen entsetzt, aber auch fasziniert über die Art und Weise zu, wie er es macht. Die Schauspielstudentin ist wie gelähmt. Sie wehrt sich nicht und fühlt sich anschließend schlecht und benutzt. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz war hier das Arbeitsthema. Und man denkt sich, ob es so in der Schauspielschule hier und da wirklich so abläuft.  

Das Publikum stellt sich so manche Frage oder ist man dann selbst gelähmt? Wieso hat der Partner nicht involviert und das echte Schauspiel nicht unterbrochen? Wieso ließ die Schauspielerin das Begrabschen vom Professor zu und wehrte sich nicht? Wollte sie selbst ergründen, wie weit das Schauspiel geht oder war sie gelähmt, weil es ihr gefallen hat? Wird ihr Schauspielen wirklich dadurch besser oder ab dem Zeitpunkt eher schlechter? Fakt ist, dass niemand aufschreit, sondern zuschaut, als wenn es dazu gehört.

Der Film wirft zwar viele Fragen auf, zeigt aber wie Männer mit Macht und Wissen sich im Bereich der Schauspielerei positionieren und die jungen unerfahrenen Schauspieler und Schauspielerinnen ausnutzen können. Auch ein sehr starker Film, der die MeToo-Bewegung in den Vordergrund stellt. Es kann wirklich überall passieren, sogar offen auf der Bühne.

Die nächsten 14 Minuten gehörten Nada Petrovic. Der Film Miris Sveze Farbe / Smell of Fresh Paint aus Serbien hinterlässt einen faden Beigeschmack. Der Film ist eine Mischung aus verlorener Kindheit, Obdachlosigkeit und der Versuch die Kindheit, das Geborgensein wiederzufinden. 

Die neunzehnjährige Emma will noch einmal in die elterliche Wohnung, die durch die Spielsucht des Vaters verloren gegangen ist, sowie auch der Absturz der Familie in die soziale Schieflage. Sie versucht den älteren Käufer der Wohnung zu verführen und kann dadurch noch einmal schöne Erinnerungen erleben. Der Film zeigt am Ende auch, dass egal, wie schlecht es dir geht, du schöne Erinnerungen wachrütteln und hervorholen sollst, ob ein Aufkleber, ein Geruch oder Erlebtes, um sich in schlechten Situationen am Leben zu erhalten. Ich fand den Film sehr aufwühlend, hatte den Sinn auch verstanden. Ein schwieriger und beachtlicher Film, der einen die eigene Verantwortung gegenüber der nächsten Generation überdenken lässt, aber auch die Zukunft der Generation, die vom Spiel der Erwachsenen abhängt und hier als Metapher angedeutet sein kann. Das Ende hat mir sehr gefallen. Er war jedoch nicht stark genug, um bei mir in die engere Wahl zu kommen, wenn ich Jury-Mitglied gewesen wäre. Nada Petrovic wird bestimmt noch viele tolle Sachen produzieren.

Der nur neunminütige Film „Pressing“ von Milica Vujasin aus Bosnien-Herzegowina 2024 ist ebenfalls ein sehr starker Film. In einem Frauen-Baskettball-Verein sind Anja und Jelena beste Freundinnen. Doch Anja entscheidet sich für die Mehrheit, die Jelena mobben, weil sie die beste des Teams ist. Denn am Abend gehen sie zu einer Geburtstagsparty, wo ihr Schwarm teilnehmen wird, den sie dort näher kennenlernen kann. Jelena freute sich auf das Schauen des Baskettballspiels am Abend, wofür sie Karten hatte, und fühlt sich nun von Anja verraten.

Das Mobbing innerhalb der jungen Frauentruppe gegenüber Jelena geht über in Gewalt und Anja entscheidet sich für die Gruppe und nicht für Jelena. Der Film bleibt einem im Hals stecken, wie stark Mobbing sein kann. Die menschliche Psyche des Menschen, die Kränkung können verheerende Lebensveränderungen verursachen. Verräter und Täter können trotz der Situation miteinander klar kommen und das Getane übergehen. Doch das Opfer wird verändert. Eine Situation, die überall stattfinden kann in unserer Gesellschaft. Der Film zeigt auch, dass es von jedem Einzelnen abhängt, wie wir uns entscheiden, ob mit den Wölfen heulen oder uns auflehnen gegen die große Gruppe, aufzustehen und zu helfen für die Unterdrückten oder einfach mal „NEIN. Bis hier hin und nicht weiter“ sagen. Ein sehr starker Film, der bei mir noch lange nachhallte.

Der nächste Filmblock studentischer Filme

Ist der erste Filmblock wirklich noch zu toppen? Alle ersten vier Filme könnten Favoriten sein im Studentenwettbewerb. Alle haben starke gesellschaftliche Fragen aufgeworfen und bearbeitet. Alle Filme sind erwähnenswert und sollten mehr Aufmerksamkeit bekommen. Welcher Film wird schwächer sein oder noch mehr Begeisterung auslösen? Welcher Film wird die Jury des Berufskolleg Bottrop auswählen? Nach einer 30 Minütigen Pause ging es erstmal weiter.

Die 15 Minuten von Jaksa Minic postapokalyptischen Science – Fiction – Kurzfilm Skloniste / Shelter hinterließen bei mir vielleicht auch absichtlich mehr Fragen als Antworten. Ich hatte mir vor der Ansage tatsächlich mehr versprochen. 

Nach der Apokalypse versucht Vidoje tagelang Radiosignale im Atombunker zu empfangen. Er hegt die Hoffnung auf ein normales Leben als im Dunkeln des Bunkers. Da entdeckt er einen Käfer in der Toilette. Sein Bruder und Vater wollen ihm nicht glauben. Für Vidoje ist es ein Zeichen, dass oben vielleicht alles in Ordnung ist. Er beginnt zu zweifeln an dem Leben im Bunker und entscheidet sich für die Oberfläche. Sein Vater verbietet ihn nach oben zu gehen, aber er hört nicht auf ihn. Sein Bruder verfolgt ihn. Als sich die Tür hinter Vidoje verschließt, weiß ich als Zuschauer, dass sich der Horizont auftun kann, jedoch hinter einem die Wahl zurück zu kommen sich verschließen kann – für immer. Der blaue Himmel, die Natur stehen noch immer, aber der Mensch verkriecht sich in seinem Bunker und will nichts darüber hinaus erfahren. Die „Insassen“ können einem auch das Leben zerstören und fehlleiten. 

All das sind Metaphern für die Zeit der Covid-Pandemie, die wir erlebt haben, aber auch das Leben in den heutigen Social-Media-Blasen von eingegrenztem Algorhythmus. Je mehr ich über den doch sehr dunklen Film nachdenke, desto mehr gefällt er mir mit seinen Anspielungen. Er wird nicht viel gefallen gefunden haben, denke ich. Aber er war mehr als nur ein Science-Fiction-Film. Er war ein philosophischer nachdenklich machender Film, der als ein neunzigminütiger Hollywoodstreifen mit bisschen mehr Licht bestimmt eine noch größere Möglichkeit hätte das Publikum mit Spannung zu füllen und zu erreichen.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber sie wird von der denkenden Mehrheit, die diese nicht hegen erschossen. Ein übler Punkt, der dann eine wirklich düstere Zukunft unserer Gegenwart schafft. Und in dieser Hinsicht ist der eher im nervigen Dunkel mit wenig Kerzenlicht spielende Film, einem hustenden Vater, den man kaum erkennt, dann wiederum ein starker Film, der erst im Nachgang ein Verständnis zeigen kann für die Gedankenwelt des jungen Regisseurs. Aber genau deswegen beeindruckt er mich nachhaltig doch mehr als ursprünglich gedacht.

Auf der Leinwand fragt man sich anschließend 23 Minuten lang wirklich, wo der Hase läuft. In Where is the Bunny? von Petar Djurakovic aus Serbien aus dem Jahr 2024 stellt eine wirklich große Frage in den Vordergrund, denn es ist nicht klar, was uns der Film wirklich sagen will, der in den wenigen Minuten einen 24 Stundentag eines jungen Serben zeigt. Der Film hoppelt nicht, er galoppiert eher über die den Stoff. Und am Ende weiß man trotzdem nicht, was der Sinn des Protagonisten war durch den Film zu hetzen. Aber vielleicht war das ja so gewollt, den wahrscheinlich spielsüchtigen arbeitslosen ausgelernten Studenten (hatte er schon einen Abschluß?) zu zeigen, wie er überleben muss in der Gesellschaft.

 

Der junge Mann geht von einem Ort zum anderen, wird zusammen geschlagen, weil er anderen Geld schuldet und nimmt Geld ein, indem er die Studentenarbeit eines anderen übernimmt.

Der Film will zu viel in diesen wenigen Minuten. Zwei Mal taucht eine Person auf, die auch gleich wieder verschwindet. Es ist nicht erkennbar, ob er ein imaginärer Freund ist, weil er plötzlich wieder verschwindet.

Ich verstehe zwar, was der Film aussagen will. Aber genau da hakt es. Es sind zu viele Dinge, die in den wenigen Minuten gezeigt werden wollen. Er braucht Geld zum tagtäglichen Überleben und gibt es gleich wieder aus. So leid es mir tut gehört der Film zu den schwächeren Kurzfilmen in meinen Augen. Wenn daraus allerdings ein 90 – Minütiger Film geworden wäre, würde er bestimmt verständlicher, hätte die Chance sich genauer auf die wesentlichen Merkmale des Inhalts zu stützen. Er würde aufwühlender wirken als in diesen paar Minuten, die nur genutzt werden konnten. Ausbaufähig ist er deswegen auf jeden Fall und könnte auch die Schwierigkeiten der Jugend in Serbien aufzeigen mit dem sie sich tagtäglich rumschlagen müssen.

Navid von Janick Entremont wurde in Deutschland 2024 produziert. Im Filmfestival werden eben auch Filme von emigrierten Bosniern gezeigt. Der Regisseur ist gebürtiger Österreicher. Er fand in Navid wahrscheinlich sein Alter Ego, denn in diesen Zeiten, wo die jungen Menschen mit vielen Krisen zubombadiert werden, ist es nicht einfach sich in der die Gesellschaft wieder zu finden. Insgesamt lastet ein großer Druck auf jeden einzelnen von uns jeden Tag und es wirkt sich auf viele Menschen so aus, dass sie keinen Halt mehr finden und in Depression versinken, das zu einer Krankheit wird, die von der Gesellschaft wiederum nur schwer erkennbar ist und anerkannt ist. 

Der depressive Navid ist in der Warteschleife einer möglichen Psychotherapie in Deutschland. Doch zur Zeit stehen viele Menschen auf der Liste, die immer länger wird. Wieviele auf der Liste stehen, die sich in der Zwischenzeit das Leben nehmen, weil sie keine schnelle Hilfe bekommen, ist eine Geschichte, über die man nicht so einfach nachdenken will. Manche finden irgendwie einen Halt im Leben. Im Film hat Navid eine Freundin, die ihm ein wenig Halt gibt. Sie fahren zu einem Ferienhaus am See. 

Depressionen und ihre Tiefen sind ein schwer verfilmbares Material. Trotzdem schafft es der kleine Fünfzehnminüter die Stimmung rüberzubringen, aber auch die leichte Hoffnung auf Heilung in der Natur. Auch hier sehe ich eher ein Potential eines großen Films. Denn in diesen wenigen Minuten ist es nicht einfach das Thema auszubreiten. Es braucht mehr Aufmerksamkeit, um bei der jungen Generation besser erschlossen werden kann in diesen unsicheren Krisenzeiten. Wie Navid mit der eigenen Situation umgeht könnte ohne langweilig zu wirken eine größere Bandbreite bekommen. Denn das Thema steckt noch in den Kinderschuhen.

Zanzibar 4K Kolorizovano von Lea Tosic aus Bosnien-Herzegowina ist einer der wenigen humorvollen Beiträge, der in einem eskalierenden Eifersuchtsdrama endet. Eine junge Regisseurin versucht mit ihrem Filmteam eine Szene schnell abzudrehen, doch sie muss sich rumschlagen mit der Eifersucht ihres zufällig auftauchenden Freundes rumschlagen, den Verführungen des Kameramanns, die zickige bekannte Schauspielerin, das unorganisierte Team, das hin und her läuft. Die 4K-Kamera läuft hinter der Regisseurin hinterher. Man ist direkt bei ihr und kann schmunzeln. Der Film ist durch die humorvolle Musik und das unkoordinierte Wirken lustig, endet aber tragikomisch. Für die junge Regisseurin stellt sich die Frage, ob es wirklich so toll ist, in der Filmbranche zu arbeiten oder lieber nach Sansibar zu fliehen.

Der Film hätte jeden Berufszweig nutzen können. Überall herrscht beruflicher und gesellschaftlicher Druck. Auch in der Partnerschaft kann es zu unerwarteten Problemen durch Missverständnisse kommen.

In 15 Minuten will auch dieser Film sehr viel vom Publikum. Ich wurde selbst hektisch. Die Augen folgten dem schnellen Geschehen. Der Schuss war allerdings unerwartet. Als eine 90-Minütige Komödie wird er mit Sicherheit ein lachendes Publikum ins Kino locken. Er war nach den schweren Themen vorher erfrischend gut. Wäre ich Jurymitglied gewesen, hätte ich ihn leider nicht in die engere Wahl genommen. 

The Stranger von Milorad Milatovic aus Kroatien ist im Studentenwettbewerb der Gewinner geworden. Ein wirklich starker Film über einen Taxifahrer, der sich in der Nachtschicht mit unterschiedlichen Menschen rumschlagen muss. Trotzdem bewahrt er seine Menschlichkeit, bewahrt Ruhe und hilft in den schwierigsten Situationen seiner Fahrgäste, ob das eine üble Scheidung oder ein besoffener Jurastudent ist, der seinen Abschluss kotzend abfeierte.

Der Film zeigt, dass jeder Einzelne im Leben seine Menschlichkeit und Hilfe anbieten kann, auch unter den widrigsten Umständen. Solche Menschen, wie diesen Taxifahrer braucht es einfach mehr. Der Film hatte starke Schauspieler und Schauspielerinnen. Die Kameraführung war erstklassig. Auch der Humor kam nicht zu kurz. Der Film hatte alles, was ein langer Film auch braucht. Es war naheliegend, dass die Jury vom Berufskolleg Bottrop im Studentenwettbewerb sich für diesen Film als „Best Film“ des 7. Bosnien-Herzegowina Looks Around Film Festival 2024 entschieden hat. Auch in meinen Augen, trotz vieler guter Studentenfilmbeiträge gehört er zu den stärksten Filmen beim diesjährigen Filmfestival. Grundsätzlich hatte er es verdient ausgewählt zu werden

Herzlichen Glückwunsch!

Aber der Studentische Wettbewerb ist ja noch nicht zu Ende, denn als nächstes kam wieder mal ein humorvoller Filmbeitrag:

Dostava von Nivana Delic aus Bosnien-Herzegowina war der witzigste Film unter den Beiträgen. Ein junger Mann verdient seinen Lebensunterhalt als Radkurier für einen Burgerladen. Seine letzte Bestellung sollte doch bitte möglichst schnell zur angegebener Adresse gebracht werden. Es folgen natürlich unaufhaltsam typische Probleme. Mit dem Internet wurde die richtige Straße nicht gefunden, auch der Funk ist nicht immer da. Ein Anruf bei dem Besteller, lässt den Radkurier noch fraglicher zurück. Er fragt sich bei den wenigen Menschen durch, die sich zu dieser späten dunklen Stunde noch auf der Straße aufhalten. Die einen wissen es, die anderen nicht.  Ausgerechnet die Hausnummer 13 ist es. Sie taucht immer wieder im Film auf, aber es ist nie die richtige Adresse. Verzweifelt stellt er die Bestellung ab und will aufgeben, als die Tüte mit dem Essen geklaut wird und er hinterher rennt. Tatsächlich ergibt es sich, dass der Dieb direkt vor der Tür des schon ungeduldigen Bestellers vom Radkurier gefasst wird, doch das Essen fällt hinunter. So lustig es bis dahin war, so endet der Film jedoch unerwartet mit einem nicht hassenden rumkrakelenden Besteller, wie wir es immer erwarten würden, sondern mit einem ruhigen Besteller, der seine versaute Bestellung trotzdem bezahlt und hofft, dass es nächstes Mal besser laufen wird.

So wünschen wir uns das gern, dass eben nicht immer gleich alles schlecht gemacht wird, sondern auch mal Verständnis für Unwägbarkeiten gezeigt wird. Ein großartiger lustiger Film mit Tiefe!

Le Mani de la Citta von Emir Solakovic ist eine Co-Produktion aus Italien mit Bosnien-Herzegowina und einer der wenigen Dokumentarfilme. Er hätte es auch verdient gehabt zu gewinnen oder eine besondere Erwähnung bekommen können, denn allein die Arbeit an den 20 Minuten hatten die Studenten der Academy of Performing Arts Sarajevo in Rekordzeit vollzogen. 

Drei Tage Recherche und 10 Tage Filmproduktion zeigen die kleine italienische Stadt Presaro an der Adria, die unter dem Mantel UNESCO – Welterbe steht. Der Film zeigt die Menschen hinter den traditionellen Dingen, die den Ort ausmachen, aber die auch mangels dableibender Jugend aussterben können. 

Die Dokumentation zeigt, wer den Ort kulturell groß gemacht hat. Ein Fischer, der nach alter Tradition auf der Adria fischen geht. Die Herstellung besonderer örtlicher Keramik, die nur dort zu finden ist. In Gesprächen mit den Menschen vor Ort, spürt man, dass sie nicht weggehen würden, die Tradition bewahren würden, aber irgendwann kann es aussterben. Die jungen Leute ziehen weg, dahin wo es Arbeit gibt. Mit Tradition kann man kaum großes Geld verdienen. Eine Traurigkeit legt sich über diese besondere schöne Stadt und die Adria, wer an die Zukunft denkt. Wird das Erbe noch so bewahrt werden können? 

Diese Frage wird sich in Europa viele stellen in den verschiedensten Branchen und Städten, die ausbluten werden. Es findet ein Wandel statt, den wir einfach noch nicht abschätzen können.

Nach vier Postproduktionstagen konnte der Film zur Feier der 60. Ausgabe des Pesaro Filmfestival gezeigt werden und begeisterte das Publikum. Vielleicht war es ja bei der Jury in der engeren Filmauswahl. Der Dokumentarfilm war erfrischend und mal was anderes nach den vielen eher harten menschlichen Themen. In 20 Minuten waren wir eingetaucht in eine kleine italienische Stadt an der Adria und das Tun und Denken der Menschen dort.

Mit der sehenswerten Dokumentation endete um 15.30 Uhr der Studentenwettbewerb, doch nicht das Komplettprogramm. Bevor der Hauptwettbewerb los ging, gab es noch ein Gespräch auf der Bühne über die Zukunftsperspektiven der Kinematographie in Bosnien-Herzegowina mit Bojana Vidosavljevic von der Vereinigung der Filmemacher des Landes. Tamara Tabakovic-Halilovic führte das Gespräch mit ihr.
Das Publikum diskutierte am Ende auch heiß mit, denn die Schwierigkeiten der Filmförderung im Land Bosnien-Herzegowina sind auch unterschiedlich in Sarajevo und der Republik Srbska. 

Wir schauen meist nicht über den Tellerrand, aber es lohnt sich, es zu tun. In gewisser Weise geht die deutsche Filmförderung mit ihren Mitteln nicht wesentlich anders um und fördert Filmprojekte, die meist das Thema Rassismus und den Zweiten Weltkrieg behandeln. Frische Ideen werden meist nicht angepackt. Die Filmförderung wird in jedem Land wahrscheinlich ähnlich ablaufen. Bojana erzählt einiges darüber. Wer sich dafür interessiert, kann in die Aufzeichnung des Gesprächs gehen:

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Nach einer kleinen Pause ging es um 17 Uhr mit dem Hauptwettbewerb weiter. Diese Filme wurden dann von der Jury mit  Ferdinand Fries, Mersiha Husagic und Maja Zeco. Sie hatten es ebenso schwer. Ferdinand Fries hätte hier vielen Filmen einen Preis verliehen, wie er mir nach der Preisverleihung mitgeteilt hatte.

Auch hier waren unglaublich gute starke Filme dabei. Ich stelle die Personen hier nochmal vor:

Ferdinand Fries

Ferdinand Fries begann schon als Schüler mit einer Super-8-Kamera des Vaters praktische Filmarbeiten zu erschaffen. Er studierte Deutsch und Kunst an der Universität – Gesamthochschule Essen und besuchte die Filmklasse von Claudia von Alemann an der Fachhochschule Dortmund.

Mit der bildenden Künstlerin Irmelin Sansen gründete er 1986 eine eigene Videoproduktion in Bottrop. Seitdem ist er als Kameramann und Editor unterwegs. Zahllose Kunstvideos, Dokumentationen und Auftragsarbeiten, sowie auch Kooperationen mit der Kinemathek im Ruhrgebiet. Für das Ruhr Museum in Essen gestaltet er auch seit vielen Jahren die Ausstellungsvideos.

Maja Zećo

Die zur Zeit in Berlin lebende Maja Zećo ist eine bosnisch-deutsche Schauspielerin spezialisierte sich eher auf Theater als auf Film. Sie hat schon zahlreiche Auszeichnungen für ihre Darbietungen bekommen. An der Akademie der Darstellenden Künste in Sarajevo hat sie ihren Bachelor – Abschluss erworben. In Bosnien-Herzegowina hat sie auch auf verschiedenen Theaterbühnen gearbeitet. Das Stück „Der Wolf verliebt sich“ ist aus Maja Zecos besonderes Projekt „Inklusion von Kindern mit besonderen Bedürfnissen“, das Kinder aus verschiedenen ethnischen Hintergründen zusammenbrachte. Zuletzt war sie im Tatort Ludwigshafen „Lenas Tante“ als Krankenschwester Simona Ferizaj zu sehen. Mit dem Grips Theater, Theater Morgenstern und Theater unterm Dach spielt sie im Stück „T4. Ophelias Garten“ als Gertrud sowie in dem Stück „Deutschland: Einzelgänger, Einzelfall“. Sie beschäftigt sich auch mit Theaterpädagogik und macht auch Workshops für Kinder in Berlin, sowie in Bosnien-Herzegowina. Mit dem Projekt „Libera Me“, das sie zusammen mit dem russischen Musiker und Komponisten Roman Stolyar entwickelt hat, ist sie auf Gastspielreisen durch Europa. „Libera Me“ ist eine bahnbrechende multimediale Performance, die die Stimmen von Kriegserfahrung aus Bosnien und der Ukraine vereint. Derzeit aber in Deutschland leider nicht so angenommen wird, wie erhofft.

Mersiha Husagić

Mersiha Husagic ist in Bosnien-Herzegowina geboren und als Kind wegen des Krieges mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen. Schon mit 16 begann ihre Karriere in verschiedensten Fernsehserien, wie „Die Pfefferkörner“, in einigen Krimis, wie Tatort, Morden im Norden, Mordkommission Istanbul oder auch Das Traumschiff und Inga Lindström: Einfach nur Liebe. In der Zwischenzeit hat sie Film an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg studiert und ihre Leidenschaft für Regieführen entdeckt. Sie schreibt auch Drehbücher und dreht Kurzfilme. Der Eröffnungsfilm „Cherry Juice“ von und mit ihr bekam für das beste Produktionsdesign einen RED Movie Awards.

vl.: Ferdinand Fries, Mersiha Husagic, Maja Zeco
 
Die Filme des Hauptwettbewerbs

Der erste Film fing schon gut an: Neka Cvjeta Rosno Cvijece von Ivan Bakrac, Montenegro-Serbische Coproduktion von 2023.

Nikola möchte seinen Freund verabschieden und im Meer verstreuen, aber sein Auto verreckt. Maja fährt ihn freiwillig ohne nachzudenken an die Küste. 17 Minuten sehen wir einen allein schon landschaftlich besonderen Film. Steinige Felsen begleiten uns während der Fahrt, brechen das Meer und zeigen, dass sie bleiben, während das Leben vergänglich ist als Metapher für das Bleiben und Vergehen des Lebens. Der Film philosophiert Road Movie durch die Landschaft über das Leben und Sterben. Was macht man nach einem Verlust? Wie geht man damit um? Ein Filmjuwel direkt am Anfang in meinen Augen.

Man denkt über das eigene Leben nach oder eigene Verluste, die wir alle irgendwie irgendwo erleiden im Laufe der Zeit. Abschiede können auch neue Anfänge bedeuten. Ivan Bakrac hat schon an vielen internationalen Festivals teilgenommen und Preise gewonnen. Er ist auch Mitglied der Europäischen Filmakademie. Wie weit er in der Jury gekommen ist, hätte ich gern gewußt.

OVO JE BIO GRAFIT / THIS WAS A GRAFFITI von Valeriya Boyko ist eine Co-Produktion der Ukraine mit Bosnien – Herzegowina aus dem Jahr 2024.

“Ovo je Srbija. Ovo je pošta, budalo” „Das ist Serbien!“ schrieb jemand kurz vor dem Ausbruch des Krieges auf eine Wand. In der nächsten Nacht soll „Dies ist ein Postamt, du Idiot“ darunter geschrieben worden sein und Serbien durchgestrichen. Die Graffiti konnte man natürlich heute nach über 30 Jahren nicht mehr finden. Die Regisseurin hinterfragt lokale Persönlichkeiten, denn so ganz sicher ist sich niemand, ob das wirklich dort gestanden hat an einer Wand. Es wurde zu einer Legende, die der Film ans Licht bringen wollte.

Eine Dokumentation, die Legende und Wahrheit versucht herauszufinden, in dem sie mit Menschen spricht, die damals den Krieg in Sarajevo erlebt haben. Viele Spuren sind verwischt, auch gedanklich. So ganz sicher ist sich niemand mehr, ob es überhaupt mal an der Wand gestanden hat. Der Humor, den die Antwort auf den nationalistischen Ausruf, untermalte, muss für drei Jahre zumindest damals erstmal im Hals stecken geblieben sein. Er gehörte für mich zur engeren Auswahl der Filme. Aber es ging schon weiter und auch dieser Film war beeindruckend.

Der preiswürdeige Film Svrha / Purpose / Zweck von Tvrtko Karacic aus Kroatien ist ein beeindruckender Animationsfilm. In neun Minuten wird mir ein Großbauernhof gezeigt, wo alle Figuren sich im Takt ihrer Arbeit bewegen. Wichtige bäuerliche Arbeit verrichten die Holzfiguren über die Jahreszeit, während auf einem Stuhl oberhalb der arbeitenden Menschen wahrscheinlich der Großgrundbesitzer sitzt und krank zu sein scheint.

Am Ende des Winters muss er einen Tropfen Öl bekommen, weil er sich nicht richtig bewegen kann. Ein Teil des Tropfens rinnt ihm als Träne herunter in das Zahnradgetriebe, das die Figuren kurz vorher Bewegungsunfähig gemacht haben. Es wird von neuem „ankurbelt“ und das Leben geht seinen gewohnten Gang. Ein philosophischer genialer Animationsfilm den ich mir hundert Mal angeschaut hätte.

Wir sind alle im Zahnrad des Lebens gefangen. Jedes Jahr aufs Gleiche. Der Animationsfilm zeigt in aufwendiger Form das typische menschliche Leben, das immer wieder von morgens bis abends im Wechsel der Jahreszeit von neuem losgeht. Immer im gleichen Rhythmus. Das Getriebe muss nur von außen geölt werden, damit es weitergehen kann. Und so funktioniert auch unser eigenes Leben. Irgendwer ölt das Getriebe irgendwo, damit alles weiter funktioniert, egal ob es auf einem Bauernhof ist oder in einer Fabrik, einem Büro oder kleinem Betrieb.Viele philosophische und menschliche Gedanken fließen in diesen Film hinein. Wahrlich ein Filmjuwel hat Karacic da erschaffen!

Als nächstes folgte ebenfalls eine imponierende Tragikomödie, die für mich ebenfalls in den engeren Kreis der Jury gehört hätte:

Victory von Zulfikar Filandra aus Bosnien-Herzegowina spielt in einem Betrieb in der Nähe von Gorazde. Velid wird mit einigen Kollegen entlassen. Während sie demonstrieren und streiken, geht er allein durch die Stadt. Er ist kein Kämpfer, mischt sich nicht ein, genießt das Nichtstun, denkt nicht drüber nach, was als nächstes passiert.

Zwei junge Filmregisseure, die Gorazde besuchen, treffen ihn. Sie wollen den Streik zu einem besonderen Film herausputzen und engagieren ihn als Schauspieler. Sie lassen ihn von einer attraktiven Schauspielerin in einem Hotelzimmer verführen, dann soll er den Streik befeuern mit einem Megafon. Doch er kann es nicht. Er will Schauspieler werden, aber er will nicht die Anweisung befolgen. Er weigert sich und wird sich dann der Situation bewusst. Velid verfällt in eine Depression und will sich im Fluß ertränken, wo er von einem Arbeitskollegen gerettet wird. Hier ist das Hin- und Hergerissen sein in der Gesellschaft ein Thema. Viele verfallen in Depressionen und einige begehen Selbstmord in den Krisen unserer Zeit. Jeder kann arbeitslos werden, aber das ist nicht das Ende und es gibt immer noch jemanden, der einen auffängt. Ich denke, der Film wollte diese Hoffnung mitteilen. Für mich gehörte der Film in den engeren Kreis der Wahl zum besten Film, aber er war nicht der stärkste. Der Schauspieler hat genial die Situationen gespielt. Zulfikar Filandra hat sich in der nächsten Pause in einem Gespräch zu seinem Film auf die Bühne hingesetzt und mit Tamara Tabakovic-Halilovic über seinen Film und Projekte geplaudert. Ein interessanter Regisseur, von dem wir bestimmt noch so einiges zu sehen bekommen werden.

Der trockene Humor wird am Ende im Hals erstickt. Alltägliche Situationen, die in Bosnien-Herzegowina vorkommen, wie Selbstmord, tragen dazu bei. Das filmische Gesamtkonzept gefiel mir sehr gut.

Das Video zum Gespräch:

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Um 19 Uhr ging es weiter. Leider hab ich ein paar Minuten verpasst, weil ich mir schnell eine Pizza reinschieben musste. Beim Bistro „Kurz vorm Kino“ hab ich so viel Geld da gelassen, da hätte ich auch gleich den ganzen Laden kaufen können. Nein. Scherz! Ich hab nur die Karte von oben nach unten gegessen und getrunken, weil der Tag so lang war. Filme machen hungrig und durstig und es war Abendessenzeit!

Ich kam noch halbkauend in den Kinosaal. Doch der letzte Rest der Pizza blieb mir im Hals stecken, denn ich sah ein Paar rumkopulieren in der wunderschönen Natur und einen jungen Mann, wie er es beobachtete und dann anfing zu onanieren. Dann war der Wind stärker geworden und die Grillen zirpten und Vögel zwitscherten lauter, die Blätter wurden gezeigt und die Bäume, eine sich bewegende kalte Schulter, dann Schnitt ist er auf dem Weg zu seinem Boot, um zurück zum Campingplatz zu fahren. Ein Blick auf die herrliche Meerlandschaft, wo ein Gewitter in der Ferne grollte, ein Kuss auf den Mund seiner lesenden Freundin, die danach fragte, ob das Meer schön war, dann verschwand er in das Haus, die Frau folgte ihm. Und was sagt mir der Film Bonaca von Luka Vlaho aus Bosnien-Herzegowina?

Alltägliches! Der Film zeigte die Natur, das Abstellen der umgebenden Geräusche rundherum,  wenn Sex an erster Stelle steht. Im Film war die Natur das Gegenteil. Das Stöhnen des Paares verschwand und die Natur wurde laut. Der Film zeigt mir das die Natur es ist, die täglich Sex hat und der Mensch eigentlich seinen natürlichen Weg geht. Die Natur ist Voyeur und die Menschen begehen täglich weltweit millionenfacher Voyeurismus auf den Bildschirmen.

Naja, warum eigentlich nicht, dachte ich, denn das kann ja auch mal erfrischend sein nach den vielen philosophischen und gesellschaftskritischen Filmen. Allerdings gehörte der Film trotz der wundervollen „Landschaftsaufnahmen“ zu den schwächeren des Hauptwettbewerbs. Das Publikum fläzte sich auf jeden Fall etwas unruhig im Kinosessel herum. Es war dunkel…Hab ich da was verpasst? Hier wehten zumindest keine lauten Blätter… (Scherz!)

Es folgte GAIA , ein Animationsfilm, der sehr stark an den Blade Runner Film von 1982 erinnert.

2040 ist Sarajevo von dichten Wolken umhüllt. Keine Pflanze wächst mehr, weil die Sonne fehlt. Sara versucht unterschiedliche Pflanzen mit Hilfe von künstlichem Licht zu züchten und hofft, dass eine es davon schafft. Doch bevor sie zur Arbeit geht, verwelkt die zuletzt eingepflanzte Blume. Jede Pflanze, die verwelkt, tätowiert sie sich auf die Arme. Beim Einsetzen der nächsten Samen verletzt sie sich und Blut vermengt sich mit der Terrarienerde.

Auf der Arbeit repariert sie VR-Brillen. Zahlendes Publikum wird eine schöne Wald- oder Meereslandschaft mit Sonne suggeriert. Plötzlich gibt es eine Explosion, gleichzeitig wächst durch ihr Blut, das als Düngemittel wirkt, eine neue Pflanze aus dem Terrarium.

Im eingestürzten Hochhaus, in dem sie arbeitet, erwächst eine schwarze Pflanze aus dem Boden. Als sie sich ihr nähert entzieht diese der jungen Frau die Tätowierungen. Aus Sara strömen bunte Pflanzen und neues Leben erwacht. Der Animationsfilm wirkt wir die moderne Version der Zauberbohnen aus den Grimmschen Märchen. Die Pflanze wächst zu einem riesigen Baum und bricht den Himmel auf. Sie war der Schlüssel zur Wiedergeburt der Natur. Ich war begeistert von der Art und Weise des animierten Science-Fiction-Films, der mit den Motiven von Blade Runner spielt. Enis Cisic ist verantwortlich für diese besondere Art und Weise der Zeichnungen. Er begann schon in den 1980er Jahren mit einer großen Karriere in der Werbung bis er für Marvel Spiderman, Iron Man und Hulk zeichnete. Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Nermin Hamzagic schuf diesen besonderen Film, den ich durch die Aktualität des immer noch politisch unterschätzten Klimawandels im engen Kreis der Favoritenfilme gesehen habe. Ein sehr philosophischer Film wieder, der mit einem Märchen koketiert. Hoffen wir, dass diese Zukunft uns erspart bleiben wird, wie sie dargestellt wird. Denn in ewiger Dunkelheit ohne Pflanzen zu leben ist wahrlich keine gute Zukunft.

Es folgte ein weiterer besonderer Animationsfilm, der von der Jury auch als eine besondere Erwähnung ausgewählt wurde:

Chronicity von Aleta Rajic aus Bosnien-Herzegowina schafft es in nur 4 Minuten von einem friedlichen Zusammenleben, durch den Flügelschlag einer Fliege in Sarajevoe einen Dominoeffekt auszulösen, der zum ersten Weltkrieg führt. Mein höchster Respekt für diese einzigartige Filmkunstwerk, das sie ganz allein erschaffen hat! Der Preis für die besondere Erwähnung ist mehr als verdient!

Mia San Mia von Sabahet Dzafica. Die Co-Produktion aus Bosnien-Herzegowina und Serbien ist ein ans Herz gehende Dokumentation über eine Familie in Bihac, die ein 100% behindertes Kind zuhause betreuen. Sie werden jeden Tag aufs Neue schwer geprüft, denn das bosnische Gesundheitssystem ist selbst schwer krank und lässt solche Fälle allein. Die staatliche Unterstützung ist weit unter den Möglichkeiten. Wenn Hilfe kommt, dann aus dem Ausland durch Crowdfunding und Spendenaufrufe. Eine beschämende Situation eines Landes. Wenn Nationalismen wichtiger als jeder einzelne Mensch ist egal, welcher Religion oder Nationalität er oder sie angehört, dann ist das System kaputt. Es sollte nicht mit dem Finger auf andere gezeigt werden, sondern Menschlichkeit, Hilfe angeboten werden. Dieser Film ist ein Aufschrei für die Situation für viele in dem Land.

Mia tut einem sehr leid. Die Eltern, die ihr Leben nach Mia ausgerichtet haben, dadurch auch Freunde verloren haben, brauchen jeden Tag Kraft, um die Situation zu überstehen in der sie bei der täglichen Pflege stecken. Jeder Tag ist eine neue Prüfung im Leben der Familie.

Sabahet hat sie begleitet und hat einen eindringlichen Film gemacht, der hoffentlich mehr bewegen wird in Bosnien-Herzegowina und in den Köpfen der starrsinnigen Politik. Natürlich ist das Kritik meinerseits. Kritik muss ausgehalten werden können. Man muss damit umgehen können und sollte zu denken geben, etwas zu ändern, für die Menschen, denn das sind die Menschen, die einen wählen bei der nächsten demokratischen Wahl wahrscheinlich oder auch nicht, wenn sie nicht beachtet werden. Der Film jedoch wird dort nicht gezeigt. Trotz schon einiger Auszeichnungen hat auch das österreichische, schweizerische und auch das deutsche öffentliche Fernsehen eine Ausstrahlung abgelehnt. Die Gründe sind für mich unergründlich. Sie können mehr als einen europäischen Aufschrei geben und die Diskussion erneuern mit möglichen Verbesserungen auch in anderen Staaten innerhalb Europas, die ähnlich mit ihren Menschen umgehen. Denn Pflege wird in fast allen Ländern eher an den Rand geschoben, weil es Geld kostet. Aber wo ist da die Menschlichkeit? Für diese Menschen ist die Pflege innerhalb der Familie das wichtigste. Für einen Staat sollte die Pflege seiner Familie, also seinen Bewohnern, ebenfalls wichtig sein. Ansonsten werden die Politiker ihre Abwahl sehen.  

Vielleicht hilft die Auszeichnung „Beste Regie“ von der Jury diesem besonderen Dokumentarfilm einen Schub zu gehen. Diese Auszeichnung hat er auch mehr als verdient. Gut zu wissen ist, dass der Film auch nicht nur 30 Minuten hat, sondern auch eine 60 Minuten – Fassung, sowie eine Kurzfassung für Kurz-Dokumentationen.

Herzlichen Glückwunsch! Viel Erfolg mit dem Film weiterhin ans Filmteam!

Der Familie in Bihac wünsche ich viel Kraft und Mia noch viel Freude im Leben trotz der Behinderung!

Nach dem Film war Sabehet Dzafica und Borislav Banjac beim sichtlich erschütternden künstlerischen Leiter Samir Corkadi im Gespräch. Auch das Publikum hat Fragen gestellt, die beide sehr gern beantwortet haben:

 

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Nach einer letzten kurzen Pause konnten wir die letzten vier Filme kaum noch erwarten. Der Tag war lang. Viele besondere und diskussionsfreudige Filme waren bisher auf der Leinwand zu entdecken. Meine Augen waren schon rechteckig, die Lider schwer, aber die Erwartungshaltung, was noch kommt hoch. Und es sollte noch einiges kommen, was die anderen toppen konnte. Als nächstes war ein Film aus Slowenien auf der Leinwand von Barbara Zemlijic, der uns nach dem aufwühlenden mit Tränen in den Augen füllenden Film Mia San Mia etwas humorvolleres bot.

KAKO SAM NAUCILA DA PROSTIREM VES war wieder etwas zum emotionalen Runterkommen. Ein erfrischender witziger Film über eine junge Frau, die in eine Siedlung kommt und dort in den Hof nach einer Frau ruft, die scheinbar nicht dort wohnt. Vielleicht war es auch nur ein Vorwand, um irgendwo wohnen zu können. Sie landet mit dem großen Koffer in einer naheliegenden Gaststätte, wo sie auf den Mann trifft, der ihr im Hausflur eines Hauses mitteilte, dass er diese Frau nicht kennt und dort auch nicht wohnen würde. Der attraktive Mann nimmt sie erstmal auf, weil sie scheinbar nicht weiß, wo sie hin soll. Während er als Groupier im Casino arbeitet, hält sie sich zu Hause auf und faulenzt herum. Sie fühlt sich aber irgendwie allein gelassen und einsam. Mit dem Mann wohnt sie für einige Tage, wie mit einer Wohngemeinschaft zusammen, sie gehen aus ins Kino, aber es passiert sonst nichts.

Sie fühlt sich zu ihm hingezogen. Sie weiß aber nicht, was sie tun soll, muss sich aber bald entscheiden. Sie weiß nicht, wie lange er sie da wohnen lässt, bemerkt aber, dass sie ausgenutzt wird bis er eine andere Frau mitbringt und sie ihm Wein bringen soll. Sie entscheidet sich für das Weiterziehen. Nach 23 Minuten endet der Film auf einem Bahnhof. Es ist ein nettes Beziehungsfilmchen mit Humor, der vielleicht in einem langen Streifen noch mehr Witz und Wendungen gehabt hätte.

Wer beim nächsten Film nicht gedacht hat, was ich gedacht habe, der hat den Film nicht verstanden.

THE MAN WHO COULD NOT REMAIN SILENT war sofort mein Favorit für den besten Film. Ohne mit der Wimper zu zucken, wußte ich dass er es werden konnte0. Er hatte alles, was eine so typische Situation in Zeiten von Krieg hervorrufen kann: Angst, Verrat, Mitleid, Hass, sowie auch blinde Befehlsausführung.

Es geht um eine wahre Geschichte, die sich in jeder Zeit abspielen hätte können, wie aktuell wieder in der Ukraine im Donbass, aber dieser Film zeigt eben eine Begebenheit in einem Zugabteil, die sich in Wirklichkeit so zugetragen haben muss.

Der Regisseur Nebojsa Slijepcevic hat den 27.2.1993 in Stripci in Bosnien-Herzegowina wach werden lassen. Ein Personenzug von Belgrad nach Bar wird gestoppt. Paramilitärische Einheiten holen wahllos hauptsächlich Männer aus den Abteilen, die sich nicht ausweisen können oder einen Ausweis hatten, die ein Todesurteil für sie bedeuteten ohne es zu wissen.

Die ethnischen Säuberungsaktionen waren unbeugsam. Die Soldaten gehen relativ harmlos nett um mit den Menschen. Sie fordern nur aufzustehen und mitzugehen. Sie würden ja gleich wieder in den Zug einsteigen. Ein Mann im Abteil kann sich nicht ausweisen und hat Angst mitgenommen zu werden. Der Mann gegenüber sagt ihm, dass er keine Angst haben müsse. Doch als er selbst von dem Soldaten nach den Papieren gefragt wird, sind Schweißperlen auf der Stirn. Die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben. Und als der junge Mann, der sich nicht ausweisen kann, bedroht wurde mitgenommen zu werden, schwieg er, der vorher noch großspurig mitgeteilt hatte, dass er doch keine Angst zu haben brauche. Im Hintergrund des Abteils steht dann ein Mann auf und wehrt sich über diese Art der Behandlung. Er konnte nicht schweigen. Er war selbst Offizier und stellte sich dem Soldaten in den Weg. Er ließ sich mitnehmen für den jungen Mann, der sich nicht ausweisen konnte. Es gab kein Erbarmen. Ein Film, der von der Jury als „Bester Film“ ausgewählt wurde und das auch hochverdient in diesen Zeiten der neuen Kriege auf der Erde! Dieser Film ist eine Erinnerung an das Aufstehen, sich wehren und auch an das wahllose Sterben von unschuldigen Zivilisten in Zeiten des Krieges!

Ferdinand Fries zitiert Martin Niemöller, der geschwiegen hatte als die Nazis die Menschen abholten. Als der Theologe abgeholt wurde, war keiner mehr da, der protestierten konnte. Ein bewegendes Zitat. Das Publikum hatte es schweigend verarbeitet. Niemöllers Worte waren an der richtigen Stelle angekommen. 

Die Auszeichnung als „Best Film“ – Bester Film – ist hochverdient! 

Herzlichen Glückwunsch!

Trotz allem hätte auch der nächste Titel gewinnen können, den dieser Animationsfilm hatte es ebenfalls in sich:

BEYOND THE FACE von der Slowenin Anja Resman. In knapp 10 Minuten entfaltet sich eine gesichtslose Puppenlandschaft. Die Erwachsenen waren allesamt gesichtslos, während der Sohn Augen hatte und einen Mund mit dem er sprechen konnte. Das wiederum sahen die Erwachsenen nicht gern. Eines Tages schenkt der Vater dem Sohn eine gesichtslose Maske und zwingt sie ihn aufzusetzen. Als der Vater stirbt und der Sohn im Alter die Wohnung auflösen muss, schaut er in den Spiegel und reißt sein Gesicht ab. Er sieht sich als Junge wieder und verschwindet in den Spiegel, wie bei Narnia in eine andere Welt.

Dieser fantastische besondere Animationsfilm ist sehr philosphisch. Allein die Idee der gesichtslosen Erwachsenen hatte mir gleich mitteilen wollen, dass es irgendwie auch stimmt. Viele Erwachsene meinen zu wissen, was sie tun. Die junge Generation wächst heran, muss sich den Erwachsenen fügen und in ihre Fußstapfen treten. Sie verlieren ihre Kindheit und sind gefangen im Erwachsensein. So richtig können sie keine eigene Entscheidungen treffen oder dürfen es nicht. Im Alter denkt man dann an die nostalgische Zeit zurück und hofft auf eine Rückkehr zur Kindheit, die aber verloren ist. Man sollte eben das Kind im Körper nicht verlieren, dann bewahrt man Frieden mit sich selbst und der Welt. Aber viele haben es wahrlich verloren. Nicht umsonst beherrscht wieder Krieg und Unordnung in vielen Teilen der Welt.

DUHOVI NA MOJIM LEDIMA von Nikola Stojanovic aus Serbien war noch ein letztes Drama auf dem Filmfestival, das sich mit dem Erwachsenwerden auseinander gesetzt hat.

Eine Teenagerin kommt mit der Situation nicht klar, dass ihre Großmutter gestorben ist, die sie abgöttisch geliebt hat. Gleichzeitig weiß sie nicht mit ihrem pubertären Körper und dem Tod umzugehen. Die laute Baustelle, die den Bau einer Autobahn direkt neben dem Friedhof wirkt metaphorisch auf das unordentliche innere Dasein ihres Körpers und ihre Gedanken.

Im Körper eines Jugendlichen ist es immer aufgewühlt. Mit vielen Dingen ist es schwer umzugehen, wie mit dem Tod enger Familienangehörigen. Gleichzeitig kommen Gefühle sich in jemanden unbedingt verlieben zu müssen oder hat es getan und will es halten. Viele Dinge prasseln auf einen ein. Der Film hat es in 14 Minuten geschafft das Leben eines pubertären Mädchens auf unnachahmlicher Art zu verpacken. Sara kommt ins Reine mit sich und ihrem Körper, als sie am Abend einen Teller für ihre Oma auf den Tisch stellt und alle Familienmitglieder etwas zum Essen hineinlegen. Ein beeindruckender Kurzfilm, der auch nach vielen schweren Filmen noch einmal ein kleiner philosophischer frischer Happen war.

Dann um 22 Uhr war Schluß im Wettbewerb. Einige blieben noch im Bistro. Ich war erstmal froh nach Hause fahren zu können. Ich hätte nicht gedacht, dass es doch sehr anstrengend sein kann zwölf Stunden im Kino zu verbringen, wo ich Kinos schon seit Kindheit liebe. Ich habe jeden Film genossen und kann das Filmfestival nur jedem empfehlen. Denn es war sichtlich anstrengend. Aber ich habe jeden Film genossen und würde es wiederholen. Und das Filmfestival war ja noch nicht zu ende. Der Höhepunkt kam am Tag 3 bei der Verleihung und den nachfolgendem Programm.

Tag 3

Um 15 Uhr begann die Preisverleihung und Abschlusszeremonie für den Studentenwettbewerb und für den Hauptwettbewerb. Die Filme waren nicht einfach auszuwählen gewesen, aber gut von beiden Jurys gut gewählt worden.

Gewinner des Studentenwettbewerb:

Bosnia Herzegovina Looks Around Festiva-Student Award

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Die Schüler und Schülerinnen vom Berufskolleg Bottrop

Von links: Phil Kupka, Marijana Aleksic, Dimitrios Lallos, Ahmad Amo, Max Beyer

haben folgende Auswahl getroffen:

SUTRA ĆEMO KUPITI RIBICE / WE’LL BUY THE FISH TOMORROW von Sara Ristić

Begründung der Jury:

Diese Auszeichnung geht an einen Film, der sich mit familiären Konflikten und der Suche nach Akzeptanz in einer schwierigen Lebenssituation auseinandersetzt. „We’ll Buy the Fish Tomorrow“ thematisiert die Auswirkungen von Vorurteilen und familiären Zerwürfnissen und zeigt, wie diese die Beziehung zweier Schwestern prägen. Besonders bewegend ist die Auflösung durch die Perspektive der älteren Schwester, die ihre Ausgrenzung und ihren Schmerz nachvollziehbar macht. Solche Geschichten sind wichtig, da sie Einblicke in die Herausforderungen marginalisierter Menschen geben. Die kreative Umsetzung der Geschichte hat uns insgesamt überzeugt. Für ihre Leistung möchten wir dem gesamten Team um die Regisseurin Sara Ristić herzlich gratulieren. Die „Besondere Erwähnung“ an: „We’ll Buy the Fish Tomorrow“!

THE STRANGER von Milorad Milatović

Begründung der Jury:

„The Stranger“ ist ein Film, der die kleinen, oft übersehenen Momente des Alltags einfängt und dabei das Mitgefühl und die Verbundenheit zwischen Menschen betont. Besonders beeindruckend wirkte der Film durch
die schauspielerische Professionalität und Überzeugungskraft der Darsteller, die jede Szene authentisch und emotional greifbar gemacht haben. Ein Taxifahrer, den wir durch seine Nachtschicht hindurch begleiten, begegnet den Problemen seiner Fahrgäste mit Verständnis und Fürsorge, wodurch der Film eine starke Botschaft der Menschlichkeit und Solidarität vermittelt. In einer Zeit, in der oft Anonymität und Gleichgültigkeit dominieren, erinnert dieser Film daran, wie wichtig es ist, einander zuzuhören und Unterstützung zu leisten. Diese Kombination aus schauspielerischer Qualität, emotionaler Tiefe, technischer Präzision und gelungene Regiearbeit macht „The Stranger“ für uns zum besten Film der diesjährigen Auswahl. Der Preis für den besten
studentischen Kurzfilm geht an den Regisseur Milorad Milatović und sein Team!

Gewinner des Hauptwettbewerb:

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THE MAN WHO COULD NO REMAIN SILENT von Nebojša Slijepčević

Begründung der Jury:

In nur 14 Minuten entfaltet der Film die universelle Kraft von Mut, Angst und vor allem Menschlichkeit. Mit subtiler Regie und kraftvoller Erzählkunst, unterstützt von beeindruckenden schauspielerischen Leistungen, wird dieses Werk zu einer bewegenden Hommage an TomQ Buzoy Regisseur Slijepčević hält uns aus der Perspektive eines zögernden Beobachters einen Spiegel vor und fordert uns auf, unsere eigene Verantwortung in Momenten der Ungerechtigkeit zu hinterfragen: Erheben wir unsere Stimme oder bleiben wir schweigende Zuschauer? Der Film hat uns tief berührt und uns den Mut gegeben, heute hier zu sprechen. Wir möchten unser Mitgefühl für alle Menschen ausdrücken, die momentan unter den Schrecken des Krieges leiden. Wir sehnen uns nach Frieden und hoffen darauf, dass Gerechtigkeit ihren Weg findet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

MIA SAN MIA von Sabahet Džafica

Begründung der Jury:

Von Anfang an waren wir uns einig: Dieser Film verdient eine Auszeichnung. Er hat uns alle tief berührt und hinterlässt einen bleibenden Eindruck, den wir nicht so schnell vergessen werden. Einstimmig waren wir der Meinung: Dieser Film muss gesehen werden. Mit diesem Preis möchten wir die Aufmerksamkeit auf ein Werk lenken, das so wertvoll wie schmerzhaft ist- und doch, trotz aller Schwere, Hoffnung schenkt. Die Entscheidung des Regisseurs, der Familie in ihrer intimsten und verletzlichsten Situation so nah und sensibel zu begegnen, dabei stets einfach und direkt zu bleiben und bewusst auf Effekte zu verzichten, verleiht dem Film eine ungekünstelte Ehrlichkeit. Es ist genau dieser authentische Ton, der das Werk so kraftvoll und zutiefst menschlich macht.

CHRONICITY von Aleta Rajić

Begründung der Jury:

In nur vier Minuten entfaltet sich in rasantem Tempo eine visuell beeindruckende Kettenreaktion aus einer scheinbaren Banalität hin zu nichts Geringerem als dem Ersten Weltkrieg. Mit meisterhaft inszenierten Übergängen zeigt der Film, wie alltägliche – und vor allem menschliche – Handlungen unaufhaltsam von einer zur nächsten führen. Der Regisseurin, die die Animationen sellbst geschaffen hat, gelingt es, mit ihren skizzenhaften Zeichnungen eine beeindruckende Fragilität und Unvorhersehbarkeit des Lebens darzustellen. Dieses Werk erinnert uns daran, wie zerbrechlich die Welt ist und wie unwillkürlich oft der Lauf der Dinge erschein

Anschließend gab es nach einer kleinen besonderen Rede von Samir Corkadi und seiner Liebe zu U2 und die Jugend der von Matt Damon und Ben Affleck produzierte Dokumentarfilm „Kiss the Future“.

Der Dokumentarfilm behandelte Sarajevo in Zeiten des dreijährigen Krieges und der Belagerung durch serbische Truppen, die wahllos Zivilisten umgebracht haben, die nur zum Einkaufen gingen. Permanent waren die Einwohner und Einwohnerinnen dem Krieg ausgesetzt. Aber sie haben es geschafft. Der Westen hat viel zu lange gewartet um zu helfen und ist bis heute die Meinung in Bosnien-Herzegowina. Das lange Warten bis zum Eingreifen hat viele überflüssige Tote gegeben. Auch heute wartet Europa wieder viel zu lange, statt zu unterstützen.

Während der ganzen Zeit der Belagerung hat Vesna Andree Zaimovic als Journalistin für die Welt draußen über Sarajevo berichtet und dabei auch ihren zukünftigen Mann Senad kennengelernt. Ihre Liebesgeschichte wurde in der Dokumentation verarbeitet und waren der rote Faden neben der Band U2. Sie hatten eine Welttournee zu der Zeit und entschieden ein Sprachrohr zu werden für die Bewohner von Sarajevo bis die Fernsehgesellschaft nicht mehr mitspielen wollte. Bono gab aber auch nicht auf. Jedes Konzert war emotional für die Band die Menschen zu sehen, wie sie dort dem Terror ausgesetzt sind und so entschieden sie nach dem Ende des Krieges in Sarajevo im Stadion zu spielen. Sie versprachen, dass wenn der Krieg zu Ende ist, nach Sarajevo zu kommen, um im Stadion aufzutreten. Für die Menschen aus Sarajevo war die Band in dem Moment der Phönix, der aus der Asche aufsteigen lässt. Bono und seine Band U2 waren der Neuanfang, der von den Bürger und Bürgerinnen in ganz Bosnien-Herzegowina gefeiert haben. Ein Neuanfang in Frieden war möglich. Das Paar Zaimovic heiratete noch während der Belagerung. Die Hochzeit hätte auch blutig enden können. Über die Situation und ihre Zeit, auch während der Filmaufnahmen sprechen sie nach der Aufführung auf der Bühne mit Aida Demirovic-Krebs.

Die damalige Journalistin in Sarajevo und heutige Botschafterin von Bosnien-Herzegowina Vesna Andree Zaimovic mit ihrem Mann Senad, sowie auch den Botschafter von Bosnien-Herzegowina in Berlin Dr. Damir Arnaut erklärten auch ihre Gedanken über die Gegenwart und Zukunft des Landes.

Auf der Bühne war auch Professor Dr. Markus Koller für Osmanische Geschichte und Türkei an der Ruhr-Universität in Bochum. Er erklärte, dass vieles aus der Vergangenheit wichtig ist zu wissen, um solche Situationen, wie der Krieg in den 1990ern nicht neu entstehen zu lassen. Es war ein interessanter Austausch, der im Bistro weitergeführt wurde.

Alle auf der Bühne beteiligten Gäste und Moderatoren vereint auf einem Foto

Zum Video der Gesprächsrunde:

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Zum Film “Kiss the Future”:

Trailer: Kiss the Future | Official Trailer (2024)

Zum Film : Prime Video: Kiss The Future

Auf der Berlinale 2023: „Kiss the Future“ | Press Conference Highlights | Berlinale 2023

Nach der Preisverleihung und vor dem Film konnten die Schüler und Schülerinnen des Mediengestalter-Kurs des Berufskolleg mit Jan Lachnicht noch einige Interviews führen, die ich als Making Of mit in meine Aufnahmen reingepackt habe. Irgendwann sind sie auch auf dem Youtube-Kanal des Berufskolleg zu sehen. Und vielleicht macht eine andere Schule im Ruhrgebiet das in der Form auch nach. Ich finde es innovativ und spannend für die Jugendlichen sich in einer solchen Form engagieren zu können.

Ich war am Abend genauso durch wie Samir Corkadi, aber ich hab ihn noch um ein paar Worte gebeten. Nach dem Filmfestival ist vor dem nächsten Filmfestival. Die Fühler werden schon ausgestreckt. Ich werde ihn auf jeden Fall im Frühjahr nochmal für einen Podcast krallen, um über die Nachwehen des letzten und Vorwehen des nächsten Bosnien-Herzegowina Looks Around Filmfestival zu sprechen. Ich kann nur hoffen, dass nächstes Mal auch hohe Persönlichkeiten aus der Deutschen Politik sich zeigen und mehr Filmpublikum anwesend sein werden. Das hätte ich gern schon bei den Botschaftern von Bosnien-Herzegowina gehabt.

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FAZIT

Alles im Allem war ich überrascht über die Filme. Ich habe die bosnische Herzlichkeit aller Anwesenden gespürt. Selfies machen, war überhaupt kein Problem. Keine Eitelkeiten, keine Prominenteneitelkeit. Jeder war nahbar, auch die Botschafter. Es war ein besonderes Fest mit tollen Filmen, das ich nächstes Jahr mir mit Sicherheit wieder ansehen werde, nach dem ich es erst dieses Jahr erfahren habe, dass es das im Ruhrgebiet gibt. Ich empfehle jeden Filmliebhaber einfach mal vorbei zu schauen. Kritisch habe ich jedoch die Technik gesehen. Denn am ersten, wie am zweiten Tag gab es mehrere Male technischen Ausfall, auch funktionierten leider nicht die Untertitelfunktionen bei MIA SAN MIA. Aber ich habe schon mitbekommen, dass es neue Geräte geben wird. Das Filmforum wird saniert und den modernen Gegebenheiten angepaßt. Na für das einzige Kino der Stadt sollte es doch wohl möglich sein da mal ein paar Kröten übrig zu haben. Allein aus „innovativen“ Gründen für die Innovation City sollte es trotz Schuldenberge doch möglich sein. Und das tut es. Vom Leiter der VHS habe ich erfahren, dass es besser wird. Insgesamt sollte da noch die Mikrofontechnik verbessert werden und ansonsten bin ich zufrieden gewesen. Also es lohnt sich nächstes Jahr mit mir in die Kinosessel zu pupsen und sich an die neuen Filme aus Bosnien-Herzegowina und Umgebung zu erfreuen!

Ich bin ein Kinogänger, ein Filmnarr, schon als Kind war ich auf einer Fußbank von meinem Vater in der Bottroper Schauburg hochgestellt worden, damit ich Godzilla auf der großen Leinwand von der Sicht der Kamera aus sehen konnte. Ich bin kein Regisseur, Filmschauspieler, Drehbuchautor oder Kameramann geworden. Die Filmindustrie ist ein weites, auch schwieriges Feld. Kleine Länder haben es nicht einfach. Aber mit Kunst und Kultur kann ein Land sich darstellen, sich zeigen in der Welt, was die Bevölkerung fühlt, denkt, welche Dinge sie ausmachen, was sie bewegt. Wir selbst drehen uns in Deutschland hauptsächlich nur noch im Kreis von Tatort, Wasserschutzpolizei, Arztfilme, Big Brother und Soko, die 5000. Folge von Gute Zeiten, Schlechte Zeiten. Aber es gibt so viele andere wichtige Dinge, die gezeigt werden können. Die Filme des Festivals haben es vorgemacht. Und sie sollten definitiv irgendwo ausgestrahlt werden, einem Publikum näher gebracht werden, nicht nur die Siegerfilme.

Und als letztes Fazit muss ich noch das Publikum ansprechen, dass trotz der vielen Werbung eher fern blieb. Nochmal: Es sind tolle Filme dabei. Man muss bei freiem Eintritt nicht den ganzen Tag sein, aber sich an einigen Filmen erfreuen und nachher mit Freunden und Bekannten drüber diskutieren, lohnt sich. Achja: Bitte noch ein paar hohe Politiker und Politikerinnen auf die Bühne aus Deutschland, dann bin ich zufrieden.

Wer den Videopodcast von mir über das Filmfestival sehen oder den Podcast hören möchte:

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Ich würde mich freuen, wenn wir uns beim 8. Bosnien-Herzegowina – Filmfestival wieder sehen werden! Ich bin schon jetzt gespannt, was sich die Regisseure, Drehbuchautoren einfallen lassen und welche Filme Samir Corkadi auswählen wird.

Unterschätzt wird wahrscheinlich auch der Pool der Sponsoren & Kooperationspartner. Natürlich ist der Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V. an erster Stelle und die Stadt Bottrop mit Oberbürgermeister Bernd Tischler als Schirmherr, sowie das Kulturamt der Stadt Bottrop, aber auch Firmen und weitere Institutionen und Vereine, wie AMANET – Deutsch-Bosnische Initiative NRW e.V., BingoSystems, die bosnische Bäckerei Alisa, Dorstener Str. 550 in Oberhausen, sowie Edeka Abaza, das Theater Oberhausen, natürlich das Berufskolleg der Stadt Bottrop und der Regionalverband Ruhr mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft, nicht zu vergessen ist das Filmforum der VHS Bottrop und die finanzielle Spritze von der Stadtsparkasse Bottrop. Und auch die katholische Kirche mit dem Bistum Münster unterstützt das Filmfestival. Als Unternehmer werde ich das nächste Mal mit auf der Liste der Sponsoren sein.

Weitere Infos direkt auf der Seite des Vereins Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V.

www.aktion-bosnien.eu

und dem Bosnien-Herzegowina Looksaround Filmfestival:

www.bih-looksaround-festival.eu/Festivals/bihlaff-2024

Ich muss aber noch herzlich die Inhaberin Melanie Kurz-Meusel und ihr Personal vom Bistro im Filmforum Bottrop erwähnen. Immer lächelnd, immer nett, immer ein offenes Ohr, kompetent und sofort waren die Leckereien auf dem Tisch von Nüssen bis zum Flammkuchen, Pizza oder die hauseigene vegane Chilli Con Carne. Alles war lecker auch die Gemischte Tüte! Alle haben sich wohlgefühlt und mochten das große Jausenbrett, denn die Inhaberin ist gebürtige Österreicherin und bringt einen Alpenhauch in die Haldenberge des Ruhrgebiets. Ich fühlte mich dort sehr wohl. Da kann man auch mal hin ohne das ein Kinofilm läuft: „Kurz vorm Kino“

Öffnungszeiten:

Donnerstags bis Samstags von 18:00 Uhr bis mindestens 23:00 Uhr

Bei Reservierungen, Fragen oder Anregungen erreicht ihr uns unter:

Blumenstraße 12-14

46236 Bottrop

Tel: +49 151 684 648 31
info@kurzvormkino.de

www.kurzvormkino.de

Melanie Kurz-Meusel und ihr Jausenbrett
Sie haben den dritten Abend gemeinsam gerockt! Danke!

P.S.:

Ich entschuldige die Schreibeweise der bosnischen Namen ohne Haken, Dachzeichen etc, Ich wollte einen flüssigen Text auch für die Google-Suche machen in Deutschland. Die richtige Schreibweise ist auf der Internetseite des Filmfestivals zu sehen.
Die Filmposter sind ebenfalls zur bildlichen Untermalung des Blogbeitrags und der jeweiligen Filme mit freundlicher Genehmigung von Samir Corkadi übernommen worden von der Internetseite des Filmfestivals.

FOTOS von den drei besonderen Tagen:

Zwischen der Botschafterin von Bosnien-Herzegowina aus Spanien Vesna Andree Zaimovic (rechts) & ihrem Ehemann Senad
Mit Botschafter von Bosnien-Herzegowina aus Berlin Dr. Damir Arnaut
Mit Bojana Vidosavljevic & Moderatorin Jasmina Music (rechts)
mit Borislav Banjac und Sabehet Dzafica (rechts, Regisseur von Mia San Mia)
Künstlerischer Leiter Samir Corkadi und seine Lieblingsband U2
Anregende Diskussionen im Kinosaal vom Filmforum
Die Schüler vom Berufskolleg machen noch Interviews. Hier mit Regisseur von Mia San Mia Sabahet Dzafica
Die Deutsche Welle interviewt den künstlerischen Leiter Samir Corkadi
Flaschengefühle im Kinosaal, beim Zuschauen des Interviews mit den Schülern vom Berufskolleg. Jan Lachnicht warf einen fragenden Blick zur Flasche, die alles in sich aufsaugte aus der ich anschließend trank

Commodity I Ruhrpottologe eingepackt I Doku über die „Performance-Mitmach-Kunst“ von Roman Jäkel I +Video I +Fotos

Der Ruhrpottologe lässt sich einwickeln von Roman Jäkel war die Idee zum Film, aber die Idee zur Kunst war zuerst da. 

Wie fühlt man sich unter der Plastikfolie? Kann ich die Zeit überstehen darin? Wie verhalte ich mich in der Extremsituation? Was macht mein Gehirn mit mir? Meditiere ich oder schwirren die Gedanken? Kunst in seiner Erlebnisform zum Mitmachen! Ich war dabei und es gefiel mir:

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Commodity englisch für „Ware“ – doch hier ist es eine einmalige Aktionskunst von Roman Jäkel.

Mich mal einpacken zu lassen, wie eine Leberwurst und mich dann wieder herauszuwinden, dass war schon eine Kunst, aber nicht von mir, sondern von Roman Jäkel. Er hat eine ganz besondere Aktionskunst entwickelt, die ich gern unterstützt habe und darüber berichten kann, wie es sich so unter der Plastikfolie anfühlt und wie es ist eine Stunde lang da rumzustehen. Denn es ist ein einmaliges herausforderndes Erlebnis. Das ist Kunst zum Anfassen, selbst erfühlen und seine eigenen Grenzen zu erkennen, was Außenstehende nicht sehen.

Kai Griebel wird instruiert von Roman Jäkel (c) André Brune

Außenstehende sehen verpackte menschliche Gegenstände, die an eine Heizung angelehnt sitzen, quer über den Boden liegen oder als Pärchen verschlungen mit Folie stehen oder zusammen mit einem Barhocker verbunden sind. Sie fassen die Menschen an, fragen, ob es einen gut geht. Selbst antwortet man nicht. Man ist hoch konzentriert oder geistig schon weggetreten irgendwo gefühlt im Nirvana, ordnet Gedanken, schmeißt sie auseinander, konzentriert sich nicht zu fallen, spannt die Pobacken an, die Waden und den Kopf. Mir zumindest ist es genau so gegangen. Ich hab mich voller Vorfreude einpacken lassen und am Ende der einen Stunde, die wie im Flug verging, war ich doch froh wieder richtig atmen, laufen und sich strecken zu können. Es war ein Kampf mit sich selbst. Es war wie Meditation, aber eigentlich doch nicht.

Roman Jäkel erklärt Jule Nuy, was sie wie machen soll beim Auspacken – Foto (c) André Brune

Ich hab alles versucht, um nicht abzudriften, nicht einzuschlafen. Ich habe Traumwelten erschaffen, weggewischt, nachgedacht, wie lange es noch geht. Dran gedacht mal die Pobacken und Waden leicht zu strecken, um den Kreislauf in Bewegung zu halten, mal die Muskeln im Arm anzuspannen, um nicht zu ermüden, obwohl sie angelehnt waren. Es war geistig irgendwann nicht mehr machbar Gedanken zu ordnen. Alles schwirrte. Die Informationen der letzten Wochen ratterten durch das Gehirn. Soll ich sie sortieren?

Die Sicht war eingegrenzt, der Blick durch die Folie war rot. Gehört habe ich die vielen Gäste der Wochenendschau zur Kunst der Kunsthochschule von Wuppertal am letzten Septemberwochenende 2024. Manche blieben stehen. Betrachteten sie mich. Manchmal musste ich grinsen, doch ich wollte doch steif bleiben.

Eingepackt als Kunstwerk (Screenshot aus dem Video (C) André Brune)

Alle 20 Minuten fragte Roman, ob es noch geht. Er sorgt sich um jeden von uns, hilft sofort, wenn Anzeichen sind. Doch alle sechs Teilnehmer haben es durchgehalten und windeten sich je nach Ansage nach und nach aus der Folienpelle.

Wir bekamen alle eine Uhr, die eigentlich nach gewissen Minuten losgehen sollten. Bei mir versagte sie jedoch. Irgendwann bekam ich von der Teilnehmerin Julia Nuy eine „Ohrfeige“ um die Folie, die über meinen Kopf schwebte. Sollte ich mich auspacken? Gehörte das zur Aktion? Ich war mir nicht sicher, weil ich da schon so lange stand. Als dann das Pärchen vor mir anfing sich auszupacken, wußte ich, dass ich eigentlich vorher dran war, oder war ich nach ihnen dran? Ich wußte es nicht mehr. Eine Stunde mit vielen Gedanken im Kopf und ich konnte die Situation nicht mehr unterscheiden. Ich packte mich dann auch langsam aus. Windete die Hand durch den Bauch, ließ es wie ein herauskommendes Alien ausbrechen, zog langsam erst die Beine aus und zuletzt das Gesicht, was die meisten zuerst machten, um wieder frei zu atmen. Ich wollte es so perfekt machen, wie möglich. Ich wußte noch, dass ich langsam quer durch den Raum gehen sollte mit einem wütenden Ausblick. Das habe ich noch geschafft. Und war dann froh wieder befreit zu sein, losgelöst wieder in die Welt geschickt. So also fühlt sich eine verpackte Ware an, wenn wir als lebendiges Wesen verpackt werden. Es ist ein einmaliges Erlebnis. Und so manche Teilnehmer und Teilnehmerin haben es schon einige Male gemacht, mal in Gips, mal in Folie eingewickelt zu werden.

Der Rest vom Kunstfest meiner Folie (c) André Brune

Es ist jedes Mal eine gewisse Herausforderung für die Teilnehmer, aber auch für den Künstler Roman Jäkel, der die Idee zu dieser Aktionskunst hat:

„Mich beschäftigt in meinen Arbeiten die Position des Menschen. Es werden Aspekte der Existenz, Beziehungen und menschlicher Schmerz dargestellt. Meine Werke werden meist in einem darstellerischen Prozess behandelt. Jedes Werk ist eine Szene, welche den Betrachter:innen als Fotografie, Installation, oder Performance erreichen. Mein Ziel ist es Geschichten zu erzählen, Verbindung zu schaffen und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen,“ sagt Roman Jäkel zu seiner Kunst, die begeistert.

Dirk Hermann, Kai Griebel, Brigitte Münch, André Brune, Roman Jäkel, Katrin Pohl, Julia Nuy (von links (c) André Brune – Danke für das Fotografieren: Ralf Opiol

Eine erstaunliche Idee Menschen als „Ware“ (Commodity) einzupacken, die sich wieder selber wieder auspacken, kam dem jungen aufstrebenden Künstler Roman Jäkel. Schon bei der „Nacht der 1000 Bilder“ in Bottrop zeigte er vor begeisternden Publikum die eindrucksvolle „Auspackaktion“ künstlerisch von Raffaela Naruhn performt.

Raffaela Naruhn verpackt bei der Nacht der 1000 Bilder

 

Kunst ist nicht nur Bilder malen oder Fotografieren, sondern auch mit Elementen spielen und daraus erlebbare Kunst zu erschaffen. Er suchte nach Personen, die es diesmal in Wuppertal für ein Kunstprojekt mitmachen möchten und fragte im Netzwerk vom Künstler Kollektiv Bottrop nach Interessenten.

Ich sagte sofort zu, neben Dirk Hermann und Brigitte Münch aus dem Kollektiv, die ebenfalls das mal durchmachen wollten. Ich wollte es selbst erleben und hab spontan das ganze gefilmt, was ursprünglich gar nicht meine Absicht war. Mit einem herzlichen Dank an Dirk Hermann und Ralf Opiol, die jeweils mitgefilmt haben, konnte ich eine umfassende Filmsequenz der Pack- und Auspackaktion vor meinen Interviews mit allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen, sowie Roman Jäkel schaffen.

Ausgepackte (c) André Brune

 

Darin erzählen @julenuy, @katysta.p, Kai Griebel, @muenchs.brigitte, @dirk._.hermann, sowie @roman_jaeckel und ich selbst kurz nach der ganzen Aktion ihre Gefühlswelt und Erlebnisse.

Da war ich drin (c) André Brune

Denn das ist das wichtige bei dieser Art der Kunst von Roman Jäkel: Eine Stunde eng, wie eine Ware, wie z.B. in einer Leberwurst in Folie eingepackt zu sein, ob stehend, liegend, sitzend und dann sich so auspacken, wie er es gern hätte: Langsam, schauspielerisch, emotional, schnell oder sich windend.

Wie ein Alien ausgepackt wird (c) André Brune

Das war ein unglaubliches inneres, wie auch äußerlich ansehnliches Erlebnis, das ich persönlich tatsächlich nochmal wiederholen würde. Ich bin bereit und kann nur empfehlen sich die Dokumentation mal anzuschauen. Auch Menschen, die sich nicht für Kunst unbedingt interessieren, können über diese Form einen neuen Blickwinkel dazu bekommen und neugierig auf mehr von Roman Jäkel werden, der unermüdlich Aktionskunst als für ihn wichtigsten Formen weiterbetreiben wird.

Mehr über Roman Jäkel:

https://www.romanjaekel.com

Instagram: @roman_jaeckel

Blick in die „Kunsthalle“ mit noch liegender roter Restfolie von Dirk, Brigitte und mir (c) André Brune

P.S.: Ich entschuldige mich bei Roman Jäkel (!), da ich versehentlich und unbewußt den Namen ursprünglich mit „ck“ geschrieben habe. Mein Nachbar hat den gleichen Namen mit „ck“. Den habe ich wohl die ganze Zeit im Kopf gehabt…Im Video und im Link ist er nicht mehr wegzumachen, aber im Text und in der Überschrift ist er richtig gestellt worden. Vielen Dank für das Verständnis!

„Stell Dich vor“ – Ich stelle mich vor mit „Flaschengefühle“ und 49 weiteren Kollektiv – Künstlern in einer Ausstellung im Kulturzentrum Bottrop ab 16.11.24

Schon erstaunlich, wie sich eine kleine Idee zu etwas ganz besonderem Großen entwickelt hat. Ich darf einen kleinen Teil dazu beitragen mit einem meiner ruhrgebietsbezogenen Flaschen-Fotos, die einen Bezug zur Vermüllung der Städte hat.

49 weitere Künstler und Künstlerinnen aus Bottrop und Umgebung stellen sich und ihre Kunst vor auf einem einheitlich gestalteten Passepartout von Fotografie, Malerei bis zur Bildhauerei.

Stell Dich vor ist auch eindeutig zweideutig von Ralf Opiol angedacht worden bei der Findung des Namens: Einerseits stellen sich die Künstler vor, andererseits stehen die Betrachter davor, um es sich anzusehen.

Im August Everding Kulturzentrum in Bottrop wurde nun die Möglichkeit gegeben, dass sich in den Räumlichkeiten der dort beheimateten Volkshochschule das Künstler Kollektiv Bottrop vorstellen kann.

Mittlerweile sind es insgesamt 75 Künstler und Künstlerinnen, die aus der Kreativität zwischen, Malen, Fotografieren, Filmen und Musik ins Künstler Kollektiv Bottrop zusammen gekommen sind. Es besteht kein Zwang zu einem Verein, es gibt keine Vorgaben. Ideen werden relativ schnell und wohlwollend ohne zu Hinterfragen umgesetzt. So etwas ist nachahmenswert und gilt zu unterstützen.

Jede und Jeder kann zeigen, was sie antreibt die Kunst so zu machen ohne Kritik und Vorurteile. Es gibt keine Jury, die erst kritisch beurteilt und abwägt, was in die Gruppe darf und was nicht.

Einhergehend ist auch eine Vernetzung. So kann sich auch eine überregionale Ausstellung schnell durch den WhatsApp Chat finden oder ein Ausflug organisiert werden zu einem Museum.

In der „Nacht der 1000 Bilder“ haben sich schon 850 Besucher sich nicht nur an der Vielfalt satt sehen können, sondern auch das ein oder andere gekauft.

Kunst zu machen und nicht Bottrop anzugehören heißt trotzdem im Künstler Kollektiv Bottrop zu sein. In dem Ort ist er initialisiert worden und heißt deswegen auch so. Ich bin gebürtiger Bottroper, wohne in Bochum. Wir haben aber auch Künstler und Künstlerinnen aus Dorsten, Essen, Mülheim, Gladbeck und Oberhausen.

Die nun zweite Ausstellung des Kollektivs wird durch die Bottroper Bürgermeisterin Monika Budke und dem Leiter Holger Gruner nach einer kleinen Rede eröffnet am 16.11.24 ab 17 Uhr

Die Vernissage ist nicht das Ende. Wann die Bilder wieder angehängt werden ist noch unklar. Sie können in der Böckenhoffstraße 30 in der VHS von Montags bis Freitags von 9-12.30 Uhr und Montags, Dienstags und Donnerstags zusätzlich von 14-16 Uhr gesehen werden.

Also kommt vorbei! Denn auch Du kannst nicht nur uns kennenlernen, sondern auch mitmachen!

Schreibe einfach an die Initiatoren:

Nolin Wischermann und Ralf Opiol :

moin@nolin.wischermann.art

Du mußt nur bereit sein, dich in der WhatsApp Gruppe auch zu beteiligen. Dort finden alle Informationen neben dem Instagramaccount statt :

https://www.instagram.com/kuenstler.kollektiv.bottrop/

Anfahrt :

https://maps.app.goo.gl/MYCSF2ysMfUvPTtL9

SZENIALE 2024 – Kunst, Musik, Literatur und Kultur ohne Ende in Gelsenkirchen-Ückendorf I +Video I +Fotos

Gelsenkirchen – Ückendorf steht bei der SZENIALE Kopf. Die erste Festival der freien Künste startete 2019. 2022 war ich das erste Mal dabei. Dieses Jahr am 24. August 2024 stand die Kultur-Veranstaltung unter dem Motto „findet stadt!“ Ich habe einen kleinen Marathon durch die Standorte gemacht und viele tolle Künstler und Künstlerinnen kennengelernt, z.T. interviewen können und deren Kunst, Musik und Literatur aufgesaugt und filmisch versucht darzustellen:

Teaser:

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Ückendorf wandelt sich seit einigen Jahren im immerwährenden Strukturwandel von Gelsenkirchen. Ückendorf ist nicht nur Multikulti durch viele Gastarbeiterfamilien geworden, die sich hier angesiedelt haben über die Jahrzehnte, sondern hatte auch jahrzehntelang ein schlechtes Image in der Presse. Aber niemand nimmt Notiz über die Schönheiten, die sich hier befinden, angefangen von der Architektur bis hin zu den Radwegen, die hier den Stadtteil kreuzen und natürlich den Wissenschaftspark. Das ist aber noch nicht alles, denn dieses Jahr 2024 gab es wieder das SZENIALE Fest, das so gesehen 24 Stunden lang Menschen auch von außerhalb nach Ückendorf bewegen für die zahlreichen Kunst- und Kulturveranstaltungen von Bilder, Fotos, Installationen, Poetry Slam, Musik auch in der Kulturkirche, Ausstellungen innerhalb des Justizpalastes, Theater und Lesungen innerhalb der Hinterhöfe, den Leerständen und kleinen Galerien, die mittlerweile Ückendorf verändert haben zu mehr als nur Multikulti von Menschen, sondern auch von einem bunten Mix aus Veranstaltungen über die Szeniale hinaus.

Blick auf das sich verändernde Ückendorf auf der Bochumer Straße in Gelsenkirchen

Hier entsteht eine neue Kunst- und Kulturszene innerhalb des Ruhrgebiets und lädt ein Ückendorf zu entdecken. Es gab auch eine Stadtteilführung, die ich leider nicht geschafft hatte. Innerhalb von  24 Stunden explodiert die freie Szene für die freie Szene aus allen Bereichen, dass konnte ich mal wieder im Schnelldurchgang sehen und hören und staunen, denn will ja soviel wie möglich mitnehmen.

Thema Leerstand in Ückendorf ist leider immer noch

Das Programm zwischen Musik, Theater, Poetry, Lesungen und Kunstausstellungen war einmalig vielfältig an verschiedenen Stellen auf der Bochumer Straße, sowie in der alten Brotfabrik auf der Ückendorfer Straße.

Thema Leerstand

Ausstellungen sind in alten ursprünglich leerstehenden Ladenlokalen zu sehen gewesen. Unter anderem war das Thema Leerstand und sein zusammenhängender Wandel einer Stadt im alten Supermarkt Kauver, der schon seit dem Umzug an eine andere Stelle, leer steht.

Leerstand hat viele Gründe. Es ist in der Neuzeit eben nicht nur der industrielle Wandel innerhalb einer Stadt. Die Abwanderung in andere Gegenden, wo es wieder Arbeit gibt, ist nicht der einzige Grund für Leerstand in Deutschland. Es ist nicht nur der demografische Wandel, sondern auch die Schuld der Politik, die auf der Grünen Wiese große Einkaufszentren, sowie Leerstand steuerrechtlich als Abschreibungsobjekte zulässt, aber auch gleichzeitig der schnell gestiegene Internethandel, auch die hohen Ladenmieten und Nebenkosten. Langjährige Geschäftsbetreiber finden keine Nachfolger. Die Covid-Pandemie hat das I-Tüpfelchen gegeben. Jedoch finden sich immer wieder Menschen, die sich dagegen auflehnen, die Ideen sammeln und versuchen Innenstädte oder Stadtteile, wie Ückendorf eben neu zu erfinden, um Publikum anzuziehen. Die SZENIALE ist für mich ein Projekt zu zeigen, dass es geht.

In Ückendorf wurde auch ein modernes Justizzentrum errichtet, dass wie ein Tor in den Stadtteil  wirkt. Im „Innenhof“ konnte bei der SZENIALE auf jeder Etage Kunst bestaunt werden, u.a. auch von der Kunstschule Gelsenkirchen. Dort waren beeindruckende Bilder von Künstlern, die sich mit aktuellen Themen von Vermüllung und Klimawandel beschäftigt haben.

Ich war, wie vor zwei Jahren begeistert. Ich hoffe, dass die SZENIALE weiterhin trotz klammer Kassen bestand haben wird und in zwei Jahren wieder Publikum nach Ückendorf bringt. Der Wandel ist unübersehbar. Die ehemalige Heilig-Kreuz-Kirche ist heute die weit sichtbare Kulturkirche von Gelsenkirchen und ein Anziehungspunkt geworden für Konzerte. Auch Comedians und Kabarettisten geben sich hier die Klinke in die Hand. Die Akustik und Atmosphäre unter der Kirchenhalle ist mit der Lupe zu suchen. Am Tag der SZENIALE haben verschiedene Musikkünstler ihre Werke dem Publikum vorgestellt. Virtuos habe ich die Gitarrensaiten zupfen sehen.

Die 1929 erbaute Kirchen-Marke, nur nicht mehr für eine Figur namens Gott ein Denkmal der Stadt, sondern für die Menschen, die in Ückendorf leben, egal welcher Religion sie angehören. Die Architektur von Josef Franke mit Elementen des Expressionismus und Formen der Neuen Sachlichkeit ist ein Meilenstein der damaligen Zeit gewesen. Sie war ein Schmuckstück neuartiger Kirchenarchitektur Ende der 1920er Jahre. Die Kirche musste groß werden, weil bis zum Anfang 1920 viele Menschen nach Ückendorf für Arbeit gezogen sind. Die Menschen sollten in der katholischen Gemeinde ihre Gebete nicht aus den aus allen Nähten platzenden St. Josef gen Himmel schicken, sondern in der neuen großen ehrwürdigen Halle der Heilig Kreuz mit ihrer mathematischen Parabelform. Großes Kirchenkino erleben die Besucher und Besucherinnen, die einen Fuß in die ehemaligen heiligen Hallen setzen.

Heute ist das Gebet des Lebens auf der Straße wichtiger. Die Stadt Gelsenkirchen hat an vielen „Fronten“ mit sich zu kämpfen. Mit der SZENIALE hat sie auf jeden Fall den Süden der Stadt im Strukturwandel eine besondere Möglichkeit gegeben sich zu präsentieren mit ihren Menschen. Die Bochumer Straße und die Nebenstraßen mit reichhaltiger Geschichte aus der Zeit der Industrialisierung des Dorfes erfindet sich gerade neu und ist sehenswerter denn je geworden.

Ich bleibe am Ball mehr aus Ückendorf zu berichten, nicht nur mit einem afrikanischen Cocktail von Djammeh und einer Döner in der Hand, sondern auch mit einem besonderen Blick aus meiner orangen Brille für die Schönheit und Menschen dieses Stadtteils, die Gelsenkirchen neu gerade neu erfinden.

Die SZENIALE hat über das Jahr hinaus immer wieder verschiedene Veranstaltungen. In der neu entstandenen Buchhandlung, die sich einen Monat lang einem bestimmten Thema widmet mit Büchern aus allen Bereichen „readymade“ finden Lesungen statt, sowie auch im „Hier ist nicht da“.

Die Gelsenkirchener und Gelsenkirchenerinnen bäumen sich auf. Wollen zeigen, was sie können. Sie tun viel. Es geht nicht um ein schlechtes Image aufzuwerten, sondern es geht darum zu zeigen, was sie können. Sie können! Das beweist die SZENIALE ! Alle Akteurinnen und Akteure bekommen durch die SZENIALE auch über die Stadtgrenzen hinaus ihre Aufmerksamkeit.

Eindrücke und die Künstler*Innen auf meinem Weg durch Ückendorf

Als erstes ging ich in einen Hinterhof kurz vor dem ehemaligen Lebensmittelgeschäft Kauver, wo ich Motorräder fand, die ich so in der Form noch nirgends gesehen habe.

Danach ging es ins ehemalige Lebensmittelgeschäft Kauver. Vor zwei Jahren war das eher eine musikalische Bühne. Dieses Jahr haben sich die einige Künstler und Künstlerinnen etwas mit dem Leerstand ausgedacht. Deswegen wurde er auch nicht groß ausgefüllt. Mit dem Raum wurde gespielt.

Katharina Rensing, David Michalke und Beat Sandkühler haben hier im Raum einige Installationen gemacht, die nicht nur Sehenswert, sondern vor allem Hörenswert waren. Aus drei Trichtern, die auf je auf einer Dose montiert waren , zwischen zwei Sitzmöglichkeiten an drei verschiedenen Raumpunkten, konnte man Einwohner hören, die über die Stadt und Leerstand gesprochen haben. Sie erzählten über ihre Erfahrungen und auch ihre Meinung zur jetzigen Situation, hatten auch Vorschläge zur Verbesserung. An der gekachelten Wand hinten waren Schaufensterpupen in roten Overalls. Sie schienen Arbeiter oder Arbeiterinnen im leeren Ort darzustellen, die hier früher Fleisch oder Brot entweder verarbeitet oder verkauft hatten. Die Signalfarbe rot wirkt hier wie ein ACHTUNG entweder auf das, was mal war oder auf das, was daraus werden könnte. Früher war hier Leben drin, ein Kommen und Gehen. Doch heute ist hier vor und nach der Szeniale gähnende Leere, wenn dieser Raum nicht zwischendurch für Veranstaltungen genutzt werden würde. Und er ist Sinnbild für die vielen Leerstände in unseren Städten in Deutschland, die ich in Polen zum Beispiel kaum sehe.

Rechts an der Wand sind Sprüche und Zitate zum Thema „Leerstand“ in Bilderrahmen zu lesen. Links lief ein Film, in dem in den roten Overalls eine Performance gestaltet wurde.

Rote Tücher grenzen einen Teil des großen Leerstands ein. An einer Säule steht ein Hinweis über ein Dorf in Südamerika. In jedem Teil der Welt gibt es Wandel, Leerstand, Überlegungen und Ideen, wie vor Ort damit umgegangen werden kann und muss.

Einen kurzen Blick warf ich in den Raum von GeOrgel. In den Schubladen sind beim Öffnen Geschichten von der Ückendorfer Straße zu lesen und hören. Das GeOrgel ist auch nach der Szeniale ein Begegnungs-, Veranstaltungs- und Museumsraum im Stadtteil Ückendorf:

Link: Studio GeOrgel – Sammeln, Basteln, Spielerisch Entdecken

Im „Hier ist nicht da“ fand eine Kindertheaterveranstaltung statt, der ich kurz bewohnte. Auf moderne Art und Weise von zwei Clowns vom Theater Kreuz & Quer wurde frei das Märchen Dornröschen erzählt mit  Heckenschere und Dornenkrone. Den Kindern ab 4 Jahren hat es sehr gefallen!

Links: Theater Kreuz und Quer & Hier Ist Nicht Da – Zentrum für Konzerte | Kunst | Club- | Sub- | Soziokultur

In einer der nächsten Hinterhöfe hörte ich eine Wahnsinnsstimme mit einer Geigenmusik. Sophia Stürmer singt und erzählt humorvoll als One Woman Band peinliche Geschichten über ihre Größe von knapp zwei Metern, die sie erlebt. Sie filtert ihre Erlebnisse in witzige und durchaus nachdenkliche Texte auf die Bühne. Ich wäre gern länger geblieben und hätte mich auch gern mit ihr unterhalten, aber ich musste weiter. Wer weiß, vielleicht ergibt sich da mal eine Möglichkeit.

Link: Sophia Stürmer

Im Hinterhof war der Eingang zu einem Ausstellungsraum. Im Eingangsbereich hingen Fotos von Marion Falkowski. Sie hat Zäune in der Stadt fotografiert. Zäune, die um Häuser und Gärten, mal zugedeckt oder mit Werbung beflaggt sind, mal aus Holz, mal aus Gitterstahl. Die Fotos wirken steril und zeigen, wie abgeschirmt viele Leben möchten, sich nicht in die Karten gucken lassen oder für sich bleiben wollen.

Link: www.marion-falkowski.de

Charlotte Payet konnte ich als erste interviewen. Ihre Leidenschaft aus Plastikflaschen Kunststofffäden zu erstellen, um damit eine Leinwand zu flechten, hat mich umgehauen. Sie hat mit verschiedenen Werkzeugen daran gefeilt, Plastikflaschen zu Fäden zu binden, um sie entsprechend auf eine Leinwand zu bringen. Ihre Art von „Flaschengefühle“ zu interpretieren hat mich sehr interessiert. Ihrer sympathischen Art ihre Kunst zu erklären, konnte ich mich nicht entziehen, sondern habe sie eingeladen bei Gelegenheit doch zusammen eine entsprechende Aktion und Ausstellung zu gestalten. Mal sehen, was daraus noch entstehen kann. 

Link: Selbstständige Künstlerin | Charlotte Payet – Visual Artist | Kiel

Im anderen Teil des Ausstellungsraums waren Bilder, die aus der Sicht eines Mikroskops oder Radiologischen Aufnahme das menschliche Blutbild oder Skelett, sowie einen Diabetischen Fuß aufgemalt wurde. Die Betrachter waren, genauso wie ich, fasziniert von der rosaroten Farbe, die uns Krankheitsbilder malerisch erklärten. Die Künstlerin hatte ich leider nicht erwischen können, aber bleibe auf den Fersen:

Link: LamellipodiumArt – Art from under the Microscope

Die mikroskopischen Blutbilder faszinieren

Mein nächster Gang war ein Blick in das Café Rosamunde. An der Ecke des nach dem Architekten der Heilig Kreuz – heute Kulturkirche – in Ückendorf lud das neue Café zu einer künstlerischen Aufnahmepause ein, aber ich wollte weiter und schnupperte in den erhabenen Kirchraum, in dem spanische Gitarrenklänge ertönten und die Zuhörer und Zuhörerinnen faszinierten. Der Musiker Linus Friedmann besitzt seit 15 Jahre eine Gitarrenschule in  Gelsenkirchen und zupfte virtuos die Saiten:

Link: https://dacapoalfine.net/

 

Nebenan gab es eine Virtuelle Welt hinter einer Brille oder mit Smartphone zu entdecken. Kazuki Taguchi wohnt im Saarland. Er verwendet Papier und Pflanzen als QR-Code, um XR-Erlebnisse zu erschaffen und scannt Gebäude und Landschaften, die so in Ausstellungsräume integriert werden können.

Ines Hilz ist XR-Designerin und 2D-Künstlerin, die sich leidenschaftlich für Spieldesign interessiert. Sie erweitert das Portfolio raus aus der klassischen Ölmalerei hinein in eine VR-Brille.

Manuel Ribeiro ist Digital Artist aus Münster, Architekt und unterrichtet Virtual Realitiy an der Münster School of Architecture.

Die Kreativen aus dem mxr lab bauten eine Brücke zwischen realer und virtueller Welt. Ihre Erfahrungen haben künstlerische Repräsentation in XR erschaffen. Einfach nur faszinierend!

Hier konnte man an einem Wunschbaum einen Wunsch an die Stadt schicken.

Link: www.mxr-storytelling.de

Die Galerie 1 Punkt 7 hatte im Treppenhaus einige Werke hängen, die ich jedoch nicht so genau betrachtet habe, denn von der ersten Etage hatte ich einen wunderbaren Logenblick auf die Bühne vom Hinterhof. Dort spielte die Band „Tisch 17“ eine Mischung aus Punk und Jazz.

Link: @tisch17• Instagram

 

In einem kleinen Galerieraum nebenan waren Hochhäuser auf Leinwänden abgebildet. Erst dachte ich an Köln-Chorweiler. Aber dann sah ich den Supermarkt Biedronka, den ich aus Polen kenne. Tatsächlich waren es Hochhäuser aus einer schlesischen Bergbaustadt „Ruda Slaska“ im Süden des Landes, 20 km nordwestlich von Katowice.

Bei der Betrachtung waren unterschiedliche Geräusche zu vernehmen: Ein Flugzeug, irgendwelche Gespräche und das Zirpen von Grillen. Die Erklärung war tatsächlich so, dass die Betrachter in einem Flugzeug sitzen würden, gleichzeitig dem Filmfest in Venedig zuschauen und eine Grille zirpte im Hintergrund. Die ganze Installation des kurz.kollektiv wollte mit dieser Installation darstellen, wie Zusammenhänge auch hier im Ruhrgebiet durch die Infrastruktur aus Kabeln, Straßen, die Umweltbelastung, Schächte, Rohre, kurzum das komplette Durcheinander miteinander einspielen, dass es in jeder Großstadt eigentlich gibt. Ob die Hochhäuser in Polen, den USA oder im Ruhrgebiet stehen, spielte keine Rolle. Sie stellen in meinen Augen einfach nur das Bild einer großen Stadt dar in dem ganz viel passiert. Ein Hochhaus hat viele Leitungen, wie eine Stadt, da können in der Nacht auch die Grillen zirpen.

Link: [kuʃ]kollektiv – @kurz.kollektiv • Instagram

Gegenüber ist eine neue Buchhandlung entstanden. Die readymade spezialisiert sich auf ein bestimmtes Thema und bietet entsprechende Bücher dazu an. Das Thema „Stadt“ war zum Motto der Szeniale „findet stadt“ naheliegend anzubieten. Querbeet von Architektur über Krimis, die in der Stadt spielen oder der kürzlich verstorbene Paul Auster mit seiner New York-Trilogie warteten auf Käufer und Leser, während nebenan in der kleinen Galerie eine Lesung der Gelsenkirchenerin Birgit Schmidt stattfand.

Links: 

readymade – Buchhandlung und Plattenladen in Gelsenkirchen 

Über die Autorin Birgit Schmidt – Birgit Schmidt – Flucht zum Crater Lake – Thriller

Dann ging ich rüber zum Justizzentrum. Auf einer Etage konnte auf Schautafeln einiges an Geschichte von Ückendorf erfahren werden vom Heimatbund Gelsenkirchen. Wer hätte gedacht, dass Ückendorf wirklich mal ein Dorf war. 1855 gab es wirklich nur 337 Einwohner. 1925 waren es dann schon 31150 Einwohner.

Direkt gegenüber auf der Etage gab es beeindruckende Bilder von Ute Schüwer. Sie ist fasziniert von Musik und Tanz, daraus lässt sie sich inspirieren für „Farbentanz“ auf der Leinwand. Zum jedem Bild gibt es einen Song, der zum Betrachten per QR-Code abgerufen werden kann. Tolle Idee und sehr ansprechende Bilder, die auf vielerlei Hinsicht nicht nur sehend, sondern auch hörend zu betrachten sind.

Link: @uteschuewer • Instagram

 

Von der Gelsenkirchener Kunstschule waren hier auch sehr viele Bilder aufgehängt worden. Es waren unterschiedliche Darstellungen, die Gelsenkirchen zeigen sollten. Von Umweltprobleme bis zu Schalke 04 wurde Gelsenkirchen auf Leinwand gebracht. Jedes Bild war für sich ansprechend!

Link: https://kunstschule-Gelsenkirchen.de 

Auf den Etagen waren unterschiedliche Künstler und Künstlerinnen. Unter anderem hingen dort Fotos von Steffen Hampe. Der Fotograf Hampe hat das Thema „Zwischenräume – Leinwand für Heimat“ genutzt, um Gelsenkirchen aus unterschiedlichen Perspektiven mit knalligen Farben oder in Schwarz-Weiß an die Wand des Justizzentrums gebracht. Gelsenkirchen hat viel mehr zu bieten, als man sich denkt als Außenstehender!

Link: Steffen Hampe Gallery 2 — emscherstrand

Außerdem konnten hier die abstrakten Werke von Stephan Zarmann bewundert werden.

Link: www.zarmann.com

 

Außerdem hingen dort noch einige großformatige schöne Bilder unterschiedlicher Künstler und Künstlerinnen.

In der fünften Etage gab es noch eine Extraausstellung von World Press Photo. Herausragende Fotos aus allen Teilen der Welt von verschiedenen Fotografen und Fotografinnen, die Natur, Porträts und Landschaftsaufnahmen beeindruckten mich sehr.

Ich ging die Bochumer Straße zurück und landete bei Christine Klomfaß. Sie macht aus kleinen auf der Straße weggeworfenen Dinge, kleine Kunstwerke, Skulpturen. Sie interpretiert das Gefundene dadurch neu. Tolle „Recyclingkunst“, die ich hier entdecken konnte!

Link: www.christineklomfass.de

Martina Mail und Dietmar Clermont haben in den Räumlichkeiten die Stadt der 1000 Herkulesse künstlerisch an den auf dem Fördergerüst der Zeche Nordstern von Lüpertz neu interpretiert.

Link: Clermont Mail Keramik Holz Wachs | www.werkstatt-fb31.de

Auf einem Hinterhof gab es Poetry Slam von Frau Lore. Sie teilte dem Publikum mit, wie es ist eine Klassenlehrerin zu sein in der heutigen Zeit. Da ich es nicht in kompletter Länge sehen konnte, aber in Youtube entdeckt habe, hier ist der

Link: WSS: Frau Lore – Klassenlehrerin – WestStadtStory Poetry Slam Essen

Frau Lore in Aktion

Zuletzt kam ich zur alten Brotfabrik. Ich wußte nicht, dass es eine Brotfabrik gibt. Man sieht eben beim Vorbeifahren nur eine graue Häuserwand, dazwischen ist ein Zaun, ein kleiner Durchgang. Dann entdeckt man einen Hof, auf dem stand ein Imbisswagen, ein Getränkewagen in einem alten Citroenbus und es dröhnte amerikanischer Rock von Jagsteit & Friends live über die Lautsprecher. Auf der anderen Seite drehten sich Holzscheiben. Man hört das Steigerlied. Auf den Holzscheiben sind die Städte des mittleren Ruhrgebiets abgepaust von Gullydeckeln der Stadt: Gelsenkirchen, Bottrop, Gladbeck, Oberhausen, Dorsten etc. Carina Hommel hat sich da was besonderes bei gedacht. Sie ist Mitglied und Mitbegründerin von Studio Horst e.V. und arbeitet als Kunstpädagogin auch mit Projekten im Gefängnis. Mit ihr werde ich wohl noch mal näher quatschen müssen. Bei ihrem Interview hatte ich die letzten 2% Akku entladen. 

Link: www.Carina-Hommel.de

Vorher habe ich noch das neu eingerichtete Atelier der Ateliergemeinschaft Alte Brotfabrik von Gordana Djukic, Dragana Koslowski, Maria Meza und Petra Pelkowski durchstöbert. Mittendrin stand eine Figur aus Papierrollen, die durch Plastikbänder gehalten werden, den alle vier Künstlerinnen zusammen gestaltet haben. Hinten im Raum gab es eine große Tapete, auf der sich jeder künstlerisch austoben konnte. Das habe ich natürlich auch gemacht. Die „Ruhrpottologie“ ist nun in Gelsenkirchen angekommen.

Gordana Djukic teilte im Interview noch mit, dass sie vom Tag begeistert war. Mit der Organisation war sie sehr zufrieden. Es gab nette Gespräche mit Interessierten und dann schloss ich mein Video bei Carina Hommel ab mit anschließender Currykult-Pommes-Currywurst.

Links: 

Facebook: Jagsteitandfriends

Ateliergemeinschaft Alte Brotfabrik: @ateliergemeinschaft_brotfabrik • Instagram

www.gordanadjukic.de 

@dragana_koslowski_art • Instagram

www.maria-meza.de

Es war ein erhabener toller Nachmittag mit vielen Eindrücken, netten Menschen und am Ende auf dem Heimweg noch mit einem lange in Hamburg lebenden Gelsenkirchener im Gespräch gekommen. Gern hätte ich ihn noch interviewt oder weitere Fotosw gemacht.. Aber der Akku war alle und mein Ladegerät hatte ich dummerweise nicht mit…

Die Ruhrpottologie ist auf einer Tapete der Szeniale 24 verewigt, auf der sich jeder malerisch auslassen konnte in dern Alten Brotfabrik. Screenshot aus dem Video

Ich hoffe, dass die Szeniale in zwei Jahren wieder von dem Förderverein Szeniale e.V. mit dem Referat der Kultur der Stadt Gelsenkirchen stattfinden wird. Es waren besondere Stunden, die ich dort verbringen konnte. Zufällig traf ich auch noch einen Bekannten, nämlich Roland Szejstecki, dem ich kürzlich ja in einem Podcast über seinen Vater Many Szejstecki berichten ließ. Die Welt ist eben klein, ob in New York oder Gelsenkirchen, man trifft immer Menschen irgendwo, die man kennt.

In diesem Sinne: Glück auf und Kultur hoch!

LINKS

https://szeniale.ruhr

www.gelsenkirchen.de – Szeniale

www.Visit.Gelsenkirchen.de

Unser Quartier – Ückendorf Kreativ.Quartier

Copyright bei allen Fotos (c) André Brune 

Ruhrgebiet-Künstler Many Szejstecki aus Gelsenkirchen I Interview mit den Nachlassverwaltern Roland Szejstecki & Lukas Schepers I +Videopodcast I +Fotogalerie I +Podcast Folge #80

Many Szejstecki, Erschaffer von einer besonderen Bergbaupanorama-Kunst, war ein über die Grenzen der Stadt Gelsenkirchen hinaus bekannter Künstler und Bergmann, der 2016 verstarb. 2024 bekam er von der Stadt Gelsenkirchen, wie ich sie nenne, einen Ehrenstein.

Vor Ort sprach ich mit seinen Sohn Roland und Kunsthistoriker Lukas Schepers, die seinen Nachlass verwalten, über deren Gefühle bei diesem Anlass, der noch nie stattgefundenen Ehrung. Innerhalb einer Stadt des Ruhrgebiets ist diese Aktion für ihre über die Stadtgrenze hinaus bekannten Bürger und Bürgerinnen etwas einmalig Besonderes.

Dort schlug ich beiden auch vor, Many Szejstecki einen kompletten Podcast zu widmen mit ihnen als Gesprächspartner. Seine unnachahmlichen Bergbaupanoramawerke hängen in wichtigen Museen innerhalb des Ruhrgebiets und lassen Betrachter und Betrachterinnen erstaunen, wie er über und unter Tage in verschiedenen Perspektiven in seinen Werken inszenierte.

Der Videopodcast mit einigem Bonus-Bildmaterial und dem Hinweis von Roland Szejstecki zu einer besonderen Projektidee im Anhang:

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Der Podcast zum Hören:

Erst bei der Extraschicht 2023 stolperte ich über die faszinierenden Werke von Many. Ich habe mir damals den beeindruckenden Film der 3D-Künstler aus Dortmund mehrmals angesehen. Der Verein dersalon.ruhr.e.V.  unterstützte das 3D-Projekt more.many maßgeblich.  Roland hat mich damals beim herausgehen erkannt. Er folgte mir seit längerem auf Instagram. Wir gingen nochmal in die Extraschicht-Ausstellung, wo er mir das Panorama-Bild der Zeche Westerholt kurz erklärte. Zufällig entdeckte er mit mir noch ein ihm unbekanntes Bild seines Vaters an der Wand. Anschließend arrangierte er ein Interview mit den 3D-Künstlern „Tremoniacs“. Wir blieben seitdem in Kontakt.

Warum ist der Künstler Many Szejstecki für das Ruhrgebiet so wichtig?

Many Szejstecki war nicht nur Künstler, sondern von Beruf Bergmann. Ohne seine Ausbildung zum Bergmann wäre er nicht der Künstler geworden, der er wurde.

1931 wurde er in Breslau geboren. Mit 15 kam er nach dem zweiten Weltkrieg nach Dortmund und fing als Bergmann auf Minister Stein für ein Kilo Schweinefleisch an. Mit 24 wurde er schon Reviersteiger und hatte 200 Bergleute unter sich. Nach 40 Jahren ging er in Pension und war stolz niemanden auf Schicht durch Unfälle verloren zu haben. Das ist äußerst selten in einer Zeit, wo der Arbeitsschutz noch nicht so hoch war, wie es heute der Fall ist bzw. in Deutschland im Steinkohlebergbau zuletzt bis 2018 war.

Mitte der 1950er Jahre begann er zu zeichnen. 1976 gründete er mit befreundeten Künstlern die „Werkstatt“ in Buer um Kunst zu machen und gleichzeitig zu präsentieren. Mit seiner Leidenschaft als Autodidakt Kunstwerke zu erstellen, befreite er sich vom täglichen harten Job unter Tage. In seinem privaten Atelier, nur 100 Meter von seiner Arbeitsstelle Zeche Westerholt entfernt, werkelte er oft genug bis tief in der Nacht an seinen Bildern.

Als Reviersteiger waren auch Markscheidepläne wichtige Dokumente, die für die Arbeit Unter Tage wichtig waren. Ab Anfang der 1980er Jahre wurden genau diese Pläne in Manys Kunst mit einbezogen und die ersten Bergbaupanoramen entstanden.

In diesen Bergbaupanoramabildern befreite er die Schichten unter uns von Gestein und ermöglichte den Betrachtern einen ganz anderen Blick auf die Ruhrgebietslandschaft. Nie zuvor hatte jemand so weit gedacht. Seine Werke waren keine Phantasie, sondern bis ins letzte Detail berechnet. 2024 legte die Stadt Gelsenkirchen Many Szejstecki einen Ehrenstein auf den Walk of Fame.

Many hat unglaubliche technische Bilder zur Veranschaulichung von Schachtanlagen, dem Gestein und die Ruhrgebietsstäde darüber mathematisch und filigran heraus gestaltet, wie niemand anderer sonst vor oder nach ihm.

Seine Kunst ist nicht nur für Kunstinteressierte sehenswert. Sie sind ein Geniestreich und Hingucker für Architekten, Geologen, Ingenieure, Bergleute, Touristen und Laien, die sich für das Ruhrgebiet interessieren, um bildlich zu sehen, was sich unter der Erde befindet und wie es aufgebaut ist und das ganz ohne KI oder anderen modernen Schnickschnack-Hilfsmitteln.

Das Ziel der Nachlassverwalter Roland Szejstecki und Lukas Schepers ist eine Dauerausstellung in die Zeche Westerholt zu bringen, wo Many Szejstecki, wie erwähnt bis zur Pension als Bergmann und Reviersteiger gearbeitet hat. Diese Idee und dieses Ziel wird mit Sicherheit weltweites Interesse erzeugen und Tourismus vor Ort bringen. Deswegen ist gerade Many Szejstecki für mich ein wichtiger Ruhrgebietsmensch, den ich hier im Blog bringen wollte und den ich leider persönlich nie kennenlernen konnte. Umso wichtiger ist es im nun nach dem Tod gebührend im Ruhrgebiet zu feiern für sein Wirken über die Jahrzehnte in unserem Revier.

Die „Werkstatt“

Für die Aufnahmen des Podcast haben wir drei uns in der „Werkstatt“ auf der Hagenstraße 34 in Gelsenkirchen-Buer getroffen. Seit 1980 ist die „Werkstatt“ zu einer wichtigen und bekannten Kultureinrichtung in Buer geworden. Der ursprüngliche Platz musste einem Supermarkt weichen, den es heute nicht mehr gibt.

Mittlerweile ist die „Werkstatt“ ein Verein geworden, der über das Jahr neben den wechselnden Ausstellungen, auch Musik- und Theateraufführungen inszeniert.

In der „Werkstatt“, wo unsere Videopodcastaufnahme im Juli stattfand, gab es zu diesem Zeitpunkt eine Ausstellung von Harald Lange. Der Verein macht im Jahr fünf bis sechs Ausstellungen.

Einmal im Jahr gibt es ununterbrochen seit 1977 immer einen „Werkstatt-Kalender“. Ein wichtiger Bestandteil um die Werkstatt zu finanzieren.

Die Bilder sind auf hochwertigem Büttenpapier gedruckt. Sie können einzeln herausgenommen werden und eingerahmt an der Wand aufgehängt werden.  Das Many so populär geworden ist, hilft auch der  Werkstatt mit ihren heutigen Künstler und Künstlerinnen.

Nachlassverwaltung Many Szejstecki

Many Szejsteckis Sohn Roland und der Kunsthistoriker Lukas Schepers verwalten den Nachlass. Zufällig traf Lukas Schepers 2020 auf Manys Werke als er seine Tante besuchte. Die Panoramen mit den filigranen Linien faszinierten ihn so, dass er mehr erfahren wollte über Manys Kunst. Ein Wikipedia – Eintrag machte ihn neugierig. Doch es gab keine vernünftigen Informationen über Many Szejstecki.

Er kontaktierte über die Werkstatt Roland. Sie waren sofort auf einer Wellenlänge und steckten fortan das Ziel Manys Kunst wieder in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Lukas erste Auseinandersetzung mit Many Szejstecki war ein ausführlicher Wikipedia-Eintrag. (Manfred Szejstecki – Wikipedia)

 
Kunsthistoriker Lukas Schepers

Lukas schrieb in seinem Studium eine wissenschaftliche Hausarbeit über Many Szejstecki. Er überarbeitete und ergänzte den ursprünglichen Wikipediaeintrag mit seinen neuesten Erkenntnissen.

Einige Panoramen hängen in renommierten Museen im Ruhrgebiet. Im Gladbecker Heimatmuseum auf Schloss Wittringen, im Bergbaumuseum Bochum und Ruhrmuseum Essen können die Werke bewundert werden. Außerdem entstanden Radierungen, Netzzeichnungen, Spiegelobjekte und vieles mehr. Genügend Kunst um über den Arbeiterkünstler Many Szejstecki eine Dauerausstellung einzurichten. Dieses Ziel verfolgen Schepers und Szejstecki intensiv. Auch Manys Witwe Brigitte würde sich darüber mit ihren 90. Jahren sehr freuen.

Roland Szejstecki erklärt Betrachtern sehr gern die Bilder seines Vaters Many

Lukas Schepers traf bei seinen Recherchen auf einen Berliner Architekten, der sein Bild für eine Dauerausstellung gern zur Verfügung stellen würde. Allerdings müsste es leider vorher erst restauriert werden, da es Transportschäden bekam.

Die breiten Panoramabilder drücken nicht nur einfach ein Landschaftsbild ab, sondern verbindet die Oberfläche mit der untertägigen Landschaft mit viel Phantasie, so doziert Lukas Schepers über die Bilder Many Szejsteckis.

Die Gesteinsbereiche, Stollen und Flöze unter einer Ruhrgebietsstadt darzustellen ohne ein modernes 3D-Meßgerät für Geologie besessen zu haben, zeigt die einmalige Genialität des Künstlers Many Szejstecki.

Die Bilder sind exakt ohne GPS berechnet. Das gab es zu dem Zeitpunkt auch noch gar nicht. Er hat mit den Markscheidern zusammen gearbeitet. Im Markscheidearchiven wurde über Jahrhunderte jeder Millimeter Unter Tage dokumentiert. Es wurde nicht einfach wahllos in die Erde gebohrt. Es musste exakt so abgeteuft werden, damit der Abbau von Kohle sofort an Ort und Stelle geschehen konnte. Es ist ja auch eine Geldfrage gewesen. Nur ein paar Meter daneben abgeteuft, war ein Schacht unrentabel. Als gelernter Reviersteiger konnte Many die Markscheidedokumente lesen und dreidimensional denken. Das verhalf ihm letztendlich zu den großartigen Bildern.

Als Laie kann man sich das nicht vorstellen, wie der Gedanke zur künstlerischen Verarbeitung kam. Allein in Gelsenkirchen haben ca 50000 Menschen unter Tage gearbeitet. Das künstlerisch zu erfassen und darzustellen ist einmalig!

Seine Bilder wurden bis nach Nottingham in Großbritannien, ins Deutsche Museum in München und in die Schweiz zu Einzelausstellung gebracht. Wenn es um Bergbau ging, war Many der künstlerische Ansprechpartner.

Zu seinem 77 . Geburtstag schrieb Many für seine Familie eine Autobiographie. Lukas wird sie irgendwann für die Allgemeinheit zugänglich machen.  Zur Zeit stellen sie eine Projektbroschüre mit dem Thema „Das Panorama des Ruhrgebiets“.

Austellungen werden weiter vorbereitet, wie 2023 in Oberhausen. In ganz Deutschland haben sie Werke wiedergefunden, zuletzt in Mainz. Die älteste gefundene Zeichnung stammt aus dem Jahr 1956.

Rolands Vater wäre stolz, was aus der Werkstatt geworden ist. Er war bekannt und beliebt bei den Gelsenkirchenern. Für die Nachlassverwaltung hat Many gebührende Personen gefunden. Sein Sohn Roland ist der Organisator und Netzwerker, während Lukas eher am Schreibtisch sitzt, alles gefundene verarbeitet, schreibt und Vorträge hält. Ihre jeweiligen Ideen ergänzen sich.

Der Kreis schließt sich, denn während wir im Podcast über Many sprachen, spürte ich sein damaliges Wirken in den Räumlichkeiten.

Möge er lange in den Gedächtnissen aller sein als künstlerischer Chronist der lebendigen Bergwelt des Ruhrgebiets!

Dafür werden die Nachlassverwalter Lukas Schepers und Roland Szejstecki in Zukunft sorgen mit einem Konzept für eine Dauerausstellung, der Veröffentlichung einer Biographie und dem Zusammentragen seines kompletten Werks.

Ich hoffe mit meinem Blogbeitrag und Podcast auch Menschen für Many Szejstecki Kunst zu begeistern, die sich bisher weniger dafür interessieren. Das Fotomaterial von Roland macht vielleicht so manchen Neugierig mehr über Many zu erfahren.

Möge er in Frieden ruhen! Seine Anhänger und Anhängerinnen ruhen nicht eher bis es zu einer  Dauerausstellung  gekommen ist. 

Ich hoffe, dass die Stadt Gelsenkirchen, Herten und auch der Regionalverband Ruhr und einige Sponsoren Interesse haben an dem Projekt der Dauerausstellung von Many Szejsteckis Kunst die weltweite Beachtung haben sollte und haben wird!

Glück auf im wahrsten Sinne des Wortes

Nachlassverwalter Lukas Schepers (links) und Roland Szejstecki (rechts) (c)André Brune

 

Links

 

Manfred Szejstecki – Wikipedia

***

www.gelsenkirchen.de – Manfred Szejstecki

***

Manfred Szejstecki – Gelsenkirchener Geschichten Wiki (gelsenkirchener-geschichten.de)

***

www.gelsenkirchen.de – Walk of Fame

***

dersalon.ruhr e.V.

Scherlebeckerstr. 399

45701 Herten

info@dersalon.ruhr

www.derSalon.ruhr

***

TREMONIACS (@tremoniacs.fbx) • Instagram-Fotos und -Videos

***

werkstatt – Verein zur Förderung von Kunst und Kultur e.V. / Hagenstr. 34 / 45894 Gelsenkirchen / info@werkstatt-ev.de

Nachlass Many Szejstecki – werkstatt (werkstatt-ev.de)

***

Roland Szejstecki (@nachlass.many.szejstecki) • Instagram-Fotos und -Videos

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wer weitere Fragen zur Kunst von Many Szejstecki hat, kann sich direkt an Roland Szejstecki und Lukas Schepers wenden:

Roland Szejstecki
0178 2384447
szejsteckiroland@gmail.com

Lukas Schepers
0178 2819046
Lukas.schepers@googlemail.com

Das Projekt wird fortgeführt: Das Panorama des Ruhrgebiets

https://www.werkstatt-ev.de/wp-content/uploads/2024/09/Panorama-des-Ruhrgebiets.pdf
Opens in a new window

Zum Ausstellungskonzept:

Many Szejstecki: „Die Zeche hat mich geprägt“ – Ein Ausstellungskonzept für die Neue Zeche Westerholt

https://www.werkstatt-ev.de/wp-content/uploads/2022/09/Flyer_Many-Westerholt.jpg

https://www.werkstatt-ev.de/wp-content/uploads/2022/09/Flyer_Many-Westerholt2.jpg

Hier befinden sich jeweils Panoramabilder von Many:

Deutsches Bergbaumuseum Bochum

Museum der Stadt Gladbeck (im Eingangsbereich)

Ruhrmuseum Essen

U Bahn Station Trinenkamp Gelsenkirchen  Linie 301

Buch Stillstand Corona – Krise in Buer von Jürgen Nobel

Fotos von (C) Roland Szejstecki – Vielen Dank für das Bildmaterial!

Wer nochmal in das Video mit den Interviews schauen möchte von der Extraschicht 2023:

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Oder das Video zur Eröffnung der Ehrensteine auf dem Walk of Fame-Boulevard in Gelsenkirchen-Buer:

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Wilfried Bartscherer – Ein Bottroper Maler wird beehrt vom Künstler Kollektiv im DRK-Seniorenzentrum

Ein besonderer Besuch zu einer Ausstellung der besonderen Art im Seniorenzentrum vom DRK Rottmannsmühle in Bottrop organisierte ich für Interessierte des Künstler.Kollektiv.Bottrop zum bekannten Bottroper Maler Wilfried Bartscherer.  

Teaser:

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Nun kann er nicht mehr malen, aber seine Bilder hängen dort und in seinem Zimmer und geben ihm eine Alltagsstruktur und Erinnerungen. Sein Lächeln über diesen Überraschungsbesuch hat jedem genauso viel Freude gebracht, wie ihm selbst.

Das Beehren eines noch lebenden Künstlers ist höher anzusiedeln als die Ehre nach dem Leben. Deswegen habe ich die Aktion in die Wege geleitet.

Wie ist es zu diesem Besuch gekommen? Wer ist und was malt Wilfried Bartscherer?

Kürzlich bin ich bei einem Bild über Heinz Rühmann im Pflegeheim des Deutschen Roten Kreuz gestolpert. Als ich erfuhr, wer das Bild gemalt hatte, wollte ich etwas besonderes machen für den besonderen Maler der Stadt Bottrop.

Schauspieler Heinz Rühmann

Kurzerhand habe ich im Chat des Künstler.Kollektiv.Bottrop eine Umfrage gestartet, ob Interesse besteht ihn zu besuchen. Die Umfrage stieß auf ein sehr positives Ergebnis.

Wir einigten uns auf einen Nachmittag in der Woche. Neun Personen aus dem Kreis waren anwesend und schüttelten die Hände von Wilfried Bartscherer, lauschten seinen und der Worte seiner Tochter Jutta Kubitza, die einiges über den Werdegang und Höhepunkte ihres Vaters zu erzählen wußte. 

Video:

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Für ihn war es eine gelungene Überraschung. Er war überwältigt. Auch wenn es ihm schwer fiel zu erzählen, er weiß heute noch ganz genau, mit welchem Pinsel er die Leinwand berührte und warum er gerade diese Farbe ausgewählt hatte. Heute kann er nicht mehr malen. 

Sein Zimmer und auch die Wände in der Wohnetage hängt voll mit seinen Bildern. Sie bringen ihn die Erinnerung an seine Zeit des Malens und Sehnsüchte. Die Rahmen hatte seine leider schon verstorbene Frau ausgesucht. Auch das ist eine Erinnerung, die wichtig ist. Denn seine Frau war der Schlüssel für seinen „Kunstweg“. Sie wählte nicht nur den Rahmen, sie war auch diejenige, die ihn während seiner Arbeitslosigkeit in die Volkshochschule zum Malen lernen trieb. Von da an war sein Hobby, seine Leidenschaft geworden.

Die Bilder im Gang geben Wilfried Bartscherer auch eine Sicherheit und Erinnerung

Zur Veranstaltung nahm ich über die Leiterin Beatrice Werner Kontakt zur Tochter Jutta Kubitza auf, die noch einige Bilder im Haus besitzt. Frau Werner und auch die Tochter waren von der Idee sehr angetan. Es ist ja auch immens wichtig Menschen mit einer Altersdemenz eine große Freude zu machen und immer wieder in Aktion zu bringen, damit sie nicht teilnahmslos werden und die Erkrankung schneller fortschreitet. Möge er also noch lange so fit bleiben, wie es geht.

Tochter Jutta Kubitza erzählt über Wilfried Bartscherers Kunst im Café des Seniorenzentrums

Im Seniorenzentrum des DRK Rottmannsmühle arbeite ich schon länger als selbstständiger Fußpfleger und sehe, wieviel getan wird für die über sechzig Bewohner und Bewohnerinnen. Es ist nicht einfach ein gutes Haus zu finden. Hier fühlen sich die Menschen wohl, die nicht mehr fähig sind, ihr Leben allein in einem Haushalt zu führen. Wilfried Bartscherer kam 2024 in dieses Haus.

1990 war ein Schicksalsjahr, wo Arbeitslosigkeit ihn zurückwarf. Lange Jahre war er Kaufmännischer Leiter bei Dieler. In die Kunstgemeinschaft Bottrop 1969 e.V. ging er 1995. In dem Jahr zog ich nach Bochum. So schließt sich ein besonderer Kreislauf, denn ich entdeckte ihn erst jetzt und konnte sehen, welche Kunst er geschaffen hatte im Laufe der Jahrzehnte, die er mit der Kunstgemeinschaft in Bottrop auch zum Teil in ganz Deutschland oder auch ab und an im Josef-Albers – Museum Quadrat ausgestellt hatte. Sogar im Düsseldorfer Landtag oder auf Sylt sind Bilder von dem 1936 geborenen Wilfried Bartscherer schon gelandet.

Bergbau-Motive fehlen neben abstrakter Kunst und Landschaftsmalerei, sowie Stilleben, nicht. Er ist und bleibt der vielseitige Maler aus Bottrop, der sich Motive vornahm, die bekannt oder weniger bekannt sind, aber mit eigener Interpretation auf die Leinwand brachte. Wilfried Bartscherer ist ein „optischer“ Maler.

Er sucht sich seine Motive aus, dann wandelt er sie ab, interpretiert sie selbst mit anderen Farben, anderen Blickwinkel. Ein besonderes Bild ist der Transrapid der scheinbar das ganze Ruhrgebiet verkehrstechnisch anschließt. Die Magnetschwebebahn war mal ein Verkehrskonzept, dass die Politik als zu teuer eingestuft hatte, statt visionär in die Zukunft zu blicken und sie zu bauen. Sie hätte so manchen Stau im Ruhrgebiet mit den kaputten Brücken ersparen können. Auf jeden Fall ist wenigstens das Bild von Wilfried Bartscherer übrig:

Die Magnetschwebebahn „Adolf Tegtmeier“ verbindet das Ruhrgebiet
Mit Stilleben fing die Malerei von Wilfried Bartscherer an

 

Seine Bilder aus seinem Zimmer im Pflegeheim und von Zuhause sind exklusiv mit Genehmigung von Jutta Kubitza und Wilfried Bartscherer hier in der Fotogalerie im Blog nun zu sehen, die nicht bei der Begehung zu sehen waren. Sie sind aus seinem Zimmer und dem Haus abfotografiert. Das Copyright liegt also bei Wilfried Bartscherer, der mir seine Erlaubnis gab auch Heinz Rühmann für den Podcast als Bild nehmen zu dürfen, sobald er im Herbst erscheint. Das Bild war der Anstoß zu diesem schönen Nachmittag für Wilfried. Denn im Ruhrgebiet weiß man von der berühmten deutschen Schauspiellegende, dass er aus dem Ruhrgebiet stammte. Doch darüber wird ein anderes Mal geschrieben und gesprochen.

Ralf Opiol (rechts) ist Gründer des über die Stadtgrenzen hinaus gehenden Künstlerkollektivnetzwerks

 

Ralf Opiol und Nolin Wischermann verfolgen die Idee zu diesem einmaligen Künstler Kollektiv eher als ein einfaches loses Netzwerk zwischen allen Künstler und Künstlerinnen in Bottrop. Mittlerweile ist das Kollektiv auf über 70 Personen aus unterschiedlichen Bereichen gewachsen. Im Netzwerk werden z.B. Termine, Vorschläge, gemeinsame Art.Walks, Austausch von Utensilien oder Ausstellungen organisiert. Das alles läuft ohne einen Verein zu gründen und ohne Zwang und weiteren Verpflichtungen. Gegenseitige Besuche und Aufmerksamkeit von Ausstellungen, die sonst eventuell untergegangen wären, werden zusammen vorgeschlagen und ausgeführt. Ein Art.Walk, heißt gemeinsam wer Zeit und Lust hat, zu einem gemeinsamen Termin zu gehen, wird regelmäßig angeboten, sowie auch der interessante Künstler.Dialog, wo über Dinge, wie z.B. kann Kunst politisch sein oder KI in der Kunst besprochen werden. So entsteht ein Synergieeffekt, der auch mehr Besucher und Besucherinnen in Einzelausstellungen ziehen kann und es spricht sich mehr herum. 

Ralf Opiol war beim besonderen Art.Walk für Wilfried Bartscherer begeistert dabei. Ohne ihn und Nolin Wischermann wäre das in der Form mit dem Netzwerken so nicht möglich gewesen. Nur einer muss den Stein ins Rollen bringen, damit Interessierte zu diesem Besuch bei Wilfried Bartscherer, die ihn zum Teil kannten oder noch nicht, besuchen konnten.

So hoffe ich, dass er seine Freude an diesem Besuch noch lange behalten wird.

Abstrakte Kunst von Wilfried Bartscherer

Und ich hoffe, er hat mit diesem Tag viel mitgenommen. Ich habe es für mich auf jeden Fall. Ich freue mich, dass ich ein Lächeln auf seinem Gesicht zeichnen konnte, und das er noch lange von seinen Bildern zehren kann mit klaren Gedanken und schönen Erinnerungen.

Glück auf Wilfried Bartscherer, bleib wie du bist!

Wilfried Bartscherer in Farbe! Foto von Ralf Opiol, fotografiert von Jutta Kubitza, nachbearbeitet von André Brune

Zur Biographie:

Biografie aus dem Heft 40 Jahre - Das Revier sind wir von der Kunstgemeinschaft Bottrop 1969 e.V.
Bilder aus dem Haus zur Exklusiv - Kollektiv-Ausstellung im Seniorenzentrum
Ausstellung in der 1. Etage des Seniorenzentrum DRK Rottmannsmühle

Exklusive Bilder aus seinem Wohnraum im DRK - Pflegeheim

Bilder aus dem Haus mit Genehmigung der Tochter Jutta Kubitza fotografiert - Vielen Dank!