
Blogabstinenz im Januar bedeutet jetzt Nachholbedarf, weil ich nichts rausbringen konnte. Ausgerechnet am Tag der Befreiung von Auschwitz ging nichts. An dem Tag sollte der Podcast von Eva Weyl mit ihrem Vortrag als Holocaustüberlebende erscheinen. Sie war allerdings nicht in Auschwitz. Von Glück kann man nicht schreiben. Sie hat ihre Kindheit in Westerbork verbracht. Das KZ liegt in den Niederlanden. Sie hatte gehört, wenn nachts die Leute leise zu den Zügen gebracht wurden. Diese KZ-Insassen sind nie wieder zurück gekommen. Sie wurden nach Auschwitz gefahren und sind dort umgebracht worden. Sie und ihre Eltern hatte Glück. Jeden Tag lebten sie in der Angst ebenfalls in den Zug steigen zu müssen. Sie wurden auf eine Liste gesetzt für den Abtransport. Der Lagerleiter hat noch lange unbehelligt leben können. Darüber spricht Eva Weyl in ihrem Vortrag vor mehreren Schulklassen der Willy – Brandt – Gesamtschule in Bottrop. Aufbewahrt habe ich es zur Veröffentlichung zum 80. Befreiungsjahr von Auschwitz. Jetzt eben von Westerbork am 12.4.1945. Mein Beitrag wird zum Nichtvergessen und zum Erinnern beitragen: #weremember
Jetzt noch etwas Erfreulicheres :
Das Wochenende war sehr voll gepackt mit einem Seminar für die Gästeführung bei Bochum Marketing plus Jahresversammlung des Deutsch-Polnischen Vereins in Bochum.
Am Samstag ging es durch die Innenstadt Bochums. Der Regen fiel waagerecht vom Himmel und nässte das Seminarteam gut durch. Von zwei Städtischen Mitarbeitern von Bochum Marketing, die die Bochumer Strategie entwickelten wurden uns Bochumer Treffpunkte gezeigt, sowie die U-Bahn-Haltestelle Bermudadreieck/Musikforum. Sie erklärten uns, was die besondere Graffiti-Kunst bedeutet. Und auch die rechts im Bild befindlichen Recyclingbänke, die Bochumer für mehr Sitzmöglichkeiten für die Stadt spenden konnten.

Anschließend ging es ins Stadtarchiv Bochum, wo wir eine kleine Führung bekommen haben. Ich erfuhr von „Bernhardiner“ im Kloster zu Werden, die Altenbochum urkundlich erstmals erwähnten.
Ulf, der die Führung machte, erzählte mir hinterher, dass er sich für die polnische Einwanderergeschichte interessiere und gern eine Führung darüber machen möchte. Wenn er bereit ist, würde ich es mir gern ansehen. Denn ohne polnische Einwanderer, wäre das Ruhrgebiet definitv nicht das von heute. Ulf lachte, als ich ihm sagte, dass ich die Bernhardiner im Kloster klasse fand. Manchmal spricht man eben etwas unbewusst falsch aus. Geht mir nicht anders.

Am Nachmittag ging es zu Mark 51°7. So ist die Flurbezeichnung der Stelle von dem größten Opel-Herstellungs-Gebiet von dreien auf Bochumer Stadtgebiet. Die Mark liegt im Stadtteil Laer und wurde komplett bis auf das unter Denkmalschutz stehende Bürogebäude abgerissen.

Nach knapp einem Jahrzehnt ist es mit neuem Gewerbe und neuen Bereichen für die Uni neu belegt worden. Vor allem wurde mehr Grün eingebaut, was vorher gar nicht vorhanden war, außer ein Stück Wiese.

Die dem Planungsteam angehörige Führerin erklärte, dass sie Bochum in dem Strukturwandel schneller und effektiver Handeln sieht als ihre Heimatstadt Dortmund. Dort passiert auf dem alten Hoeschgelände immer noch nicht viel. Darüber werde ich noch ausführlicher berichten im Blog. Zumal ich im Sommer die Gästeführung vor Ort mache.
Anschließend ging es zum Jahresempfang der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bochum NRW e. V. ins Kunstmuseum. Ich kam leider erst dazu als die großen Reden über die mögliche neue Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Białystok vorbei waren.
Das Glück tritt sich fest
Vorher traf ich eine eher unglückliche Entscheidung rechts zu gehen am Nordring um zum Kunstmuseum zu kommen. Ich latschte in was weiches und traf genau in den Hundekothaufen im Dunkeln, der mittig auf dem breitesten Bürgersteig lag. Vom Regen weich quetschte sich der Scheißhaufen auch noch bestimmt in die letzte Rille der Schuhsohle. Muss ein großer Hund gewesen sein. Da reichte nicht mal eine Alditüte. Die hätte ich jetzt gern gehabt, um es aufzuheben und dem Typen damit den Kopf zu waschen, der das liegen gelassen hatte. Warum passiert das immer mir…
Zum Glück gab es unterwegs reichlich Pfützen und eine Wiese vor dem Museum. Ich empfinde das allerdings nicht glücklich da reinzutreten. Ich hasse Hundebesitzer, die sich einen großen Hund anschaffen und sich nicht Bücken, weil sie im Rücken haben oder sich davor eckeln oder einfach nur faul sind, um die Tonne Braunes aufzuheben. Ich hatte selbst eine Hündin. Für mich war das Aufheben immer selbstverständlich. Nun Tonnen hat sie nicht hinten rausgepresst…
Dem Bundestagskandidat der SPD Serdar Yüksel konnte ich noch die Hand schütteln. Wir kennen uns durch eine Packaktion bei der Gesellschaft Bochum Donezk für die Ukraine, wo er die Solidarität mit der Ukraine unter Beweis stellte. Zum Zeitpunkt des Blogartikels war er noch Landtagsabgeordneter von Nordrhein-Westfalen. Er wurde in den Bundestag gewählt und vertritt nun den Bochumer Wahlkreis in Berlin.
Auf der Bühne sang und spielte dabei auch noch virtuos Cello die mehrsprachige Musikerin „Bison Rouge“, eindringliche romantische ins Indiepop gehende Songs. Ich kaufte alle ihre mitgebrachten CDs. Es lohnte sich wirklich! Es war sehr bewegend, wie sie die Menschen aus der Diskussionsblase beim Catering an die Hand nahm und mit zur Bühne zog. Ich war der auch der Erste, der ihre Hand nehmen sollte, um die anderen mitzuziehen. Tolle Idee das Publikum mit ins Boot zur Bühne zu schleppen!

Am Abend erzählte mir meine Frau, dass ihr Tag mal so abging, wie manch einer meiner Tage und es endete eben mit der dritten Geschichte, wie es eben passieren muss.
Morgens hat sie in der Kälte ihr Sakko vergessen anzuziehen, dann fuhr sie mit der Straßenbahn nicht nach Hause, sondern stieg auf der verkehrten Seite ein, um in den himmlischen Bochumer Norden zu fahren.
Am Tisch bei Tucholsky, wo wir nach den anstrengenden Tag hingegangen sind, bekam sie dann nicht das bestellte Thai-Curry, sondern die Tucholsky – Bowl. Sie war ok, aber hatte eben nicht die Schärfe eines Thai-Essen. So oder so haben wir nur zwei Minuten zur Entscheidung haben können, denn…
Die quirlige Kellnerin, die sich zwischen die Tische quetschte, um die Bestellungen aufzunehmen, teilte uns mit, dass in fünf Minuten die Küche schließt und sie in zwei Minuten unsere Bestellung aufnehmen wird.
Sie entschuldigte sich vielmals natürlich hinterher für die falsche Bestellung. Sie konnte es nicht erklären, was passiert ist, wollte uns dafür von ihrem Geld eine Kaffee ausgeben und hoffte, das es trotzdem geschmeckt hätte. Naja, ich denke der Koch hat die Zahlen verwechselt.
Ewa war nicht ganz so überzeugt von der Bowl. Sie wollte was Scharfes. Aber nun haben Koch und Kellnerin jeweils eine Doppelschicht wegen Krankmeldungen hinter sich gebracht, wie uns mitgeteilt wurde. Das ist schon Leistung genug und da kann am Schluss eben so was passieren. Da macht man keinen Aufstand. Ich habe meinen Flammkuchen mit Schafskäse bekommen. Er war lecker.
Kunstgemeinschaft, Seminar und Halleluja am Sonntag
Sonntag war wieder ein Seminartag. Aber vorher ging es nach Bottrop zu einem besonderen Frühstück, zu dem ich eingeladen war.
Die Kunstgemeinschaft Bottrop e. V. überaltert gerade und der Vorstand möchte sich zur Ruhe setzen. Aber es findet sich niemand.

Nolin Wischermann (seine Ausstellung Orange.Bottrop hatte ich im Blog beschrieben) und ich wurden in einer Wahl aufgenommen, nachdem wir uns jeweils kurz vorgestellt haben. Ich bin nicht zum Frühstück geblieben, sondern direkt wieder nach Bochum gefahren zum Seminar. Es gibt an diesem Tag die Geschichte des Ruhrgebiets und Persönlichkeiten. Zum Glück hatte ich nicht so viel verpasst und rechtzeitig zurück gekommen als die wichtigsten Dinge losgingen.
Ich war am Abend voll mit Infos und hab mir mit Ewa einen Teil der guten Westernserie ‚American Primeval‘ in Netflix angesehen. Spannend und nah an der Wirklichkeit der damaligen Besiedelung der USA, bevor ich zum Korrekturhören meiner Hörbuchproduktion ging.
Geburtstag und Museum
Der Montag war mein Geburtstag. Normalerweise fahre ich in der Woche in Urlaub. Aber den haben wir um eine Woche verschoben. Die Arbeit im Altenheim in der Bottroper Rottmannsmühle vom DRK musste ich beschleunigt um 14 Uhr beenden können, denn auch danach war ein wichtiger Termin.
Als Führer im Ur- und Ortsgeschichtsmuseum im Museumszentrum Quadrat gab es für alle ein Jahrestreffen. So konnte man Kritik aussprechen, Verbesserungen vorschlagen und sich natürlich auch etwas kennenlernen untereinander. Mal sehen, was von meinen Kritiken umgesetzt werden kann und was nicht. Alles braucht natürlich seine Zeit. Ich befürchte, dass sich nicht so viel ändern wird…
Am Abend war nix mit Essen gehen. Zuhause gab es Champions auf Reis. Und einen gemütlichen Abend mit anschließendem Einschlafen beim Korrekturhören bei der Sachbuchproduktion. So ist das Leben. Irgendwann macht der Körper dann doch schlapp. Ich darf das. Bin jetzt schließlich über 50…




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