Dieter Seifert – Gästeführer im Eisenbahnmuseum Dahlhausen & Spendensammler für den Hospizverein Regenbogen in Halberstadt  I +Videopodcast I +Podcast I +Fotos I +Links

Dieter Seifert ist ein Brückenbauer zwischen der Stadt seiner Kindheit Halberstadt und seinem Wohnort Bochum. Einerseits ist er mit Herzblut als Gästeführer im Eisenbahnmuseum Dahlhausen einmal die Woche unterwegs, andererseits setzt er sich für seine besondere Spendenaktion ein. Im Podcast erfahrt ihr einiges über das Eisenbahnmuseum und Dieters Spendentouren für den Hospizverein Regenbogen:

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Biker4Kids Fahrer Dieter

Dieter Seifert ist selbst seit Jahren als Sicherungsfahrer mit den Vereinigten Motorradstaffeln und vielen anderen Ehrenamtlichen bei den Biker4Kids dabei. Hier bekam Dieter den Funke selbst für einen guten Zweck Spenden zu sammeln. So entstand die Idee mit der Spendensammlung für den Hospizverein Regenbogen in der Stadt seiner Kindheit: Halberstadt.

Dieter vor seinem ehrenamtlichen Arbeitsplatz an der Drehscheibe im Eisenbahnmuseum Dahlhausen

Was sind die Biker4Kids?

Das was im Ruhrgebiet die Kinderfahrten sind, die ich selbst zwei Mal begleitet und worüber ich berichtet habe, gibt es seit 2007. Begeisterte Motorradfahrer*innen aus Düsseldorf und Umgebung unterstützen die Kinderhospizarbeit in Düsseldorf.

Der Start war in der Eifel. Die Geschwister von Kindern mit der lebensverkürzenden Krankheit AKHD wurden zu einer Motorradtour eingeladen. Die einmalige Aktion wurde so begeistert aufgenommen, dass dieser ehrenamtliche Dienst dauerhaft durchgeführt werden sollte. So entstanden die Biker4Kids, die nicht nur die erkrankten Kinder, sondern auch die Familien und Geschwister einbinden, die täglich mit der Belastung leben. Mittlerweile fährt auch ein großer Bus mit, der die Kinder und Familienangehörigen mitnimmt, die nicht auf einem Motorrad mitfahren können.

So entstand der jährliche Motorradkorso und zusätzliche monatliche kleinere Aktionen, um die belasteten Menschen ein wenig Freude in ihren Alltag zu bringen.

Es gibt einen monatlich stattfindenden Stammtisch, wo die Projekte besprochen und geplant werden, dadurch finden auch spontane Ausfahrten statt.

Mehr Infos: https://www.biker4kids.de/

Du möchtest die Biker4Kids unterstützen:

Spendenkonto

Stadtsparkasse Düsseldorf

BIC: DUSSDEDDXXX

IBAN: DE85 3005 0110 1008 1416 06

Spenden | Biker4Kids

Kontakt | Biker4Kids


Spendenfahrten von Bochum nach Halberstadt

Die Idee der Spendenfahrten nach Halberstadt hatte Dieter durch die Teilnahme bei den Biker4Kids bekommen. Nun fährt er für einen guten Zweck mit seiner Suzuki nach Halberstadt und macht im August jedes Jahr eine Abschlussfahrt mit einem gut herangewachsenen Spendenscheck.

Auf seiner Internetseite https://bikersammeltspenden.de  zeigt er neben seinem Engagement für den Hospizverein Regenbogen auch mit Fotos sein Halberstadt und die Orte, die er auf seinen Motorradtouren unterwegs besucht.

Halberstadt hat verwinkelte Gassen mit schnuckeligen Fachwerkhäusern, die zum Teil noch aus dem 15. Jahrhundert stammen und Touristen zum Flanieren einladen. In der DDR – Zeit verfiel die Bausubstanz stark. Mittlerweile ist es ein blühender Kern geworden.

Der Anfang der Spendensammlung für den Hospizverein Regenbogen

Im Jahr 2023 begann Dieter Spenden von Freunden und Bekannten zu sammeln für den Hospizverein Regenbogen. Er konnte auch einen Apotheker in Dahlhausen zu einer größeren Spende bewegen, so das eine erste Spendenübergabe von 1013,13 € zusammenkamen.

Dieter nimmt seine Spendenaktionen sehr ernst. Er wird das machen, solange es seine jetzt siebzig Jahre alte Knochen schaffen werden, sagte er mir. 2024 steigerte sich der Spendenbetrag auf 1413,13 €.

Ein Rundblick auf die schöne Halberstadt

https://youtu.be/BPJbaqb3Cao

Erfolgreichste Sammelaktion 2025 für den Hospizverein Regenbogen

Im dritten Jahr 2025 von Dieters Spendenaktion bekam er Unterstützung von Mario Hinze. Als Team bekamen sie 5441,13 € durch viele Spenden aus Halberstadt und Umgebung hauptsächlich zusammen. Die Spenderfirmen werden auch auf seiner Internetseite erwähnt.

In diesem Jahr brauchte der Hospizverein ganz viel Geld. Denn im Jahr 2025 musste der Hospizverein hauptamtliche Koordinatorinnen ausbilden. Die Krankenkassen finanzieren zum Großteil die Hospizvereine, ersetzen auch Personalkosten, aber sie finanzieren nicht Aus- oder Fortbildung. So wurde plötzlich für zwei Hospizmitarbeiterinnen für eine nötige Ausbildung 7500 € gebraucht. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Dieter und Mario haben somit dann mehr als dreiviertel durch Spenden decken können. Respekt!

Für das Jahr 2026 sind schon Ende des Jahres wieder einiges zusammengekommen:  575,35 €. Das könnte das vorherige Spendenergebnis toppen. Das wünsche ich dieser besonderen von Dieter angeleierten Spendenaktion, dass sie weitergehen wird und das Hospiz ohne geldliche Probleme für die Menschen da sein kann, die ihren letzten Weg dort verbringen.

Die wilde 13

Jedes Jahr „rundet“ ein Modelleisenbahnfreund als letzter Spender auf mit der Endung von 13 Cent. Das wurde jetzt mit der örtlichen Presse zu einem „Running Gag“ und wird nun jedes Jahr so durchgeführt. Die tolle Idee entstand durch den Müllwerker und Modellbauliebhaber Jens: „Jens, der Lokomotivführer und die wilde 13“ in Anlehnung an Michael Endes Roman über Jim Knopf.


Ehrenamtlicher Gästeführer im Eisenbahnmuseum Dahlhausen

Der gelernte Buchdrucker Dieter ist umtriebig und hartnäckig in seiner Sache. Das ist als ehemaliger Betriebsratsvorsitzender und Gewerkschafter auch nötig. So auch bei der Gästeführung im Eisenbahnmuseum Bochum – Dahlhausen. Dort arbeitet er seit 2018 gern im Team für Gleisarbeiten. An einem Tag pro Woche erklärt er lebhaft und voller Begeisterung den Besuchern von der Drehscheibe aus, die Geschichte und Technik des Eisenbahnmuseums und Dampflokbetriebs in Bochum. Er dreht sich gern einmal im Kreis für alle, um sie zu zeigen, wo die Loks drauf fahren, wie sie zu ihrem Bestimmungsort kamen und auch heute noch kommen: In den Lokschuppen, zur Reparatur, zum Posieren, Rangieren oder Abstellen.

Eine weitere Gruppe hört begeistert den Worten von Dieter zu, um das Eisenbahnmuseum besser kennenzulernen

Verschlafenes altes Ruhrgebiet

Geboren wurde Dieter Seifert in Unna. Nach Halberstadt kam er zu den Großeltern, die ihn eine Zeit lang erzogen bis er zurück ins Ruhrgebiet kam, wo er Dortmund als verschlafenes Nest gefühlt erlebte. Nirgends ein Straßencafé, aber verrauchte Kneipen waren an jeder Ecke zu finden. In Frankfurt lernte er in einer gewerkschaftlichen Bildungseinrichtung zwei Jahre lang Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Er liebte das Straßenleben dort, was im Ruhrpott zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu finden war.

Anfang der 1990er kam er wegen der Arbeit zurück ins Ruhrgebiet. Mit seiner in Sachsen-Anhalt kennengelernte zukünftige Frau Elisabeth zogen sie nach Essen und staunte, wie sich das Ruhrgebiet verändert hatte. Mit 59 ging er in Altersteilzeit und zog mit seiner Frau in eine seniorengerechte Wohnung in Bochum-Dahlhausen nah am Eisenbahnmuseum.

Das Ruhrgebiet hat sich stark verändert zum Positiven, betonte Dieter im Gespräch. Er fühlt sich angekommen und liebt seine Arbeit im Eisenbahnmuseum. Die Kinder der Besucher bindet er immer ein in den Erklärungen und animiert sie etwas an der Drehscheibe zu machen, damit sie sich nicht zu sehr langweilen. Sie dürfen die Hupe drücken oder die Weiche stellen.

Besucher lernen auch die Anfänge der Bahn an der Ruhr mittels eines Modells kennen

 

Geschichte des Eisenbahnmuseums

Die deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, die heute noch Eisenbahnmuseen in Karlsruhe betreibt, wurde im Frühjahr 1969 gegründet worden. Die Gesellschaft hat dann direkt zugeschlagen. Es hat ein paar Jahre gedauert, denn die Deutsche Bahn wollte das Gelände einfach verfallen lassen.

Aus den Verhandlungen gingen sie jedoch zufrieden hinaus. Sie verdienten ja Geld mit der Vermietung. Anschließend wurde die Gleisseite museumsgerecht umgebaut werden. Fahrzeuge wurden beschafft, um das Museum zu füllen. Der Dampflokbetrieb in Deutschland wurde 1973 eingestellt. Einige Dampfloks konnten vor dem Verschrotten für das Museum gerettet werden.

(auf das Eisenbahnmuseum gehe ich extra noch einmal ein)

Auch auf dem Museumsgelände darf eine Lore nicht fehlen. Diese stammte aus der Zeche Carl Funke

Dieter erzählte mir, dass zur Zeit der dampfenden Bahn 50 Meter rechts und links der Schiene immer frei geschnitten wurde, damit das Grün im Sommer der Hitze mit dem Funkenflug nicht in Berührung kommen konnte, um einen Waldbrand zu erzeugen.

Dampfloks konnten auch Waldbrände verursachen, wenn nicht 50 Meter an beiden Seiten ständig gerodet worden wäre

1977 zog eine Dampflok den Museumszug bis zum Hauptbahnhof Hagen. Anfangs öffnete das Museum auch nur drei Tage die Woche. Sogar der Samstag war geschlossen. Das habe ich selbst mal erlebt, weil ich mit meinem Vater ins Museum wollte, und es war geschlossen. Wir landeten dann im Kloster Stiepel und aßen dort was. Den Besuch haben wir ein paar Wochen später nachgeholt. Das ist aber auch schon etwa 20 Jahre her…

Lerne die wichtigen Signale kennen

 

Kinder haben viel Platz im Museum

Auf dem Eisenbahnmuseumsgelände haben die Kinder viel Platz zum Austoben und Spielen, wenn sie die Loks und Waggons nicht interessiert. Falls es schlechtes Wetter gibt, können sie in der Lokleitung mit der Holzeisenbahn im Kinderspielzimmer spielen. Einmal im Jahr gibt es auch ein Kinderfest.

Kindertage sind alljährlich im August

Ein Transrapid im Ruhrgebiet

Eine technische Meisterleistung und moderne Augenweide im Bochumer Eisenbahnmuseum

Der Transrapid war eine neue Technik. Ein deutsches Patent, dass die Eisenbahn revolutionieren sollte im neuen Jahrtausend. Das technische Wunderwerk deutscher Ingenieurskunst stand in Bayern herum und gammelte vor sich hin. Das Eisenbahnmuseum Dahlhausen konnte es für symbolische 1 € retten und steht mit geldlicher Unterstützung der Sparkassenstiftung NRW von 250000 € für den Transport und das Aufstellen nun seit September 2024 auf dem Gelände vom Eisenbahnmuseum. 

Eine Dachdeckerfirma musste erst mal die Lecks oben flicken, damit nicht noch mehr Feuchtigkeit den Innenraum zerstört. Dort befinden sich hauptsächlich Kabel, die aus dem Innenleben hervorlugen, statt bequeme Sitze. Vorerst ist das Gefährt nur gesichert vor noch mehr Verfall. Es wird noch einige Jahre und etliche Spendengelder dauern bis für Besucher und Besucherinnen den Transrapid auch von innen zeigen zu können. Priorität haben die Fahrzeuge mit denen gefahren werden kann auf der Ruhrtalstrecke.

Ruhrtalbahn

Eröffnet wurde die mittlere Ruhrtalbahn 1874. Sie diente für den Abtransport der dort entlang geförderten Kohle aus den Zechen, sowie der Industrie, die sie brauchte. Personenverkehr war eher nebensächlich. Als 1971 sich das Befahren auch nicht mehr für Personen lohnte, wurde lag die Strecke brach.

Der Blick über einen verrosteten Dampfkessel auf das große Gelände vom Eisenbahnmuseum

10 Jahre später nahm der Museumsverkehr die fahrt wieder auf und konnte den schon 1973 verbotenen Dampflokbetrieb als historische Bahnfahrt begeistern. Heute kostet die Fahrt mit der Dampflok bis zu Endstation Wengern-Ost hin und zurück 26 €. Mit der Diesellok 20 €.

Alles muss immer geölt werden, damit nichts kaputt geht

Die Route der Industriekultur kreuzt mehrmals die Bahnlinie. So liegen viele sehenswerte touristischen Ziele entlang der Strecke, wie das  LWL-Industriemuseum Henrichshütte, das Muttental, das Gruben- und Feldbahnmuseum Theresia und das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall,  die historischen Stadtkerne von Hattingen und Wengern, sowie die Burg Blankenstein, das Haus Kemnade oder der Kemnader See und die Ruine Hardenstein. Wer mit dem Rad unterwegs ist, kann unterwegs die Bahn nutzen um den berühmten RuhrtalRadweg
etwas zu kürzen. Auch Anlegestellen  zum Kanufahren liegen direkt neben der Strecke.

Filmkulisse Eisenbahnmuseum

Oft genug werden historische Filme im Eisenbahnmuseum mit den funktionierenden Dampfloks und historisch getreuen Waggons gedreht. Unter anderem wurde hier Sönke Wortmanns mittlerweile schon zum Klassiker gehörenden „Das Wunder von Bern“ gedreht.

Der wichtigste Ort für eine alte Filmkulisse im Museum ist der Bahnhof

Fünf Tage lang wurden die verschiedensten wichtigen Szenen in der weltweit meist gesehenen Filmserie Deutschlands produziert von der ARD und Sky: „Babylon Berlin“. Die Verfilmung der Krimiromane von Volker Kutscher sind hier und im Bahnhof Krefeld aufgenommen worden und versetzen die Zuschauer in eine Zeit kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wo die Romane anfangs spielen. Die Verfilmungen gehören zu den bisher teuersten Produktionen des deutschen Fernsehens.

Die ehrenamtlichen Museumsführer oder Bastler kriegen nichts mit. Sie reparieren oder sanieren dann Loks, Waggons oder andere wichtigen Dinge im Museum. Weil das Museum dann geschlossen ist.

Ehrenamt Eisenbahnmuseum

Dieter in Aktion an der Drehscheibe

Wer handwerklich etwas kann, der ist auch gern gesehen. Angst zu haben braucht man nicht. Hier wird Mann und Frau beigebracht mit welchem Werkzeug an der Lok geschraubt werden muss. Dieter selbst ist gern im Gleisbauteam. Denn Gleise müssen immer mal wieder ausgetauscht werden. „Das Lösen der Schrauben ist die schwerste körperlich Arbeit, doch dann kommt der Bagger, um die Schienen herauszuholen“, sagte Dieter.

Im musealen Bereich sind es hauptsächlich Holzschwellen. Das Eisenbahnmuseum arbeitet mit einigen Kalkwerken, wie in Wülfrath, zusammen. Die Holzschwellen werden dort regelmäßig ausgetauscht, die dann dem Museum gegeben.

120 Ehrenamtliche helfen hier. Es ist ein Mitmach-Museum. Jede und Jeder ist herzlich eingeladen mitzumachen.

Manchmal kommen welche von weiter her für vier oder fünf Tage für Arbeiten an den Loks, wenn es um Getriebe oder schwereren Reparaturen geht, die hier nicht jeder kann. Es gibt Ehrenamtler, die nach ihrer Arbeit noch abends zum Schrauben kommen.

Gruppenführungen möglich

Auch an geschlossenen Tagen kann eine Gästeführung durchgeführt werden auf Anfrage. Eine Gruppenführung bis zu 10 Personen kostet 230 € zur Zeit und jede weitere Person 10 € zusätzlich.

Lohnenswerter Besuch im Eisenbahnmuseum

Ein Besuch im Eisenbahnmuseum lohnt sich auch für technisch Nichtinteressierte. Hier wird man in eine andere verlorene Zeit versetzt. Ob die alte Schienenbahn oder ein Waggon vom Orientexpress. Ein Blick in Waggons oder Loks lässt einen nostalgisch werden.

Auch spezielle Waggons sind aufbereitet für die Besucher

Die Eintrittspreise sind mehr als moderat für das, was das Museum bietet und immer in Stand setzen muss. Es gibt auch eine Jahreskarte, damit man nicht immer den Eintritt zahlen muss. Mit der Ruhrtopcard kommt man einmal im Jahr auch kostenlos rein. Familien mit Kindern haben nicht nur mit einer Dampflokfahrt durch das Ruhrtal eine besondere touristische Möglichkeit vor der Haustür im Ruhrgebiet, sondern auch einen großen Spielplatz mit Mehrwert.

Spielen erlaubt

Bücher und Souvenirs im neuen Eingangs- und Ausgangsbereich des Museums

 

Eisenbahnmuseum Bochum – Dahlhausen

Öffnungszeiten

  • Saison vom 01.03.2025 bis 16.11.2025
  • Dienstag bis Samstag & an allen Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr
  • letzter Einlass: 16 Uhr
  • Montags geschlossen (Ausser an Feiertagen)
  • Freundliche und angeleinte Hunde sind im Museum willkommen

Eintrittspreise

  •  Erwachsene: 11,00 €
  •  Kinder (6-14 Jahre): 5,50 €
  •  Familie (2 Erw. + Kinder): 28,00 €
  •  Saisonkarte Erwachsener: 88,00 €
  • Zahlungen mit EC-Karten nur für Eintritt
  • Gruppenführungen bis 10 Personen 230 €, jede weitere 10 €
  • Anmeldung für Gruppenführungen: Bestellformular Führung, Draisine,Feldbahn
Adresse
Eisenbahnmuseum Dahlhausen
Dr.-C.-Otto-Straße 191
44879 Bochum
Tel: 0234492516
info@eisenbahnmuseum-bochum.de
https://eisenbahnmuseum-bochum.de 

Links & Videos zum Eisenbahnmuseum und Dieter Seiferts Spendenaktion:

Startseite – Eisenbahnmuseum Bochum

Eisenbahnmuseum Bochum – Wikipedia

Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen

Eisenbahn Museum Bochum teil 1

Eisenbahn Museum Bochum teil 2

Ein Rundgang durchs Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen

2023 Besuch des Eisenbahnmuseums Bochum Dahlhausen

Eisenbahnmuseum Bochum 2025  Bochum Dahlhausen – Museumstage & historische Lokomotiven erleben

Das Eisenbahnmuseum Bochum – Industriekultur im Ruhrgebiet

Das Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen: Eine Begegnung mit Geschichte, Technik und einem längst vergangenen Stück Ruhrgebiet – Ruhrbarone

Eisenbahnmuseum Bochum – Bochum Tourismus

Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen (Museum)

Transrapid – Wikipedia

Der Transrapid – Deutsche Ingenieurskunst | Industriefilm von 1997

Transrapid – Werbefilm der deutschen Magnetschwebebahn (1985)

So funktioniert der Transrapid: Schweben, Antrieb & Steuerung ausführlich erklärt

Alles über den Transrapid | Ausführlicher Vortrag über Geschichte, Technik und Zukunft

Hier vergammelt der schnellste Zug Europas

Aufstieg und Fall- Die Tragische Geschichte des Transrapid (Dokumentation/4K)

Vor 20 Jahren: Streit um den Transrapid | SPIEGEL TV

Debatte um den Transrapid | SPIEGEL TV 1999

Ruhrtopcard kaufen (unaufgeforderte Werbung, hab sie selbst)

https://ruhrtopcard.de

Spendenaktion von Dieter Seifert

Spendenfahrt Hospiz Halberstadt

Dieters Motorradtouren – Zentrum für Spendenaktionen

www.bikersammeltspenden.de

Tagebuch 2025 | Dieters Motorradtouren

2025 Pressespiegel.pdf

Hospizverein Regenbogen
https://www.hospizverein-regenbogen.de/

Allgemeine Information

Deutsche Hospiz- und Palliativverband:
https://www.dhpv.de/start.html

Organspende-Information:
https://www.organspende-info.de/

Du möchtest Dieters Spendenaktion und damit den Hospizverein Halberstadt unterstützen:

  1. Spendenmöglichkeit
    Paypal (Zahlung an Freund:innen und Familie)

paypal.me/DHFSeifert 

  1. Spendenmöglichkeit
    Überweisung an dieses Konto:
    IBAN DE66 4305 0001 0145 3329 38
    Kontoinhaber: Dieter Seifert
  2. Spendenmöglichkeit
    Überweisung auf das Konto des Hospizvereins:
    IBAN DE70 8105 2000 0311 3018 94 

Halberstadt (ein Besuch aus dem Ruhrgebiet in den Harz lohnt sich!):

Halberstadt – Ihr Tor zum Harz

Halberstadt von oben und die besten Aussichtspunkte – Sebastian Grote | Fotograf

Harz Ausflugsziele: Meine Lieblingsorte & Insider Tipps – Itchy Feet Reiseblog

Halberstadt – Wikipedia

Stadt Halberstadt – YouTube

Halberstadt Stadtrundgang

DDR 1975 Halberstadt , das kommt nie wieder 8 mm rare private Aufnahmen 4K

Halberstadt – wunderbar verwandelt

Halberstadt Eine Zeitreise durch 40 Jahre

Halberstadt 1945-2012

150 Jahre Gelsenkirchen Teil 1 I Geschichte, Fakten, Anekdoten I +Videopodcast I +Podcast Ruhrgebiet erklärt Folge 18

Die Stadt Gelsenkirchen feiert 150 Jahre und kaum einer im Ruhrgebiet hat es bemerkt. Wir feiern es im Podcast und besprechen die bewegende Geschichte eines Dorfes aus dem Jahr 1150 namens Geilistirinkirkin.

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Wer nur den Podcast „Ruhrgebiet erklärt“ abonnieren möchte:

Der ursprüngliche Name der „Stadt mit geilen Stieren um eine Kirche herum“, so eine mögliche Erklärung des mittelalterlichen Namens in der Neuzeit, hat aber eine andere Bedeutung. Das klären wir im Podcast und erzählen noch viele weitere interessante Dinge über die Stadtwerdung im Jahr 1875.

Natürlich darf der nördlich der Emscher liegende heutige Stadtteil Buer mit seiner eigenen Geschichte nicht fehlen. Dort war übrigens die letzte Hexe im Ruhrgebiet gefasst worden. In Buer ging es herrschaftlich streng katholisch auf Schloss Horst und Berge zu.

Die Stadt hat viel mehr zu erzählen als die negativen Schlagzeilen, wie die eines Engländers, der während der Fußballeuropameisterschaft 2024 die Stadt mit einem kleinen Video weltweit zur übelsten Stadt herabgewürdigt hat. Nicht nur dass es in Großbritannien mit Sicherheit noch schlimmere Ecken gibt, sondern nun muss der Rat der Stadt nach den Kommunalwahlen auch mit einem gewählten stellvertretenden AfD-Bürgermeister, den ersten der blauen ewig meckernden rassistischen Partei im Ruhrgebiet klar kommen, die haushohe Stimmen sogar bei Migranten bekommen hat.

Wenn Remigration passiert, kann Gelsenkirchens stellvertretendender Bürgermeister Norbert Emmerich dann das Licht ausmachen.

Gelsenkirchen setzt Maßstäbe auf ganz eigene Art und Weise, nicht nur mit einem Korruptionsskandal bei den örtlichen Müllentsorger Gelsendienste, sondern auch mit positiven Dingen, wie Swiftkirchen oder der kommenden IGA 2027, sowie ganz vielen kleinen und großen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Musiktheater. Darauf gehen wir allerdings im zweiten Teil mehr ein.

Am Ende besprechen wir diesmal kein Ruhrpottwort, sondern woher der Ausdruck Gelsenkirchener Barock stammt und was es bedeutet. Wir werden im nächsten Teil nochmal auf den Ausdruck die Stadt der 1000 Feuer kommen und die Sehenswürdigkeiten näher beleuchten.

Im dritten Teil folgt die Geschichte des weltweit viel beachteten Fußballvereins, den die Stadt prägt, wie kaum eine andere Mannschaft mit ihren Höhen und Tiefen in der ersten und zweiten Bundesliga: Schalke 04.

Gelsenkirchen ist eine spannende und trotz aller negativen Schlagzeilen eben wirklich eine sehenswerte Stadt, die man kennenlernen muss im Ruhrgebiet. Sie ist wirklich der Ruhrpott gewesen. Sie hat ihn bekommen im Fußball und wurde durch den Visionär und Industrieboss Friedrich Grillo zur Großstadt.

Alle industrielle Wirkungsstätten aus Bergbau und Stahl, Drahtzieh- und Chemiewerken, sowie Textilfirmen haben die Stadt zur reichsten in Deutschland gemacht. Das Schließen der Industrie nach und nach ließ Gelsenkirchen jedoch zu einem der ärmsten werden in ganz Deutschland, die das Image ständig aufpolieren muss.

Dabei kann sie es ohne Probleme. Das muss sich nur in den Köpfen der anderen, die die Stadt allein wegen des Namens schon meiden, ändern. Wir versuchen das in unserer Podcastreihe Ruhrgebiet erklärt.

Viel Spaß und Glück auf also!

Links:

Wikipedia Gelsenkirchen
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https://www.gelsenkirchen.de
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https://www.gelsenkirchener-geschichten.de/wiki/Portal:Geschichte
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https://www.gelsenkanal.de/Geschichte-1023394361.html
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https://www.heimatbund-gelsenkirchen.de/venues/besuch.html
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Wissenschaftspark Gelsenkirchen : https://www.wipage.de/ueber-uns/geschichte
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https://klartext-verlag.de/buecher/sachbuch/6646/gelsenkirchen-in-geschichte-und-gegenwart
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https://daten.geoportal.ruhr/srv/api/records/5ea88219-ec47-471e-bd81-bf9664c25a83

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www.gelsenkirchen.de – 150Jahre

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Buch: Gelsenkirchen in Geschichte und Gegenwart, Klartext Verlag, ISBN: 9783837527049

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Gelsenkirchener Geheimnisse von Mike Durlacher und Maira Schröer, ISBN: 9783946581482

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Antiquarisch: Gelsenkirchen Buer und Horst von Hans-Rudolf Thiel

Zeiten ändern sich: Bottroper Grubennacht ist Event und der Knappenchor Rheinland singt ein letztes Mal I +Video I Kommentar

Der Knappenchor Rheinland hat am 21.12.2026 in Moers auf Schacht IV das letzte Mal das Steigerlied gesungen, während in Bottrop umme Ecke mit dem Erinnerungsevent der „Grubennacht“ zum zweiten Mal mit der Ehrengarde Prosper – Haniel angestimmt wird: 

https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/moers-letztes-weihnachtssingen-knappenchor-bergbau-100.html

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100 Mann besangen noch vor 40 Jahren das Arschleder, jetzt standen noch 14 mit dem Durchschnittsalter von Mitte 80 mit kraftstrotzender Stimme auf der Bühne. 200 Besucher sangen kräftig mit kullernden Tränen mit. Der Lauf der Dinge. Auch Bergleute werden alt und es sterben Kumpels weg, die den Schnaps danach mitgeschluckt haben, auch früher an den damals vielen Kneipentheken, die heute schicke große Wohnungen sind.

Die Jugend hat anderes im Kopf

Wir sollten uns nichts vormachen, denn schon jetzt tauchen auf gemalten Bildern von Kindern so gut wie keine rauchende Schlote oder Bergwerke in Zeichnungen auf, sondern grüne Wiesen mit dem Tetraeder im Hintergrund. 

Der vom Bundeskanzler Willy Brandt a.D.u.v. (außer Dienst und verstorben…) geforderte blaue Himmel ist heute fast automatisch Wirklichkeit geworden. Weil es kaum noch Stahl- und Kokserzeugung gibt, die sonst an jeder Ecke im Ruhrgebiet waren. Die Kinder können mit der Ursprungsgeschichte des Ruhrgebiets nichts mehr anfangen. So ist das nun mal.

Es gibt sie noch die Bergleute, die letzten, die noch mit Bergbausicherung zu tun haben, die Bergleute, die in Salz- oder Kali-Bergwerke arbeiten. Auch die Braunkohle macht Schicht im Schacht demnächst. Im Ruhrgebiet ist es die letzte Garde die Schächte verfüllen oder gesangstechnisch in der Ehrengarde Prosper – Haniel e.V. ihre Stimme bereitstellen.

Grubennacht in Bottrop 

Für die letzten Bergleute von Bottrop ist das zweite Mal das Event „Grubennacht“ gestaltet worden am 21.12.2025. Auch diese Reihen werden sich in ein paar Jahrzehnten lichten und dann macht der letzte im wahrsten Sinne dat Licht im Schacht aus. Wird dann die nächste Generation das noch würdigen, was die Eltern, Groß- und Urgroßeltern geschaffen haben?

Wir wissen es nicht. Die Welt dreht sich weiter. Andere Prioritäten werden wichtiger, aber die Spuren werden bleiben an vielen Punkten im Ruhrgebiet, ob in Moers, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund oder Hamm. Fast alle 53 Städte haben sich durch den Zuzug von Männern von Dörfern erst zu Städten entwickelt. Gut, damals gab es noch keinen Fernseher, da gab es dann mal eben ein paar Kinder zu füttern bei dem kargen Bergarbeiterlohn. Aber immerhin gab es eine Wohnung mit Garten für die Selbstversorgung. Ja, dass waren noch Zeiten. Da kam der Metzger und schlachtete das Hausschwein. Und die Familie hatten nur einen Sonntagsbraten. Heute fährt man mit dem Auto bis vor die Tür der an jeder Ecke stehenden Supermärkten und behauptet, dass kein Tier geschlachtet wird, die Schnitzel kommen ja aus der Kühltheke… 

Es ist irgendwie gruselig, wenn man indirekt mit den noch vorhandenen Fördergerüsten aufwächst. Man weiß etwas darüber, aber dann stehen die Seilscheiben still. Die Männer machen was anderes oder gehen in Rente. Es sind andere Themen, andere Arbeiten, eben Strukturwandel, der sich bei allen entwickelt und die Städte durchzieht. Und so mancher Bergmann war auch froh in Frührente gehen zu können. Nicht alle beweihräuchern ihren alten dreckigen Job. Das soll auch ehrlich gesagt sein. Lustig war das da unten nämlich nicht immer. Aber Kumpels, was heute ein aussterbender Begriff ist, sind sie immer noch Übertage.

Im schicken Moers war Bergbau?

Und dann gibt es einen Chor aus Bergleuten vom Bergwerk Rheinbaben in Moers. Wer weiß denn noch, dass da Bergbau war. Moers liegt doch auf der anderen Seite vom Rhein. Das ist doch Niederrhein. Liegt das noch im Ruhrgebiet?

Die Moerser meinen nein. Sie fühlen sich nicht zum „Ruhrpott“ unbedingt zugehörig. Der Knappenchor besang jedoch 40 Jahre lang das berühmte Arschleder im Steigerlied. Also muss es wohl so sein. Da ist es schon länger her mit dem Bergbau und nun werden die Stimmen stumm. Die Uniformen werden in den Schrank gehängt.

Das ist, als wenn die Eltern sterben, so wie ich es erlebt habe vor ein paar Jahren. Es ist dann eine gewisse Leere, die entsteht am Ort, wo man aufgewachsen ist. Etwas fehlt und wird fehlen, bis man selbst nicht mehr da ist, wenn man es erlebt hat. Die Kinder, die damit nicht mehr aufwachsen, werden anders damit umgehen. Ihnen wird auch irgendwas fehlen, aber nicht unbedingt ein Knappenchor oder ein Fördergerüst, dessen Bedeutung ihnen heute nicht mal mehr in der Schule unbedingt beigebracht wird. 

Zu meiner Schulzeit in den 1970er und 1980er Jahren hatte der Rohstoff Steinkohle in Erdkunde noch eine große Bedeutung. Den Lehrern wurde aufgetragen laut Lehrplan uns zu zeigen, wo die Kohle abgebaut wurde und wie das ist mit den Anfängen vom Abteufen bis zum Abbau mit Bohrhammer und der Kohlenwäsche und was damit außer Heizen noch gemacht werden kann.

Die Zeiten ändern sich

Die Welt dreht sich weiter. So ist es nun mal. Die Generation wechselt. Das Leben mit Rauch, schwarzer Kohle, dem Dreck in Luft und auf Straßen, was viele mit einer besonderen Nostalgie verklären, ist einmal mehr Geschichte geworden. Ich kenne sie noch, die hartgesottenen Arbeiter. Heute sind es die Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen, die sich die Hände schmutzig machen und hochgelobt werden, sogar Verständnis gezeigt wird, wenn sie mal ein paar Sekunden Pause machen zwischen den Patienten, aber dann mit vorgehaltener Hand durch den Kakao gezogen werden, dass die Pflege nicht mehr das ist, was sie mal war…

Jetzt macht das Ruhrgebiet automatisch durch die Schließungen auch der großen Kohlekraftwerke, wie in Voerde, wo der große Schornstein am 19.12. gesprengt wurde, ganz viel für den Klimaschutz. Am besten noch die Autobahnen dicht machen, dann haben wir auch keinen Feinstaub mehr. Die Straßenbauer sind jetzt die, die am meisten Staub einatmen müssen Übertage.

Schornsteinsprengung Voerde: RWE baut Kraftwerk zurück – Ruhrgebiet – Nachrichten – WDR

 

Mit einem traurigen Blick schaut man auf die Vergangenheit, aber man muss nach vorne schauen. Der Strukturwandel ist wichtiger denn je, damit das Ruhrgebiet in der globalisierten Welt bestehen kann. Darauf sollte sich Politik und Wirtschaft konzentrieren.

 

Rheinpreussen ist schon lange dicht

 

Die Schachtanlage Rheinpreussen 4 in Moers wurde östlich der Römerstraße als Anschlussanlage von Rheinpreussen von 1900 bis 1904 abgeteuft. Weithin sichtbar kam eine Kokerei dazu. Zu Spitzenzeiten konnte 1 Mio Tonnen Steinkohle gefördert werden.

 

Das Doppelstreben-Fördergerüst blieb nach dem Verfüllen 1990 erhalten und ist ein sehenswerter Ort auf der Route der Industriekultur.

 

Natürlich werde ich mit Jack Tengo einen eigenen Podcast in der Reihe ‚Ruhrgebiet erklärt‘ zu Rheinpreussen und auch Moers machen. Aber das dauert noch ein wenig und Bedarf noch ein wenig Recherche als nur bei Wikipedia nachzulesen.

Kunst und Bergbau

Und nächstes Jahr habe ich vor mit der Kunstgemeinschaft Bottrop mehr eingebunden zu werden bei der Grubennacht, denn der Kumpel Anton (im Foto) der zur Einstimmung der Grubennacht genutzt wird, wurde von meiner Vorvorgängerin vom ersten Vorsitz des Vereins Bernhardine Lützenburg entworfen. 

Kunst und Industrie gehen seit jeher Hand in Hand. Und wenn ich mir die Bilder ansehe im WAZ-Beitrag, dann sehe ich kaum Jugendliche, sondern eher die Generation 50+. Traurig aber wahr, das ist eben das, was ich beschrieb. Der Generationenwechsel ist im vollen Gange und kaum einer bemerkt es. Ich selbst konnte leider nicht anwesend sein, da ich in Urlaub fuhr, den ich unbedingt auch mal brauchte.

Ehrliche Diskussion zur Bergbaukultur

Wir müssen das auch mal ehrlich machen die Verklärung. So schön die Nostalgie ist. Es gab und gibt immer Vor- und Nachteile bei der Industrie, vor allem im Bergbau. Es gibt sie, die Bergleute, die den Job 100%ig gern gemacht haben da unten im Dunkeln unter den Millionen Tonnen Gestein. Doch es gibt auch die, die es gemacht haben, aber lieber was anderes gemacht hätten und froh sind aus der Grube heil heraus gekommen zu sein.

Und wieviele Bergleute sind an der Staublunge (Silikose) schon in jungen Jahren elendig verreckt. Viele sind Untertage geblieben durch Unfälle in den frühen Tagen. Bergleute wollten ihre Kinder nicht im Schacht sehen. Zuhause waren sie dann keine Kumpels. Auch wenn der Sohn meinte, es gibt aufe Zeche besseres Geld, so solle er besser studieren gehen, um was anständiges zu lernen. Es gibt sie, die generationenübergreifend im Bergbau tätig waren. Aber es gibt vor allem die, die es nicht getan haben, längst nicht mehr den Weg der Silikose gewählt haben und heute vielleicht Krankenpfleger oder am E-Auto Kabelbinder geworden sind…

 

Glück auf auf das, was noch kommen wird, denn das Leben geht weiter, auch ohne Kohle mit ein bisschen noch von Stahl und Koks, die das Ruhrgebiet zu dem gemacht haben, was es heute ist!

 

Links

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Schachtanlage_Rheinpreu%C3%9Fen_4?wprov=sfla1

https://www.meinchor.de/knappenchor-rheinland-moers

grubennacht-bottrop.de

Grubennacht feiert den Bergbau in Bottrop: Die schönsten Fotos zum Event

Bochumer Verein Teil 4 I Die Jahrhunderthalle, der Westpark, die Ruhrtriennale & der BVV Heute I +Videopodcast I +Podcast Folge 17 #122

Der vierte und letzte Teil unseres geschichtlichen Panoramas über den Bochumer Verein enthält die Infos zur Jahrhunderthalle, wie sie entstanden und was sie heute ist: Eine Eventhalle, wie zu ihrer Ursprungszeit 1902 in Düsseldorf. Dort hat sie als Ausstellungshalle für den Bochumer Verein gedient, bevor in ihr die Gaskraftzentrale des Stahlwerks entstand.

Wir reißen die Situation der Reste der Firma auf, die heute einen chinesischen Investor gehört. Als GmbH stellt sie hochwertige Radsätze für die Eisenbahn her – sozusagen traditionelle Produkte. Sie hat aber auch eine kleine Schattenseite bekommen, als mit den Radsätzen in Eschede das größte ICE-Eisenbahnunglück der Geschichte passiert ist 1998. Dadurch sind aber noch höhere Maßstäbe gesetzt worden, die seitdem unfallfrei laufen.

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Nach dem Ende der Herstellung von Stahl im Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahl unter Krupp Ende der 1980er setzten sich die Bochumer zusammen an einen Tisch und entwickelten ein neues Naherholungsgebiet in der Stadt, das seinesgleichen suchen sollte.

Gleichzeitig wird die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Ausstellungshalle und Gaskraftzentrale einer neuen Funktion zugeführt. Als Jahrhunderthalle, deren Name zu diesem Zeitpunkt plötzlich entstand, sollte sie weltberühmt werden mit der Ruhrtriennale, die hier jährlich gastiert oder dem historischen Jahrmarkt und vielen anderen Events.

Damit schließt sich der Kreis des Gründers Jacob Mayer und die mit ihm entstandene große Geschichte einer Firma, die Stadt Bochum mit den Bergwerken zusammen aus einem Dorf eine Großstadt hat werden lassen.

Sein Grab wird es ebenfalls weiterhin geben im Kortumpark hinter dem Hauptbahnhof Bochum. Und so können wir uns dem nächsten Projekt widmen in dieser Podcastreihe: 150 Jahre Gelsenkirchen.

Übrigens klären wir auch auf, woher das Wort „pennen“ kommt, denn es ist ein Wort, dass nicht nur im Ruhrgebiet gesprochen wird und auch gar nicht von hier wech kommt. Nur damita Bescheid wisst!

Glück auf, wie auch die Stahlarbeiter wohl sagen, weil sie die Kohle brauchten, um Stahl zu erzeugen.

Quellen:

BVV – Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH

Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH – Kundenvorteile garantiert

Handelsregisterauszug von Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH aus Bochum (HRB 4860)

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Unglück in Enschede:

  1. Eschede train disaster – Wikipedia (englisch)
    https://en.wikipedia.org/wiki/Eschede_train_disaster
  2. Eschede – ICE-Unglück (Offizielle Seite der Gemeinde Eschede)
    https://www.eschede.de/seite/419030/ice-ungl%C3%BCck.html
  3. RND – Warum ICE 884 entgleiste und was die Bahn daraus (noch nicht) gelernt hat
    https://www.rnd.de/panorama/eschede-warum-ice-884-entgleiste-und-was-die-bahn-daraus-noch-nicht-gelernt-hat-IPBDA5MZABGPTDRMCDVUDFOI3M.html
  4. com – The Eschede Derailment
    https://noonpi.com/the-eschede-derailment/
  5. HNA – Rückblick auf das Eschede-Unglück
    https://www.hna.de/lokales/frankenberg/eschede-zug-884-zugunglueck-ice-esche-vor-20-jahren-9919315.html
  6. T-Online – Erinnerung & Gedenkstätte Eschede
    (Bildquelle)
    https://www.t-online.de/
  7. Spiegel Online – Bildmaterial zum Unglück
    (Bildquelle)
    https://www.spiegel.de/
  8. Deutschlandfunk – Bildmaterial Eschede-Unglück
    (Bildquelle)
    https://www.deutschlandfunk.de/

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Westpark

Westpark – Bochum Tourismus

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https://ruhrtriennale.de

Rückblick 2025

Ruhrtriennale – Ruhrtriennale 2025: Rückblick

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Kulturort & Eventlocation im Revier – Jahrhunderthalle Bochum : https://jahrhunderthalle-bochum.de

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Buch: Peter Honnen: Wo kommt dat her?

Örtliche Buchhandlung in Gelsenkirchen bekommt keinen Ausschreibungszuschlag für die Stadtbücherei I Kommentar & Meinung

Ein WAZ – Beitrag hat mich verärgert als ich las, dass der örtliche Buchhändler Dirk Niewöhner mit seiner Buchhandlung Kottmann in Gelsenkirchen nicht den Zuschlag erhielt die örtliche Stadtbücherei zu bestücken.

Buchhändler schäumt: „Gelsenkirchen übergeht heimische Firma“ https://www.waz.de/lokales/gelsenkirchen/article410115075/buchhaendler-schaeumt-gelsenkirchen-uebergeht-heimische-firma.html

Rechtlich richtig ist es leider. Deswegen ist die Entscheidung für die Stadt Gelsenkirchen einfach gewesen.

Rechtlich ist es natürlich schwierig da einen Unterschied zu machen, denn ab einem bestimmten Beitrag muss die Stadt die Ausschreibung für wirtschaftliche Aufträge für den Ort in ganz Deutschland machen oder sogar in ganz Europa. Das sind Richtlinien, die natürlich auch den angespannten Haushalt der Stadt Gelsenkirchen etwas entspannen sollen. Doch dies ist nicht nur dort der Fall, sondern überall, wo Städte eine schiefe Haushaltslage bekommen haben.

Aber ist es sinnvoll?

Nein. Denn mit jedem Cent, der eingespart wird, um bei diesem Beispiel nun in einer Buchhandlung in München die Bücher zu bestellen für die Stadtbücherei, weil diese in der Punktevergabe entweder günstiger war oder in einem Losverfahren zum Glück den Zuschlag erhalten hat, sägt sich die Stadt langfristig natürlich den eigenen Ast ab.

Denn der Gelsenkirchener Dirk Niewöhner hat Angestellte, er zahlt nicht unwesentliche Steuern an die Stadt, die diese wiederum für die örtlichen Schulen und kaputten Straßen investieren… sollten.

Aber wenn jetzt die Vergabe von einem Betrag von über 188000 € nicht an eine ortsansässige Gelsenkirchener Buchhandlung geht, die sich mit 16 anderen aus ganz Deutschland beworben hat nicht bekommt, dann geht die Gewerbesteuer eben nach München. Die Stadt freut sich mit den Steuereinnahmen einen weiteren U-Bahnschacht bauen zu können.

Rechtlich im Rahmen ist es ja, aber der eigenen Stadt spart man kein Geld damit, sondern zahlt doch am Ende drauf. So hätte die Buchhandlung in Gelsenkirchen eine Unterstützung seitens der Wirtschaftsförderung bekommen, wenn sie sich nicht am rechtlichen Rahmen gehalten hätte, sondern der eigenen städtischen Wirtschaft zugewendet hätte. Aber geht das nach den gesetzlichen Vorgaben, die eigentlich die eigene Wirtschaft schaden können ?

Der Buchhandel allgemein hat einen schweren Weg zur Zeit zu gehen. Durch Aufkäufe kleinerer Buchhandlungen und Zentralisierung von einigen Großbuchhandlungsketten, wie Thalia oder Hugendubel, sowie der Internethandel durch den Riesen Amazon, ist der Druck auf die Kleinen Einzelunternehmer trotz Buchpreisbindung immens geworden.

Viele bleiben auf der Strecke. Viele arbeiten nur noch der Liebhaberei wegen den Büchern und den Menschen in den Orten, die als Stammkunden immer kommen, um zu schmöckern und sich vom Service überzeugt beraten lassen.

Fazit

Die kleinen Buchhandlungen, die noch ihren vernünftigen Beratungsservice haben, und nicht nur gewinnbringend abkassieren für ihr Aktienunternehmen, sowie auch schlechte bis gar keine Beratung mehr haben, sollten Unterstützung bekommen. Gerade von der eigenen städtischen Wirtschaftsförderung.

Sonst wundert man sich wieder über einen erneuten Leerstand in der Stadt. Mit so einem Auftrag kann sich eine kleine Buchhandlung das Jahr über Wasser bis zum Weihnachtsgeschäft halten.

Ich war selber Buchhändler. Ich weiß, wovon ich rede

Viele kleine geben auf wegen der Kosten von hohen Mieten, Nebenkosten und Abgaben. Vollzeitkräfte können meist nicht mehr gehalten werden.

Große Unternehmen bekommen durch die wirtschaftliche Lage der Kleinen mehr von diesem großen Kuchen ab und können dadurch problemlos überleben. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in großen Unternehmen bekommen auch nicht wesentlich mehr als Mindestlohn. Das ist in meinen Augen unfairer Wettbewerb.

In den Ausschreibungsrichtlinien sollte stehen, daß örtliche Firmen immer bevorzugt werden sollten, wenn die Ausschreibung auch vernünftig abgegeben wurden. Der Papierkram, der einen eben nur stundenlang erschlägt mit der Hoffnung mal etwas einfacher Geld zu bekommen, ist schon immens genug.

So werden in den Ruhrgebietsstädten noch leerere das Bild der Fußgängerzonen prägen. Und Schulbücher werden dann bei Amazon und Co bestellt, weil es niemanden mehr vor Ort gibt.

Allein das traurige Bild der neueren Geschichte des Buchhandels ist mittlerweile ein Gesellschaftsproblem.

Wenn ich Bücher kaufe, dann gehe ich zu meinem örtlichen Buchhändler in Bochum. Oder wenn ich in einer Stadt an einer vorbei komme, wo ich etwas spannendes finde, dann kaufe ich es dort ein.

Es wird zwar noch gelesen, aber trotzdem sind schnelle Bilder, Videos und Fake News auch ein Knackpunkt der kleinen Buchhandlungen, die als Nische sich aufrecht erhalten müssen.

Ich wünsche der Gelsenkirchener Buchhandlung Kottmann noch ein langes Überleben und viel Kundschaft, damit sie ohne diesen Zuschlag trotzdem der Stadt erhalten bleiben wird.

Glück auf

Bochumer Verein Teil 3 I Von der braunen Zeit bis zur Gegenwart 1933 – 1990 I +Videopodcast I +Podcast Folge 16 #121

In Teil 3 unseres gemeinsamen Projektes ‚Ruhrgebiet erklärt‘ Folge 16 sprechen wir über die eher unrühmliche Vergangenheit unter der Herrschaft des Nationalsozialismus, Zwangsarbeit und die Nachkriegszeit vom Stahlhersteller im Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahl AG.

Ein nicht ganz so einfacher Podcast, der in Hitradio Ruhr seine Premiere hatte eine Woche zuvor.

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Die Firma hat sich sehr unrühmlich verhalten. Viele Zwangsarbeiter wurden ausgenutzt, um die Rüstung am Laufen zu halten. In Bochum gab es ein Außenlager vom KZ Buchenwald. Das sagt schon genug aus, wie die Situation in Bochum war. Und es sagt aus, dass Verantwortliche wußten, was mit denen passierte, die nicht mehr arbeitsfähig waren. Jahrzehntelang wurden Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen nicht entschädigt. Aber wie das genau war, dass wird in einem anderen Podcast der Stolperstein-Reihe besprochen werden.

Die Nachkriegszeit hat dem Bochumer Verein nach einem Aufschwung wirtschaftlich stark zugesetzt. Es wurde auch woanders und billiger Stahl hergestellt. Eine Aktienmehrheit von Krupp hat so die Übernahme vom8 Bochumer Verein Generationen nach dem alten Alfried endlich möglich gemacht. Die Situation war dann aber leider so, dass Krupp in Bochum das Werk nach und nach eher abwickelte. Durch Managementfehler sind die Herstellungsverfahren einfach veraltet gewesen und sie wurden nicht mehr ersetzt.

Natürlich flechten wir jetzt immer ein Ruhrpottwort ein, um es zu erklären, woher es stammt und ob es wirklich von hier kommt. Oder was man noch so sagt.

Der Bochumer Verein lebt noch. Und einige Hallen werden auch noch genutzt für Herstellung von speziellen Radsätzen im Eisenbahnbau. Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH ist keine Aktiengesellschaft mehr. Die Firma prüft auch Materialien. Im vierten Teil reden wir über die moderne Firma, aber sprechen auch über den die Jahrhunderthalle, ihre Geschichte und den Ursprung als Ausstellungshalle, sowie ihre Architektur, den heutigen Westpark auf dem Ursprungsgelände des Stahlwerks nah der Innenstadt und reißen die Ruhrtriennale an. Das es weitere Veranstaltungen in der Jahrhunderthalle gibt ist selbstverständlich. Als da wären der historische Jahrmarkt oder im Jahr 2025 die studentische Sportveranstaltung FISO. Die Jahrhunderthalle und das Gelände hat einen großen Mehrwert für die Stadt Bochum und gilt als ein internationaler Must-See touristischer Ausflugsort des Ruhrgebiets. 

Für die Opfer von Eschede, die bei dem schwersten ICE-Unglück am 3.6.1998 ums Leben gekommen sind, legen wir am Ende eine Schweigeminute im Podcast ein. Dieses Unglück hat zu einer noch größeren Material- und Sicherheitsüberprüfung bei der Bahn geführt, damit dies nicht wieder passieren kann. Damals war der Bochumer Verein unter die Lupe genommen. 

2016 war ein Schnittpunkt für die traditionelle deutsche Firma. Sie wurde von Full Hill, einem chinesischen Investor gekauft. 2022 wechselte der Geschäftsführer. Die Spezialisierung war wohl wirklich sehr wichtig für das Überleben dieses Restunternehmens, aber hat nur entfernt mit dem Ursprung der Gusstahlfabrik Meyer & Kühne zu tun. Auf dem Gelände steht kein Hochofen mehr, der den Stahl zu einem Rad formt.

Andere Teile der Firma, wie die große Stahlverarbeitungshalle in Höntrop, die in den 1920er Jahren die größte der Welt war, sowie die in Bochum anderen verteilten „Herstellerhallen“ gehören mittlerweile anderen Firmen. Eine wurde kürzlich im Oktober 2025 von ThyssenKrupp geschlossen. An der Castroper Straße wird nun nichts mehr produziert und die Stadt Bochum setzt sich schon hin, um das Gelände neu zu gestalten, wie es schon mit dem Opel-Gelände passiert ist. Bochum ist das Markenzeichen für positiven Strukturwandel im Revier und schaut nach vorn.

Glück auf ist übrigens der Gruß der Stahlleute ebenfalls nutzen, weil sie eng mit dem Bergbau verbunden sind. Ohne Kohle, keine Stahlerzeugung. Die Zeche Carolinenglück, wovon noch ein Fördergerüst an der Erzbahntrasse unter Denkmalschutz steht, gehörte dem Bochumer Verein.

Damit endet der letzte Podcast über den Bochumer Verein. Alles konnten wir nicht reinpacken. Das hätte den schon großen Rahmen noch größer gemacht und gesprengt. Es hat Spaß gemacht, ihn zu kreieren. Die nächsten folgen und werden das Ruhrgebiet erklären. 

Viel Spaß dabei! Für weitere Infos geht auf die Quellen und weiteren Informationen :

https://www.bochum.de/Stadtarchiv/Bochum-in-der-NS-Zeit/Zwangsarbeiter-im-NS-Staat-und-ihr-Schicksal-in-Bochum

https://bochum-donezk.de/projekte/ehemalige-zwangsarbeiter

https://bochum-donezk.de/images/stories/ehem_zwang/2024-Flyer-Ehemaliges-Zwangsarbeiterlager-Bochum-Bergen.pdf

https://www.bochum.de/Stadtarchiv/Bochum-in-der-NS-Zeit/Ehemaliges-Zwangsarbeiterlager-Bergener-Strasse-116a-i

https://www.aussenlager-buchenwald.de/details.html?camp=20

https://de.wikipedia.org/wiki/NS-Zwangsarbeit_in_Bochum_und_Wattenscheid?wprov=sfla1

https://www.zwangsarbeit-archiv.de/buecher_medien/literatur/b00355/index.html

https://www.bochumgegenrechts.de/bochum/kriegsgefangenen-zwangsarbeiter-konzentrationslager-und-gefaengnisse-waehrend-des-faschismus-in-bochum/

https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/bochum-aufloesung-aussenlager-kz-buchenwald-100.html

https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/bochum-aufloesung-aussenlager-kz-buchenwald-100.html

https://www.porta-polonica.de/de/atlas-der-erinnerungsorte/von-polnischen-kumpels-polenzechen-und-ostarbeitern-ein-blick-auf-100?page=5

https://r-mediabase.eu/zwangsarbeit-in-bochum/

https://www.bochumer-verein.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Bochumer_Verein?wprov=sfla1

Peter Honnen: Wo kommt dat her?

Im Schatten von Fritz Bauer I Foto der Woche

Im Schatten von Fritz Bauer sind wir alle. Es kommt drauf an, auf welcher Seite wir sind. Und. Welche Tür wir aufmachen.

Im Schatten von Fritz Bauer ©André Brune

Vor 60 Jahren gingen die Auschwitz – Prozesse zu Ende, die Fritz Bauer als Generalstaatsanwalt in die Wege geleitet hatte.


Gewonnen haben damals die Nazis. Die Schatten der Vergangenheit ragen bis in unsere Zeit.


Sie sind trotz aller Aufklärung, wieviele Menschen umgebracht wurden, nie wirklich weggegangen. Ihre Enkel und Urenkel sehen sich zum Teil nicht mehr verantwortlich für die Vergangenheit, nutzen jedoch die Sprache der Zeit und Hetzen gegen Ausländer, Andersgläubigen, Queere Menschen, Homosexuellen, ja und auch gegen Behinderte Menschen!

Mit Hetze beginnt es, mit dem Tod von Millionen Menschen ist es nicht beendet, sondern so wie es aussieht nur vorübergehend eingestellt worden.

In Italien gibt es ein Zitat : Gibt es einen Faschisten und 10 handeln gleichgültig. Dann gibt es 11 Faschisten.

Wir sind im Schatten von Fritz Bauer, der in der Geschichte fast vergessen wurde.

Es gibt die, die auf der Seite sind, die Aufstehen und Widerstand leisten und die, die den Populisten folgen und abnicken aus Wut, Unzufriedenheit oder Dummheit glauben, was gut für Deutschland ist.

Ich bin kein weichgespülter linksgrüner Faschist, wie ich schon beschimpft wurde. Ich bin weltoffen, aufgeklärt und gegen jede Form des Rassismus und Antisemitismus. Da endet meine Toleranz gegenüber den Personen, die Menschen einteilen, wie sie leben dürfen oder gar nicht.

Ich trete in den Schatten von Fritz Bauer, um Widerstand zu leisten gegen die Zersetzung der Gesellschaft und Moral durch die Politik der AfD. Und öffne die Tür. Ich werde es mit Kunst, Büchern, Fotos und meiner Podcastreihe Stolpersteine Ruhrgebiet durchziehen.

Meine Mutter hat den zweiten Weltkrieg erlebt. Hat den Tod gesehen als Kind. Hat Zwangsarbeitern mit viel Mut Brot gegeben, sie hat ihr Leben lang damit gelebt mit dem, was Faschisten angerichtet haben.

Sie gehören in ihre Schranken gewiesen und verboten für die Wahrung unserer Demokratie!

Wenn es auch ein Widerspruch ist, dass jeder seine Meinung sagen kann: Menschenleben auf eine Waage legen, ob sie leben dürfen oder nicht, weil sie einen anderen Glauben, eine andere Hautfarbe oder eine andere Sprache sprechen. Es ist inhuman und gegen das Grundgesetz Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Dieses erste Gesetz der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland hat jedoch selbst das Gesetz nie wirklich richtig angewandt und beginnt daran zu rütteln, was Fritz Bauer sich in seinem Leben auf seine Fahnen als Generalstaatsanwalt auf die Fahnen geschrieben hatte. Er wollte jeden noch so kleinen Naziunterstützer vor Gericht bringen.

Er starb leider zu früh. Ob wirklich an einem Herzleiden oder ob er vielleicht doch ins Jenseits befördert würde, weil er sehr tief gegraben hat, kann jeder selbst entscheiden darüber nachzudenken.

Es gibt sie immer wieder die Glaubensritter einer verirrten Politik. Uns geht es so gut wie es uns noch nie ergangen ist.

Das Foto ist am 27.11.25 entstanden bei einem Vortag von Dr. Irmtrud Wojak über Fritz Bauer und die Auschwitz-Prozesse im @fritzbauerforum

Rege Teilnahme am Vortrag von Dr. Irmtrud Wojak ©André Brune

Der Auschwitz-Prozess, Fritz Bauer und die deutsche Gesellschaft hatte eine anregende Diskussion, wie heute mit der Geschichte umgegangen werden soll.

Es wurde die Frage gestellt, ob es richtig ist, ritualisierend an den bestimmten Tagen 9.11. Reichsprogromnacht oder am 27.1. Befreiung von Auschwitz zu erinnern mit Kränzen und Reden.

Die Überlebenden, die kaum noch leben heute, hatten Widerstand geleistet. Nur so konnten sie überleben. Wie leisten wir in der Gesellschaft heute unseren Widerstand. An bestimmten Tagen nur oder jeden Tag mit Zivilcourage, Aufklärung in der Schule oder einfach nur mit einer Kerze oder Blume zwischendurch an Stätten des Widerstands oder Denkmäler für Opfer? Stolpersteine nur im November putzen? In der jetzigen Zeit ist es umso wichtiger Widerstand zu leisten in jeder Form und das tue ich in meinen Möglichkeiten.

Ich möchte das Bewußtsein bewahren, daß das Ruhrgebiet auch nur durch Migranten so groß werden konnte. Fast jeder hier geborene hat Vorfahren aus einer völlig anderen Gegend der Welt. Hier ist es umso wichtiger Widerstand zu leisten! Und umso unverständlicher, dass die Menschen sich von einer wahren Lügenpartei die Richtung vorgeben zu lassen.

Die Demokratie müssen wir bewahren und daran arbeiten es noch lebenswerter zu bauen!

Gemeinsam! Nicht nur im Ruhrgebiet!

Glück auf

#Schattenwand #foto #niewiederistjetzt

Bochumer Verein Teil 2 I Vom Zwerg zum Riesen der Stahlindustrie 1842-1932 I +Videopodcast I + Podcast Folge 15 #120

Im Teil 2 erzählen wir das Großwerden von einer kleinen Hütte auf einem Ackergelände vor den Toren Bochums bis zum zweitgrößten Stahlhersteller Deutschlands. Immer moderner werdend mit immer neuen Stahlherstellungsverfahren setzte die Bochumer Verein Gussstahlfabrikation AG immer neue Maßstäbe.

In Folge 15 der Podcast – Reihe ‚Ruhrgebiet erklärt‘ erzählen wir über den wirtschaftlichen Verlauf von den Anfängen über den Ersten Weltkrieg bis kurz vor der Machtergreifung von den Nationalsozialisten.  

Zum Videopodcast:

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Wer nur den Podcast „Ruhrgebiet erklärt“ mit mir und Jack Tengo folgen möchte:

Wir erklären so einfach wie möglich das ein oder andere technische Verfahren. Denn das Bochumer Werk und die weiteren Werke in Weitmar, Langendreer und Höntrop bekommen stetig die modernsten Erfindungen zur besseren Stahlherstellung.

Bergbau und Gußstahlfabrikation Bochum Expo 1873 (Urheberschutzrecht aufgehoben – Quelle Wikipedia)

Der Neustart und das Großwerden zu einem weltweit bekannten Unternehmen unter dem Generaldirektor Louis Baare und die Personen dahinter und danach werden erwähnt. Wir vergessen auch nicht die sozialen, aber auch sozialkritischen Maßnahmen von Louis Baare für die geschundenen Hilfsarbeiter und die Verbindung zu Otto von Bismarck, sowie auch die Unterdrückung der Arbeitnehmer, die für einen Akkordlohn, eine Wohnung oder Zimmer trotzdem jederzeit ohne Kündigungsschutz gearbeitet haben.

Bochumer Verein Hochöfen (um 1920) (Urheberschutzrecht aufgehoben – Quelle Wikipedia)

Im dritten Teil kommt das dunkle Kapitel, das der ausgezeichnete Musterbetrieb der Nazis für eine unrühmliche Rolle, besonders in Sachen Zwangsarbeit spielte und besprechen den Weg der Nachkriegszeit bis zur Übernahme von Krupp und das Fast-Ende vom Bochumer Verein. Dieses Kapitel brauchte einfach einen zusätzlichen Podcast. 

Bochumer Verein, 1898 (Urheberschutzrecht aufgehoben – Quelle Wikipedia)

Im vierten Teil gehen wir auf die Gegenwart vom Bochumer Verein, die Geschichte und Architektur der Eventstation Jahrhunderthalle Bochum ein und erklären die Ruhrtriennale und andere Attraktionen die jedes Jahr aufs neue die entstandene Parkanlage zum Leben bringen.  

Viel Geschichte, die wir jedoch mit Humor unterlegen, damit es nicht zu langweilig wird, obwohl Geschichte nie langweilig ist. 

Wir haben eine Menge Quellen gefunden und Links wer sich für mehr Informationen interessiert:

Bochumer Verein – Wikipedia

Jacob Mayer (Fabrikant) – Wikipedia

Puddelverfahren – Wikipedia

Bessemer-Verfahren – Wikipedia

Siemens-Martin-Verfahren – Wikipedia

Frischen – Wikipedia

Thomas-Verfahren – Wikipedia

Glocke vor dem Bochumer Rathaus – Wikipedia

Bochumer Verein/Werk Höntrop – Wikipedia

Der Bochumer Verein Teil 1 I Die Gründer und Unternehmer Jacob Mayer, Eduard Kühne und Louis Baare I +Videopodcast I +Podcast Folge 14 #119

Der neue „Ruhrgebiet erklärt“ aus der Reihe „Ruhrpottologe unterwegs im Ruhrgebiet“ ist Teil 1 einer vierteiligen Reihe über den Stahlhersteller Bochumer Verein. Jack Tengo und ich beginnen mit den wichtigsten Personen ohne die das Unternehmen gar nicht erst gewesen wäre: Jacob Mayer, Eduard Kühneund dem  Generaldirektor Louis Baare, der kam, als die kleine von Konkurs bedrohte auf einem ehemaligen Bochumer Ackergelände stehende Firma zu einem Aktienunternehmen wurde: Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrication AG. 

Es geht um die Geschichte, den Aufstieg und Fall eines der größten Stahlhersteller. Wir besprechen nicht nur einfach einen Wikipediaeintrag, sondern auch humorvoll über Anekdoten, die ich bei der Recherche gefunden habe, sowie auch das Drumherum der Zeit, als die Gründung vollzogen wurde unter welchen Bedingungen von der Ersten Weltwirtschaftskrise bis zu den ersten Aufträgen von Kanonen und die Weltausstellung in Paris mit der ersten aus einem Guß hergestellten Glocke, von der eine der zweitgrößten vor dem Rathaus Bochum steht.

Gusstahlfabrik in Bochum von Mayer und Kuehne 1845 (c) aufgehoben aus Wikipedia

Es geht um das Auf und Ab in der Stahlproduktion, die Beteiligungen der Firma in alle Welt, die Nebenschauplätze vom Siegerland über Lothringen bis nach Schweden, aber auch die negativen Seiten von Zwangsarbeitern im ersten, sowie im zweiten Weltkrieg. 

Bochumer Verein (Postkarte um 1907) vom Bildarchiv Stadt Bochum

Aufhänger der Idee war eine Gästeführer – Hospitation von Bochum Marketing in der Unterwelt der Jahrhunderthalle. Ich hab gesagt: Erst der Podcast, dann Gästeführung. Der heutige Eventpunkt „Jahrhunderthalle“ auf der Route der Industriekultur hat eine große Drumherum-Geschichte, die es im Podcast zu erzählen gilt in einem wahren Industrie-Epos.

Alle vier Teile werden eine Woche vor der Veröffentlichung auf den Podcast-Kanälen vorher beim Internetradio Hitradio Ruhr als Vorpremiere immer Sonntags von 16-19 Uhr veröffentlicht werden. Dabei begleitet uns Musik von Tana Schanzara, Dieter Krebs, Wolfgang Petry, Hausmeister Klopotek und viele andere Interpreten bei den eher trockenen Themen, die wir mit Humor aufbereiten und nicht langweilig werden lassen. 

Eine Woche später wird der Podcast dann am Sonntag ab 19 Uhr zu hören sein auf allen Podcast – Kanälen, sowie im Youtube – Kanal: @ruhrpottologeTV oder auch bei Jack Tengo. Alle Links und Infos kommen, wie jetzt immer über den Blog.

Wir behandeln in Teil 1 den Aufstieg des Bochumer Vereins, der ohne die drei wichtigsten Persönlichkeiten nicht möglich gewesen wäre. Wir besprechen die Wurzeln der Fabrik, das nicht den Anfang im Ruhrgebiet nahm, sondern in Nippes, was viele nicht wissen oder nicht erzählt bekommen.

Podcast anhören im Radio Sonntags 16-19 Uhr:

bei HITRADIO RUHR – Dein Sender für´s Ruhrgebiet.

Dieser Podcast (Bochumer Verein Teil 1) jetzt sehen oder hören:

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Der Erfinder: Jacob Mayer – vom Uhrmacher zum Stahlpionier

Jacob Mayer (1813–1875), geboren im württembergischen Dunningen, war eigentlich Uhrmacher – und zugleich ein Tüftler, der das Herstellungsverfahren von Gussstahl revolutionieren wollte. Auf der Suche nach dem nötigen Know-how ging er nach Sheffield, der britischen Stahlmetropole, wo er die Grundlagen moderner Tiegelgussverfahren studierte bei dem britischen Uhrmacher Huntsman, der sich das selber in Indien genauer angeschaut hatte. Jacob hätte seinen Nachnamen in Bond ändern können, der war ja schließlich aus dem Ruhrgebiet, geboren in Wattenscheid. Jacob Meyer war der Techniker und Eduard Kühne war der Geschäftsmann, der auf die Idee der Gründung einer Stahlfirma aufmerksam wurde und unterstützen wollte als Geschäftsführer Links zu Jacob Mayer:

Jacob Mayer 1862 (c) aufgehoben aus Wikipedia

Mehr über Jacob Mayer: https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Mayer

1836 gelang ihm der Durchbruch: der erste Gussstahl auf deutschem Boden – noch in Köln-Nippes. Doch die Vision war größer. Die Verwirklichung sollte im Ruhrgebiet nicht in Aachen oder Köln sein. Seine aus einem Guß gegossene erste Glocke auf der Weltausstellung 1855 war nicht nur damals die erste ihrer Art vor Ort, sondern beeindruckte auch den Nachbarkonkurrenten aus Essen Alfred Krupp.

Der Möglichmacher: Eduard Kühne – Kaufmann mit Weitblick und leider tragischem Ende

Eduard Kühne (1810–1883) war der kaufmännische Partner, ohne den Mayer nie ein Werk aufgebaut hätte in seinem Wunschgebiet. Als Kaufmann mit Kapital, Kontakten und Mut unterschrieb er 1842 den Gründungsvertrag und finanzierte die frühen, verlustreichen Experimente bis es nicht mehr ging. Als die gemeinsame Firma des Technikers Jacob Mayer und des Geschäftsführers Eduard Kühne in Konkurs rutschte, half nur ein Neustart als Aktiengesellschaft 1854 in dem die 1842 gegründete Firma Guß- et Cement, Stahlfabrik bei Bochum oder Essen Mayer & Kühne zum Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrication AG, kurz BVG. 

Doch trotz seines Pioniergeistes geriet Kühne, der unter dem eingesetzten Generaldirektor Louis Baare seine Ideen nicht mehr durchsetzen konnte und somit 1858 seinen Hut nahm, später in finanzielle Schwierigkeiten, verlor sein Vermögen und starb verarmt in Kleve. In Bochum wird Kühne vielleicht deswegen nicht unbedingt als Vorreiter des Bochumer Vereins gedacht, obwohl ohne ihn es nicht dazu gekommen wäre. Von ihm gibt es keine Fotos oder Lithografien.

Kurzbiografie Kühne: https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_K%C3%BChne

Der Stratege und Patriarch: Louis Baare – der Mann, der Bochum zur Großstadt machte

Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1854 wurde Louis Baare (1821–1895) Geschäftsführer des neuen Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation AG. Baare machte aus dem Unternehmen einen Stahlgiganten – strukturiert, modern, sozial engagiert und international erfolgreich.

Louis Baare (c) aufgehoben aus Wikipedia

Unter seiner Führung wuchs das Werk von wenigen Hundert Arbeitern auf über 16.000 Beschäftigte (1909). Er prägte das Stadtbild. Er hatte sehr gute politische Verbindungen bis zum damaligen Reichminister Otto von Bismarck und entwarf die Idee einer Unfallversicherung. Er ließ einen neuen Stadtteil entstehen, wie das bekannte Stahlhausen direkt gegenüber des Eingangs zum Werk. Es war vergleichbar mit der Form des sozialen Engagement der Firma Krupp in Essen.

Zur Person Baare: https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Baare

Die weiteren Teile gehen mehr auf die Geschichte des Unternehmens, die dunkle Zeit und den Neubeginn, den Abriss und die Jahrhunderthalle von heute mit den Events von Ruhrtriennale, Konzerten und Jahrmarkt-Attraktion.

Zweiter Teil bespricht den Aufstieg von der Glocke zur Weltindustrie

Zu den legendären Momenten gehört die Gussstahlglocke von 1855, die auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille gewann. Die noch größere Glocke der Weltausstellung von 1867 steht heute auf dem Rathausplatz in Bochum.

Bochumer Verein, 1898 (c) aufgehoben, aus Wikipedia

Glocke Bochum: https://de.wikipedia.org/wiki/Gussstahlglocke_(Bochum)

Doch die Glocken machten nur 0,4% der Produktion aus. Der Bochumer Verein war eher der Motor für zivile Infrastrukturprodukte von Werkzeug bis zu Schiffsschrauben, Räder für die Eisenbahn, Lokomotivteile, Schienen und Weichen und später auch Rüstungsgüter. Durch die immer neuen Ingenieurstechniken in der Zeit der Einigung von Kleinstaaten zum Deutschen Reich modernisierte sich die Fabrik immer wieder und erweiterte seine Standorte innerhalb der Stadt später mit zwei weiteren Stahlerzeugung- und Verarbeitungshallen auf der heutigen Bessemerstraße und in Höntrop auf der Essener Straße.

Bochum explodiert – von 3.000 zu 65.000 Einwohnern

Mit der Industrialisierung strömten Menschen aus Preußen, Württemberg, Schlesien, Polen und dem gesamten Deutschen Reich nach Bochum. Die Einwohnerzahl verfünffachte sich binnen weniger Jahrzehnte. Ohne Mayer, Kühne und Baare wäre Bochum vielleicht ein kleines Ackerbaudorf geblieben oder ein anderer hätte es gemacht.

Wer sich alle Podcasts anhören möchte, wird im dritten Teil die dunkle Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft und die Zwangsarbeit im Bochumer Verein, sowie den Neubeginn bis zum Abbruch und Neubau einer Parklandschaft mit integrierter Eventstation innerhalb der ehemaligen Ausstellungshalle und heute genannten Jahrhunderthalle .

Der Podcast behandelt außerdem die dunklen Kapitel: Rüstungsproduktion und den massiven Einsatz von Zwangsarbeiter*innen im Zweiten Weltkrieg.

Vom Stahlwerk zur Jahrhunderthalle: Kultur statt Hochöfen behandelt der vierte Podcast

Mit dem Strukturwandel schloss weitgehend das Werk – aber das Gelände lebt weiter: Die Jahrhunderthalle Bochum, einst Herzstück des Bochumer Vereins, ist heute einer der bedeutendsten Kulturorte des Ruhrgebiets und zentraler Spielort der Ruhrtriennale.

Weitere interessante Links und Quellen:

2. Heimatbuch 1928 – Jakob Mayer – Die Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. ist eine Vereinigung zur Erforschung und Pflege der Regionalgeschichte in Bochum.

bochum.de: Louis_Baare.pdf

Das Unternehmen – Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH

Bochumer Verein – Gelsenkirchener Geschichten Wiki

Gussstahl aus Bochum revolutionierte die Stahlherstellung

­Bochum: Begründer des Bochumer Vereins Jacob Mayer vor 200 Jahren geboren – Industriekultur

Bochumer Verein – Wikipedia

Wer nur den Podcast „Ruhrgebiet erklärt“ folgen möchte:

Stolperstein Ernst Bente aus Bochum I KJ, BV Strafgefangener & Versuchskaninchen I +Short I +Videopodcast I +Podcast #118

Ernst Bente war ein Opfer des Nationalsozialismus. Er war wegen Diebstahl und Raubüberfälle, sowie unerlaubten Waffenbesitz zu fünf Jahren Haft und fünf Jahre Ehrverlust verurteilt worden in Bochum. Dann kam die Gestapo und brachte ihn in den Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald. Im KZ Mauthausen wurde er als menschliches Versuchskaninchen ausgenutzt. Deswegen der Titel zum Stolperstein für Ernst Bente. Ab da ging es nur noch ums Überleben. Warum hat Ernst Bente diese Taten begangen frage ich mich. Welche Taten wiegen schwerer: Raubüberfall, wo niemand zu schaden kommt oder ein Arzt, der jemanden dessen bürgerlichen Rechte vom Staat für eine begrenzte Zeit ausgehebelt werden, Impfversuche macht?

Am 8.11.2025 machte ich den Stolperstein von Ernst Bente sauber im Rahmen der Aufrufaktion vom Kinder- und Jugendring Bochum und beschloss spontan einen Podcast über das Opfer Ernst Bente zu gestalten für das Projekt und die Reihe Stolpersteine Ruhrgebiet. 

Teaser und Säuberungsaktion-Video:

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Auf den Holl 30 in Bochum-Werne. Ist nicht mehr das Originalhaus. Am Pfeil liegt der Stolperstein. Foto: André Brune

Ernst Bente sollte eine Stimme bekommen, wie es auch Paul Borek schon bekommen hatte. Es erwartete mich mehr als die Recherchen vom Lessing – Gymnasium Bochum, als ich mich näher mit den Unterlagen vom Arolsen Archiv beschäftigte während ich die Aufnahme machte.

Vor der Säuberungsaktion vom Stolperstein für Ernst Bente. Hier war lange keiner mehr… Foto: André Brune

Dabei wollte ich nur den recherchierten Text vom Lessing – Gymnasium vorlesen. Doch dann kamen viele Fragen, die ich mir stellte, während der Aufnahme.

Warum hat er die  schweren Taten begangen, obwohl er wußte, was mit ihm passieren wird, wenn er verhaftet werden würde?

War er immer noch Kommunist und damit im Untergrund im Widerstand?

Sauber poliert! Foto: André Brune

Hat er die Taten begangen, weil er eine Krankheit oder eine körperliche Behinderung hatte und keine Arbeit dadurch finden konnte, um seine Familie zu ernähren?

War er wehrunwürdig, weil er eine körperliche Behinderung hatte oder wurde er wegen der Taten so eingestuft?

Das heutige Wohnhaus Auf den Holln 30 stammt nicht aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und hatte vielleicht Bombenschäden oder war baufällig und wurde neu aufgebaut. Das erfordert weitere Forschungen. Foto: André Brune

War er arbeitslos, weil er eine körperliche Behinderung hatte oder weil er wegen Diebstahl im Bergbau auf einer Schwarzen Liste gesetzt wurde?

Hatte er sich freiwillig den Typhus-Impfungen zur Verfügung gestellt oder wurde er einfach gespritzt mit dem Hinweis: Du wirst das KZ überleben, wenn du das mitmachst. So wurde man psychisch unter Druck gesetzt, aber hätte durch die Nebenwirkungen auch sterben können. Was ist dann das geringere Übel: Im Steinbruch umzukommen oder durch eine Spritze?

Mir rattert da das Gehirn, wenn ich mich in seine Lage versetze und gleichzeitig läuft es mir kalt über den Rücken runter. Obwohl er ein Verbrecher war, war er in der Gesellschaft des Nationalsozialismus für eine begrenzte Zeit als ein Nichts, eine Nummer eingestuft worden, des Lebens nicht würdig und wurde auch so behandelt.

Und was ist aus ihm geworden, als die Amerikaner ihn entlassen haben? Wie hat er die letzten Jahre seines Lebens gelebt? Hat seine geschiedene Frau und sein Kind ihn doch noch mal besucht? Hat er ein neues Leben, die zweite Chance gut nutzen können? 

Wie ist man nach dem Zweiten Weltkrieg in der Gesellschaft mit ihm umgegangen? Wie hat er die psychische Belastung ausgehalten? Wo und wie wohnte er? Wann starb er und wurde begraben? Gibt es die Grabstelle noch?

Ernst Bente kann als umstrittene gewaltbereite Person dargestellt werden, weil er fünf Jahr hinter Gittern kommen sollte wegen Raubüberfall, versuchten Raubüberfall, Diebstahl und unerlaubten Waffenbesitz. Doch er landete nicht in einem normalen Zuchthaus, wie die Gefängnisse früher hießen, sondern in einem Konzentrationslager. Warum hat er die Taten begannen und warum kam er relativ schnell in ein Konzentrationslager?

So viele Fragen über eine Person und ich bin eigentlich nicht am Ende mit den Fragen. 

Zum Videopodcast mit den Bildern der Rechercheergebnissen:

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Zur Person Ernst Bente:

Geboren am 15.2.1911 in Bochum als Sohn von Ernst Bente und Ehefrau Laura. Wohnte damals in der Weststraße 67d in Langendreer.

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Er wurde Bergmann und war mit Martha verheiratet. Ein Kind hatte die junge Familie und lebte in Bochum-Werne Auf den Holln 30, bevor er abgeführt wurde von der Bochumer Kripo am 4.9.1939. Er wurde wegen Raub, versuchten Raubes, Diebstahl und verbotenen Waffenbesitz zu fünf Jahren Gefängnis sowie Ehrverlust verurteilt.

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Wenige Wochen später am 13.10. verschleppte ihn dann die Gestapo (Geheime Staatspolizei), wahrscheinlich wegen der Bandbreite seiner Verbrechen, ins Konzentrationslager Buchenwald. 

Im KZ Buchenwald wurde er als „Wehrunwürdiger“ Häftling mit der Nummer 8284 erfasst und dem Arbeitskommando Steinbruch zugewiesen als Zwangsarbeiter. Auf der Karteikarte vom Konzentrations-Lager Buchenwald wird eine „Bisherige Parteizugehörigkeit“ als KJ 30-32 notiert.

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Als ich die Buchstaben kJ und Ziffern nachforschte fand ich raus, dass er wohl der Kommunistischen Jugend zwischen 1930 und 1932 angehörte. Es gab in diesen Jahren überall in Deutschland heftige Straßenschlachten zwischen Anhängern der NSDAP und der Kommunistischen Jugend, die zu diesem Zeitpunkt um die 50000 junge Männer und Frauen angehörten. Neue Fragen tun sich auf: 

War das nun das Vorstrafenregister oder die Zugehörigkeit bei einer Kommunistischen Organisation, die ihm zum Verhängnis wurde? War er vielleicht für die Kommunisten im Widerstand? Hat er vielleicht die Raubüberfälle dafür gemacht. Als ich die Karte las, war die Spekulation über sein Handeln noch größer.

Ich fand heraus, dass er wahrscheinlich bei der Kommunistischen Jugend Mitglied war von 1930-1932. Das klingt plausibel. Denn Ernst Bente ist geboren 1911. Er war zu dem Zeitpunkt 19 Jahre alt und genau im richtigen Alter dafür. Ist er 1932 ausgetreten, aber aus welchen Gründen? Hat er bei den Straßenschlachten mitgemacht? Hat er seine Frau Martha dort kennengelernt, wurde Vater und hat sich von den gewaltbereiten Kommunisten zurückgezogen? Warum er ausgetreten ist, kann verschiedene Ursachen haben.

Reine Spekulation wäre, aber auch plausibel wäre, dass er für die Kommunisten schon angefangen hatte, Geld durch Raubüberfälle zu organisieren. Er ist vielleicht da hinein gerutscht. Oder er hat durch Raubüberfälle den Widerstand ab 1933 unterstützt oder er hat ganz einfach seine Frau und Kind am Leben erhalten wollen, weil er keine Arbeit bekam, weil er mal Mitglied der Kommunisten war oder weil er als Bergmann Diebstahl begann und dadurch Arbeitslos. Klaute er etwa ein Mutterklötzchen? 

Sind Alkohol-,  Drogen- oder die Spielsucht ein Grund gewesen immer wieder Geld zu besorgen durch Raubüberfällen und Diebstahl? Welche körperliche Einschränkung hatte er, dass er auf einer Karteikarte als „Wehrunwürdig“ eingestuft worden ist. Egal, warum er das tat, er hatte sein Gründe vor allem im Nationalsozialismus es zu tun und wurde von der Bochumer Kripo verhaftet. Er bekam fünf Jahre Haft aufgebrummt mit gleichzeitigem „Ehrverlust“. 

Heinrich Himmler ordnete 1937 an, dass die notorischen Berufsverbrecher eine stärkere Gangart bekommen sollten. So wurden die BVler von der Gestapo in ein KZ überführt und mussten die unmenschlichen Bedingungen aushalten oder starben dort. 

Ernst Bente wurde von der Gestapo abgeführt am 4.9.1939, also wenige Tage nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht nach Polen, ins KZ Buchenwald. In die Armee wurde er nicht eingezogen. Es gab ja auch Selbstmordkommandos, wo Schwerverbrecher eingesetzt wurden. Kommst du heil zurück, wird deine Strafe dir erlassen…

Ernst war aber als „Wehrunwürdig“ eingestuft worden. Zum einen hatte er Glück die Front nicht erleben zu müssen, zum anderen war er sozusagen in einer Heimatfront ohne mögliche Wiederkehr gelandet. Im KZ Buchenwald war er in den Steinbruch zugewiesen worden. Aber welche Tätigkeit er dort hatte, wenn er wehrunfähig war, ist nicht klar definierbar. Hatte er sich in die Hand geschossen?

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Er war als Berufsverbrecher BV eingestuft worden, die gleichzeitig den gesetzlichen Ehrverlust über sich ergehen lassen mussten. Eine Strafe, die in der Bundesrepublik abgeschafft wurde. Allerdings erst 1969! Ein Ehrverlust ist die Aberkennung aller Bürgerrechte.

Die Folgen der Aberkennung der bürgerlichen Rechte waren in § 33 und § 34 StGB a. F. geregelt. Sie bewirkte den dauernden Verlust der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Rechte sowie aller öffentlichen Ämter, Würden, Titel, Orden und Ehrenzeichen. Während der Dauer konnten auch solche Ämter, Würden, Titel, Orden und Ehrenzeichen nicht erlangt werden. Ferner bewirkte die Aberkennung den Verlust der Fähigkeit, in öffentlichen Angelegenheiten zu stimmen, zu wählen oder gewählt zu werden und andere politische Rechte auszuüben; Zeuge bei Aufnahme von Urkunden zu sein; Vormund, Nebenvormund, Kurator, gerichtlicher Beistand oder Mitglied eines Familienrats zu sein, es sei denn, dass es sich um Verwandte absteigender Linie handelte und die obervormundschaftliche Behörde oder der Familienrat die Genehmigung erteilte.

Die Zeitdauer des Verlustes war in § 32 Abs. 2 StGB a. F. geregelt. Sie betrug bei zeitlich begrenzter Zuchthausstrafe mindestens zwei und höchstens zehn, bei Gefängnisstrafe mindestens ein und höchstens fünf Jahre. Diese Fristen wurden ab dem Tag berechnet, an dem die Strafe verbüßt, verjährt oder erlassen war, wobei allerdings bei Erlass nach einer Probezeit (Strafaussetzung zur Bewährung) diese einberechnet wurde (§ 36 StGB a. F.). Quelle: Wikipedia

Was wiegt höher: Raubüberfall oder unfreiwillige Menschenversuche

Den Medizinern in Mauthausen war das recht, so konnten sie ihn als Versuchskaninchen nutzen. Dort kam Ernst Bente an am 16.4.1940. Die Überführung zum KZ Mauthausen war sozusagen ein „Geschenk“ zum Geburtstag von den Verwaltern von Buchenwald.

Ernst Bente hatte keine Rechte als BV und verurteilt mit Ehrverlust. Hier frage ich mich, wer der größere Verbrecher ist: Der Staat oder die einzelnen Ärzte, die ihren Hippokratischen Eid abgelegt haben, diesen aber nicht mehr befolgten, weil die Karriere in der SS interessanter war, als einzelnen Menschen zu helfen? 

Ist also ein unfreiwilliger Menschenversuch mit zu erprobenden Medizinischen Mitteln an Menschen ohne bürgerlichen Rechte (Ehrverlust) ein weniger großes Verbrechen als ein Raubüberfall oder Diebstahl von jemanden, der dadurch für eine begrenzte Zeit keinen Platz mehr in der arischen Gesellschaft haben sollte. Ist ein Raubüberfall aus welchen Gründen auch immer oder ihn als unfreiwilliges Impfobjekt zu nutzen für den Fortbestand der arischen Rasse nun in der heutigen juristischen Waage gelegt das gefährlichere, das schlimmere Verbrechen?

Eins vorneweg: Die meisten Mediziner sind entnazifiziert worden und konnten mit ihrem Hippokratischen Eid weiter im Krankenhaus, in der Forschung oder ihrer Arztpraxis nach dem Zweiten Weltkrieg unbehelligt arbeiten ohne jemals hinter schwedische Gardinen zu kommen. Sie bekamen mit Sicherheit eine beachtliche Rente, während Ernst Bente 1960 im Arolsen Archives gehen musste, um die KZ-Jahre sich anrechnen zu lassen. Ansonsten hätte er noch weniger Rente bekommen. Ich kriege das Kotzen, wenn ich mir das näher ansehe und was Ernst Bente für ein Schicksal hatte, die in den Händen der Mediziner gelegt wurde. Dazu komme ich jetzt:

Ernst Bente wurde am 15.4.1940 ins KZ Mauthausen überführt mit 1 Paar Schuhe, 1+1 Strumpfpaaren, 1 Rock (längerer Mantel), 1 Hose, 1 Pullover, 2 + 1 Hemd, und tatsächlich nur EINER Unterhose und 1 Kamm. Das ist wahrlich nicht viel, was sein Leben noch ausmachte. Das war alles, was er noch besaß. 

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Im KZ bekam er die Bezeichnung „BV„, das in einem nach unten zeigenden Dreieck oder Winkel eingetragen wurde:  Lange Zeit wurde es von Historikern als „Befristete Vorbeugehaft“ anhand des Buches „Der SS-Staat – Das System der deutschen Konzentrationslager“ vom Historiker Eugen Kogon  angegeben. Doch Ende der 1980er Jahre fanden Historiker heraus, dass es nicht stimmen kann. BV steht höchstwahrscheinlich als Abkürzung für Berufs-Verbrecher.

Da es kein Foto von Ernst Bente gibt, hier seine Beschreibung von der Karteikarte, um sich ein Bild von ihm als Mensch zu machen:

1,70 Groß und schlank. Gesicht oval, Augen blau, Nase gerade, Mund groß, Ohren groß, ihm fehlte 1 Zahn, Haare blond, Sprache deutsch.

Screenshot der Häftling-Personal-Karte vom KZ Mauthausen aus der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Er war länger als fünf Jahre „Befristete Vorbeugehaft“ im KZ. In dieser Zeit begannen die Mediziner Typhus-Impf-Versuchsreihen an Gefangene zu verabreichen. Ernst Bente war wohl einer der ersten. Welche Nebenwirkungen, Schäden oder sonstige Dinge mit ihm angestellt wurden und er ertragen musste… 

Für mich ist ganz klar, dass ein Raubüberfall nicht positiv im Lebenslauf ist, aber unfreiwillige Menschenversuche geht gar nicht! 

Vor kurzem hatte ich auch einen Podcast über die Mediziner angehört, die sich der Karriere wegen der SS angeschlossen haben, so auch Dr. Karl Gross. 

Es war nicht richtig Raubüberfälle zu machen, keine Frage. Aber wieso nimmt ein Mann das Risiko auf sich verhaftet zu werden in der Zeit von Unterdrückung des eigenen Volkes unter der NSDAP-Regierung. Er muss doch gewußt haben, dass er mit seinen Handlungen in ein KZ kommen konnte ohne Widerkehr in ein normales Leben. Und wieviel wußte seine Frau Martha, die sich wiederum von ihm scheiden ließ. Hat sie ihn etwa denunziert? Oder hat sie die Scheidung eingereicht, weil auch sie ins Fadenkreuz kam und wollte dabei eigentlich nur verantwortungsbewußt das Kind ohne Probleme in der neu konstruierten Volksgemeinschaft großziehen, was ihr Mann vielleicht nicht akzeptieren wollte. Wir wissen nicht, was im familiären Haushalt passierte.

Ernst Bente war in der ganzen Zeit des Krieges im KZ Mauthausen. Seine Haft von fünf Jahren wurde nicht beendet. Er war weiterhin dort. Vielleicht wurde ihm gesagt, dass er nur entlassen wird, wenn er die Versuchsreihe für die Typhus-Impfungen mitmachen würde. Auch das ist reine Spekulation. Sicher ist, dass der Staat, die Firmen und die ausführenden Mediziner vor Ort in den KZs mit den Menschenversuchen ein viel größeres Verbrechen begannen als Ernst Bente mit den Raubüberfällen. Er wurde verbrecherischer behandelt als er je selbst ausgeführt hatte. Und so gut wie niemand wurde zur Rechenschaft gezogen. 

Der Dr. Mengele von Mauthausen Dr. Karl Gross war in sein altes Leben zurück gegangen und wurde wieder Landarzt ab 1947. 

Zur Person des SS-Arztes Karl Josef Gross: 

Geboren in Bad Vellach am 12.12.1907, wo er auch am 1.1.1967 wieder starb. Im Heimatort wurde er Kurarzt nach der Promotion 1933. Er soll kostenlos mittellose Patienten behandelt haben. Warum sein Charakter sich änderte, ist mir schleierhaft, wenn das wahr ist.

Er trat am 1.2.1939 als SS-Hauptsturmführer der Waffen-SS bei. Mit der SS-Nummer 314902 avancierte er zum Geburtstag von Adolf Hitler 1942 zum SS-Sturmbannführer. Er diente als Truppenarzt und forschte unablässig ab Mai 1942 am Hygiene-Institut der Waffen-SS in Berlin. Ab Juni wechselte er ins Robert-Koch – Krankenhaus nach Wien.

Dort testete er im Auftrag der Behringwerke Impfstoffe gegen Paratyphus an Häftlinge im KZ Mauthausen. Ab 1943 veranlasste Heinrich Himmler, dass er an das Zentralinstitut für Krebsforschung in Nesselstedt (heute Pokrzywo bei Posen/polnisch Poznan kam und die bakteriologische Abteilung übernahm.

Eine schnelle wohlwollende Karriere, weil er unabdingbar in Augen Himmlers erfolgreich testete. Denn er war der Leiter, der Forschung, die an Häftlingen vom KZ Mauthausen Impfstoffe ausprobierten. Mit seiner Handschrift sind noch Akten einzusehen, wo 1105 Opfer mit Datum und Art der Tests im Zeitraum von Februar bis April 1943 erhalten sind. Darin sind Vaccine zu Typhus, Paratyphus A und B, sowie Tetanusimpftoff verzeichnet, die von der IG-Farben hergestellt wurden. Die Blutuntersuchungen wurden an der Wiener Universität untersucht.

Nach Kriegsende durfte er wieder als Arzt arbeiten. Wegen der Zugehörigkeit zur SS wurde er verhaftet, aber nach kurzer Zeit wieder entlassen. Ärzte wurden schließlich gebraucht. Aber kaum jemand ging in seine Praxis, so dass er bis zu seinem Lebensende mit seiner Familie nur vom Vermögen des Vaters überleben konnte. 

Quelle: Wikipedia

Menschenversuch-Karte für Typhus-Impfungen mit Chargennummer – Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum der Lessingschule Bochum

Es ist für mich schleierhaft, dass dieser doch angeblich netter großzügiger Arzt die Karriere vorzog. Er wollte weg aus dem verschlafenen Kurort. Hatte eine Karriere vorgehabt und stieg wie ein Falke auf innerhalb der SS. Hier ist das genaue Gegenteil von Ernst Bente, der Abstieg als Krimineller, der ins KZ kam während Karl Gross als studierter Arzt die Karriere in einem Unrechtsystem vorzog, um berühmt zu werden als Impfstofferfinder. Die Firmen Behring und IG-Farben haben aus den Experimenten von damals bis heute profitiert.

Vielleicht hatte er den Nobelpreis für Medizin im Sinn auf Kosten von minderwertigen Leben, wie man es so formulieren könnte. Was ist abscheulicher in der Tat der Dinge? Ein Raubüberfall, wo kein Menschen zu schaden kommt oder eine unfreiwillig gemachte Impfstoffstudie an Häftlinge, die es nicht wert waren zu leben in dem System der Diktatur, wo einige wenige Menschen über das Leben von vielen entschieden?

Die Liste von Medizinverbrechen ist lang! Und viele machten mit. Viele, die hinterher von nichts wußten oder gewußt haben wollten und hinterher unbehelligt, entnazifiziert in ihrer Praxis, im Krankenhaus oder der Forschung weiter gearbeitet haben:

Liste von KZ-Ärzten und anderen Beteiligten an NS-Medizinverbrechen – Wikipedia

Das war auch noch nicht alles. Wer eingeteilt wurde als Berufsverbrecher hatte als Nebenstrafe auch keine bürgerlichen Rechte mehr. Der Ehrverlust wog damals schwer. Einmal als BV eingeteilt, hatte man keine Rechte mehr als Mensch im Staat, nicht mal wählen gehen war erlaubt. Aber wen sollte man da noch wählen im NS-Staat?

Im Dritten Reich war privater Waffenbesitz nicht erlaubt. Dies und vier andere Straftaten, Raubüberfall, Diebstahl, versuchter Raubüberfall machten ihn zu einem Berufsverbrecher und unabdingbar zu einem KZ-Strafgefangenen bis zu seinem Tod.

Ernst Bente hatte es irgendwie geschafft zu überleben. Wie er es überlebt hat, hat er in keinen Memoiren hinterlassen. Von den Amerikanern wurde das KZ Mauthausen befreit. Ein Major, ein Colonel und ein Captain saßen in einem Ausschuss, die die Entlassung aus dem KZ entschieden.

Entlassung und Zweite Chance

Screenshot der Entlassungspapiere vom Militärgouvernement der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Drei Militärangehörige, A.J. Michell, Colonel, T.T. Marye, ein Major und T.A. Taracouzie, Captain entschieden in einem Ausschuss über die Entlassung von Ernst Bente. Er hatte es tatsächlich geschafft zu überleben. War es Glück? War es der unbändige Überlebenswille? Oder war er im Lager einer, der andere unterstützt hat unter hoher Gefahr selbst erwischt zu werden? Das weiß niemand. Niemand kann uns mehr heute mitteilen, ob er trotz seiner Straftaten ein hilfsbereiter und risikofreudiger Mann war. Risikofreudig muss er gewesen sein, sonst hätte niemand ihn wegen Raubüberfall fassen können.

Ernst Bente hatte überlebt. Wie hatte er sich gefühlt? War es ein hochjauchzendes Jubeln? Sprang er in die Luft? Hätte er dafür überhaupt die Kraft gehabt? Wie war sein gesundheitlicher Zustand nach den Impfungen und der Zwangsarbeit? Wie war sein seelischer Zustand mit der Verarbeitung des kompletten Elends und Tod innerhalb des Konzentrationslagers Mauthausen? Fragen, die ich mir immer stelle, wenn ich mehr über die Person herausfinde.

Diese Entlassungsurkunde vom Militärgouvernement musste er sich 1960 als Nachweis im Arolsen Archiv besorgen. Wie es ihm nach dem zweiten Weltkrieg ging weiß niemand. Ob er ein zweites neues Leben beginnen konnte, ist nicht belegbar. Er ging in Rente. Ernst Bente hatte einen starken Lebenswillen und überlebte auch die Versuchsreihen mit Typhus-Impfungen.

Damit war sein Verbrechertum mehr als bestraft worden. Er hat den KZ-Aufenthalt überlebt und ist irgendwann in Frieden gestorben. Wann ist nicht belegbar. Macht mich aber neugierig, so dass ich mehr über diesen Menschen herausfinden möchte. Denn seine Geschichte steht für mehrere Tausend BVler, die ebenfalls ins KZ kamen, auch im Steinbruch arbeiten mussten und wahrscheinlich dort zu Tode kamen oder eine experimentelle Impfung gespritzt bekamen. Impfungen für das Überleben der arischen Rasse? Oder für die Häftlinge zum Erhalt der Arbeitskraft für das Wirken der Nationalsozialisten als kostenlose Arbeitnehmer? 

Das sind Fragen, die ich gern von einem Historiker beantwortet haben möchte. Ich werde mich auf jeden Fall auf dem Weg machen, um mehr über Ernst Bente zu erfahren. Sein Leben ist filmreif und würde eine Lücke füllen über die immer noch Stiefmütterlich behandelten „Asozialen“ in der nationalsozialistischen Gesellschaft, die nicht würdig waren eine zweite Chance zu bekommen nach einem Gefängnisaufenthalt. So wie es heute normal ist. Heute hätte er die fünf Jahre abgesessen und danach hätte er eingegliedert zu einem normalen Leben zurückfinden können.

Ich werde nicht müde es zu betonen: NIE WIEDER IST JETZT!  Gegen Rassismus und gegen Antisemitismus! Wir sind alle Menschen! Der Mensch ist Vielfalt. 

Ernst Bente war einer von uns. Geboren in Bochum-Langendreer. Gewohnt in Bochum – Werne im Ruhrgebiet.

Glück auf! Ruhe in Frieden! 

Ich werde Ernst Bente, einem Opfer der Gesetze des Nationalsozialismus, nun mit anderen Augen sehen und mehr achten, mir mehr Fragen stellen. Sein Stolperstein, in Messing eingemeißelter Name mit den Daten seiner Aufenthalte in den KZs, wurde am 8. Oktober 2020 vor seinem letzten Wohnort – Auf den Holln 30 in Bochum-Werne – bevor er dort von der Kripo verhaftet wurde, verlegt.

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum aus den Recherchen der Lessingschule Bochum

Wer weitere Recherchen nachlesen möchte, sowie die PDF-Datei der Lessingschule weiterleiten, kann die Recherche der Lessingschule als PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum nutzen, die ich hier als Screenshot abgebildet habe, sowie weitere Links zum Thema, die ich nachrecherchiert habe:

PowerPoint-Präsentation der Recherchen vom Lessing-Gymnasium Bochum vom Stadtarchiv Bochum 

https://www.bochum.de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W2BXPCA9578BOCMDE/$File/265_Bente_Ernst.pdf

Erneute Stolpersteinverlegung durch Schüler und Schülerinnen der Lessing-Schule initiiert | Lessing-Gymnasium Bochum

Stadt Bochum Infos: Neue „Stolpersteine“ erinnern an Opfer der NS-Diktatur in Bochum

https://wie.de/poi/ernst-bente.8428772639  

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Eugen Kogon – Wikipedia

Der SS-Staat – Das System der deutschen Konzentrationslager – Wikipedia

egon kogon – Suchen Shopping

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Karl Josef Gross – Wikipedia

Organisation der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Kategorie:Lagerarzt im KZ Mauthausen – Wikipedia

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Zu den Informationen der Versuchsreihen von Typhus – Impfungen :
Impfungen mit T.A.B.-Endogen-Adsorbat-Impfstoff – Reihe I: ohne Titel – Deutsche Digitale Bibliothek
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/R2J6WORZJRIRAI3RUKK4WNVWHS2FSO7O
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https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/mobileMain.xhtml
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https://eguide.arolsen-archives.org/fileadmin/eguide-website/downloads/Haftarten_dt.pdf
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BV – Befristete Vorbeugehaft? 
https://de.wikipedia.org/wiki/Befristete_Vorbeugungshaft?wprov=sfla1
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Kennzeichnung der Häftlinge in den Konzentrationslagern – Wikipedia

Klassifizierungssystem in den NS-Konzentrationslagern | Holocaust-Enzyklopädie

Gefangenen-Personalkarte | Dokumentationsstelle Dresden | Stiftung Sächsische Gedenkstätten

Häftlings-Personal-Karte – e-Guide Arolsen Archives

Übersicht über die Kennzeichnung von KZ-Häftlingen | Holocaust-Enzyklopädie

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KJVD – Der kommunistische Jugendverband für Deutschland | Geschichte

Jugend 1918-1945 | Zeitzeuge

1930 – 1932: Der Kampf um die Republik

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Nationalsozialismus – Wehrpflicht/Wehrunwürdig

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Bürgerliche Ehrenrechte/Ehrverlust– Wikipedia

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Podcast-Empfehlung zum Thema: NS-Cliquen: Günther und die Chemie (S02/E02) | MDR.DE

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Startseite | https://Stolpersteine.eu

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