Stolperstein Ernst Bente aus Bochum I KJ, BV Strafgefangener & Versuchskaninchen I +Short I +Videopodcast I +Podcast #118

Ernst Bente war ein Opfer des Nationalsozialismus. Er war wegen Diebstahl und Raubüberfälle, sowie unerlaubten Waffenbesitz zu fünf Jahren Haft und fünf Jahre Ehrverlust verurteilt worden in Bochum. Dann kam die Gestapo und brachte ihn in den Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald. Im KZ Mauthausen wurde er als menschliches Versuchskaninchen ausgenutzt. Deswegen der Titel zum Stolperstein für Ernst Bente. Ab da ging es nur noch ums Überleben. Warum hat Ernst Bente diese Taten begangen frage ich mich. Welche Taten wiegen schwerer: Raubüberfall, wo niemand zu schaden kommt oder ein Arzt, der jemanden dessen bürgerlichen Rechte vom Staat für eine begrenzte Zeit ausgehebelt werden, Impfversuche macht?

Am 8.11.2025 machte ich den Stolperstein von Ernst Bente sauber im Rahmen der Aufrufaktion vom Kinder- und Jugendring Bochum und beschloss spontan einen Podcast über das Opfer Ernst Bente zu gestalten für das Projekt und die Reihe Stolpersteine Ruhrgebiet. 

Teaser und Säuberungsaktion-Video:

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Auf den Holl 30 in Bochum-Werne. Ist nicht mehr das Originalhaus. Am Pfeil liegt der Stolperstein. Foto: André Brune

Ernst Bente sollte eine Stimme bekommen, wie es auch Paul Borek schon bekommen hatte. Es erwartete mich mehr als die Recherchen vom Lessing – Gymnasium Bochum, als ich mich näher mit den Unterlagen vom Arolsen Archiv beschäftigte während ich die Aufnahme machte.

Vor der Säuberungsaktion vom Stolperstein für Ernst Bente. Hier war lange keiner mehr… Foto: André Brune

Dabei wollte ich nur den recherchierten Text vom Lessing – Gymnasium vorlesen. Doch dann kamen viele Fragen, die ich mir stellte, während der Aufnahme.

Warum hat er die  schweren Taten begangen, obwohl er wußte, was mit ihm passieren wird, wenn er verhaftet werden würde?

War er immer noch Kommunist und damit im Untergrund im Widerstand?

Sauber poliert! Foto: André Brune

Hat er die Taten begangen, weil er eine Krankheit oder eine körperliche Behinderung hatte und keine Arbeit dadurch finden konnte, um seine Familie zu ernähren?

War er wehrunwürdig, weil er eine körperliche Behinderung hatte oder wurde er wegen der Taten so eingestuft?

Das heutige Wohnhaus Auf den Holln 30 stammt nicht aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und hatte vielleicht Bombenschäden oder war baufällig und wurde neu aufgebaut. Das erfordert weitere Forschungen. Foto: André Brune

War er arbeitslos, weil er eine körperliche Behinderung hatte oder weil er wegen Diebstahl im Bergbau auf einer Schwarzen Liste gesetzt wurde?

Hatte er sich freiwillig den Typhus-Impfungen zur Verfügung gestellt oder wurde er einfach gespritzt mit dem Hinweis: Du wirst das KZ überleben, wenn du das mitmachst. So wurde man psychisch unter Druck gesetzt, aber hätte durch die Nebenwirkungen auch sterben können. Was ist dann das geringere Übel: Im Steinbruch umzukommen oder durch eine Spritze?

Mir rattert da das Gehirn, wenn ich mich in seine Lage versetze und gleichzeitig läuft es mir kalt über den Rücken runter. Obwohl er ein Verbrecher war, war er in der Gesellschaft des Nationalsozialismus für eine begrenzte Zeit als ein Nichts, eine Nummer eingestuft worden, des Lebens nicht würdig und wurde auch so behandelt.

Und was ist aus ihm geworden, als die Amerikaner ihn entlassen haben? Wie hat er die letzten Jahre seines Lebens gelebt? Hat seine geschiedene Frau und sein Kind ihn doch noch mal besucht? Hat er ein neues Leben, die zweite Chance gut nutzen können? 

Wie ist man nach dem Zweiten Weltkrieg in der Gesellschaft mit ihm umgegangen? Wie hat er die psychische Belastung ausgehalten? Wo und wie wohnte er? Wann starb er und wurde begraben? Gibt es die Grabstelle noch?

Ernst Bente kann als umstrittene gewaltbereite Person dargestellt werden, weil er fünf Jahr hinter Gittern kommen sollte wegen Raubüberfall, versuchten Raubüberfall, Diebstahl und unerlaubten Waffenbesitz. Doch er landete nicht in einem normalen Zuchthaus, wie die Gefängnisse früher hießen, sondern in einem Konzentrationslager. Warum hat er die Taten begannen und warum kam er relativ schnell in ein Konzentrationslager?

So viele Fragen über eine Person und ich bin eigentlich nicht am Ende mit den Fragen. 

Zum Videopodcast mit den Bildern der Rechercheergebnissen:

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Zur Person Ernst Bente:

Geboren am 15.2.1911 in Bochum als Sohn von Ernst Bente und Ehefrau Laura. Wohnte damals in der Weststraße 67d in Langendreer.

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Er wurde Bergmann und war mit Martha verheiratet. Ein Kind hatte die junge Familie und lebte in Bochum-Werne Auf den Holln 30, bevor er abgeführt wurde von der Bochumer Kripo am 4.9.1939. Er wurde wegen Raub, versuchten Raubes, Diebstahl und verbotenen Waffenbesitz zu fünf Jahren Gefängnis sowie Ehrverlust verurteilt.

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Wenige Wochen später am 13.10. verschleppte ihn dann die Gestapo (Geheime Staatspolizei), wahrscheinlich wegen der Bandbreite seiner Verbrechen, ins Konzentrationslager Buchenwald. 

Im KZ Buchenwald wurde er als „Wehrunwürdiger“ Häftling mit der Nummer 8284 erfasst und dem Arbeitskommando Steinbruch zugewiesen als Zwangsarbeiter. Auf der Karteikarte vom Konzentrations-Lager Buchenwald wird eine „Bisherige Parteizugehörigkeit“ als KJ 30-32 notiert.

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Als ich die Buchstaben kJ und Ziffern nachforschte fand ich raus, dass er wohl der Kommunistischen Jugend zwischen 1930 und 1932 angehörte. Es gab in diesen Jahren überall in Deutschland heftige Straßenschlachten zwischen Anhängern der NSDAP und der Kommunistischen Jugend, die zu diesem Zeitpunkt um die 50000 junge Männer und Frauen angehörten. Neue Fragen tun sich auf: 

War das nun das Vorstrafenregister oder die Zugehörigkeit bei einer Kommunistischen Organisation, die ihm zum Verhängnis wurde? War er vielleicht für die Kommunisten im Widerstand? Hat er vielleicht die Raubüberfälle dafür gemacht. Als ich die Karte las, war die Spekulation über sein Handeln noch größer.

Ich fand heraus, dass er wahrscheinlich bei der Kommunistischen Jugend Mitglied war von 1930-1932. Das klingt plausibel. Denn Ernst Bente ist geboren 1911. Er war zu dem Zeitpunkt 19 Jahre alt und genau im richtigen Alter dafür. Ist er 1932 ausgetreten, aber aus welchen Gründen? Hat er bei den Straßenschlachten mitgemacht? Hat er seine Frau Martha dort kennengelernt, wurde Vater und hat sich von den gewaltbereiten Kommunisten zurückgezogen? Warum er ausgetreten ist, kann verschiedene Ursachen haben.

Reine Spekulation wäre, aber auch plausibel wäre, dass er für die Kommunisten schon angefangen hatte, Geld durch Raubüberfälle zu organisieren. Er ist vielleicht da hinein gerutscht. Oder er hat durch Raubüberfälle den Widerstand ab 1933 unterstützt oder er hat ganz einfach seine Frau und Kind am Leben erhalten wollen, weil er keine Arbeit bekam, weil er mal Mitglied der Kommunisten war oder weil er als Bergmann Diebstahl begann und dadurch Arbeitslos. Klaute er etwa ein Mutterklötzchen? 

Sind Alkohol-,  Drogen- oder die Spielsucht ein Grund gewesen immer wieder Geld zu besorgen durch Raubüberfällen und Diebstahl? Welche körperliche Einschränkung hatte er, dass er auf einer Karteikarte als „Wehrunwürdig“ eingestuft worden ist. Egal, warum er das tat, er hatte sein Gründe vor allem im Nationalsozialismus es zu tun und wurde von der Bochumer Kripo verhaftet. Er bekam fünf Jahre Haft aufgebrummt mit gleichzeitigem „Ehrverlust“. 

Heinrich Himmler ordnete 1937 an, dass die notorischen Berufsverbrecher eine stärkere Gangart bekommen sollten. So wurden die BVler von der Gestapo in ein KZ überführt und mussten die unmenschlichen Bedingungen aushalten oder starben dort. 

Ernst Bente wurde von der Gestapo abgeführt am 4.9.1939, also wenige Tage nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht nach Polen, ins KZ Buchenwald. In die Armee wurde er nicht eingezogen. Es gab ja auch Selbstmordkommandos, wo Schwerverbrecher eingesetzt wurden. Kommst du heil zurück, wird deine Strafe dir erlassen…

Ernst war aber als „Wehrunwürdig“ eingestuft worden. Zum einen hatte er Glück die Front nicht erleben zu müssen, zum anderen war er sozusagen in einer Heimatfront ohne mögliche Wiederkehr gelandet. Im KZ Buchenwald war er in den Steinbruch zugewiesen worden. Aber welche Tätigkeit er dort hatte, wenn er wehrunfähig war, ist nicht klar definierbar. Hatte er sich in die Hand geschossen?

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Er war als Berufsverbrecher BV eingestuft worden, die gleichzeitig den gesetzlichen Ehrverlust über sich ergehen lassen mussten. Eine Strafe, die in der Bundesrepublik abgeschafft wurde. Allerdings erst 1969! Ein Ehrverlust ist die Aberkennung aller Bürgerrechte.

Die Folgen der Aberkennung der bürgerlichen Rechte waren in § 33 und § 34 StGB a. F. geregelt. Sie bewirkte den dauernden Verlust der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Rechte sowie aller öffentlichen Ämter, Würden, Titel, Orden und Ehrenzeichen. Während der Dauer konnten auch solche Ämter, Würden, Titel, Orden und Ehrenzeichen nicht erlangt werden. Ferner bewirkte die Aberkennung den Verlust der Fähigkeit, in öffentlichen Angelegenheiten zu stimmen, zu wählen oder gewählt zu werden und andere politische Rechte auszuüben; Zeuge bei Aufnahme von Urkunden zu sein; Vormund, Nebenvormund, Kurator, gerichtlicher Beistand oder Mitglied eines Familienrats zu sein, es sei denn, dass es sich um Verwandte absteigender Linie handelte und die obervormundschaftliche Behörde oder der Familienrat die Genehmigung erteilte.

Die Zeitdauer des Verlustes war in § 32 Abs. 2 StGB a. F. geregelt. Sie betrug bei zeitlich begrenzter Zuchthausstrafe mindestens zwei und höchstens zehn, bei Gefängnisstrafe mindestens ein und höchstens fünf Jahre. Diese Fristen wurden ab dem Tag berechnet, an dem die Strafe verbüßt, verjährt oder erlassen war, wobei allerdings bei Erlass nach einer Probezeit (Strafaussetzung zur Bewährung) diese einberechnet wurde (§ 36 StGB a. F.). Quelle: Wikipedia

Was wiegt höher: Raubüberfall oder unfreiwillige Menschenversuche

Den Medizinern in Mauthausen war das recht, so konnten sie ihn als Versuchskaninchen nutzen. Dort kam Ernst Bente an am 16.4.1940. Die Überführung zum KZ Mauthausen war sozusagen ein „Geschenk“ zum Geburtstag von den Verwaltern von Buchenwald.

Ernst Bente hatte keine Rechte als BV und verurteilt mit Ehrverlust. Hier frage ich mich, wer der größere Verbrecher ist: Der Staat oder die einzelnen Ärzte, die ihren Hippokratischen Eid abgelegt haben, diesen aber nicht mehr befolgten, weil die Karriere in der SS interessanter war, als einzelnen Menschen zu helfen? 

Ist also ein unfreiwilliger Menschenversuch mit zu erprobenden Medizinischen Mitteln an Menschen ohne bürgerlichen Rechte (Ehrverlust) ein weniger großes Verbrechen als ein Raubüberfall oder Diebstahl von jemanden, der dadurch für eine begrenzte Zeit keinen Platz mehr in der arischen Gesellschaft haben sollte. Ist ein Raubüberfall aus welchen Gründen auch immer oder ihn als unfreiwilliges Impfobjekt zu nutzen für den Fortbestand der arischen Rasse nun in der heutigen juristischen Waage gelegt das gefährlichere, das schlimmere Verbrechen?

Eins vorneweg: Die meisten Mediziner sind entnazifiziert worden und konnten mit ihrem Hippokratischen Eid weiter im Krankenhaus, in der Forschung oder ihrer Arztpraxis nach dem Zweiten Weltkrieg unbehelligt arbeiten ohne jemals hinter schwedische Gardinen zu kommen. Sie bekamen mit Sicherheit eine beachtliche Rente, während Ernst Bente 1960 im Arolsen Archives gehen musste, um die KZ-Jahre sich anrechnen zu lassen. Ansonsten hätte er noch weniger Rente bekommen. Ich kriege das Kotzen, wenn ich mir das näher ansehe und was Ernst Bente für ein Schicksal hatte, die in den Händen der Mediziner gelegt wurde. Dazu komme ich jetzt:

Ernst Bente wurde am 15.4.1940 ins KZ Mauthausen überführt mit 1 Paar Schuhe, 1+1 Strumpfpaaren, 1 Rock (längerer Mantel), 1 Hose, 1 Pullover, 2 + 1 Hemd, und tatsächlich nur EINER Unterhose und 1 Kamm. Das ist wahrlich nicht viel, was sein Leben noch ausmachte. Das war alles, was er noch besaß. 

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Im KZ bekam er die Bezeichnung „BV„, das in einem nach unten zeigenden Dreieck oder Winkel eingetragen wurde:  Lange Zeit wurde es von Historikern als „Befristete Vorbeugehaft“ anhand des Buches „Der SS-Staat – Das System der deutschen Konzentrationslager“ vom Historiker Eugen Kogon  angegeben. Doch Ende der 1980er Jahre fanden Historiker heraus, dass es nicht stimmen kann. BV steht höchstwahrscheinlich als Abkürzung für Berufs-Verbrecher.

Da es kein Foto von Ernst Bente gibt, hier seine Beschreibung von der Karteikarte, um sich ein Bild von ihm als Mensch zu machen:

1,70 Groß und schlank. Gesicht oval, Augen blau, Nase gerade, Mund groß, Ohren groß, ihm fehlte 1 Zahn, Haare blond, Sprache deutsch.

Screenshot der Häftling-Personal-Karte vom KZ Mauthausen aus der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Er war länger als fünf Jahre „Befristete Vorbeugehaft“ im KZ. In dieser Zeit begannen die Mediziner Typhus-Impf-Versuchsreihen an Gefangene zu verabreichen. Ernst Bente war wohl einer der ersten. Welche Nebenwirkungen, Schäden oder sonstige Dinge mit ihm angestellt wurden und er ertragen musste… 

Für mich ist ganz klar, dass ein Raubüberfall nicht positiv im Lebenslauf ist, aber unfreiwillige Menschenversuche geht gar nicht! 

Vor kurzem hatte ich auch einen Podcast über die Mediziner angehört, die sich der Karriere wegen der SS angeschlossen haben, so auch Dr. Karl Gross

Es war nicht richtig Raubüberfälle zu machen, keine Frage. Aber wieso nimmt ein Mann das Risiko auf sich verhaftet zu werden in der Zeit von Unterdrückung des eigenen Volkes unter der NSDAP-Regierung. Er muss doch gewußt haben, dass er mit seinen Handlungen in ein KZ kommen konnte ohne Widerkehr in ein normales Leben. Und wieviel wußte seine Frau Martha, die sich wiederum von ihm scheiden ließ. Hat sie ihn etwa denunziert? Oder hat sie die Scheidung eingereicht, weil auch sie ins Fadenkreuz kam und wollte dabei eigentlich nur verantwortungsbewußt das Kind ohne Probleme in der neu konstruierten Volksgemeinschaft großziehen, was ihr Mann vielleicht nicht akzeptieren wollte. Wir wissen nicht, was im familiären Haushalt passierte.

Ernst Bente war in der ganzen Zeit des Krieges im KZ Mauthausen. Seine Haft von fünf Jahren wurde nicht beendet. Er war weiterhin dort. Vielleicht wurde ihm gesagt, dass er nur entlassen wird, wenn er die Versuchsreihe für die Typhus-Impfungen mitmachen würde. Auch das ist reine Spekulation. Sicher ist, dass der Staat, die Firmen und die ausführenden Mediziner vor Ort in den KZs mit den Menschenversuchen ein viel größeres Verbrechen begannen als Ernst Bente mit den Raubüberfällen. Er wurde verbrecherischer behandelt als er je selbst ausgeführt hatte. Und so gut wie niemand wurde zur Rechenschaft gezogen. 

Der Dr. Mengele von Mauthausen Dr. Karl Gross war in sein altes Leben zurück gegangen und wurde wieder Landarzt ab 1947. 

Zur Person des SS-Arztes Karl Josef Gross: 

Geboren in Bad Vellach am 12.12.1907, wo er auch am 1.1.1967 wieder starb. Im Heimatort wurde er Kurarzt nach der Promotion 1933. Er soll kostenlos mittellose Patienten behandelt haben. Warum sein Charakter sich änderte, ist mir schleierhaft, wenn das wahr ist.

Er trat am 1.2.1939 als SS-Hauptsturmführer der Waffen-SS bei. Mit der SS-Nummer 314902 avancierte er zum Geburtstag von Adolf Hitler 1942 zum SS-Sturmbannführer. Er diente als Truppenarzt und forschte unablässig ab Mai 1942 am Hygiene-Institut der Waffen-SS in Berlin. Ab Juni wechselte er ins Robert-Koch – Krankenhaus nach Wien.

Dort testete er im Auftrag der Behringwerke Impfstoffe gegen Paratyphus an Häftlinge im KZ Mauthausen. Ab 1943 veranlasste Heinrich Himmler, dass er an das Zentralinstitut für Krebsforschung in Nesselstedt (heute Pokrzywo bei Posen/polnisch Poznan kam und die bakteriologische Abteilung übernahm.

Eine schnelle wohlwollende Karriere, weil er unabdingbar in Augen Himmlers erfolgreich testete. Denn er war der Leiter, der Forschung, die an Häftlingen vom KZ Mauthausen Impfstoffe ausprobierten. Mit seiner Handschrift sind noch Akten einzusehen, wo 1105 Opfer mit Datum und Art der Tests im Zeitraum von Februar bis April 1943 erhalten sind. Darin sind Vaccine zu Typhus, Paratyphus A und B, sowie Tetanusimpftoff verzeichnet, die von der IG-Farben hergestellt wurden. Die Blutuntersuchungen wurden an der Wiener Universität untersucht.

Nach Kriegsende durfte er wieder als Arzt arbeiten. Wegen der Zugehörigkeit zur SS wurde er verhaftet, aber nach kurzer Zeit wieder entlassen. Ärzte wurden schließlich gebraucht. Aber kaum jemand ging in seine Praxis, so dass er bis zu seinem Lebensende mit seiner Familie nur vom Vermögen des Vaters überleben konnte. 

Quelle: Wikipedia

Menschenversuch-Karte für Typhus-Impfungen mit Chargennummer – Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum der Lessingschule Bochum

Es ist für mich schleierhaft, dass dieser doch angeblich netter großzügiger Arzt die Karriere vorzog. Er wollte weg aus dem verschlafenen Kurort. Hatte eine Karriere vorgehabt und stieg wie ein Falke auf innerhalb der SS. Hier ist das genaue Gegenteil von Ernst Bente, der Abstieg als Krimineller, der ins KZ kam während Karl Gross als studierter Arzt die Karriere in einem Unrechtsystem vorzog, um berühmt zu werden als Impfstofferfinder. Die Firmen Behring und IG-Farben haben aus den Experimenten von damals bis heute profitiert.

Vielleicht hatte er den Nobelpreis für Medizin im Sinn auf Kosten von minderwertigen Leben, wie man es so formulieren könnte. Was ist abscheulicher in der Tat der Dinge? Ein Raubüberfall, wo kein Menschen zu schaden kommt oder eine unfreiwillig gemachte Impfstoffstudie an Häftlinge, die es nicht wert waren zu leben in dem System der Diktatur, wo einige wenige Menschen über das Leben von vielen entschieden?

Die Liste von Medizinverbrechen ist lang! Und viele machten mit. Viele, die hinterher von nichts wußten oder gewußt haben wollten und hinterher unbehelligt, entnazifiziert in ihrer Praxis, im Krankenhaus oder der Forschung weiter gearbeitet haben:

Liste von KZ-Ärzten und anderen Beteiligten an NS-Medizinverbrechen – Wikipedia

Das war auch noch nicht alles. Wer eingeteilt wurde als Berufsverbrecher hatte als Nebenstrafe auch keine bürgerlichen Rechte mehr. Der Ehrverlust wog damals schwer. Einmal als BV eingeteilt, hatte man keine Rechte mehr als Mensch im Staat, nicht mal wählen gehen war erlaubt. Aber wen sollte man da noch wählen im NS-Staat?

Im Dritten Reich war privater Waffenbesitz nicht erlaubt. Dies und vier andere Straftaten, Raubüberfall, Diebstahl, versuchter Raubüberfall machten ihn zu einem Berufsverbrecher und unabdingbar zu einem KZ-Strafgefangenen bis zu seinem Tod.

Ernst Bente hatte es irgendwie geschafft zu überleben. Wie er es überlebt hat, hat er in keinen Memoiren hinterlassen. Von den Amerikanern wurde das KZ Mauthausen befreit. Ein Major, ein Colonel und ein Captain saßen in einem Ausschuss, die die Entlassung aus dem KZ entschieden.

Entlassung und Zweite Chance

Screenshot der Entlassungspapiere vom Militärgouvernement der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum

Drei Militärangehörige, A.J. Michell, Colonel, T.T. Marye, ein Major und T.A. Taracouzie, Captain entschieden in einem Ausschuss über die Entlassung von Ernst Bente. Er hatte es tatsächlich geschafft zu überleben. War es Glück? War es der unbändige Überlebenswille? Oder war er im Lager einer, der andere unterstützt hat unter hoher Gefahr selbst erwischt zu werden? Das weiß niemand. Niemand kann uns mehr heute mitteilen, ob er trotz seiner Straftaten ein hilfsbereiter und risikofreudiger Mann war. Risikofreudig muss er gewesen sein, sonst hätte niemand ihn wegen Raubüberfall fassen können.

Ernst Bente hatte überlebt. Wie hatte er sich gefühlt? War es ein hochjauchzendes Jubeln? Sprang er in die Luft? Hätte er dafür überhaupt die Kraft gehabt? Wie war sein gesundheitlicher Zustand nach den Impfungen und der Zwangsarbeit? Wie war sein seelischer Zustand mit der Verarbeitung des kompletten Elends und Tod innerhalb des Konzentrationslagers Mauthausen? Fragen, die ich mir immer stelle, wenn ich mehr über die Person herausfinde.

Diese Entlassungsurkunde vom Militärgouvernement musste er sich 1960 als Nachweis im Arolsen Archiv besorgen. Wie es ihm nach dem zweiten Weltkrieg ging weiß niemand. Ob er ein zweites neues Leben beginnen konnte, ist nicht belegbar. Er ging in Rente. Ernst Bente hatte einen starken Lebenswillen und überlebte auch die Versuchsreihen mit Typhus-Impfungen.

Damit war sein Verbrechertum mehr als bestraft worden. Er hat den KZ-Aufenthalt überlebt und ist irgendwann in Frieden gestorben. Wann ist nicht belegbar. Macht mich aber neugierig, so dass ich mehr über diesen Menschen herausfinden möchte. Denn seine Geschichte steht für mehrere Tausend BVler, die ebenfalls ins KZ kamen, auch im Steinbruch arbeiten mussten und wahrscheinlich dort zu Tode kamen oder eine experimentelle Impfung gespritzt bekamen. Impfungen für das Überleben der arischen Rasse? Oder für die Häftlinge zum Erhalt der Arbeitskraft für das Wirken der Nationalsozialisten als kostenlose Arbeitnehmer? 

Das sind Fragen, die ich gern von einem Historiker beantwortet haben möchte. Ich werde mich auf jeden Fall auf dem Weg machen, um mehr über Ernst Bente zu erfahren. Sein Leben ist filmreif und würde eine Lücke füllen über die immer noch Stiefmütterlich behandelten „Asozialen“ in der nationalsozialistischen Gesellschaft, die nicht würdig waren eine zweite Chance zu bekommen nach einem Gefängnisaufenthalt. So wie es heute normal ist. Heute hätte er die fünf Jahre abgesessen und danach hätte er eingegliedert zu einem normalen Leben zurückfinden können.

Ich werde nicht müde es zu betonen: NIE WIEDER IST JETZT!  Gegen Rassismus und gegen Antisemitismus! Wir sind alle Menschen! Der Mensch ist Vielfalt. 

Ernst Bente war einer von uns. Geboren in Bochum-Langendreer. Gewohnt in Bochum – Werne im Ruhrgebiet.

Glück auf! Ruhe in Frieden! 

Ich werde Ernst Bente, einem Opfer der Gesetze des Nationalsozialismus, nun mit anderen Augen sehen und mehr achten, mir mehr Fragen stellen. Sein Stolperstein, in Messing eingemeißelter Name mit den Daten seiner Aufenthalte in den KZs, wurde am 8. Oktober 2020 vor seinem letzten Wohnort – Auf den Holln 30 in Bochum-Werne – bevor er dort von der Kripo verhaftet wurde, verlegt.

Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum aus den Recherchen der Lessingschule Bochum

Wer weitere Recherchen nachlesen möchte, sowie die PDF-Datei der Lessingschule weiterleiten, kann die Recherche der Lessingschule als PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum nutzen, die ich hier als Screenshot abgebildet habe, sowie weitere Links zum Thema, die ich nachrecherchiert habe:

PowerPoint-Präsentation der Recherchen vom Lessing-Gymnasium Bochum vom Stadtarchiv Bochum 

https://www.bochum.de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W2BXPCA9578BOCMDE/$File/265_Bente_Ernst.pdf

Erneute Stolpersteinverlegung durch Schüler und Schülerinnen der Lessing-Schule initiiert | Lessing-Gymnasium Bochum

Stadt Bochum Infos: Neue „Stolpersteine“ erinnern an Opfer der NS-Diktatur in Bochum

https://wie.de/poi/ernst-bente.8428772639  

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Eugen Kogon – Wikipedia

Der SS-Staat – Das System der deutschen Konzentrationslager – Wikipedia

egon kogon – Suchen Shopping

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Karl Josef Gross – Wikipedia

Organisation der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Kategorie:Lagerarzt im KZ Mauthausen – Wikipedia

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Zu den Informationen der Versuchsreihen von Typhus – Impfungen :
Impfungen mit T.A.B.-Endogen-Adsorbat-Impfstoff – Reihe I: ohne Titel – Deutsche Digitale Bibliothek
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/R2J6WORZJRIRAI3RUKK4WNVWHS2FSO7O
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https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/mobileMain.xhtml
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https://eguide.arolsen-archives.org/fileadmin/eguide-website/downloads/Haftarten_dt.pdf
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BV – Befristete Vorbeugehaft? 
https://de.wikipedia.org/wiki/Befristete_Vorbeugungshaft?wprov=sfla1
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Kennzeichnung der Häftlinge in den Konzentrationslagern – Wikipedia

Klassifizierungssystem in den NS-Konzentrationslagern | Holocaust-Enzyklopädie

Gefangenen-Personalkarte | Dokumentationsstelle Dresden | Stiftung Sächsische Gedenkstätten

Häftlings-Personal-Karte – e-Guide Arolsen Archives

Übersicht über die Kennzeichnung von KZ-Häftlingen | Holocaust-Enzyklopädie

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KJVD – Der kommunistische Jugendverband für Deutschland | Geschichte

Jugend 1918-1945 | Zeitzeuge

1930 – 1932: Der Kampf um die Republik

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Nationalsozialismus – Wehrpflicht/Wehrunwürdig

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Bürgerliche Ehrenrechte/Ehrverlust– Wikipedia

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Podcast-Empfehlung zum Thema: NS-Cliquen: Günther und die Chemie (S02/E02) | MDR.DE

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Startseite | https://Stolpersteine.eu

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Denkmal Trauerhalle Havkenscheid & Fritz Bauer Forum Ruhrgebiet erklärt Podcast Folge 13 #117 I +Videopodcast I +Short I +Fotos

Es gibt ein ganz besonderes Denkmal mitten im Ruhrgebiet in Bochum: Die Trauerhalle Ost in Havkenscheid und das dort befindliche neu gegründete Fritz Bauer Forum.

Ein Thema, was mich berührt durch die Geschichte, die nicht nur unser Land zum Nachdenken anregt, sondern auch eine Stätte ist für Bildung und zur Wahrung der Demokratie.

Die Trauerhalle steht jetzt zweideutig für den Erhalt und auch den Tod durch verlorene Kämpfe für Menschenrechte in aller Welt. Ein Denkmal, das heute für die Bewahrung der Demokratie steht, aber von einem ehemaligen NSDAP-Parteiangehörigen, aber in Bochum geehrten Architekten des Brutalismus, geplant wurde. Ein heute besonderer Ort den Jack Tengo und ich unbedingt in einem diesmal nicht einfachen Podcast im Rahmen der gemeinsamen Reihe „Ruhrgebiet erklärt“ trotzdem mit einem Quäntchen Humor erzählen wollten.

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Nachdem ich dort war am Tag des Denkmals war es mir wichtig diesen Ort unter die Lupe zu nehmen und so schnell wie möglich herauszubringen. Gerade jetzt in der Zeit, wo ein Rechtsruck in der deutschen Gesellschaft durchgeht und eine Partei im Aufwind ist, die Demokratie in ihrem Sinne bewahren will. Sie will weg von der Erinnerungskultur, einen Schlussstrich ziehen, dabei ist das so wichtig, damit es sich nicht wiederholt. Sie will keine Nennung von Kämpfern für Menschenrechte an öffentlichen Gebäuden, wie Schulen.

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Wenn zur Disposition steht zur Wahrung der „politischen Neutralität“, wie in Sachsen-Anhalt, der Name Sophie Scholl-Grundschule steht oder Willy Brandt-Gesamtschule, dann steht unsere Demokratie nur noch auf Bruchstücken. Das waren Kämpfer für Menschenrechte, die bald nicht mehr in den Geschichtsbüchern auftauchen könnten nach dem Willen der AfD.

Es ist jetzt umso wichtiger diese Menschenrechte und die Demokratie zu wahren nach dem Ausgang der letzten kommunalen Wahlen in Nordrhein-Westfalen und anderswo. Die Menschen sollten sich nicht in den Sozialen Medien bilden, sondern sich von denjenigen aufklären lassen, die sich mit den richtigen Informationen der Geschichte auseinandergesetzt haben und dies auch studiert haben. Die Trauerhalle Havkenscheid ist nun ein kleiner wichtiger Beitrag zur Wahrung der Demokratie und Menschenrechte. Und ich hoffe, dass wir da ein klein wenig beitragen konnten:

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Kurzinfo zur Trauerhalle

  • Architekt: Ferdinand Keilmann
  • Glaskünstler: Egon Becker
  • Baujahr: 1960er-Jahre
  • Architekturstil: Brutalismus / Nachkriegsmoderne
  • Besonderheiten: Originaler Sichtbeton, farbige Bleiverglasung, skulpturale Formensprache
  • Standort: Zentralfriedhof Bochum
  • Denkmalschutz: Gilt als eigenständiges Werk von hoher architektonischer und künstlerischer Qualität
Die Trauerhalle Ost / Havkenscheid in Bochum ist ein besonderes Markenzeichen des Brutalismus in der Architektur – Foto: André Brune

 

Der Weg ist das Ziel über den Springorum

Es war ein schöner angekündigter sonniger Tag im September, der zwei wichtige Tage an einem einzigen verband im Jahre 2025: Kommunalwahltag in NRW und Tag des Denkmals.

Ich überredete meine Frau Ewa zu dem Vortrag zu gehen, der um 15 Uhr stattfinden sollte für die Trauerhalle. Neugierig war ich schon. Und der Springorum-Rad- und Wanderweg quert nah unserer Wohnung und führt fast bis nach Altenbochum, wo wir hin mussten.

Die Trauerhalle interessierte mich brennend, nachdem ich hauptsächlich offene Kirchen auf der Denkmalkarte sah. Eine Menschenrechts-Bibliothek mitten in Bochum? Davon habe ich gar nichts mitbekommen. Also musste ich es doch sehen!

Wir wanderten sehr schnell und genossen die Sonne. Wie üblich ist man nicht allein im Ruhrgebiet, wenn man wandert. Irgendwen trifft man immer, den man kennt. Der Pott ist eben kleiner als gedacht. Dadurch wurde unser Gang schneller. Aber wird schafften es knapp pünktlich um 15.01 Uhr durch das Fritz Bauer Forum zu „marschieren“ und kam kurz vor dem Vortrag durch die Moderatorin Magdalena Köhler ein und ergatterten noch ein paar Stühle, die sich langsam füllten. Die meisten waren über 60 Jahre alt. Wir waren so die zweitjüngsten. Die Moderatorin freute sich, dass doch so viele Interesse hatten an der Trauerhalle. Magdalena Köhler betreut den Veranstaltungskalender und ist zuständig für die interaktive Fritz Bauer Bibliothek im Forum.

Der Eingangsbereich des Fritz Bauer Forums mit Blick auf die ehemalige Leichenaufbewahrungshalle – Feldmark 107 in Bochum

Sie führte in einer knappen Stunde durch die Architektur, dem umstrittenen Architekten, die Person Fritz Bauer und die Informationen über die Gründung und das Wirken der zukünftigen Fritz Bauer Forums durch die Buxus Stiftung hier mitten in Bochum, im Ruhrgebiet, wo Fritz Bauer wahrscheinlich nie war und auch keinen Bezug zu hatte. Einige mussten sich auf die Treppe setzen, die hoch in die „Betongalerie“ ging, wo die Bibliothek der Menschenrechte zu Recherchezwecke aufgebaut wurde ohne das Denkmal von innen zu beschädigen.

Magdalena Köhler erzählt engagiert über die Geschichte der Trauerhalle und dem neuen Fritz Bauer Forum

Anschließend führte sie uns durch die Räume, der alten Friedhofsgärtnerei- und Verwaltung, sowie der Leichenhalle, wo heute Lese-, Vortragssaal, Begegnungsstätte, ein Raum für eine Kunstausstellung und ein Studio zum Podcasten entstanden ist, der auch gemietet werden kann. Wir hätten uns auch die Bibliothek nochmal genauer angesehen, aber wir wollten unbedingt doch unsere demokratischen Rechte wahrnehmen. Es war denkbar knapp. Aber um kurz vor 18 Uhr gaben wir unsere demokratische Stimme ab, die das Fritz Bauer Forum bewahren möchte in ihren Aufgaben durch Bildungsmaßnahmen für Schulen, Vorträgen, Kunst, Lesungen und anderen Veranstaltungen.

Übersicht der Projekte, die das Forum macht

Eine kurze Geschichte vom Standort, dem Stadtteil Havekenschede (Quelle Wikipedia)

Havkenscheid sagte meiner Frau nichts, obwohl sie seit 2006 in Bochum lebt. Aber auch ich musste mich erstmal schlau machen. Es ist früher ein Stadtteil von Altenbochum gewesen. Er war nicht mal der Rede wert. Dort stand ein kleines Rittergut mit fünf Gehöften. In einer Urkunde um 1340 fand sich ein Theodoricus de Havekenschede, knapp ein Jahrhundert später ein Diderich. Das Rittergut von und zu Hevekenschede in seiner erstmaligen Erwähnung wechselte über die Jahrhunderte mehrfach die Besitzer.

Dann gab der Sohn Dirichs wohl das Gut an einen Wilhelm van Liborch ab um 1470. Die Tochter vom Melchior von Havkenscheid namens Elisabeth brachte das Gut in die Ehe mit Goswin von Düngelen ein, der auch das Haus Dahlhausen besaß, der fortan zum Adelsitz erhoben wurde. Havkenscheid wurde verpachtet bist 1809 die Familie Schragmüller es pachteten mangels Nachwuchs.

Einer der letzten Besitzer war ein Köhler. Der wohl mit Holzkohle so wenig verdiente, dass das Haus verfiel. 1921 kaufte es die Stadt Bochum. Eingemeindet wurde Altenbochum, das erstmalig um 900 in einer Urkunde der Abtei Werden erwähnt wurde, wo Havkenscheid zugehörig war, jedoch erst 1926. Doch die Instandsetzung war wohl teurer als gedacht. Die Bomben des zweiten Weltkrieg zerstörten es in dieser Hinsicht leider nicht, aber die städtischen Bauplanungen von 1982. Endgültig wurde es dann abgerissen. Nun steht dort ein Neubau. Das Gebiet wird durch die Autobahn A448 durchschnitten. Nichts erinnert an ein altes Rittergut außer der Name Havkenscheid, der auch die Trauerhalle anhängt auf dem Ostteil des Hauptfriedhofs.

Denkmal Trauerhalle Ost/Havkenscheid

Das Denkmal Trauerhalle Ost in Havkenscheid mit ihrer besonderen Architektur, entworfen von dem ursprünglich glühenden Nationalsozialistenarchitekten Ferdinand Keilmann (dazu später mehr) passt zweideutig perfekt als Bibliothek der Menschenrechte des Fritz Bauer Forums.

Es gibt im Internet kaum Fotos von dem Architekten Ferdinand Keilmann

Denkmalschutz für Trauerhalle in Bochum

Was mit der Trauerhalle Ost bzw. Havkenscheid in Bochum passierte war lange unklar. Sie wurde nicht mehr genutzt auf dem Hauptfriedhof. Auch die Jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen entschied sich gegen die Weiternutzung. Vielleicht wegen der Form der Dornenkrone in Sichtbetonweise oder wegen der Geschichte des Architekten und baute daneben eine neue Trauerhalle. Sie bauten daneben eine moderne neue Trauerhalle, die mit hohen Zäunen leider abgeschirmt werden muss wegen der aktuellen Situation des wieder stärker werdenden Antisemitismus.

Die jüdische Trauerhalle in unmittelbarer Nähe komplett wegen der aktuellen starken Wiederaufkommens des Antisemitismus mit einem hohen Zaun abgesichert.

 

Die Denkmalschutzbehörde entschied sich die Trauerhalle Ost in Havkenscheid 2015 unter Denkmalschutz zu stellen wegen ihrer besonderen Architektur des Brutalismus der 1970er Jahre von Ferdinand Keilmann, der die Nachkriegsarchitektur von Bochum entscheidend prägte. Was aus ihr wird, wusste damals noch niemand. Genutzt als Trauerhalle wurde sie bis 2019.

Eine tolle Bibliothek füllt den Raum der Trauerhalle mit Sitzgelegenheiten in den Betonnischen

Die Dach-Betondornenkrone drohte jedoch durch Wildwuchs und Regennässe zerstört zu werden. Der angrenzende Gebäudekomplex der Friedhofsgärtnerei und Leichenhalle verfiel zusehends zu einem Lost Place.

Die Gebäude verkamen langsam zu einem Lost Place

Doch dann wurde Dr. Irmtrud Wojak, selbst aus dem Ruhrgebiet stammend, auf die Trauerhalle und dem angrenzenden Gebäudekomplex aufmerksam. Sie dachte bestimmt, dass es genau der richtige Fleck ist dort das geplante Fritz Bauer Forum zu errichten. Und sie hat wahrlich recht gehabt!

Die Rollups über das Fritz Bauer Forum

Eine Trauerhalle, die von einem glühenden Nationalsozialistenarchitekten als Abschluss vor der Rente entworfen wurde. Ferdinand Keilmann prägte auch die Stadt Bochum im Wiederaufbau. Der große Hauptfriedhof mit seiner Trauerhallenarchitektur der 1930er Jahre der Nationalsozialisten bekam ein Gegenstück von einem ehemaligen glühenden Mitläufer. Der Entwurf der kleinen Trauerhalle Havkenscheid wirkt wie eine Entschuldigung am Ende seines Arbeitslebens als Architekt. Besser kann es für die Gründung des Fritz Bauer Forums an dieser Stelle von der Geschichte, dem Ort und die aktuelle Situation nicht sein.

Der Eingangsbereich zur Trauerhalle-Bibliothek

Gebaut wurde die Trauerhalle als Ausweichtrauerhalle, um weite Wege zu sparen zum Hauptfriedhofsteil Ost. Ebenfalls unter Denkmalschutz steht schließlich auch die große Trauerhalle, die 1935 eröffnet wurde am Freigrafendamm. Ihre Architektur und das Ensemble zeigt einmalig in Deutschland die Friedhofsarchitektur der Nationalsozialisten. Bochum wurde ein Spielfeld für Naziarchitektur, auch später bei den Bunkerbauten.

Die große „Nazi“-Trauerhalle am Haupteingang zum Friedhof

In den Planungen wurde die Trauerhalle von innen behutsam angepasst mit Stahlregalen für eine „Bibliothek für Menschenrechte“. Die Biographie von Fritz Bauer, geschrieben von Dr. Irmtrud Wojak, steht in mehreren Regalmetern. Hier kann recherchiert, geforscht und gelesen werden. Wo früher die kalten Leichen ungeheizt für eine kurze Zeit beherbergt wurden, bevor sie dann auf den Friedhof beerdigt wurden, kommen nun die Lebenden, um zu bleiben. Sie haben heute den Vorteil einer wärmenden Heizung.

Der Gebäudekomplex

Der gesamte Friedhofsbaukomplex wurde neu gestaltet, wo früher die Friedhofsgärtner und Gärtnerinnen ihre Pause verrichteten, während im anderen Trakt mit Blick auf die Trauerhalle die Toten vor der letzten Ruhestätte ein letztes Mal aufgebahrt wurden. Es gab dort wirklich getrennte Pausenräume für Männer und Frauen!

 
Blick auf die Dachkonstruktion von innen

„Brutale“ Architektur und Geschichte

Der Baustil „Brutalismus“ leitet sich nicht – wie man vermuten könnte – vom Wort „brutal“ ab, sondern aus dem französischen „béton brut“ für rohen Beton. In Deutschland sagt man „Sichtbeton“. Ein noch besseres Architektur-Beispiel in Bochum ist die Ruhr-Universität mit dem neu gebauten Stadtteil Hustadt in Querenburg Anfang der 1960er Jahre. Es wurden klare graue Betonlinien gezogen: Schnörkellos glatt und ein einfaches Schick, aber auch praktisch gebaut.

Glaskünstler Egon Becker

Durchbrochen wurde das graue Erscheinungsbild durch Glasmosaike durch Egon Becker, dem Glaskünstler, der auch in den Trauerhallen in den Stadtteilen Dahlhausen, Stiepel oder in Weitmar entdeckt werden kann.

Die Glaskunst von Egon Becker. Unten Dunkel nach oben hin hell.

Unten sind starke dunkle Farben, die nach oben hin heller werden und auch den Raum der Trauerhalle erhellen und so den grauen Beton oben auflockert.

Ich interpretiere es so, dass der dunkle blaue Himmel unten die Erde zeigt, die ja auch dunkel ist, aber nach oben hin heller wird. Wer stirbt der geht ins Dunkle, aber steigt in den hellen Himmel auf. Wenn der Verstorbene am Boden mit dem Rücken nach oben liegt, schaut er in den Himmel, dem Licht am Ende des Tunnels sozusagen. Der Glaskünstler Egon Becker hat sich da bestimmt was bei gedacht. Fragen können wir ihn ja nicht mehr. Er starb 1989. Er war Kunsterzieher u.a. an der Goetheschule, die Ferdinand Keilmann als Architekt ebenfalls entwarf.

Die Trauerhalle hatte einen überdachten Gang vom Betriebshof aus. Der allerdings nicht mehr vorhanden ist. Es war nicht denkmalgeschützt.

Das Foto zeigt die wohl frisch erbaute Trauerhalle mit der Dachkonstruktion Foto mit freundlicher Genehmigung der Stadt Bochum

Die Überdachung war deswegen, damit die Trauergäste trockenen Fußes vom Eingang der Leichenhalle rüber in die Trauerhalle gehen konnten. Jetzt steht die Trauerhalle als Gebäudekomplex für sich, was das Denkmal architektonisch betont.

Hier war die Dachkonstruktion bis zur Trauerhalle
Die Trauerhalle während der Sanierung und dem Bau des Fritz Bauer Forums

Entstanden ist sie durch die Anregung des damaligen Oberbürgermeisters Fritz Klaus Ende der 1960er Jahre. Denn der städtische Hauptfriedhof wurde erweitert und die Wege zur Trauerhalle wurden größer bis zu den Gräbern. Die Trauernden sollten kürzere Wege bekommen zu den Begrabungsstätten, gerade im kalten Winter oder bei schmuddeligen Regenwetter. Die Friedhofsfläche wurde so groß, da hätten mehrere VfL Stadien Platz gehabt.

Am Eingang des Hauptfriedhofs gab es die protzige Trauerhalle die Ende der 1920er Jahren geplant, aber in einem Nationalsozialistischen Friedhofsgesamtkonzept fertig gestellt worden ist. Der Sozialdemokratische Oberbürgermeister wollte ein Gegenstück dazu haben. Nicht protzig, eher klein und schlicht, sowie nutzbar für alle Religionen.

Ein Betonmonument der Stille

Wer vor der Trauerhalle steht, spürt sofort: Dieser Bau ist mehr als nur ein Ort des Abschieds. Die Halle wirkt wie eine Skulptur aus Beton – klar, ruhig, kraftvoll.

Ein Raum, drei Ebenen

Die Trauerhalle ist als ein einziger großer Raum konzipiert – schlicht, aber durchdacht. Sie gliedert sich in drei übereinanderliegende Zonen, die dem Gebäude ihre markante Erscheinung verleihen:

  1. Der Sockel:
    Er besteht aus vier hellen Sichtbetonstützen aus Weißzement. Zwischen ihnen sitzen dunkelgraue Betonrahmen mit großen Glasflächen. Die farbigen Bleiverglasungen von Egon Becker ergeben abstrakte Muster aus Licht und Farbe.
  2. Die Mitte:
    Darüber liegt ein breiter, waagerechter Betonteil, der wie ein schwebendes Dach wirkt. Er ragt über den unteren Teil hinaus und verleiht der Halle ihre charakteristische Schwere und Ruhe.
  3. Der obere Abschluss:
    Ganz oben thront ein mehrfach gestufter, quadratischer Betonaufsatz mit gezackter Silhouette – fast wie eine Krone aus Stein. Dahinter verbirgt sich allerdings ein schlichtes Flachdach.

Ein Bauwerk wie eine Skulptur

Bemerkenswert ist, dass der Bau bis heute weitgehend im Originalzustand erhalten ist. Nur kleinere Ausbesserungen an der Betonoberfläche wurden im Laufe der Zeit vorgenommen.

Aus Sicht der Denkmalpflege gilt die Trauerhalle als herausragendes Beispiel des Brutalismus – einer Architektur, die Beton nicht versteckt, sondern bewusst zeigt. Ihre klare Formensprache, das Spiel von Licht und Material und die skulpturale Wirkung machen sie zu einem besonderen Zeugnis der Sepulkralkultur der 1960er- und 1970er-Jahre.

Vor der Sanierung sah es nicht gut aus für den Beton oben von der Trauerhalle

Ein stilles Meisterwerk

Während die Hauptanlage des Friedhofs noch vom monumentalen Stil früherer Zeiten geprägt ist, wirkt Keilmanns Halle modern, fast poetisch. Sie steht für einen Wandel im Umgang mit Tod und Erinnerung – weg vom Pompösen, hin zu einer ehrlichen, stillen Architektur, die Raum lässt für Nachdenken und Abschied.

So sind die Räumlichkeiten von dem Fritz Bauer Forum früher gewesen

Der Entwurf der Trauerhalle stammt von Ferdinand Keilmann. Die Ausführung fand jedoch erst nach der Pensionierung Keilmanns 1973 und 1974 durch die Firma Philipp Holzmann statt. Die planerische Leitung oblag dem Dipl.-Ing. Hans-Rolf Dönges, welcher sich am ursprünglichen Entwurf von Ferdinand Keilmann orientierte.

Der Bau der Bibliothek durfte nicht das Denkmal beeinträchtigen

Im April 2015 wurde die Trauerhalle Havkenscheid schließlich als Denkmal aufgelistet als Zeugnis des Werkes des prägenden Architekten und ehemaligen Nachkriegs-Baumeisters der Stadt Bochum Ferdinand Keilmann.

Ein Plan zeigt, wie groß der Hauptfriedhof ist

Die Buxus-Stiftung – Bildung, Erinnerung, Demokratie

Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was sich hinter der alten Trauerhalle in Bochum verbirgt, außer eben einer Trauerhalle, die zum Denkmal wurde. Erst am Tag des offenen Denkmals bin ich nun auf die Buxus-Stiftung gestoßen – und war sofort beeindruckt. Ohne sie gäbe es das Fritz Bauer Forum überhaupt nicht.

Gegründet wurde die Stiftung 2013 von Dr. Irmtrud Wojak, einer Bochumerin mit beeindruckender Vita. Sie hat eine umfassende Biografie über Fritz Bauer geschrieben – jenen Juristen, der den Auschwitz-Prozess möglich machte und nie müde wurde, an das „Nie wieder!“ zu erinnern.

Für Wojak ist dieses „Nie wieder!“ kein bloßer Satz, sondern ein Auftrag. Sie will aktiv daran mitarbeiten, dass die Menschenwürde, fest verankert im ersten Artikel unseres Grundgesetzes, nicht vergessen, sondern gelebt wird.

Die Buxus – Stiftung hat einen eigenen Verlag: Buxus Edition. Dort werden auch Bücher aufgelegt, die sich mit dem Thema Menschenrechte beschäftigen. Auch die Biografie von Fritz Bauer von Dr. Irmtrud Wojak ist hier zu kaufen. (Unten sind alle Links)

Mein Schatten zeigt: Ganz wichtig dieses Fritz Bauer Forum!

Vom Ruhrgebiet in die Welt – und zurück: Dr. Irmtrud Wojak

Bevor Dr. Wojak die Stiftung gründete, arbeitete sie viele Jahre in Latein- und Mittelamerika. Dort lernte sie Menschen kennen, die um ihre Rechte kämpfen mussten, und schrieb ihre Dissertation über politische Gegner des NS-Regimes und Überlebende des Holocaust.

2013 gründete sie schließlich die Buxus-Stiftung, benannt nach dem widerstandsfähigen Buchsbaum – ein Symbol für Stärke, Erneuerung und Standhaftigkeit. Finanziert wird sie durch öffentliche Mittel und Partner wie Vorwerk oder die NRW-Stiftung, die auch das Fritz Bauer Forum unterstützte.

Ziel der Stiftung ist es durch Bildung die Demokratie und Erinnerungskultur zu bewahren und Menschenrechte schützen – in Deutschland und weltweit.

Oder kurz gesagt: Bildung. Erinnerung. Demokratie.

Die Stiftung gibt den Menschen eine Stimme, denen Unrecht widerfahren ist – damals wie heute. Sie versteht sich als Ort des Dialogs, der Aufklärung und der Verantwortung.

Das Fritz Bauer Forum – ein Ort der Begegnung

In Bochum hat die Stiftung ihren passenden Ort gefunden für ihre Idee des Fritz Bauer Forums. Hier treffen Architektur, Geschichte und Bildungsarbeit aufeinander. Die einst leerstehende Trauerhalle vom umstrittenen, aber Bochum prägenden Architekten Ferdinand Keilmann wurde liebevoll umgebaut – ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.

Immer wieder sind spannende Vorträge zu bestimmten Themen

Heute befinden sich dort eine moderne Bibliothek, Ausstellungsräume. Es werden angeboten Workshops, Schulprogramme und ein Archiv mit Biografien von Überlebenden und Geschichten der Menschenrechtsbewegung. Zwischen den Bücherregalen laden Leseecken und offene Treppen dazu ein, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen – und über die Gegenwart und das Gestalten der Zukunft nachzudenken.

Warum gerade Bochum?

Bochum war kein Zufall. Als gebürtige Bochumerin wusste Dr. Wojak um die Bedeutung dieser Stadt – ein Ort, der seit über 100 Jahren von Migration, Industrie und einem stetigen Strukturwandel geprägt ist. Mit der Ruhr-Universität, dem kulturellen Erbe des Bergbaus und seiner offenen Gesellschaft ist Bochum der ideale Standort für ein Forum, das Demokratie, Vielfalt und Erinnerungskultur fördern will.

Der angrenzende ehemalige Verwaltungsbau aus den 1970er-Jahren wurde nicht abgerissen, sondern in das Gesamtkonzept integriert. So entstand ein Kommunikationshaus, das Geschichte bewahrt und gleichzeitig Zukunft gestaltet.

Nie wieder ist jetzt

Mit der Buxus-Stiftung und dem Fritz Bauer Forum hat Dr. Irmtrud Wojak einen Ort geschaffen, der zum Nachdenken anregt – über Menschlichkeit, Verantwortung und den Wert der Demokratie.

Sie hat das Leid vieler Menschen, das Unrecht und die Folgen von Krieg und Diktatur in einer einzigen Trauerhalle zusammengeführt – und daraus einen Ort der Hoffnung gemacht.

Die Buxus-Stiftung hat den eigenen Verlag Buxus Edition zum Verlegen von Büchern zum Thema Menschenrechte und Wahrung der Demokratie. Jede Veranstaltung kann durch einen Live-Stream auch bequem von zu Hause aus angesehen werden. Das Forum ist auf den modernsten Stand und versucht mit allen Mitteln die Bildung weiterzugeben.

Auch Räume können angemietet werden, sowie auch das Podcast-Studio. Internationale Künstler sind eingeladen Ausstellungen im Laufe des Jahres mitzumachen, die das Thema Menschenrechte auf die Agenda geschrieben haben.

Denn, um es mit den Worten Fritz Bauers zu sagen:

„Nichts gehört der Vergangenheit an – alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“

 Live-Streams: Veranstaltungen digital erleben ▶ Fritz Bauer Forum

Förderer der Buxus-Stiftung ist auch Vorwerk

Wer einen Vorwerk Staubsauger oder Thermomix kauft, gibt also einen kleinen Teil zur Bewahrung der Menschenrechte und Demokratie dazu, denn einer der Vorwerk Brüder unterstützt die Buxus-Stiftung. Die Beweggründe liegen in der Geschichte der traditionellen Firma für Haushaltsgeräte.

Vorwerk wurde 1883 gegründet. Aber auch die Staubsaugerfirma wurde in den 1940er Jahren auf die Produktion von Munition für den Krieg der Nationalsozialisten umgestellt. Statt die Alliierten aufzusaugen wurde scharfe Munition und Bomben hergestellt von Zwangsarbeitern an der Fabrikstandorten.

Eine Anekdote von Magdalena Köhler war, dass es französische Zwangsarbeitern gelungen war Bomben so zu präparieren und sabotieren, dass sie beim Angriff auf sowjetische Städte keine Explosion gab. Alle waren Blindgänger. Leider kam das natürlich heraus. Zehn Franzosen wurden aus dem Werk von der Gestapo geführt und wurden nicht mehr wiedergesehen…

Im Zuge der Wiedergutmachungszahlungen für Zwangsarbeiter, hat Vorwerk als einer der ersten sich geöffnet. Das Unternehmen hat seine dunkle Geschichte aufgearbeitet.

 

Fritz Bauer – Der Mann, der das Schweigen brach

Uploaded a work by Fritz Bauer Institut / A. Mergen from https://www.fritz-bauer-institut.de/fileadmin/editorial/publikationen/einsicht/einsicht-05.pdf

Fritz Bauer (1903–1968) war Jurist, überzeugter Demokrat, Verteidiger der Weimarer Republik und Überlebender des Nationalsozialismus. Aufgewachsen in einer liberal-jüdischen Familie in Stuttgart, verstand er sich selbst als glaubenslos, aber tief demokratisch. Schon als Student kämpfte er für die Werte der Weimarer Republik – und wurde damit früh zum Feindbild der Nazis.

Mit nur 26 Jahren wurde Bauer 1930 der jüngste Amtsrichter Deutschlands. Nach der Machtübernahme 1933 wurde er verhaftet, später aber wieder freigelassen – aus bis heute ungeklärten Gründen. 1936 gelang ihm die Flucht nach Dänemark, später nach Schweden. Dort arbeitete er im Exil eng mit dem späteren sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt zusammen und gründete die Zeitschrift Sozialistische Tribüne.

1949 kehrte Fritz Bauer nach Deutschland zurück. Zunächst Landgerichtsdirektor in Braunschweig, wurde er 1956 Generalstaatsanwalt in Hessen. Von dort aus kämpfte er unermüdlich für Gerechtigkeit und Aufklärung der NS-Verbrechen – oft gegen den Widerstand einer Justiz, die noch von alten Nazi-Kadern geprägt war. „Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland“, sagte er einmal über seine Arbeit.

Nazijäger Bauer führt zu Adolf Eichmanns Verhaftung

Fritz Bauer hatte Informationen bekommen, wo sich der „Endlösungsplaner“ Adolf Eichmann aufhielt. Er übergab 1960 die Information dem israelischen Geheimdienst Mossad, die ihn mit einer spektakulären Entführungsaktion nach Israel entführten und ihn dort vor Gericht stellten. Dort kamen viele Dinge ans Tageslicht, die in der Form damals wahrscheinlich nicht in Deutschland machbar gewesen wäre.

Der Auschwitz-Prozess und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen

Bauer war der zentrale Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965). Gegen massiven Widerstand sorgte er dafür, dass die Täter des Konzentrationslagers Auschwitz vor Gericht gestellt wurden. Auch wenn viele Angeklagte nur wegen Beihilfe zum Mord verurteilt wurden, gilt Bauers Einsatz als Wendepunkt: Er zwang die deutsche Gesellschaft, sich mit der eigenen Schuld auseinanderzusetzen.

Er trieb außerdem Verfahren gegen NS-Mediziner, Juristen und Wehrmachtsangehörige voran und setzte sich für die Rehabilitierung der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 ein. Sein berühmtes Zitat aus dem Remer-Prozess lautet:

„Ein Unrechtsstaat, der täglich Zehntausende Morde begeht, berechtigt jedermann zur Notwehr.“

Vision eines humanen Strafrechts

Neben seiner juristischen Arbeit war Bauer ein Vordenker moderner Strafrechtspolitik. In seinem Hauptwerk Das Verbrechen und die Gesellschaft (1957) plädierte er für ein Rechtssystem, das auf Resozialisierung statt auf Strafe setzt – ein radikaler Gedanke seiner Zeit.

1961 gehörte er zu den Mitbegründern der Humanistischen Union, die heute noch den Fritz-Bauer-Preis für Zivilcourage und Rechtsstaatlichkeit vergibt.

Das Vermächtnis ist das Fritz Bauer Forum

Tod und Vermächtnis

Am 1. Juli 1968 wurde Fritz Bauer tot in seiner Frankfurter Wohnung gefunden. Offiziell wurde Herzversagen durch Vorschädigungen am Herz plus Einnahme von Schlafmitteln und eine Bronchitis festgestellt. Doch bis heute wird über die Umstände seines Todes spekuliert. Sicher ist: Ohne Fritz Bauer hätte die Bundesrepublik ihre NS-Vergangenheit noch länger verdrängt. Er bleibt einer der wichtigsten Wegbereiter für ein demokratisches und selbstkritisches Deutschland. Umso wichtiger ist er für das Forum für Menschenrechte der Namensgeber in und um die Trauerhalle Havkenscheid.

Schattenwand – wir hören alle zu

Fritz Bauer hat mit dem Ruhrgebiet nie etwas zu tun gehabt. Er wurde hier nicht geboren, hat es wahrscheinlich nie besucht. Aber jetzt wird er hier im vielfältigen Ruhrgebiet statt in seiner letzten Wirkungsstätte Frankfurt mit einem Forum für Menschenrechte geehrt für seine Arbeit als „Nazi-Jäger“, wie er genannt wurde. Er hatte das Treten der Menschenrechte unter den Nationalsozialisten selbst durch einen Aufenthalt im Konzentrationslager erfahren umso mehr kämpfte er für ein „Nie wieder“. Er sollte als Vorbild in der heutigen Gesellschaft gesehen und nicht vergessen werden.

Fritz Bauer hat den Artikel 1 vom Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das 1949 prägend für den Wandel eines neuen demokratischen Staates in Europa war, weithin sichtbar an der Fassade des Justizgebäude in Frankfurt, seinem Arbeitsplatz als Generalstaatsanwalt in Hessen, angebracht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Nun kommt ein anderer Mann ins Spiel, der die Trauerhalle entworfen hat und Anhänger der Nazis war, die Fritz Bauer Zeit seines Lebens vor Gericht stellen wollte.

Architekt Ferdinand Keilmann – Von der „Welthauptstadt Germania“ zum Stadtgestalter in Bochum

Ferdinand Keilmann steht für die Bochumer Nachkriegsarchitektur, wie kaum ein anderer. Viele seiner Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Doch seine Biographie ist mehr als nur eine Erfolgsgeschichte, sondern es stellen sich viele schwierige Fragen zur Vergangenheit seines Schaffens.

Vom Musikersohn zum Architekten des NS-Staates

Geboren am 24. Juli 1907 in Würzburg, war Keilmann das älteste Kind eines Gymnasiallehrers und Musikprofessors. Eine Rachitis-Erkrankung machte ihn schwerhörig. So konnte er nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, was er sich gewünscht hatte. Er entschied sich für das Bauen von Gebäuden.

Nach einer Tischlerlehre studierte Keilmann Architektur in Offenbach, Aschaffenburg und Weimar – an der Nachfolgeinstitution des legendären Bauhauses. Einer seiner Lehrer war Ernst Neufert, später ein bedeutender Theoretiker des modernen Bauens.

Doch Keilmanns Weg nahm früh eine politische Wendung. Da beginnt die schwierig Einschätzung seiner Person: Schon 1932 trat er in die NSDAP ein. In Aschaffenburg arbeitete er nach 1934 als Pressewart der Ortsgruppe. Ab 1936 war er als Architekt für die Reichsluftwaffe tätig, plante Offiziersheime und Wohnhäuser auf Sylt, später Kasernen in Berlin. War er nur karrieregeil und wußte, dass er dies auf dem Weg als Parteiangehöriger ohne Probleme machen konnte.

Planer für Hitlers „Germania“

Ab 1939 arbeitete Keilmann im Umfeld von Albert Speer, dem Chefarchitekten des Regimes. Gemeinsam mit Kollegen plante er am Südbahnhof für „Germania“, Hitlers gigantische Vision einer „Welthauptstadt“. In dieser Zeit war Keilmann Teil eines Systems, das Architektur als Ausdruck von Macht, Kontrolle und Ideologie verstand. Er muss den Weg der Partei gegangen sein. Er musste wissen, was sich im Hintergrund abspielte als es um Bauten in der Kriegszeit nur noch mit Zwangsarbeitern und ihrem Schicksal geht. Er war Mitwisser. Doch vielleicht hat er nie selbst geschossen. Wahrscheinlich war er dennoch einer derjenigen, der wusste, wohin die Zwangsarbeiter gingen, wenn sie nicht mehr fähig waren die Arbeiten auszuführen, nämlich in den Tod.

Zweimal entnazifiziert – und dann Karriere in Bochum

Nach Kriegsende geriet Keilmann in die Mühlen der Entnazifizierung. Ungewöhnlich ist, dass er gleich zwei Mal die Verfahren durchmachen musste, 1947 und 1948. Beide Verfahren überstand er und erhielt auch die Zulassung als Architekt. 1950 holte ihn Stadtbaurat Clemens Massenberg ins Hochbauamt der Stadt Bochum.

Dort begann Keilmann seine produktivste Phase. In den 1950er Jahren entstanden zahlreiche öffentliche Gebäude, z.B. das leider abgerissene Stadtbad und das Hochhaus der Stadtwerke Bochum, das heute unter Denkmalschutz steht, sowie Schulen, verschiedene Trauerhallen und Verwaltungsbauten, die heute als typische Vertreter der Nachkriegsmoderne gelten. Sein letztes Architekturwerk war vor der Pension die Pläne für die Trauerhalle Ost in Havkenscheid, die er selbst nicht mehr ausführen konnte.

 

Zwischen Anpassung und Aufbau

Mein Schatten zeigt: Ganz wichtig dieses Fritz Bauer Forum in Bochum!

Ferdinand Keilmann war kein einfacher Charakter, und seine Biografie ist kein Heldendrama. Er war Architekt in zwei völlig unterschiedlichen Systemen – und er passte sich beiden an. In der NS-Zeit arbeitete er an den Prestigeprojekten des Regimes, nach 1945 am Wiederaufbau einer demokratischen Stadt.

Vielleicht liegt genau darin das Spannende an seiner Geschichte: Sie zeigt, wie brüchig die Grenzen zwischen Schuld, Mitläufertum und Neubeginn in der Nachkriegszeit waren.

Er musste gewusst haben, dass er für Architekturprojekte in Kriegszeiten verwendete Zwangsarbeiter in den Tod geschickt hat, wenn sie zu schwach wurden. Er muss nicht selbst geschossen haben. Es reicht das anderen, die es tun mitzuteilen. Das ist nun reine Spekulation, aber bei der „industriellen Verwertung“ von „Menschenmaterial“ im zweiten Weltkrieg, um das System am Laufen zu halten, war jedes Mittel recht und die Schwächsten zogen immer den kürzeren. Er war Mitglied in der NSDAP seit 1932. Lebte wahrscheinlich auch durch Überzeugung die Rassentheorien. Er machte durch die Parteimitgliedschaft eine große Karriere und die ging fast nahtlos in Bochum weiter durch den Baudezernenten Clemens Massenberg. Sie mussten sich gekannt haben schon aus Berliner Zeiten. Clemens Massenberg sorgte für den Neubau der Innenstadt von Bochum und prägte sie so, wie sie heute zu sehen ist.

Diverse Kunstfotografien setzen die Trauerhalle ganz besonders mit ihrem Betoncharakter in Szene

Massenberg wollte breite Straßen, zweckgebundene Wohn- und Geschäftshäusern, die schnell aufgebaut werden konnten. Alte Fachwerkhäuser, bis auf eins, in der heute die Gaststätte Rietkötter ist, sollten verschwinden. Er dachte an die Zukunft des Automobils. Ferdinand Keilmann war eine große Unterstützung für Massenberg. Er entwarf auch das leider schon abgerissene neue Stadtbad in der Innenstadt, sowie das Hochhaus in der modernen Stahlskelettbauweise für die Stadtwerke Bochum, das auch unter Denkmalschutz steht. Des Weiteren entstanden unter seiner Leitung eine große Anzahl Schulen (u. a. Neulingschule, Rosenbergschule, Erweiterungsbau Goetheschule) und weitere Trauerhallen (Stiepel, Dahlhausen, und Gerthe). Darüber hinaus plante er den neuen Rathaussitzungssaal sowie die Errichtung der Aussichtsplattform im Turm der Burg Blankenstein (Hattingen). Ferdinand Keilmann entwarf auch den Grabstein für Clemens Massenberg auf dem Hauptfriedhof als dieser 1954 starb. Er musste Massenberg unendlich dankbar gewesen sein, um von der eher dunklen Schattenseite seines Tuns vor dem Ende des Weltkriegs, neues wieder aufleben zu lassen, das lange Bestand haben sollte. Das ist ihm auch gelungen.

Sein letzter Auftrag vor der Beamtenpension war der Entwurf der Trauerhalle Ost in Havkenscheid als Gegenentwurf für die große Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof, die in der Zeit der Nationalsozialisten architektonisch pompös, von weitem sichtbar errichtet wurde. Sie wurde zwar schon Ende der 1920er Jahre geplant. Aber bei den Baumaßnahmen wurden entsprechende angepasste Änderungen vorgenommen. Sie ist auch unter Denkmalschutz und gilt als einmalig für die Friedhofskultur der 1930er Jahre in ganz Deutschland. Keilmann hat als Architekt im Hochbauamt der Stadt Bochum zwischen 1950 und 1972 einen erheblichen Beitrag zum Stadtbild geleistet.

Keilmann starb am 7. September 1979 in Bochum – als anerkannter Architekt, aber mit einer Vergangenheit, die bis heute Fragen stellt. Begraben wurde er, wie sollte es auch anders sein, auf dem Hauptfriedhof ganz in der Nähe seines letzten Architekturentwurfs der Trauerhalle Ost in Havkenscheid.

„Flaschengefühle“ im Vortragssaal vom Fritz Bauer Forum

Da hat der Clemens Massenberg in ihm einfach einen guten Architekten gesehen, der Bochum von den kleinen zerbombten dunklen Fachwerkgassen hin zu einer brummenden luftigen Großstadt umbaut. Ob das ein Augenschmaus ist, sei dahin gestellt. Jede Stadt hat interessante Dinge zu erzählen, ob schön oder nicht.

Verführung muss durch Bildung bekämpft werden

Fritz Bauer würde sich im Grab umdrehen, wenn er sehen würde, wie sich unsere heutige Gesellschaft so leicht verführen lassen durch die sozialen Medien und den gleichen Parolen, die die Nationalsozialisten in den 1920er und 1930er Jahren bei den Wahlen genutzt haben. Aufklärung, Bildung und das Wahren der Demokratie ist umso wichtiger geworden gerade in der jungen Generation, denn die alten, die es selbst erlebt haben, sind bald nicht mehr da.

Die junge Generation kennen den Namen Fritz Bauer nicht. Sie können nicht wissen, dass er als Generalstaatsanwalt in Frankfurt den Auschwitzprozess angestoßen hat und viele noch in den Bundesbehörden tätige Nazis fangen wollte. Er hat dadurch auch die sogenannte 68er Generation angestoßen, die ihre Eltern fragten, was sie da eigentlich totschweigen, warum sie manche Dinge aus der Kriegszeit verschweigen. Die Verkrustung der alten Nazistruktur innerhalb der Bundesrepublik war groß. Der Staat musste beim Neustart funktionieren. Es wurde entnazifiziert, um Lehrer, Manager, Verwaltungsangestellte, Politiker, Juristen, Anwälte, Richter und viele andere Zivilisten, die auch direkt oder indirekt Täter waren, den neuen Staat, die Bundesrepublik Deutschland zu gründen, um gegen den neuen Feind des Westens, nämlich Stalin und der Kommunismus, einen neuen Verbündeten zu haben. Darunter gehörte auch der Architekt der Trauerhalle Ferdinand Keilmann. Ein entnazifizierter erfolgreicher Architekt, der heute wahrlich seine denkmalgeschützte Spuren hinterlassen hat in Bochum.

Der Vortragssaal

Kleiner Film-Tipp:

Die Serie „Deutsches Haus“ befasst sich mit den Auschwitz-Prozessen sehr eindringlich. Inhaltlich geht es um eine junge Dolmetscherin, die für die Auschwitz-Prozesse von Fritz Bauer angestellt wird, um vom polnischen in die deutsche Sprache vor Gericht zu übersetzen. Sie selbst findet nach und nach raus, warum sie so gut polnisch kann und wo sie aufgewachsen ist, doch es verdrängt hat, weil sie zu jung war.

Iris Berben spielt eine Auschwitz-Überlebende sehr eindringlich. Sie war in der Nebenrolle so oscarreif. Mir stockte bei ihrer Spielart der Überlebenden der Atem und ich hatte einen Klos im Hals.

Kunst spielt mit dem Gebäude

Wer sich also mit dem Thema beschäftigen möchte, sollte sich auf Disney+ die Serie anschauen:

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Mehr Informationen

Zitat von Fritz Bauer

„Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.“ 

Dieses Zitat von Fritz Bauer soll künftig über dem Eingang der ehemaligen Trauerhalle stehen, als Aufforderung und Hoffnung für die Menschen. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis Fritz Bauers Wirken entsprechend gewürdigt wurde. Ich mache dies jetzt in meinem Blog. Er ist hier im Ruhrgebiet, dem Gebiet der Vielfalt, in der Stadt Bochum angekommen und wird auf eine besondere Art gewürdigt, was wir der Idee von Dr. Irmtrud Wojak zu verdanken haben.

Ganz ehrlich: Das Forum ist zur richtigen Zeit errichtet worden. Irmtrud Wojak würdigt damit nicht nur das Wirken von Fritz Bauer, sondern Alle, die Menschenrechte verteidigen, sowie alle Überlebenden in der Welt, aber auch alle Toten, die durch Krieg und Autokratie, wo Menschenrechte nicht zählen, mit diesem Fritz Bauer Forum eine Anlaufstelle der Aufklärung und Wahrung für die Zukunft. Das ist ein großer Chapeau mit viel Respektschampus! Das ist Bundesverdienstkreuzwürdig!

Abschließend ist folgender Satz von Dr. Irmtrud Wojak sehr zu Herzen zu nehmen und auf jeden Fall für sich mitzunehmen, aufzustehen für den Widerstand für die Überlebenden. Ich will es weitergeben für die, die nicht überlebt haben mit diesem und auch den ein oder anderen Podcast zusammen oder ohne Jack Tengo, der genauso dahinter steht. Egal wie viele es nun gehört haben oder hören werden oder diese Zeilen gelesen haben oder nicht:

„Fritz Bauer war die Stimme des Widerstands der Überlebenden im Nachkriegsdeutschland.“

Dr. Irmtrud Wojak
Historikerin und Gründerin des Fritz Bauer Forums

 

Der kurze einprägsame und erstaunliche Vortrag über das Denkmal und den neuen Inhabern von Magdalena Köhler war augenöffnend und horizonterweiternd. Ich habe meinen Teil dazu beitragen wollen. Die Idee von Dr. Irmtrud Wojak die Trauerhalle zu einer Bibliothek der Menschenrechte zu machen finde ich sehr ehrenswert. Bochum hat nun einen ganz besonderen Ort für eine Erinnerungskultur bekommen, einem Ort von Bildung, die zum Erhalt der Demokratie führen soll. Ein Ort, den trotz der politischen Situation, auf jeden Fall bewahrt werden muss.

Hätten die Alliierten den Krieg gegen Deutschland nicht gewonnen, wo wäre der Weg der Menschenrechte hingegangen? Eine Frage, die wir zum Glück nicht beantworten müssen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte auch das Fritz Bauer Forum und erklärte: „Demokratie verlangt Wachheit. Und sie erlaubt keinen Rückzug, sie will Einmischung, um ihretwillen, nicht um der Empörung willen. Diese Haltung hätte Fritz Bauer sich von uns gewünscht – nein, er hätte sie erwartet!“

So schließe ich selbst mit den Worten: „Seid die Stimme des Widerstands der Überlebenden in der Welt! Seid diejenigen die Aufstehen gegen Unrecht und gegen die Lügen der Autokraten, Populisten und rechtsrückenden Lügenversteher! Steht auf und seid die Stimme des Widerstands!

Ich für meinen Teil mische mich ein. Habe Haltung. Und du?

Alle wichtigen Links und zusätzlichen Infos:

Standort

Feldmark /Ecke Kornharpener Straße
44803 Bochum

Fritz Bauer Forum 

https://fritz-bauer-forum.de 

https://fritz-bauer.bibliotheca-open.de

Förderung vom Fritz-Bauer-Forum:

NRW-Stiftung:

https://nrw-stiftung.de

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https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/denkmal/clikahuyl0000ms0fs4m1dr6a/fritz-bauer-bibliothek-ehemalige-trauerhalle-havkenscheid

https://www.denkmalschutz.de/denkmal/fritz-bauer-forum.html

https://www.lwl-dlbw.de/de/denkmaeler-entdecken/denkmalliebe/trauerhalle-ost/

60PLUS_Trauerhalle_Havkenscheid_Diem_Fahl_Plakat.pdf

Fritz Bauer Forum – Sanierung der ehemaligen Trauerhalle Havkenscheid

Deutsche Stiftung Denkmalschutz – Ehem. Trauerhalle / Fritz Bauer Forum – Bochum

Bochum: Trauerhalle Ost auf dem Friedhof Freigrafendamm, Feldmark 107

www.architektur-geschichte.de – Trauerhalle Havkenscheid auf dem Bochumer Hauptfriedhof

Fritz Bauer Forum in Bochum – Bewegung in Bochum

Neues Zentrum für Demokratie und Menschenrechte entsteht in ehemaliger Trauerhalle – LokalKlick.eu

www.architektur-geschichte.de – Architekt Ferdinand Keilmann – Übersicht

Die Trauerhalle Ost auf dem Zentralfriedhof Freigrafendamm in Bochum – Nachkriegsarchitektur in Nordrhein-Westfalen

Trauerhalle Ost/Zentralfriedhof, BO – Egon Becker

Haus Havkenscheid – Wikipedia

Hauptfriedhof Bochum – Wikipedia

Bochum: Trauerhalle wird zum Zentrum für Menschenrechte

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Empfehlung der Film-Serie „Deutsches Haus“ in Disney +:

Deutsches Haus – Offizieller Trailer – Jetzt nur auf Disney+ streamen | Disney+ – YouTube

***

Biographie – Links:

Fritz Bauer – Wikipedia

Ferdinand Keilmann – Wikipedia

www.architektur-geschichte.de – Architekt Ferdinand Keilmann – Übersicht

Egon Becker.de

Planungen zur Welthauptstadt Germania, an dem Ferdinand Keilmann auch einen Anteil hatte:

Welthauptstadt Germania – Wikipedia

Welthauptstadt Germania – Wikiwand

Modell der „Welthauptstadt Germania“ nach Plänen von Albert Speer (1939) | German History in Documents and Images

Welthauptstadt Germania

Berlin | Hitlers Reichshauptstadt Germania und die Geschichte

Buchempfehlung:

Dr. Irmtrud Wojak : Fritz Bauer – Biographie

Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biografie – BUXUS EDITION

Der Verlag „Buxus Edition“

Buxus Edition | Shop – BUXUS EDITION

Abonnieren in den sozialen Medien:

youtube.com/@fritzbauerforumbochum

***

Facebook.com/FRITZBAUERFORUM 

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Instagram.com/fritzbauerforum

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Wer bei Veranstaltungen nicht dabei sein kann:

Live-Streams: Veranstaltungen digital erleben ▶ Fritz Bauer Forum

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Albert Speer – Wikipedia

Welthauptstadt Germania – Wikipedia

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei – Wikipedia 

Entnazifizierung – Wikipedia

(Wer sich eingehender mit der Thematik befassen möchte, sollte nicht Wikipedia nutzen, sondern eingehenden Literatur in der nächsten Stadtbibliothek oder Buchhandlung nutzen.)

Alle Fotos sind (C) André Brune – Die zwei von der Stadt Bochum sind bei einem Podcast mit Markus Lutter vom Bildarchiv der Pressestelle vom Monitor abfotografiert worden. Danke für die Genehmigung!

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Einladung zum Mit- und Nachmachen: Vorbildliche Stolpersteinputzaktion vom 22. September bis zum 09. November 2025 in Bochum

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte allein in Bochum seit 2004 mittlerweile 374 Stolpersteine und vier Stolperschwellen. Sie erinnern nicht nur in Deutschland an die Opfer des Faschismus. Die Patenschaften übernahmen Schulklassen, Vereine, Initiativen und auch engagierte Einzelpersonen, die sich jeweils mit der Biografie der Opfer beschäftigt haben. Stolpersteine erinnern an Jüdinnen und Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, Menschen mit Handicap und politisch Verfolgte.

Damit die Stolpersteine schön glänzen und gut lesbar sind, müssen sie regelmäßig gereinigt werden. 2022 ist die letzte stadtweite Putzaktion vom Kinder- und Jugendring organisiert worden. Da zahlreiche Steine wieder stark verschmutzt und kaum noch leserlich sind, laden das Kommunale Integrationszentrum und der Kinder- und Jugendring zu einer neuen Stolpersteinputzaktion ein.

Möglichst viele Stolpersteine und die Stolperschwellen sollen im Zeitraum zwischen dem 22. September und dem 09. November 2025 (87. Jahrestag der Reichspogromnacht) gereinigt werden.

Gruppen und Einzelpersonen, die sich an der Putzaktion beteiligen möchten, können sich in der Geschäftsstelle des Jugendrings (E-Mail: info@jugendring-bochum.de; Telefon: 0234 – 51 64 61 56) melden und mitteilen, wieviel Zeit sie für die Aktion einbringen können und in welchem Stadtteil sie sich engagieren möchten. Putzmaterial wird vom Jugendring zur Verfügung gestellt.

Ich werde meinen Teil dazu beitragen und so viele sauber machen, wie ich kann. Denn gerade jetzt ist #niewiederistjetzt Der Faschismus greift wieder um sich und verführt die Jugend. Die letzten Kommunalwahlen zeigten es, wie sehr Menschen auf die „einfachen“ Lösungen reinfallen, die eine Alternative sein sollen, die mit den gleichen Narrativen die Menschen verführen, wie damals die NSDAP. Wohin das die Bevölkerung in Europa geführt hat, zeigen die Stolpersteine. Gunter Demnig macht weiter, weil die Gefahr des Faschismus nie verschwunden war, sondern in ganz Europa immer noch vorhanden und jetzt wieder verstärkt wurde. Sie tragen keine Springerstiefel mehr, sondern schicke Anzüge, aber reden nicht nur von Remigration, sondern auch von Mord und das Ändern der Gesetze, das Abschaffen der Demokratie!

Ich selbst hätte nie gedacht, dass die Menschen so einfach zu verführen sind, wo meine Generation schon gut aufgeklärt wurde. Aber die sozialen Medien, die KI-Technik und einfache politische Polemik greift heute wieder Menschen an, die sich gerade ihre Freiheiten gesetzlich erkämpft haben.

Auch ich fühle mich verpflichtet für die Vielfalt des Ruhrgebiets zu kämpfen. Die Stolpersteine sind für mich das Projekt, das nun umso mehr in den Vordergrund kommen wird bis zur nächsten Landtagswahl in NRW. Wer mehr über die Geschichte der Stolpersteine erfahren möchte, kann sich gern den Vortrag als Podcast ansehen, den ich aufnehmen konnte, als Gunter Demnig in Bottrop 2023 Stolpersteine verlegt hatte:

Gunter Demnig, der Initiator und Künstler stellt sich vor I Stolperstein Ruhrgebiet Podcast #1 I #63 I + Fotos I + Video – Ruhrpottologe – André Brune

Mehr Informationen zur Stolperstein-Säuberungsaktion:

Kinder- und Jugendring Bochum e.V.

Engelsburger Straße 168, 44793 Bochum

Tel.: 0234 – 51 64 61 56

Fax: 0234 – 68 33 36

info@jugendring-bochum.de

www.jugendring-bochum.de

Der Text ist aus der Pressemitteilung entstanden, sowie die Fotos stammen vom Kinder- und Jugendring Bochum e.V.

Ihr Pfand hilft Obdachlosen – ein besonderer Verein I Matthias Kersting und die Aktion Bollerwagen in Bochum I +Videopodcast I +Podcast #116 I +Fotos

Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V. – Hilfe, die direkt ankommt

Unter dem Motto „Jede Flasche zählt“ sammelt und gibt der Verein direkt die Spende an Wohnungslose:  Getränke, Essen, Schlafsäcke und Hygieneartikel. Ich bin jetzt mitgegangen, um den Ablauf zu erleben. 

Pfand sammeln einige Obdachlose, aber nicht alle. Es gibt jedoch eine sinnvollere direktere Alternative zum Pfandspenden als sie überall herumstehen zu lassen, was in dem Moment sogar eine Ordnungswidrigkeit ist und eben Müll auf der Straße: Direkt den Pfand an eine Organisation geben, der sich dann wiederum richtig darum kümmert. So kommen mehr als nur ein paar Cents bei den Obdachlosen an.

Die Idee und Gründung

Eine besondere Idee hatten die Vorsitzenden der VfL-Fanfußballclubs Oliver Nolting vom Blue-White-Malibu-1848 und Matthias Kersting vom Bochumer Herzschlag. Sie gründeten 2021 den Verein „Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V.“  Während der Corona-Pandemie saßen sie bei einem Fläschchen Bier auf einer Parkbank, wie es damals üblich war und wollten etwas für die Obdachlosen machen. So beschlossen sie Pfand zu sammeln an einem Getränkemarkt. Die Suche nach einem Getränkemarkt ging los. Nachdem der erste mitmachte, kamen vier weitere dazu, so dass der Verein immer im Wechsel vor Ort an verschiedenen Stellen an einem Sammeltag den Pfand der Menschen übernahmen, die ihn gegen neue Getränke eintauschen wollten. Das System kam bei den meisten sehr gut an. Zuletzt sind über 400 € am 13.9. an einem Sammeltag zusammengekommen.

Des weiteren bot der VfL Bochum 2022 dem gemeinnützigen Verein „Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V. mittlerweile zwei Mal an die Pfandbecher der Fußballfans im Stadion an der Castroper Straße einsammeln zu lassen. Ein Pfandbecher kostet 2 €. Zu Ostern 2024 kamen so 2158 Pfandbecher zusammen mit einer zusätzlichen Geldspende. Das war eine gute Summe um einige Lebensmittel, Schlafsäcke und Hygieneartikel für die Obdachlosen in Bochum besorgen zu können. 

Über die Gründung und das Handeln des Vereins spricht Matthias Kersting, einer der Gründer, im Podcast. Ich lasse auch kurz die Eindrücke zweier weiterer Mitläuferinnen, Heidi und Christina Pottmeyer zu Wort kommen.

Alles könnt ihr sehen oder hören im neuen Videopodcast bwz. Podcast:

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Spontan mitgemacht bei der „Aktion Bollerwagen“

Mal im Team mitgehen und erleben, helfen und die Gesellschaft ehrenamtlich zu unterstützen!

Mein Motto: Einfach machen

Ich war für einen Spätnachmittag spontan eingeladen worden an einem heißen Tag bei ihrer „Aktion Bollerwagen“. Damit verteilen sie direkt Wasser, Obst, auch Ruck- und Schlafsäcke für die Obdachlosen. Es war direkt nach dem Podcast mit Milton Merlano über den Verein „Barrierefrei sei mit dabei e.V.“ , der schon unter #114 erschienen ist.

Ich war beeindruckt von ihrem Tun und ihrem Umgang mit den Betroffenen, um die über 99% der Menschen einen großen Bogen machen oder sie sogar beschimpfen, sie sollen arbeiten gehen statt auf der Tasche zu liegen. Doch sie liegen niemanden auf der Tasche. Sie boxen sich irgendwie durchs Leben. 

Kleine Aufmerksamkeiten sind für sie eine Besonderheit, die sie schätzen, weil sie nichts mehr haben. Sie besitzen kein Auto, keine Wohnung, geschweige denn ein Bett oder einen Kühlschrank. Wenn wir uns das bewusst machen, dann denken wir anders über sie, aber das ist ein Lernprozess bei vielen. Wohnungslose müssen betteln, um zu überleben. Das ist oft nicht einfach, besonders bei denjenigen, die gerade Obdachlos werden, also in eine unerwünschte Situation kommen, wo Stolz und Scham eine große Rolle spielen. Im Winter müssen sie Glück haben immer einen warmen Schlafplatz zu bekommen. Es kann passieren, dass wir auch eine Todesnachricht erhalten von einem erfrorenen Obdachlosen. Das war 2021 in Bochum passiert.

Machen wir uns nichts vor, schon morgen kann ein Unfall, eine schmerzvolle Trennung, Spielsucht, große Schuldenanhäufung, Arbeitslosigkeit, eine psychische Erkrankung oder einige andere schicksalsträchtige lebensverändernde Dinge dazu führen selbst in diese Lage zu kommen, und zwar schneller als man denkt.

Ich habe erlebt, wie Matthias und Heidi mit ihnen offenherzig sprechen. Wenn die Obdachlosen mit dem Vornamen angesprochen werden, sind sie sofort im Gespräch, fühlen sich respektiert und unterhalten sich über Gott und die Welt. Sie alle hatten ein Leben vor diesem Leben. Sie plaudern über Politik, die Stadt und das Wetter, wie heiß es ist, wie kalt oder regnerisch. Das Überleben hängt immer an einem seidenen Faden ohne ein vernünftiges Dach über den Kopf.

Montagsaktion

Jede Woche Montag schmieren Vereinsmitglieder am Musikforum in Bochum Brote und Brötchen mit Käse und Wurst. Kaffee wird ausgeschenkt, Süßigkeiten, Joghurt und Obst verteilt. Falls Altkleidung vorhanden ist, wird es ausgelegt und ist auch gleich schnell wieder weg.

Das ganze bezahlt der kleine, aber sehr aktive Verein Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V., nur ein kleiner Teil kommt von Sponsoren.

Menschen, die sich engagieren

Heidi  ist schon 78 Jahre alt. Mit Herzblut unterstützt sie den Verein seit drei Jahren. Sie erfährt viel Dankbarkeit für ihr Handeln. Sie will den Menschen in der Notlage unterstützen. Sie lief die vielen Kilometer in der Stadt als wenn sie 30 Jahre jünger wäre und würde ihr letztes Hemd abgeben, wenn sie könnte. Viel Freude erlebt sie, wenn sie die Dankbarkeit der Obdachlosen, das freudige Blitzen in den den Augen der Betroffenen sieht. Das macht dieses besondere Ehrenamt aus. Sie macht weiter, solange sie kann.

Heidi (links), Matthias Kersting, Vorsitzender (Mitte), Christina Pottmeyer (rechts)

Christina Pottmeyer ist Vorstandsmitglied vom Kreisverband der Bochumer AWO und war erstmals dabei. Sie lernte den Verein durch Matthias Kersting kennen, der sie zum Mitmachen eingeladen hatte. Für sie war es eine neue Erfahrung, direkt auf wohnungslose Menschen zuzugehen. Anfangs hatte sie Hemmungen. Diese baute sie jedoch nach und nach ab und bemerkte, dass der persönliche Kontakt eine positive Wirkung für beide Seiten erzielte.

Heute sammelt der Verein regelmäßig Pfand an sechs verschiedenen Supermärkten bzw. Getränkemärkten in Bochum. Einmal im Monat stehen dort abwechselnd in den Stadtteilen Infostände. In jedem Markt gibt es eine feste Pfanddose. Jeder Cent wird eins zu eins in Sachspenden, Lebensmittel und Getränke eingesetzt, um wohnungslose Menschen direkt vernünftig zu unterstützen.

Aktionen und Veranstaltungen

Das von dem Verein bisher zwei Mal stattgefundene Dreikönigstreffen mit Musikprogramm hat einen großen Erfolg. Beim letzten Mal 2024 besuchten 250 Betroffene die gebuchte KoFabrik in der Innenstadt. Es gab über 1.500 Waffeln und 35 Pizzableche. Dabei öffneten sich so einige Wohnungslose und erzählten ihre Geschichte. Wer sie hört bekommt Respekt und Wertschätzung. An dem Tag halfen auch der Oberbürgermeisterkandidat der SPD Jörg Lukat und der Bundestagsabgeordnete Serdar Yüksel.

Auch prominente Unterstützung gibt es: Der ehemalige VfL-Torwart Ralf Zumdick, vielen älteren Fußballkennern bekannt als „Die Katze“ ist Pate des Vereins. Auch die Damenmannschaft des VfL unterstützt tatkräftig.

Wusstest Du, dass es einen Tag der Wohnungslosen am 11.9. gibt?

Ich nicht, auch nicht das die Zahl der wohnungslosen Personen in Bochum sich von 900 im Jahr 2019 auf 1140 bis jetzt im Jahr 2025 vergrößert hat. Die Mieten werden gleichzeitig teurer. In allen Ruhrgebietsstädten ist eine Erhöhung an Wohnungslosen statistisch zu verzeichnen. Es gibt allerdings auch eine Dunkelziffer, deren Anzahl nicht anzugeben ist.

Konkrete Hilfe

Besonders bewegend war der Tod eines erfrorenen Obdachlosen 2021 in Bochum. Daraus entstand die Idee der Schlafsackpatenschaft. Für 25 Euro kann man einen „Kälterucksack“ spenden, gefüllt mit wichtigen Dingen wie Schlafsack, Isomatte und kleinen Alltagshelfern. 25 € ist nicht viel, um einen Menschen auf der Straße etwas mehr Würde und auch Überlebenschance zu geben. Es gibt den ein oder anderen, der wieder herauskommt, eine Wohnung bekommt und ein neues Leben beginnt.

Übergabe eines Schlafsacks

Wie schon erwähnt gab es am 13.9.25 eine Sammelaktion. Konkret wurde Pfand gesammelt in Wattenscheid bei „trinkgut“. Laut der Facebook-Angabe des Vereins wurden von Kunden und Kundinnen insgesamt 437,35 € gespendet. Das Geld wird wiederum der „Aktion Bollerwagen“ zur Verfügung gestellt, bei der ich teilgenommen hatte. Mit dem Geld können so genug Getränke, Lebensmittel und Hygieneartikel gekauft werden. 

In der nächsten Planung am 4.10.25 ist der REWE Markt Mokanski am Hellweg 163 in Bochum vorgemerkt. Vielleicht hat ja ein Leser oder eine Leserin Interesse mitzuhelfen. Oder möchte sich jemand das Prinzip anschauen, um es in seiner Stadt zu organisieren. Ich würde mich freuen, hiermit etwas in diese Richtung angeworfen zu haben.

FAZIT

Jeden Tag wird gemeckert, dass es uns ja doch soooo schlecht geht. Das will uns auch die ein oder andere Partei aus der ganz linken oder gerade besonders der rechten Ecke erzählen, wie die AfD, aber in Wahrheit geht es Menschen ganz besonders auf der Straße schlecht. Sie meckern nicht, sondern versuchen zu überleben. Die konkrete Hilfe des Vereins ist da Gold wert und baut auch Vorurteile ab. Jeder oder jede interessierte Person kann den Verein begleiten und es dann auch besser verstehen! Das baut Vorurteile ab und Respekt und Verständnis für die andere Seite auf. Es war ein besonderer Tag mit einigen sozialen Dingen, die jeder selbst anstoßen und unterstützen kann. Dankbarkeit in den Augen zu sehen kann innerlich eine gute Befriedigung geben etwas handfestes Gutes getan zu haben. Konkret etwas zu unternehmen für Menschen, die Hilfe brauchen, kann den eigenen Horizont erweitern.

Mein Buchtipp

Um sich mit der „Obdachlosigkeit“ zu befassen, die uns alle irgendwie drohen kann, kann sich folgenden Buchtitel besorgen:

Obdachlosigkeit – Warum sie mit uns allen zu tun hat | Scheidegger & Spiess

Mehr erfahren & mithelfen

Der Verein hat bewusst keine eigene Website, damit jeder Cent direkt in die Hilfe fließen kann. Die zentrale Plattform ist die Facebook-Seite von „Ihr Pfand für Obdachlose e.V.“. Dort gibt es regelmäßig Einblicke in die Aktionen, Termine für Pfandsammlungen und die Möglichkeit, per PayPal oder QR-Code schnell und unkompliziert zu spenden.

Ein Mitgliedsbeitrag ist läppische 2 € im Monat.

Mitgliedsantrag zum Ausdrucken

 

Ich habe angeboten die Kosten für eine Internetseite zu übernehmen, denn nicht jeder hat heute Facebook. Jüngere Menschen werden dadurch nicht mehr angesprochen. Die Reichweite würde dadurch etwas erhöht werden. Wer mehr wissen möchte bis jetzt:

Links & Kontakt

Facebook.com/IhrPfandHilftObdachlosen

instagram.com/IhrPfandhilftObdachlosen

Wer direkt spenden möchte für einen Schlafsack oder ein Essen:

Spenden an
Sparkasse Bochum
Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V.
IBAN: DE37 4305 0001 0031 4137 50

Kontakt

Königsberger Str. 9, Bochum

Tel.: +49 170 4397004 Oliver Nolting oder

0170 4396919 Matthias Kersting

Email: ihrpfandhilftobdachlosen@gmx.de

Über Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V.

Die Sammeltermine erfahren Sie hier unter Veranstaltungen sowie auf den Seiten vom Bochumer Herzschlag

Facebook : facebook.com/bochumer.herzschlag

 und Blue-White-Malibu-1848

Blue-White-Malibu-1848 : https://fanclubbochum.bwm.de 

Fotos Copyright teilweise vom Verein „Ihr Pfand für Obdachlose e.V.“ und André Brune

Milton Merlano – Gründer vom Verein Barrierefrei sei mit dabei I +Videopodcast I +Podcast #114

Neugierig auf Milton Merlano, der eine Vision hat, seine Stadt barrierefrei zu gestalten, das Vorbild für das ganze Ruhrgebiet sein könnte?

Dann hört in den Podcast bzw. schau in den Videopodcast hinein:

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Mehr Informationen

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland: Artikel 3

Das Grundgesetz bildet in Deutschland die rechtliche Grundordnung. Im dritten Artikel wurde festgelegt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Menschen mit Behinderung werden darin explizit erwähnt: Artikel 3, Absatz 3, Satz 2: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Quelle: www.gesetze-im-internet.de )

Betroffen und Verärgert

Milton Merlano kennt den Ärger aus eigener Erfahrung: In Ruhrgebiets-Städten findet man viele Läden, Restaurants,  Ämter oder auch Zugänge zu Ärzten und Kanzleien mit Treppen ohne barrierefreie Zugänge. Immer noch in den modernen oder sollte ich modernden Zeiten sagen, denn das o.g. Gesetz wird meines Erachtens nicht geachtet, sondern in vielen Firmen, wenn es um die Möglichkeit als körperlich eingeschränkter Mensch Arbeit zu bekommen nach Recht und Gesetz, auch mit Füßen getreten oder aus Gründen weniger beachtet als es nötig wäre. Milton hat Arbeit, die ihn erfüllt, aber privat ist er ein Kämpfer geworden für die Sache für mehr Barrierefreiheit, denn er ist ein Betroffener und sieht steht jeden Tag hier und da vor Barrieren, da wo sie einfach weg sein könnten. Diese Barrieren sind auch psychisch eine Hürde für die Betroffenen.

Milton Merlano bei der Vereinssitzung

 

Die Idee

Milton Merlano sitzt durch eine Kinderlähmung im Rollstuhl. Im November 2024 hat er die Idee einen Verein zu gründen, was viele Vorteile bringen kann, um seine Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Verein Barrierefrei Sei mit dabei e.V.

 

Der Verein übernimmt den Kaufpreis mit Hilfe von Spenden die Hälfte für eine mobile Rampe, bringt zusätzlich kostenlos einen Aufkleber als Hinweis für die Rampenaufstellung und eine Klingel an, um für die Betroffenen die Aufmerksamkeit der jeweiligen Verhinderung die Stufen hinauf zu kommen zu schaffen. Dann wird die mobile Rampe von Mitarbeitern oder Inhabern der jeweiligen Institution aufgestellt, solange wie es nötig ist ohne langjährige Baugenehmigungen abzuwarten oder Ärger mit dem Ordnungsamt zu bekommen.

Eine tragbare mobile Rampe vor dem Aufklappen

 

Das gesetzliche Grundrecht der Inklusion und Barrierefreiheit wird so durch den gemeinnützigen Verein auf eine einfache Art und Weise durchgesetzt und erregt mehr Aufmerksamkeit für diese konkrete geschaffene Lösung. Menschen im Rollstuhl oder im Rollator unterwegs können gleichberechtigt einkaufen und damit am Leben einfacher teilnehmen, wo vorher eine einzige Stufe eine große Hürde vorhanden war.

Der 1. Vorsitzende und Visionär

Milton Merlano, gebürtiger Kolumbianer, im Ruhrgebiet aufgewachsen, war lange eine „Sofakartoffel“ – bis er beschloss aufzuhören mit dem Meckern. Er wollte aktiv etwas bewegen. Das ging zu Anfang am besten sich politisch zu engagieren. Auf dem Sofa knirschten zwar die Federkerne, aber sonst konnte Milton von dort aus nichts bewegen. Das änderte sich im Laufe der Zeit seines Tuns und dazu kam eine Idee, die er bei einer Reise nach Paris vor einigen Jahren mitbrachte.

Lena Schmidt von Radio Bochum interviewt Milton beim Vorstellen der Rampen in Bochum-Gerthe

 

Aus dem Wunsch, Dinge besser zu machen, ist sein Engagement gewachsen: Aus einer Idee wurde ein Verein, der nun kurz vor den Sommerferien als gemeinnützig anerkannt wurde. Ab dem Zeitpunkt konnte gestartet werden für die mobilen Rampen Spenden zu sammeln und das einfache Win-Win-Konzept auch den Geschäftsinhaber*Innen vorzustellen.

Aufkleber und Klingel bei einem Anbieter einer mobilen Rampe

 

Win-Win-Situation

Der Verein bekommt Spendengeld. Die Spendengelder können steuerlich abgesetzt werden. Der Verein kauft für potentielle Interessenten die mobilen Rampen ein. Er übernimmt die Hälfte des Kaufpreises und übergibt sie eigentümerrechtlich den Interessenten, die die andere Hälfte kostenmäßig übernehmen. Gleichzeitig können sie diese Ausgabe auch steuerrechtlich absetzen. Sie bekommen den Hinweisaufkleber und die Klingel kostenlos dazu. Ebenfalls ergibt sich daraus nun noch der Faktor kostenlose Werbung dazu. Denn der Kauf und das Zeigen der Aufkleber bedeutet auch eine positive Bewertung in eigener Sache.

Die Inhaber sind begeistert: Der Nebeneingang vom Eiscafé Da Luca hat jetzt eine Rampe

 

Jede Firma wird auf der Vereinshomepage genannt. In den Bewertungen von Google und in den Sozialen Medien wird das Unternehmen zusätzlich positiv erwähnt werden für die Barrierefreiheit. So wird das Geschäft mit Sicherheit positiv in Erinnerung behalten werden! Und der Schritt für mehr Akzeptanz für mehr Barrierefreiheit wird mit jeder verteilten Rampe ein bisschen größer und wird auch andere, die sich vorher geweigert haben, vielleicht ebenfalls überzeugen lassen sich eine mobile Rampe anzuschaffen.

Lena von Radio Bochum interviewt die Inhaber vom Eiscafé Da Luca in Bochum-Gerthe

 

Im Großen und Ganzen bewirkt der Verein einen einfachen Weg einen barrierefreien Zugang für Geschäfte schneller voranzutreiben, als es städtische Genehmigungsverfahren jemals ermöglichen würden, die oft Jahre dauern.

Das Eiscafé Da Luca in der Fußgängerzone in Bochum-Gerthe

 

Das Ziel

Barrierefreiheit soll kein Luxus sein durch verbundene teure bauliche Kosten und langjährigen Genehmigungsverfahrens, sondern ein einfaches Selbst-in-die-Hand-nehmen-Durchsetzen sein eines des im Bürgerlichen Grundrecht rechtlichen Rahmen ohne bauliche Veränderungen vornehmen zu können.

Ich selbst habe den Verein mitgegründet, obwohl ich nicht betroffen bin, aber ich kann ja durch gesundheitliche Einschränkungen, wie ein Schlaganfall oder einen Fahrradunfall jederzeit einer der nächsten sein. Niemand will daran denken, aber wir sollten es nicht vergessen.

Ich sehe die Zukunft und ich sehe eine positive Veränderung einer Stadt auch für Gäste, die entsprechend eben eine gesundheitliche oder altersbedingte körperliche Behinderung haben und auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind oder einfach nur einen Kinderwagen fahren mit dem es nicht immer so einfach ist, die entsprechenden Stufen hochzukommen.

Die erste Rampe vom Verein Barrierefrei sei mit dabei

 

Netzwerken

Als Mitglied des Unternehmernetzwerks K.L.U.G. Netzwerk lernte ich Stephan Fink kennen, der ein eigenes Netzwerk betreibt: Business Club NRW. Wir haben einen Vortrag verfolgt über Barrierefreies Internet von dem sehbehinderten Unternehmer Stephan Jacobs aus Köln. Als wir ins Gespräch kamen beim Abschied, fragte er mich, ob ich in meinem Netzwerk etwas wüsste, was mit seinem Netzwerk ein Jahr lang mit Sponsorengeldern unterstützt werden könnte.

Ich berichtete über den sich gründenden Verein „Barrierefrei – Sei mit dabei“.  Er war begeistert, informierte sein Netzwerk und schon ging es weiter. Er ist auch Mitglied ist geworden. Über sein Netzwerk kam eine Firma hinzu, die das Layout entwickelt hat und gespendet hat. Die Erfolgsgestalter haben wirklich ein Gespür gehabt, was der Verein nach Außen zeigt. Die Flyer, die Internetseite und auch das wichtige Logo waren nach drei Vorschlägen schon perfekt.

Erste Erfolge

Über das Netzwerk kamen einige Geldspenden zusammen. So konnten die ersten Rampen und der Start des Vereins finanziert werden.

Durch die Quartiersmanagerin Sonja Hasenkamp von Bochum Marketing kam der Verein an zwei interessierte Geschäftsinhaberinnen, die die ersten zwei Rampen, die wir kostenlos übergeben haben in den Bochumer Norden nach Gerthe. Die Fußgängerzone ist damit auch weiter aufgewertet worden.

Sonja Hasenkamp von Bochum Marketing hat die Idee des Vereins in den Bochumer Norden getragen und Erfolg gehabt

 

So freuen sich nun Serpil Akbas mit ihrem Friseursalon Haartotal und das Eiscafé Da Luca über das Anbieten barrierefreier Zugänge. Der Anfang ist gemacht. Jetzt geht es weiter.

Serpil Akbas mit ihrem Friseursalon Haartotal ist ebenfalls begeistert mehr Barrierefreiheit anbieten zu können in der Gerther Fußgängerzone

 

Miltons Aufstehen aus dem Sofa, rein in den Rollstuhl, einen Aufruf in der Presse zu machen, dadurch 15 Gleichgesinnte zu bekommen, die Seite an Seite nun für ein barrierefreieres Leben kämpfen hat sich also schon nach wenigen Monaten gelohnt!

Wie funktioniert das Mobile Rampen-System?

Der Verein beschafft mobile Rampen und übernimmt die Hälfte der Kosten – zusätzlich Klingel- und Aufkleberkosten. Die andere Hälfte tragen die interessierten Geschäftsinhaber. Die mobilen Rampen lassen sich ein- und ausklappen, je nach Bedarf. Damit werden auftretende Hindernisse vorübergehend beseitigt, ohne bauliche Großprojekte anstoßen zu müssen.

Hinter dem Engagement steckt mehr als Technik: Es geht um eine wertebasierte Haltung, in der Barrierefreiheit, die in der Praxis sichtbar wird. Milton arbeitet außerdem ehrenamtlich in einer beratenden Funktion bei der Stadt Bochum, damit sie entsprechende barrierefreie Projekte umsetzt. Aber das reichte ihm nicht, weil er sah, dass es sehr lange dauert und an viele Dinge gedacht werden muss, auch schon, wenn es um einen eher banalen Behindertenparkplatz geht.

Hartnäckiger Kämpfer

Milton ist sein Leben lang ein Kämpfer gewesen, das nur kurzzeitig auf dem Sofa eingeschlafen ist. Jetzt geht sein Weg weiter. Er nimmt ab Herbst Flugstunden und freut sich auf die Erweiterung seines Lebenshorizonts, das er mit seinem Vater schon beweisen konnte. Mit ihm ist er in 50 Etappen durch ganz Deutschland von Flensburg bis Konstanz gewandert.

Er bewies auch Hartnäckigkeit, um einen guten Schirmherr für den Verein zu bekommen: Der Oberbürgermeisterkandidat Jörg Lukat, Polizeipräsident a.D. von Bochum ist ein sympathischer Mensch und ist mit vielen Menschen in Kontakt gekommen. Bei der Vorstellung seiner Person hat er volle Unterstützung angeboten für den Verein.

https://www.instagram.com/p/DJ85MoBM2JL/

@barrierefrei_sei_mit_dabei_ev

Demografie fordert Weitblick

Demografischer Wandel erfordert das Ziel einer flächendeckenden Barrierefreiheit. Der Verein will Barrierefreiheit flächendeckend vorantreiben. Im Namen steht nicht der Name Bochum. Wer in anderen Städten den Verein für einen barrierefreien Zugang anfragt, wird nicht abgewiesen.

Der erste Vereinsstand bei einem Straßenfest für Nachhaltigkeit in Bochum-Hamme am 17.5.2025

 

Die Idee ist, dass Städte ihre Strukturen stärker nach den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen ausrichten – nicht nur, weil es im Gesetz steht, sondern dadurch echte Teilhabe gelebt wird. Es ist mittlerweile auch der Politik klar, dass der Demografische Wandel auch dazu führt, dass in der Überalterung der Gesellschaft auch ein höherer Grad an Behinderungen auftauchen wird, ob im Alter oder durch gesundheitliche Probleme oder weil es angeboren ist. 10% der deutschen Bevölkerung gehören zu dieser Klientel. Das ist schon mehr, als viele denken und spielt mit Sicherheit ein großer Faktor in der Zukunft mehr politischen und auch wirtschaftlichen Willen in Barrierefreiheit und Inklusion zu bewegen in Projekten und Baumaßnahmen.

Zur Übersicht der Gesetzgebung

Das Grundrecht auf Barrierefreiheit ist in Deutschland durch verschiedene Gesetze und internationale Abkommen verankert, die die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben sicherstellen.

Gesetzliche Grundlagen (KI-Übersicht aus BING mit entsprechenden Links)

  1. Grundgesetz (GG): Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes besagt: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Dies stellt sicher, dass Menschen mit Behinderungen gleich behandelt werden und Zugang zu allen Bereichen des Lebens haben.  (Quelle: Aktion Mensch)
  2. UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK): Diese internationale Vereinbarung, die Deutschland 2009 ratifiziert hat, konkretisiert die Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen. Artikel 9 der UN-BRK definiert Barrierefreiheit als den gleichberechtigten Zugang zu Transportmitteln, Informationen und Dienstleistungen.  (Quelle: Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.)
  3. Behindertengleichstellungsgesetz (BGG): Dieses Gesetz regelt die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen im öffentlichen Recht und verpflichtet öffentliche Einrichtungen zur Schaffung von Barrierefreiheit. Es gilt für alle Bundesbehörden und stellt sicher, dass Gebäude, Verkehrsmittel und digitale Angebote barrierefrei sind.  (Quelle: Aktion Mensch)
  4. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Dieses Gesetz, das am 28. Juni 2025 in Kraft trat, regelt die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen, einschließlich Online-Shops und Apps. Es zielt darauf ab, die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen zu verbessern.  (Bundesregierung)

Bedeutung der Barrierefreiheit

Barrierefreiheit ist entscheidend für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben. Sie ermöglicht den Zugang zu Bildung, Arbeit, Kultur und Freizeitaktivitäten. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sollen sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben können, ohne durch bauliche oder digitale Barrieren eingeschränkt zu werden. 

www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de

Insgesamt ist das Grundrecht auf Barrierefreiheit ein wesentlicher Bestandteil der Menschenrechte in Deutschland, das durch verschiedene Gesetze und internationale Abkommen gestützt wird. Es fördert die Gleichstellung und die Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft. Mein Fazit in der Übersicht: Es wird aber eben nur zu einem Bruchteil wirklich durchgeführt! Das ist meines Erachtens nicht akzeptabel!

Milton schaut positiv in die Zukunft

 Fazit

Barrierefreiheit ist mehr als eine Frage des Grundrechts. Es ist eine Frage der Teilhabe am Leben und Würde. Fragt man Menschen, die über Barrierefreiheit denkt, dann sind alle überzeugt mitzumachen. Wenn es an das Eingemachte geht, ist es zu teuer, gibt es Hürden oder wird das Gesagte am Ende eher als hohle Phrase von gestern abgetan und nichts gemacht. Alle wollen, doch nur wenige sind bereit diesen Willen auch durchzusetzen.

Miltons Engagement zeigt, wie man mit kleinen, pragmatischen Lösungen eine große Wirkung erzielen kann – und wie Netzwerke, Spenden und Ehrenamt gemeinsam etwas bewegen können, das nachwirken kann. Das ist echte Zugänglichkeit für alle. Und es birgt eine Hoffnung, dass mein im ersten Absatz geschriebenes negatives Denken darüber in naher Zukunft mit dem Verein verändert werden kann. Ich hoffe es mit Milton und dem gesamten Verein!

Ein Rampe für Dich!

Wenn auch du, lieber Leser oder Leserin, eine mobile Rampe haben möchtest oder den Verein unterstützen möchtest, dann melde dich einfach in den unten angegebenen Angaben oder Links, direkt auch bei Milton.

Ich unterstütze den Verein im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ich habe die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Für mich war ganz klar von Anfang an, dass wenn die ersten Rampen an den ersten Läden stehen, kommt ein Podcast und  Blogbeitrag über den Mann, der die Idee aus Paris nach Bochum, ins Ruhrgebiet gebracht hat.

Milton Merlano ist ein Pottmensch, der sich auch politisch einsetzt für eine bessere Stadt aus Überzeugung für die Menschen, die mehr Teilhabe bekommen sollen und das Grundrecht darauf diese auch umgesetzt zu bekommen. Es geht mit einfachen Mitteln. Milton beweist es. Meine Unterstützung hat er definitiv und das ist auch wichtig für mich dies in meinem Blog für das Ruhrgebiet allgemein hier hinein zu verewigen!

***

Mehr Informationen zum Verein und die bisherigen Unterstützer:

Barrierefrei Sei mit dabei e.V.

https://barrierefrei-sei-mit-dabei.de  

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Auf den Spuren der Nachkriegskrimis in Bochum von mit Sabine Hofmann I +Videopodcast I +Podcast I +Fotos

Bochum in Trümmern kann man sich heute kaum noch vorstellen. Höchstens, wenn man in die Ukraine oder nach Gaza schaut. Doch die Innenstadt ist durch alliierte Luftangriffe zwischen 1942 und dem schlimmsten am 4.11.1944 zu 90% zerstört worden. Inmitten dieser entstandenen Ruinen spielt die Krimi-Trilogie Trümmerland, Totenwinter und Kopfgeld, der gebürtigen Bochumerin Sabine Hofmann mit allen „Gewürzen“ der damaligen Zeit.

Einige wichtige Punkte des ersten Romans Trümmerland fahre ich mit Sabine ab. Sie liest auch aus ihrem Roman vor und erzählt, wie sie darauf gekommen ist, was ihr Anliegen ist und wieso sie ihre Geburtsstadt genommen hat, um die spannende, aber auch grausamen Nachkriegsgeschichten zu erzählen, die wir beide selbst nicht erlebt haben.

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Ich war selbst lange Zeit Buchhändler gewesen. Ich fand die vom mittlerweile leider verstorbenen britischen Autor Phillip Kerr Krimiromane, die in den Nachkriegszeitjahren  spielten, spannend. In Berlin versucht Bernhard Gunther zwischen den alten noch vorhandenen Nazibonzen Mordfälle aufzuklären und verstrickt sich immer mehr in den Sumpf der alten Kameraden.

Jetzt traute sich die deutsche Autorin Sabine Hofmann, ihre Krimis nicht in Berlin, sondern in Bochum, mitten im Ruhrgebiet, spielen zu lassen. Auf über 1100 Seiten quetscht sie die von vielen verklärte Zeit in schwarze Buchstaben, die sich schnell lesen lassen. Und was liegt näher, als die eigene Heimatstadt zu nehmen und dort zu recherchieren? Und ganz ehrlich: Das Ruhrgebiet ist spannender als Berlin!

An einem Punkt der Rundreise hat Sabine mich mit ins Bildarchiv der Stadt Bochum entführt. Mit dem Paternoster, einem Relikt aus alten Zeiten und in Deutschland eine Rarität, wollten wir im Rathaus nach oben zum Bildarchiv fahren, aber der ist nur zu den Öffnungszeiten pausenlos unterwegs. Da noch im Rathaus saniert wird, war das Bildarchiv umgezogen und wir irrten durch die zweite Etage. Wir haben alle Gänge durchsucht und dachten, dass das Zimmer zuletzt in der Toilette wäre, weil da die Nummer 257 auftauchte. Aber dann kam eine Tür zum Treppenhaus und direkt links war es dann endlich und konnten Markus Lutter begrüßen, der extra wegen uns etwas länger blieb am Freitag.

Rechts: Markus Lutter in seinem Revier, dem Bildarchiv der Stadt Bochum mit Sabine Hofmann

Das von uns besuchte Bildarchiv der Stadt Bochum, betreut vom Verwaltungsfachangestellten Markus Lutter, der die Stadt wie seine Westentasche kennt, konnte Sabine bei ihren Recherchen sehr gut unterstützen Markus Lutter hat ein unglaubliches Wissen und betreut nicht nur seit vielen Jahren das Bildarchiv mit sage und schreibe rund 400.000 Fotos aus den Jahrzehnten seit den Anfängen der Fotografie, sondern digitalisiert sie auch. Wer die Fotos in digitaler Form sehen möchte, kann sie bei Flickr finden. (Link unten)

Ich habe Markus Lutter gefragt, ob er zu einem Podcast zu einem bestimmten Thema bereit wäre. Und so werde ich dieses Jahr natürlich nochmal auf ihn zukommen, um über einen Umweltskandal der 1970er Jahre zu sprechen, der Bochum und die ganze Bundesrepublik erschüttert hat.

Das Ruhrgebiet ist in der Literaturlandschaft zwar schon mit Frank Goosen und seinen Romanen sowie diversen tollen Krimiautoren nicht mehr wegzudenken, aber hier ist Sabine Hofmann einen erfrischenden neuen Weg der historischen Krimis gegangen. Sie sind eigentlich so aktuell wie nie, durch die aktuelle politische Stimmung im Land und die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine oder in Israel/Gaza.

Sabine Hofmann fragt: „Was macht es aus den Menschen, wenn sie vor dem Nichts stehen oder sich wieder neu sammeln, neu starten oder was ihnen in einem ‚früheren‘ Leben widerfahren ist? Gehen sie drüber hinweg? Beginnen sie an einem anderen Ort mit einem anderen Partner, wenn der vorherige im Krieg gestorben ist? Können sie das überhaupt?“

Die Romane lassen im Rahmen der Stadt Bochum die Welt in Trümmern vor Augen führen – mit all dem Leid. Die drückende Atmosphäre, die damals herrschte, die Unsicherheit, wohin die Reise geht, Hunger und Mangel sowie das Schweigen über die Taten, die kurz vorher noch tagtäglich durchgeführt wurden, wie das Töten von Zwangsarbeitern, werden uns innerhalb der Krimihandlungen gezeigt.

Ohne mahnende Worte mit erhobenem Zeigefinger, in einem einfachen, lesbaren Stil, führt Sabine Hofmann den Lesern vor Augen, was damals war und wie jeder einzelne auf seine Art und Weise damit umging. Mir gefällt die Authentizität der Romane. Ich fühlte mich in die Zeit hineinversetzt. Das kann durch die Fotos aus dem Bildarchiv gut nachvollzogen werden.

Besonders gefiel mir, dass die Nebenfiguren zwischendurch im Ruhrdeutsch-Dialekt sprachen.

Im dritten Teil „Kopfgeld“, setzte Sabine bewusst bei der Hauptfigur Max die Sprache ein, um die  Zerrissenheit der Heimatgefühle und Distanz zur Stadt Bochum darzustellen, denn seiner Familie ist hier Schreckliches widerfahren. Er hatte furchtbare Erfahrungen mit Freunde und Nachbarn gemacht. Dieses Mit- und Gegeneinander aus Distanz, Vertrautheit und Abkehr drückt sich im Sprachenwechsel aus nachdem er mit seiner Schwester zurück aus England in die alte Heimat Bochum kommt.

Durch die gewählte Form der Kriminalliteratur fließt ein roter Faden der Zeit und der Hauptcharaktere durch die drei Romane. In Sabine Hofmanns Krimis lässt sich alles finden: vom Start des Wiederaufbaus, dem Leben in Ruinen, der Suche nach Essen, wärmender Kleidung, dem verbotenen Schwarzhandel, dem Hungerwinter 46/47, bis hin zu den wirklich durchgeführten Mordbefehlen der Bochumer Gestapo im Stadtpark sowie der Judenverfolgung und der Rückkehr in eine zerstörte Heimatstadt.

Sabine Hofmann ist Lehrerin, studierte Germanistik und Romanistik. Sie lebte lange in Frankfurt, bevor sie entschied ihrem Mann ins hessische Erbach in den Odenwald zu folgen und dort Spanisch und Deutsch zu lehren.

Mit ihrer spanischen Freundin Rosa Ribas zusammen schrieb sie eine Krimihandlung, wo die Sprachwissenschaft auch eine große Rolle spielt und helfen kann einen Mordfall aufzuklären. So fingen sie an zu überlegen, ob es in Bochum oder in Spanien spielen sollte. Zuerst wurden dann drei Krimis, die im Barcelona der 1950er Jahre spielten, geschrieben. Sie bauen in den Krimis die dunkle Ära des faschistischen spanischen Führers Franco auf, wo die Presse gleichgeschaltet wurde und jede Person, die gegen das Regime wetterte, ins Gefängnis wandern konnte. Erschienen sind sie im Rowohlt Verlag.

(Screenshots meiner E-Books)

Während Rosa ihre Eltern noch zu der Atmosphäre der 1950er Jahre ausfragen konnte und auch erzählt wurde, hatte es Sabine schwieriger. Früher wurde sehr wenig über die Zeit erzählt. Das Überleben hatte Vorrang. Heute leben die Personen nicht mehr, die etwas erzählen konnten, wenn sie es gewollt hätten. Über die Zeit der Nationalsozialisten wurde meist geschwiegen. Es gab viele Mitläufer und genau diesen Charakterzug lässt sie in den Oberinspektor, so wurden die Hauptkommissare nach britischen Vorbild während der Besetzung genannt,  einfließen. Er war Mitläufer. Hatte immer seinen Job bei der Polizei getan, egal welche Regierung er durchgemacht hatte in seiner Dienstzeit.

Der erste Roman „Trümmerland“ spielt 1946 in einem zerbombten Bochum. Der Wohnraum ist knapp. Flüchtlinge aus dem Osten, die vor der Roten Armee der Sowjetunion, der Russen, flohen, suchten eine Unterbringungsmöglichkeit.

Teil 1 der Trilogie (Screenshot)

Edith Marheinecke ist eine Hauptfigur aller drei Romane. Du gutbürgerlich erzogene Edith floh vor den Russen und verlor ihre Heimat. In Bochum suchte sie nach einem neuen Leben. Bei Martha mit ihrer Tochter Hanna bekam sie eine Wohnmöglichkeit zugewiesen. Marthas Ehemann hatte noch kein Lebenszeichen mitgeteilt. Die Wohnung von Martha war in einer Mietskaserne auf der Hofsteder Str. 74, die heute noch in modernisierter Fassung steht.

Mietskaserne Hofsteder Str. 74 (ca. 1920er Jahre) Mit großem Dank von Sabine Hofmann bekommen für den Blog!)

In der Mietskaserne Hofsteder Straße 74 gab es früher die Toilette in den Zwischenetagen, Kohleofen, kein Badezimmer, kein Wasser in der Wohnung. Herd in der Wohnküche, nicht beheizte Zimmer, spartanische Einrichtung. So hatte Sabine noch die Erinnerung an die Wohnung der Tante, wenn sie sie besuchten. Deswegen kam dieses Haus als erstes Motiv im ersten Teil vor.

Allerdings musste Sabine beim Besuch der Tante keine Brennnesselsuppe mehr essen, was 1946 eher eine tägliche Mahlzeit war, weil es kaum etwas zu essen gab. Die Lebensmittelmärkte, die wir heute kennen mit vollen Regalen, gab es nicht. Auch der Tante Emma – Laden nebenan hatte nichts zu verkaufen. Die Infrastruktur war zerstört. Handelswege unterbrochen. Die Alliierten bestimmten, wie es weitergeht. Der Schwarzmarkt blühte, obwohl er verboten war. Man konnte gegen Zigaretten zum Beispiel Butter eintauschen. Zigaretten waren das Zahlungsmittel in der damaligen Zeit, nicht die Reichsmark. Es gab keine Regierung mehr, keine Nationalbank. Die Menschen musste irgendwie sich selbst helfen, um zu überleben.

Die Zeche Präsident war die nächste Station, wenn sie noch gestanden hätte. Hier spielt der Mantel eines Ermordeten am Anfang des Krimis eine wichtige Rolle. In ihm fanden die Frauen Butterscheine, die für ihr eigenes Überleben, wie der Gewinn einer Lotterie war.

Gelände der Zeche Präsident in Bochum (Foto von der Pressestelle/Bildarchiv der Stadt Bochum)

Die Zeche Präsident war eine wichtige und einer der größten Bergwerke von Bochum nah der Innenstadt. Jedoch wurde das Gelände so zerbombt, dass entschieden wurde, dort keine Steinkohle mehr abzubauen. Für die nahe Jahrhunderthalle entfiel die Möglichkeit nah abgebaute Kohle zu bekommen.

Neben Martha ist der Oberinspektor Dietrichs einer der wichtigsten Hauptpersonen, der ebenfalls in allen drei Romanen vorkommt. Er machte schweigend seine Polizeiarbeit, verlor seine Ehefrau beim Bombenangriff und lehnte sich nicht gegen das Regime auf, machte aber auch nicht bei Erschießungskommandos mit, die zum Beispiel in den Osten gingen.

Podcasten vor dem Polizeipräsidium Bochum

Nach dem Bildarchiv fuhren wir noch zur Uhlandstraße, wo das Polizeipräsidium der Stadt Bochum ist und Dietrichs seine Arbeit in den Romanen tat. Hier las Sabine wieder aus ihrem Roman vor und stellte den bulligen, aber schweigsamen Dietrichs vor, der hier in den Nachkriegsromanen seinen Dienst tat. Unweit von der Uhlandstraße begaben wir uns zu einer Stelle eines Massengrabs, dass sich auf der linken Seite vom Eingang zum Stadtparks befindet.

Kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs, als die Amerikaner schon im Anmarsch waren, hat die Gestapo in der Villa auf der Bergstraße 74 alle Insassen ermordet und an dieser Stelle vergraben. Die wirklichen Täter kamen mit keinen oder wenigen Jahren Gefängnis davon.

Die kleine Stahltafel weist darauf hin, das NIE WIEDER FASCHISMUS zwar schön ist, aber zur jetzigen Zeit sich zu wiederholen droht. Für mich ist die Tafel ein zu kleiner Hinweis auf die Schandtat dieser Faschisten, denn es waren schließlich nicht nur diese 20 Ermordeten. Die Bochumer Gestapo hat im Laufe der Jahre genug andere Verbrechen getan, die nicht nachgewiesen wurden.

Vor dem Hintergrund des Hungerwinters 1946/47 spielt der zweite Roman „Todeswinter“. Edith Marheinecke kommt bei einem zwielichtigen Rechtsanwalt unter. Als ein ehemaliger KZ-Häftling ermordet wird und ihr Arbeitgeber verwickelt zu sein schein, beginnt Edith selbst die Aufklärung in die Hand zu nehmen ohne zu ahnen, was sie herausfindet.

Teil 2 der Trilogie

Im Krimi „Kopfgeld“ geht Edith Marheinecke als Journalistin mit ihrer Kamera zur Geldausgabestelle am Tag der Einführung der neuen Währung, um darüber zu berichten. Edith machte einige Bilder als Konrad Garthner plötzlich tot unter einer Straßenbahn liegt. Können die Bilder den Fall aufklären oder ist Edith wegen der Fotos selbst in Gefahr? Hier fließt der wichtige Punkt der Shoah hinein. Inspiration war die Stolperstehle, die in Bochum an die Deportation von unzähligen Juden und Jüdinnen nach Auschwitz vom Nordbahnhof erinnert. Die Trilogie ist im Aufbau Verlag erschienen.

Teil 3 der Trilogie

Für mich als Ruhrpottologe ist es einfach wichtig auch die dunklen Seiten des heute so hoch gehobenen WIR SIND DER RUHRPOTT – ZUSAMMEN SIND WIR STARK etc. politisch meist wieder heute einen Keil in die Gesellschaft treibt, genauso wie im Fußball zwischen den Dortmunder Borussen und Schalke 04. Damals wurde wirklich umgebracht. Lebten die Menschen in Angst und Schrecken, denunzierten und kollaborierten die Nachbarn, Freunde und Verwandten aus Überzeugung oder aus anderen niederen Gründen. Hier ist eben auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen gewesen. Und es ist auch nie der Fall dass es mal so aalglatt geht, wie wir es gerne hätten.

Sabine Hofmann jedenfalls hat genau die Seite in ihren Romanen geöffnet, wie sie selbst als geborene Ruhrpottfrau ist. Offen sein und sagen oder schreiben, was man denkt mit dem rechten Fleck auf der Brust.

Foto Screenshot von der Internetseite www.sabinehofmann.net

Schon allein deswegen lohnt sich das Lesen aller Romane!

Sabine Hofmann beweist ihre Vielseitigkeit als Autorin auch in einem Sachbuch – ihrer Dissertation Die Konstruktion kolonialer Wirklichkeit aus dem Campus Verlag.

Wer meint, dass Sabine jetzt durch ihre Publikationen reich geworden ist, wird eines besseren im Podcast belehrt. Für die Taschenbuchveröffentlichung bei den namhaften Verlagen Rowohlt und Aufbau verdient sie pro Buch gerade mal 1 €. Das gilt für jeden Autoren, der mit Schreiben Geld verdienen will. Reich wird ein Autor oder Autorin nur wenn es ein Bestseller wird und wochenlang durch die Medien auf die entsprechenden Spiegel-Bestsellerliste puscht. Also muss die andere Literatur, die gut ist und nicht auf der berühmten Liste erscheint, irgendwie gefördert werden. Und damit auch die Person, die schreibt. Also für mich sind alle drei Romane Bestseller. Für euch müssen sie es noch werden. Hofmanns Krimis lohnen sich definitiv!

Ich betone: Ich bekomme für diese Infos keinen Cent. Gut ich hab ein Essen ausgegeben bekommen und ein Buch mit Widmung geschenkt bekommen. Aber sonst nichts. Es ist eine persönliche Buchempfehlung und es war ein tolles Gespräch mit einer tollen Frau gewesen in meinem Podcast! Und wir sehen uns nächstes Jahr definitiv wieder. Ich will doch wissen, wo die Leichen in Essen rumschwimmen aus ihrem nächsten Roman, wenn da auch hauptsächlich eingebrochen werden soll. Literatur muss genauso wie Kunst gefördert werden!

Am Ende waren wir noch zusammen nicht Eis essen, sondern einen Rote Beete-Salat im Café Konkret im Bochumer Bermuda-Dreieck. Lecker!

Links:

Alle Bücher: www.sabinehofmann.net

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Bildarchiv Stadt Bochum:

Stadt Bochum | Flickr

Facebook/Stadt Bochum

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Café Konkret – Bermuda3Eck Bochum

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Fotostrecke (c) André Brune

Die Skulptur „Entfaltung“ erstaunt jeden Besucher immer wieder neu, so auch Sabine Hofmann.

Eine Fotogalerie mit Fotos vom Bildarchiv der Pressestelle der Stadt Bochum:

Foto der Woche I Budenbahn

In Wattenscheid gibt es eine zwischen zwei altersunterschiedlichen Häusern eine eingeklemmte Bude, der Kiosk Ugur.

Das Foto im Regen war eine spontane Entscheidung, die Straßenbahn in Richtung Bochum mit der Samsung S26 Smartphone Kamera einzufangen.

Wie lange das Kiosk auf der Hochstraße 36 ist, habe ich nicht gefragt. Der Inhaber war sehr desinteressiert an meinem Foto, dass ich ihm zeigte. Winkte ab mit einer lapidaren Zustimmung, dass ich es veröffentlichen kann. Auch meine Visitenkarte lehnte er ab. Vielleicht hatte er Nachricht vom Finanzamt bekommen. Das schlägt auch aufs Gemüt…

Da er an eine Konversation zum Blog und warum ich das mache nicht bewogen fühlte, sondern eher sein Frühstück naschen wollte, hab ich mir wenigstens noch eine gemischte Tüte gegönnt und bin gegangen.

Es war nicht Unfreundlichkeit, die mich dazu bewegten keinen großen Beitrag zu dieser Bude zu machen, die ich schon mehrmals in verschiedenen Situationen fotografiert habe, sondern eher das Desinteresse. Den Kiosk gibt es schon lange. Und er schneidet laut Rezensionen in Google mit 5 Sternen gut ab.

Er ist gut sortiert. Hat auch Spielzeug für Kinder. Man kann Pakete für DPD abgeben. Trotzdem habe ich auf ein gemeinsames Selfie verzichtet oder ein Interview. Ich habe gemerkt, dass er das nicht wollte. Zufällig habe ich vorher nur sein Winken von der anderen Seite wahrgenommen, als ich das erste Mal den Kiosk im Regen fotografiert habe, wollte ich den gelben Regenschirm mit auf dem Foto haben. Dann rauschte die Straßenbahn heran.

Ein Foto für die Reihe ‚Regenscheibe‘

Das Fotomotiv ist jedes Mal gut geworden. Auch einmal durch meine Autoscheibe. So jetzt auch der Einfang der Bogestra – Straßenbahn 306, die vorbeizischt.

Bewußt habe ich die Straße im Regen im Bild fotografiert. Die Besonderheit der unterschiedlichen Häuser aus verschiedenen Jahrzehnten, die vor und nach den beiden Weltkriegen neben dem Kiosk entstanden sind machen diesen Nischenkiosk zu etwas, das früher normal war.

In jede kleine Baulücke bauten man nach dem zweiten Weltkrieg so eine kleine Trinkhalle rein, wenn es passte. Man findet im Ruhrgebiet an vielen Stellen noch diese kleinen engen Buden.

Der Regen am heutigen Mittwoch, dem 23.7. und die Straßenbahn der Bogestra, die dort vorbei zischt machen das Motiv zu einer natürlich lebendig wirkenden Streetphotography, wie es international gesagt wird.

Budenbahn (c) André Brune

Aufgenommen mit meinem Samsung S25 Ultra.

Irgendwann bin ich da mal wieder. Und kauf mir wieder eine Gemischte Tüte. Vielleicht hat er dann ja mal mehr Lust mit mir zu reden.

Das Foto ist auf jeden Fall gelungen, wie ich finde. Es ist auch ungeschminkt und unbearbeitet von mir hier hochgeladen worden.

#streetphotography #foto #fotografie

Interview, Podcast & Bergmannsheil I 18.7.25

Was für ein ereignisreicher Tag!

Erst bekam ich kurz vor dem wichtigen Interviewtermin mit einer Mediafirma an der Jahrhunderthalle Bochum (Infos kommen im Herbst!) noch einen Anruf, wo es um einen Podcasttermin ging mit einem Verein Fitab50 e. V. in Recklinghausen, den ich beim Ruhrdax-Netzwerk im letzten Oktober ausgemacht habe. Der Zumbabereich möchte mit mir einen Videopodcast machen.

Natürlich habe ich da vor ein bisschen mitzuzumben, aber alles bleibt anders…

Durch den Anruf war ich unter Zeitdruck. Wollte ja pünktlich zum Termin kommen. Aber um 10.53 Uhr als ich an der Ampel an der Jahrhunderthalle stand und stand und stand… Kam der Anruf, dass er sich um 10 Minuten verspäten werde.

Natürlich war ich komplett durch das Rasen um pünktlich anzukommen verschwitzt. Hoffentlich kann der bei dem Foto, was er machen wollte, die Schweißflecken wegretuschieren, dachte ich mir da so direkt…

Mit dem Herrn von der Mediafirma habe ich nach dem Foto und Kurzinterview ein Selfie gemacht (kommt im Herbst!). Dabei habe ich den Rucksack abgelegt oben an der Brüstung, wo die Jahrhunderthalle bewundert werden kann.

Zur Zeit findet dort ein Teil vom  Sportfest der Rhein-Ruhr FISU World University Games statt. Das passt natürlich, dass ich ein völlig geniales Foto bekommen konnte, was mit meinem Flaschengefühleprojekt in Verbindung steht.

Die Jahrhunderthalle begrüßt internationale Gäste zu den Universitäts-Ruhrgames

Nach dem Interview sind wir einmal rum, weil unten an der Jahrhunderthalle war alles laut und abgesperrt für Gäste von außen worden. Nach dem Selfie sind wir sind die Treppe runter. Ich musste mein Fahrrad die steile Treppe runterkriegen. Dabei haben wir gequatscht über meine Sprecherarbeit und dabei vergaß ich meinen Rucksack wieder auf den Rücken zu packen. Vor allem, weil ich wieder die mit hässlichen Graffitis beschmierten Historischen Hinweistafeln gesehen habe. Das brachte mich auf dir Palme!

Alle Schilder sind versaut. Der RVR kümmert sich nicht. Echt traurig!
Schild direkt gegenüber! Touristen haben hier kein gutes Bild von dem Westpark. Echt ärgerlich!

Nach 10 Minuten und kurz vor der Verabschiedung, wollte ich ihm noch meine Visitenkarte in die Hand drücken und siehe da: Wo ist der Rucksack?

Da war noch alles gut…

Ich sofort los.  Doch statt mit dem Rad da hoch zu rasen, was ja schneller gewesen wäre, rannte ich wie der schnellste Mann der Welt den Berg hoch und auf der Hälfte macht es Peng und ich musste humpeln.

Schuldig war der Rucksack, der im Bergmannsheil unschuldig blickte auf dem Fußboden der Notfallaufnahme. Warum hat er nicht um Hilfe geschrien als ich ihn alleine ließ?

Ich wusste, dass war keine gute Idee zu rennen, wenn man sich vorher nicht warm gemacht hat und schon gar nicht einen leichten Berg hoch.

Waren die Bänder gerissen? War es eher eine Muskelzerrung. Nein, das Peng war bestimmt ein Muskelfaserriss. So meine Diagnose. Ich hatte das schon mal als Fußballer vom VfB Bottrop in der E-Jugend am ersten Trainigstag in der Halle.

Es war tiefer kalter Winter. Ich gerade 12 Jahre alt oder jünger. Kann mich nicht genau erinnern. Es war ein Geburtstagsgeschenk meiner Schwester Mitglied zu werden in einem Sportverein. Ich war immer schon ehrgeizig jeden Ball zu kriegen. War in der Abwehr immer gerne. Aber war nie ein Typ damals in einen Verein einzutreten. Beim ersten Trainingstag in der Halle war ich schnell bei jedem Ball, wehrte ihn ab, sprang in die Höhe und zack hörte ich ein Peng und konnte nach 15 Minuten schon aus dem Training mit 6 Wochen Pause humpeln.

Vom Team bin ich danach nie mehr richtig aufgenommen worden. Und ich ging nach Hause endgültig nach ein paar Trainigseinheiten nachdem ich soweit wieder fit war. Tja die Nationalmannschaft hat leider einen guten Abwehrspieler verloren…

Und so ahnte ich auch diesmal genau durch diese kindliche Erfahrung, dass es dumm gelaufen ist im wahrsten Sinne des Wortes durch eigene Dummheit und einer schnellen Fehlentscheidung zu rennen statt mit dem Rad hoch zu fahren. Im Angesicht der Situation für den Podcast mit der Autorin Sabine Hofmann im Anschluß sollte doch jetzt nicht scheitern dürfen. Sabine hatte geplant bei schönem Wetter mit dem Fahrrad quer durch Bochum Hofstede im Richtung Stadt zu gurken. Im Rucksack war die Kamera, das Mikro und mein Portemonnaie für ein anschließendes Eis. Das alles hätte ja auch ausfallen können, wenn mein Rucksack geklaut worden wäre.

Nein, mein Wille war da, ich ahnte, der Rucksack ist noch da. Aber ich musste schnell sein!

Er war da. Ich sah den orangen Rucksack von unten. Aber jetzt war auch der kaputte Muskel oder ein Band, eine verletzte Sehne da. Ich humpelte so schnell ich konnte die steile Treppe hoch, nahm ihn von der Bank, dann wieder runterhumpeln. Und nach dem Verabschieden war ich total durchgeschwitzt. Und in 30 Minuten ging es ja weiter… Und jetzt fahren mit dem Rad. Ging das überhaupt?

Interessant, dass der Muskel beim Radfahren sich nicht so bemerkbar gemacht hatte. Ich habe einen Winkel herausgefunden, um es nicht so zu belasten. Nur einen Berg hoch und Schlaglöcher mochte die rechte Wade nicht. Also die Podcasttour würde so fortgesetzt werden können. Wenigstens das.

Glück gehabt! Wie man’s nimmt…

In der Kneipe ‚Speckschweiz‘ in der Hofsteder Straße wartete ich mit einem dort für Kinder kostenlos ausgegeben Wassereis und einem alkoholfreien Fiege Pils, denn Malzbier hatten die nicht.

Speckschweiz in Hofstede ist eine kleine urige Kneipe, die es dort seit 20 Jahren gibt. Dort kann man die üblichen Kneipenspiele spielen. Man kommt mit den anwesenden Personen schnell ins Gespräch. Wahrscheinlich kann man sofort mitzocken. Aber dafür war ich nicht da. Ich wollte meine trockene Kehle vor dem Interview kühlen und befeuchten.

Draußen trocknete das T-Shirt durch die warme Sonne ein wenig. Ein bisschen Parfum musste drauf. Sonst hätte Sabine nachher wegen der Ausströmungen vom Rennen und Radfahren den Termin abgesagt…

Sabine Hofmann mit mir am Startpunkt einer Mietskaserne, die im Trümmerland eine wichtige Rolle spielt

Aber alles ging gut. Das Ergebnis werdet ihr in ein paar Wochen sehen. Wir aßen am Ende kein Eis, sondern durfte mich dazugesellen, was ich sonst nicht machen würde, um nicht zu stören, zu den Freunden, mit denen das Ehepaar Hofmann verabredet war. Aber ich war ausgelaugt, brauchte was zu trinken und etwas zu essen.

Rote Beete Salat mit Sonnenblumenkernen und Apfel. Echt lecker

Ich aß meinen bestellten köstlichen Rote-Beete-Salat im Café Konkret, verabschiedete mich, damit sie allein klönen konnten über das Odental, wo sie wohnt und humpelte quer durch das Bermudadreieck. Es gab neugierige, aber auch mitleidige Blicke. Ich war durch das humpeln mit dem Rad in der Hand (dort ist Radfahren in der Fußgängerzone ja verboten und es war auch zu voll zu der Zeit, es zu riskieren) ein Blickfang. Der einzige, der humpelte. Da ging mir durch den Kopf, dass ich doch lieber zur Notaufnahme fahren sollte. Ich bin ja kein Arzt. Und nachher kann ich morgen gar nicht mehr laufen. Jetzt war noch genug Adrenalin im Blut. Aber ich hatte riesige Vorfreude auf meine Dusche zu Hause, wenn es kein Bänderriss ist, der sofort operiert werden müsste.

Das Unfallkrankenhaus Bergmannsheil von Bochum lag auf dem Weg nach Hause. Also fuhr ich hin. Ich wollte lieber eine ärztliche Diagnose haben vorsichtshalber. Ich musste wissen, wie ich damit umgehen soll.

Auf dem langen Weg zurück zum Haupteingang

Nun ja, wer durch den Haupteingang kommt muss nur den Punkten mit dem Roten Kreuz folgen. Dann allerdings braucht man hunpeltechnisch nur noch ungefähr gefühlt 200 Meter laufen quer durch das Erdgeschoss.

Der lange Weg zur Notfallambulanz im Bergmannsheil

Um 21.30 Uhr war ich da und um 23.30 Uhr war ich dann endlich wieder raus. Der junge Arzt hat einmal geprüft. Die Achillessehne war nicht gerissen. Ein MRT müsste man machen, aber eine Röntgenaufnahme und ein Ultraschall konnte meine eigene Diagnose bestätigen : Muskelfaserriss.

Schonen Sie das den Muskel, sagte er. Nun die 200 Meter zum Haupteingang zurück, wo das Fahrrad stand, war erstmal mit Nichtschonung möglich. Hab dem Pförtner gesagt, dass die doch umme Ecke am Haupteingang noch mal eine Notaufnahme machen sollten. Wie soll ich denn sonst mein Bein schonen, wenn ich erstmal meilenweit laufen muss… Er hat gelacht und dabei zustimmend genickt. Ich verliere ja trotz fluchen, nie meinen Humor.

Man sieht nichts, aber ist ganz schön schmerzhaft…

Es war wie damals beim Fußball im Oberschenkel. Das jetzt im unteren Teil der rechten Wade war aber fpr das Laufen doofer. Immer rechts passiert es. Merkwürdig … Und nun ist das Laufen eher ein Humpeln… Aber was solls. Da muss ich durch und ausgerechnet jetzt, wo ich im Garten was machen wollte, der gerade wieder überwuchert, beim Zumba Podcast mitmachen wollte, bei der Gesellschaft Bochum Donezk die zwei LKWs mitpacken wollte, was ich seit Dezember aus Zeitgründen nicht machen konnte und Wander-Gästeführung-Wege ablaufen wollte in der übernächsten Woche, wo ich mir extra Zeit eingebaut habe.

Aber so ist das Leben, manchmal passieren banale Dinge, die von einer Sekunde auf die andere durch dumme Kleinigkeiten zeitlich alles verändern können.

Jeder hat schon solche dumme Situationen erlebt. Jeder wird auch immer wieder so etwas erleben und am Ende kann eine Sache gut, aber auch sehr schlecht ausgehen.

Ich hatte zwar Pech, aber in einigen Wochen geht auch das Laufen wieder und alles ist wieder gut. Jetzt muss ich mich mit der Situation arrangieren, heißt schonen. Was liegt näher, als meine bisher liegen gebliebenen Podcasts endlich zeitlich in den nächsten Wochen in Ruhe bearbeiten zu können, meine Gästeführungsseite endlich fertig zu stellen und mal mit weniger Stress als bisher die nächsten Wochen sinnvoll auch mit Recherchen zu nutzen.

Mitte August ist wieder alles im Lot und die Steuern der letzten drei Jahre sind auch bearbeitet. Als wenn es so sein müsste, dass auch das Finanzamt alle Unterlagen endlich von mir bekommt, weil ich ja jetzt Zeit habe, das auch ganz in Ruhe zu machen.

Obwohl Lust hab ich dazu nicht. Wer hat schon Lust auf Steuererklärung?…

Freut euch also auf den ein oder anderen Podcast, die sonst so gar nicht in der Form von anderen entstehen würde mit dem entsprechenden Blogbeitrag mit Fotos und Infos zu den verschiedenen Themen, von den Naturfreunden Verein, über zwei Podcasts zur Suche nach Spuren von Ruhrgebiet in den belgischen Schützengräben vom ersten Weltkrieg, eine alternden Rockergruppe, die schon viel zu lange mit der Veröffentlichung wartet, und natürlich auch der Podcast mit Sabine und ihren in Bochum spielenden Nachkriegszeitromanen. Natürlich starte ich auch wieder mit Jack den Ruhrgebiet erklärt – Podcast. Wir haben beide kaum Zeit gefunden uns miteinander zusammen zu setzen bei Zoom durch meine Vorbereitungen zur Gästeführungsinternetseite.

Doch heute, heute leg ich nur mein Bein hoch und mache erstmal einen Spiele- und Grillabend mit Freunden. Das war verabredet. Den Weg nehme ich auf mich. Das lenkt ab vom Problem. Und muss auch drin sein!

Ich denke, das machen hoffentlich viele von euch! Denn wer weiß, ob der Sommer so sonnig bleibt, wie heute am 19.7. mit 31 Grad. Was mir schon wieder zu warm ist.

Glück auf! Und denkt bitte daran: Nichts vergessen auf einer Bank und dann auch nicht spontan losrennen wie ich Dusselkopp!

Hab schon mal Pflegegrad 1 beantragt…

Flaschengefühle bei den Ruhrgames

Helfen beim Krempelmarkt I Aktion Canchanabury e.V. sammelt jährlich im April mit Flohmarkt Spenden für Afrika I +Video I + Short I +Fotos

Es war letztes Jahr eine tolle Erfahrung den Verein Canchanabury beim Krempelmarkt zu unterstützten. Jetzt er lädt zum vierten Mal zum „Krempelmarkt'“ rund und um die Rotunde ein.

Short zum Krempelmarkt und Interview mit Henriette Roos:

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Mehr Informationen

Voraussetzung zur Teilnahme ist: Ein Kuchen mitbringen und 25 € Standgebühr und natürlich der „Krempel“ zum Verkauf. Getränke und Kuchen werden dann verkauft und daraus ergibt sich dann eine gute Spende für ein besonderes Projekt von Aktion Canchanabury. 

Ich helf beim Kuchenverkauf und Waffelbacken. Macht Spaß!

Diesmal geht der Erlös des gemeinnützigen Flohmarktes an gänzlich in die Unterstützung einer Slumschule in Uganda: Slumschule PCCP

Ich hab vor einem Jahr beim Waffelbacken geholfen. Der Teig wurde von einer Bäckerei gespendet. Da haben wir gebacken, bis der Arzt kommt. Vieles ist damals auch gesammelt worden. Es hat Spaß gemacht. Und die vielen verschiedenen Kuchen vor meiner Nase konnte ich nicht widerstehen natürlich. Da sind allein so einige Spenden draufgegangen.

Henriette Roos & Gerd Stegemann von Aktion Canchanabury e.V.

Wenn ihr den Verein unterstützen, etwas Spenden oder mehr wissen möchtet, was die schon über 60 Jahre gemeinnützige Arbeit für Afrika bedeutet und welche Hilfe vor Ort gemacht wird, könnt ihr es auch am Krempelmarkt erfahren. Ihr könnt Euch vielleicht sogar noch einen Platz in der Rotunde, dem ehemaligen Nachkriegsbahnhof von Bochum, sichern und euern Krempel mitbringen oder hingehen und kaufen, Kuchen essen bei einem leckeren Kaffee.

Mir hatte es gefallen! Ich hatte damals eine Nähmaschine gekauft. Die hab ich behalten. Und weiß sie nun gut einzusetzen. Meine Jeans hatte letztens die komplette Naht in der linken Innentasche kaputt… Auch sowas kann dort gefunden werden! Oder das klassische Gesellschaftsspiel Elfenland. Hab ich nie besessen bis jetzt…und die Kuchen… Mjam!

Begeisterte Mitmacherin und schon eine Nähmaschine an mich verkauft

Ihr könnt gern nochmal meinen Beitrag und Podcast nutzen für mehr Informationen:

Aktion Canchanabury – 63 Jahre Afrikahilfe aus Bochum – Gerd Stegemann im Interview I Podcast #70 I Fotos – Ruhrpottologe – André Brune

Der Krempelmarkt findet statt…:

Wann?
Sonntag, den 6. April
von 11 bis 15 Uhr

Wo?
Rotunde, Konrad – Adenauer – Platz 3, 44787 Bochum ein
Bei schlechtem Wetter drinnen!

Wer selbst Interesse an einem Krempel-Tisch hat, schreibt einfach eine Email an info@canchanabury.de.

Die Aktion Canchanabury stellt ein Bierzelttisch, eine Bank und einen Kleingeldservice.
Gerne kann auch ein Garderobenständer zusätzlich mitgebracht werden.
Es wird nur um private Verkäufer gebeten. Professionelle Händler sind nicht erwünscht. Bei schlechtem Wetter findet der Krempelmarkt in der Rotunde statt.

Infos über den Verein:

Miteinander in Freundschaft etwas bewegen | Aktion Canchanabury e.V.

Video zum Krempelmarkt und Interview mit Henriette Roos:

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UWG / Freie Bürger  – Politik mit gesundem Menschenverstand in Bochum? I +Video I +Podcast I Folge 97

Macht die Bochumer Wählergemeinschaft wirklich eine unabhängige Politik mit gesundem Menschenverstand? Das bespreche ich mit den drei Vertretern und Ansprechpartner der Unabhängigen Wählergemeinschaft / Freie Bürger: Fraktionsvorsitzender und Beisitzer Jens Lücking, dem Vorsitzenden der Wählergemeinschaft, Bezirksvertreter Wattenscheid, Stellvertretenden Fraktionsvorsitzender Hans-Josef Winkler und Holger Happe von der Geschäftsstelle.

v.l. Hans-Josef Winkler, Holger Happe, Jens Lücking im Gespräch (Screenshot aus dem Podcast)

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Klein, aber oho

Die Partei ist klein, aber schon mehr als 50 Jahre alt. Damit ist sie fast schon eine alte Bekannte in der Stadt Bochum und eine feste Institution in der politischen Landschaft der Stadt geworden. Über eine, ich sage mal, langjährige „Außenseiter-Partei“ einen Beitrag zu machen, lag mir am Herzen, weil es mal anders ist, als der übliche Parteikram, der sonst jeden Tag zu sehen ist. Denn sie spielen keine Rolle im Bundestagswahlkampf. Dennoch habe ich wegen der überfrachteten Wahlkämpfe diesen Beitrag auf die Zeit nach der Bundestagswahl geschoben.

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Die Leute waren schon gesättigt genug. Unser gemeinsamer Gesprächstermin war noch gemacht worden, als die Ampel stand. Der Termin des Podcasts war zu dem Zeitpunkt geplant gewesen, als noch nicht klar war, wann die Bundestagswahl ist. Und natürlich war dann noch meine Seite gehackt worden. Aber jetzt ist alles gut. Die Wogen sind geglättet. Der Bundestag ist gewählt. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD wird wohl die Zukunft für die nächsten vier Jahre bestimmen. Doch in diesem Jahr sind in Nordrhein-Westfalen auch die Kommunalwahlen. Was liegt näher sich mit einigen Parteien auseinander zu setzen, die für die Stadt kämpfen und sie gestalten. So wie es eben auch die UWG/Freie Bürger seit vielen Jahren in Bochum macht.

Jetzt nach diesen langen Wochen sollte es Zeit sein alles aufzuholen, was zwangsweise liegengeblieben ist. Und ja richtig. Die nächste Wahl kommt. Im September wird in Nordrhein-Westfalen wieder gewählt werden. Da spielt die UWG/Freie Bürger eine große Rolle in Bochum, denn es geht um die Kommunalwahl. Sie kann sogar ein Vorbild für andere Städte sein, wo Bürger und Bürgerinnen unzufrieden sind und eine Alternative suchen zur Alternative, wo es um geradlinige Politik geht, statt um Klientelpolitik oder Lügenverbreitung diktiert von oben. Also was liegt näher, einfach mal mit einer Partei in einer Stadt zu plaudern, die ihre Anfänge hatte in Wattenscheid, als Wattenscheid noch eine Stadt war und noch nicht durch die Kreisreform nach Bochum einverleibt wurde. Denn damals war es im Rat der Stadt nicht anders als man heute hier und da sagen könnte: Filz in den Fluren des Rathauses.

Die UWG gründete sich aus Parteimitgliedern aus CDU und SPD, die genug hatten mit dem Gekungel in Wattenscheid. Wie Don Quichotte setzen vertreten nach ihrem Politikverständnis die Basis der Stadtbevölkerung. Sie setzen sich für Umweltschutz und Verbesserungen von Stadtgeschehen ein. Sie werden jedoch durch Mehrheit immer wieder eben kleingehalten. Sie haben ein offenes Ohr für ihre Bezirke. Sie lassen die Bewohner und Bewohnerinnen Bochums zu Wort kommen und schauen, was politisch machbar ist.

Ganz wichtig: Sie haben ein schickes Fraktionsbüro im Rathaus im Erdgeschoss, wo früher die Information im Eingangsbereich war, geht man direkt auf ihre Räumlichkeiten zu.

So war ich nun in der Höhle der UWG/Freie Bürger – Löwen und besprachen den Weg der ihrer Kommunalpolitik und ihren Punkteplan für die nächsten fünf Jahre in Bochum.

Was ich direkt sagen kann, dass sie sehr viel Wasser trinken. Türme von Mineralwasserkästen stehen im Büro. Sie nässen die Stimmen, wenn es in der Fraktion mal politisch heiß hergeht. Die UWG/Freie Bürger sehe ich in der Richtung konservativ-liberal, aber im mittigen Lager. Offen für die Bürger und Bürgerinnen für die sie sich auch einsetzen ohne Druck aus dem fernen Berlin. Denn die Wählergemeinschaft hat keine Direktive aus der fernen Hauptstadt oder der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie können sich ganz auf Bochum konzentrieren. Das ist ein Pluspunkt für eine kleine Partei, die eigentlich keine ist. Sie ist, wie schon erwähnt, eine Wählergemeinschaft. Sie ist wie ein Verein, die sich hinstellt und mit einem Finger zeigt, entweder so oder so nicht, aber ihr könnt doch euch mal unsere Vorschläge anhören und drüber nachdenken und anders entscheiden. Einfach ist der Stand einer kleinen Wählergemeinschaft nicht. Aber sie engagieren sich aus Überzeugung und mit aller Kraft, die sie haben. Sie wollen neben Wörtern auch Taten folgen zu lassen, manchmal mit, manchmal ohne Kompromisse.

Kleine Geschichte der UWG

Sie ist 1969 aus Politikern in Wattenscheid entstanden, die mit dem Gekungel unter CDU und SPD im Rat der Stadt nicht mehr einverstanden war, lange bevor es überhaupt die Grünen gab und als die Stadt Wattenscheid noch nicht ein Bezirk von Bochum in der Gebietsreform von 1975 wurde.

Seit nun mehr als fünf Jahrzehnten ist sie in ganz Bochum eine wählbare Alternative. Die UWG/Freie Bürger steht für die Bürger und Bürgerinnen der Mitte. Nachdem 2012 sich die „Freie Bürger Bochum“ als Splitterpartei der FDP gründeten, gingen sie mit der UWG eine Partnerschaft auf Dauer ein. Jens Lücking war einer, der damals nicht mehr einverstanden war mit der Linie der FDP. Bis heute ist er für die UWG/Freie Bürger einer der drei Ratsmitglieder, die im Rathaus sitzt. Die Chancen wieder reinzukommen sind gut. Seit dem 1.1.2018 ist auch Jens Lücking in der UWG/Freie Bürger dabei. Vorher Fraktionsloser Ratsherr, hat er nun den Vorsitz der Wählergemeinschaft inne.

Die UWG / Freien Bürger sind ein Teil der politischen Stadtlandschaft von Bochum, die ganz anders als die anderen sind. Sie sind benennen sich nicht als Partei, sondern eine Wählergemeinschaft. Sie unterliegen nicht der üblichen Parteirichtlinie, wie die der anderen großen Parteien. Davon erzählen die drei anwesenden Musketiere Hans-Josef Winkler, Jens Lücking und Holger Happe.

Der studierte Jurist Holger Happe arbeitet in der Geschäftsstelle und gestaltet die Geschicke der Ratsfraktion mit. Er ist auch Mitglied in der Bezirksfraktion in Wattenscheid. Der Fraktionsvorsitzende Jens Lücking ist ebenfalls 60 Jahre alt. Jens Lücking, sowie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hans-Josef Winkler, der unter anderem Mitglied im Ausschuss für Mobilität und Infrastruktur ist, versuchen die Bochumer Stadtpolitik zu beeinflussen.

Im Bezirk Bochum-Nord, also in den Stadtteilen Gerthe, Hiltrop-Bergen, sowie im Bezirk Wattenscheid – Mitte machen sie Vorschläge, stellen Anträge, reden mit Bürgern und Politikern.

In diesem Jahr ist neben der vorgezogenen Bundestagswahl auch die nordrhein-westfälische Kommunalwahl am 16.9.2025. Als ich den Termin im Dezember geplant hatte, überschlugen sich gerade die Ampelereignisse. Die UWG/Freie Bürger hat jedoch mit der der Bundestagswahl so wenig miteinander zu tun, wie eine Banane mit einem Eisbär.

Wir haben nach mehrmaligen verschieben den Termin auf dem Nikolaustag dann trotzdem erhalten. Das Erscheinen des Blogbeitrags bzw. Podcasts habe ich wegen der Wahlen, wie schon erwähnt, bewußt nach hinten geschoben. Der Podcast war für mich auch wichtig als Stadtbewohner von Bochum. So konnte ich auch einige Dinge erfragen oder vorschlagen, was die Vertreter der UWG/Freie Bürger mir dann beantworten konnten

Kommunalwahl 2020

Bei der Wahl im September 2020 hat die kleine Wählergemeinschaft mit 100 Mitgliedern drei Ratssitze errungen mit 3,4 %. Das ist nicht viel, aber drei Zungen können gegenüber die größeren Parteien in den Ausschüssen der Bezirke oder im Rat der Stadt Fürbitten, Gegenrede und eigene Anträge verlesen, sowie eigene Bürgeranträge stellen für die Verbesserung der Stadt.

Den Mitglieder und Mitgliederinnen geht es um die Mitgestaltung der Stadt. Es soll Spaß machen mit politischem Engagement die Stadt in der sie leben zu unterstützen. Wer einmal mitmachen möchte, erfährt so einiges, was nicht mal in der Presse steht, was aber für die Stadtgestaltung und das Leben in der Stadt wichtig ist.

Keine Schaufensteranträge, sondern Kümmerer

Die UWG/Freie Bürger bezeichnen sich selbst als hartnäckig. Sie machen keine „Schaufensteranträge“, die pressewirksam nach außen gezeigt werden. Die Wählergemeinschaft bezeichnet sich als eine Einheit in der Vielfalt der Parteienlandschaft und betrachtet die anderen Parteien als Mitbewerber. Sie fühlen sich als „Kümmerer“ in der Stadt. Sie sprechen mit Bürgern, stellen Bürgeranträge. Sie befassen sich mit den Belangen der Bürgern. Bürger und Bürgerinnen sind gern gesehen und werden gehört zu den Zeiten der Sprechstunden im Rathaus von Bochum.

Ein 12 Punkte – Programm

Im Podcast besprechen wir das neue Programm der Wählergemeinschaft. Es geht um Schulpolitik, Förderung der sozialen Mittel statt Streichung für öffentliche Vereine, um eine wichtige Sporthalle, um Fußgängerbeauftragte, die es in der Stadt nicht gibt, mehr Inklusion, Kauf von Schrottimmobilien statt weitere Flächenversiegelung mit gemeinsamen Lösungen für ein lebenswerteres Bochum, Erhalt des Freibads in Höntrop, allein schon wegen der immer mehr geringeren Anzahl an Kindern, die nicht schwimmen können, aber auch der Verringerung der Freizeitgestaltung im Stadtteil Höntrop und Umgebung. Es geht der UWG/Freie Bürger um das Stärken der Bezirke, einschließlich eben denen, die immer etwas weniger beachtet werden, die Stärkung der Kultur, gerade von kleinen Theaterbühnen zum Beispiel, sowie kleinen Initiativen und vieles mehr.

Wahlprogramm 2025

Wahlprogramm 2025 – UWG: Freie Bürger – Wir kümmern uns!

12-Punkte-2025-A6-D.pdf

Holger Happe in der Geschäftsstelle der UWG/Freie Bürger im Rathaus Bochum

Die Jugend zu begeistern ist nicht einfach

Es ist schwierig die Jugend für Politik zu interessieren oder anzusprechen. Bei einzelnen Projekten sind sie begeistert, aber nach Fertigstellung verlieren sie schnell Interesse sich zu ändern. Die UWG/Freie Bürger jedoch kämpfen schon länger für ein Jugendparlament. Denn in Bochum gibt es das nicht, was ich aus Bottrop kenne.

Ein Jugendparlament ist umso wichtiger in einer Stadt, weil sie die Zukunft der Stadt sind und zur Mitgestaltung beitragen können. Sie können Vorschläge machen, die sie für wichtig erachten, was Erwachsene nicht sehen oder sehen wollen. Ein Unding, dass es in Bochum nicht vorhanden ist in dieser doch so weltoffenen Stadt mitten im Ruhrgebiet, tief im Westen.

Vor allem liegt der UWG/Freie Bürger der Wattenscheider Bezirk am Herzen. In Wattenscheid ist die UWG geboren worden. Und seit den Anfängen mit der Eingemeindung von 1975 sehen sie viele Dinge, die liegen gelassen wurde von der Stadt Bochum.  Sie haben ihren Einfluss genutzt in den Bezirken und im Rat der Stadt. Wenn die Fraktion auch klein ist, ist das oft mehr als man denkt.

In den Ausschüssen wird schon mal hart debattiert und gerungen, um gemeinsame Lösungen zu finden, aber es passiert auch mal etwas durch die Mehrheit nichts. Das Freibad Höntrop ist ein gutes Beispiel. Denn Nichts bis Garnichts Tun bis es in sich zusammengefällt, so dass  ein historisches architektonisches Sprungbrettjuwel aus den 1950er Jahren keine Zukunft mehr hat, zeigt wie Bochum mit Wattenscheid umgegangen ist über die Jahrzehnte.

Es ändert sich zwar in den letzten Jahren etwas, aber die Spuren sind nicht schnell wegzuwischen. Die Bochumer Innenstadt wurde bisher immer bevorzugt behandelt gegenüber dem größten „Stadtteil“.  Bleibt alles anders würde Herbert Grönemeyer lapidar jetzt singen.

Finger in die Wunde legen

Die UWG/Freie Bürger legt hier und da schon mal die Finger in Wunden. Sie ist für Bürger und Bürgerinnen ansprechbar und ist nicht auf Landes- oder Bundesebene tätig. Damit ist sie keiner Parteirichtlinie oder Ideologie unterworfen.  So kann sie ganz für die Bevölkerung da sein im Rahmen der Stadtgrenzen. Sie ist damit ein Zünglein der Waage in der Kommunalpolitik von Bochum. Sie ist politisch damit sogar ein kleines Vorbild für so manch andere Stadt im Ruhrgebiet, wo verärgerte Bürger und Bürgerinnen, die sich nicht mehr gut vertreten fühlen im Rat der Stadt nach einer Alternativen suchen, um den „Großen“ demokratisch freiheitlich auf die Finger zu klopfen.

Das ist jetzt keine Kritik von meiner Seite an die stadtregierenden Parteien. Aber wir alle wissen, wie es abgeht: Macht eine kleine Partei einen Antrag, der sinnvoll wäre angenommen zu werden, weil es zum Beispiel wilde Mülldeponien reduzieren würde, wird er von der regierenden Partei oder Koalition abgelehnt.

Einige Monate später leicht abgewandelt kommt ein Antrag, der dann auf die eigenen Fahnen geschrieben wird und den Menschen vorgaukelt, dass sie einen tollen Vorschlag haben zur Vermeidung von Müll. Das wird natürlich pressewirksam nach außen getragen, so dass es den Anschein hat, dass sie die ersten mit der Idee waren. Die oppositionellen Parteien gehen da natürlich leer aus und könnten durch die Bürger und Bürgerinnen abgewählt werden. Diese pauschale Aussage, kann ich machen, weil ich selbst schon kommunalpolitisch tätig war und genau diese Erfahrungen mitgemacht habe. Leider ist es oft genug so.

Statt sich also mal zusammen zu raufen und auch den kleinen  Parteien Mal die ein oder anderen Lorbeeren zu überlassen, ist das sehr schwer sich durchzusetzen.

Politische Gespräche

Ich will zwischendurch meine „Politischen Gespräche“ als Podcast auch in anderen Ruhrgebietsstädten machen, um auf deren Leitlinien oder Personen, sowie Parteiprogrammen anders aufmerksam machen.  Welche Partei einen Podcast möchte kann sich gern bei mir melden, denn für mich ist es wichtig Transparenzen zu zeigen, Personen hinter den Buchstaben eines trockenen Parteiprogramms und wie nah doch ein Politiker oder eine Politikerin doch sein kann ohne Vorurteile zu haben.

Nur an einem meiner eigenen politischen Grundordnung für Gespräche ist für mich nicht zu rütteln: Parteien, die das Grundgesetz und die Verfassung, verändern wollen, von Remigration reden oder die Abschaffung der EU oder Euro wollen, sind für mich keine demokratische Partei und haben mit dem modernen Grundverständnis der Demokratie und jetzigen Situation unseres friedlichen Zusammenlebens und Erhalten dieses Lebensverständnisses nichts zu tun.

Sie werden von mir nur kritisch betrachtet werden, aber kein Gehör finden. Das mag einseitig sein und undemokratisch wirken. Das ist allerdings meine demokratische Grundhaltung, dass Nazis oder Gesinnungsgenossen, die unser jetziges demokratische Gebilde einebnen wollen, nicht auf die öffentliche Bühne gehören, wo sie lautstark immer wieder Lügen verbreiten können oder einem die Wörter im Mund umdrehen, so dass sie im richtigen Licht erscheinen.

Die UWG/Freie Bürger sind alles andere als das. Sie sind für die Bürger und Bürgerinnen da. Sie können demokratisch gewählt werden. Sie setzen sich ein für sie, für dich und können als Wählergemeinschaft im Ruhrgebiet ein Vorbild für neu zu gründende poliltische Stadt-Basis-Partei sein. Deswegen war mir dieser Beitrag und der Podcast auch wichtig.

Politik bestimmt unser Leben

Politik bedeutet Gesetze schaffen und Rahmenbedingungen zum friedlichen Zusammenleben. Demokratisch gewählt oder auch nicht, wie in Russland zum Beispiel, ist Politik immer zum Leben dazu gehörend. Sie gestaltet unser Leben von der Geburt bis zum Grab mit Verordnungen, Gesetzen und Steuern, um das staatliche Zusammenleben eben auch zu erhalten.

Wenn der Brief der Einkommenssteuer zu Hause liegt, sollte man wissen, dass das steuerliche Geld in den Erhalt der Schulen, die polizeiliche Sicherheit, die Verteidigung des Landes, den Erhalt von Straßen und Museen und Kultur uvm. fließt, die für uns alle zum Leben wichtig sind. Jeder Euro aus der Mehrwertsteuer, die wir im Supermarkt, beim Restaurantbesuch, Friseur, Reisebüro, bei Versicherungen oder Autokauf bezahlen ist nicht nur unmittelbar für dich, sondern auch für deine Kinder und Enkelkinder und deren Nachkommen gedacht. Ob der Staat nun neue Schulden oder nicht aufnehmen muss, spielt keine große Rolle für das eigene unmittelbare Leben. So erhält er im Sinne seiner Bevölkerung die Demokratie und den Staat in den Festen der jetzigen Lage von Innen- und Außenpolitik und eben alles, was damit zusammen hängt.

Überall fließt die Politik indirekt in den Adern schon morgens nicht nur im Morgenmagazin, sondern im Müsli, den ich mir morgens reinschiebe mit einer Flasche Milch. Nur durch ein Kreuz an einer gewissen Stelle, je nach Gesinnung, Unterstützung oder auch ideologischen Einfluss, kann ein gewählter Vertreter oder  Vertreterin aus dem Wahlkreis auch weitgehend für die entsprechenden Wähler und Wählerinnen da sein und die jeweiligen Interessen oder Parteirichtlinien durchsetzen versuchen in Sitzungen, Ausschüssen, Debatten und Abstimmungen.

Das ist die Demokratie! Ich will hier mit dem ein oder anderen Podcast aus der Politik eben auch mitteilen, dass es wichtig ist, wählen zu gehen!

Wählen gehen!

Geht also wählen, macht also euer Kreuz, Hauptsache ihr geht wählen, damit die Demokratie erhalten bleibt!

Umso mehr wünsche ich mir nun augenöffnende Podcast-Zuhörer und -Zuhörerinnen, die vielleicht alternativ die UWG/Freien Bürger interessant finden. Vielleicht würde die ein oder andere Person mitmachen die Stadt Bochum mitzugestalten, wie die drei anwesenden Vertreter der Wählergemeinschaft.

Vielleicht animiere ich dazu, Menschen für die Stadtgestaltung oder Politik zu interessierten und mitzumachen. Egal ob bei der UWG/Freie Bürger, sondern einfach ein Engagement für die Stadt, das Land oder den Staat. Der Podcast und Blogbeitrag soll einfach aufmerksam machen auf die städtische Gestaltungsmöglichkeiten. Ich bin selbst kein Mitglied der UWG/Freie Bürger. Ich möchte nur eine Möglichkeit zeigen, wie man sich in einer Stadt wie Bochum selbst politisch engagieren kann für seine oder ihre Stadt. Politik ist wichtig für unser Leben und das Leben der Nachkommen..

Ob ich damit auch jüngeres Publikum animieren kann mitzumachen, weiß ich nicht. Meine ersten Schritte in der Politik habe ich selbst mit 18 gemacht. Mich freut es ein kleines Rädchen im Getriebe der Demokratie zu sein mit jedem einzelnen Wort mit jedem einzelnen Tun als Blogger und Mensch.

Achtung! Das hier ist keine bezahlte Werbung für die UWG/Freie Bürger, auch kein Aufruf für die Wählergemeinschaft, sondern einfach nur eine politische stadtpolitische Alternative, die ich in meinem Blog bzw. Podcast aufzeigen wollte! Mir ging es einzig und allein darum sie zu zeigen und mitzuteilen, wie wichtig Politik in unserem städtischen Leben wichtig ist.

Wer mehr über die UWG/Freie Bürger wissen will, findet die Links nun hier:

https://uwg-freie-buerger.de

Ansprechpartner – UWG: Freie Bürger – Wir kümmern uns!

Meine Gesprächspartner im Podcast:

Jens Lücking, Fraktionsvorsitzender, Beisitzer

Hat sich als Fraktionsloser Ratsherr mit dem 1.1.2018 der UWG/Freie Bürger angeschlossen

Jens Lücking (@luckingjens) • Instagram

Facebook Jens Lücking.3

PortfolioJens Lücking – UWG: Freie Bürger

Hans-Josef Winkler, stellvertretender Fraktionsvorsitzender

Hans-Josef Winkler:  UWG: Freie Bürger – Wir kümmern uns!

Holger Happe, Geschäftsstelle

Facebook Holger Happe

Mit Ulli Engelbrecht, der den Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit übernommen hat, hatte ich in den Politischen Gesprächen – Podcast bei meiner Ausstellung „Flaschengefühle“ schon das Vergnügen. Er war beim Gespräch nicht dabei.

Bezirksfraktion Wattenscheid

UWG: Freie Bürger Bezirksfraktion Wattenscheid
Otto-Brenner-Straße 25
44866 Wattenscheid
Telefon: 02327 15693

Unabhängige Wähler-Gemeinschaft
UWG: Freie Bürger

Otto-Brenner-Straße 25 · 44866 Wattenscheid
Telefon: 023 27 / 156 93
Mail: info@uwg-freie-buerger.de

Ratsfraktion

UWG: Freie Bürger Ratsfraktion
Rathaus: Zimmer 066
Willy-Brandt-Platz
44777 Bochum
Telefon: 0234 910-1983

uwg-freie-buerger-ratsfraktion@bochum.de