Flaschengefühle – die 2te Ausstellung startet am 6.1. 16 Uhr mit Spenden-Auktion für den Obdachlosenverein BODO e.V. im Theater der Gezeiten

Zum zweiten Mal stelle ich die Fotos aus meiner ersten „Flaschengefühle“-Ausstellung in Bochum im TINYroom vom Theater der Gezeiten, Schmechtingstr. 38, aus.

Die Vernissage ist am 6.1. von 16 – 19 Uhr. Zu jeder Öffnungszeit findet eine Versteigerung meiner Bilder statt, mit einem Anfangsgebot von 25 €. Die gesammelten Spenden werden dem Obdachlosenverein BODO e.V. übergeben. 

Gastkünstler ist der Upcyclingkünstler Marco Heine aus Gelsenkirchen

Einige Fotos auf Leinwand aus der Ausstellung im Schaubüdchen

Weitere Öffnungszeiten:

12.1 : 16-19 Uhr

14.1.: 11-13 Uhr

17.1.: 16-19 Uhr

20.1.: 11-13 Uhr

21.1.: 11-13 Uhr

Finissage

26.1.: 16-19 Uhr

Die im Juli von der Stadt Bochum aus dem Westendfonds geförderte Ausstellung ist mit der Projektwoche mit einer Müllsammelaktion, Politischen Gesprächen und dem Interview mit der Garteninitiative in Goldhamme erfolgreich zu Ende gegangen. Eine Broschüre zur Ausstellung und ein Buch entsteht zur Zeit.

Was ist der Hintergrund dieser Fotokunst?

Flaschen sind im öffentlichen Raum Müll und eine Ordnungswidrigkeit laut kommunalen Gesetz, sobald sie irgendwo abgestellt werden. Und es ist nicht wirklich positiv für die Umgebung. Sie stehen auf Straßen, Wiesen, Stromkästen, und landen in Gebüschen, im Wald und auf Radwegen.

Einige denken wohlwollend an Obdachlose oder arme Rentner, die damit scheinbar reich werden sollen von den paar Cent, statt dessen wäre es sinnvoller denen einen Euro in die Hand zu drücken, Vereine, wie den BODO e.V. zu unterstützen, wo sie mehr von haben. Denn der „Flaschenkampf“ ist unsichtbar.  

Sie werden aber meist aus Faulheit und Desinteresse abgelegt, genauso, wie es mit Zigarettenfilter, Getränke- und Süßkramverpackungen ist. Müll ist vermehrt im Öffentlichen Raum und lässt eine Stadt im schlechten Licht stehen. Bahnhöfe laden in Deutschland nicht wirklich einen Touristen ein die Stadt zu besuchen, weil auch da die Sauberkeit zu wünschen übrig lässt.

Mutwillig zerstörte Flaschen können Tiere und fallende Kinder verletzen, Radreifen von Rollatoren, Rollstühle und Fahrräder zerstören. Alles Dinge, die jemand, der eine Flasche, wenn auch mit gutem Gewissen auf den Boden abstellt nicht auf dem Schirm hat.

Ich habe es mir vor eineinhalb Jahren zur Aufgabe gemacht die Flaschen, die ich sehe, fotografisch in Szene zu setzen. Im Laufe der Zeit sind mittlerweile so 800 Fotos entstanden. Durch die Ausstellung im Schaubüdchen habe ich mir Geschichten zu den Flaschen ausgedacht. Flaschen werden immer von Menschen vorher in den Händen gehalten. Sie haben bestimmte Lebenssituationen erlebt. Manche werden aus Faulheit, manche aus Mitleid und manche aus purem Desinteresse oder aus Absicht nicht  in den nächsten Mülleimer abgelegt. Jede Flasche, jedes Tetrapak oder abgestelltes Müllprodukt hat eine Geschichte zu erzählen. So entstand die Idee des Titels „Flaschengefühle“. Jedes Foto erzählt eine kleine Kurzgeschichte, die ich auch entsprechend vorlese und auch demjenigen übergebe, der ein Bild auktioniert hat.

Ich freue mich auf zahlreiches Erscheinen. Dies wird nicht die letzte Ausstellung sein. Meine Absicht ist in jeder Stadt des Ruhrgebiets diese Ausstellung zu machen. Mit dem Erstellen eines Buches zu dieser Ausstellung wird es auch Lesungen mit Diskussionsrunden geben um das Problem „Müll“ auf eine andere Art und Weise zu begegnen und es bewußter zu machen, was auf unseren Straßen passiert.

Ich freue mich auf zahlreiche Gäste!

Glück auf!

Exklusives Foto, das nicht in der Ausstellung zu sehen ist und eindeutig zeigt, dass neben einer Pfandflasche eben auch eine ohne steht, die niemandem Geld einbringen:

LÖSCHFLASCHEN

Löschflaschen

In Sachen Kunst mit Ralf Opiol in der Jahresausstellung Bottroper Künstler 2023 Teil 1 & 2 I +Video I +Podcast I +Fotos

In Bottrop geborene, ansässige oder arbeitende Künstler und Künstlerinnen bekommen einmal im Jahr die Ehre ihre eingereichten Werke im Josef-Albers-Museum ausgestellt zu werden. Eine Jury aus Stadtvertretern, Künstlern und Kunsthistorikern wählen die passenden Kunstwerke aus und platzieren sie in entsprechender Auswahl in der modernen Galeriehalle, die vom Parkplatz aus gesehen werden und alljährlich kostenlos besucht werden kann.

Teaser Teil 1

https://youtube.com/shorts/oDizpMCeHUk?si=8-_QiNesHT7831AJ

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Letztes Jahr habe ich es im Rahmen meiner vielfältigen Tätigkeit als Ruhrpottologe gemacht und die Jahresausstellung von 2022 bis 2023 mit Ralf Opiol besucht. Der Podcast wurde einer meiner erfolgreichsten Podcast. Das macht Lust auf mehr.

Dieses Jahr wurden wir wieder mehr als überrascht, wie vielfältig die Kunstlandschaft ist und haben unseren Horizont erweitert. Seht selbst in Teil 1 oder hört. Die Ausstellung ist noch bis zum 7.1.24 geöffnet.

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Definitiv haben wir unseren gemeinsamen neuen Podcast zur Jahresausstellung diesmal in zwei Teile geschnitten, um genügend Zeit für die über 50 Werke zu haben sie zu besprechen. Das ist natürlich viel zu wenig, aber es ist ein kleiner Eindruck unserer gemeinsamen Begehung, die beim ersten Mal schon sehr gut gelaufen ist. Wir haben beide eine sehr unterschiedliche Sicht der Dinge und das macht das Ganze aus. 

Diesmal beginnen wir mit dem Podcast der Jahresausstellung im „Partykeller des Museums“:

Square Dance als Einzelausstellung

Monika Lioba Lang bezeichnete den untersten abgeschiedenen Raum des Museums Quadrat als Partykeller. Dort finden alljährlich die Einzelausstellungen eines besonders zu würdigenden Künstlers statt. Diesmal im Jahr 2023 bekam Monika Lioba Lang den Zuschlag und ließ den Raum wahrlich tanzend in bleibender Erinnerung.

Ihre Square-Dance – Figuren wirken für mich als Außenstehender erst wie ein Fallrohr, das in einen Abwasserkanal ragt. Ein technischer Zeichner würde die aus Makrameegarn gemachten und an Nylonfäden hängenden Ringe genauso sehen, wie ich als ausgebildeter Ver- und Entsorger.

Das war mein erster Gedanke ohne auf den Titel „Square Dance“ zu achten, den die Künstlerin ihren Figuren gegeben hat. Insgesamt sahen die Figuren, wie Frauen aus, die gekleidet waren mit Kleidern aus verschiedenen Kulturen und Jahrhunderten. Je näher die Figuren betrachtet werden, desto mehr formt sich eine andere Betrachtungs- und Denkweise über diese Kunstwerke, die Monika Lioba Lang erschaffen hat. Je näher die Betrachter kommen, desto klarer wird die leichte Bewegung der an Fäden hängenden Marionettenfiguren, die sanft tanzen im leider eher schlecht beleuchteten „Partyraum“.

Kritikpunkte, die ich loswerden muss

Negativ fand ich, dass die Bezeichnung der Künstlerin beim Herausgehen an der rechten Türseite sehr versteckt und unbeleuchtet zu finden war. Ein Aufsteller in der Mitte beim Übergang zum abgeteilten Raum oder beim Hineingehen in den „Partykeller“ wäre sinnvoller gewesen. Die Aufklärung und Information über die Künstlerin und ihre Kunstwerke lag leicht zerknittert auf einem Tisch im Ausstellungsraum der unteren Etage. Dort lag auch die Preisliste der Jahresausstellung in Klarsichthüllen. Letztes Jahr war diese noch nicht mal dabei. Immerhin ein Fortschritt.

Wenn auch in jeder Ausstellung die Bilder gekauft werden können, wäre es doch sinnvoll die Preise entweder direkt auf den kleinen Hinweistafeln der Künstler zu schreiben oder sie im Ausgangsbereich als Aufsteller, nicht herumliegend auf einem Tisch irgendwo zu lassen. Das ist eher Herabwürdigend als sinnvoll gegenüber die Mühen und Kosten, die Künstler vorher für ihr Erschaffen der Kunst ausgegeben haben, um dort hängen oder stehen zu können. Dies soll eine kleine Anregung für das Museum Quadrat von mir für das nächste Mal sein.

Ich hänge den Preis nun bei meinen individuellen Beiträgen und im Foto an, weil ich es wichtig finde, dass die Ideen und Mühen der Künstler in ihrer Umsetzung auch in Geldwerten gemessen werden sollten. Künstler müssen ja auch von irgendwas leben. Von Luft und Pinsel wird es keine neuen Kunstwerke geben. So teile ich den Lesern nun mit, dass die Square-Dance – Figuren von Monika Lioba Lang für jeweils 5992 Euronen zu bekommen sind. Die Fine Art Print – Bilder „Gefallen I. und V. sind für 417 € veranschlagt worden.

Kirsten Brzoska 

malte in Acryl auf großer Leinwand bunte Fische, Karpfen, Goldfisch oder Forelle, die in einem Aquarium oder Teich schwimmen und die Betrachter neugierig ansehen, während das Wasser und das am Boden liegende Grün sehr dunkel gehalten wurde. Die neugierigen Fische können im Wohnzimmer hängen ohne es zu überschwemmen für 400 €.

Daniela Nennstiel 

hat zwei Pouring-Bilder namens Pinklady I und II in der Ausstellung neben Kirsten Brzoska hängen. Die Künstlerin spielt mit den Farben, vor allem Meeresblau. Es ist ihre Lieblingsfarbe in fast allen Kunstwerken. Bevor die Farbe antrocknet, hat sie bei Pinklady II in meinen Augen ein Multiversum erschaffen, die eine Galaxie oder mehrere oder einfach nur das Innere von Gefühlen darstellen. Die Bilder können auch einfach ohne irgendwelche Beweggründe und Ideen zur Interpretation als „Einfach schön“ bezeichnet werden. Über einem Sideboard hängend für schlappe 160 € sind die Pinkladys wahrlich ein Hingucker.

Edgar Wiese

hat in „Bottrop“ eine „Wohnung zu vermieten“. Die sichtbar in warmen Lehmfarben auf Leinwand entstandene Altbauwohnung mit einer verschobenen Perspektive steht leer bis auf ein Josef-Albers-Bild, das auf dem Boden gestellt wurde. Die Wärme der Wohnung lädt ein nach Bottrop zu ziehen, egal wie schief die Wände sind. Der Künstler will mit dem Bild wahrscheinlich mitteilen, dass es schön ist in Bottrop zu wohnen, trotz der Ecken und Kanten, die die Bewohner der Stadt ertragen müssen. Wer sich in seiner eigenen Wohnung dieses übergroße Bild aufhängen möchte, sollte Edgar Wiese selbst nach dem Preis fragen. Er gibt den Preis nur auf Anfrage heraus.

Barbara Schmuchal

zeichnete eine Kohle/Collage auf Papier und nannte vielleicht den stehend nachdenklich dreinblickenden Mann, vor den liegenden bunten Büchern Libricola. Neben den farblich abgebildeten Büchern, sind die Birnen im Bild ebenfalls farblich abgebildet und übergroß gezeichnet. Vielleicht will die Künstlerin die Betrachter einladen wieder Bücher zu lesen und dabei Vitamine zu sich zu nehmen, damit die Gehirnwindungen auch wieder mehr beansprucht werden. Das Bild ist unverkäuflich.

Carsten Breuer

ist ein vielfältiger Künstler mit einer Idee hinter den Bildern, die Filmgeschichte geschrieben haben. Im ausgestellten Bild spielt neben Steve McQueen aus seinem Film „Bullit“ nicht allein die Hauptrolle. Der im Film mitspielende wichtige Wagen „Mustang“, der in wilden Verfolgungsjagden über die Leinwand bretterte ist auf Breuers Leinwand von links nach rechts ebenso zu entdecken. Alle wichtigen Filminhalte und ein Zitat aus dem Film zieren das Kunstwerk aus Acryl auf Leinwand und Mischtechnik mit Fotopatch. Die knallige Farbe Rosa lässt die Pop-Art der Kunstzeit Ende der 1960er Jahre neu aufbrillieren. Für 2500 € wertet es jedes Wohnzimmer von Filmliebhabern auf. Das ausgestellte „Bullit“ ist nur das I von mehreren.

Christina Kleinheins

ist wahrscheinlich begeisterte Kirmesgängerin. Sie weiß genau in welcher Perspektive sie an welchem Platz in Bottrop oder der besuchten Stadt Jena auf den Auslöser drücken muss, um ein faszinierendes Foto von einer Kirmes zu bekommen. Christina hat die Bilder Zuckerwatte, Im Kreis, Gloria, Caramba und Las Vegas wahrscheinlich mit dem Handy in 16:9 fotografiert. Die Schwarz-Weiß-Fotografien sind jedoch nicht einfach nur so in einen Rahmen gelegt worden, sondern leicht versetzt, so dass jedes Foto eine Eigenart bekommt die Betrachter nochmals genauer hinschauen zu lassen.  Alle fünf können für jeweils 69 € gekauft werden.

Melanie Senkowski

„7*Zwerg + 1 *Schneewittchen“ ist ein von der Art und Weise der Malerei mit Acryl und Permanentmarker auf Leinwand ein abgehobenes naives Werk in der Landschaft aller ausgestellten Bilder. Die Schneeflocke ist übergroß und zeigt angedeutet den Namen an, wie die weibliche Figur dahinter heißt. „Wittchen“ steht neben der Flocke, damit jeder Betrachter Bescheid weiß, worum es in diesem Bild auch wirklich geht, wer nicht versteht, was die große weißrosafarbene Kugel auf dem Bild zu bedeuten hat. Die sieben Figuren mit ihren lustig dargestellten Mützen werden zum besseren Verständnis mit dem Schriftzug ZWERG für die Betrachter zu den Sieben Zwergen mit Schneewittchen. Im ersten Moment denkt man bestimmt, dass dieses Bild hier nichts zu suchen hat, aber der Aufwand, es so auf die Leinwand produziert zu haben mit der Überlegung, die Figuren entsprechend in Szene zu setzen, machen das Kunstwerk zu einem der Besonderheiten in der Ausstellung. Das Bild ist schon vor der Ausstellung verkauft worden.

Iris Stöber

hat zwei Collagen von Siebdruck entstehen lassen: „Harmlos – Nicht harmlos“ 1 und 2 . Die Typographie und figurativen Elemente erzählen verschiedene Geschichten, je länger die Betrachter es in sich aufnehmen. Ohne Rahmen sind beide für jeweils 270 € zu bekommen.

Irina Dukart  

hat zwei beeindruckende Bilder in der Jahresausstellung. Betrachter können nach dem Lesen „Blindzeichnung V“ nur spekulieren, ob die Künstlerin blind ist, absichtlich mit einer Augenbinde oder geschlossenen Augen eine Blindzeichnung gemacht hat. Es sind zwei Personen zu erkennen bei näherer Betrachtung, die länger als nur 10 Sekunden braucht, um das Geschehene zu entdecken. Das macht das Kunstwerk aus. Eine Art Meditation und Denkphase und auch Begeisterung über die Form dieser Maltechnik mit Bleistift und Buntstiften auf Pappe. Für 390 € ist es zu bekommen.

Das zweite links daneben hängende ist eine „Kolorierte Blindzeichnung“ mit Acryl und Fineliner. Hier kann die Künstlerin zuerst wieder blind ein Gesicht gezeichnet haben und anschließend mit Acrylfarben ausgemalt haben. Beeindruckend und gleichzeitig ist das erschreckende Innere eines Gesichts nach Außen gekehrt worden. Wer sich länger damit beschäftigen möchte, kann es sich zuhause für 290 € aufhängen. Viel zu günstig in meinen Augen, wenn ich mir so manche Preise der anderen Künstler ansehe. Ich würde dafür mindestens das Dreifache sehen. Aber das ist die Entscheidung der Künstlerin, die in ihrer Arbeit wohl nicht das Geld in Vordergrund stehen sieht, sondern eher wünscht das ihr Werk für kleines Geld in die Wohnung kommt bei Menschen, die sich an ihrer Bildkunst jeden Tag erfreuen möchten.

Andrea „Ada“ Leitner

hat ihr unverkäufliche Skizzenbuch im unteren Ausstellungsraum zur Verfügung der Besucher gestellt. Mit Samthandschuhen kann es durchgeblättert werden. In ihr sind in keiner geometrischen Form Figuren entstanden, die mit leichten hellen Farbtönen die Fantasie schalten und walten lassen. Frau und Mann, Kind und Erwachsene, Nixen oder Gehende, Stehende oder Sitzende Personen sind auf den Seiten zu entdecken. Die Skizzen und auch der Spitzname „Ada“ lässt die Betrachter in eine expressionistische dadaistische Malwelt eintauchen, wie der Titel des Skizzenbuchs „AdAismus“ es auch mitteilt.

Das oben hängende farbenfrohe Bild eines überbordendes Figurenkabinetts, dass aus dem Skizzenbuch entstanden ist, könnten Menschen oder Nixen darstellen. Es könnte im Meer spielen oder aber auch in einem Haus. Der Name „Verrate bitte nicht unser Geheimnis“ aus Acyrl auf Leinwand lässt die Betrachter schmunzelnd oder nachdenklich zurück. Welches Geheimnis verwahrt das Bild? Das kann die Beziehungsstruktur der Figuren sein, die nicht eindeutig zu sehen sind. Das ist aber das interessante an dem Bild. Der Titel kann einem noch mehr Fragen aufbürden und das Bild länger in die Betrachtung ziehen, weil das Geheimnis gesucht wird. Wer das Geheimnis zuhause lüften möchte, kann das Kunstwerk für 1020 € kaufen.

Andrea „Ada“ Leitner bei ihrem ausgestellten Kunstwerk

Winfried Winkler

 „Pfingstsee“, eine Schwarzweißfotografie aus dem Köllnischen Wald. Es betont das sichtbar Totholz. Der durch Bergsenkung entstandene See spiegelt die Wolken und lässt die einzigartige Naturlandschaft im Foto dokumentarisch klar auf die Betrachter. Nicht nur zu Pfingsten kann das Bild für 350 € zuhause hängen.

Hans Platzek

Die Aquarelle auf Papier „Bunter Herbst“ (150 €) links und  „Sonniger Wintertag“  (250 €) rechts schieben bildlich die Jahreszeit in den Vordergrund und nicht die im Hintergrund abgebildeten Häuser. Es sind wunderschöne Landschaftsbilder, die unsere zur Zeit durcheinandergeratene Welt der Jahreszeiten in eine schönere Vergangenheit blicken lassen.

Petra Pauen

hat Zwischenwelten in Aquarell und Kreide auf Papier entstehen lassen. I, II, III und IV sind in einem Zusammenhang zu sehen. Die Interpretation von Grünkohl in den Zwischenwelten wäre hier eine humorvolle Art diese Bilder zu beschreiben. Aber sie sind dennoch etwas tiefergehender. Zwischenwelten sind überall. Da die Bilder in naturnahem Grün gehalten wurden, könnten sie auch die Zwischenwelten von Gräser oder Blätter sein. Die Bilder können den Mikrokosmos eines Blattes einer Eiche oder eine Form zwischen von Welten außerhalb unserer Vorstellungskraft darstellen. Auf jeden Fall regen die Bilder von Petra Pauen die Fantasie an. Wer sich die Anregung an die eigene Wand hängen möchte: Ohne Rahmen je Bild 250 €

Rainer Wieczorek

hat das eindeutigste Heimatbild in die Ausstellung gebracht. Mit eher dunklen Acrylfarben auf Leinwand entstand das eindrucksvolle Bild „Gasometer“, das in der Nacht entstanden sein muss. Jeder Stadtteil-Bewohner der Welheimer Mark oder Welheim müsste es 3200 € wert. Der eine wird es als Dartscheibe benutzen, weil die Kokerei mit ihren Abgasen den Garten versaut, die anderen aus Nostalgie oder weil sie dort gerne arbeiten und mit den Kollegen am Koks rühren nicht reinziehen. Der dunkle Bereich unterhalb des Gasometers könnte tatsächlich die nicht benutzbaren vergifteten Gärten darstellen, die hier und da mit leichtem Gelb und Grün auftauchen und im Bild leichte verfließen.

Ulrike Bünner

„Im Oktober“ entstand im Oktober 2023 mit Acryl, Tusche und Öl auf Leinwand. Zwei sich umarmende Frauen, die in einer traurigen Situation stehen. Was genau das Motiv ist, kann mehrfach beantwortet werden. Zum einen kann es ein familiärer Verlust sein. Mutter und Tochter oder gute Freundinnen halten sich gegenseitig in ihrer Trauer. Es kann ein Verlust in der Ukraine sein, der Ehemann oder und Vater kann gefallen sein. Oder es ist durch den Überfall der Hamas-Terroristen und den damit zusammenhängenden Entführungen, Verstümmelungen und Vergewaltigungen entstanden, deren Bilder und Informationen uns seit dem 7.10.2023 fast täglich in den Medien mitgeteilt werden. Ein beeindruckendes Werk, das eine traurige Situation würdigt, egal wofür die beiden Frauen dort sich nun halten, es lässt einen selbst traurig nachdenklich zurück.  Für 800 € kann diese Traurigkeit auch im Wohnzimmer hängen, dass gleichzeitig aber auch eine gewisse Hoffnung spüren lässt beim genauren Betrachten. Das Leben geht weiter – irgendwie.

Beate Reith

hat mit Aquarellfarben auf Papier die Bilder „Kitesurfer“ und „Nordsee“ entstehen lassen. Von weitem sehen die Kites wie Möwen aus. Solche Bilder in Aquarell entstehen zu lassen, wie ein gemaltes Foto mit den Einzelheiten der Nordseelandschaft, ist wahrlich eine Kunst. Ohne Rahmen kosten die Aquarelle jeweils 220 €

Herta Müller

großes Bild namens „Kleines Ufer – fließend“ lässt mit Ölfarben auf Leinwand wirklich eine sich bewegende Struktur eines fließenden Gewässers sehen. Der kleine Uferausschnitt und die Farbvielfalt mit der leichten Unruhe eines fließenden Baches beruhigt jedoch den Betrachter. Je länger draufgeschaut wird, desto eher hört man auch das leichte Rauschen des Baches, dann die Vögel, das Summen von Insekten und zuletzt den Stich einer Mücke auf der Haut. Für 12000 € ist das Bild zu haben. Es ist das zweitteuerste Kunstwerk der Ausstellung. Ob es ein angemessener Preis ist, sei dahingestellt. Es wertet das naturnahe Werk auf jeden Fall stark auf.

Marc-André Jäger

hat mit einem Acryl und Fineliner auf Leinwand zwei sehr filigrane Bilder im Ausgangsbereich hängen. Beide Bilder haben keinen Namen. Sie wirken so einfach gemalt und sind dennoch sehr aufwendig vom Künstler produziert worden. Die dummyartigen Figuren im unteren Bild und auch das Obere wirken wie eine therapeutische Malerei, die unter psychischem Stress entstanden sind. Und dennoch wirken sie für mich, wie eine schwierig entstandene gemalte kleine Fantasiewelt. Sie treffen mit Sicherheit nicht jeden Geschmack sind aber eben auch sehr offen in der Interpretation zu sehen. Das „Dummybild“ unten kostet 90 €, das obere ohne Namen 190 €.

„Der Beobachter“ von Werner Bönigk

ist eine naive Variante von Mona Lisa. Das Gesicht schaut in alle Richtungen. Der erste Eindruck wirkt wie das gemalte Bild eines Kindes. Es ist aber gerade deswegen wahrscheinlich auch schwierig zu so malen. Es hängt im Ein- bzw. Ausgangsbereich der Ausstellung. Der Betrachter schaut auf die komplette Ausstellung in einer gewissen Höhe. Das mit Acryl auf Leinwand entstandene Bild kann einen Zuhause für 210 € weiter betrachten.

Videopodcast Teil 2

Teaser Teil 2

https://youtube.com/shorts/sr6K85MuKe8?si=Wy_ciMngSPPabXlt

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Podcast Teil 2

Lisa Thesing

„Bottrop“ hat eine Collage entstehen lassen mit einem Stadtplan von Bottrop und eine Erde in einem Netz. Die Stadt steht scheinbar im Mittelpunkt der Erde mit herausgeschnittenen oder scheinbar überfluteten Straßen. Ist der Treibhauseffekt mit den Klimaveränderungen gemeint mit dieser nachdenklich machenden Collagenarbeit? Oder meint die Künstlerin Lisa Thesing doch etwas völlig anderes? Das Flugzeug kann auch ein Flug zur Schwarzen Heide bedeuten oder einfach nur die Sicht aus dem Flugzeug, wie klein die Welt ist. Bottrop ist eben genau so klein, wie die Welt. Oft finden Begebenheiten bei der über 118000 Einwohner doch so statt, dass man sagt, wie klein die Welt doch ist  Eine faszinierende Collagenarbeit, die unverkäuflich ist.

Wolfgang Hohmann

Sein „Stilleben“ ist das einzige dieser Art in dieser Ausstellung, dass vielleicht seinen eigenen Keller oder Atelier zeigt. Eine alte Persiltonne beherbergt Stangen, Tapetenrollen oder gerolltes Papier, das auch für die Arbeit als Künstler wichtig sein können. Dahinter steht ein Feldbett. Dazwischen bricht ein Hula Hopp-Reifen die Idee eines Ateliers. Aber der Reifen könnte auch genutzt werden, um sich in Bewegung zu halten. Rechts im Bild ist eine Stange, das eine Wasserwaage sein kann oder eine Halterung für eine Staffelei. Das Bild ist mit Acryl auf Holz entstanden und für 500 € kann es erworben werden. Der Titel ist gleichzeitig auch die Ruhe eines Raums, in dem eher kein Leben steckt, aber dennoch zum Leben still erweckt wird, wenn der Raum genutzt wird.

 

Rebecca Bujnowski

stellt dieses Jahr wieder zwei beeindruckende glasierte Ton-Kunstwerke aus. Beide sehen aus wie Korallenriffe. Während das eine mit ein wenig Blattgold überzogen zu sein scheint, ist das andere eher dunkel gehalten. Rebecca Bujnowksi erhält nächstes Jahr die Einzelausstellung innerhalb der Jahresausstellung. Wir dürfen auf besondere Einzelstücke gespannt sein. Eins ist mit Blattgold überzogen. Das andere ist in einem Blauton gehalten. Sie wird nächstes Jahr eine Einzelausstellung haben. Overgrown Circles, open and close kostet 710 € und running fluent circles in blue 790 €.

Gilda Bräuer

ist mit zwei besonderen Bildern vertreten. „Rote Ellipse 1“ entstand aus Lacken, Filzstiftauftrag mit Polyestergarn auf Leinwänden. Es lässt die Betrachter eine Art Computerkern sehen, wie bei dem Film „Tron“ oder eine Darstellung eines mathematisch abgegrenzten galaktischen Raums, in denen eine Ellipse eine wichtige Verbindungsform besitzt. Der Preis von 650 € ist galaktisch niedrig in meinen Augen, aber ein Preis, der sich lohnt, dieses Science-Fiction-Bild zuhause aufzuhängen.

Im Backdrop, der Hintergrund des rechten Bildes „Rote Ellips 2“ wurde rot lackiert. Die umgedrehte Leinwand wurde mit klar lackierten Baumwollfäden verbunden. Auf ihnen ist mit roter Ölfarbe eine Ellipse gemalt. Wieder beeindruckt mich die Ideenvielfalt dieser Künstlerin, die für dieses Bild 800 € verlangt. Das ist auch angemessen für den Aufwand der Näherei, die dahintersteckt.

Ralf Opiol

hatte diesmal auch die Ehre ein Bild besteuern zu können. Es ist „Optoelektronisch C“ für das er etwa 12 Stunden gebraucht hat, um es so in Szene zu setzen. Der Barcode eines kaufbaren Produkts hat ihn inspiriert erste Bilder in seiner wiedererkennbaren Farbe Oliv mit kleinen feinen Strichen entstehen zu lassen. Ralf Opiol arbeitet seine Collagen meist in Mixed Media zuerst mit Zeitungspapier. Aus dem Bild ist eine Frau zu erkennen, aber nur scheinbar. Sie steht für die Kassiererinnen und Kassierer an den Kassen im Einzelhandel.

Um diese optoelektronischen Bilder zu erschaffen hat der Künstler unterschiedliche Methoden ausprobiert: Aquarell, Bleistift, Filzstift, Ölkreide oder mit Tusche. Zwei Zeitungsausschnitte werden übereinandergelegt und für die „Strichkunst“ vorbereitet. Wer das Kassensystem an der Wand hängen haben möchte, kann dies für tun für 1000 €

Paul Schulte

präsentiert ein neues Ideenkonzept aus Buchstaben, die in symmetrischer Abfolge in roter Farbe mit Blockface-Kit, einer Stempelkunst, auf einem Digitaldruck einer Gewebestruktur auf Graupappe aufgetragen wurde.

Das rechte Bild „Rote Vokale“ in der Ausstellung kann so die Betrachter zum Lesen einladen Die Wörter „Magermilchjoghurt, Arbeitsordnung und Wasserskisportclub“ sind in comicartig zu lesen. Das zweite Werk links enthält ein Zitat der Ehefrau von Josef Albers. Anni Albers, nachdem auch der Platz vor dem Museum benannt wurde sagte einmal „I would like to make something important“. Eine inspirierende neue Art von Kunstwerken, die Paul Schulte nach seinen Scutoiden im letzten Jahr erschaffen hat, der bei mir zuhause einen Standort bekommen hat. Die zwei Kunstwerke von vier insgesamt kosten je 580 €.

Heide Kraft

hat mit Pigmente und Tusche auf Holz das Kunstwerk „Schwarz trifft auf Weiß“ entstehen lassen. Die Besucher beschäftigen sich vielfach länger mit dem abstrahierten Bild von Heide Kraft. In diesem Bild kann vieles interpretiert werden. Während im Austausch mit Ralf Opiol bei ihm eher eine Landschaft mit einem See zu sehen ist, sehe ich einen Mann, der einen anderen tritt bis er blutet. Der Titel vereinfacht wahrscheinlich eher nur die Farbe Schwarz mit ihren geschwungenen Strichen und Punkten, die nur unwesentlich mit einem kleine Ton in Orange zum Nachdenken anregen, das für mich Blut ist. Jeder sieht das Bild wahrscheinlich anders als ich. Wer es zuhause hängen haben möchte oder exklusiv im Büro, wo an den Chef unter einem gedacht wird,  kann es inklusiv Rahmen für 490 € erwerben…

Evelina Velkaite

hat drei Bilder in diesem Jahr aufhängen können. Sie hat eine Kombination aus zwei Bildern, die blaue bis ins violette Farbe betont einbaut. Das linke Kunstwerk kann ein Fjord in Norwegen mit Polarlicht sein. Das rechte Bild kann eher ein Gletscher oder Eisberg im Polarlicht sein. Im dritten Bild ist ein kräftiges warmes Gelb die betonende Farbe. Es ist aus dem Indien-Zyklus. Lila ist auch hier im Mittelpunkt wird aber vom Gelb überspannt, das die Hitze des Landes wahrscheinlich darstellt. Lila wird oft auch als eine spirituelle Farbe genutzt, so dass die zwei anderen Bilder die Erfahrung mit dem spirituellen Inneren dieser Indienreise sein kann, statt ein Fjord in Norwegen mit Polarlicht. Es hängt jedoch nicht zwischen den dunklen Bildern, sondern an einer anderen Wand schräg gegenüber. War es beabsichtigt oder eher eine wichtige Abgrenzung zu den zwei eher dunklen Kunstwerken?

Die dunkel mit Acryl auf Leinwand aufgetragenen großen Bilder hat Evelina „Neue Realität 1“ und „Neue Realität 2“ getauft. Ist es denn wirklich nun ein Fjord oder ein geschmolzener Gletscher? Denn die Klimaveränderung ist da, Gletscher schmelzen. Das Weiß wird im Polarlicht weniger Weiß wirken. Oder ist es eine Art von Bewußtsein das malerisch dargestellt wird oder das Jenseits. Diese Bilder lassen Betrachter fragend zurück, aber das macht diese Bilder auch aus. Mit 9480 € können sie jeweils zuhause aufgehängt werden und die Fragen weiter anspornen.

Das Bild „Indien-Zyklus“ mit Acryl und Ölkreide auf Leinwand  zeigt ein Erlebnis am Fluss Ganges, wo an Gestorbene erinnert wird. Das Violett der „Realitätsbilder“ zeigt hier die mögliche Spiritualität im Kleinen. Wohingegen die großen Kunstwerke „Neue Realität“ eben die neue Realität, wahrscheinlich das Jenseits sein kann. Jenseits von Gut und Böse kann das teuerste Bild der Jahresausstellung sein: 13000 €. Ob es berechtigt ist so hoch anzusetzen ist dahingestellt. Die Größe, der Aufwand und die Idee zeigen hier eine einmalige malerische Interpretation. Der Indien-Zyklus kann eine steigende Aktie werden, die Evelina Velkaite hier im Museum leuchtend zeigt

Vincent Reilly

entwickelte eine „Studie eines toten Maulwurfs“ Ohne den Hinweis des Künstlers zu lesen, lässt die Betrachter auch einen Dinosaurier oder Vogel auf dem Boden sehen. Im Hintergrund rauchen Schornsteine einer Hütte. Das ganze Bildkonstrukt kann mehrere Deutungen zulassen. Zum einen die Umweltverschmutzung der Industrie, die unsere Natur zerstören und damit auch Tieren den Lebensraum nehmen, oder es zeichnet das Ende der Natur und die Eroberung der menschlichen Zivilisation. Hier kann es aber auch gedeutet werden als eine Geschichte des Ruhrgebiets. Als wir, die wir heute farbige Fotos von Landschaften machen, kann es scheinbar ein Foto aus den Anfängen der Industrialisierung des Ruhrgebiets sein, als alles Schwarzweiß war. Aber vielleicht meint Vincent Reilly ja etwas völlig anderes mit dem Bild. Hier sieht jeder, wie vielfältig Kunst sein kann. Das Bild muss nicht gefallen, aber es kann trotzdem den Horizont öffnen und zum Nachdenken anregen, was der Künstler mit seinem Kunstwerk mitteilen möchte. Eine Diskussion ist somit eröffnet. Wer das Bild haben möchte kann es für 150 € bekommen.

Stefan Wepil

hat wieder zwei beeindruckende Bilder beigesteuert. Letztes Jahr war ich von den bunten Korallenriffen begeistert. Dieses Jahr hat er zwei verschiedene Arten von Städte in Mixed Media Art in der Ausstellung hängen. Das obere ist die „Quocht-Höhlenstadt“. Das unverkäufliche Bild lässt den Betrachter durch ein grünes Dickicht gehen, bevor er in die grüne Stadt mit Hochhäusern kommt, die im Schwarz einer Höhle entstanden ist.

In der „Elelschia Stadt Lio“ ist eine neue Form des Zusammenlebens entstanden. Arbeit und Wohnen sind wahrscheinlich nah beieinander unter offenem Horizont im Gegensatz zu der Höhlenstadt. Vielleicht sind das zwei verschiedene Zukunftsprojekte, wie es mit der Menschheit weitergeht im Zuge der Klimaveränderung. Vielleicht sind sie auch nur einfach der Fantasie entnommen, obwohl so eine Elelschia – Stadt in England am Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden ist, ist sie bis heute Vorbild für Städte dieser Art geworden. Zur Zeit entsteht so eine Megacity in China nach dieser Bauweise. Die zukünftige Wohn- und Arbeitskultur wird mit diesem Bild auf jeden Fall zum Thema beim Betrachten. Für 400 € kann damit zuhause weitergesponnen und den Grundstein gelegt werden. Ob ich da wohnen möchte. Klares Nein. Aber wer weiß, wie schön es da sein könnte.

Klaus Hoffmann

hat zwei kaleidoskopartigen Bilder in der Ausstellung hängen. Sie erinnern an die 3D Bilder von M. C. Escher. „100 Quadrate“ (490 €) ist mit Acryl auf Leinwand entstanden. Eine sehr mühselige Arbeit diese in abwechselnde Abfolge von schwarzen kristallartigen Sonnen auf weißem Hintergrund exakt so entstehen zu lassen, die bei einer entfernten Sicht optisch verändert werden. Das Bild scheint sich zu drehen. Nur bei näherer Betrachtung sind feine Linien zu sehen. Ein herausragendes Bild in dieser Ausstellung.

Genauso herausragend ist das „Op-Art Perspektive“ (350 €), mit Tusche auf Papier. Es ist zwar kleiner, aber hier wird die optische Wahrnehmung besonders stark herausgefordert. Die Preise sind viel zu gering für diese besonderen Arbeiten, die Klaus Hofmann ausstellen konnte.

Dieter Schröder

hat drei Radierungen in der Ausstellung hängen. Landscape I, II und V sind im hellen Grünton abwechselnd mit Gelb in verschiedenen Größen zu sehen. Hier wird wieder die Fantasie angeregt. Es kann eine Naturlandschaft mit Strand oder umgekehrt sein oder ein Wald mit versandetem Boden. Alle wirken beruhigend und bei näherer Betrachtung dennoch unruhig. Alle können für jeweils 650 € gekauft werden.

Bernd Stappert

hat auf seinen Schwarzweiß-Fotos Ausschnitte von gruseligen Bäumen in die Ausstellung gebracht. Sein „Gespensterwald 1“ und „Gespensterwald 2“ sind gerade durch das in Schwarzweiß gehaltene Foto gruseliger und lassen einen an Geschichten von Stephen King und Edgar Allen Poe erinnern. In der Kirchheller Heide erzählen bestimmt genug Bäume Gespenstergeschichten, die Bernd Stappert entdecken kann. Beide Fotos sind für 120 € zu bekommen.

Heinz-Michael Becker „3-D  Perspektivwechsel“

Das 15 Mal 15 cm Quadrat ist mit Quadraten entstanden durch Holzbausteine. Egal von welcher Perspektive das Kunstwerk betrachtet wird. Die schwarzweiße Struktur lädt immer wieder ein es in einem anderen Blickwinkel zu sehen. Das eigene Leben sollte, so wie dieses Kunstwerk ebenso von vielen Seiten aus betrachtet werden. Leider gibt es bei vielen Menschen einen fehlenden Horizont und den berüchtigten Tunnelblick. Doch dieses Bild zeigt, dass Geometrie einem die Augen öffnen können. Wer zuhause darüber sinnieren möchte, kann das Werk für nur kleine 110 € bekommen.

Wolfgang Fröhling

hat in dieser Ausstellung drei Bilder hängen. Das eine ist „Düsseldorfer Landstraße“ aus dem Jahr 2023. Ein kleines Haus an dem links ein Wohnwagen steht in scheinbar symmetrischer Nachbarschaft. Wohn- und Wohnmobil stehen auf dem Foto in einer naturnahen Landschaft genau mittig. Langeweile kommt beim Draufschauen jedoch nicht auf. Das gelbe Haus sticht das Grau des Himmels aus. Für 800 € ist es zuhause weiter zu betrachten.

Die beiden anderen sind in Bottrop auf der „Prosperstraße“ entstanden. Die Halde mit der Skihalle ist in einer besonderen Perspektive, während am „Alter Postweg“ die unterschiedlichen Farben einer alten Kiesgrube, wo eventuell Ölschiefer das klare blaue Wasser mit einem ekeligen Braunton zu verschmutzen droht. Beide Bilder sind für jeweils 650 € zu bekommen. 

Reimund Walther  

hat mit „Architektur I“ (500 €) eine Hochhausskulptur aus Rechtecken und Quadraten erschaffen. Es ist eine von nur zwei Skulpturen in diesem Jahr. Ich als Brettspieler habe es durchaus als ein beachtliches Mordswerkzeug erkoren für Cluedo. Eine beeindruckende Skulptur ohne Humor auf jeden Fall.  

Das zweite Kunstwerk  „Architektur II“ (200 €)  ist dem Museum und ein dem Josef Albers gewidmetes Quadrat aus Aluminium im Quadrat eines sandgestrahlten Aluminium-Quadrats. Eine beeindruckende Variante in der vielfältigen Ideenlandschaft der Kunst von und um Josef Albers, dem Ehrenbürger und Künstler der Stadt Bottrop.

Stefan Hütte alias @Bottblick

hat in seinen Fotos immer Bottrop im Blick. Er erzählte mir bei einem zufälligen Treffen bei der Ausstellung Orange in Bottrop von Nolin Wischermann, dass er es zufällig beim Laufen auf die Halde mit der Skihalle so gesehen hat. Ohne lange nachzudenken hat er ein Fundstück fotografiert, dass so eine Menge mehr reininterpretiert werden kann, als er es selbst vermuten würde. Ich habe erst gedacht, dass es mit Photoshop eingearbeitet wurde. Ich konnte mir einen Traktor oben auf der Halde nicht vorstellen. Zudem war der Malakoffturm nicht zu sehen, sondern nur der Förderturm, der dort herausragt. Der Traktor ist im Vordergrund. So sieht steht für mich dieses Schwarzweiß-Foto für mehrere Dinge. Zum einen prägte die Landwirtschaft schon vor der Ansiedelung der Industrie die Landschaft im Ruhrgebiet. Hier waren jedoch keine Berge, sondern sanfte Hügel und schon gar keine Fördertürme zu sehen. Der Förderturm von Prosper II ist stark im Hintergrund, das wiederum zeigt, wie wenig der Bergbau noch mit der Landschaft zu tun hat, aber dennoch diese über 150 Jahre neu geprägt hat, aber jetzt Geschichte ist, während die Landwirtschaft immer noch bestehen bleibt. Der monströse Traktor ist der Mittelpunkt und bleibt. Der Förderturm ist klein und könnte jeden Moment wieder vom Traktor klein gefahren werden. So vieles lässt sich fantasievoll mit diesem einen Bild sagen. Der Name „Zeitenwende“ prägt das Bild zudem noch in zweierlei Hinsicht: Vergangenheit und Zukunft der Stadt bzw. vom Ruhrgebiet. Für nur 69 € ist das Bild zu bekommen.

Angelika Schilling

hat zwei Fotos in der Jahresausstellung. Das erste ist fast ähnlich wie ein Bild von dem leider schon verstorbenen Many Szejestecki, der mit Technischen Zeichnungen die Untertagewelt und die darauf liegende Stadt bildhaft in Szene gesetzt hat. Kürzlich hatte sein Sohn eine Ausstellung in der Galerie KiR in Oberhausen, wo ich es leider nicht geschafft habe hinzukommen. Angelika Schilling hat im Licht- und Schattenspiel II so in Szene gesetzt, dass es wie Dominosteine aussehen lässt, die kurz vor dem Umkippen stehen. Oder es lässt eine gemalte Unterstruktur die Betrachter in die fotografische 3D-Welt eines M. C. Escher versinken. Im zweiten Foto steht ein weißer Plastikstuhl auf einer unbearbeiteten Betonunterfläche vor einem mit schwarzen Quadraten zusammengefügte industrielle Tür. Angelika Schilling hat absichtlich nicht in Waage fotografiert. Zwei Schwarz-Weiß-Fotografien, die kunstvoll in Szene gesetzt wurden und zum Fantasieren anregen. Wer die Fotos kaufen möchte:

Kunst-Stücke II – „08/15“ : 1400 €

Licht- und Schattenspiel II – Fotografie auf Hahnemühle 1/10 : 1500 €

Christel Sellmons

hat zwei Fotografien vom „Düsseldorf Hauptbahnhof I und II“ in der Jahresausstellung stehen. Der Bahnhof mit seinem geriffelten Hintergrund. Die Geometrie des ganzen Bahnsteigs erinnert an moderne Kunst und ist dennoch nur eine Fotografie eines Bahnhofs, der architektonisch kalt aus dem Boden gestampft wurde und nicht wirklich schön ist. Interessanterweise ist dieser Bahnsteig sehr sauber, als wenn für dieses Bild extra kurz vorher der Reinigungstrupp durchgegangen wäre. Die Fotos sind für jeweils 500 € zu haben

Gereon Krebber

hat mit dem fantasievollen Namen ebenso fantasiereich „Smavo“ mit Metallstäbchen im Sockel entstehen lassen. Zu sehen ist ein keramisches halbes „Ei“, aus dem scheinbar etwas schlüpft. Es erinnert schon im ersten Gedanken an den weltberühmten Science-Fiction – Film „Alien“ und lässt die Betrachter schmunzelnd, wie leicht beängstigend zurück. Vielleicht springt da ja gleich etwas heraus. Zumindest ist aus der Geldbörse einiges herauszuspringen: 4300 € kostet die eine von nur zwei ausgestellten Skulpturen in der Ausstellung.

 

Das Motto auch für diese Ausstellung, die ich im 2024 bestimmt wieder besuchen werde mit Ralf Opiol mit Spannung und Freude:

Zur Kunst musst du gehen!

Aber hier hat jeder Interessent die Chance auch nach der Ausstellung die Bilder nochmal in Ruhe zu betrachten und auch zu kaufen, wer Interesse hat. Natürlich beim Künstler nicht bei mir.

 

Glück auf und bis zum nächsten Mal, wenn es heißt: Ruhrpottologe unterwegs – In Sachen Kunst


FOTOSTRECKE & PREISLISTE aus der Jahresausstellung 2023 im Museum Quadrat:

PREISLISTE

PREISLISTE der Einzelpräsentation „Square Dance“ von Monika Lioba Lang

Bedrückende beeindruckende Foto-Ausstellung „Kiyw ohne Licht“ im Schaubüdchen I +Video I +Short I +Fotogalerie

Beindruckende und bedrückende Fotos sind in Kiyw (Kiew) im Dunkel der Kriegssituation in der Ukraine entstanden.

Täglich heulen die Sirenen. Nachts wird das Licht der Städte ausgemacht. Nur Autolampen, das Handy und Taschenlampen erhellen dann die Nacht. Wie geht man mit dieser Anspannung um in Kiew des im Kriegszustand stehenden Landes?

Die Fotografen und Fotografinnen haben ihre Gefühle und Sichtweise in einer besonderen Situation mit einem Bild festgehalten.

Nach der ersten Ausstellung im August 2023 zur Zeit des zweiten Jahrestages des Krieges mit Russland wurde nun zum zweiten Mal zum Ende der Übergangsphase des Schaubüdchen, Ursulastraße 24 in Bochum, an neue Inhaber die Ausstellung gezeigt.

Ausgestellt werden Fotos von Vlad Moiseienko, Ihor Kurinnyi, Anastasia Dekthiaruk, Artem Humilevskyi, Olena Lemberska, Iryna Kabysh, Alena Burya, Oleksandra Zborovska, Olga Vasylieva, Olena Morozova. 

Vom 28. bis zum 30.12.23 ist die Ausstellung zwar geöffnet, kann aber auch durch die großen Trinkhallenscheiben von außen gesehen werden. Wer es nicht schafft, kann sich die Fotos mit den von mir eingefügten Copyrights der Fotokünstler und Fotokünstlerinnen mit ihren Informationen zu sich und ihren Bildern in Ruhe ansehen mit der Genehmigung von Kateryna Kutsevol, die für die Kuratierung der Fotos gesorgt hat. Ein Kalender für 2024 mit den Fotos der Künstler ist kostenlos im Schaubüdchen zu bekommen. Wer eine Spende geben möchte, die wiederum für Hilfsprojekte in der Ukraine genutzt wird, kann einen Obulus in die Spendenbox geben.

 

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Ich mag es mir nicht vorstellen, wie es ist dort in der Nacht ist. Ständig gehen die Sirenen an und warnen vor Luftschlägen und Drohnenangriffen. Um sich ein Bild von der bedrückenden Situation vor Ort zu machen, habe ich ein Video vom ukrainischen Künstler Kostya Sova mit eingebaut, das mir von Kateryna Kutsevol zugeschickt wurde. Auch wenn es überall hell strahlt auf der Hauptverkehrsstraße in Kiew. Wenn die Sirenen dröhnen, fühlt sich keiner so richtig sicher, auch wenn es scheinbar alltäglich zum Leben in der Ukraine gehört. Das Video lässt die Fotos in einem anderen Licht stehen und von der Situation der täglichen Sirenen bedrückender werden.

Definitiv lassen die Fotos Besucher der Ausstellung nachdenklich zurück.

Short zur Ausstellung:

https://youtube.com/shorts/GL1t_neft0A?feature=share

Info am Rande: Das Schaubüdchen bekommt neue Inhaber und Inhaberinnen, die das bisher erfolgreiche Umsetzen einer Ausstellungstrinkhalle fortführen werden. Ich berichte darüber, wenn es am 30.12. übergeben wurde.

FOTOGALERIE

Weihnachtsverrücktes Weihnachtshaus Oberhausen I +Video I +Fotostrecke

Der erste Eindruck vom Weihnachtshaus Oberhausen ist ein riesiger Tannenbaum voller Kugeln. Aber es ist kein Baum, es ist ein Haus. Voll geschmückt von Innen und Außen. Jede Ecke ist mit Weihnachtsartikeln von Wichteln, Schneemännern, Weihnachtsmännern, bunten Kugeln, blinkenden und leuchtenden Häusern vollgestopft.

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Vom Weihnachtshaus Oberhausen hatte ich schon mal gehört. Markus Gärtner, von der Triker Gemeinschaft NRW, hatte mir dann vor einigen Wochen beim podcasten auf der Motor Show in Essen erzählt, dass sie dort am 16.12. eine Spendentour machen wollen.

Er fragte mich, ob ich nicht dabei sein möchte. An dem Tag knubbelten sich nun drei Termine, von denen ich endlich berichten kann. Weihnachten ist einfach Stress.

Doch im Weihnachtshaus war davon nichts zu spüren.

Der Weihnachtsmann, der Dirk van Acken heißt, stand vor der Tür und lud zum Hereinkommen ein.

Weihnachtsmann vom Weihnachtshaus Oberhausen

Im Flur war jeder Millimeter mit weihnachtlichen Fotos und Utensilien geschmückt. Sogar die Treppe zum Keller leuchtete bunt. Hunderte weihnachtliche Dinge hingen an der Wand oder standen auf der Treppe. Aber dann ging es erst richtig los. Denn im ganzen Haus wurde jeder Millimeter genutzt. Ob von der Decke herabhingend, auf, vor oder in den Schränken, Tischen oder Böden, in Küche, Badezimmer, Wohn- und Schlafzimmer schwang das Weihnachtsgefühl immer mit. Bunt leuchtend macht sich das Weihnachtshaus in Oberhausen eine eigene weiße Weihnacht und lässt Publikum kostenlos daran teilhaben. 

Eine Spendenbox für die Stromrechnung wurde dennoch aufgestellt im Garten. Aber das ist dem Weihnachtsmann sowieso egal. Sein Traum war immer ein Weihnachtshaus. Schließlich muss ein Weihnachtsmann auch eine entsprechend ansprechende Adresse haben. Und die findet sich eben nicht in Lappland oder in den Rocky Mountains der USA, sondern im Ruhrgebiet mitten in Oberhausen auf der Walsumermarkstraße 134.

Nach dem Eintritt in den Flur stehen zwei große Schneemänner Spalier, bevor es in die Zimmer ging.

Im ersten Raum rechts, das wahrscheinlich ein Kinderzimmer sein sollte, aber nicht als solcher erkennbar war, wurde jeder Zentimeter voll mit Weihnachtsutensilien vollgestellt.

Nebenan war das eheliche Schlafzimmer. Meine Frau würde verrückt werden von der ganzen Blinkerei der Glühlämpchen. Vor allem würde sie sich jeden Abend vom übergroßen Weihnachtsmann vor dem Bett erschrecken und Alpträume bekommen. Wahrscheinlich ist das leider ein Grund, dass der Weihnachtsmann, keine Weihnachtsfrau hat, die im schicken roten Mini hier durch die Räume schweben würde, um die Gäste zu bedienen.

Nachts könnte man tatsächlich denken, dass der große Weihnachtsmann ein Einbrecher sein könnte mit einem viel zu dicken Bauch und einer merkwürdigen großen Zipfelmütze. Das trägt kein Einbrecher heutzutage. Einbruch lohnt sich sowieso nicht. Zwar hat des Innenleben des Weihnachtshauses bestimmt ein Vermögen gekostet. Aber Juwelen sind da definitiv nicht zu finden. Und kein Einbrecher wird Engel, Schnee – und Weihnachtsmänner bei einem Hehler teuer verhökern können.

Liebe Einbrecher! Vergesst es! Reine Zeitverschwendung!

Ihr würdet euch viel zu lange darin aufhalten. Bis dahin würde die Polizei das Haus schon längst umzingelt haben!

Unzählige kleine, mittlere und große Figürchen standen in den Schlafräumen auf Regalen, auf und im Schrank. Ein Weihnachtsmann flog im Kreis in einem Ballon und beobachtete mit einem Fernglas die eintretenden Besucher. Ein Anderer starrte aus einem Ballon. Immer fühlte man sich beobachtet. Die Weihnachtsmänner suchten wohl alle nach einer Charaktereigenschaft oder die Möglichkeit herauszufinden, welches Geschenk sie nächstes Mal bringen könnten. Bitte keine Krawatte! Ich hatte nämlich tatsächlich keine an.

Die Toilette war auch voll von Weihnacht. Ein lebensgroßer Weihnachtsmann begleitet den Weihnachtsmann täglich zur Dusche, Mundpflege und beim Kreuzworträtsel auf dem Klo. Ein Schneemann hält lächelnd das Papier zum Abputzen bereit. 

Warum ausgerechnet neben der Toilette ein Nussknacker stand, war mir schleierhaft. Ich wollte nicht näher darüber nachdenken. Weihnachtliche Musik kam aus irgendeiner Lautsprecherbox. Eine Lampe mit Schnee erhellte den Raum. Es scheint sehr gemütlich hier bei der täglichen Hygiene zu sein.

Badezimmer

Im Wohnzimmer war jeder Tisch vollgestellt. Modellbahnfreunde, die sich eine Eisenbahn in die Wohnung stellen, gibt es zuhauf. Im Weihnachtshaus fährt keine Modellbahn. Hier wurde eine riesige Platte mit einem winterlichen Dorf vollgestellt. 

Ein faszinierender und fantasieanregender Anblick tat sich auf. Ich habe mir sofort eine schöne Weihnachtsgeschichte ausgedacht, die ich jedoch gleich wieder durch die nächsten Ausstellungsstücke vergessen hatte.

Um zur Bratwurst oder Glühwein zu kommen schlängelten sich die Besucher durch die Küche. Auch sie wurde vollgestellt. Ich dachte, dass der Weihnachtsmann und die Weihnachtsfrau ihr Essen bestimmt selbst nur draußen im Garten auf den Grill legen und jeden Tag Glühwein trinken werden, um die Küche nicht zu benutzen. Sie war ein schöner Ausstellungsraum. Wenn das Waschbecken der Küche nicht sichtbar gewesen wäre, würde die Arbeitsplatte mit Kaffeemaschine nicht erkennbar gewesen sein. Eine blinkende Kirche, ein Schneehäuschen, Lichter, Weihnachtsmänner und Engel überall. Das Weinregal hatte ich fast übersehen.

Der Garten war liebevoll mit tausenden goldenen und roten Kugeln geschmückt. An einer kleinen Bar wurden die Getränke ausgeschenkt. Weiter hinten stand der Grill für Bratwürste. An einigen Stellen konnten die Besucher gemütlich ihre Bratwürste verspeisen und am Glühwein nippen.

Große aufgeblasene Schneemänner und Weihnachtsmänner schauten sich das Schauspiel lächelnd an.

Weihnachtshausgarten mit Umtrunk

Hier muss ich nochmal hin, beschloss ich sofort. Ganz in Ruhe muss ich mir das alles anschauen.

Der WDR und RTL hatten ein paar Tage sogar von dem Haus berichtet:

Das wirklich verrückte Weihnachtshaus in Oberhausen – Lokalzeit Ruhr — WDR

Im Laufe des Jahres 2024 werde ich auch nochmal davon berichten. Wie ist der Besitzer, Dirk van Acken, überhaupt zu diesem kuriosen Hobby gekommen? Und sind es tatsächlich 70000 Lampen oder wesentlich mehr, die dort am und im Haus funkeln? Und wieviele Kugeln insgesamt sind hier zu finden? Wie lange bräuchte ich um sie zu zählen oder wieder in Kisten zu legen? Und wo lagert das alles über das Jahr? Und überhaupt, will ich es wissen, wieviel beim Auf- und Abbau kaputt gegangen ist bisher. Fragen über Fragen, die ich im Podcast fragen werde, zu dem ich den Weihnachtsmann eingeladen habe. Zeit für ein Pläuschchen hatten wir nicht, denn als die Dunkelheit einbrach, strömten die Besucher hinein. Außerdem waren die Triker gut beschäftigt mit dem Kutschieren der Gäste und ich musste zum nächsten Termin.

 

Glück auf und bis zum nächsten Weihnachtsfest 2024 !

FOTOSTRECKE

Weihnachtshaus Oberhausen Eingang
Frohe Weihnachten ! Bis zum nächsten Jahr !

VIDEO : Zweiter vertikaler Blick ins Weihnachtshaus Oberhausen

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Spendentour der Triker am Weihnachtshaus Oberhausen fürs Tierheim Bottrop I Interview mit Jan Fink I +Video I +Short I +Fotostrecke

Die Triker Gemeinschaft NRW führte eine Weihnacht-Spenden-Tour am Weihnachtshaus in Oberhausen durch.

In Kostümen von Wichteln, Weihnachtsmann und Grinch fuhr das Team der Triker Markus Gärtner, Jan Fink, Anne Jansen und Wilhelm Holstein einen Besucher nach dem anderen zwei Mal um den nahen Wohnungsblock an der Walsumermarkstraße in Oberhausen.

Short

https://youtube.com/shorts/L9cTfDmXtBg?si=iVhvc2dbL7-OSGTf 

Jan Fink alias Grinch auf Spendentour

Während die drei Triker Markus, Jan und Anne rumkurvten, nahm Wichtel Wilhelm die Fahrt-Spenden von einem Euro für Erwachsene und 50 Cent für Kinder entgegen. Sage und schreibe kamen so 150 € zusammen. Ein paar Tage später spendete Markus Gärtner das gesammelte Geld dem Tierheim Bottrop. 

Hildegard Frank-Tüllmann, die Vorsitzende des Vereins Tierfreunde Bottrop e.V., dem Betreiber des Tierheims, nahm erfreut die Geldspende entgegen. Jeder Cent wird gebraucht im Moment. Noch nie wurden so viele Tiere wie dieses Jahr ausgesetzt und im Tierheim betreut.

Triker Markus Gärtner übergibt die Spende an Hildegard Frank-Tüllmann vom Verein Tierfreunde Bottrop e.V.

 

Das Freudestrahlen in den Gesichtern der Mitfahrenden war groß. Mit einem Trike zu fahren ist einfach etwas anders an der frischen Luft, als mit einem Auto.

Vorher oder nachher wurde das Weihnachtshaus besucht, das in jedem Raum, einschließlich der Toilette vollgestopft ist mit unzähligen Weihnachtsartikeln. Große und kleine Besucher waren über die Fülle erstaunt. (ein anderer Blogbeitrag zeigt mehr Fotos). Im Garten konnten Bratwürste und Glühwein die Besucher nach der Fahrt wieder erwärmen. 

Zum Glück setzte erst am Abend Nieselregen ein. Die Fahrten wurden dennoch fortgesetzt bis nach 20 Uhr.

Im Video erzählt Jan Fink alias „The Grinch“ ein wenig zu seiner Rolle als Triker. Das komplette Interview kommt im Januar als Podcast mit allen anderen zusammen heraus, die ich bei der Motorshow in Essen unters Mikro nehmen konnte.

Die rasende Reporterin Corinna Kirschberg von Info-Marl hat mir einige Fotos zum Veröffentlichen im Blog übertragen. Vielen Dank dafür!

 

Glück auf oder besser Trike an!

VIDEO mit Jan Fink Interview

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FOTOSTRECKE

Weihnachtsmann vor seinem Haus mit Grinch Jan
Vor der Tour fertig gemacht
Am Weihnachtshaus Oberhausen
Weihnachtsmann vom Weihnachtshaus Oberhausen
Wichtel Wilhelm Holstein sammelt die Spenden
Weihnachtshaus Oberhausen
Jan Fink alias The Grinch mit rasender Reporterin von info-marl Corinna Kirschberg
Grinch mögen die Kinder trotzdem
Grinch im Interview mit Ruhrpottologe
Weihnachtsmann der Triker Markus Gärtner
Weihnachtshausgarten mit Umtrunk
Weihnachtshaus Oberhausen Eingang

Weihnachtliche Kurzgeschichte „Otto und der heilige Abend“ von Jack Tengo I + Youtube-Lesung

Hört in Youtube oder lest hier die weihnachtliche Kurzgeschichte von Jack Tengo. 

Mit freundlicher Genehmigung zur Ablichtung in meinem Blog:

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Eine weihnachtliche Kurzgeschichte von Jack Tengo

OTTO und der HEILIGE ABEND

 

„Ach, wat is dat fürn Wetter!“ Otto schaute griesgrämig aus dem Fenster.

„Macht doch allet kein Spaß mehr. Da kannse höchstens noch mitn Hintern inne Bude bleiben“, sagte Otto laut.

Kein Schnee weit und breit zu sehen. Es schüttete draußen, wie aus Kübeln.

„Da krisse doch keine Weihnachtsstimmung, eher Depressionen“, klagte der Frührentner.

Wech vonne Zeche mit Mitte Fuffzich, wie es im Ruhrgebiet gesagt wird. Seitdem erfreute er alljährlich seit 2019 als Weihnachtsmann die Kinder der Nachbarschaft. Dieses Jahr jedoch hatte er irgendwie nicht so den Drang dazu. Das Wetter legte noch einen Deckel drauf.

Sein Nachbar und bester Freund Michael unterstützte ihn bei seinen jährlichen Gängen. Die Müllers, die anderen Nachbarn links vom Zechenhaus, beide über achtzig, waren Rosenliebhaber. Im Winterschlaf der Rosen fütterten sie die Vögel und am Heiligabend luden sie den Weihnachtsmann schon mal zu einem Schwätzchen mit Herrengedeck ein.

Die Nachbarschaft hielt hier zusammen und unterstützte sich gegenseitig. Es gab natürlich auch Ausnahmen. Neu zugezogene Siedlungsbewohner mussten sich erstmal beweisen. Viele ältere Bewohner starben in den letzten Jahren. Die Zechenhäuser bekamen einen Generationenwechsel. Es zogen Alleinstehende oder Alleinerziehende in die Siedlung, die sich anfangs eher zurückhaltend bis gar nicht so gerne zeigten.

Plötzlich klingelte das Telefon. Otto hatte noch so ein altes grünes Drehscheibentelefon von der Deutschen Post anno 1981. Es war für viele schleierhaft, dass der alte Anschluss bei ihm noch immer funktionierte. Der angeschlossene Anrufbeantworter hatte noch ein Kassettendeck.

„Wat is?“, meldete sich Otto brummend.

Sein abfälliges Melden ließ Anrufer am anderen Ende der Leitung erschaudern. Wer mit seiner Ansprache nicht klar kam, legte einfach auf. Otto telefonierte nicht gerne.

Michael legte natürlich nicht auf. Sie kannten sich seit dreißig Jahren.

„Mistwetter, wa Otto?“ 

„Ach, du bis dat, Micha. Jau.“ 

„Ausgerechnet, wo du heute widda in Rotweiẞ gehs!“ 

„Kannse dir nich aussuchen, dat Wetter. Leider. Hasste alle Geschenke für die Blagen zusammen? “  

„Jau. Kann losgehen. Die Özghans haben auch gesagt, dat ihre Blagen wat bekommen solln.“ 

„Dat wundert mich“, sagte Otto stutzig. „Weihnachten is jedet Blach gleich, wa?  Ich geb zu, hätt ich nicht gedacht. Im muslimischen Glauben schleicht sich dat mitte Schenkerei am 24.12. jetz auch rein. Töfte, dat die auch mitmachen. “ 

 

Die Özghans waren eine junge muslimische Familie mit türkischen Vorfahren, die sich in das Zechenhaus dreißig Schritte weiter verliebt und sofort gekauft hatten.

„Et soll angeblich kälter werden und glatt, sacht der alte Müller“ 

„Na, dann werden wa ne Schlitterpartie kriegn statt warmen Regen. Dat is doch im Sinne des Mannes in Rotweiẞ, weisse Bescheid“, sagte Otto.  

Michael lachte. Weisse Bescheid, sagte Otto immer, wenn er eine Feststellung machte.  

„Willse mit uns nachher allein oder mit uns feiern. Bist eingeladen!“ 

„Danke für die Einladung! Abba bin dazu nich aufgelecht. Mir reicht dat den Blagen Geschenke zu bringen. Ich brauch widda ma son guten Film mit ner Ansichtskarte aus Solingen. Bud Spencer, Terence Hill. Aber vielleicht bin ich dafür sowieso nich ma fähich nachher, du weiss, wat ich mein.“  

 

Die Ansichtskarte aus Solingen kam in dem Film „Das Krokodil und sein Nilpferd“ vor. Seit seine Lebensgefährtin ihn verlassen hatte vor drei Jahren, guckte er jede Woche mindestens einmal diesen Film. Zu Weihnachten jedoch mindestens zwei Mal, denn mit anderen Weihnachten zu feiern war ihm irgendwie nie richtig zu mute. Da er keine Kinder hatte, wollte er wenigstens den kleinen Nachbarskindern eine Freude machen. Wenn er hörte, dass sie ein größeres Geschenk wollten, sammelte er in der Straße über das Jahr hinaus Geld  für die Erfüllung der Wünsche. In die strahlenden Gesichter zu schauen, bereitete ihm jedes Jahr wenigstens eine kleine Freude.

„Dann sehen wir bei der Geschenkeverteilung um 16. Ich komm zu dir. Bis später.“ 

„Glück auf!“ verabschiedete Otto sich von Michael. Er bekam den Gruß aus dem Pütt nicht aus dem Kopf. Michael nahm es mit Humor.

Er hatte Otto auf der Zeche kennengelernt. Michael entschied sich aber nach einigen Jahren für eine Umschulung zum Automechaniker. Damals in den 1990ern bot die Ruhrkohle in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur bei vollem Lohnausgleich die ein oder andere Ausbildung an. Schon damals war bei dem ein oder anderen klar, dass weitere Schließungen kommen können, so wurden die Maßnahmen auf den Zechen angeboten. Einige haben dann zugeschlagen und haben sich umschulen lassen. Aber Michael steht nun einem ähnlichen Strukturwandel in der Autoindustrie bevor. Die Elektroautos brauchen weniger Reparaturen. Es waren mehr Kabel- als Getriebeschäden zu reparieren. Ständige Weiterbildungen waren ihm ein Graus. Michael stand auf Mechanik, nicht auf Elektronik. Wenn er auf der Zeche geblieben wäre, wäre er jetzt auch Frührentner. Über seine Entscheidung ärgerte sich Michael jeden Tag, wenn er zur Arbeit ging.  

Michael schaute in seinen Garten. Er schüttelte den Kopf. Kein Wetter für eine weiße Weihnacht in Sicht, schon lange nicht mehr.  

„Ersma Käffchen. Macht müde Männer munter“, sagte er laut und drückte auf den Knopf der teuren Jura-Maschine, die ihm wieder einige hundert Euro Reparaturkosten statt guten Kaffee bereitete. 

Gleich ging es ja los. Otto abholen und die Kinder beschenken. Er begleitete Otto immer, denn nach dem ein oder anderen voraussichtlichen Pinnchen brauchte er am Ende eine Stütze. Die Stütze war Michael. Er fand es lustig und machte es gern.

Otto wollte sich noch ein wenig hinlegen bevor es losging, als es an seiner Tür klingelte. Er schlurfte griesgrämig zur Tür. Wer zum Mäuse melken störte ihn jetzt kurz vorm Auftritt noch? Er riss die Tür auf.

Frau Müllers Marionettenfalten zogen sich lächelnd nach oben. “Frohes Fest, Otto!”, sagte sie und stürmte mit ihren kleinen Krampfaderbeinen in die Wohnung, als würde sie hier tagein tagaus bei Otto wohnen. 

“Ich weiß”, sagte sie. “Weihnachten selbst feiern ist nich dein Ding. Ausnahmsweise sind wir nachher abba ma nich da. Da hab ich mir erlaubt, dir ein kleinet Plätzkentütken zurecht zu stellen. Und dat hier…” Frau Müller zeigte ein großes Paket. „

Hier ist eine kleine Überraschung für dich für nach deinem Einsatz inner Siedlung.” 

Sie zwinkerte mit den Augen. “Hömma! Der Weihnachtsmann muss auch ein Geschenk kriegn. Abba bitte auch ers nach deinem Einsatz öffnen!” 

Otto staunte nicht schlecht und brummte ein: „Na gut.“ Er hatte mit diesem Paket nicht gerechnet. Jedes Jahr gab es nur eine Plätzchentüte und die sporadische Einladung zum Essen, die er ausschlug. Ansonsten gaben die Müllers ihr ganzes Geld nur den neuesten nicht billigen Rosenzüchtungen aus, um sie im heimischen Garten anzusiedeln.

“Für Michael ham wa ne Flasche Rotwein. Nen Spanischen ausm Rijocha. Den mach er doch gern. Wir sind gleich auf und wech zum Helge und den Enkelkindern. Ausnahmsweise dieset Jahr. Wer weiß, wie lange wir noch so fit sind. Und hier, Otto sind zwei neue Rosenscheren. Ihr beide habt ja so olle verrostete Kamellen. Die müssten doch schon stumpf sein. Zumindest sind eure Rosen zu bemitleiden. ”

Die alte Müller guckte in den trostlosen Garten von Otto, wo momentan nicht eine bunte Rose, die er von den Müllers geschenkt bekommen hatte, farblich das Grau des Wetters erhellte. 

Otto wußte erstmal nichts zu sagen. Rosen sind sowieso nicht so sein Bereich im Garten. Aber er wollte es den Müllers nicht auf die Nase binden. Sie sind immer nett zu ihm. Seine eigene Schere ist zwanzig Jahre alt. Damit hatte er nicht nur Rosen geschnitten. Woher wußte sie, dass sie alt und verrostet ist, fragte er sich. Schnüffelt die in seinem Garten rum?

Für Otto sind die Rosen nur Beiwerk im Garten. Bienen verirren sich in den Blüten kaum. Diese überzüchteten Rassen haben keinen guten Nektar für die Bienen. Rosen sind einfach nur schön, aber nicht mehr natürlich genug. Aber er wollte jetzt keine Fachsimpelei mit der Müller. Er musste sich seelisch auf die kreischenden Kinder vorbereiten. Er bedankte sich höflich.

“Passt auf euch auf! Sind die ganze Woche beim Helge. Kommen am 2.1. widda zurück. Wirf ma n Auge auf unser Heim!” 

Sie drückte ihn. Für ihn war so eine menschliche Nähe eher Stress. Zu Weihnachten machte er eine Ausnahme und ließ sie gewähren. Die Müllers waren zu jedem so herzlich. Sie drückten jeden, den sie mochten. Bei Otto wussten sie, dass sie auf ihn zählen konnten, auch wenn er ein komischer Kauz war. Sie fragten sich jedes Jahr aufs Neue, wieso der eher kaltherzige Otto den Weihnachtsmann spielen konnte.

“Klar. Machen wir. Hab ja zwei. Für jeden Tach ein Auge. Michael hat auch zwei. Kommt hin.“

Die Müller lachte. Witzig sein konnte Otto nicht unbedingt. Aber die Müller lachte sowieso über alles und jeden. Vielleicht lebte sie deswegen schon so lange. Die wird bestimmt noch 100, dachte Otto.  

“Grüßt den Helge und die Blagen. Wir gucken nache Post. Macht euch ma keine Sorgn.” 

“Die hamwa nich. Wir ham ja euch. Grüße richten wa aus.” Schon entschwebte die alte Müller widda aus dem Haus und sprang jugendlich mit ihren 82 Jahren ins Auto zu ihrem Mann, der einmal kurz lächelnd rüberwinkte. Schon rauschten sie davon.

Wie kann die noch immer so agil sein, staunte Otto. Es war noch früh genug, um schnell noch etwas einkaufen zu fahren. Er hatte keinen Kaffee und keine Milch mehr im Kühlschrank. Schlummern bis zum großen Auftritt ging nicht mehr. Die Müller hatte sein Konzept durcheinandergewürfelt.

Er trank den jetzt kalten Kaffee aus, ging zum Bad, rasierte sich kurz, damit der weiße Bart nachher besser kleben konnte und fuhr los, um rechtzeitig wieder zurück zu sein. 

Im Autoradio lief der Song “Deck the Halls”, gesungen von Whitney Houston. Glücklicherweise mal kein “Last Christmas” von Wham, dachte Otto erleichtert. Dieser meistgespielteste Song ging ihm schon langsam auf den Senkel. Aber in drei Tagen läuft im Radio sowieso wieder normale Musik.

Als er in den Supermarkt ging, wurden die letzten 10 Minuten der Öffnungszeit im Lautsprecher angekündigt. Da hatte er tatsächlich noch Glück gehabt. 

Otto kaufte was zum Knabbern, drei Fertigpizzen, Leberwurst und Käse. Ein zusätzliches Brot hatte er zum Glück noch eingefroren. Die Kassiererin wünschte Frohe Festtage, die er bestimmt mit dem Fernseher haben werde, dachte er sich und fuhr zurück. 

Zuhause klingelte schon wieder sein Telefon. Die Mailbox sprang an. Cem Özghan meldete sich. Otto verstaute aber erstmal seinen Einkauf.

“Hey, Otto! Komm nicht zu spät. Nachher gibt’s wat leckeret. Falls du nich bleiben kannst, kriss du wat mit. Nur damite Bescheid weiß.“ Cem lachte auf die Mailbox. Er passte schon allein sprachlich in die Siedlung, dachte Otto. Er ärgerte sich über sich selbst. Er hätte gar nicht fahren brauchen kurz vor seinem Auftritt. Jede Familie drückte ihm einiges an Essen in die Hand für seinen Auftritt.

Cems Frau Gün konnte sehr gut kochen. An egal welchen Festtagen, es blieb immer irgendwas übrig. Sie kochte einfach immer viel zu viel, gefühlt wie für eine komplette Division. Sein Magen knurrte bei dem Gedanken. Mit leerem Magen losgehen wollte er trotzdem nicht. Der Fusel kann einem schnell zu Kopf steigen auf leerem Magen.

Er schmierte sich schnell noch eine Scheibe Brot mit der frisch gekauften Leberwurst. Wieder klingelte das Telefon. Er ging nicht dran. Er hasste es noch halb kauend am Telefon zu hängen. 

Diesmal sprach seine Tante Christa auf dem Anrufbeantworter. Sie fragte, ob alles gut bei ihm war  und ob er nicht Lust hätte heute zu ihr zu kommen.

Er ging dann doch dran, um ihr kauend mitzuteilen, dass er es gerne machen würde, aber sie wüsste doch, dass er jedes Jahr den Weihnachtsmann machen würde und es am gleichen Tag nicht mehr schaffen würde zu kommen.

„Morgen komme ich dann, wenn du möchtest.  Autofahren ist heute eh nicht mehr möglich. Krich ja überall auchn Herrengedeck, weisse doch.“

Von Ottos Verwandtschaft blieb einzig  Tante Christa übrig. Sie war schon 90. Sie war nicht so agil, wie die alte Müller. Sie war einsam, denn ihre Kinder sind vor vielen Jahren nach Kanada ausgewandert. Sie kamen nur alle paar Jahre zu ihr. Sie war zu Weihnachten diesmal auch wieder allein.  Wenn sie auch nur vierzig Minuten von ihm entfernt wohnte, so besuchte er sie viel zu wenig, obwohl er als Frührentner Zeit genug hätte. Doch zu Weihnachten kam er jedes Jahr. Sie war eine Ausnahme am ersten Weihnachtstag. Dann wird er das Krokodil und sein Nilpferd eben auf den zweiten Weihnachtstag legen. Hauptsache er wird dann seine Ruhe haben. Wer weiß, wie lange sie noch leben wird, dachte er. Alle anderen Verwandten von Otto schauten sich schon lange die Radieschen von unten an. 

Er schaute auf die Uhr, als sie das Telefonat beendeten. Er beruhigte sich. Es war noch etwas Zeit. Draußen jedoch hörte er Kinder aus der Nachbarschaft Weihnachtslieder üben. Einige sind im Chor und gingen heute Abend in die Kirche. 

Otto kontrollierte seine rotweisse Ausstattung. Ab 16 Uhr ging es ja los.

Zuerst plante er zu den Özghans zu gehen. Dann folgten Pichulkes, die zwei Kinder hatten. Danach wollte er zu den Koslowskis, anschließend die Familie Wagner beehren. Als letztes waren die Engels dran. Insgesamt würden zwölf Kindern Geschenke überbracht werden. Dann reichte ihm das auch, denn bei allen Übergaben würden sein Magen und seine Leber einiges abverlangt werden. Und die schreienden Kinder um sich haben, die es nicht erwarten konnten Geschenke auszupacken, werden seine Ohren auch in Mitleidenschaft ziehen, dachte er.

Aber Gutes zu tun erfreute ihn trotzdem einmal im Jahr. 

Es klingelte wieder an der Tür. Wer war das denn nun wieder?

Es war Michael, der etwas früher auftauchte. In sein Leberwurstbrot beißend fragte Otto ihn, ob er auch eine Grundlage vor dem Blagengang gern hätte. 

“Ne. Lass ma,” sagte Michael. “War letztes Jahr so voll von dem Zeuch, wat wir allet zu futtern gekricht ham, weisse.” Michael seufzte tief. “So viel Essen kann doch kein Mensch.” 

Nachdem Otto aufgegessen hatte und zum Santa Weihnachtsmann geworden war, ging es los. Michael hielt den Regenschirm und den zweiten Sack mit den Geschenken. Alles konnte Otto nicht tragen. Michael klingelte bei den Özghans und sagte: „Hei ho. Hei ho. Erste Station! Hier sind die Geschenke zum Weitergeben. Das Blaue für den Jungen. Das Rote für das Mädchen.“ Michael hatte die Geschenke für die Özghankinder bereitgekramt.

„Bin doch nicht blöd“, sagte der Weihnachtsmann Otto.

Die Tür der Özghans ging auf. Ein alter Mann mit zwei großen dunklen Augen starrte ihn an. Otto kannte ihn nicht. Aber er tat seinen Spruch: „Ho Ho Ho! Der Weihnachtsmann ist da!“

Der alte Mann wich erschrocken zurück. Er schrie aufgeregt irgendwas in seiner Muttersprache, was Otto nicht verstand. Er hörte lautes Lachen.

Cem kam mit seinem Sohn um die Ecke. „Ich wollte meinen Großvater die Überraschung nicht verderben“, sagte er lachend zu Otto.

„Du weißt doch, wir feiern ja eigentlich kein Weihnachten mit dem roten Mann. Ich wollte ihm aber etwas von der Kultur beibringen, die wir mittlerweile genießen. Obwohl er das ja kennt, lebt er immer noch im Gestern. Mittlerweile versteht er wenigstens, dass die Enkelkinder es mögen und ihren Spaß daran haben. Und wie du siehst, er ist schon alt, aber immer noch fit.“ Cem zwinkerte mit einem Auge.

„Verstehe,“ brummte Otto durch seinen Bart.

„Hier, kleiner Ali, das ist für Dich.“ Otto bückte sich zu ihm. Ali, der sich hinter seinem Vater versteckte, stürmte hervor und riss ihm das schöne blau verpackte Geschenk aus den Händen und verschwand ohne ein Dankeschön wieder in die Höhle der Wohnung.

Cems Frau Gün kam um die Ecke mit Cems Großvater zurück. Weitere fünf Personen folgten ihnen. Sie wollten alle ein Foto mit Otto.

Otto fühlte sich etwas überfordert. So viele, die ihn drücken und  anfassten wollten.

 „Früher auf Zeche an diesem Tag gearbeitet. Kein Feiertag. Aber mit Steiger Raki getrunken“, sagte Cems Großvater lächelnd.

Otto wurde hellhörig. Er war auch Bergmann gewesen? Ottos Zurückhaltung wich auch einem Lächeln, das unter dem weißen Bart nicht zu sehen war.

„Raki. Ja. Raki. Stimmt!“

„Unser Glauben nicht anders. Soll glauben jeder, wie will“, sagte Cems Großvater.

„Komm Weihnachtsmann, rein in Stube. An diese besondere Tag, wir trinken wie Brüder. Heute wir sind Brüder.“

Schon schlurfte Otto den ersten Hochprozentigen. Ohne Raki kein Entkommen von der Familie Özghan heute.

„Ich darf heute im Dienst eigentlich nur Milch und Plätzchen.“

„Heute kein Milch, heute Raki. Und auf ein Bein nicht du stehen kanns“, sagte Cems Großvater. Schon war das Pinnchen nachgefüllt.

„Komm nachher nochmal vorbei, wenn dein Dienst vorbei ist“, sagte Cem.

„Gün hat wieder viel zu viel gekocht. Du bist herzlich eingeladen, Otto. Geht auch ohne Kostüm. Micha du bist auch eingeladen!“

Michael hielt sich im Flur zurück und beobachtete lächelnd das Geschehen.

„Danke. Müssen aber erstmal unsere Runde schaffen“, sagte er.

Otto wollte mehr über Cems Großvater erfahren. Wo auf welcher Zeche er gearbeitet hatte. Das Gesicht kam ihm irgendwie bekannt vor.

Er überreichte der kleinen Ayse, die sich schüchtern hinter der Mutter versteckte, das rote Paket.

„Bis zum nächsten Jahr liebe Kinder. Macht keinen Unsinn, sons gibbet nix!“

Michael spannte den Schirm auf und lachte.

„Na, wie war der Raki?“

„Boah, der haut ganz schön rein! Gut dat ich vorher noch dat Leberwurstbrot hatte! Gün hat widda für ne halbe Bundeswehr Essen gezaubert. Wir sind eingeladen.“

„Habs mitbekommen. Schauen wir ersma, wie et weitergeht. Hab meinen Raki erma inne Fächerpalme verschwinden lassen. Muss für dich wach bleiben, dattel nachher nach Hause noch komms. Guck ma, Schneeflocken!“

Tatsächlich fing der Regen an in Schnee überzugehen. Kleine Flöckchen fielen jetzt in die Pfützen auf dem Gehweg.

„Bin ich schon so besoffen, dat ich weiße Mäuse seh, die da auf den Boden fallen?“

Sie lachten.

„Weiter geht’s. Jetzt zu den Pachulkes!“

Dort gab es zwei Pinnchen Eierlikör und zusätzlich noch ein Glühwein. Erwärmt sangen Pachulkes, Michael und Otto „Hei Ho, Hei Ho“. Sie stießen nochmal auf die weiße Weihnacht an, die allerdings nicht so richtig Fuß fasste in den riesigen Pfützen.

Bei den Koslowskis warteten vier ungeduldige Kinder auf Otto, den Weihnachtsmann. Als sie ankamen, sangen die Kinder vor dem Anstoß mit einem Pinnchen Wodka erst ein polnisches, dann ein deutsches Weihnachtslied. Fotos wurden gemacht und Gedichte auf Polnisch und Deutsch aufgesagt.

Ottos Gedanken schwirrten durch den Alkoholeinfluss schon beachtliche Wellen. Bei den Koslowskis kamen Erinnerungen an seine eigene Kindheit hoch. Er hatte einen Klos im Hals, als er ein eigenes Weihnachtsgedicht noch mit Ach und Krach aufsagen konnte und zu einem weiteren Lied mitlallte.

Als die beiden weiterziehen wollten, brachte Nikolai, der Vater der Familie, die Beiden zur Tür.

„Auf dem Rückweg kommt ihr nochmal her. Dann trinken wir noch ein paar Pinnchen Wodka, wie es bei uns Tradition ist. Dazu gibt es die Krakauer und polnischen Schinken.“

Viel Platz für Alkohol war nicht mehr. Ob er das schaffen würde, stand in den Sternen. Er nickte und brummte: „Mal sehen.“

Dann standen sie vor dem Zechenhaus der Wagner. Von außen war es das meist geschmückteste Haus der Straße. Es erleuchtete die ganze Umgebung so hell mit ihren Weihnachtsfiguren einer menschengroßen Krippe und Schnee- und Weihnachtsmännern, wie im Film „Eine Schöne Bescherung“ bei den Grisworlds. Chevy Chase als Vater schaffte es mit Ach und Krach die Weihnachtsbeleuchtung hinzubekommen und eine ganze Generation lachte sich schlapp über den Tolpatsch der Familie.

Freudig erwartete Familie Wagner den Weihnachtsmann. Im Hintergrund lief rockige Weihnachtsmusik im Gegensatz zu den traditionellen ruhigen Scheiben der Koslowskis. Michael überreichte einige Geschenke um Otto zu entlasten.

„Ho ho ho! Hier waren wohl besonders…. Hicks….“ Otto hatte einen kleinen Schluckauf. Er wiederholte die letzten Worte. „Hier waren wohl besonders brave Blagn!“

„Und wir waren besonders fleißig in der Schule, Onkel Weihnachtsmann“, sagte die elfjährige Sophie.  

„Vor zwei Jahren hast du mir die Geige gebracht, die ich mir so sehr wünschte. Mit dem gebrochenen Finger konnte ich ja letztes Jahr nicht spielen. Aber heute kriegst du endlich ein kleines Konzert.“

Schon ging es los. Sophie strich über die Saiten und spielte zwei klassische Songs, die so ganz das Gegenteil der Weihnachtsrocklieder waren, die die Wagners hier spielten. Sie war zwar gut, machte aber so den ein oder anderen Patzer, der in den Ohren weh tat. Aber sie übte jeden zweiten Tag. Nächstes Jahr würde sie bestimmt noch besser sein. Die Eltern standen nicht auf diesen klassischen musikalischen Kram. Aber für Sophie taten sie alles, um sie mit der Geige zu fördern. Eine E-Gitarre hätten sie besser gefunden.

Otto hörte gespannt zu. Wenn er hörte, dass ein Kind ein Instrument erlernen wollte, dann sammelte er in der Nachbarschaft Geldspenden. Er selbst spielte früher in seiner Jugend in einer Band.

Die „Kohlenblagen“ spielten zu Weihnachtszeit im Zeitgeist „Let it Snow“ auf Heavy Metal und Punkrock. Das fetzte so richtig, aber die Nachbarn damals waren von den in Ihren Ohren stattfindenden Lärm gar nicht begeistert. Otto ist auch ruhiger geworden. Heavy Metal und Punk hörte er gar nicht mehr. Er wurde eben auch älter, da ändert sich auch der Musikgeschmack.

Sophie bekam einen großen Applaus. Sie strahlte über das ganze Gesicht. Vor Publikum zu spielen machte ihr nichts aus. Ihre Brüder ärgerten sie anfangs, jetzt waren sie stolz auf ihre Schwester.

Klaus Wagner klopfte Otto auf die Schulter und sagte mit Tränen in den Augen: „Dafür danke ich dir echt von ganzem Herzen. Das war ein sehr großes Geschenk damals. Ist es heute noch!“

Otto war sehr gerührt. Er wischte sich mit dem Handrücken die Tränen weg.

„Sie hat ein großes Talent. Das muss gefördert werden. Ich steh dazu! Hab selbst auch gespielt früher. Aber anderet.“ Otto strich der Sophie über den Kopf.

„Toll hast du gelernt. Mach weiter so!“

Otto schluckte, denn er hatte ja selbst keine Kinder. Gern hätte er das Talent des eigenen Kindes fördern wollen.

„Bleibt gesund und brav, damit ihr auch nächste Weihnachten wieder schöne Geschenke bekommen könnt“, sagte Otto mit einer leicht weinerlichen Stimme. Er musste hier dringend raus. Die schwere Stimmung und der nun spürbare Alkohol schnürten ihm den Hals zu. Er brauchte frische Luft.

„Jetzt noch die Engels“, sagte Michael.

Michael sortierte die letzten Geschenke in den großen Sack von Otto ein.

Inka Engels machte die Tür auf. Auf ihrem Weihnachtspulli starrte ein Schneemann mit einer viel zu großen Karotte Otto an. Felix, ihr Mann, kam dazu. Auch er hatte einen dieser bewußt hässlichen Weihnachtspullover an. Ein fliegender Santa Claus flog mit scheinbar besoffenen Rentieren durch eine grüne Landschaft. Das war ein Bild, wie es hier ohne Schnee weihnachtlich her ging. Eigentlich war das Motiv sogar näher an der Wirklichkeit, als die Filme im Fernsehen, die ständig eine weiße Weihnacht vorgaukelten.

Michael zuckte die Kamera und fotografierte die Engels mit Otto in der Mitte. Otto hatte schon ordentlich ein im Tee, wie im Ruhrgebiet auch gesagt wird, wenn jemand gut angetrunken ist.

„Ho Ho Ho. Ho Hei Oh Hei. Jetzt sind wir wieder dabei… hicks,“ sang Otto etwas falsch. Die drei Jungs der Engels schrien begeistert und rannten auf Otto los. Fast wäre er gestürzt. Der Alkohol ließ nicht nur seine Sinne schwanken.

Mark, der dreijährige kleinste der Truppe, zupfte an seinem roten Mantel.

„Samta Klauus! Hass wat für mir?“, sagte er in der lustigsten falschesten Grammatik, die es geben konnte. Alle lachten. Otto kramte in dem großen Sack und reichte ihm ein großes Paket. Eine Autotankstelle war darin. Die anderen zwei bekamen ihre Geschenke überreicht. Es wurden reichlich Fotos vom Auspacken und den freudestrahlenden Gesichtern gemacht. Otto war froh, die letzte Hürde auch geschafft zu haben.

Die Leute haben ja keine Ahnung. Wenn er noch mehr Familien besuchen würde, müsste er ins Krankenhaus zur Entziehungskur, dachte Otto.

Aber natürlich ging es ohne den Selbstgemachten von Opa Engels nicht aus dem Haus. Der Schluck aus dem Pinnchen der Engels war noch eine letzte Pflicht. Und das Otto nicht auf einem Bein stehen konnte, wiederholte sich logischerweise auch hier.

„Weiße Jung“, sagte Opa Engels und klopfte ihm derb auf die Schulter.

„Du trinks hier ein altet Familienrezept, musse wissen. 2 Flaschen Doppelkorn, nich den billigen Fusel, den teuren, damite Bescheid weiß. Die schüttese auf ein Kilo Kandis, weißen. Dann zwei Hände voll mit frischen Himbeern und Brombeern. Und dann, pass up, jetz kommt dat Wichtigste: Sechs Jahre lang im Keller vor Licht geschützt auf sich gestellt reifen lassen. Jetz issa fällich! Sechs Jahre sind rum! Is Premiere mit dir Otto!“

Otto schmeckte Brombeeren und Himbeeren tatsächlich auf der spitzen Zunge. Ein Zeug, was er sich unbedingt selbst machen musste. Aber sechs Jahre warten, war ihm zu lange. Wer weiß, was in der Zeit passiert?

„Sechs Jahre? Da kannse ja besser Radieschen statt Früchte nehmen, hömma,… hicks,“ lallte Otto. Alle lachten. Alkohol machte die Zunge des Brummbären Otto locker.

Schon der erste Schluck ging ihm durch Mark und Bein.

„Boah!“ Michael staunte nicht schlecht.

„Der geht durch dick und dünn. Tollet Zeuch!“

„Schluck auf!“, rief Otto. „Meine Glück auf und frohe Ostern…hicks…ich meine Weihnachten.“

Mehr Alkohol konnte er nicht mehr verkraften. Der Rückweg musste ja noch geschafft werden. Und draußen fror der feuchte Boden mit dem herabfallenden Schnee jetzt übelst. Und Cem wollte sie nochmal begrüßen und die Koslowskis auch. Oje.

„Hömma! Dat is wie Medizin!“ sagte Michael.

„Dat is Medizin“, sagte Opa Engels. Alle lachten.

„So Schicht im Schacht! Feiert alle noch schöne Weihnachten. Otto muss ich jetzt nach Hause bringen, damit er es noch schafft.“

„Ach, bleibt doch noch,“ sagte Inka. „Wir haben lecker Kartoffelsalat mit Würstchen.“

„Endlich mal kein Truthahn oder Essen für eine Armee“, sagte Otto und lachte.

„Ne, lass ma. Ich muss dat rote Kleid ausziehen. Ersma nach Hause. Danke euch!“

Die Engels hatten dafür natürlich Verständnis und entließen die beiden mit einem Lachen.

Unterwegs wollten noch ein paar Jugendliche Selfies mit dem Weihnachtsmann Otto machen. Auch Live-Videobotschaften schickten sie auf Tiktok. Einige „Ho Ho Ho“ wurden lallend ins Internet geschickt.

„Lass uns nochmal bei den Koslowskis gucken“, sagte Otto.

„Ne, Otto. Nu is Schluss. Ich bring dich ersma heim.“

„Ne. Ich will den polnischen Schinken.“

„Na gut!“

Michael war nicht begeistert. Aber die Koslowskis waren sehr gastfreundlich und froh sie nochmal begrüßen zu können. Schon stand ein volles Pinnchen polnischer Wodka mit dem Ochsengras auf dem Tisch. Der polnische Schinken und die Krakauer lächelten Otto an.

„Hau wech, die Scheiße!“ sagte Otto laut.

„Doch nicht vor den Kindern sowas sagen“, empörte sich Magda Koslowski lächelnd.

„Ach, jetzt ist auch egal“, sagte ihr Ehemann.

„Greift zu!“

Natürlich mussten sie noch Gebäck mitnehmen. Michaels Handy klingelte. Cem lallte ins Handy, wo sie bleiben würden.

Was sollte Michael sagen? Er konnte ihn jetzt nicht abwimmeln.

„Wir sind gleich da“, sagte er zu Cem.

„Nicht wundern. Wir sind echt schon Fratze, weisse. Der alte Engels hat seinen selbst Angesetzten auf uns angesetzt. Der haut mächtich rein, weisse.“

„Nur Allah is mächtich!“ lallte Cem und lachte.

Wenige Minuten später kamen sie schwankend zu den Özghans zurück. Cems Großvater war schon knapp 90, erfuhren sie.

„Opa redet von nichts anderem mehr als von der Arbeit von Untertage.“

„Ja, so isset. Einmal mitgehangen, bisse mitgefangen, weisse Bescheid!“ Otto lachte lallend und freute sich auf die Geschichten vom Opa Özghan, der ihm immer noch irgendwie bekannt vorkam. Er wußte immer noch nicht, woher er ihn kannte.

Auf dem Tisch lagen Köfte, Baklava, Teigspinatrollen mit Schafskäsefüllung und noch einiges mehr. Otto schwitzte durch das viele Alkohol und die erhitzten Häuser in seinem Kostüm. Er hatte ja darunter nochmal einen dicken Pullover, während der Opa im Sessel mit T-Shirt und Jogginghose saß und vom Bergwerk quatschte.

„Allah segnet euch! Freude, Glück und Gesundheit bringen“, sagte Cems Opa lächelnd als sie sich hinsetzten und Gün weitere Teller brachte. Schon bequatschte Opa Özghan Geschichten von Untertage. Die Pinnchen wurden mit weiteren Raki gefüllt. Sie aßen von jedem etwas. Nach zwanzig Minuten mussten sie sich verabschiedeten. Otto schwankte schon auf dem Stuhl. Michael stützte ihn.

„Ich muss ihn jetzt nach Hause bringen. Sonst fällt er hier noch in die Baklava“, sagte Michael. Alle lachten.

„Brauchst du Hilfe, Michael?“

„Ne, lass mal. Ich kenn das von den letzten Jahren. Wir schaffen das schon. Habt noch schöne Feiertage“, sagte Michael noch immer erstaunlich fit.

„Jau. Schöne Zeit euch… und hau wech den Raki. Trink für mich ein mit“, lallte Otto. Sein weißer Bart hing ihm halb herrunter. Essensreste waren überall verstreut eingegraben. Hier ein Stück Käse, da Baklava und dort ein Stückchen Spinat.

„Boah. Morgen muss ich noch zur Tante. Hoffentlich is der Kater morgen nich so groß“, sagte Otto zu Michael, als der ihm aus dem Kostüm Zuhause half.

„Kuckse ma morgen nache Müllers Wohnung, ob allet in Ordnung is? Die sind ne Woche wech, weiss Bescheid. Dann kann ich direkt los zur Tante. Ach und nimm dir den Wein da wech. Is vonne Müllers. Son Rikocha oder sowat.“

Michael lachte.

„Rijocha, Otto. Mach ich. Schlaf gezz ne Runde!“

„Boah! Ich werd zu alt für diese Weihnachtssauferei“, sagte Otto. Er schmiss sich aufs Bett ohne sich zu waschen und schnarchte im nächsten Moment.

„Frohes Fest, Otto!“, sagte Michael und verschwand aus dem Haus. Er warf einen Blick zu den Müllers. Da schien alles in Ordnung zu sein. Er ging nach Hause.

Lisa, seine Frau, wartete schon auf ihn. Michael war noch relativ fit, weil die Blumentöpfe der Nachbarn wahrscheinlich jetzt besoffene Zimmerpflanzen hatten. Seine Frau freute sich. In der Weihnachtstüte war neben dem spanischen Wein noch eine Weihnachts-CD von Wolfgang Petry, ihren Lieblingssänger. Diese fehlte tatsächlich noch in ihrer Sammlung. Woher wussten die Müllers das? Spionierten die hier herum in der Wohnung?

Egal. Sie schoben sofort die CD rein und feierten für sich den Heiligabend. Sie hatten leider auch keine Kinder. Aber das machte ihnen nichts mehr. Sie haben dieses Thema für sich abgeschlossen.

Am nächsten Tag wachte Otto mit einem dicken Kopf auf. Plötzlich fiel ihm ein, wo er Cems Großvater gesehen hatte. Er war die rechte Hand vom Steiger Bennemann, seinem Ausbilder damals, als er auf der Zeche anfing. Die Kollegen sprachen nicht nett über ihn. Morgen musste er ihn unbedingt nochmal sprechen und ausfragen. Heute musste er erstmal zur Tante. Er schluckte eine Aspirin, aß sein Frühstück und trank einen großen Pott Kaffee.

„Die Welt ist echt klein“, sagte er laut.

Draußen bauten die Kinder einen Schneemann. Es war tatsächlich genug Schnee über Nacht gefallen.

„Frohe Weihnachten, Kinners!“ rief er den Kindern von Koslowski rüber.

„Frohe Weihnachten, Onkel Otto!“

Er lächelte. Bevor er zur Tante fuhr, öffnete er noch das Paket der Müllers.

Walnüsse, gesundes Obst und eine Flasche polnischen Wodka lagen darin.

„Die Leber kriecht noch so einiget zu tun. Und dat Gesunde schenk ich der Tante, damitse noch 100 wird. Hab völlich vergessen, wat für die zu kaufen. Verdammt. Dank den Müllers,“ sagte er laut.

„Jetz abba los.“

Er stieg ins Auto und dann fiel ihm siedendheiß ein, dass er auch vergessen hatte, die Sommerreifen zu wechseln. Ach, der liebe Gott wird’s schon richten, dachte er.

Dieses Mal war er sichtlich erfreut Weihnachtsmann gewesen zu sein und nahm sich doch nochmal vor, nächstes Jahr wieder das Kostüm überzuwerfen. Irgendwann werden die Kinder zu groß sein, es gut zu finden. Doch solange es ging, würde er es machen. Michael würde ihn schon unterstützen. Er winkte Michael zu, der aus dem Fenster schaute, als er losfuhr.

Der Großvater von Cem. An den Namen konnte er sich nicht mehr erinnern. Er hatte auch nicht gefragt. Alle nannten ihn nur büyük baba. Großvater auf türkisch.

„Morgen. Morgen muss ich unbedingt nochmal hin und fragen.“

 

Ich hoffe, ich habe allen Lesern mit dieser Weihnachtsgeschichte ein wenig Freude verbreitet und das ein oder andere Herz berühren können. Frohes Weihnachtsfest!

Euer Jack Tengo

© Jack Tengo 2023

Lektorat Ewa & André Brune

Podcast I Alle Jahre wieder mit Otto und der Heilige Abend, Tannenbaum und Schneemann I Lesung & Gesang auf Ruhrpottisch I #58

Der Ruhrpottologe liest pünktlich zu Weihnachten zwei ruhrpottische Weihnachtsgeschichten und singt „Alle Jahre wieder“ mit Jack Tengo, der die Tannenbaum-Geschichte erklärt, warum und wieso und überhaupt.

Die Weihnachtsgeschichte „Otto und der heilige Abend“ ist von Jack Tengo über Otto, den Weihnachtsmann, der ein bisschen Zwiegespalten ist in seiner Situation in der Zechensiedlung den alljährlichen rotweissen Mann zu mimen. Eine lustige und nachdenklich machende Geschichte, die ich einlese, weil er durch eine Corona-Erkrankung selbst stimmlich verhindert ist.

Otto und der heilige Abend ist eine wahrlich wunderbare Weihnachtsgeschichte aus einer Zechensiedlung, wo das Zusammenhalten immer wichtig war. Es lohnt sich reinzuhören. Wer den Text lieber lesen möchte, kann es in einem weiteren Blogbeitrag tun. Am 1. Weihnachtstag veröffentliche ich Jacks Geschichte unter der Rubrik Literatur. Die Geschichte habe ich lektoriert und als ein funkelndes Stück Literatur empfunden, als ich es das erste mal gelesen hatte. Eine Geschichte, die in das Ruhrgebiet nicht nur zu Weihnachten passt.

Die zweite Geschichte ist aus dem Band Mäachen auf Ruhrpottisch Nummer 11 von dem Ruhrpottpoeten Michael Göbel. Das Andersen-Märchen „Der Schneemann“ ist in Dialektsprache von mir gelesen.

Wer es erwerben möchte mit den anderen Geschichten zusammen, kann dies über diesen Link tun:

Märchen auf Ruhrpottisch Band 11 von Michael Göbel (bod.de)

Dann erklärt Jack die Geschichte vom Tannenbaum, bevor wir abschließend „Alle Jahre wieder“ singend den Podcast zu Weihnachten abschließen.

Glück auf und frohe Weihnachten wünscht der Ruhrpottologe mit diesem Podcast!

Bleibt gesund und mir gewogen, bis die Tage!

Französischer Flammkuchen aufm Weihnachtsmarkt in Hattingen I +Fotogalerie I + Video I +Short

Weihnachtsmarktbesuch ist immer etwas besonderes in Hattingen. Die Stadt mit dem schönsten zusammenhängenden schwarz-weißen Fachwerkensemble westfälischer Bauart und kleinen Gassen ist im Ruhrpott einzigartig. Alljährlich findet sich auch auf dem Weihnachtsmarkt, der Franzosenmarkt im Krämersdorf unterhalb des Glockenturms. Neben einer intensiven Lavendelseife, Käse aus den französichen Jura-Alpen, Noisette und Salami aus Südfrankreich, machte mir ein Original aus Paris die leckerste Variante eines Flammkuchen, die ich vor Ort bekommen konnte.

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Hattingen ist auch ohne Weihnachtsmarkt sehenswert. Der Flair ist hier einzigartig, wenn man durch die Gassen schlendert. Fotomotive finden sich auf jedem Meter, genauso wie die Möglichkeit in verschiedene Cafés oder Restaurants einzukehren.

Die Weihnachtsbuden auf dem Kirchplatz der Evangelischen St. Georgs-Kirche mit ihrem schiefen Turm haben ein besonderes Ambiente. 

Drumherum gibt es Glühwein, Christstollen, Churros, Pommes Rotweiß mit oder ohne Currywurst, Reibeplätzchen oder Jagertee mit dem berühmten Schuss Rum zum Aufwärmen in der Kälte.

Youtube-Short:

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Dieses Jahr haben die Stände jedoch mit viel Regen und Wind zu kämpfen, dennoch sind busseweise Besucher aus vielen Teilen Deutschlands und auch den Niederlanden gekommen. 

Gefunden habe ich auch den Pottpourri-Stand aus Wanne. Die Inhaber machen aus Bergmannstextilien Kissen, Taschen und andere schöne Dinge aus Ruhrgebietsmotiven. Ein Souvenirlädchen der besonderen Art. Hab mir auch eine besondere Tasche und Isolierkanne mitgenommen.

Metallene Skulpturen waren ein Augenschmaus. Wer sich Giraffen oder Elche in den Garten stellen konnte, wurde hier gut bedient.

Schaut euch die folgenden Fotos an, die im Reel zu sehen waren und entscheidet selbst, ob ihr nicht schon mal im Voraus zum neuen Weihnachtsmarkt 2024 ein Bett in den idyllischen Altstadt-Hotels bucht. Bei dem Glühweinumtrunk in so einer schnuckeligen Atmosphäre, sollte ein Bett unter Fachwerkdächern nicht weit entfernt sein.

Glück auf und schöne Weihnachten!

FOTOGALERIE (c) André Brune

Wer hat den längeren Hals?
Pott-Pourri aus Wanne in Hattingen
Handgenähte Stücke aus echter Bergmannstextilie
Schicke Patriotenarmbanduhr meines Namensvetters in Hattingen
Uhrgebiet von BRUNE Schmuckmanufaktur
Käse aus den französischen Jura-Alpen
Echter Provence-Lavendel
Ein Pariser in Hattingen, der den besten Flammkuchen machen kann. So geht Deutsch-Französische Freundschaft!
Christstollen - Stand
Radfahren in der Fußgängerzone in Hattingen. In Holland normal, hier braucht es einen Hinweis.

Alle Fotos und Videos (c) André Brune – aufgenommen im Dezember 2022

Dreizehnjähriges Trompeter – Talent Elias Mutz trötet Publikum warm I +Interview I +Videos I +Fotos

Talente sind nicht einfach zu finden. Ein aktuelles Trompeter-Talent habe ich am Samstag getroffen beim Weihnachtsfest vom Podcast-Team „Bierchen bitte“ in Bottrop (Extrabeitrag folgt): Elias Mutz

Piet Metzen vom Podcast – Team hatte ihn eingeladen auf dem Weihnachtsfest zu spielen. Schon war er da. Sein Vater kümmerte sich um das Equipment und stand ihm immer zur Seite.

Elias gerade 13 Jahre jung und spielte das begeisterte Publikum warm. In meinem Interview, das für ihn das allererste Interview überhaupt war, sagte er, er übe drei Mal die Woche im Elternhaus seit vier Jahren. Er erklärte sich mit dem Einverständnis seines Vaters bereit für das kurze Interview.

Ich hätte noch gern das ein oder andere gefragt, aber ich wollte ihn nicht gleich belasten, obwohl er souverän antwortete.

Er kann in diesem Alter besser ohne Playback spielen als Stefan Mross, der bekannte Trompeter und Moderator des deutschen Fernsehens. Elias Mutz schmetterte durch die blankgeputzten Röhren mit den drei Knöpfen, was Ventile sind, ein Weihnachtslied nach dem anderen raus. Seine Eltern haben ihren Keller so eingerichtet, dass er seine Trainingsstunden ohne Probleme durchziehen kann.

Zum kompletten Interview-Video mit einigen Ausschnitten seines Könnens:

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Besonders ergreifend spielte er die Titelmelodie von „Drei Nüsse für Aschenbrödel“.

In diesem Moment hatte ich ein Klos im Hals. Die Melodie meiner Kindheit im Ohr und ein Kind zu haben, dessen Talent ich genauso fördern würde, blieb mir verwehrt. Umso schöner erfreut es mich zu sehen, was Elias kann.

Er zog alle in seinen Bann mit seiner Trompete. Im Hintergrund wurde auch getanzt zu mancher Melodie.

Komplett-Video „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ gespielt von Elias Mutz:

 

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In seine Trompetenbox wanderten reichlich Münzen. Ich ab auch einen 5er beigesteuert, damiter sich ne Trompete mit doppelt soviele Ventile kaufen kann;-)

Scherz, denn sonst mutiert sie wahrscheinlich zu einem Saxophon. Aber wer weiß?

Wer ihn einladen möchte zum musizieren, kann ihn über die neue Instagramseite erreichen:

Trompeter_Elias_M (@trompeter_elias_m) • Instagram-Fotos und -Videos

Die Trompetenkiste von Elias Mutz

Viel Erfolg auf deinem Weg mit der Trompete Elias Mutz!

Du bist ein Pottmensch, der Musik schön erklingen lässt!

Glück auf!

Instawalk aufm Weihnachtsmarkt Bochum mit Fotosiasten I +Fotogalerie I +Video

Was war das toll den fliegenden Weihnachtsmann ganz nah zu fotografieren! Dank dem Instawalk von Dennis Brögelmann und dem Stadtportal Bochum!

Dennis Brögelmann alias @fotosiasten auf Instagram hat über 10100 Follower, die seine Fotos auf der Plattform bewundern. Mit Bochum Marketing alias @stadtportalbochum auf Instagram ist eine andere Art einer Stadtführung entstanden, die ich selbst auf dem Weihnachtsmarkt am 8.12. erleben konnte.

 

Dennis bietet seine Instawalks auch über das Stadtportal Bochum an. Er fand selbst keine aktive Instagram-Szene im Bereich der Fotografie und stieß damit auf eine Lücke, die von vielen mittlerweile gern genutzt wird. Nach seinen Ankündigungen in der Community zu einem Instawalks muss man schnell mit dem Buchen sein, denn mehr als 20 Personen sollten nicht dabei sein. Es muss für Dennis auch überschaubar sein einen Instawalk noch durchzuführen. Bochum Marketing unterstützt Dennis und hat ihm im April 2019 auch einen Beitrag im BOMA gewidmet. Beim Weihnachtsmarktspaziergang wären 20 zu viel gewesen. Wir waren 11 einschließlich mir. Es melden sich auch begeisterte Gleichgesinnte, die sogar aus dem entfernten Mönchengladbach oder Münster ins Revier fahren, um es fotografisch zu entdecken.

 

Der Instawalk ist kein Fotokurs, sondern ein Spaziergang unter Fotokumpels. Alle sind gleich auf Augenhöhe und respektieren einander beim Fotografieren. Die Begehung eines Motivbereichs ist gerade besonders toll für Anfänger, Hobbyfotografen oder Menschen, die gern Profis werden wollen. Es geht auch nicht ums Besserwissen oder Anleiten der Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

 

Bei der Kameraeinstellung gibt Dennis gern Hilfestellung, wenn es nötig ist. Er führt die Gruppe vom Treffpunkt an durch die geplanten Motivbereiche. Er bietet keine Lehrstunden, sondern eine kleine Jagd nach tollen Fotos in Bochum oder anderswo im Ruhrgebiet. Begeisterte Fotografen und Fotografinnen, ob mit Smartphone, der neusten Nikon, Canon oder sonstigen Kamera können sich auf immer neue Motive freuen. Das Ruhrgebiet bietet reichliche Linsenvarianten. Es gibt neben der Industriekulturnostalgie, einfachen Wohnstraßen, Zechensiedlungen, auch eine reichhaltige Natur, die Halden und unterschiedliche Kulturen für Portraitaufnahmen. Datenschutz beachten! Beim Weihnachtsmarktspaziergang konnten wir uns wegen der Menschenansammlung nicht so über die neueste Kamera, Technik, Belichtung und Bildbearbeitung unterhalten. Das ist bei anderen Treffpunkten eher machbar.

 

Für mich war es in dreierlei Form ein besonderes Erlebnis. Erstens wollte ich den Weihnachtsmarkt ausschließlich als Fotograf entdecken, was so in der Form meist nicht passiert. Beim Weihnachtsmarktbesuch in Bochum schlendert man mit dem Kopf nach rechts und links um die Stände zu bewundern, um was zu kaufen oder um am Ende mit einem Glühbier und Gauklern bei Knoblauchbrot und Schweinespieß im Mittelaltermarkt zu versinken. Zweitens passierten mir an dem Tag natürlich mehrere Dinge, die diesen Tag natürlich nicht vergessen lassen. Drittens war es toll Gleichgesinnte zu treffen und persönlich kennen zu lernen.

 

Wir hatten die einmalige Möglichkeit der in den fünften Stock liegenden Büros von Bochum Marketing zu kommen. Die sympathischen Mitarbeiter von Bochum Marketing bzw. Stadtportal Bochum Lisa und Dustin öffneten uns die Sesamtür und die Fenster für eine einmalige Aussicht auf die rot beleuchteten Dächer der Weihnachtsmarktstände auf dem Dr. – Ruer – Platz.

 

Lisa und Dustin machen tolle Videos und Fotos für das Stadtportal Bochum auf Instagram, Facebook und Tiktok. Sie zeigen auf modern, spritzige Art und Weise die bunte Stadt Bochum vor. Dabei können tolle neue Cafés, Start-Ups oder aktuelle Veranstaltungen, wie unser Instawalk dabei sein. Jede Woche gibt es eine schön gestaltete Übersicht von Veranstaltungsterminen von Kunst, Musik und Literatur, die interessant sein können. Immer aktuell in den Storys zu sehen. Auch wir sind von ihnen gefilmt und fotografiert worden. Unterwegs jedoch versanken die beiden dann wahrscheinlich im Glühweinsumpf. Es war nicht einfach sich im großen Weihnachtstreiben wieder zu finden. Freitagabends ist bekanntlich ein Weihnachtsmarkt immer voll, besonders an den Glühweinständen. Ich habe nach dem Fotoshooting auch niemanden mehr der Truppe gesehen. Ich war zu fasziniert von den mittelalterlichen Musikern. Alle waren plötzlich verschwunden. Oder sie meinen ich wäre verschwunden gewesen. Ich konnte mich nicht mal verabschieden. Aber zurück auf Anfang.

 

Unser erster Fotografiepunkt um 19 Uhr war der besondere Blick aus den Bürofenstern der im fünften Stock liegenden Bochum Marketing GmbH auf den Dr.-Ruer-Platz. Dort warteten wir auf den fliegenden Weihnachtsmann. Bochum Marketing hat den Weihnachtsmann gebeten uns zuzuwinken, was bei den rechts stehenden Fotografen am besten eingefangen wurde.

 

Unser Fotomotiv des fliegenden Weihnachtsmanns, sowie der Blick aus dem 5. Stock runter auf das ameisenhafte Treiben auf dem Weihnachtsmarkt, war ein besonderes Erlebnis, dank des Bochumer Marketing.

Wir hatten so die einmalige Chance den fliegenden Weihnachtsmann besonders nah zu fotografieren. Im Hintergrund sieht man die im sanften Licht erhellte evangelische Pauluskirche, wo sich der Mittelaltermarkt herumschlängelt, den wir am Ende besuchten, und wo wir den Gaukler Tumalon alias Frank Pfetzing (https://tumalon.de) beim Feuerjonglieren fotografieren konnten. Zahlreiche tolle Aufnahmen wurden gemacht. Ihr könnt alle meine Aufnahmen in der Fotogalerie sehen. Besondere Fotos habe ich direkt im Anschluss des Beitrags hervorgehoben.

In den zwei Stunden, die unglaublich schnell vergingen, gab es dazwischen die Station am Rathaus, wo es erstmalig seit 1978 wieder einen Weihnachtsmarkt gab, weil der Husemannplatz zur Zeit saniert wird. Vor dem großen BOCHUM – Aufsteller haben wir dann ein Gruppenbild gemacht. Hier steht auch der VfL Bochum mit seinen Fanartikeln, die ich fotografisch eingefangen habe.

Folgende Instaprofile haben teilgenommen und könnt ihr folgen, um ihre Bilder zu bewundern. (Auf den Link klicken)

@ralf_boehler @fehleinkauf16 @mf_phototianment @dlh_foto @klupiec_photovision @danielzik.photo @mabiedo @kais_2108 @view.throught.my.lens @annagoesontour @fotosiasten

Einige Fotos wurden mir zugeschickt. Vielen Dank für die Veröffentlichungsrechte. Sie sind im Blog zu bewundern oder direkt auf Instagram.

Ein kleines Video zum Instawalk:

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Gaukler Tumalon spielt mit dem Feuer

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Fast hätte ich nicht dran teilnehmen können. Eingangs hab ich ja mitgeteilt, dass mir drei Dinge passiert sind. Und es passieren immer DREI, nie Zwei oder Vier. Verdorri nomma!

  1. Um 16 Uhr fiel mir ein, dass ich nochmal die Uhrzeit und den Treffpunkt kontrollieren wollte, doch ich fand trotz Abbuchung bei Paypal keine Buchungsbestätigung. Das war mir aber bei der Buchung am 22.11. nicht aufgefallen. Denn ich hatte damals kurz nach der Meldung dieses Instawalks in der Community sofort die Buchung gemacht. Meine schien die erste gewesen zu sein, doch das Geld ist nie angekommen, somit auch keine Buchungsbestätigung. Meine Buchung war im Internetnirvana gelandet. Dank Dustin vom Stadtportal Bochum, der meine sofortige Hilfe-Nachricht las, wurde extra für mich nochmal eine Buchung des ausgebuchten Instawalks technisch eingebaut. Danke nochmal dafür! Sonst wäre der Abend wahrscheinlich für mich schief gelaufen.
  2. Mit meiner Spiegelreflexkamera wollte ich eigentlich den fliegenden Weihnachtsmann fotografieren und mit dem Smartphone filmen. In der Schnelligkeit hatte ich leider, als er loslegte, auch mit meiner Canon ein Video gemacht, was dann auch noch von der Qualität leider nicht so gelungen ist. Auch die Fotos sind leider nix geworden. Ich hatte dafür nicht die richtige Einstellung. Aber dafür hat mein Samsung 23 Ultra sein Bestes gegeben. 400 Bilder sind genug Motive. Ich musste sogar aufpassen, denn tatsächlich hatte ich kaum noch Speicher. 512 GB waren fast weg. Mit allem Material, was ich am Abend fotografiert und gefilmt habe, konnte ich noch ein letztes Foto einer U-Bahn-Station im Bermuda-Dreieck machen. Wenigstens hatte ich das Glück, dass ich am Ende keine Möglichkeit mehr hatte zu fotografieren. Das Smartphone musste ja auch den ganzen Abend herhalten für die besonderen Motive, weil mir natürlich folgendes
  3. Passiert ist: Ich habe immer aus Sicherheitsgründen meine Kamera mit einem Band um meinen Hals. Diesmal nahm ich sie nur für ein besonderen Motivwinkel weg, um sie hoch zu halten. Denn ich wollte die dreistöckige Hubschrauberkrippe in einer gewissen Höhe fotografieren. Dabei fiel sie mir auf den Boden. Sie war nicht beschädigt, aber das Objektiv ließ sich nicht mehr drehen. Es muss repariert werden. Damit, so wußte ich, kann ich nicht die besonderen Porträtaufnahmen am Ende beim Feuerjongleur machen. Denn auch wenn das Smartphone technisch weit vorn ist mittlerweile, so sind Nachtaufnahmen mit sich bewegenden Personen bei Portraitaufnahmen nicht so sauber, wenn sie nah herangeholt werden. So sind tatsächlich alle Fotos leider leicht verschwommen. Dafür habe ich ihn gut filmen können. Hier ist das Ergebnis:

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Am Ende könnt ihr jetzt ungefähr 100 Fotos in der Fotogalerie sehen. Mehr als Zweidrittel sind gelöscht worden. Von Stefan Klupiec habe ich seine Portraitaufnahmen von mir bekommen. Vielen Dank!

Auch von Dennis Brögelmann bekam ich die Erlaubnis einige seiner Fotos zu veröffentlichen. Ralf Lastring schickte mir seine ebenso. DANKE!

Wenn ich weitere Fotos von den einzelnen Teilnehmern bekommen, so werden sie hier weiter eingestellt werden. Also ab und zu einfach nachschauen.

Wer bei diesem besonderen Fotowalk von Dennis dabei sein möchte, folgt auf Instagram @fotosiasten und geht in seine Community. Wenn ihr in Bochum ab und an dabei sein wollt und kein Instagram habt, schaut beim Stadtportal Bochum auf der Internetseite für Veranstaltungen vorbei. Ihr werdet Bochum als Motiv durch Dennis Instawalks mit anderen Augen sehen. Somit danke ich Dennis Brögelmann für diesen Instawalk und Stadtportal Bochum für ihr Engagement und den beiden Lisa und Dustin!

Glück auf!

LINKS:

Infos zu Dennis Brögelmann von Sven Berger:

Neue Perspektiven auf die Stadt – Bochum Marketing GmbH (bochum-tourismus.de)

Zum BOMA-Artikel von Bochum Marketing über Dennis Brögelmann und seinen Instawalks:

BOMA-Stadtmagazin-Veranstaltungskalender-Bochum-April-2019.pdf (bochum-tourismus.de)

Instagram-Account von Dennis Brögelmann:

@fotosiasten

Stadtportal Bochum:

Instagram

Facebook

Tiktok 

FOTOGALERIE

Dennis erklärt zu Beginn den Instawalk
Ich werd zum Elch, wat n Instawalk
Flaschengefühle Motiv gefunden
Bermudadreieck am Freitagabend im Dezember
U-Bahnstation Bermuda-Dreieck

Fotogalerie (c) Dennis Brögelmann

Alle Fotos von mir unbearbeitet in der Fotogalerie, wählt, was euch gefällt, ob gut oder schlecht, mit meinem Smartphone Samsung Ultra 23 fotografiert. 

FOTOGALERIE Copyright André Brune

 

Portraitaufnahmen von mir von (c) Stefan Klupiec

FOTOGALERIE von (c) Ralf Lastring

FOTOGALERIE (c) Ralf Böhler

Weitere Fotos folgen, wenn ich weitere zugeschickt bekommen werde. Also dranbleiben. Glück auf!