Ins Grüne heißt die besondere 50. Jahresausstellung Bottroper Künstler und Künstlerinnen. Zum vierten Mal bin ich mit Ralf Opiol alias Metropiol auf dem Wege die Kunst unserer Geburtsstadt im Josef-Albers Museum Quadrat zu sehen für Zuschauer, die sich für Kunst und auch weniger dafür interessieren. Wir wollen Kunst ohne Wissenschaft mit einfachen Erzählungen und Gedanken näher bringen.
Das Duo Ralf & André in Sachen Kunst vor der Puppe von Gereon Krebber am Eingang des Museums Quadrat
Kunst muss man nicht verstehen. Hingehen und anschauen lohnt sich, es öffnet Horizonte, stimmt einen nachdenklich, lässt einen Erstaunen oder einfach nur ratlos stehen, denn jeder hat seine eigene Interpretation, wie der Künstler oder die Künstlerin, so auch die Betrachter. Ralf hat eine andere Sichtweise als ich. Das macht uns aus als Team, wenn wir seit vier Jahren unseren Weg durch das tolle Josef Albers Museum Quadrat gehen.
Schaut in die beiden Teile rein. Es ist bestimmt nicht langweilig. Zumindest versuchen wir es so zu machen, dass keine Langeweile aufkommen kann:
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Gereon Krebber, geboren in Oberhausen, aufgewachsen in Bottrop, hatte die Ehre ein zweites Mal und auch erstmals auch draußen auszustellen. Seine plastischen Figuren wirken für mich wie Außerirdische Utensilien. Ralf sieht darin etwas anderes. Ihn und einen Teil beschauen wir uns im ersten Teil.
Es macht deswegen auch jedes Jahr aufs neue Spaß auch den Menschen Kunst so näher zu bringen, die sich nie damit befassen würden. Wir empfehlen Teil 2 weiter zu schauen mit unglaublich interessanten weiteren Werken, die im Obergeschoss hängen.
Wenn wir uns etwas über etwas lustig machen, dann ist das mit Humor untermalte Kunst.
Als 1975 die erste Jahresausstellung startete hatten 67 Künstler 90 Kunstwerke eingereicht. 50 Jahre später wurden 308 Kunstwerke von 94 Künstler:innen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 11.1.26 zu sehen:
ausschließlich für Gruppen mit gebuchtem Programm*
Mittwoch bis Sonntag
11 – 17 Uhr
Donnerstag
11 – 19 Uhr (an Feiertagen bis 17 Uhr)
Geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar
Josef Albers Museum Dauerausstellung
Eintritt frei
Museum für Ur- und Ortsgeschichte Dauerausstellung
Eintritt frei
Sonderausstellung Robert Smithson in Europa
8 Euro ermäßigt 4 Euro
Bitte beachten Sie, dass wir keine Zahlungen mit American Express-Karten ermöglichen können. Please note that we cannot accept payments with American Express cards.
Freien Eintritt bei Sonderausstellungen haben – Bottroper Bürger:innen an Freitagen, – Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Schüler:innen, – geflüchtete Personen und eine Begleitperson, – Personen mit Schwerbehinderung (ab 80 % GdB) und eine Begleitperson, – Inhaber:innen eines Presseausweises, – Mitarbeiter:innen der RuhrKunstMuseen, – Mitglieder des Museumsvereins des Museumszentrum Quadrat, des ICoM (International Council of Museums), des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte e.V., des Deutschen Museumsbundes e.V., des Bundesverbandes Museumspädagogik e.V. und – Inhaber:innen der RuhrKulturCard (einmalig)
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Vernissage der Jahresausstellung im Bilderkarrussell:
Ralf Opiol (Metropiol) in Erklärungsaktion (Fotos von (c) André Brune während der Videoaufnahme entstanden:
Einblick auf Gereon Krebbers Einzelausstellung (Fotos sind während der Videoaufnahme entstanden) (c) André Brune
Gereon Krebbers „Puppe“ liegt vor dem Eingang
Fast alle Kunstwerke der 50. Jahresausstellung Bottroper Künstler:innen (einige Fotos folgen nach, weil während der Videoaufnahme fotografiert diese leicht verschwommen waren) (c) André Brune:
Ein schweifender Blick in die Ausstellungsräume (c) André Brune
Kunstwerkliste mit Preisen (eine fehlt und wird fotografisch nachgereicht)
Ruhrpottologe André Brune & Metropiol Ralf Opiol haben sich auch dieses Jahr wieder zusammen getan und gehen durch das Josef-Albers-Museum Quadrat in Bottrop, um sich die Bottroper Kunst von 2024 anzusehen. Da dieses Mal sehr viel zu besprechen ist, ist es diesmal nur als Videopodcast zu sehen und wird nicht als Podcast zum Hören erscheinen. In Teil 1 wird die Einzelausstellung von Rebecca Bujnowski als erstes angesehen und der untere Teil im Museumsbereich, bevor im zweiten Teil alle anderen Bilder im Eingangsbereich gezeigt und besprochen werden.
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Es war wieder eine sehr sehenswerte Ausstellung, die auch kritische Themen von Mikroplastik im Meer bis hin zu tanzenden Bäumen und futuristischen Fotos oder mühselig mit einer Schreibmaschine beschriebene Seiten. Auch Gereon Krebber hat eine Skulptur beigesteuert, der 2025 in der 50. Jubiläums-Jahresausstellung eine Einzelausstellung bekommen wird.
Der zweiteilige Videopodcast ist eine Nachbereitung zur Ehrung aller teilnehmenden Künstler und Künstlerinnen, damit das nicht verloren geht.
Dieter Seifert ist ein Brückenbauer zwischen der Stadt seiner Kindheit Halberstadt und seinem Wohnort Bochum. Einerseits ist er mit Herzblut als Gästeführer im Eisenbahnmuseum Dahlhausen einmal die Woche unterwegs, andererseits setzt er sich für seine besondere Spendenaktion ein. Im Podcast erfahrt ihr einiges über das Eisenbahnmuseum und Dieters Spendentouren für den Hospizverein Regenbogen:
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Dieter Seifert ist selbst seit Jahren als Sicherungsfahrer mit den Vereinigten Motorradstaffeln und vielen anderen Ehrenamtlichen bei den Biker4Kids dabei. Hier bekam Dieter den Funke selbst für einen guten Zweck Spenden zu sammeln. So entstand die Idee mit der Spendensammlung für den Hospizverein Regenbogen in der Stadt seiner Kindheit: Halberstadt.
Dieter vor seinem ehrenamtlichen Arbeitsplatz an der Drehscheibe im Eisenbahnmuseum Dahlhausen
Was sind die Biker4Kids?
Das was im Ruhrgebiet die Kinderfahrten sind, die ich selbst zwei Mal begleitet und worüber ich berichtet habe, gibt es seit 2007. Begeisterte Motorradfahrer*innen aus Düsseldorf und Umgebung unterstützen die Kinderhospizarbeit in Düsseldorf.
Der Start war in der Eifel. Die Geschwister von Kindern mit der lebensverkürzenden Krankheit AKHD wurden zu einer Motorradtour eingeladen. Die einmalige Aktion wurde so begeistert aufgenommen, dass dieser ehrenamtliche Dienst dauerhaft durchgeführt werden sollte. So entstanden die Biker4Kids, die nicht nur die erkrankten Kinder, sondern auch die Familien und Geschwister einbinden, die täglich mit der Belastung leben. Mittlerweile fährt auch ein großer Bus mit, der die Kinder und Familienangehörigen mitnimmt, die nicht auf einem Motorrad mitfahren können.
So entstand der jährliche Motorradkorso und zusätzliche monatliche kleinere Aktionen, um die belasteten Menschen ein wenig Freude in ihren Alltag zu bringen.
Es gibt einen monatlich stattfindenden Stammtisch, wo die Projekte besprochen und geplant werden, dadurch finden auch spontane Ausfahrten statt.
Die Idee der Spendenfahrten nach Halberstadt hatte Dieter durch die Teilnahme bei den Biker4Kids bekommen. Nun fährt er für einen guten Zweck mit seiner Suzuki nach Halberstadt und macht im August jedes Jahr eine Abschlussfahrt mit einem gut herangewachsenen Spendenscheck.
Auf seiner Internetseite https://bikersammeltspenden.de zeigt er neben seinem Engagement für den Hospizverein Regenbogen auch mit Fotos sein Halberstadt und die Orte, die er auf seinen Motorradtouren unterwegs besucht.
Halberstadt hat verwinkelte Gassen mit schnuckeligen Fachwerkhäusern, die zum Teil noch aus dem 15. Jahrhundert stammen und Touristen zum Flanieren einladen. In der DDR – Zeit verfiel die Bausubstanz stark. Mittlerweile ist es ein blühender Kern geworden.
Der Anfang der Spendensammlung für den Hospizverein Regenbogen
Im Jahr 2023 begann Dieter Spenden von Freunden und Bekannten zu sammeln für den Hospizverein Regenbogen. Er konnte auch einen Apotheker in Dahlhausen zu einer größeren Spende bewegen, so das eine erste Spendenübergabe von 1013,13 € zusammenkamen.
Dieter nimmt seine Spendenaktionen sehr ernst. Er wird das machen, solange es seine jetzt siebzig Jahre alte Knochen schaffen werden, sagte er mir. 2024 steigerte sich der Spendenbetrag auf 1413,13 €.
Erfolgreichste Sammelaktion 2025 für den Hospizverein Regenbogen
Im dritten Jahr 2025 von Dieters Spendenaktion bekam er Unterstützung von Mario Hinze. Als Team bekamen sie 5441,13 € durch viele Spenden aus Halberstadt und Umgebung hauptsächlich zusammen. Die Spenderfirmen werden auch auf seiner Internetseite erwähnt.
In diesem Jahr brauchte der Hospizverein ganz viel Geld. Denn im Jahr 2025 musste der Hospizverein hauptamtliche Koordinatorinnen ausbilden. Die Krankenkassen finanzieren zum Großteil die Hospizvereine, ersetzen auch Personalkosten, aber sie finanzieren nicht Aus- oder Fortbildung. So wurde plötzlich für zwei Hospizmitarbeiterinnen für eine nötige Ausbildung 7500 € gebraucht. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?
Dieter und Mario haben somit dann mehr als dreiviertel durch Spenden decken können. Respekt!
Für das Jahr 2026 sind schon Ende des Jahres wieder einiges zusammengekommen: 575,35 €. Das könnte das vorherige Spendenergebnis toppen. Das wünsche ich dieser besonderen von Dieter angeleierten Spendenaktion, dass sie weitergehen wird und das Hospiz ohne geldliche Probleme für die Menschen da sein kann, die ihren letzten Weg dort verbringen.
Die wilde 13
Jedes Jahr „rundet“ ein Modelleisenbahnfreund als letzter Spender auf mit der Endung von 13 Cent. Das wurde jetzt mit der örtlichen Presse zu einem „Running Gag“ und wird nun jedes Jahr so durchgeführt. Die tolle Idee entstand durch den Müllwerker und Modellbauliebhaber Jens: „Jens, der Lokomotivführer und die wilde 13“ in Anlehnung an Michael Endes Roman über Jim Knopf.
Ehrenamtlicher Gästeführer im Eisenbahnmuseum Dahlhausen
Der gelernte Buchdrucker Dieter ist umtriebig und hartnäckig in seiner Sache. Das ist als ehemaliger Betriebsratsvorsitzender und Gewerkschafter auch nötig. So auch bei der Gästeführung im Eisenbahnmuseum Bochum – Dahlhausen. Dort arbeitet er seit 2018 gern im Team für Gleisarbeiten. An einem Tag pro Woche erklärt er lebhaft und voller Begeisterung den Besuchern von der Drehscheibe aus, die Geschichte und Technik des Eisenbahnmuseums und Dampflokbetriebs in Bochum. Er dreht sich gern einmal im Kreis für alle, um sie zu zeigen, wo die Loks drauf fahren, wie sie zu ihrem Bestimmungsort kamen und auch heute noch kommen: In den Lokschuppen, zur Reparatur, zum Posieren, Rangieren oder Abstellen.
Eine weitere Gruppe hört begeistert den Worten von Dieter zu, um das Eisenbahnmuseum besser kennenzulernen
Verschlafenes altes Ruhrgebiet
Geboren wurde Dieter Seifert in Unna. Nach Halberstadt kam er zu den Großeltern, die ihn eine Zeit lang erzogen bis er zurück ins Ruhrgebiet kam, wo er Dortmund als verschlafenes Nest gefühlt erlebte. Nirgends ein Straßencafé, aber verrauchte Kneipen waren an jeder Ecke zu finden. In Frankfurt lernte er in einer gewerkschaftlichen Bildungseinrichtung zwei Jahre lang Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Er liebte das Straßenleben dort, was im Ruhrpott zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu finden war.
Anfang der 1990er kam er wegen der Arbeit zurück ins Ruhrgebiet. Mit seiner in Sachsen-Anhalt kennengelernte zukünftige Frau Elisabeth zogen sie nach Essen und staunte, wie sich das Ruhrgebiet verändert hatte. Mit 59 ging er in Altersteilzeit und zog mit seiner Frau in eine seniorengerechte Wohnung in Bochum-Dahlhausen nah am Eisenbahnmuseum.
Das Ruhrgebiet hat sich stark verändert zum Positiven, betonte Dieter im Gespräch. Er fühlt sich angekommen und liebt seine Arbeit im Eisenbahnmuseum. Die Kinder der Besucher bindet er immer ein in den Erklärungen und animiert sie etwas an der Drehscheibe zu machen, damit sie sich nicht zu sehr langweilen. Sie dürfen die Hupe drücken oder die Weiche stellen.
Besucher lernen auch die Anfänge der Bahn an der Ruhr mittels eines Modells kennen
Geschichte des Eisenbahnmuseums
Die deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, die heute noch Eisenbahnmuseen in Karlsruhe betreibt, wurde im Frühjahr 1969 gegründet worden. Die Gesellschaft hat dann direkt zugeschlagen. Es hat ein paar Jahre gedauert, denn die Deutsche Bahn wollte das Gelände einfach verfallen lassen.
Aus den Verhandlungen gingen sie jedoch zufrieden hinaus. Sie verdienten ja Geld mit der Vermietung. Anschließend wurde die Gleisseite museumsgerecht umgebaut werden. Fahrzeuge wurden beschafft, um das Museum zu füllen. Der Dampflokbetrieb in Deutschland wurde 1973 eingestellt. Einige Dampfloks konnten vor dem Verschrotten für das Museum gerettet werden.
(auf das Eisenbahnmuseum gehe ich extra noch einmal ein)
Auch auf dem Museumsgelände darf eine Lore nicht fehlen. Diese stammte aus der Zeche Carl Funke
Dieter erzählte mir, dass zur Zeit der dampfenden Bahn 50 Meter rechts und links der Schiene immer frei geschnitten wurde, damit das Grün im Sommer der Hitze mit dem Funkenflug nicht in Berührung kommen konnte, um einen Waldbrand zu erzeugen.
Dampfloks konnten auch Waldbrände verursachen, wenn nicht 50 Meter an beiden Seiten ständig gerodet worden wäre
1977 zog eine Dampflok den Museumszug bis zum Hauptbahnhof Hagen. Anfangs öffnete das Museum auch nur drei Tage die Woche. Sogar der Samstag war geschlossen. Das habe ich selbst mal erlebt, weil ich mit meinem Vater ins Museum wollte, und es war geschlossen. Wir landeten dann im Kloster Stiepel und aßen dort was. Den Besuch haben wir ein paar Wochen später nachgeholt. Das ist aber auch schon etwa 20 Jahre her…
Lerne die wichtigen Signale kennen
Kinder haben viel Platz im Museum
Auf dem Eisenbahnmuseumsgelände haben die Kinder viel Platz zum Austoben und Spielen, wenn sie die Loks und Waggons nicht interessiert. Falls es schlechtes Wetter gibt, können sie in der Lokleitung mit der Holzeisenbahn im Kinderspielzimmer spielen. Einmal im Jahr gibt es auch ein Kinderfest.
Kindertage sind alljährlich im August
Ein Transrapid im Ruhrgebiet
Eine technische Meisterleistung und moderne Augenweide im Bochumer Eisenbahnmuseum
Der Transrapid war eine neue Technik. Ein deutsches Patent, dass die Eisenbahn revolutionieren sollte im neuen Jahrtausend. Das technische Wunderwerk deutscher Ingenieurskunst stand in Bayern herum und gammelte vor sich hin. Das Eisenbahnmuseum Dahlhausen konnte es für symbolische 1 € retten und steht mit geldlicher Unterstützung der Sparkassenstiftung NRW von 250000 € für den Transport und das Aufstellen nun seit September 2024 auf dem Gelände vom Eisenbahnmuseum.
Eine Dachdeckerfirma musste erst mal die Lecks oben flicken, damit nicht noch mehr Feuchtigkeit den Innenraum zerstört. Dort befinden sich hauptsächlich Kabel, die aus dem Innenleben hervorlugen, statt bequeme Sitze. Vorerst ist das Gefährt nur gesichert vor noch mehr Verfall. Es wird noch einige Jahre und etliche Spendengelder dauern bis für Besucher und Besucherinnen den Transrapid auch von innen zeigen zu können. Priorität haben die Fahrzeuge mit denen gefahren werden kann auf der Ruhrtalstrecke.
Ruhrtalbahn
Eröffnet wurde die mittlere Ruhrtalbahn 1874. Sie diente für den Abtransport der dort entlang geförderten Kohle aus den Zechen, sowie der Industrie, die sie brauchte. Personenverkehr war eher nebensächlich. Als 1971 sich das Befahren auch nicht mehr für Personen lohnte, wurde lag die Strecke brach.
Der Blick über einen verrosteten Dampfkessel auf das große Gelände vom Eisenbahnmuseum
10 Jahre später nahm der Museumsverkehr die fahrt wieder auf und konnte den schon 1973 verbotenen Dampflokbetrieb als historische Bahnfahrt begeistern. Heute kostet die Fahrt mit der Dampflok bis zu Endstation Wengern-Ost hin und zurück 26 €. Mit der Diesellok 20 €.
Alles muss immer geölt werden, damit nichts kaputt geht
Oft genug werden historische Filme im Eisenbahnmuseum mit den funktionierenden Dampfloks und historisch getreuen Waggons gedreht. Unter anderem wurde hier Sönke Wortmanns mittlerweile schon zum Klassiker gehörenden „Das Wunder von Bern“ gedreht.
Der wichtigste Ort für eine alte Filmkulisse im Museum ist der Bahnhof
Fünf Tage lang wurden die verschiedensten wichtigen Szenen in der weltweit meist gesehenen Filmserie Deutschlands produziert von der ARD und Sky: „Babylon Berlin“. Die Verfilmung der Krimiromane von Volker Kutscher sind hier und im Bahnhof Krefeld aufgenommen worden und versetzen die Zuschauer in eine Zeit kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wo die Romane anfangs spielen. Die Verfilmungen gehören zu den bisher teuersten Produktionen des deutschen Fernsehens.
Die ehrenamtlichen Museumsführer oder Bastler kriegen nichts mit. Sie reparieren oder sanieren dann Loks, Waggons oder andere wichtigen Dinge im Museum. Weil das Museum dann geschlossen ist.
Ehrenamt Eisenbahnmuseum
Dieter in Aktion an der Drehscheibe
Wer handwerklich etwas kann, der ist auch gern gesehen. Angst zu haben braucht man nicht. Hier wird Mann und Frau beigebracht mit welchem Werkzeug an der Lok geschraubt werden muss. Dieter selbst ist gern im Gleisbauteam. Denn Gleise müssen immer mal wieder ausgetauscht werden. „Das Lösen der Schrauben ist die schwerste körperlich Arbeit, doch dann kommt der Bagger, um die Schienen herauszuholen“, sagte Dieter.
Im musealen Bereich sind es hauptsächlich Holzschwellen. Das Eisenbahnmuseum arbeitet mit einigen Kalkwerken, wie in Wülfrath, zusammen. Die Holzschwellen werden dort regelmäßig ausgetauscht, die dann dem Museum gegeben.
120 Ehrenamtliche helfen hier. Es ist ein Mitmach-Museum. Jede und Jeder ist herzlich eingeladen mitzumachen.
Manchmal kommen welche von weiter her für vier oder fünf Tage für Arbeiten an den Loks, wenn es um Getriebe oder schwereren Reparaturen geht, die hier nicht jeder kann. Es gibt Ehrenamtler, die nach ihrer Arbeit noch abends zum Schrauben kommen.
Gruppenführungen möglich
Auch an geschlossenen Tagen kann eine Gästeführung durchgeführt werden auf Anfrage. Eine Gruppenführung bis zu 10 Personen kostet 230 € zur Zeit und jede weitere Person 10 € zusätzlich.
Lohnenswerter Besuch im Eisenbahnmuseum
Ein Besuch im Eisenbahnmuseum lohnt sich auch für technisch Nichtinteressierte. Hier wird man in eine andere verlorene Zeit versetzt. Ob die alte Schienenbahn oder ein Waggon vom Orientexpress. Ein Blick in Waggons oder Loks lässt einen nostalgisch werden.
Auch spezielle Waggons sind aufbereitet für die Besucher
Die Eintrittspreise sind mehr als moderat für das, was das Museum bietet und immer in Stand setzen muss. Es gibt auch eine Jahreskarte, damit man nicht immer den Eintritt zahlen muss. Mit der Ruhrtopcard kommt man einmal im Jahr auch kostenlos rein. Familien mit Kindern haben nicht nur mit einer Dampflokfahrt durch das Ruhrtal eine besondere touristische Möglichkeit vor der Haustür im Ruhrgebiet, sondern auch einen großen Spielplatz mit Mehrwert.
Spielen erlaubt
Bücher und Souvenirs im neuen Eingangs- und Ausgangsbereich des Museums
Eisenbahnmuseum Bochum – Dahlhausen
Öffnungszeiten
Saison vom 01.03.2025 bis 16.11.2025
Dienstag bis Samstag & an allen Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr
letzter Einlass: 16 Uhr
Montags geschlossen (Ausser an Feiertagen)
Freundliche und angeleinte Hunde sind im Museum willkommen
Eintrittspreise
Erwachsene: 11,00 €
Kinder (6-14 Jahre): 5,50 €
Familie (2 Erw. + Kinder): 28,00 €
Saisonkarte Erwachsener: 88,00 €
Zahlungen mit EC-Karten nur für Eintritt
Gruppenführungen bis 10 Personen 230 €, jede weitere 10 €
Die Stadt Gelsenkirchen feiert 150 Jahre und kaum einer im Ruhrgebiet hat es bemerkt. Wir feiern es im Podcast und besprechen die bewegende Geschichte eines Dorfes aus dem Jahr 1150 namens Geilistirinkirkin.
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Der ursprüngliche Name der „Stadt mit geilen Stieren um eine Kirche herum“, so eine mögliche Erklärung des mittelalterlichen Namens in der Neuzeit, hat aber eine andere Bedeutung. Das klären wir im Podcast und erzählen noch viele weitere interessante Dinge über die Stadtwerdung im Jahr 1875.
Natürlich darf der nördlich der Emscher liegende heutige Stadtteil Buer mit seiner eigenen Geschichte nicht fehlen. Dort war übrigens die letzte Hexe im Ruhrgebiet gefasst worden. In Buer ging es herrschaftlich streng katholisch auf Schloss Horst und Berge zu.
Die Stadt hat viel mehr zu erzählen als die negativen Schlagzeilen, wie die eines Engländers, der während der Fußballeuropameisterschaft 2024 die Stadt mit einem kleinen Video weltweit zur übelsten Stadt herabgewürdigt hat. Nicht nur dass es in Großbritannien mit Sicherheit noch schlimmere Ecken gibt, sondern nun muss der Rat der Stadt nach den Kommunalwahlen auch mit einem gewählten stellvertretenden AfD-Bürgermeister, den ersten der blauen ewig meckernden rassistischen Partei im Ruhrgebiet klar kommen, die haushohe Stimmen sogar bei Migranten bekommen hat.
Wenn Remigration passiert, kann Gelsenkirchens stellvertretendender Bürgermeister Norbert Emmerich dann das Licht ausmachen.
Gelsenkirchen setzt Maßstäbe auf ganz eigene Art und Weise, nicht nur mit einem Korruptionsskandal bei den örtlichen Müllentsorger Gelsendienste, sondern auch mit positiven Dingen, wie Swiftkirchen oder der kommenden IGA 2027, sowie ganz vielen kleinen und großen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Musiktheater. Darauf gehen wir allerdings im zweiten Teil mehr ein.
Am Ende besprechen wir diesmal kein Ruhrpottwort, sondern woher der Ausdruck Gelsenkirchener Barock stammt und was es bedeutet. Wir werden im nächsten Teil nochmal auf den Ausdruck die Stadt der 1000 Feuer kommen und die Sehenswürdigkeiten näher beleuchten.
Im dritten Teil folgt die Geschichte des weltweit viel beachteten Fußballvereins, den die Stadt prägt, wie kaum eine andere Mannschaft mit ihren Höhen und Tiefen in der ersten und zweiten Bundesliga: Schalke 04.
Gelsenkirchen ist eine spannende und trotz aller negativen Schlagzeilen eben wirklich eine sehenswerte Stadt, die man kennenlernen muss im Ruhrgebiet. Sie ist wirklich der Ruhrpott gewesen. Sie hat ihn bekommen im Fußball und wurde durch den Visionär und Industrieboss Friedrich Grillo zur Großstadt.
Alle industrielle Wirkungsstätten aus Bergbau und Stahl, Drahtzieh- und Chemiewerken, sowie Textilfirmen haben die Stadt zur reichsten in Deutschland gemacht. Das Schließen der Industrie nach und nach ließ Gelsenkirchen jedoch zu einem der ärmsten werden in ganz Deutschland, die das Image ständig aufpolieren muss.
Dabei kann sie es ohne Probleme. Das muss sich nur in den Köpfen der anderen, die die Stadt allein wegen des Namens schon meiden, ändern. Wir versuchen das in unserer Podcastreihe Ruhrgebiet erklärt.
Der vierte und letzte Teil unseres geschichtlichen Panoramas über den Bochumer Verein enthält die Infos zur Jahrhunderthalle, wie sie entstanden und was sie heute ist: Eine Eventhalle, wie zu ihrer Ursprungszeit 1902 in Düsseldorf. Dort hat sie als Ausstellungshalle für den Bochumer Verein gedient, bevor in ihr die Gaskraftzentrale des Stahlwerks entstand.
Wir reißen die Situation der Reste der Firma auf, die heute einen chinesischen Investor gehört. Als GmbH stellt sie hochwertige Radsätze für die Eisenbahn her – sozusagen traditionelle Produkte. Sie hat aber auch eine kleine Schattenseite bekommen, als mit den Radsätzen in Eschede das größte ICE-Eisenbahnunglück der Geschichte passiert ist 1998. Dadurch sind aber noch höhere Maßstäbe gesetzt worden, die seitdem unfallfrei laufen.
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Nach dem Ende der Herstellung von Stahl im Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahl unter Krupp Ende der 1980er setzten sich die Bochumer zusammen an einen Tisch und entwickelten ein neues Naherholungsgebiet in der Stadt, das seinesgleichen suchen sollte.
Gleichzeitig wird die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Ausstellungshalle und Gaskraftzentrale einer neuen Funktion zugeführt. Als Jahrhunderthalle, deren Name zu diesem Zeitpunkt plötzlich entstand, sollte sie weltberühmt werden mit der Ruhrtriennale, die hier jährlich gastiert oder dem historischen Jahrmarkt und vielen anderen Events.
Damit schließt sich der Kreis des Gründers Jacob Mayer und die mit ihm entstandene große Geschichte einer Firma, die Stadt Bochum mit den Bergwerken zusammen aus einem Dorf eine Großstadt hat werden lassen.
Sein Grab wird es ebenfalls weiterhin geben im Kortumpark hinter dem Hauptbahnhof Bochum. Und so können wir uns dem nächsten Projekt widmen in dieser Podcastreihe: 150 Jahre Gelsenkirchen.
Übrigens klären wir auch auf, woher das Wort „pennen“ kommt, denn es ist ein Wort, dass nicht nur im Ruhrgebiet gesprochen wird und auch gar nicht von hier wech kommt. Nur damita Bescheid wisst!
Glück auf, wie auch die Stahlarbeiter wohl sagen, weil sie die Kohle brauchten, um Stahl zu erzeugen.
In Teil 3 unseres gemeinsamen Projektes ‚Ruhrgebiet erklärt‘ Folge 16 sprechen wir über die eher unrühmliche Vergangenheit unter der Herrschaft des Nationalsozialismus, Zwangsarbeit und die Nachkriegszeit vom Stahlhersteller im Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahl AG.
Ein nicht ganz so einfacher Podcast, der in Hitradio Ruhr seine Premiere hatte eine Woche zuvor.
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Wer nur der Reihe „Ruhrgebiet erklärt“ mit mir und Jack Tengo folgen möchte:
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Die Firma hat sich sehr unrühmlich verhalten. Viele Zwangsarbeiter wurden ausgenutzt, um die Rüstung am Laufen zu halten. In Bochum gab es ein Außenlager vom KZ Buchenwald. Das sagt schon genug aus, wie die Situation in Bochum war. Und es sagt aus, dass Verantwortliche wußten, was mit denen passierte, die nicht mehr arbeitsfähig waren. Jahrzehntelang wurden Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen nicht entschädigt. Aber wie das genau war, dass wird in einem anderen Podcast der Stolperstein-Reihe besprochen werden.
Die Nachkriegszeit hat dem Bochumer Verein nach einem Aufschwung wirtschaftlich stark zugesetzt. Es wurde auch woanders und billiger Stahl hergestellt. Eine Aktienmehrheit von Krupp hat so die Übernahme vom8 Bochumer Verein Generationen nach dem alten Alfried endlich möglich gemacht. Die Situation war dann aber leider so, dass Krupp in Bochum das Werk nach und nach eher abwickelte. Durch Managementfehler sind die Herstellungsverfahren einfach veraltet gewesen und sie wurden nicht mehr ersetzt.
Natürlich flechten wir jetzt immer ein Ruhrpottwort ein, um es zu erklären, woher es stammt und ob es wirklich von hier kommt. Oder was man noch so sagt.
Der Bochumer Verein lebt noch. Und einige Hallen werden auch noch genutzt für Herstellung von speziellen Radsätzen im Eisenbahnbau. Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH ist keine Aktiengesellschaft mehr. Die Firma prüft auch Materialien. Im vierten Teil reden wir über die moderne Firma, aber sprechen auch über den die Jahrhunderthalle, ihre Geschichte und den Ursprung als Ausstellungshalle, sowie ihre Architektur, den heutigen Westpark auf dem Ursprungsgelände des Stahlwerks nah der Innenstadt und reißen die Ruhrtriennale an. Das es weitere Veranstaltungen in der Jahrhunderthalle gibt ist selbstverständlich. Als da wären der historische Jahrmarkt oder im Jahr 2025 die studentische Sportveranstaltung FISO. Die Jahrhunderthalle und das Gelände hat einen großen Mehrwert für die Stadt Bochum und gilt als ein internationaler Must-See touristischer Ausflugsort des Ruhrgebiets.
Für die Opfer von Eschede, die bei dem schwersten ICE-Unglück am 3.6.1998 ums Leben gekommen sind, legen wir am Ende eine Schweigeminute im Podcast ein. Dieses Unglück hat zu einer noch größeren Material- und Sicherheitsüberprüfung bei der Bahn geführt, damit dies nicht wieder passieren kann. Damals war der Bochumer Verein unter die Lupe genommen.
2016 war ein Schnittpunkt für die traditionelle deutsche Firma. Sie wurde von Full Hill, einem chinesischen Investor gekauft. 2022 wechselte der Geschäftsführer. Die Spezialisierung war wohl wirklich sehr wichtig für das Überleben dieses Restunternehmens, aber hat nur entfernt mit dem Ursprung der Gusstahlfabrik Meyer & Kühne zu tun. Auf dem Gelände steht kein Hochofen mehr, der den Stahl zu einem Rad formt.
Andere Teile der Firma, wie die große Stahlverarbeitungshalle in Höntrop, die in den 1920er Jahren die größte der Welt war, sowie die in Bochum anderen verteilten „Herstellerhallen“ gehören mittlerweile anderen Firmen. Eine wurde kürzlich im Oktober 2025 von ThyssenKrupp geschlossen. An der Castroper Straße wird nun nichts mehr produziert und die Stadt Bochum setzt sich schon hin, um das Gelände neu zu gestalten, wie es schon mit dem Opel-Gelände passiert ist. Bochum ist das Markenzeichen für positiven Strukturwandel im Revier und schaut nach vorn.
Glück auf ist übrigens der Gruß der Stahlleute ebenfalls nutzen, weil sie eng mit dem Bergbau verbunden sind. Ohne Kohle, keine Stahlerzeugung. Die Zeche Carolinenglück, wovon noch ein Fördergerüst an der Erzbahntrasse unter Denkmalschutz steht, gehörte dem Bochumer Verein.
Damit endet der letzte Podcast über den Bochumer Verein. Alles konnten wir nicht reinpacken. Das hätte den schon großen Rahmen noch größer gemacht und gesprengt. Es hat Spaß gemacht, ihn zu kreieren. Die nächsten folgen und werden das Ruhrgebiet erklären.
Viel Spaß dabei! Für weitere Infos geht auf die Quellen und weiteren Informationen :
Im Teil 2 erzählen wir das Großwerden von einer kleinen Hütte auf einem Ackergelände vor den Toren Bochums bis zum zweitgrößten Stahlhersteller Deutschlands. Immer moderner werdend mit immer neuen Stahlherstellungsverfahren setzte die Bochumer Verein Gussstahlfabrikation AG immer neue Maßstäbe.
In Folge 15 der Podcast – Reihe ‚Ruhrgebiet erklärt‘ erzählen wir über den wirtschaftlichen Verlauf von den Anfängen über den Ersten Weltkrieg bis kurz vor der Machtergreifung von den Nationalsozialisten.
Zum Videopodcast:
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Wer nur den Podcast „Ruhrgebiet erklärt“ mit mir und Jack Tengo folgen möchte:
Wir erklären so einfach wie möglich das ein oder andere technische Verfahren. Denn das Bochumer Werk und die weiteren Werke in Weitmar, Langendreer und Höntrop bekommen stetig die modernsten Erfindungen zur besseren Stahlherstellung.
Bergbau und Gußstahlfabrikation Bochum Expo 1873 (Urheberschutzrecht aufgehoben – Quelle Wikipedia)
Der Neustart und das Großwerden zu einem weltweit bekannten Unternehmen unter dem Generaldirektor Louis Baare und die Personen dahinter und danach werden erwähnt. Wir vergessen auch nicht die sozialen, aber auch sozialkritischen Maßnahmen von Louis Baare für die geschundenen Hilfsarbeiter und die Verbindung zu Otto von Bismarck, sowie auch die Unterdrückung der Arbeitnehmer, die für einen Akkordlohn, eine Wohnung oder Zimmer trotzdem jederzeit ohne Kündigungsschutz gearbeitet haben.
Bochumer Verein Hochöfen (um 1920) (Urheberschutzrecht aufgehoben – Quelle Wikipedia)
Im dritten Teil kommt das dunkle Kapitel, das der ausgezeichnete Musterbetrieb der Nazis für eine unrühmliche Rolle, besonders in Sachen Zwangsarbeit spielte und besprechen den Weg der Nachkriegszeit bis zur Übernahme von Krupp und das Fast-Ende vom Bochumer Verein. Dieses Kapitel brauchte einfach einen zusätzlichen Podcast.
Bochumer Verein, 1898 (Urheberschutzrecht aufgehoben – Quelle Wikipedia)
Im vierten Teil gehen wir auf die Gegenwart vom Bochumer Verein, die Geschichte und Architektur der Eventstation Jahrhunderthalle Bochum ein und erklären die Ruhrtriennale und andere Attraktionen die jedes Jahr aufs neue die entstandene Parkanlage zum Leben bringen.
Viel Geschichte, die wir jedoch mit Humor unterlegen, damit es nicht zu langweilig wird, obwohl Geschichte nie langweilig ist.
Wir haben eine Menge Quellen gefunden und Links wer sich für mehr Informationen interessiert:
Der neue „Ruhrgebiet erklärt“ aus der Reihe „Ruhrpottologe unterwegs im Ruhrgebiet“ ist Teil 1 einer vierteiligen Reihe über den Stahlhersteller Bochumer Verein. Jack Tengo und ich beginnen mit den wichtigsten Personen ohne die das Unternehmen gar nicht erst gewesen wäre: Jacob Mayer, Eduard Kühneund dem Generaldirektor Louis Baare, der kam, als die kleine von Konkurs bedrohte auf einem ehemaligen Bochumer Ackergelände stehende Firma zu einem Aktienunternehmen wurde: Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrication AG.
Es geht um die Geschichte, den Aufstieg und Fall eines der größten Stahlhersteller. Wir besprechen nicht nur einfach einen Wikipediaeintrag, sondern auch humorvoll über Anekdoten, die ich bei der Recherche gefunden habe, sowie auch das Drumherum der Zeit, als die Gründung vollzogen wurde unter welchen Bedingungen von der Ersten Weltwirtschaftskrise bis zu den ersten Aufträgen von Kanonen und die Weltausstellung in Paris mit der ersten aus einem Guß hergestellten Glocke, von der eine der zweitgrößten vor dem Rathaus Bochum steht.
Gusstahlfabrik in Bochum von Mayer und Kuehne 1845 (c) aufgehoben aus Wikipedia
Es geht um das Auf und Ab in der Stahlproduktion, die Beteiligungen der Firma in alle Welt, die Nebenschauplätze vom Siegerland über Lothringen bis nach Schweden, aber auch die negativen Seiten von Zwangsarbeitern im ersten, sowie im zweiten Weltkrieg.
Bochumer Verein (Postkarte um 1907) vom Bildarchiv Stadt Bochum
Aufhänger der Idee war eine Gästeführer – Hospitation von Bochum Marketing in der Unterwelt der Jahrhunderthalle. Ich hab gesagt: Erst der Podcast, dann Gästeführung. Der heutige Eventpunkt „Jahrhunderthalle“ auf der Route der Industriekultur hat eine große Drumherum-Geschichte, die es im Podcast zu erzählen gilt in einem wahren Industrie-Epos.
Alle vier Teile werden eine Woche vor der Veröffentlichung auf den Podcast-Kanälen vorher beim Internetradio Hitradio Ruhr als Vorpremiere immer Sonntags von 16-19 Uhr veröffentlicht werden. Dabei begleitet uns Musik von Tana Schanzara, Dieter Krebs, Wolfgang Petry, Hausmeister Klopotek und viele andere Interpreten bei den eher trockenen Themen, die wir mit Humor aufbereiten und nicht langweilig werden lassen.
Eine Woche später wird der Podcast dann am Sonntag ab 19 Uhr zu hören sein auf allen Podcast – Kanälen, sowie im Youtube – Kanal: @ruhrpottologeTV oder auch bei Jack Tengo. Alle Links und Infos kommen, wie jetzt immer über den Blog.
Wir behandeln in Teil 1 den Aufstieg des Bochumer Vereins, der ohne die drei wichtigsten Persönlichkeiten nicht möglich gewesen wäre. Wir besprechen die Wurzeln der Fabrik, das nicht den Anfang im Ruhrgebiet nahm, sondern in Nippes, was viele nicht wissen oder nicht erzählt bekommen.
Dieser Podcast (Bochumer Verein Teil 1) jetzt sehen oder hören:
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Der Erfinder: Jacob Mayer – vom Uhrmacher zum Stahlpionier
Jacob Mayer (1813–1875), geboren im württembergischen Dunningen, war eigentlich Uhrmacher – und zugleich ein Tüftler, der das Herstellungsverfahren von Gussstahl revolutionieren wollte. Auf der Suche nach dem nötigen Know-how ging er nach Sheffield, der britischen Stahlmetropole, wo er die Grundlagen moderner Tiegelgussverfahren studierte bei dem britischen Uhrmacher Huntsman, der sich das selber in Indien genauer angeschaut hatte. Jacob hätte seinen Nachnamen in Bond ändern können, der war ja schließlich aus dem Ruhrgebiet, geboren in Wattenscheid. Jacob Meyer war der Techniker und Eduard Kühne war der Geschäftsmann, der auf die Idee der Gründung einer Stahlfirma aufmerksam wurde und unterstützen wollte als Geschäftsführer Links zu Jacob Mayer:
1836 gelang ihm der Durchbruch: der erste Gussstahl auf deutschem Boden – noch in Köln-Nippes. Doch die Vision war größer. Die Verwirklichung sollte im Ruhrgebiet nicht in Aachen oder Köln sein. Seine aus einem Guß gegossene erste Glocke auf der Weltausstellung 1855 war nicht nur damals die erste ihrer Art vor Ort, sondern beeindruckte auch den Nachbarkonkurrenten aus Essen Alfred Krupp.
Der Möglichmacher: Eduard Kühne – Kaufmann mit Weitblick und leider tragischem Ende
Eduard Kühne (1810–1883) war der kaufmännische Partner, ohne den Mayer nie ein Werk aufgebaut hätte in seinem Wunschgebiet. Als Kaufmann mit Kapital, Kontakten und Mut unterschrieb er 1842 den Gründungsvertrag und finanzierte die frühen, verlustreichen Experimente bis es nicht mehr ging. Als die gemeinsame Firma des Technikers Jacob Mayer und des Geschäftsführers Eduard Kühne in Konkurs rutschte, half nur ein Neustart als Aktiengesellschaft 1854 in dem die 1842 gegründete Firma Guß- et Cement, Stahlfabrik bei Bochum oder Essen Mayer & Kühne zum Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrication AG, kurz BVG.
Doch trotz seines Pioniergeistes geriet Kühne, der unter dem eingesetzten Generaldirektor Louis Baare seine Ideen nicht mehr durchsetzen konnte und somit 1858 seinen Hut nahm, später in finanzielle Schwierigkeiten, verlor sein Vermögen und starb verarmt in Kleve. In Bochum wird Kühne vielleicht deswegen nicht unbedingt als Vorreiter des Bochumer Vereins gedacht, obwohl ohne ihn es nicht dazu gekommen wäre. Von ihm gibt es keine Fotos oder Lithografien.
Der Stratege und Patriarch: Louis Baare – der Mann, der Bochum zur Großstadt machte
Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1854 wurde Louis Baare (1821–1895) Geschäftsführer des neuen Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation AG. Baare machte aus dem Unternehmen einen Stahlgiganten – strukturiert, modern, sozial engagiert und international erfolgreich.
Louis Baare (c) aufgehoben aus Wikipedia
Unter seiner Führung wuchs das Werk von wenigen Hundert Arbeitern auf über 16.000 Beschäftigte (1909). Er prägte das Stadtbild. Er hatte sehr gute politische Verbindungen bis zum damaligen Reichminister Otto von Bismarck und entwarf die Idee einer Unfallversicherung. Er ließ einen neuen Stadtteil entstehen, wie das bekannte Stahlhausen direkt gegenüber des Eingangs zum Werk. Es war vergleichbar mit der Form des sozialen Engagement der Firma Krupp in Essen.
Die weiteren Teile gehen mehr auf die Geschichte des Unternehmens, die dunkle Zeit und den Neubeginn, den Abriss und die Jahrhunderthalle von heute mit den Events von Ruhrtriennale, Konzerten und Jahrmarkt-Attraktion.
Zweiter Teil bespricht den Aufstieg von der Glocke zur Weltindustrie
Zu den legendären Momenten gehört die Gussstahlglocke von 1855, die auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille gewann. Die noch größere Glocke der Weltausstellung von 1867 steht heute auf dem Rathausplatz in Bochum.
Bochumer Verein, 1898 (c) aufgehoben, aus Wikipedia
Doch die Glocken machten nur 0,4% der Produktion aus. Der Bochumer Verein war eher der Motor für zivile Infrastrukturprodukte von Werkzeug bis zu Schiffsschrauben, Räder für die Eisenbahn, Lokomotivteile, Schienen und Weichen und später auch Rüstungsgüter. Durch die immer neuen Ingenieurstechniken in der Zeit der Einigung von Kleinstaaten zum Deutschen Reich modernisierte sich die Fabrik immer wieder und erweiterte seine Standorte innerhalb der Stadt später mit zwei weiteren Stahlerzeugung- und Verarbeitungshallen auf der heutigen Bessemerstraße und in Höntrop auf der Essener Straße.
Bochum explodiert – von 3.000 zu 65.000 Einwohnern
Mit der Industrialisierung strömten Menschen aus Preußen, Württemberg, Schlesien, Polen und dem gesamten Deutschen Reich nach Bochum. Die Einwohnerzahl verfünffachte sich binnen weniger Jahrzehnte. Ohne Mayer, Kühne und Baare wäre Bochum vielleicht ein kleines Ackerbaudorf geblieben oder ein anderer hätte es gemacht.
Wer sich alle Podcasts anhören möchte, wird im dritten Teil die dunkle Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft und die Zwangsarbeit im Bochumer Verein, sowie den Neubeginn bis zum Abbruch und Neubau einer Parklandschaft mit integrierter Eventstation innerhalb der ehemaligen Ausstellungshalle und heute genannten Jahrhunderthalle .
Der Podcast behandelt außerdem die dunklen Kapitel: Rüstungsproduktion und den massiven Einsatz von Zwangsarbeiter*innen im Zweiten Weltkrieg.
Vom Stahlwerk zur Jahrhunderthalle: Kultur statt Hochöfen behandelt der vierte Podcast
Mit dem Strukturwandel schloss weitgehend das Werk – aber das Gelände lebt weiter: Die Jahrhunderthalle Bochum, einst Herzstück des Bochumer Vereins, ist heute einer der bedeutendsten Kulturorte des Ruhrgebiets und zentraler Spielort der Ruhrtriennale.
Ernst Bente war ein Opfer des Nationalsozialismus. Er war wegen Diebstahl und Raubüberfälle, sowie unerlaubten Waffenbesitz zu fünf Jahren Haft und fünf Jahre Ehrverlust verurteilt worden in Bochum. Dann kam die Gestapo und brachte ihn in den Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald. Im KZ Mauthausen wurde er als menschliches Versuchskaninchen ausgenutzt. Deswegen der Titel zum Stolperstein für Ernst Bente. Ab da ging es nur noch ums Überleben. Warum hat Ernst Bente diese Taten begangen frage ich mich. Welche Taten wiegen schwerer: Raubüberfall, wo niemand zu schaden kommt oder ein Arzt, der jemanden dessen bürgerlichen Rechte vom Staat für eine begrenzte Zeit ausgehebelt werden, Impfversuche macht?
Am 8.11.2025 machte ich den Stolperstein von Ernst Bente sauber im Rahmen der Aufrufaktion vom Kinder- und Jugendring Bochum und beschloss spontan einen Podcast über das Opfer Ernst Bente zu gestalten für das Projekt und die Reihe Stolpersteine Ruhrgebiet.
Teaser und Säuberungsaktion-Video:
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Auf den Holl 30 in Bochum-Werne. Ist nicht mehr das Originalhaus. Am Pfeil liegt der Stolperstein. Foto: André Brune
Ernst Bente sollte eine Stimme bekommen, wie es auch Paul Borek schon bekommen hatte. Es erwartete mich mehr als die Recherchen vom Lessing – Gymnasium Bochum, als ich mich näher mit den Unterlagen vom Arolsen Archiv beschäftigte während ich die Aufnahme machte.
Vor der Säuberungsaktion vom Stolperstein für Ernst Bente. Hier war lange keiner mehr… Foto: André Brune
Dabei wollte ich nur den recherchierten Text vom Lessing – Gymnasium vorlesen. Doch dann kamen viele Fragen, die ich mir stellte, während der Aufnahme.
Warum hat er die schweren Taten begangen, obwohl er wußte, was mit ihm passieren wird, wenn er verhaftet werden würde?
War er immer noch Kommunist und damit im Untergrund im Widerstand?
Sauber poliert! Foto: André Brune
Hat er die Taten begangen, weil er eine Krankheit oder eine körperliche Behinderung hatte und keine Arbeit dadurch finden konnte, um seine Familie zu ernähren?
War er wehrunwürdig, weil er eine körperliche Behinderung hatte oder wurde er wegen der Taten so eingestuft?
Das heutige Wohnhaus Auf den Holln 30 stammt nicht aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und hatte vielleicht Bombenschäden oder war baufällig und wurde neu aufgebaut. Das erfordert weitere Forschungen. Foto: André Brune
War er arbeitslos, weil er eine körperliche Behinderung hatte oder weil er wegen Diebstahl im Bergbau auf einer Schwarzen Liste gesetzt wurde?
Hatte er sich freiwillig den Typhus-Impfungen zur Verfügung gestellt oder wurde er einfach gespritzt mit dem Hinweis: Du wirst das KZ überleben, wenn du das mitmachst. So wurde man psychisch unter Druck gesetzt, aber hätte durch die Nebenwirkungen auch sterben können. Was ist dann das geringere Übel: Im Steinbruch umzukommen oder durch eine Spritze?
Mir rattert da das Gehirn, wenn ich mich in seine Lage versetze und gleichzeitig läuft es mir kalt über den Rücken runter. Obwohl er ein Verbrecher war, war er in der Gesellschaft des Nationalsozialismus für eine begrenzte Zeit als ein Nichts, eine Nummer eingestuft worden, des Lebens nicht würdig und wurde auch so behandelt.
Und was ist aus ihm geworden, als die Amerikaner ihn entlassen haben? Wie hat er die letzten Jahre seines Lebens gelebt? Hat seine geschiedene Frau und sein Kind ihn doch noch mal besucht? Hat er ein neues Leben, die zweite Chance gut nutzen können?
Wie ist man nach dem Zweiten Weltkrieg in der Gesellschaft mit ihm umgegangen? Wie hat er die psychische Belastung ausgehalten? Wo und wie wohnte er? Wann starb er und wurde begraben? Gibt es die Grabstelle noch?
Ernst Bente kann als umstrittene gewaltbereite Person dargestellt werden, weil er fünf Jahr hinter Gittern kommen sollte wegen Raubüberfall, versuchten Raubüberfall, Diebstahl und unerlaubten Waffenbesitz. Doch er landete nicht in einem normalen Zuchthaus, wie die Gefängnisse früher hießen, sondern in einem Konzentrationslager. Warum hat er die Taten begannen und warum kam er relativ schnell in ein Konzentrationslager?
So viele Fragen über eine Person und ich bin eigentlich nicht am Ende mit den Fragen.
Zum Videopodcast mit den Bildern der Rechercheergebnissen:
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Geboren am 15.2.1911 in Bochum als Sohn von Ernst Bente und Ehefrau Laura. Wohnte damals in der Weststraße 67d in Langendreer.
Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum
Er wurde Bergmann und war mit Martha verheiratet. Ein Kind hatte die junge Familie und lebte in Bochum-Werne Auf den Holln 30, bevor er abgeführt wurde von der Bochumer Kripo am 4.9.1939. Er wurde wegen Raub, versuchten Raubes, Diebstahl und verbotenen Waffenbesitz zu fünf Jahren Gefängnis sowie Ehrverlust verurteilt.
Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum
Wenige Wochen später am 13.10. verschleppte ihn dann die Gestapo (Geheime Staatspolizei), wahrscheinlich wegen der Bandbreite seiner Verbrechen, ins Konzentrationslager Buchenwald.
Im KZ Buchenwald wurde er als „Wehrunwürdiger“ Häftling mit der Nummer 8284 erfasst und dem Arbeitskommando Steinbruch zugewiesen als Zwangsarbeiter. Auf der Karteikarte vom Konzentrations-Lager Buchenwald wird eine „Bisherige Parteizugehörigkeit“ als KJ 30-32 notiert.
Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum
Als ich die Buchstaben kJ und Ziffern nachforschte fand ich raus, dass er wohl der Kommunistischen Jugend zwischen 1930 und 1932 angehörte. Es gab in diesen Jahren überall in Deutschland heftige Straßenschlachten zwischen Anhängern der NSDAP und der Kommunistischen Jugend, die zu diesem Zeitpunkt um die 50000 junge Männer und Frauen angehörten. Neue Fragen tun sich auf:
War das nun das Vorstrafenregister oder die Zugehörigkeit bei einer Kommunistischen Organisation, die ihm zum Verhängnis wurde? War er vielleicht für die Kommunisten im Widerstand? Hat er vielleicht die Raubüberfälle dafür gemacht. Als ich die Karte las, war die Spekulation über sein Handeln noch größer.
Ich fand heraus, dass er wahrscheinlich bei der Kommunistischen Jugend Mitglied war von 1930-1932. Das klingt plausibel. Denn Ernst Bente ist geboren 1911. Er war zu dem Zeitpunkt 19 Jahre alt und genau im richtigen Alter dafür. Ist er 1932 ausgetreten, aber aus welchen Gründen? Hat er bei den Straßenschlachten mitgemacht? Hat er seine Frau Martha dort kennengelernt, wurde Vater und hat sich von den gewaltbereiten Kommunisten zurückgezogen? Warum er ausgetreten ist, kann verschiedene Ursachen haben.
Reine Spekulation wäre, aber auch plausibel wäre, dass er für die Kommunisten schon angefangen hatte, Geld durch Raubüberfälle zu organisieren. Er ist vielleicht da hinein gerutscht. Oder er hat durch Raubüberfälle den Widerstand ab 1933 unterstützt oder er hat ganz einfach seine Frau und Kind am Leben erhalten wollen, weil er keine Arbeit bekam, weil er mal Mitglied der Kommunisten war oder weil er als Bergmann Diebstahl begann und dadurch Arbeitslos. Klaute er etwa ein Mutterklötzchen?
Sind Alkohol-, Drogen- oder die Spielsucht ein Grund gewesen immer wieder Geld zu besorgen durch Raubüberfällen und Diebstahl? Welche körperliche Einschränkung hatte er, dass er auf einer Karteikarte als „Wehrunwürdig“ eingestuft worden ist. Egal, warum er das tat, er hatte sein Gründe vor allem im Nationalsozialismus es zu tun und wurde von der Bochumer Kripo verhaftet. Er bekam fünf Jahre Haft aufgebrummt mit gleichzeitigem „Ehrverlust“.
Heinrich Himmler ordnete 1937 an, dass die notorischen Berufsverbrecher eine stärkere Gangart bekommen sollten. So wurden die BVler von der Gestapo in ein KZ überführt und mussten die unmenschlichen Bedingungen aushalten oder starben dort.
Ernst Bente wurde von der Gestapo abgeführt am 4.9.1939, also wenige Tage nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht nach Polen, ins KZ Buchenwald. In die Armee wurde er nicht eingezogen. Es gab ja auch Selbstmordkommandos, wo Schwerverbrecher eingesetzt wurden. Kommst du heil zurück, wird deine Strafe dir erlassen…
Ernst war aber als „Wehrunwürdig“ eingestuft worden. Zum einen hatte er Glück die Front nicht erleben zu müssen, zum anderen war er sozusagen in einer Heimatfront ohne mögliche Wiederkehr gelandet. Im KZ Buchenwald war er in den Steinbruch zugewiesen worden. Aber welche Tätigkeit er dort hatte, wenn er wehrunfähig war, ist nicht klar definierbar. Hatte er sich in die Hand geschossen?
Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum
Er war als Berufsverbrecher BV eingestuft worden, die gleichzeitig den gesetzlichen Ehrverlust über sich ergehen lassen mussten. Eine Strafe, die in der Bundesrepublik abgeschafft wurde. Allerdings erst 1969! Ein Ehrverlust ist die Aberkennung aller Bürgerrechte.
Die Folgen der Aberkennung der bürgerlichen Rechte waren in § 33 und § 34 StGB a. F. geregelt. Sie bewirkte den dauernden Verlust der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Rechte sowie aller öffentlichen Ämter, Würden, Titel, Orden und Ehrenzeichen. Während der Dauer konnten auch solche Ämter, Würden, Titel, Orden und Ehrenzeichen nicht erlangt werden. Ferner bewirkte die Aberkennung den Verlust der Fähigkeit, in öffentlichen Angelegenheiten zu stimmen, zu wählen oder gewählt zu werden und andere politische Rechte auszuüben; Zeuge bei Aufnahme von Urkunden zu sein; Vormund, Nebenvormund, Kurator, gerichtlicher Beistand oder Mitglied eines Familienrats zu sein, es sei denn, dass es sich um Verwandte absteigender Linie handelte und die obervormundschaftliche Behörde oder der Familienrat die Genehmigung erteilte.
Die Zeitdauer des Verlustes war in § 32 Abs. 2 StGB a. F. geregelt. Sie betrug bei zeitlich begrenzter Zuchthausstrafe mindestens zwei und höchstens zehn, bei Gefängnisstrafe mindestens ein und höchstens fünf Jahre. Diese Fristen wurden ab dem Tag berechnet, an dem die Strafe verbüßt, verjährt oder erlassen war, wobei allerdings bei Erlass nach einer Probezeit (Strafaussetzung zur Bewährung) diese einberechnet wurde (§ 36 StGB a. F.). Quelle: Wikipedia
Was wiegt höher: Raubüberfall oder unfreiwillige Menschenversuche
Den Medizinern in Mauthausen war das recht, so konnten sie ihn als Versuchskaninchen nutzen. Dort kam Ernst Bente an am 16.4.1940. Die Überführung zum KZ Mauthausen war sozusagen ein „Geschenk“ zum Geburtstag von den Verwaltern von Buchenwald.
Ernst Bente hatte keine Rechte als BV und verurteilt mit Ehrverlust. Hier frage ich mich, wer der größere Verbrecher ist: Der Staat oder die einzelnen Ärzte, die ihren Hippokratischen Eid abgelegt haben, diesen aber nicht mehr befolgten, weil die Karriere in der SS interessanter war, als einzelnen Menschen zu helfen?
Ist also ein unfreiwilliger Menschenversuch mit zu erprobenden Medizinischen Mitteln an Menschen ohne bürgerlichen Rechte (Ehrverlust) ein weniger großes Verbrechen als ein Raubüberfall oder Diebstahl von jemanden, der dadurch für eine begrenzte Zeit keinen Platz mehr in der arischen Gesellschaft haben sollte. Ist ein Raubüberfall aus welchen Gründen auch immer oder ihn als unfreiwilliges Impfobjekt zu nutzen für den Fortbestand der arischen Rasse nun in der heutigen juristischen Waage gelegt das gefährlichere, das schlimmere Verbrechen?
Eins vorneweg: Die meisten Mediziner sind entnazifiziert worden und konnten mit ihrem Hippokratischen Eid weiter im Krankenhaus, in der Forschung oder ihrer Arztpraxis nach dem Zweiten Weltkrieg unbehelligt arbeiten ohne jemals hinter schwedische Gardinen zu kommen. Sie bekamen mit Sicherheit eine beachtliche Rente, während Ernst Bente 1960 im Arolsen Archives gehen musste, um die KZ-Jahre sich anrechnen zu lassen. Ansonsten hätte er noch weniger Rente bekommen. Ich kriege das Kotzen, wenn ich mir das näher ansehe und was Ernst Bente für ein Schicksal hatte, die in den Händen der Mediziner gelegt wurde. Dazu komme ich jetzt:
Ernst Bente wurde am 15.4.1940 ins KZ Mauthausen überführt mit 1 Paar Schuhe, 1+1 Strumpfpaaren, 1 Rock (längerer Mantel), 1 Hose, 1 Pullover, 2 + 1 Hemd, und tatsächlich nur EINER Unterhose und 1 Kamm. Das ist wahrlich nicht viel, was sein Leben noch ausmachte. Das war alles, was er noch besaß.
Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum
Im KZ bekam er die Bezeichnung „BV„, das in einem nach unten zeigenden Dreieck oder Winkel eingetragen wurde: Lange Zeit wurde es von Historikern als „Befristete Vorbeugehaft“ anhand des Buches „Der SS-Staat – Das System der deutschen Konzentrationslager“ vom Historiker Eugen Kogon angegeben. Doch Ende der 1980er Jahre fanden Historiker heraus, dass es nicht stimmen kann. BV steht höchstwahrscheinlich als Abkürzung für Berufs-Verbrecher.
Da es kein Foto von Ernst Bente gibt, hier seine Beschreibung von der Karteikarte, um sich ein Bild von ihm als Mensch zu machen:
1,70 Groß und schlank. Gesicht oval, Augen blau, Nase gerade, Mund groß, Ohren groß, ihm fehlte 1 Zahn, Haare blond, Sprache deutsch.
Screenshot der Häftling-Personal-Karte vom KZ Mauthausen aus der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum
Er war länger als fünf Jahre „Befristete Vorbeugehaft“ im KZ. In dieser Zeit begannen die Mediziner Typhus-Impf-Versuchsreihen an Gefangene zu verabreichen. Ernst Bente war wohl einer der ersten. Welche Nebenwirkungen, Schäden oder sonstige Dinge mit ihm angestellt wurden und er ertragen musste…
Für mich ist ganz klar, dass ein Raubüberfall nicht positiv im Lebenslauf ist, aber unfreiwillige Menschenversuche geht gar nicht!
Vor kurzem hatte ich auch einen Podcast über die Mediziner angehört, die sich der Karriere wegen der SS angeschlossen haben, so auch Dr. Karl Gross.
Es war nicht richtig Raubüberfälle zu machen, keine Frage. Aber wieso nimmt ein Mann das Risiko auf sich verhaftet zu werden in der Zeit von Unterdrückung des eigenen Volkes unter der NSDAP-Regierung. Er muss doch gewußt haben, dass er mit seinen Handlungen in ein KZ kommen konnte ohne Widerkehr in ein normales Leben. Und wieviel wußte seine Frau Martha, die sich wiederum von ihm scheiden ließ. Hat sie ihn etwa denunziert? Oder hat sie die Scheidung eingereicht, weil auch sie ins Fadenkreuz kam und wollte dabei eigentlich nur verantwortungsbewußt das Kind ohne Probleme in der neu konstruierten Volksgemeinschaft großziehen, was ihr Mann vielleicht nicht akzeptieren wollte. Wir wissen nicht, was im familiären Haushalt passierte.
Ernst Bente war in der ganzen Zeit des Krieges im KZ Mauthausen. Seine Haft von fünf Jahren wurde nicht beendet. Er war weiterhin dort. Vielleicht wurde ihm gesagt, dass er nur entlassen wird, wenn er die Versuchsreihe für die Typhus-Impfungen mitmachen würde. Auch das ist reine Spekulation. Sicher ist, dass der Staat, die Firmen und die ausführenden Mediziner vor Ort in den KZs mit den Menschenversuchen ein viel größeres Verbrechen begannen als Ernst Bente mit den Raubüberfällen. Er wurde verbrecherischer behandelt als er je selbst ausgeführt hatte. Und so gut wie niemand wurde zur Rechenschaft gezogen.
Der Dr. Mengele von Mauthausen Dr. Karl Gross war in sein altes Leben zurück gegangen und wurde wieder Landarzt ab 1947.
Geboren in Bad Vellach am 12.12.1907, wo er auch am 1.1.1967 wieder starb. Im Heimatort wurde er Kurarzt nach der Promotion 1933. Er soll kostenlos mittellose Patienten behandelt haben. Warum sein Charakter sich änderte, ist mir schleierhaft, wenn das wahr ist.
Er trat am 1.2.1939 als SS-Hauptsturmführer der Waffen-SS bei. Mit der SS-Nummer 314902 avancierte er zum Geburtstag von Adolf Hitler 1942 zum SS-Sturmbannführer. Er diente als Truppenarzt und forschte unablässig ab Mai 1942 am Hygiene-Institut der Waffen-SS in Berlin. Ab Juni wechselte er ins Robert-Koch – Krankenhaus nach Wien.
Dort testete er im Auftrag der Behringwerke Impfstoffe gegen Paratyphus an Häftlinge im KZ Mauthausen. Ab 1943 veranlasste Heinrich Himmler, dass er an das Zentralinstitut für Krebsforschung in Nesselstedt (heute Pokrzywo bei Posen/polnisch Poznan kam und die bakteriologische Abteilung übernahm.
Eine schnelle wohlwollende Karriere, weil er unabdingbar in Augen Himmlers erfolgreich testete. Denn er war der Leiter, der Forschung, die an Häftlingen vom KZ Mauthausen Impfstoffe ausprobierten. Mit seiner Handschrift sind noch Akten einzusehen, wo 1105 Opfer mit Datum und Art der Tests im Zeitraum von Februar bis April 1943 erhalten sind. Darin sind Vaccine zu Typhus, Paratyphus A und B, sowie Tetanusimpftoff verzeichnet, die von der IG-Farben hergestellt wurden. Die Blutuntersuchungen wurden an der Wiener Universität untersucht.
Nach Kriegsende durfte er wieder als Arzt arbeiten. Wegen der Zugehörigkeit zur SS wurde er verhaftet, aber nach kurzer Zeit wieder entlassen. Ärzte wurden schließlich gebraucht. Aber kaum jemand ging in seine Praxis, so dass er bis zu seinem Lebensende mit seiner Familie nur vom Vermögen des Vaters überleben konnte.
Quelle: Wikipedia
Menschenversuch-Karte für Typhus-Impfungen mit Chargennummer – Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum der Lessingschule Bochum
Es ist für mich schleierhaft, dass dieser doch angeblich netter großzügiger Arzt die Karriere vorzog. Er wollte weg aus dem verschlafenen Kurort. Hatte eine Karriere vorgehabt und stieg wie ein Falke auf innerhalb der SS. Hier ist das genaue Gegenteil von Ernst Bente, der Abstieg als Krimineller, der ins KZ kam während Karl Gross als studierter Arzt die Karriere in einem Unrechtsystem vorzog, um berühmt zu werden als Impfstofferfinder. Die Firmen Behring und IG-Farben haben aus den Experimenten von damals bis heute profitiert.
Vielleicht hatte er den Nobelpreis für Medizin im Sinn auf Kosten von minderwertigen Leben, wie man es so formulieren könnte. Was ist abscheulicher in der Tat der Dinge? Ein Raubüberfall, wo kein Menschen zu schaden kommt oder eine unfreiwillig gemachte Impfstoffstudie an Häftlinge, die es nicht wert waren zu leben in dem System der Diktatur, wo einige wenige Menschen über das Leben von vielen entschieden?
Die Liste von Medizinverbrechen ist lang! Und viele machten mit. Viele, die hinterher von nichts wußten oder gewußt haben wollten und hinterher unbehelligt, entnazifiziert in ihrer Praxis, im Krankenhaus oder der Forschung weiter gearbeitet haben:
Das war auch noch nicht alles. Wer eingeteilt wurde als Berufsverbrecher hatte als Nebenstrafe auch keine bürgerlichen Rechte mehr. Der Ehrverlust wog damals schwer. Einmal als BV eingeteilt, hatte man keine Rechte mehr als Mensch im Staat, nicht mal wählen gehen war erlaubt. Aber wen sollte man da noch wählen im NS-Staat?
Im Dritten Reich war privater Waffenbesitz nicht erlaubt. Dies und vier andere Straftaten, Raubüberfall, Diebstahl, versuchter Raubüberfall machten ihn zu einem Berufsverbrecher und unabdingbar zu einem KZ-Strafgefangenen bis zu seinem Tod.
Ernst Bente hatte es irgendwie geschafft zu überleben. Wie er es überlebt hat, hat er in keinen Memoiren hinterlassen. Von den Amerikanern wurde das KZ Mauthausen befreit. Ein Major, ein Colonel und ein Captain saßen in einem Ausschuss, die die Entlassung aus dem KZ entschieden.
Entlassung und Zweite Chance
Screenshot der Entlassungspapiere vom Militärgouvernement der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum
Drei Militärangehörige, A.J. Michell, Colonel, T.T. Marye, ein Major und T.A. Taracouzie, Captain entschieden in einem Ausschuss über die Entlassung von Ernst Bente. Er hatte es tatsächlich geschafft zu überleben. War es Glück? War es der unbändige Überlebenswille? Oder war er im Lager einer, der andere unterstützt hat unter hoher Gefahr selbst erwischt zu werden? Das weiß niemand. Niemand kann uns mehr heute mitteilen, ob er trotz seiner Straftaten ein hilfsbereiter und risikofreudiger Mann war. Risikofreudig muss er gewesen sein, sonst hätte niemand ihn wegen Raubüberfall fassen können.
Ernst Bente hatte überlebt. Wie hatte er sich gefühlt? War es ein hochjauchzendes Jubeln? Sprang er in die Luft? Hätte er dafür überhaupt die Kraft gehabt? Wie war sein gesundheitlicher Zustand nach den Impfungen und der Zwangsarbeit? Wie war sein seelischer Zustand mit der Verarbeitung des kompletten Elends und Tod innerhalb des Konzentrationslagers Mauthausen? Fragen, die ich mir immer stelle, wenn ich mehr über die Person herausfinde.
Diese Entlassungsurkunde vom Militärgouvernement musste er sich 1960 als Nachweis im Arolsen Archiv besorgen. Wie es ihm nach dem zweiten Weltkrieg ging weiß niemand. Ob er ein zweites neues Leben beginnen konnte, ist nicht belegbar. Er ging in Rente. Ernst Bente hatte einen starken Lebenswillen und überlebte auch die Versuchsreihen mit Typhus-Impfungen.
Damit war sein Verbrechertum mehr als bestraft worden. Er hat den KZ-Aufenthalt überlebt und ist irgendwann in Frieden gestorben. Wann ist nicht belegbar. Macht mich aber neugierig, so dass ich mehr über diesen Menschen herausfinden möchte. Denn seine Geschichte steht für mehrere Tausend BVler, die ebenfalls ins KZ kamen, auch im Steinbruch arbeiten mussten und wahrscheinlich dort zu Tode kamen oder eine experimentelle Impfung gespritzt bekamen. Impfungen für das Überleben der arischen Rasse? Oder für die Häftlinge zum Erhalt der Arbeitskraft für das Wirken der Nationalsozialisten als kostenlose Arbeitnehmer?
Das sind Fragen, die ich gern von einem Historiker beantwortet haben möchte. Ich werde mich auf jeden Fall auf dem Weg machen, um mehr über Ernst Bente zu erfahren. Sein Leben ist filmreif und würde eine Lücke füllen über die immer noch Stiefmütterlich behandelten „Asozialen“ in der nationalsozialistischen Gesellschaft, die nicht würdig waren eine zweite Chance zu bekommen nach einem Gefängnisaufenthalt. So wie es heute normal ist. Heute hätte er die fünf Jahre abgesessen und danach hätte er eingegliedert zu einem normalen Leben zurückfinden können.
Ich werde nicht müde es zu betonen: NIE WIEDER IST JETZT! Gegen Rassismus und gegen Antisemitismus! Wir sind alle Menschen! Der Mensch ist Vielfalt.
Ernst Bente war einer von uns. Geboren in Bochum-Langendreer. Gewohnt in Bochum – Werne im Ruhrgebiet.
Glück auf! Ruhe in Frieden!
Ich werde Ernst Bente, einem Opfer der Gesetze des Nationalsozialismus, nun mit anderen Augen sehen und mehr achten, mir mehr Fragen stellen. Sein Stolperstein, in Messing eingemeißelter Name mit den Daten seiner Aufenthalte in den KZs, wurde am 8. Oktober 2020 vor seinem letzten Wohnort – Auf den Holln 30 in Bochum-Werne – bevor er dort von der Kripo verhaftet wurde, verlegt.
Screenshot der PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum aus den Recherchen der Lessingschule Bochum
Wer weitere Recherchen nachlesen möchte, sowie die PDF-Datei der Lessingschule weiterleiten, kann die Recherche der Lessingschule als PDF-Datei vom Stadtarchiv Bochum nutzen, die ich hier als Screenshot abgebildet habe, sowie weitere Links zum Thema, die ich nachrecherchiert habe:
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Es gibt ein ganz besonderes Denkmal mitten im Ruhrgebiet in Bochum: Die Trauerhalle Ost in Havkenscheid und das dort befindliche neu gegründete Fritz Bauer Forum.
Ein Thema, was mich berührt durch die Geschichte, die nicht nur unser Land zum Nachdenken anregt, sondern auch eine Stätte ist für Bildung und zur Wahrung der Demokratie.
Die Trauerhalle steht jetzt zweideutig für den Erhalt und auch den Tod durch verlorene Kämpfe für Menschenrechte in aller Welt. Ein Denkmal, das heute für die Bewahrung der Demokratie steht, aber von einem ehemaligen NSDAP-Parteiangehörigen, aber in Bochum geehrten Architekten des Brutalismus, geplant wurde. Ein heute besonderer Ort den Jack Tengo und ich unbedingt in einem diesmal nicht einfachen Podcast im Rahmen der gemeinsamen Reihe „Ruhrgebiet erklärt“ trotzdem mit einem Quäntchen Humor erzählen wollten.
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Nachdem ich dort war am Tag des Denkmals war es mir wichtig diesen Ort unter die Lupe zu nehmen und so schnell wie möglich herauszubringen. Gerade jetzt in der Zeit, wo ein Rechtsruck in der deutschen Gesellschaft durchgeht und eine Partei im Aufwind ist, die Demokratie in ihrem Sinne bewahren will. Sie will weg von der Erinnerungskultur, einen Schlussstrich ziehen, dabei ist das so wichtig, damit es sich nicht wiederholt. Sie will keine Nennung von Kämpfern für Menschenrechte an öffentlichen Gebäuden, wie Schulen.
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Wenn zur Disposition steht zur Wahrung der „politischen Neutralität“, wie in Sachsen-Anhalt, der Name Sophie Scholl-Grundschule steht oder Willy Brandt-Gesamtschule, dann steht unsere Demokratie nur noch auf Bruchstücken. Das waren Kämpfer für Menschenrechte, die bald nicht mehr in den Geschichtsbüchern auftauchen könnten nach dem Willen der AfD.
Es ist jetzt umso wichtiger diese Menschenrechte und die Demokratie zu wahren nach dem Ausgang der letzten kommunalen Wahlen in Nordrhein-Westfalen und anderswo. Die Menschen sollten sich nicht in den Sozialen Medien bilden, sondern sich von denjenigen aufklären lassen, die sich mit den richtigen Informationen der Geschichte auseinandergesetzt haben und dies auch studiert haben. Die Trauerhalle Havkenscheid ist nun ein kleiner wichtiger Beitrag zur Wahrung der Demokratie und Menschenrechte. Und ich hoffe, dass wir da ein klein wenig beitragen konnten:
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Denkmalschutz: Gilt als eigenständiges Werk von hoher architektonischer und künstlerischer Qualität
Die Trauerhalle Ost / Havkenscheid in Bochum ist ein besonderes Markenzeichen des Brutalismus in der Architektur – Foto: André Brune
Der Weg ist das Ziel über den Springorum
Es war ein schöner angekündigter sonniger Tag im September, der zwei wichtige Tage an einem einzigen verband im Jahre 2025: Kommunalwahltag in NRW und Tag des Denkmals.
Ich überredete meine Frau Ewa zu dem Vortrag zu gehen, der um 15 Uhr stattfinden sollte für die Trauerhalle. Neugierig war ich schon. Und der Springorum-Rad- und Wanderweg quert nah unserer Wohnung und führt fast bis nach Altenbochum, wo wir hin mussten.
Die Trauerhalle interessierte mich brennend, nachdem ich hauptsächlich offene Kirchen auf der Denkmalkarte sah. Eine Menschenrechts-Bibliothek mitten in Bochum? Davon habe ich gar nichts mitbekommen. Also musste ich es doch sehen!
Wir wanderten sehr schnell und genossen die Sonne. Wie üblich ist man nicht allein im Ruhrgebiet, wenn man wandert. Irgendwen trifft man immer, den man kennt. Der Pott ist eben kleiner als gedacht. Dadurch wurde unser Gang schneller. Aber wird schafften es knapp pünktlich um 15.01 Uhr durch das Fritz Bauer Forum zu „marschieren“ und kam kurz vor dem Vortrag durch die Moderatorin Magdalena Köhler ein und ergatterten noch ein paar Stühle, die sich langsam füllten. Die meisten waren über 60 Jahre alt. Wir waren so die zweitjüngsten. Die Moderatorin freute sich, dass doch so viele Interesse hatten an der Trauerhalle. Magdalena Köhler betreut den Veranstaltungskalender und ist zuständig für die interaktive Fritz Bauer Bibliothek im Forum.
Der Eingangsbereich des Fritz Bauer Forums mit Blick auf die ehemalige Leichenaufbewahrungshalle – Feldmark 107 in Bochum
Sie führte in einer knappen Stunde durch die Architektur, dem umstrittenen Architekten, die Person Fritz Bauer und die Informationen über die Gründung und das Wirken der zukünftigen Fritz Bauer Forums durch die Buxus Stiftung hier mitten in Bochum, im Ruhrgebiet, wo Fritz Bauer wahrscheinlich nie war und auch keinen Bezug zu hatte. Einige mussten sich auf die Treppe setzen, die hoch in die „Betongalerie“ ging, wo die Bibliothek der Menschenrechte zu Recherchezwecke aufgebaut wurde ohne das Denkmal von innen zu beschädigen.
Magdalena Köhler erzählt engagiert über die Geschichte der Trauerhalle und dem neuen Fritz Bauer Forum
Anschließend führte sie uns durch die Räume, der alten Friedhofsgärtnerei- und Verwaltung, sowie der Leichenhalle, wo heute Lese-, Vortragssaal, Begegnungsstätte, ein Raum für eine Kunstausstellung und ein Studio zum Podcasten entstanden ist, der auch gemietet werden kann. Wir hätten uns auch die Bibliothek nochmal genauer angesehen, aber wir wollten unbedingt doch unsere demokratischen Rechte wahrnehmen. Es war denkbar knapp. Aber um kurz vor 18 Uhr gaben wir unsere demokratische Stimme ab, die das Fritz Bauer Forum bewahren möchte in ihren Aufgaben durch Bildungsmaßnahmen für Schulen, Vorträgen, Kunst, Lesungen und anderen Veranstaltungen.
Übersicht der Projekte, die das Forum macht
Eine kurze Geschichte vom Standort, dem Stadtteil Havekenschede (Quelle Wikipedia)
Havkenscheid sagte meiner Frau nichts, obwohl sie seit 2006 in Bochum lebt. Aber auch ich musste mich erstmal schlau machen. Es ist früher ein Stadtteil von Altenbochum gewesen. Er war nicht mal der Rede wert. Dort stand ein kleines Rittergut mit fünf Gehöften. In einer Urkunde um 1340 fand sich ein Theodoricus de Havekenschede, knapp ein Jahrhundert später ein Diderich. Das Rittergut von und zu Hevekenschede in seiner erstmaligen Erwähnung wechselte über die Jahrhunderte mehrfach die Besitzer.
Dann gab der Sohn Dirichs wohl das Gut an einen Wilhelm van Liborch ab um 1470. Die Tochter vom Melchior von Havkenscheid namens Elisabeth brachte das Gut in die Ehe mit Goswin von Düngelen ein, der auch das Haus Dahlhausen besaß, der fortan zum Adelsitz erhoben wurde. Havkenscheid wurde verpachtet bist 1809 die Familie Schragmüller es pachteten mangels Nachwuchs.
Einer der letzten Besitzer war ein Köhler. Der wohl mit Holzkohle so wenig verdiente, dass das Haus verfiel. 1921 kaufte es die Stadt Bochum. Eingemeindet wurde Altenbochum, das erstmalig um 900 in einer Urkunde der Abtei Werden erwähnt wurde, wo Havkenscheid zugehörig war, jedoch erst 1926. Doch die Instandsetzung war wohl teurer als gedacht. Die Bomben des zweiten Weltkrieg zerstörten es in dieser Hinsicht leider nicht, aber die städtischen Bauplanungen von 1982. Endgültig wurde es dann abgerissen. Nun steht dort ein Neubau. Das Gebiet wird durch die Autobahn A448 durchschnitten. Nichts erinnert an ein altes Rittergut außer der Name Havkenscheid, der auch die Trauerhalle anhängt auf dem Ostteil des Hauptfriedhofs.
Denkmal Trauerhalle Ost/Havkenscheid
Das Denkmal Trauerhalle Ost in Havkenscheid mit ihrer besonderen Architektur, entworfen von dem ursprünglich glühenden Nationalsozialistenarchitekten Ferdinand Keilmann (dazu später mehr) passt zweideutig perfekt als Bibliothek der Menschenrechte des Fritz Bauer Forums.
Es gibt im Internet kaum Fotos von dem Architekten Ferdinand Keilmann
Denkmalschutz für Trauerhalle in Bochum
Was mit der Trauerhalle Ost bzw. Havkenscheid in Bochum passierte war lange unklar. Sie wurde nicht mehr genutzt auf dem Hauptfriedhof. Auch die Jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen entschied sich gegen die Weiternutzung. Vielleicht wegen der Form der Dornenkrone in Sichtbetonweise oder wegen der Geschichte des Architekten und baute daneben eine neue Trauerhalle. Sie bauten daneben eine moderne neue Trauerhalle, die mit hohen Zäunen leider abgeschirmt werden muss wegen der aktuellen Situation des wieder stärker werdenden Antisemitismus.
Die jüdische Trauerhalle in unmittelbarer Nähe komplett wegen der aktuellen starken Wiederaufkommens des Antisemitismus mit einem hohen Zaun abgesichert.
Die Denkmalschutzbehörde entschied sich die Trauerhalle Ost in Havkenscheid 2015 unter Denkmalschutz zu stellen wegen ihrer besonderen Architektur des Brutalismus der 1970er Jahre von Ferdinand Keilmann, der die Nachkriegsarchitektur von Bochum entscheidend prägte. Was aus ihr wird, wusste damals noch niemand. Genutzt als Trauerhalle wurde sie bis 2019.
Eine tolle Bibliothek füllt den Raum der Trauerhalle mit Sitzgelegenheiten in den Betonnischen
Die Dach-Betondornenkrone drohte jedoch durch Wildwuchs und Regennässe zerstört zu werden. Der angrenzende Gebäudekomplex der Friedhofsgärtnerei und Leichenhalle verfiel zusehends zu einem Lost Place.
Die Gebäude verkamen langsam zu einem Lost Place
Doch dann wurde Dr. Irmtrud Wojak, selbst aus dem Ruhrgebiet stammend, auf die Trauerhalle und dem angrenzenden Gebäudekomplex aufmerksam. Sie dachte bestimmt, dass es genau der richtige Fleck ist dort das geplante Fritz Bauer Forum zu errichten. Und sie hat wahrlich recht gehabt!
Die Rollups über das Fritz Bauer Forum
Eine Trauerhalle, die von einem glühenden Nationalsozialistenarchitekten als Abschluss vor der Rente entworfen wurde. Ferdinand Keilmann prägte auch die Stadt Bochum im Wiederaufbau. Der große Hauptfriedhof mit seiner Trauerhallenarchitektur der 1930er Jahre der Nationalsozialisten bekam ein Gegenstück von einem ehemaligen glühenden Mitläufer. Der Entwurf der kleinen Trauerhalle Havkenscheid wirkt wie eine Entschuldigung am Ende seines Arbeitslebens als Architekt. Besser kann es für die Gründung des Fritz Bauer Forums an dieser Stelle von der Geschichte, dem Ort und die aktuelle Situation nicht sein.
Der Eingangsbereich zur Trauerhalle-Bibliothek
Gebaut wurde die Trauerhalle als Ausweichtrauerhalle, um weite Wege zu sparen zum Hauptfriedhofsteil Ost. Ebenfalls unter Denkmalschutz steht schließlich auch die große Trauerhalle, die 1935 eröffnet wurde am Freigrafendamm. Ihre Architektur und das Ensemble zeigt einmalig in Deutschland die Friedhofsarchitektur der Nationalsozialisten. Bochum wurde ein Spielfeld für Naziarchitektur, auch später bei den Bunkerbauten.
Die große „Nazi“-Trauerhalle am Haupteingang zum Friedhof
In den Planungen wurde die Trauerhalle von innen behutsam angepasst mit Stahlregalen für eine „Bibliothek für Menschenrechte“. Die Biographie von Fritz Bauer, geschrieben von Dr. Irmtrud Wojak, steht in mehreren Regalmetern. Hier kann recherchiert, geforscht und gelesen werden. Wo früher die kalten Leichen ungeheizt für eine kurze Zeit beherbergt wurden, bevor sie dann auf den Friedhof beerdigt wurden, kommen nun die Lebenden, um zu bleiben. Sie haben heute den Vorteil einer wärmenden Heizung.
Der Gebäudekomplex
Der gesamte Friedhofsbaukomplex wurde neu gestaltet, wo früher die Friedhofsgärtner und Gärtnerinnen ihre Pause verrichteten, während im anderen Trakt mit Blick auf die Trauerhalle die Toten vor der letzten Ruhestätte ein letztes Mal aufgebahrt wurden. Es gab dort wirklich getrennte Pausenräume für Männer und Frauen!
Blick auf die Dachkonstruktion von innen
„Brutale“ Architektur und Geschichte
Der Baustil „Brutalismus“ leitet sich nicht – wie man vermuten könnte – vom Wort „brutal“ ab, sondern aus dem französischen „béton brut“ für rohen Beton. In Deutschland sagt man „Sichtbeton“. Ein noch besseres Architektur-Beispiel in Bochum ist die Ruhr-Universität mit dem neu gebauten Stadtteil Hustadt in Querenburg Anfang der 1960er Jahre. Es wurden klare graue Betonlinien gezogen: Schnörkellos glatt und ein einfaches Schick, aber auch praktisch gebaut.
Glaskünstler Egon Becker
Durchbrochen wurde das graue Erscheinungsbild durch Glasmosaike durch Egon Becker, dem Glaskünstler, der auch in den Trauerhallen in den Stadtteilen Dahlhausen, Stiepel oder in Weitmar entdeckt werden kann.
Die Glaskunst von Egon Becker. Unten Dunkel nach oben hin hell.
Unten sind starke dunkle Farben, die nach oben hin heller werden und auch den Raum der Trauerhalle erhellen und so den grauen Beton oben auflockert.
Ich interpretiere es so, dass der dunkle blaue Himmel unten die Erde zeigt, die ja auch dunkel ist, aber nach oben hin heller wird. Wer stirbt der geht ins Dunkle, aber steigt in den hellen Himmel auf. Wenn der Verstorbene am Boden mit dem Rücken nach oben liegt, schaut er in den Himmel, dem Licht am Ende des Tunnels sozusagen. Der Glaskünstler Egon Becker hat sich da bestimmt was bei gedacht. Fragen können wir ihn ja nicht mehr. Er starb 1989. Er war Kunsterzieher u.a. an der Goetheschule, die Ferdinand Keilmann als Architekt ebenfalls entwarf.
Die Trauerhalle hatte einen überdachten Gang vom Betriebshof aus. Der allerdings nicht mehr vorhanden ist. Es war nicht denkmalgeschützt.
Das Foto zeigt die wohl frisch erbaute Trauerhalle mit der Dachkonstruktion Foto mit freundlicher Genehmigung der Stadt Bochum
Die Überdachung war deswegen, damit die Trauergäste trockenen Fußes vom Eingang der Leichenhalle rüber in die Trauerhalle gehen konnten. Jetzt steht die Trauerhalle als Gebäudekomplex für sich, was das Denkmal architektonisch betont.
Hier war die Dachkonstruktion bis zur TrauerhalleDie Trauerhalle während der Sanierung und dem Bau des Fritz Bauer Forums
Entstanden ist sie durch die Anregung des damaligen Oberbürgermeisters Fritz Klaus Ende der 1960er Jahre. Denn der städtische Hauptfriedhof wurde erweitert und die Wege zur Trauerhalle wurden größer bis zu den Gräbern. Die Trauernden sollten kürzere Wege bekommen zu den Begrabungsstätten, gerade im kalten Winter oder bei schmuddeligen Regenwetter. Die Friedhofsfläche wurde so groß, da hätten mehrere VfL Stadien Platz gehabt.
Am Eingang des Hauptfriedhofs gab es die protzige Trauerhalle die Ende der 1920er Jahren geplant, aber in einem Nationalsozialistischen Friedhofsgesamtkonzept fertig gestellt worden ist. Der Sozialdemokratische Oberbürgermeister wollte ein Gegenstück dazu haben. Nicht protzig, eher klein und schlicht, sowie nutzbar für alle Religionen.
Ein Betonmonument der Stille
Wer vor der Trauerhalle steht, spürt sofort: Dieser Bau ist mehr als nur ein Ort des Abschieds. Die Halle wirkt wie eine Skulptur aus Beton – klar, ruhig, kraftvoll.
Ein Raum, drei Ebenen
Die Trauerhalle ist als ein einziger großer Raum konzipiert – schlicht, aber durchdacht. Sie gliedert sich in drei übereinanderliegende Zonen, die dem Gebäude ihre markante Erscheinung verleihen:
Der Sockel: Er besteht aus vier hellen Sichtbetonstützen aus Weißzement. Zwischen ihnen sitzen dunkelgraue Betonrahmen mit großen Glasflächen. Die farbigen Bleiverglasungen von Egon Becker ergeben abstrakte Muster aus Licht und Farbe.
Die Mitte: Darüber liegt ein breiter, waagerechter Betonteil, der wie ein schwebendes Dach wirkt. Er ragt über den unteren Teil hinaus und verleiht der Halle ihre charakteristische Schwere und Ruhe.
Der obere Abschluss: Ganz oben thront ein mehrfach gestufter, quadratischer Betonaufsatz mit gezackter Silhouette – fast wie eine Krone aus Stein. Dahinter verbirgt sich allerdings ein schlichtes Flachdach.
Ein Bauwerk wie eine Skulptur
Bemerkenswert ist, dass der Bau bis heute weitgehend im Originalzustand erhalten ist. Nur kleinere Ausbesserungen an der Betonoberfläche wurden im Laufe der Zeit vorgenommen.
Aus Sicht der Denkmalpflege gilt die Trauerhalle als herausragendes Beispiel des Brutalismus – einer Architektur, die Beton nicht versteckt, sondern bewusst zeigt. Ihre klare Formensprache, das Spiel von Licht und Material und die skulpturale Wirkung machen sie zu einem besonderen Zeugnis der Sepulkralkultur der 1960er- und 1970er-Jahre.
Vor der Sanierung sah es nicht gut aus für den Beton oben von der Trauerhalle
Ein stilles Meisterwerk
Während die Hauptanlage des Friedhofs noch vom monumentalen Stil früherer Zeiten geprägt ist, wirkt Keilmanns Halle modern, fast poetisch. Sie steht für einen Wandel im Umgang mit Tod und Erinnerung – weg vom Pompösen, hin zu einer ehrlichen, stillen Architektur, die Raum lässt für Nachdenken und Abschied.
So sind die Räumlichkeiten von dem Fritz Bauer Forum früher gewesen
Der Entwurf der Trauerhalle stammt von Ferdinand Keilmann. Die Ausführung fand jedoch erst nach der Pensionierung Keilmanns 1973 und 1974 durch die Firma Philipp Holzmann statt. Die planerische Leitung oblag dem Dipl.-Ing. Hans-Rolf Dönges, welcher sich am ursprünglichen Entwurf von Ferdinand Keilmann orientierte.
Der Bau der Bibliothek durfte nicht das Denkmal beeinträchtigen
Im April 2015 wurde die Trauerhalle Havkenscheid schließlich als Denkmal aufgelistet als Zeugnis des Werkes des prägenden Architekten und ehemaligen Nachkriegs-Baumeisters der Stadt Bochum Ferdinand Keilmann.
Ein Plan zeigt, wie groß der Hauptfriedhof ist
Die Buxus-Stiftung – Bildung, Erinnerung, Demokratie
Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was sich hinter der alten Trauerhalle in Bochum verbirgt, außer eben einer Trauerhalle, die zum Denkmal wurde. Erst am Tag des offenen Denkmals bin ich nun auf die Buxus-Stiftung gestoßen – und war sofort beeindruckt. Ohne sie gäbe es das Fritz Bauer Forum überhaupt nicht.
Gegründet wurde die Stiftung 2013 von Dr. Irmtrud Wojak, einer Bochumerin mit beeindruckender Vita. Sie hat eine umfassende Biografie über Fritz Bauer geschrieben – jenen Juristen, der den Auschwitz-Prozess möglich machte und nie müde wurde, an das „Nie wieder!“ zu erinnern.
Für Wojak ist dieses „Nie wieder!“ kein bloßer Satz, sondern ein Auftrag. Sie will aktiv daran mitarbeiten, dass die Menschenwürde, fest verankert im ersten Artikel unseres Grundgesetzes, nicht vergessen, sondern gelebt wird.
Die Buxus – Stiftung hat einen eigenen Verlag: Buxus Edition. Dort werden auch Bücher aufgelegt, die sich mit dem Thema Menschenrechte beschäftigen. Auch die Biografie von Fritz Bauer von Dr. Irmtrud Wojak ist hier zu kaufen. (Unten sind alle Links)
Mein Schatten zeigt: Ganz wichtig dieses Fritz Bauer Forum!
Vom Ruhrgebiet in die Welt – und zurück: Dr. Irmtrud Wojak
Bevor Dr. Wojak die Stiftung gründete, arbeitete sie viele Jahre in Latein- und Mittelamerika. Dort lernte sie Menschen kennen, die um ihre Rechte kämpfen mussten, und schrieb ihre Dissertation über politische Gegner des NS-Regimes und Überlebende des Holocaust.
2013 gründete sie schließlich die Buxus-Stiftung, benannt nach dem widerstandsfähigen Buchsbaum – ein Symbol für Stärke, Erneuerung und Standhaftigkeit. Finanziert wird sie durch öffentliche Mittel und Partner wie Vorwerk oder die NRW-Stiftung, die auch das Fritz Bauer Forum unterstützte.
Ziel der Stiftung ist es durch Bildung die Demokratie und Erinnerungskultur zu bewahren und Menschenrechte schützen – in Deutschland und weltweit.
Oder kurz gesagt: Bildung. Erinnerung. Demokratie.
Die Stiftung gibt den Menschen eine Stimme, denen Unrecht widerfahren ist – damals wie heute. Sie versteht sich als Ort des Dialogs, der Aufklärung und der Verantwortung.
Das Fritz Bauer Forum – ein Ort der Begegnung
In Bochum hat die Stiftung ihren passenden Ort gefunden für ihre Idee des Fritz Bauer Forums. Hier treffen Architektur, Geschichte und Bildungsarbeit aufeinander. Die einst leerstehende Trauerhalle vom umstrittenen, aber Bochum prägenden Architekten Ferdinand Keilmann wurde liebevoll umgebaut – ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Immer wieder sind spannende Vorträge zu bestimmten Themen
Heute befinden sich dort eine moderne Bibliothek, Ausstellungsräume. Es werden angeboten Workshops, Schulprogramme und ein Archiv mit Biografien von Überlebenden und Geschichten der Menschenrechtsbewegung. Zwischen den Bücherregalen laden Leseecken und offene Treppen dazu ein, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen – und über die Gegenwart und das Gestalten der Zukunft nachzudenken.
Warum gerade Bochum?
Bochum war kein Zufall. Als gebürtige Bochumerin wusste Dr. Wojak um die Bedeutung dieser Stadt – ein Ort, der seit über 100 Jahren von Migration, Industrie und einem stetigen Strukturwandel geprägt ist. Mit der Ruhr-Universität, dem kulturellen Erbe des Bergbaus und seiner offenen Gesellschaft ist Bochum der ideale Standort für ein Forum, das Demokratie, Vielfalt und Erinnerungskultur fördern will.
Der angrenzende ehemalige Verwaltungsbau aus den 1970er-Jahren wurde nicht abgerissen, sondern in das Gesamtkonzept integriert. So entstand ein Kommunikationshaus, das Geschichte bewahrt und gleichzeitig Zukunft gestaltet.
Nie wieder ist jetzt
Mit der Buxus-Stiftung und dem Fritz Bauer Forum hat Dr. Irmtrud Wojak einen Ort geschaffen, der zum Nachdenken anregt – über Menschlichkeit, Verantwortung und den Wert der Demokratie.
Sie hat das Leid vieler Menschen, das Unrecht und die Folgen von Krieg und Diktatur in einer einzigen Trauerhalle zusammengeführt – und daraus einen Ort der Hoffnung gemacht.
Die Buxus-Stiftung hat den eigenen Verlag Buxus Edition zum Verlegen von Büchern zum Thema Menschenrechte und Wahrung der Demokratie. Jede Veranstaltung kann durch einen Live-Stream auch bequem von zu Hause aus angesehen werden. Das Forum ist auf den modernsten Stand und versucht mit allen Mitteln die Bildung weiterzugeben.
Auch Räume können angemietet werden, sowie auch das Podcast-Studio. Internationale Künstler sind eingeladen Ausstellungen im Laufe des Jahres mitzumachen, die das Thema Menschenrechte auf die Agenda geschrieben haben.
Denn, um es mit den Worten Fritz Bauers zu sagen:
„Nichts gehört der Vergangenheit an – alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“
Wer einen Vorwerk Staubsauger oder Thermomix kauft, gibt also einen kleinen Teil zur Bewahrung der Menschenrechte und Demokratie dazu, denn einer der Vorwerk Brüder unterstützt die Buxus-Stiftung. Die Beweggründe liegen in der Geschichte der traditionellen Firma für Haushaltsgeräte.
Vorwerk wurde 1883 gegründet. Aber auch die Staubsaugerfirma wurde in den 1940er Jahren auf die Produktion von Munition für den Krieg der Nationalsozialisten umgestellt. Statt die Alliierten aufzusaugen wurde scharfe Munition und Bomben hergestellt von Zwangsarbeitern an der Fabrikstandorten.
Eine Anekdote von Magdalena Köhler war, dass es französische Zwangsarbeitern gelungen war Bomben so zu präparieren und sabotieren, dass sie beim Angriff auf sowjetische Städte keine Explosion gab. Alle waren Blindgänger. Leider kam das natürlich heraus. Zehn Franzosen wurden aus dem Werk von der Gestapo geführt und wurden nicht mehr wiedergesehen…
Im Zuge der Wiedergutmachungszahlungen für Zwangsarbeiter, hat Vorwerk als einer der ersten sich geöffnet. Das Unternehmen hat seine dunkle Geschichte aufgearbeitet.
Fritz Bauer (1903–1968) war Jurist, überzeugter Demokrat, Verteidiger der Weimarer Republik und Überlebender des Nationalsozialismus. Aufgewachsen in einer liberal-jüdischen Familie in Stuttgart, verstand er sich selbst als glaubenslos, aber tief demokratisch. Schon als Student kämpfte er für die Werte der Weimarer Republik – und wurde damit früh zum Feindbild der Nazis.
Mit nur 26 Jahren wurde Bauer 1930 der jüngste Amtsrichter Deutschlands. Nach der Machtübernahme 1933 wurde er verhaftet, später aber wieder freigelassen – aus bis heute ungeklärten Gründen. 1936 gelang ihm die Flucht nach Dänemark, später nach Schweden. Dort arbeitete er im Exil eng mit dem späteren sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt zusammen und gründete die Zeitschrift Sozialistische Tribüne.
1949 kehrte Fritz Bauer nach Deutschland zurück. Zunächst Landgerichtsdirektor in Braunschweig, wurde er 1956 Generalstaatsanwalt in Hessen. Von dort aus kämpfte er unermüdlich für Gerechtigkeit und Aufklärung der NS-Verbrechen – oft gegen den Widerstand einer Justiz, die noch von alten Nazi-Kadern geprägt war. „Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland“, sagte er einmal über seine Arbeit.
Nazijäger Bauer führt zu Adolf Eichmanns Verhaftung
Fritz Bauer hatte Informationen bekommen, wo sich der „Endlösungsplaner“ Adolf Eichmann aufhielt. Er übergab 1960 die Information dem israelischen Geheimdienst Mossad, die ihn mit einer spektakulären Entführungsaktion nach Israel entführten und ihn dort vor Gericht stellten. Dort kamen viele Dinge ans Tageslicht, die in der Form damals wahrscheinlich nicht in Deutschland machbar gewesen wäre.
Der Auschwitz-Prozess und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen
Bauer war der zentrale Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965). Gegen massiven Widerstand sorgte er dafür, dass die Täter des Konzentrationslagers Auschwitz vor Gericht gestellt wurden. Auch wenn viele Angeklagte nur wegen Beihilfe zum Mord verurteilt wurden, gilt Bauers Einsatz als Wendepunkt: Er zwang die deutsche Gesellschaft, sich mit der eigenen Schuld auseinanderzusetzen.
Er trieb außerdem Verfahren gegen NS-Mediziner, Juristen und Wehrmachtsangehörige voran und setzte sich für die Rehabilitierung der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 ein. Sein berühmtes Zitat aus dem Remer-Prozess lautet:
„Ein Unrechtsstaat, der täglich Zehntausende Morde begeht, berechtigt jedermann zur Notwehr.“
Vision eines humanen Strafrechts
Neben seiner juristischen Arbeit war Bauer ein Vordenker moderner Strafrechtspolitik. In seinem Hauptwerk Das Verbrechen und die Gesellschaft (1957) plädierte er für ein Rechtssystem, das auf Resozialisierung statt auf Strafe setzt – ein radikaler Gedanke seiner Zeit.
1961 gehörte er zu den Mitbegründern der Humanistischen Union, die heute noch den Fritz-Bauer-Preis für Zivilcourage und Rechtsstaatlichkeit vergibt.
Das Vermächtnis ist das Fritz Bauer Forum
Tod und Vermächtnis
Am 1. Juli 1968 wurde Fritz Bauer tot in seiner Frankfurter Wohnung gefunden. Offiziell wurde Herzversagen durch Vorschädigungen am Herz plus Einnahme von Schlafmitteln und eine Bronchitis festgestellt. Doch bis heute wird über die Umstände seines Todes spekuliert. Sicher ist: Ohne Fritz Bauer hätte die Bundesrepublik ihre NS-Vergangenheit noch länger verdrängt. Er bleibt einer der wichtigsten Wegbereiter für ein demokratisches und selbstkritisches Deutschland. Umso wichtiger ist er für das Forum für Menschenrechte der Namensgeber in und um die Trauerhalle Havkenscheid.
Schattenwand – wir hören alle zu
Fritz Bauer hat mit dem Ruhrgebiet nie etwas zu tun gehabt. Er wurde hier nicht geboren, hat es wahrscheinlich nie besucht. Aber jetzt wird er hier im vielfältigen Ruhrgebiet statt in seiner letzten Wirkungsstätte Frankfurt mit einem Forum für Menschenrechte geehrt für seine Arbeit als „Nazi-Jäger“, wie er genannt wurde. Er hatte das Treten der Menschenrechte unter den Nationalsozialisten selbst durch einen Aufenthalt im Konzentrationslager erfahren umso mehr kämpfte er für ein „Nie wieder“. Er sollte als Vorbild in der heutigen Gesellschaft gesehen und nicht vergessen werden.
Fritz Bauer hat den Artikel 1 vom Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das 1949 prägend für den Wandel eines neuen demokratischen Staates in Europa war, weithin sichtbar an der Fassade des Justizgebäude in Frankfurt, seinem Arbeitsplatz als Generalstaatsanwalt in Hessen, angebracht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.
Nun kommt ein anderer Mann ins Spiel, der die Trauerhalle entworfen hat und Anhänger der Nazis war, die Fritz Bauer Zeit seines Lebens vor Gericht stellen wollte.
Architekt Ferdinand Keilmann – Von der „Welthauptstadt Germania“ zum Stadtgestalter in Bochum
Ferdinand Keilmann steht für die Bochumer Nachkriegsarchitektur, wie kaum ein anderer. Viele seiner Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Doch seine Biographie ist mehr als nur eine Erfolgsgeschichte, sondern es stellen sich viele schwierige Fragen zur Vergangenheit seines Schaffens.
Vom Musikersohn zum Architekten des NS-Staates
Geboren am 24. Juli 1907 in Würzburg, war Keilmann das älteste Kind eines Gymnasiallehrers und Musikprofessors. Eine Rachitis-Erkrankung machte ihn schwerhörig. So konnte er nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, was er sich gewünscht hatte. Er entschied sich für das Bauen von Gebäuden.
Nach einer Tischlerlehre studierte Keilmann Architektur in Offenbach, Aschaffenburg und Weimar – an der Nachfolgeinstitution des legendären Bauhauses. Einer seiner Lehrer war Ernst Neufert, später ein bedeutender Theoretiker des modernen Bauens.
Doch Keilmanns Weg nahm früh eine politische Wendung. Da beginnt die schwierig Einschätzung seiner Person: Schon 1932 trat er in die NSDAP ein. In Aschaffenburg arbeitete er nach 1934 als Pressewart der Ortsgruppe. Ab 1936 war er als Architekt für die Reichsluftwaffe tätig, plante Offiziersheime und Wohnhäuser auf Sylt, später Kasernen in Berlin. War er nur karrieregeil und wußte, dass er dies auf dem Weg als Parteiangehöriger ohne Probleme machen konnte.
Planer für Hitlers „Germania“
Ab 1939 arbeitete Keilmann im Umfeld von Albert Speer, dem Chefarchitekten des Regimes. Gemeinsam mit Kollegen plante er am Südbahnhof für „Germania“, Hitlers gigantische Vision einer „Welthauptstadt“. In dieser Zeit war Keilmann Teil eines Systems, das Architektur als Ausdruck von Macht, Kontrolle und Ideologie verstand. Er muss den Weg der Partei gegangen sein. Er musste wissen, was sich im Hintergrund abspielte als es um Bauten in der Kriegszeit nur noch mit Zwangsarbeitern und ihrem Schicksal geht. Er war Mitwisser. Doch vielleicht hat er nie selbst geschossen. Wahrscheinlich war er dennoch einer derjenigen, der wusste, wohin die Zwangsarbeiter gingen, wenn sie nicht mehr fähig waren die Arbeiten auszuführen, nämlich in den Tod.
Nach Kriegsende geriet Keilmann in die Mühlen der Entnazifizierung. Ungewöhnlich ist, dass er gleich zwei Mal die Verfahren durchmachen musste, 1947 und 1948. Beide Verfahren überstand er und erhielt auch die Zulassung als Architekt. 1950 holte ihn Stadtbaurat Clemens Massenberg ins Hochbauamt der Stadt Bochum.
Dort begann Keilmann seine produktivste Phase. In den 1950er Jahren entstanden zahlreiche öffentliche Gebäude, z.B. das leider abgerissene Stadtbad und das Hochhaus der Stadtwerke Bochum, das heute unter Denkmalschutz steht, sowie Schulen, verschiedene Trauerhallen und Verwaltungsbauten, die heute als typische Vertreter der Nachkriegsmoderne gelten. Sein letztes Architekturwerk war vor der Pension die Pläne für die Trauerhalle Ost in Havkenscheid, die er selbst nicht mehr ausführen konnte.
Zwischen Anpassung und Aufbau
Mein Schatten zeigt: Ganz wichtig dieses Fritz Bauer Forum in Bochum!
Ferdinand Keilmann war kein einfacher Charakter, und seine Biografie ist kein Heldendrama. Er war Architekt in zwei völlig unterschiedlichen Systemen – und er passte sich beiden an. In der NS-Zeit arbeitete er an den Prestigeprojekten des Regimes, nach 1945 am Wiederaufbau einer demokratischen Stadt.
Vielleicht liegt genau darin das Spannende an seiner Geschichte: Sie zeigt, wie brüchig die Grenzen zwischen Schuld, Mitläufertum und Neubeginn in der Nachkriegszeit waren.
Er musste gewusst haben, dass er für Architekturprojekte in Kriegszeiten verwendete Zwangsarbeiter in den Tod geschickt hat, wenn sie zu schwach wurden. Er muss nicht selbst geschossen haben. Es reicht das anderen, die es tun mitzuteilen. Das ist nun reine Spekulation, aber bei der „industriellen Verwertung“ von „Menschenmaterial“ im zweiten Weltkrieg, um das System am Laufen zu halten, war jedes Mittel recht und die Schwächsten zogen immer den kürzeren. Er war Mitglied in der NSDAP seit 1932. Lebte wahrscheinlich auch durch Überzeugung die Rassentheorien. Er machte durch die Parteimitgliedschaft eine große Karriere und die ging fast nahtlos in Bochum weiter durch den Baudezernenten Clemens Massenberg. Sie mussten sich gekannt haben schon aus Berliner Zeiten. Clemens Massenberg sorgte für den Neubau der Innenstadt von Bochum und prägte sie so, wie sie heute zu sehen ist.
Diverse Kunstfotografien setzen die Trauerhalle ganz besonders mit ihrem Betoncharakter in Szene
Massenberg wollte breite Straßen, zweckgebundene Wohn- und Geschäftshäusern, die schnell aufgebaut werden konnten. Alte Fachwerkhäuser, bis auf eins, in der heute die Gaststätte Rietkötter ist, sollten verschwinden. Er dachte an die Zukunft des Automobils. Ferdinand Keilmann war eine große Unterstützung für Massenberg. Er entwarf auch das leider schon abgerissene neue Stadtbad in der Innenstadt, sowie das Hochhaus in der modernen Stahlskelettbauweise für die Stadtwerke Bochum, das auch unter Denkmalschutz steht. Des Weiteren entstanden unter seiner Leitung eine große Anzahl Schulen (u. a. Neulingschule, Rosenbergschule, Erweiterungsbau Goetheschule) und weitere Trauerhallen (Stiepel, Dahlhausen, und Gerthe). Darüber hinaus plante er den neuen Rathaussitzungssaal sowie die Errichtung der Aussichtsplattform im Turm der Burg Blankenstein (Hattingen). Ferdinand Keilmann entwarf auch den Grabstein für Clemens Massenberg auf dem Hauptfriedhof als dieser 1954 starb. Er musste Massenberg unendlich dankbar gewesen sein, um von der eher dunklen Schattenseite seines Tuns vor dem Ende des Weltkriegs, neues wieder aufleben zu lassen, das lange Bestand haben sollte. Das ist ihm auch gelungen.
Sein letzter Auftrag vor der Beamtenpension war der Entwurf der Trauerhalle Ost in Havkenscheid als Gegenentwurf für die große Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof, die in der Zeit der Nationalsozialisten architektonisch pompös, von weitem sichtbar errichtet wurde. Sie wurde zwar schon Ende der 1920er Jahre geplant. Aber bei den Baumaßnahmen wurden entsprechende angepasste Änderungen vorgenommen. Sie ist auch unter Denkmalschutz und gilt als einmalig für die Friedhofskultur der 1930er Jahre in ganz Deutschland. Keilmann hat als Architekt im Hochbauamt der Stadt Bochum zwischen 1950 und 1972 einen erheblichen Beitrag zum Stadtbild geleistet.
Keilmann starb am 7. September 1979 in Bochum – als anerkannter Architekt, aber mit einer Vergangenheit, die bis heute Fragen stellt. Begraben wurde er, wie sollte es auch anders sein, auf dem Hauptfriedhof ganz in der Nähe seines letzten Architekturentwurfs der Trauerhalle Ost in Havkenscheid.
„Flaschengefühle“ im Vortragssaal vom Fritz Bauer Forum
Da hat der Clemens Massenberg in ihm einfach einen guten Architekten gesehen, der Bochum von den kleinen zerbombten dunklen Fachwerkgassen hin zu einer brummenden luftigen Großstadt umbaut. Ob das ein Augenschmaus ist, sei dahin gestellt. Jede Stadt hat interessante Dinge zu erzählen, ob schön oder nicht.
Verführung muss durch Bildung bekämpft werden
Fritz Bauer würde sich im Grab umdrehen, wenn er sehen würde, wie sich unsere heutige Gesellschaft so leicht verführen lassen durch die sozialen Medien und den gleichen Parolen, die die Nationalsozialisten in den 1920er und 1930er Jahren bei den Wahlen genutzt haben. Aufklärung, Bildung und das Wahren der Demokratie ist umso wichtiger geworden gerade in der jungen Generation, denn die alten, die es selbst erlebt haben, sind bald nicht mehr da.
Die junge Generation kennen den Namen Fritz Bauer nicht. Sie können nicht wissen, dass er als Generalstaatsanwalt in Frankfurt den Auschwitzprozess angestoßen hat und viele noch in den Bundesbehörden tätige Nazis fangen wollte. Er hat dadurch auch die sogenannte 68er Generation angestoßen, die ihre Eltern fragten, was sie da eigentlich totschweigen, warum sie manche Dinge aus der Kriegszeit verschweigen. Die Verkrustung der alten Nazistruktur innerhalb der Bundesrepublik war groß. Der Staat musste beim Neustart funktionieren. Es wurde entnazifiziert, um Lehrer, Manager, Verwaltungsangestellte, Politiker, Juristen, Anwälte, Richter und viele andere Zivilisten, die auch direkt oder indirekt Täter waren, den neuen Staat, die Bundesrepublik Deutschland zu gründen, um gegen den neuen Feind des Westens, nämlich Stalin und der Kommunismus, einen neuen Verbündeten zu haben. Darunter gehörte auch der Architekt der Trauerhalle Ferdinand Keilmann. Ein entnazifizierter erfolgreicher Architekt, der heute wahrlich seine denkmalgeschützte Spuren hinterlassen hat in Bochum.
Der Vortragssaal
Kleiner Film-Tipp:
Die Serie „Deutsches Haus“ befasst sich mit den Auschwitz-Prozessen sehr eindringlich. Inhaltlich geht es um eine junge Dolmetscherin, die für die Auschwitz-Prozesse von Fritz Bauer angestellt wird, um vom polnischen in die deutsche Sprache vor Gericht zu übersetzen. Sie selbst findet nach und nach raus, warum sie so gut polnisch kann und wo sie aufgewachsen ist, doch es verdrängt hat, weil sie zu jung war.
Iris Berben spielt eine Auschwitz-Überlebende sehr eindringlich. Sie war in der Nebenrolle so oscarreif. Mir stockte bei ihrer Spielart der Überlebenden der Atem und ich hatte einen Klos im Hals.
Kunst spielt mit dem Gebäude
Wer sich also mit dem Thema beschäftigen möchte, sollte sich auf Disney+ die Serie anschauen:
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„Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.“
Dieses Zitat von Fritz Bauer soll künftig über dem Eingang der ehemaligen Trauerhalle stehen, als Aufforderung und Hoffnung für die Menschen. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis Fritz Bauers Wirken entsprechend gewürdigt wurde. Ich mache dies jetzt in meinem Blog. Er ist hier im Ruhrgebiet, dem Gebiet der Vielfalt, in der Stadt Bochum angekommen und wird auf eine besondere Art gewürdigt, was wir der Idee von Dr. Irmtrud Wojak zu verdanken haben.
Ganz ehrlich: Das Forum ist zur richtigen Zeit errichtet worden. Irmtrud Wojak würdigt damit nicht nur das Wirken von Fritz Bauer, sondern Alle, die Menschenrechte verteidigen, sowie alle Überlebenden in der Welt, aber auch alle Toten, die durch Krieg und Autokratie, wo Menschenrechte nicht zählen, mit diesem Fritz Bauer Forum eine Anlaufstelle der Aufklärung und Wahrung für die Zukunft. Das ist ein großer Chapeau mit viel Respektschampus! Das ist Bundesverdienstkreuzwürdig!
Abschließend ist folgender Satz von Dr. Irmtrud Wojak sehr zu Herzen zu nehmen und auf jeden Fall für sich mitzunehmen, aufzustehen für den Widerstand für die Überlebenden. Ich will es weitergeben für die, die nicht überlebt haben mit diesem und auch den ein oder anderen Podcast zusammen oder ohne Jack Tengo, der genauso dahinter steht. Egal wie viele es nun gehört haben oder hören werden oder diese Zeilen gelesen haben oder nicht:
„Fritz Bauer war die Stimme des Widerstands der Überlebenden im Nachkriegsdeutschland.“
Dr. Irmtrud Wojak Historikerin und Gründerin des Fritz Bauer Forums
Der kurze einprägsame und erstaunliche Vortrag über das Denkmal und den neuen Inhabern von Magdalena Köhler war augenöffnend und horizonterweiternd. Ich habe meinen Teil dazu beitragen wollen. Die Idee von Dr. Irmtrud Wojak die Trauerhalle zu einer Bibliothek der Menschenrechte zu machen finde ich sehr ehrenswert. Bochum hat nun einen ganz besonderen Ort für eine Erinnerungskultur bekommen, einem Ort von Bildung, die zum Erhalt der Demokratie führen soll. Ein Ort, den trotz der politischen Situation, auf jeden Fall bewahrt werden muss.
Hätten die Alliierten den Krieg gegen Deutschland nicht gewonnen, wo wäre der Weg der Menschenrechte hingegangen? Eine Frage, die wir zum Glück nicht beantworten müssen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte auch das Fritz Bauer Forum und erklärte: „Demokratie verlangt Wachheit. Und sie erlaubt keinen Rückzug, sie will Einmischung, um ihretwillen, nicht um der Empörung willen. Diese Haltung hätte Fritz Bauer sich von uns gewünscht – nein, er hätte sie erwartet!“
So schließe ich selbst mit den Worten: „Seid die Stimme des Widerstands der Überlebenden in der Welt! Seid diejenigen die Aufstehen gegen Unrecht und gegen die Lügen der Autokraten, Populisten und rechtsrückenden Lügenversteher! Steht auf und seid die Stimme des Widerstands!
Ich für meinen Teil mische mich ein. Habe Haltung. Und du?
(Wer sich eingehender mit der Thematik befassen möchte, sollte nicht Wikipedia nutzen, sondern eingehenden Literatur in der nächsten Stadtbibliothek oder Buchhandlung nutzen.)
Alle Fotos sind (C) André Brune – Die zwei von der Stadt Bochum sind bei einem Podcast mit Markus Lutter vom Bildarchiv der Pressestelle vom Monitor abfotografiert worden. Danke für die Genehmigung!
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