Hilfstransport nach Bosnien Tag 2 I Spendenabgabe an Schulen in Velagici, Jajce & Fojnica I +Fotostrecke I +Video

13.6.2025, Tag 2: Weiterfahrt der Hilfsfahrt nach Fojnica über Velagići und Jajce.

Wir waren 7 Uhr wach, trotz der langen Fahrt über Nacht. Tag 2 ist angebrochen und wir haben viel vor. Wir müssen wieder viel fahren, insgesamt nach Fojnica vier Stunden mit zwei wichtigen Aufenthalsorten. Ein Besuch mit Spendenabgabe in jeweils einer Schule in Velagići und Jajce, sowie am Ende auch in Fojnica.

Abfahrt

Nach dem ausgiebigen Frühstück fuhren wir los in Richtung Fojnica und besuchten relativ pünktlich die Schule JU Osnovna škola „Velagići“ in Velagići, um die gesammelten Spenden vom Berufskolleg Bottrop für einen vernünftigen Sportunterricht in der Schule zu überbringen. Bei der letzten Hilfsfahrt zeigte uns Jasmin Mujacic, der Sportlehrer der Schule, uns die eher armselige Auswahl für den Sportunterricht. Die Sammeltrommel wurde gerührt und das Ergebnis mitgebracht.

(Video ist in Arbeit und folgt in Kürze!)

Drohnentest und Flug über die Einrichtung Radosti Druzenjia für nachfolgenden Interviews

Relativ pünktlich kamen wir an und wurden erstmal herzlich von einem Straßenwelpen empfangen, den wir fast überfahren hätten, wenn wir nicht aufgepasst hätten. Er war neugierig auf unsere großen Fahrzeuge, die zur Schule fuhren.

Auf dem Lehrerparkplatz angekommen, nahm er uns in Augenschein und begrüßte uns herzlich. Alle hätten ihn gerne mitgenommen.

Marjanna Aleksic vom Medienkompetenzkurs vom Berufskolleg Bottrop

https://youtube.com/shorts/rOa4ne-xT94?feature=share

Jasmin Mujacic und der Schulleiter Čezim Zec ,den wir letztes Jahr nicht kennenlernen konnten, begrüßten uns freudig. Sofort wurde alles ausgepackt und in die Räumlichkeiten gebracht:

JU Osnovna škola „Velagići“

https://www.facebook.com/share/1BhritHgZZ/

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Letztes Jahr bekamen sie auch Laptops vom Verein Labdoo und diverse Materialien für den Informatikunterricht vom Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V. überbracht. Damals erfuhren wir durch den Rundgang,  dass es dort zu wenig Sportmaterialien für einen vernünftigen Unterricht gab:

https://platform.labdoo.org/ca/edoovillage?e=195912

Čezim Zec, Schulleiter in Velagici (links) und Stellvertreter Jasmin Mujacic

Es wurden Basketbälle, weitere Bälle für andere Sportarten, ein Bock, ein Basketballkorb, diverse Trainigsgeräte und eine Tischtennisplatte mit Tischtennisschägern überbracht, die das Berufskolleg Bottrop zusammen bekommen hat.

Zwei Sportlehrer unter sich: Dennis Homann vom Berufskolleg (links), Jasmin …von Velagići

Jasmin und Čezim verteilen die Kinderkleidung und Spielsachen, die der Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V. von vielen privaten Spender und Spenderinnen mitbekommen haben an die umliegenden Kindergärten.

Für die Schüler und Schülerinnen wurden auch Schultornister gesammelt von dem Gymnasium St. Christophorus in Werne, die hier verteilt werden. Sie übergeben dem Verein jedes Jahr immer viele Kleider- und Spielsachen-, aber auch Geldspenden mit. Ich kann nur sagen: Danke im Namen des Vereins!

Alle packen fleißig an. Die schwere Tischtennisplatte in die Schule zu bugsieren.
Alles abgestellt zur weiteren Verteilung in Velagići. Foto: (c) Marjanna Aleksic

Jasmin und Čezim waren wieder schwer begeistert von der Spendenaktion vom Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V. und Berufskolleg Bottrop. Sie übergaben für die geleisteten Spendenaktionen beiden eine Urkunde.

Dennis Homann und Jan Lachnicht vom Berufskolleg nahmen die Urkunde in dem Café entgegen, zu dem wir nach der Spendenübergabe eingeladen wurden.

Dennis Homann (2.v.l.) und Jan Lachnicht (rechts) freuen sich mit den beiden bosnischen Lehrern

Jasmin zeigte uns in der Schule einen leeren Schulraum, der als Abstellkammer oder für Vorbereitungen für Veranstaltungen dient. Dort erzählte er über den Abgang von Schülern seit seinem Anfang an der Schule als Sportlehrer im Jahr 2000. In 25 Jahren reduzierte sich die Anzahl der Schüler und Schülerinnen von 1000 auf nur 70 (!!!). Eine Tendenz, die wir von allen Gesprächen an Schulen erfahren haben!

Jasmin erklärt, wie wichtig die Spendenaktion war für die Schule. Der Staat finanziert sehr wenig in Sachen Bildung.

Die Schule hat einige interessante Bilder an den Wänden. Auf zwei Aquarellen sind auf gemalten Bildern Burgen zu sehen, die für die Region von historischer Wichtigkeit waren und heute noch sichtbar sind.

Zum anderen gab es in einem Klassenraum ein lustiges Bild von der Vorstellung der Schüler von Deutschland. Ich hätte eine Lederhose anziehen sollen…

Alle denken immer an Neuschwanstein und Oktoberfest. Warum ist da nie das Ruhrgebiet mit Fördertürme zu sehen. Naja, hat sich ja auch erledigt. Und Neuschwanstein ist auch schöner für Kinder.

Was uns faszinierte im Treppenaufgang der Schule war eine nachgebautes altes bosnischen Haus. Wer das Fenster öffnete, konnte das Innere eines traditionellen Wohnzimmers entdeckt werden.

Da war ein typisches Sofa, ein Kaffeegedeck aus Kupfer, Stickereien und Webereien an der Wand. Es schien so gemütlich. Man wollte sich am liebsten reinsetzen und wohnen bleiben.

Eine typische traditionelle bosnische Wohnung mit Kaffeeservice und Webstuhl.
Ein Klassenraum in der Schule von Velagići. Lehrer Jan Lachnicht wechselte die Seiten. Foto (c) André Brune
Ein gemeinsames Foto auf der Schulbühne musste noch her

Nach dem Auspacken, der Übergabe der Urkunde luden sie uns ein zu einem Café in einem nahen neuen Campingplatz in Klujč. Gastfreundschaft wird groß geschrieben in Bosnien!

Dort sprach Jasmin über seine Zeit in Wuppertal und schwärmte von der Schwebebahn als bestes Verkehrsmittel der Welt. Er würde sich freuen, wenn es zu einem Schüleraustausch mit einer deutschen Schule zur besseren Völkerverständigung kommen würde.

Hier kann man an der schönen klaren Sana campen
Ein neuer Campingplatz ist entstanden in Klujč

Die vorbeifließende Sana ist so klar, obwohl ich da auch natürlich eine alte Dose gefunden habe für meine Kunstaktion ‚Flaschengefühle‘ gegen die Vermüllung der Stadt, dass ich das Wasser probiert habe. Es schmeckte fast wie stilles Gerolsteiner, sehr klar und frisch und ich lebe noch. Ist also sehr sauber!

Nach dem Kaffeetrinken musste die Verabschiedung leider abrupt passieren, denn auf uns warteten Lehrerinnen in Jajce zur Entgegennahme einer besonderen Spende, die ein Jahr lang armen Kindern in der Schule ein kostenloses Essen garantiert.

Fast im Fluss gelandet, um zu fotografieren
Das Wasser aus der idyllischen Sana schmeckte klar nach Wasser.

Es trennten sich dieses Mal hier für einen Tag die Wege vom Berufskolleg Bottrop und dem Verein. Die Berufskollegdelegation fuhr zurück nach Bihac. Dort hatten sie mit Schülern aus der Stadt eine Besichtigung organisiert, die dann auch in ihrem neuesten Film vorkommen wird.

Wir fuhren weiter nach Jajce zur Schule „Berta Kučera“ und hatten direkt eine der lustigsten und auch warnenden Geschichten der Fahrt erlebt. Ein Tipp auf jeden Fall vorab für eine Fahrt nach Bosnien-Herzegowina:

Vertraut nie dem Navi oder GoogleMaps!

Der genutzte Tomtom führte uns zu einer falschen Adresse. Die in Google gefundene richtige Adresse führte uns zwei Mal in nicht eingebaute Einbahnstraßen. Wir mussten auch einmal wieder aus einer Straße fahren, weil es in einen unscheinbaren Feldweg überging. Dann fuhren wir mit Google Maps zur Burg hoch. Über die Burgkuppe sollten wir auf die andere Seite gelangen.

Über die Burgkuppe nach Google Maps war ein Reinfall

Vorsichtshalber lief ich die schmale Kopfsteinpflasterstraße vor, bis eine scharfe Kurve kam, die der große Opel-Transporter niemals hätte schaffen können.

Ein junges Paar wollte mit dem Golf hinunterfahren und haben sich vorne rechts den Spoiler zerkratzt. Sie gingen auch runter zu kontrollieren  ob es fahrtechnisch weitergehen kann und kamen sofort wieder hoch. Sie teilten uns mit, dass dort noch eine schärfere Kurve wäre. Wir wären spätestens da gescheitert und hätten rückwärts den gleichen Weg fahren müssen.

Hier wären wir niemals durchgekommen

Also meine Idee mit Google so zu fahren war eine Katastrophe. Woher sollte ich das ahnen können? Alle halfen Michael den Bus wieder mit Millimeterarbeit zurück auf Spur zu bringen. Unter uns war der Tunnel durch den wir eigentlich nur durch mussten…

Die Millimeterarbeit beginnt. Der Wagen muss hier drehen.
Geschafft! Wir fahren zurück…

Die Lehrerinnen warteten da schon 30 Minuten länger auf uns. Ein kurzer Anruf von der Burgkuppe, dass wir uns leider verspäten, nutzten wir zum Fotografieren eines herrlichen Panoramas von Jajce, der ältesten Krönungsstadt von Bosnien-Herzegowina.

Blick auf Jajce von der Burg aus
Wir hätten auch zu Fuß gehen können. Die Schule lag fast direkt da unten.

Wir brauchten von dort eigentlich nur 10 Minuten zu Fuß die Treppen runter laufen, dann wären wir fast an der Schule rausgekommen.

Die Burg von Jajce

Nach 45 Minuten Verspätung konnten wir endlich die Geldspende übergeben für die bedürftigen Kinder, die über das Jahr davon ein Mittagessen bezahlt bekommen. Begrüßt wurden wir von der Deutschlehrerin mit den Worten begrüßt,  dass sie das mit dem Verfahren schon kennen und haben gelächelt. In Jajce kann man sich eben schnell verfahren in den Gassen.

Wir sprachen mit der Schulleiterin asima Agić ein wenig. Die Frage kam hier auch, wie groß hier der Abgang von Schüler und Schülerinnen war. Die anwesende Deutschlehrerin Adisa Turanovic übersetzte uns, dass seit der Übernahme ihrer Leitung die Anzahl sich um ca. 2 Schulklassen verringert hat innerhalb von drei Jahren. Das ist eine erschreckende Anzahl auch in diesem schönen Ort.

Mehr Infos zur örtlichen Grundschule „Berta Kučera“ in Jajce:

https://www.facebook.com/share/1CXL5zfvAg/

Auch in dieser Schule wurden vom Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V. Laptops vom Verein Labdoo aus Mülheim vorbeigebracht. Sie werden fleißig genutzt, wie uns bei einer Nachfrage erzählt wird:

https://platform.labdoo.org/content/bosnia-and-herzegovina-jajce-grundschule-%E2%80%9Eberta-ku%C4%8Dera%E2%80%9C-vlasinje-leben-und-lernen-bosnien-ev

Schulleiterin Asima Agić bekommt von Herbert Schröer die Geldspende für das Essen von bedürftigen Kindern für ein Jahr

Wir bekamen ein Gastgeschenk: Bosnischer Lebkuchen, der wie ein großer Golddollar aussah. Auf den Geschmack sind wir gespannt.

Nach einer kurzen Erfrischung mussten wir leider wieder weiter, denn wir wussten, dass wir eine weitere Verspätung durch den Pendlerverkehr bekommen würden bei den nächsten Lehrerinnen in Fojnica der Schule Srednja mješovita škola „Zijah Dizdarević“, einer gemischten Mittelschule.

Wir wollten ja eigentlich um 17 Uhr da sein. Unsere Ankunft war dann 18.15 Uhr. Auch hier warteten geduldig auf einer Bank die stellvertretende Leiterin der Schule und die dolmetschende Deutschlehrerin Amina Musinbegovic Hodzic, die seit 20 Jahren an der Schule ist.

Die Schule ist eine gemischte Schule mit zwei Namen, was verwirrend sein kann. Zum einen ist sie eine Grundschule mit dem Namen ‚Muhsin Risvić‘ und den schon erwähnten Namen für die Sekundarschule (Mittelschule) ‚Zijah Dizdarevic‘. Die Computer waren beantragt worden für die Sekundarschule.

https://smsfojnica.com/

Wir überreichten die ersten über den Verein Labdoo per Antrag gespendete Computer für den Informatikunterricht in der Mittelschule. Für Labdoo haben wir ein schönes gemeinsames Foto gemacht.

Amina (rechts), die Deutschlehrerin kümmerte sich auch um den Antrag bei Labdoo

Anschließend luden sie uns noch zu einem kleinen Gespräch und Getränk ein.  Auch hier erzählte Amina vom Abgang ganzer Schulklassengrößen ins Ausland seit sie als Deutschlehrerin vor 20 Jahren an die Schule kam.

Im Schulleiterbüro gibt es Unterhaltung und Getränke

Sie erzählte, dass sie während des Krieges Deutsch lernte. Da es keine staatliche Sender gab, schauten die meisten über die Satellitenschüssel fern. So lernte sie ihre ersten Wörter Deutsch über die seit 1992 in RTL gesendete und bis heute erfolgreiche Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“.

Den Krieg wollte sie nicht groß besprechen, wir haben nicht nachgehakt. Sie will nach vorne schauen. Bildung ist ihr wichtig. Dieser Krieg soll sich einfach nicht wiederholen. Sie möchte es nicht noch einmal durchleben.

Sie und die stellvertretende Leiterin der Schule sind nicht begeistert von der Einteilung von zwei verschiedenen Eingängen für die Religionszugehörigkeit der Schüler und Schülerinnen. Nur gemeinsam über die Religionsgrenze hinaus, kann es zu einem anhaltenden Frieden und Verständnis im Zusammenleben miteinander kommen.

Amina wurde von dem Berufkolleg noch einmal interviewt und im geplanten Film vorkommen. Mit Jan Lachnicht vom Berufskolleg überlegten sie einen möglichen Schüleraustausch.

Angekommen in unserem kleinen 1 Sterne Hotel Caffe Central brauchten wir erstmal eine Dusche und anschließend ein frisch gezapftes kühles Sarajevsko Pils nach der langen Fahrt und den vielen Gesprächen.

Caffe Central

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Das Zimmer ist geräumig und eben zentral. Fojnica ist aber nicht groß mit 6000 Einwohnern sind wir so oder so schon mittendrin
Helles Pilsken aus Sarajevo zum Abkühlen nach dem langen Tag

Der Abschluss war ein gutes Essen schräg gegenüber in dem Restaurant Stari Grad.

Tipp zum Essen:

Restoran Stari Grad

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Einen bosnischen Burger hatte ich mir anders und amerikanischer vorgestellt. Das Fleisch war gebraten, knusprig und so viel, dass ich es nicht auf bekam. Sehr lecker!

Bosnischer Burger

Herbert genoß die Forellen. Michael die Hähnchenbrust und Hermann das Cordon Bleu à la Zagreb mit geräucherten Schinken. Alles sehr viel und reichhaltig. Das Restaurant gehört auch zum Hotel, das ein kleines Freibad hat. Wer etwas gehobene Hotelzimmer sucht, wird hier fündig:

Hotel Stari grad Fojnica

https://g.co/kgs/beHotel Stari grad Fojnica

Herberts Forellen
Hermanns Cordon Bleu nach Zagreb Art
Michaels Hähnchenbrust mit Pommes

Dann rief die Heia. Die Knochen mussten ausruhen und das Gehirn für ein paar Stunden halbwegs auf stummschalten gelegt werden. Zum Schreiben war ich nur fähig Beitrag zu Tag 1 fertig zu stellen.

Infos zum Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V.:

https://aktion-bosnien.eu

Laku noć (bosnisch) – Gute Nacht!

Fotostrecke

Fotos (c) André Brune

Details frühe Vogel fängt den Wurm nach dem Aufstehen mit Blick aus Radosti Druzenjia und unseren geliehenen Transporter
Unterwegs gibt es immer interessante Burgen in dieser herrlichen Landschaft von Bosnien-Herzegowina zu sehen
Der Kleine vor der Schule in Velagići suchte unsere Aufmerksamkeit
Stephen vom Berufskolleg konnte auch nicht loslassen
Bei diesem Blick kann man in Velagići gut lernen
Der Informatikraum jetzt
Herbert Schröer vom Verein Aktion Leben und Lernen e.V. zeigt stolz die Urkunde der Schule
Heimatkunde
Wieder ein besonderer Blick vom Campingplatz hoch
Erste wichtige Wörter auf Bosnisch
Unterwegs sind immer irgendwelche Türme zu sehen
Alte Moschee bei der Einfahrt nach Jajce
Durch dieses Burgtor hätten wir auch nicht gepasst
Ein einfaches Holzdach auf dem Burgturm
Der Burgturm von unserem Standort aus
Hier lässt es sich eigentlich schön leben
Die Burg über Jajce
Herbert trabt vor
Infotafel zur Moschee
Die kleine historische Moschee auf dem Burggipfel
Hässliche Betongaragen an der Burg
Ein Blick auf den großen Friedhof von Jajce mit Bergpanoramablick
Panorama auf der anderen Seite der Burg
Zwischen den Bergen ist immer ein Muezzin, der ruft
Ein tolles Bild einer Schülerin von Jajce über die Problematik von Müll im Meer
Die Leiterin freut sich immer aufs Neue auf die Begegnung mit dem Verein
Ein Blick auf die ersten Wasserfälle von Jajce, die wir noch besuchen werden
Die Grundschule Osnovna škola Muhsin Rizvić bzw. Mittelschule Zijah Dizdarevic
Mit Hilfe von US-amerikanischer Unterstützung wurde die sehr baufällige Schule 2010 wieder fit gemacht
Hier sieht man genauer, wie schlimm das Ausmaß war
Maßeinheiten oder…
Mathematische Berechnungen am frühen Morgen

Klassenräume
Eingangsbereich der Schule
Blick aus dem Hotel Cafe Central auf ein Haus mit Einschusslöcher aus der Zeit des Krieges vor 30 Jahren
Weinauswahl im Restaurant Stari Grad
Gute Nacht – Laku Noč vom historischen Kloster Fojnica

Hilfstransport nach Bosnien mit dem Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien Tag 1 I +Fotostrecke I +Video

Es ist der 12. Juni 2025 und der Hilfstransport nach Bosnien vom Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V. ist nach 18 Stunden Fahrt und 5 Stunden Zollabfertigung an der Grenze endlich angekommen.

Anfangs war es noch lustig,  dann dauerte es 5 Stunden bis wir weiterfahren konnten
Unterwegs bei Maribor in Slowenien

Bosnien-Herzegowina ist ein wunderschönes Land. Anfang der 1990er Jahre stand es in einem Krieg von dem sich das Land bis heute nicht richtig erholt hat. Den Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V. hatte ich letztes Jahr begleitet. Auch dieses Jahr begleite ich Herbert Schröer, dem zweiten Vorsitzenden des Vereins und zwei seiner Freunde, Hermann Frieg und Michael Weishaupt.

Youtube-Video

(Das Video folgt nach der Tour, da tontechnisch nachgearbeitet werden muss)

Ein Tag vor der Abfahrt passierte der Amokläufer in Graz. Das digitale Schild an der deutsch-österreichischen Grenze wurde angepasst und hat uns auch eine Stille Gedenkminute für die Opfer gegeben.

Jan Lachnicht, sowie Dennis Homann und zwei neue Schüler, Marijana Aleksic und Steven Busch vom Berufskolleg Bottrop begleiten auch dieses Mal die Hilfsfahrt.

Maut in Kroatien

Schüler und Schülerinnen aus dem Medienkompetenzkurs vom Berufskolleg halfen mit die vielen Spenden von Kinderkleidung, Spielsachen, Sportartikel von Bälle, Tischtennisplatte bis hin zum Basketballkorb und Laptops für Schulen, die wir gezielt anfahren, in Kartons zu verpacken. Vom Berufskolleg wurde eine Pressemitteilung erstellt die über online Bottroper Zeitung veröffentlicht wurde.

https://bottroper-zeitung.de/bkb-unterstuetzt-erneut-hilfsfahrt/

Das ist sehr schade, dass die WAZ, als große Lokalzeitung, mittlerweile auch nur noch nach Klickzahlen schaut. So ein humanitärer Transport wird nicht mehr groß beachtet. Letztes Jahr wurde darüber noch etwas geschrieben. Für viele Menschen ist es sogar schwer zu verstehen, dass wir das machen für ein Land, in dem doch kein Krieg mehr herrscht.

Sagen wir mal so: Vieles ist im Argen im Land. So wurde Radosti Druzenjia in Bihac für körperlich und geistig eingeschränkte Menschen, bzw. für psychisch kranke Menschen mit nur umgerechnet 5000 Mark (ca. 2500 €) im Jahr (!) von der Stadt Bihac gefördert. Der Rest muss von der Einrichtung selbst gestemmt werden inklusive der Gebühren der Eltern bzw. dem Verein, die ihr Kind hier in die Einrichtung bringen.

https://youtube.com/shorts/rOa4ne-xT94?feature=share

Wir haben erste Spendenkisten an Mirsada Hodzic, der Leiterin der Einrichtung abgegeben. Sie bekam zwei Laptops, sowie eine geldliche Spende von 500 € zur Unterstützung des Hauses und einige Kisten mit Spielzeug und Utensilien für Kinder und Babys, die hier gebraucht werden.

Spendenübergabe im Radosti Druzenjia bei Mirsada Hodzic
Der Anhänger wird ausgeräumt. Alle packen an.

Eine Spende ist in diesen Einrichtungen gern gesehen und dringend notwendig. . Und nicht nur hier. Die sozialen und gesundheitlichen Systeme sind  mehr als krank.

Mirsada Hodzic bekommt noch zwei Laptops für die Einrichtung, die über den Verein Labdoo vorbereitet wurden

So besuchen wir wieder Jajce, wo Kinder, die sich ein Frühstück in der Schule nicht leisten können, mit einer Geldspende unterstützt werden für ein Jahr.

In Velagici hat uns letztes Jahr der Sportlehrer Jasmin erzählt, dass sie kaum nutzbare Sportartikel haben. Wir haben gesammelt und bringen viele Sachen, die mit Sicherheit den Sportunterricht unterstützen werden.

In Fojnica besuchen wir die größte Einrichtung für körperlich und geistig eingeschränkte und psychisch kranke Menschen von Bosnien-Herzegowina. Sie hat im November 2024 eine Überschwemmung gehabt bis zu 1. Etage. Auch hier haben wir Geld gespendet. Wir wollen sehen, was draus geworden ist.

In Fojnica selbst holen an einem Vormittag Lehrer aus verschiedenen Teilen des Landes beantragt und  gespendete Computer von Labdoo.org  ab, die wir nach Bosnien transportiert haben. So können sie mit den Kindern Informatikunterricht gestalten. Der Staat sieht nicht, dass Bildung wichtig ist.

Die Berufskollegdelegation macht wieder einen Film mit verschiedenen Personen der Einrichtungen und Interviews. Ich bin auf das Ergebnis wieder gespannt.

Am Mittwoch um 11.55 Uhr ging die Tour los. Mich gabelten die Jungs nach meinem Besuch der Stolpersteinverlegung um 12.41 Uhr in Bottrop auf. Bis Köln waren wir hier und da im Stau gewesen.

Zu viert konnten wir uns immer gut ablösen und jeder seinen Kurzschlaf machen. Die Berufskollegtruppe hat uns irgendwann überholt. Sie fuhren um 17 Uhr los und waren um 6 Uhr an der kroatisch-bosnischen Grenze. Ein Polizist hat sie zum Weiterfahren bewogen, als sie dort erste Filmaufnahmen machen wollten.

Wir sind morgens um kurz nach 8 Uhr mit kleinen Pausen mit unserem Opel-Transporter mit Anhänger angekommen.

Wir hatten das Vergnügen fünf (!) Stunden dieses Mal auf unsere Papieren zu warten. Irgendwie wurden erst die LKWs abgearbeitet. Nach drei Stunden kam Mirsada Hodzic von der Einrichtung Radosti Druzenjia und die in Serbien geboren  Schülerin Marijana Aleksic, um beim Übersetzen und Dolmetschen an der Grenze zu unterstützen. Dann funktionierte der Ablauf besser.

Wie müssen geduldig warten auf den Zoll.
Der Schlaf kommt…

Im Laufe der sitzenden Zeit auf der alten Holzbank vor dem Haus der Spediteure wollten die Zollbeamten für die alten Computer mehr Zollgebühren als letztes Jahr. Das verzögerte alles wieder um eine Stunde.

Herbert Schröer ist glücklich! Endlich können wir weiter nach fünf Stunden warten…

Warum wird das gemacht? Es sind humanitäre Güter, die kostenlos verschenkt werden und müssen noch trotzdem an den Staat mit einer Gebühr bezahlt werden.

Ich empfinde das einen Affront gegenüber kleinen Vereinen und Spendern. Aber so sind die Gesetze.

Als wir endlich ankamen gegen 13.30 Uhr hing unser Magen in den Füßen. Mirsada besorgte für jeden eine große Portion Cevapcici in einer Teigtasche, wie ein Döner nur mit Fleisch und Zwiebeln.  

Die Delegation des Medienkompetenzkurs vom Berufskolleg Bottrop war morgens angekommen und hat die Situation genutzt und erste Filmaufnahmen mit der Einrichtung und Mirsada Hodzic gemacht.

Die Cevapcici-Tasche mit Zwiebeln- Alle haben riesigen Hunger. Veganer haben da schlechte Karten.

Wir haben noch aus dem Anhänger die Waren an das Haus übergeben und in die beiden Transporter umgeräumt, die wir am nächsten Tag abgeben wollen. So kann der Anhänger stehen bleiben in den drei Tagen, die wir noch unterwegs sind.

Alles muss raus und umgepackt werden!

Am Abend wurden noch Lebensmittel besorgt zur Versorgung im nahen Supermarkt und gemütlich zusammen gegessen bis nach ein paar frischen kroatischen kalten Bieren an dem warmen Tag die Augen zufielen und die Körper den fehlenden Schlaf einforderte.

18 Stunden Fahrt mit unterbrochenen Kurzschlafphasen, 5 Stunden Zollabfertigung in der sommerlichen Hitze und die Unräumaktion waren um 22 Uhr Geschichte.

Tag 1 ist geschafft! Jetzt geht es erst richtig los.

Infos zum Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V.

https://www.aktion-bosnien.eu

Fotostrecke zur Abfahrt und Ankunft Fotos (c) André Brune

Ein großer Dank an die Schülerin vom Berufskolleg Bottrop Marjanna Aleksic, die durch ihre serbischen Sprachwurzeln uns unglaublich gut helfen konnte beim Zoll
A9 bei Würzburg
Abtei Schwarzach am Main
Freizeitpark Geiselwind
Deutsch-Österreicherischer Grenzübergang bei Suben
Erdbeermond-Aufnahme-Versuch während der Fahrt
Tunnel in Hinterlainsach, Obersteiermark,  Österreich
Buggy entdeckt an der Tankstelle
Mautstation Gorni Macelj, Kroatien
Hinter der Mautstelle
Die Sonne geht wieder auf in Gorni Macelj
Auf dem Autobahn-Rastplatz wird Werbung für das kroatische Gebiet von Zagorje gemacht. Es gibt Neandertalspuren vor Ort.
Herbert übernimmt meine Fahrt
Kurz vor Ličko Petrovo Selo, Kroatien
Hundegefühle plus Flaschengefühle am Zollgebäude

Es geht weiter. Erste Moschee hinter der Grenze.
Angekommen in Radosti Druzenjia in Bihac. Der Anhänger wird ausgepackt und umgepackt.
Der erste Sonnenuntergang in Bosnien in Bihac. Gute Nacht!

Ergreifende Stolpersteinverlegung in Bottrop in besonderer Situation I 11.6.2025

Eine besondere Situation war es für mich heute bei einer Stolpersteinverlegung für die Familie Meyer in Bottrop beizuwohnen aus verschiedenen Gründen.

Zum einen kam Liesel Appel extra aus den USA mit ihrer Familie. Denn ihre Familie hatte hier gewohnt und die Macht der Nationalsozialisten unmittelbar erlebt. Liesel hatte nachgeforscht und ein Buch erschien darüber. Wir haben uns die Hände geschüttelt und uns umarmt als wenn wir uns länger nicht gesehen hätten.

Es war sehr rührend. Liesel übergab mir ihr Buch über das Ereignis, was sich auf der Gladbecker Straße 334 in Bottrop in ihrer Kindheit zugetragen hat. Natürlich wollte ich ein Autogramm. Das Buch ist leider vergriffen. Es wird in einem Podcast von mir besprochen werden.

Ich habe die bedeutsamen und hervorragenden Reden von ihr und Oberbürgermeister Bernd Tischler komplett aufgenommen, auch persönlich bekommen und werde über die Stolpersteine berichten mit einem Podcast mit dem Initiator Oliver Schwittay. Er hat das Verlegen in die Wege geleitet. Wenn es möglich ist, werde ich per Zoom nochmal mit Liesel sprechen.

Familie Schwittay mit Liesel Appel

Die Geschichte

… ist die eines Babys, das bei der Reichsprogromnacht aus dem Fenster geworfen wurde und von einem Mann aufgefangen wurde, der selber ein Nationalsozialist war, wie Liesel Appel bei ihren Recherchen erfuhr. Die Geschichte ist, wie ein Hollywooddrama von Spielberg. Das Kind wurde gerettet, versteckt, überlebte und kam nach Palästina. (mehr Infos folgen im Podcast)

Dort auf der Straße hatte ich 9 Jahre lang nur wenige Häuser weiter mit meiner Schwester eine Fußpflegepraxis. Von dieser Geschichte hörte ich damals zufällig durch eine Kundin, die in unmittelbarer Nachbarschaft gewohnt hatte. Mittlerweile schon lange unter der Erde, hätte sie vielleicht noch was dazu sagen können oder auch nicht. Doch in dieser Geschichte war es der damalige Kommunist Clemens Kraienhorst, der zufällig drunter hergeschlendert kam und das Kind gerettet haben soll.

Es ranken sich tatsächlich mehrere Legenden um diesen Bottroper Fenstersturz. Aber dieser blieb mir im Gedächtnis. Definitiv werde ich darüber ausführlicher berichten allein deswegen.

Dann gab es zwei weitere Ereignisse, die mich hin und her bewegt hatten. Zum einen wurde wegen meiner Anwesenheit bei der Stolpersteinverlegung die Abfahrt der Hilfsfahrt nach Bosnien-Herzegowina mit dem Verein Aktion Leben und Lernen um eine Stunde nach hinten geschoben und kurz vor der Stolpersteinverlegung bekomme ich den Anruf,  dass eine liebe Tante von mir verstorben ist. Ich wollte ursprünglich auch wegen der Situation der palliativen Pflege ab heute kurzfristig absagen. Aber jetzt bin ich unterwegs. Komme auf andere Gedanken. Kann Menschen helfen, die Unterstützung brauchen.

In manchen Situationen ist es wahrlich schwer zu entscheiden. Ich danke meinen Cousinen, Simone und Andrea, die die Vorbereitungen der Beerdigung treffen. Wenn ich wieder da bin, unterstütze ich, wo es nötig ist. Logisch!

Oberbürgermeister von Bottrop Bernd Tischler mit Liesel Appel bei den eingesetzten Stolpersteinen der Familie Meyer

So ist das Leben. In der Vergangenheit, wie zur Zeut sterben Menschen wieder durch Kriege und politische Hetze, aber eben auch mit oder ohne Schmerz im Alter. Die einen erleben ein neues Leben durch Rettung, die anderen können auch Ärzte nicht mehr retten.

Die Geschichte der Familie Meyer sollte nicht vergessen werden. Meine Tante Raphaela wird in meinem Herzen sein. Unvergessen. Mit dem Hintergedanken,  dass ich nicht so viel Zeit hatte, einen Teil meines Lebens mehr mit ihr verbringen zu können.

Die Geschichte geht weiter. Es sollte immer gemahnt und erinnert werden, an Menschen gedacht werden, die man geliebt hat und weiter lieben wird. Es sollte an Menschen gedacht werden, die wir nicht kennen, die gelitten haben, denn das könnten wir sein in einer Zukunft, die wir so nicht erleben möchten, was die Familie Meyer erlebt hat.

Mein Tante hat die Jahrzehnte in Frieden in Europa gelebt. Jetzt ist der innere Frieden von vielen Seiten bedroht. Und keiner weiß, was die nächsten 80 Jahre in Europa bringen werden.

Die Stolpersteine stehen für die Erinnerungskultur, die eine besondere Partei nicht mehr auf der Agenda stehen haben möchte. Ich betone: Erinnerung ist wichtig, damit die Geschichte sich in der Form von damals hoffentlich nicht wiederholen wird.

Und jetzt bin ich auf der Autobahn in Richtung eines Landes, das immer noch tiefe Wunden des Krieges hat. Auch dort können Stolpersteine verlegt werden für die Gräuel, die vor 30 Jahren an der Tagesordnung waren bei den eigenen Nachbarn. Das war und ist Bosnien-Herzegowina. Und der Ort Srebrenica steht für einen modernen durchgeführten Holocaust an der bosnischen Bevölkerung. Auch hier muss man nach vorne Schauen, Frieden stiften,  erinnern und für Völkerverständigung werben. Nur Zusammen und solidarisch kann uns ein gutes und friedliches Leben für die Zukunft bringen, egal wo wir Menschen leben. Lieben, nicht Hassen, füreinander einstehen, nicht aufeinander hetzen mit Lügen und Gewalt.

Grube Georg – Eisenerzbergbau an der A3 in Oberhonnefeld im Westerwald

Ein Hilfstransport nach Bosnien & die Erfahrungen mit Merle Hoffjan, Jan Lachnicht und Dorothea Bromkamp I +Videopodcast I +Podcast Folge 107

Ein Podcast über eine Hilfsfahrt aus dem Ruhrgebiet nach Bosnien ist eine Besonderheit, weil viele denken, dass Hilfstransporte nach Bosnien, wo doch kein Krieg mehr herrscht, nicht nötig wären. Oder die Meinung herrscht, dass wir selbst genug Probleme haben.

Das sieht der kleine Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V. etwas anders, der sich vor  2015 gegründet hat. Durch viele Dinge, die vor Ort zu sehen sind, die im Kleinen nicht funktionieren hat sich in Bottrop, mitten im Ruhrgebiet dieser Verein eben gegründet, um auf eine besondere Art und Weise zu unterstützen und das funktioniert nun schon so lange. Er unterstützt nicht nur vor Ort Kindergärten, Schulen und Einrichtungen für Menschen mit Einschränkungen, sondern steht für Völkerverständigung. Bildung ist das wichtigste Wort und es ist das wichtigste für einen funktionierenden Staat.

In Deutschland werden alte Computer oder Schulmöbel einfach weggeworfen. Der Verein sammelt die alten Computer, gibt sie an den Verein Labdoo, der formatiert und passt die Computer an und dann gehen sie gezielt, wo Anfragen herrschen an Lehrern von Schulen in Bosnien – Herzegowina. An Kindergärten, auch Kinderheime gehen Stofftiere, Spiele, Möbel, Kleidung uvm.

Merle Hoffjan ist eine von den drei Schülern, die mitgefahren sind vom Berufskolleg Bottrop. Sie wollte Bosnien und die Menschen kennenlernen. Jan Lachnicht ist Lehrer und wollte das vereinbaren mit einer Dokumentation, was der Verein macht und was gemacht werden kann. Sie werden von mir kurz vor der Heimreise noch interviewt.

Jan Lachnicht interviewt seine Schüler (c) André Brune

Dorothea Bromkamp hat mit mir und Herbert den großen Bus gefahren mit Anhänger und war drei Jahre zuvor schon einmal dabei. Sie erzählt von den politischen Hürden und wie das damals war.

Dorothea Bromkamp (c) André Brune

Alle drei werden wiederkommen irgendwann. Jan ist auf jeden Fall 2025 wieder dabei. Diesmal möchte er die Berufsschulen vor Ort besuchen und herausfinden, ob ein Schülerausstausch möglich ist. Eine Dokumentation soll es diesmal nicht über die Tätigkeit des Vereins geben, sondern welche Möglichkeiten es gibt einen „Bildungsaustausch“ stattfinden zu lassen zwischen der Bottroper Berufsschule und eine in Bihac oder wo wir gerade sind.

Die Hilfsfahrttruppe 2024

Jan und Herbert Schröer, der 2. Vorsitzende des Vereins, sind vor der Fahrt 2024 ein Kooperationsvertrag eingegangen. Herbert wollte junge Leute über den Verein nach Bosnien bringen, um ihnen zu zeigen, was dort nicht so gut läuft und was der Verein wie unterstützt.

Das Berufskolleg Bottrop hat mit Jan Lachnicht und Dennis Homann und drei Schülern vor Ort Interviews geführt, haben die Einrichtungen mit aufgesucht und haben selbst einen Film hergestellt, der seine Uraufführung mit viel Applaus bei dem Filmfestival Bosnien Looksaround im November 2024 hatte.

Ich durfte auch ein Teil des Films sein und bin nun wieder bei der nächsten Fahrt dabei, sowie auch Jan Lachnicht und Dennis Homann mit einem neuen Schülerteam. Sie werden diesmal allerdings weniger die Einrichtungen mit aufsuchen, sondern versuchen vor Ort mit Berufsschulen in Kontakt zu treten, um einen Schüleraustausch hinzubekommen. Dabei werden auch Interviews mit dortigen Schülern versucht zu bekommen.

Im Interview, was ich vor der Abreise noch schnell gemacht habe, wollte ich wissen, wie die drei Begleiter sich gefühlt haben, was sie begeistert hat, was sie weniger gut fanden und ob sie wieder nach Bosnien kommen würden.

Eigentlich wollte ich den Podcast schon viel früher herausbringen, nämlich vor der Uraufführung und längst vor der neuen Fahrt nach Bosnien, aber wie das Leben so spielt. Es gab viele Termine, Dinge, die ich vorziehen musste und Dinge, die liegen geblieben sind. Jetzt aber kommt es noch heraus und zeigt auch, dass es sinnvoll ist, diesen Verein und sein Tun vor Ort zu unterstützen. Das teilten mir Dorothea Bromkamp, eine langjährige Bekannte von Herbert mit, sowie die Schülerin Merle Hoffjan und Jan Lachnicht.

Die anfängliche Nervösität von Merle bei den Interviews als Moderatorin verschwand mit jedem Tag. Jan hatte vor der Fahrt von der Technik kaum Ahnung und entwickelte sich ebenfalls weiter. Die Schneidearbeit am Ende war mit Sicherheit ein schwieriges Unterfangen, das Video relativ kurz zu halten, wo es so viele Eindrücke gegeben hat.

Alles in Allem kann das Ergebnis sich wirklich sehen lassen:

Ursprünglich wären sonst meine vielen kleinen Filme herausgekommen. Aber ich verschone niemanden, denn sie werden noch kommen. Und sie werden verbunden werden mit der neuen Fahrt, denn ich bin wieder dabei, sowie Jan und Dennis. Wir werden auch sehen, was sich in der Zwischenzeit in Drin getan hat, wo es eine Überschwemmung gegeben hat. Und diesmal fackel ich nicht so lange, sondern bringe alles relativ zeitnah heraus.

Neben Merle, waren mit Markus Gubanow und Can Aslana. Sie haben für den Ton und die Kamerahaltung gesorgt. Alle hatten eine Vorfreude ein neues Land zu sehen, was nie auf ihrer Reise – Agenda gestanden hätte. Sie waren alle sehr überrascht über die tolle Landschaft und Gastfreundschaft der Menschen vor Ort.

Nach 18 Stunden Fahrt und mehreren Stunden Wartezeit beim Zoll waren wir jeden Tag an vielen Orten, um Computer, Schultornister, Kinderkleider und auch Übergaben von Geldspenden zu machen. Der vorletzte Tag war ein Entspannungstag für uns alle in Sarajevo. Wir waren auf dem Berg, wo die Winterspiele 1984 stattgefunden haben. Von dort gab es eine herrliche Sicht auf diese interessante Stadt. Wer allerdings über die Grenze kommt, wird immer noch sehr viele Einschusslöcher in älteren Häuser entdecken.

Merle war in Drin, der größten Einrichtung für körperlich und geistig eingeschränkte Menschen von Bosnien-Herzegowina, sehr betroffen. Sie war sehr berührt von den dortigen Umständen, die sie gern lieber besser vorgefunden hätte. Die Einrichtung selbst hat im November 2024 eine starke Überflutung gehabt. Wir wollen dieses Jahr schauen, was die gesammelten Spenden unterstützt haben vor Ort.
Die Kinderabteilung in Drin (c) André Brune
Spartanische Zimmer in Drin (c) André Brune

Er ist kein professioneller Videofilmer, aber hat den Anspruch was gutes daraus zu machen. Und definitiv ist den Lehrern und Schülern was besonderes gelungen mit Aufnahmen einer Drohne, die den Film natürlich in eine gewisse Höhe bringt:

Merle würde gern nochmal wieder kommen. Sie fordert auf das Land zu erkunden und sich vielleicht auch bei einer Hilfsfahrt zu beteiligen.

Dorothea Bromkamp kannte Herbert schon 30 Jahre lang. Sie findet es gut, dass wenn wir in Deutschland eben neue Sachen, wie Computer oder Kleidung bekommen und aussortieren, es  woanders noch eine weitere Verwendung bekommt und dies dankbar angenommen wird.

2021 war sie erstmals dabei und stellt 2024 fest, dass politisch es dort sehr festgefahren ist. Zum Beispiel ist es so gewesen, dass ein Krankenhaus ein Ultraschallgerät gebraucht hätte, aber als die Politik das mitbekommen haben, wurde das Gerät abgelehnt. Ein Mangel entsteht dadurch, so dass das Land ausblutet, da viele junge Menschen auswandern in Richtung Deutschland, Österreich und die Schweiz. Pro Jahr verschwindet sozusagen die Anzahl einer Schulklasse eines jeden Ortes ins Ausland.

Dorothea ist der Meinung, dass die Menschen wieder Mut bekommen, wenn sie sehen, wenn es ein paar Menschen von außerhalb gibt, die sich für sie engagieren. So kann auch ich nur sagen, dass wir mit wenig Menschen und einem kleinen Verein aus dem Ruhrgebiet Hoffnung, Mut und eben auch Möglichkeiten für eine bessere Möglichkeit für die Bildung bringen.

Lehrer aus verschiedenen Städten holen in Fojnica ihre beim Verein bestellten Laptops ab (c) André Brune

Das ist eine tolle Sache und deswegen bin ich auch in den Verein eingetreten, um das soweit zu unterstützen, wie ich kann im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten.

Ich kann nur empfehlen einfach mal mitzufahren und es selbst zu empfinden, das Land zu entdecken und einmal mit anzupacken, um für sich selbst nicht nur etwas mitzunehmen, sondern auch vor Ort zu sehen. Wenn Hilfe ankommt, schaut jeder in lächelnde Gesichter. Das allein ist es schon wert einen Hilfstransport zu begleiten.

LINKS:

Podcast mit Herbert Schröer,  2. Vorsitzender von Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V.
https://www.ruhrpottologe.de/herbert-schroeer-von-aktion-leben-lernen-in-bosnien-der-hilfstransport-im-mai-2024-i-videopodcast-i-podcast-i-fotos/

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Verein Aktion Leben und Lernen in Bosnien e.V.
https://aktion-bosnien.eu

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Labdoo Deutschland e.V.

Labdoo.org

Eine geile Gästeführung: SEX IN THE CITY – HATTINGEN UNZENSIERT

Ich schick euch einen Gästeführer-Tipp rebootet aus Hattingen:

Hattingen- Mit einer ungewöhnlichen Themenführung lädt „Hattingen zu Fuss“ zu einer historischen Zeitreise der besonderen Art ein: Unter dem Titel „Sex in the City –…

SEX IN THE CITY – HATTINGEN UNZENSIERT

Die Führung für auswärtige Touristen öffnet bestimmt einem die Augen, dass die kleine brave Stadt, doch nicht so brav war oder ist, wie sie scheint. In den hintersten Winkeln war sie scheinbar unzüchtig und rotdunkel.

Doch bevor ich Vermutungen anstelle, macht mich die Führung von „Hattingen zu Fuß “ – Gästeführer Lars Friedrich neugierig Hattingen mal auf anderen Wegen als über alte schnuckelige Fachwerkhäusergeschichten kennenzulernen.

Dich nicht auch?

Dann geh mal buchen:

https://www.hattingenzufuss.de/service-page/sexinthecitytour?referral=service_list_widget

(Unbezahlte Werbung für das touristische Ruhrgebiet!)

Führung: Sand als Wirtschaftsfaktor der Stadt früher und heute im Museumzentrum Quadrat am 1.6.

Wusstest Du, dass du hier vor nicht ganz so langer Zeit unter Palmen hättest sitzen und die Kokosmilch aussüppeln hättest können am Strand von Bottrop statt Mallorca? 

Sand ist ein Wirtschaftsfaktor der Stadt Bottrop früher, wie auch heute noch. Und wie kommt er überhaupt hierhin? Darüber spreche ich in einer Führung am 1.6. von 14-15 Uhr während des Gangs durch die Räumlichkeiten des Ur- und Ortsgeschichtlichen Teils des Museums, dass weltweit ein ganz besonderes Exponat enthält, das in Sand aus den hiesigen Sandgruben beherbergt, damit die Knochen sich nicht auflösen.

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Mehr Informationen

Formsand prägte bis in die 1960er Jahre auch den Süden der Stadt. Davon ist heute so gut wie nichts mehr zu sehen außer die Villa Dickmann und der Park, der aus der nachbarschaftlichen Sandgrube entstand.

Josef Albers erste Zeichnungen waren die Formsandgruben vom Süden der Stadt.

Noch heute gibt es Firmen, die im Bottroper Norden mit nicht mehr so vielen Mitarbeitern, wie früher, gute Umsätze machen und den Sand weltweit vermarkten, wie zum Beispiel nach Dubai.

Warum das so ist, kläre ich auch gern in einem der nächsten Podcastfolgen Ruhrgebiet erklärt.

Formsand ist natürlich nicht unbedingt der Sand, der für Straßenbau und Häuserbau, also für den Zweck von Mörtelmischungen genutzt wurde, sondern eher für das Herstellen von Metallformen. Denn der eher feuchte Sand war nicht gut für den Hausbau geeignet und Straßen wurden eher mit Kies und Schotter belegt. Doch nicht ganz war das früher so. Das erzähle ich während wir durch die Räume des Ur- und Ortsgeschichtlichen Teils des Museumszentrum Quadrat gehen.

Wann?

Zwischen 14 – 15 Uhr 

Was kostet sie?

3 € pro Persoen. An der Kasse des Museumszentrum Quadrat zu bezahlen.

Wo?

Anni-Albers-Platz 1, Bottrop

Mehr Infos:

https://quadrat.bottrop.de : Veranstaltungskalender

Als Vorsitzender der Kunstgemeinschaft Bottrop 1969 e.V. lade ich herzlich zur Vernissage am 20.5. ein

Seit einigen Wochen bin ich Vorsitzender der Kunstgemeinschaft Bottrop 1969 e.V. und lade herzlich zu der Vernissage am 20.5. ab 18 Uhr ein. Das Hauptmotiv der ausgestellten Kunst ist das Element Wasser im Foyer des Bürogebäudes der Rhein-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft mbH, Gladbecker Str. 140 in Bottrop.

Simone Ehlen, Geschäftsführerin der RWW, wird die Besucherinnen und Besucher begrüßen. Eine Einführung in die Ausstellung gibt Doris Reineking von der Kunstgemeinschaft Bottrop. Musikalisch begleitet wird der Abend von dem Querflötenensemble „Querwerk“.

Gezeigt wird eine vielfältige Auswahl an Malerei, Grafiken und Skulpturen, die sich thematisch dem Wasser als Ursprung und Element des Lebens widmet – mal abstrakt, mal figürlich, immer inspirierend, aber auch warnend oder meditativ.


Gezeigt wird eine vielfältige Auswahl von 20 Künstler und Künstlerinnen mit einer Auswahl aus 49 Kunstwerken von Malereien, Grafiken, Fotografien und Skulpturen, die sich thematisch dem Wasser als Ursprung und Element des Lebens widmet – mal abstrakt, mal figürlich, immer inspirierend, aber auch warnend oder meditativ.

Ein Highlight der Ausstellung ist die eindrucksvolle Holzskulptur mit dem Titel „Suche“ von Michael Zell. Die Suche nach Halt und vor allem Wasser ist für Pflanzen überlebenswichtig. Zur Zeit herrscht in Deutschland eine lange Trockenphase, die alle Elemente des Lebens, wie Feuer, Luft und Erde durch das fehlende Wasser stark beeinträchtigt oder fördert. Alle Kunstwerke kommunizieren miteinander. Eine Flasche im Meer,  ein Leuchtturm im Dunkel des Meeres, ein See mit Birken, ein Glas Wein in der Sonne uvm.

Die Kunstgemeinschaft der Bottroper Künstler und Künstlerinnen zeigen jeder und jede auf ihre Art und Weise, wie sie die Welt mit Wasser als die Kraft des Lebens sehen. Ich selbst führe nach der Einführung der Vernissage von Doris Reineking eine kleine Kunstaktion zum Thema der Elemente des Lebens im Rahmen meiner Kunstreihe „Flaschengefühle“ durch und nehme das Publikum mit auf die Reise durch die Ausstellung.

Die Ausstellung kann vom 20. Mai bis zum 17. Juli 2025 jeweils montags bis donnerstags von 9:00 bis 13:30 Uhr besucht werden.

Ort:
RWW Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft mbH
Gladbecker Straße 140
46236 Bottrop

Zeitraum:
20. Mai – 17. Juli 2025
Montag bis Donnerstag, 9:00–13:30 Uhr

Veranstalter:
Kunstgemeinschaft Bottrop 1969 e.V.
in Kooperation mit RWW

Bei Interesse an Interviews, Hintergrundinformationen oder weiterem Bildmaterial wenden Sie sich bitte an:

Pressekontakt:
Kunstgemeinschaft Bottrop 1969 e.V.
1. Vorsitzender André Brune : ruhrpottologe@gmail.com – Mobil : 01633912257

Dortmund in Schottland I Tipp für eine Reise zu den Naturhalden I +Fotos

„…Könnse hingehen…“ war die Aufforderung, die ich durch die Gästeführerin aus Schottland mitgeteilt bekommen habe. Da fragte ich mich, wo aus Deutschland sie wohl hergekommen ist, denn wo sie aufgewachsen ist, teilte sie uns nicht mit.

Das konnte ich erst nach den vielen Eindrücken vor dem Ende der Rundtour zum Eilean Donan Castle und Zurück zum Aida-Schiff in Invergordon herausfinden. Endlich hatte ich kurz vor dem Ende beim letzten Fotohaltepunkt als ich vom verdrehten Straßenverkehr fast überfahren wurde natürlich mit Blick auf Wellingtons Nase (Sieger gegen Napoleon in einer Seeschlacht) eine Chance zu fragen, wie lange sie Gästeführung schon macht. Ich teilte ihr mit, das wir zum ersten Mal hier sind und ich im Ruhrgebiet auch Gästeführung anbieten werde.

Da sagte sie zu mir, dass sie aus Dortmund stammte und ihre Mutter aus Bochum – Wiemelhausen. Die Welt ist wirklich klein…

Während der Busfahrt Wellington mit wichtigstem Fleischlieferanten Schottlands: Schafe

Angela MacRae ist hauptberuflich Lehrerin in Invergordon und lehrt Französisch, Spanisch und Deutsch. Vor Ort in der Gegend macht sie seit 15 Jahren Gästeführung für Kreuzfahrende und Menschen, die sich hierhin gezielt in den Highlands einen schönen naturnahen Urlaub machen möchten und Informationen bekommen möchten. Mit Angela MacRae ist das kein Problem.

Invergordon ist nicht London. Mit Gästeführung kann man den Lebensunterhalt nur unterstützen, aber nicht von Leben, hat sie mir erzählt. Das geht auch den Guides im Ruhrgebiet meist so. Tourismus ist Leidenschaft von der Heimat zu berichten. Dabei gehört auch Enthusiasmus dazu.

Im Bus auf der Fahrt zum Highlander Castle der MacRae, erzählte sie die schottische Geschichte der Highlander Clans und die Kriege der Schotegegen die englischen Armee. Besonders der letzte Krieg der Clans gegen die Unterdrückung von England hat Schottland ausgeblutet. Das erinnerte mich an den Film mit Liam Neeson, die Walter Scott Verfilmung von Rob Roy.

Walter Scott ist für die Schotten ein Nationalschriftsteller, der auch Ivanhoe geschrieben hatte. Für ihn steht in Edinburgh ein riesiges Monument, das wie ein Kirchturm wirkt.

Die Geschichte von Rob Roy, die Scott 1817 schrieb, spielt um 1715, dem ersten Jakobiteraufstand. Doch der zweite verlorene Aufstand am 16.4.1746 im Moor von Culloden war für die Schotten eine verheerende Makulatur.

Wo früher in den Tälern die Clans lebten vom Wald und Vieh, wurde wegen des Aufstands von den britischen Regierungstruppen die Häuser abgefackelt. Gezielt wurden die Aufrührer gesucht und umgebracht. Wer flüchten konnte, ging ins Ausland, weg von der Britischen Insel.

Loch Ness – kein Monster weit und breit. Die gelben Pflanzen waren das gefährlichste Monster: Hoch giftig der Gemeine Ginster, der nach Kokosnuss duftet!

Noch heute finden sich ein paar zerstörte Häuser hier und da in den Tälern. Auffällig war am Eilean Donan Castle wieviele Nachkommen der MacRae in alle Welt verstreut waren und im ersten Weltkrieg für Großbritannien gefallen sind. Heute sind die bekannten schottischen Clannamen aus aller Welt entfernt verwandt.

Alle Gefallenen des in der Welt weit verbreiteten Clans der MacRae

Die Highlander Burg Eilean Donan Castle

Es ist nicht die Hohensyburg, dessen Ruine über der Ruhr in Dortmund thront, sondern eine Burg, die im Wasser steht und mit einer langen steinernen Brücke verbunden ist.

Als ich durch die Räumlichkeiten das Eilean Donan Castle wanderte, war mir nicht bewußt, dass einer der Verwandten das berühmte Gedicht, In Flanders Fields‘ schrieb, bevor er selbst im Feld des ersten Weltkriegs starb an der Somme, wo ich auch war und noch drüber berichten werde über meinen Fund eines Soldaten aus dem Ruhrgebiet.

Flaschengefühle bei mir. Mittagspause vom Augenschmaus mit herrlichem Blick auf die Burg

Alles fügt sich irgendwie zusammen. Es gibt immer einen roten Faden, der irgendwie zusammenfinden.

In der Burg selbst durfte nicht fotografiert werden. Sie ist noch in privater Hand und es gebürt natürlich Respekt ihnen gegenüber. Das Eintrittsgeld ist auch für die Erhaltung diese immer mal wieder in Filmen zu sehende Burg gedacht. Es ist einer der meistgesehendsten Sehenswürdigkeiten Schottlands, wenn nicht sogar der Welt.

Die Küche wurde faszinierend hergerichtet. Aus Wachs mit ausgestopften Tieren wurden die schottischen Speisen in Kochtöpfen und originalen Geschirr eingesetzt. Ein Butler zeigt der Hausherrin den Hauptgang mit einem Hühnchen. Die Köchin raspelt Kartoffeln. Im Waschbecken stapelt sixh schmutziges Geschirr. An der Wand hängt eine Tafel. Hinter Bindfäden klemmen Einkaufszettel, ein Rezept und eine Reisepostkarte im Original aus den 1930ern. Ein kleiner Speisenaufzug fährt das Essen in die obere Etage in den Bankettsaal zur Servierung.

Die Burg ist sehenswert allein schon wegen der Historie. Lt. Col. John MacRae-Gilstrap erwarb die Ruine 1912 und begann mit ersten Restaurierungsarbeiten mit dem örtlichen Steinmetz. Unterbrochen wahrscheinlich durch den ersten Weltkrieg ging es 1920 richtig los. 1932 wurde die Burg in dem Zustand von Heute fertig gestellt. Die MacRaes zogen freudigst ein. 1937 starb der Besitzer. Die Familie entschied sich 1955 die Burg der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

In den Räumlichkeiten sieht man die kleinen Betten, im Mauerwerk sind hinter verschlossenen Holztüren noch die originalen Nachttöpfe versteckt, die die Bediensteten wohl morgens ohne Murren entsorgen mussten. Überall hängen Fotos von den Familienmitgliedern. Ebenso sind Fotos in einer Nische zu sehen über die Dreharbeiten von ‚Highlander‚ mit Christopher Lambert in der Hauptrolle aus dem Jahr 1986.

Filminfos

Highlander – Es kann nur einen geben https://g.co/kgs/n9A7MGS

Schwerter, Gewehre, Orden und natürlich Kilts von Familienmitglieder, die in den Krieg gegen die Buren z.B. gekämpft habe, zieren Schaufenster und Räumlichkeiten, durch die man genug Zeit hat durchzugehen. Im ersten Rsum und im Bankettsaal wird die Geschichte der Burg und der Familie, sowie die Essgewohnheiten erzählt.

Heute kommen Touristen aus aller Welt um die Filmkulisse von Highlander, Braveheart und James Bond live zu sehen.

Die schottischen Guides lieben diese Burg, ihre Heimat. Das merkte man bei ihren Ausführungen über die Räumlichkeiten.

Und jetzt mal ehrlich: Den Film „Highlander “ hätte man doch auch nicht auf der Isenburg oder Burg Blankenstein drehen können. Stellt euch mal die Menschen aus dem 18. Jahrhundert vor hier an der Ruhr. Da war mit Bergbau zwar noch nix so wirklich viel mit los. Dem Jörgen war wahrscheinlich noch zu warm in seinen langen Hosen, um sich ein Feuerchen zu machen, wo er dann die Steinkohle gefunden hat angeblich. Hätte der einen Kilt getragen, dann wäre hier aber der Teufel los. Heutzutage tragen ja Männer auch schon Rock ohne ein Kilt zu haben. Aber kleidungstechnisch waren damals die Frauen mit Röcken bis zum Boden höchstens mit der Nudelrolle auf ihren Mann schlagend unterwegs Die haben ihren Tagelohn hier nicht für Whisky, sondern Herrengedeck ausgegeben: n Bier und n Korn. Dann hatte die Familie nix mehr zu futtern.

Nördlich der Ruhr war nur Ackerbau angesagt und die Städte waren Dörfer zwischen sanften Hügeln, die heute beim Radfahren hier und da noch zu spüren sind in den Waden, wenn es kein E-Bike ist, und wenn es mal wieder heißt die doofe Hattinger Straße hoch zu fahren, egal von welcher Seite man kommt.

Regenscheibe-Foto : Aida in Invergordon

Hier sind und waren vielleicht weniger Mücken als in Schottland, die im Sommer schon ganz schön nervig sind. Aber im Emscherbruch und am Rhein muss es auch nicht prickelnd gewesen sein. Jörgen schützte sich mit seiner langen Hose. Jetzt stelle ich mir da in Schottland bei den Erzählungen die buxenfreie Kiltgeschichte vor und eine Mücke, die ihren Weg ins haarige Glockenland führt. Mir schauderts, wenn ich an den entsprechenden Juckreiz denke. Aber dem kann man entgegen wirken, nämlich natürlich mit dem nach alten Brettern schmeckenden Whisky. Denn in ein Stück Holz hat die Mücke keinen Bock zu stechen. Der schmeckt das nicht und denkt vorher, das ihr Stachel abbricht. Und so ist die Legende gestrickt. Wegen der Mücke ist der Whisky erfunden worden. Hier im Ruhrgebiet sollte wohl das Bier helfen. Aber auf Vitamin B stehen Mücken und werden herzlich zum Stechbingoeingeladen. Der Biertrinkeraus Deutschland steht suf diese sanfte Art von Russisch Roulette mit Mücken statt Pistolen. Da waren die Schotten doch bessere Erfinder und tragen den Geschmack alter Eichenbretter heute in alle Welt.

Angela sagte, dass sie sich an die Mücken immer noch nicht gewöhnt hat. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt da. Die Mücken waren noch nicht aus ihren Eiern geschlüpft. Im Sommer geht die Post ab. Ich meine die Stecherei. Dafür blüht die Heide schön.

Lehrerin Angela

Angela erzählte auch dass es dieses Jahr zu wenig Schüler gab, die sich für die deutsche Sprache angemeldet haben. Zehn müssen, aber nur 7 haben Interesse gehabt. So fällt der deutsche Unterricht für dieses Schuljahr aus.

Sie erzählte viele Dinge quer über die schottische Geschichte und Landschaften, der giftigen Gemeinen Ginster bis hin zu privaten Dingen, um die informationswilligen Aidatouristen wach zu halten. Sie lebt schon 30 Jahre hier und fühlt sich schon eher Schottisch statt Ruhrpottisch.

Nur vereinzelte Sprachfetzen dringen ins Ohr, wenn sie Deutsch spricht, wie eben „Könnse“. Der Rest ist dann auch mal Verwirrung mit englischen Wörtern, wenn jeden Tag Englisch statt Deutsch gesprochen wird. So geht es meiner polnischen Ehefrau ja auch.

Angela hat in die Familie des Clans der MacRae eingeheiratet. Ihr Sohn, so erzählte sie, arbeitet in Deutschland. Natürlich besitzt er einen Kilt. Einmal gibt man dafür 1000 Pfund aus und kann ihn für alle Anlässe nutzen von Hochzeiten, Geburtstagen bis hin zu Beerdigungen.

Viel zu wenig Zeit hatte man dann auf dem Rest der Tour zu plaudern. Aber vielleicht kommt sie mal wieder ins Ruhrgebiet. Dann zeige ich ihr, was sich so geändert hat in ihrer alten Heimat. Oder wir fahren wieder mal nach Schottlandund melden uns zu einem Tässchen Tee mit einem Schuss Whisky.

Kurort Strathpeffer und schottischen Eis

Vor allem ins verschlafene Kurort Strathpeffer würde es mich reizen zu nächtigen in den alten Hotels mit knarzenden Holzparkettböden.

Ein Kurort, der den Bach runterging, als auf dem europäischen Festland Kurorte, wie Pilze dem Boden sprießten. Es lohnt es sich allein wegen dem Eis in dem kleinen Kiosk Strathpeffer Sweet & Co vor dem großen Highland Hotel. Eis können Schotten auch. Und ihre herzliche Gastfreundschaft kommt oben drauf.

Ich war natürlich der letzte im Bus. Zwei riesige Kugeln plus gleichzeitig schnell schöne verschlafene Motive fotografieren bei einem Kurzaufenthalt von 20 Minuten ist schwierig ohne die Kugen zu verlieren. Da kriegt man am Ende Bauchschmerzen vom Verschlingen von Apple und Joghurt Orange. Boah, war dat lecka!

Sie erwähnte, dass es preiswerte Direktflüge von Amsterdam nach Invergordon gibt. Also eine gute Möglichkeit Angela kennenzulernen. Wer sie buchen möchte (unaufgeforderte unbezahlte Werbung)

https://www.hostga.co.uk/members/profile/view/16

Ich bin froh heil zurück gekommen zu sein. Was wäre, wenn die Legeum den Highlander echt wäre. Naja, einen Ruhrpottologe gibt es eben auch nur einmal. Im Schottland würde das auf gälisch ‚Ruhrpoitloige‘ heißen wahrscheinlich…

Kreiert mit ChatGpt

Im Übrigen habt ihr wegen meinem Vorurlaubsstress nicht soviel lesen können. Es sind noch einige Themen offen: Gästeführung auf der Halde mit Michael Weier, Gästeführung in Hattingen, RuhrDax und Pott-Talk, sowie den ein oder anderen neuen Podcast, der schon in der Bearbeitung ist. Mit Jack habe ich wegen der Vorbereitung auf die Jahrhunderthalle und meinem Urlaub keinen vorher geschafft fertig zu stellen. Aber das wird jetzt im Mai und Juni nachgeholt werden.

Heute gab es mal was anderes zu lesen statt Ruhrgebiet, aber mit einer kleinen Parallele durch die Dortmunderin Angela.

Dann sag ich jetzt Goodbye und Glück auf

P.S.: Edinburgh

Edinburgh ist sehr sehenswert, aber am Sonntag war dort sehr viel los. Touristen aus aller Welt waren da. Der Dudelsack war an jeder Ecke zu hören. Volle Straßen. Laut.

Auch auf dem Friedhof Little Hangleton war es voll mit Tourguides, die vom verstorbenen Persönlichkeiten Schottlands sprechen, z. B. dem schlechtesten Poeten Schottlands, William McGonagall, so stehts geschrieben, und das Grab des echten Thomas Riddle, der dort Inspiration zu J. K. Rowlings Lord Valdemort wurde. Natürlich wollen alle dieses Grab sehen…

https://www.pottertour.co.uk/blog/greyfriars-kirk-tom-riddle.html

Harry Potter Führungen sind sehr begehrt
Nur eine bescheidene Tafel an der Wand weißt auf einen Schriftsteller hin, der weitaus weniger Erfolg hatte als Walter Scott
Die Burg von Edinburgh
Whisky Räume überall im Ort
Dudelsackmusik an jeder Ecke bis die Ohren bluten

Leise tritt eine große Stimme und Mahnerin ab: Margot Friedländer Holocaust-Überlebende

Gern hätte ich die kleine große Dame noch kennen lernen wollen. Nun ist die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer am 9.5.2025 genau 80 Jahre nach der Befreiung von Nazideutschland im hohen Alter von 104 gestorben.

SEID MENSCHEN – R.I.P. Margot Friedländer Foto (c) André Brune

Die Sumpfpflanze, fotografiert im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und heutigen Staatlichen Museum in Polen, ist ein Symbol für den Aufbruch von Liebe, Hoffnung und Frieden in Zeiten von neuem Hass, Krieg und weiteren Verwüstungen.

Natur statt Terror soll wachsen in den Lagern.

Jetzt kann sie in Frieden ruhen. Ihr Schlaf war nicht einfach. Jede Nacht aufs Neue hat sie den Terror vom Konzentrationslager Auschwitz vor Augen gehabt.

Dennoch ging sie im hohen Alter zurück nach Deutschland, um von ihren Erlebnissen zu erzählen, damit es nicht vergessen wird und sich nicht wiederholen wird.

Seid Menschen, sagte sie und hatte noch viele Zitate kreiert durch ihre Erfahrungen und Erlebnisse,  über die sie erst mit über 80 sprechen wollte.

Terra X History erinnert:

https://youtube.com/shorts/WZh3zpK_qVM?si=AnFDeuCyp7v1HzgQ

Kürzlich sollte sie den höchsten Orden der Bundesrepublik Deutschland bekommen. Doch wie ein Zeichen starb sie kurz nach den Feiern zu Befreiung von Nazideutschland 80 Jahre nach dem Kriegsende.

80 Jahre lebte sie ohne Terror und in Frieden. Das Erstarken der AfD erschreckte sie und ließ Erinnerungen wieder hoch kommen.

Möge es sich nicht wiederholen, was sie und die anderen Überlebenden erlebt haben.

Im meinem Ruhrgebietsblog ist es mir wichtig die Vielfalt hoch zu halten und auch Margot Friedländer zu erwähnen. Sie besuchte auch das Ruhrgebiet. Und vom Ruhrgebiet aus Bochum und Essen gingen direkte Transporte nach Auschwitz. Und im Rahmen meines Stolperstein Ruhrgebiet Projekts zur Erinnerungskultur ist das ein Muss. Auch im Ruhrgebiet gab es Terror, Lager, Zwangsarbeit und Mord in den Gestappgefängnissen, im Rombergpark in Dortmund, an der nächsten Laterne. Das darf sich nicht wiederholen!

Die Transportlinien der Reichsbahn Richtung Auschwitz- Foto aus dem Museum Auschwitz (c) André Brune

Leider hatte ich nie die Chance sie kennen gelernt zu haben.

Dafür ist in meinem Blog Eva Weyl mit ihrem Vortrag stellvertretend. Sie stand mehr als einmal auf der Liste als Kind nach Auschwitz zu kommen von Westerbork.

https://www.ruhrpottologe.de/vortrag-von-eva-weyl-holocaust-ueberlebende-vom-kz-westerbork-in-der-willy-brandt-gesamtschule-bottrop-i-80-jahrestag-der-befreiung-i-podcast-i-video

„Wir sind alle gleich. Wir sind Menschen,“ mahnte Margot Friedländer.

Hoffnung erwächst in Auschwitz-Birkenau.
Margot Friedländer wurde zum prominentesten Sprachrohr der Holocaust-Überlebenden.

Ihr Überleben konnte uns das Lebendig machen, was wir nicht miterlebten: Der Tod durch Menschenhand jeden Tag überlebend.

Margot Friedländer hat den Holocaust überlebt, lange geschwiegen, doch uns dann mitgeteilt, Mensch zu sein. „Wir sind alle gleich. Es gibt kein christliches, muslimisches oder jüdisches Blut.“

Sie bekam ihre Zeit uns das alles mitzuteilen, was sie schlimmes im KZ erlebt hat. Nun kann sie in Frieden ruhen und für sich den Schrecken der Nazis abschütteln. Sie sind aber noch unter uns, ihr Gift vernebelt unsere Sinne, so wie sie es immer getan haben. Seid wachsam und schaut genauer hin, um nachher nicht sagen zu müssen, dass ich das nicht gewusst habe.

Links:

https://margot-friedlaender-stiftung.de

https://de.wikipedia.org/wiki/Margot_Friedl%C3%A4nder?wprov=sfla1

https://www.spiegel.de/geschichte/holocaust-ueberlebende-margot-friedlaender-ein-jahrhundert-leben-a-419d1294-8b28-469b-b1c8-47eb75d48fde

https://www.jmberlin.de/zeitzeuginnengespraech-versuche-dein-leben-zu-machen

https://www.zdf.de/video/dokus/terra-x-history-102/ich-bin-margot-friedlaender-holocaustueberlebende-100

Bücher

Margot Friedländer und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Ich tue es für Euch: Was wir von einer hundertjährigen Holocaustüberlebenden über Vergebung, Hoffnung und Toleranz lernen können

https://www.osiander.de/shop/home/artikeldetails/A1060873146

***

Malin Schwerdtfeger und Margot Friedländer

„Versuche, dein Leben zu machen“: als Jüdin versteckt in Berlin

https://www.rowohlt.de/buch/margot-friedlander-malin-schwerdtfeger-versuche-dein-leben-zu-machen-9783644104815

Ausstellung Kindheit in der Nachkriegszeit in Bottrop besuchen I Tipp zum 80. Jahrestag der Befreiung I +Fotostrecke I +Video

Die Ausstellung im August – Everding – Kulturzentrum zeigt eure Eltern, Groß oder Ur-Großeltern, wie sie zum Zeitpunkt des Einmarsches der 35. US-amerikanischen Division die sogenannte Stunde Null erlebt haben mussten in Bottrop und Anderswo. Sie beendeten den Krieg vor Ort am 28.3.1945. Sie ist für alle aus dem Ruhrgebiet interessiert gemacht. So sah es überall aus und so war es für jedes Kind damals.

Teaser

https://youtube.com/shorts/_ICVVfjsqqI?si=vPh8cYBjYDD2HRkH

Der Krieg ging aber für Deutschland noch bis zur endgültigen Kapitulation bis zum 8.5.1945 weiter, auch wenn das Herz der Kriegsmaschine Hitlers, das Ruhrgebiet, schon längst eingenommen wurde.

https://youtu.be/S9AYxy-LQ_4?si=g2rwoDBonVZSzcyh

Auf den ausgestellten schwarz-weiß Fotos sind spielende, musizierende, hungernde Kinder zu sehen, die versuchen zwischen den Ruinen ein relativ normales Leben zu führen.

Wir können es heute 80 Jahre nach der Befreiung von Hitlers Nazideutschland nur in kleinen Fotorahmen, den Erzählungen von Überlebenden, in der Videoinstallation oder die Leihgabe der echten Exponate der Army von der Familie Siebert, die sich Liberating Gelsenkirchen nennen, verstehen lernen.

Niemand kann sich heute aktuell den Hunger und den täglichen Kampf ums Überleben von damals noch vorstellen. Außer man schaut sich die aktuellen Nachrichten aus Gaza oder den Frontlinien in der Ukraine an.

Wir gehen heute in den Supermarkt und kaufen, was wir brauchen. Damals gab es nichts mehr. Die komplette Wirtschaft war zusammen gebrochen. Soviel zum totalen Krieg den Göbbels in einer Rede vom Zaun gebrochen hat, als schon klar war, dass Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen konnte.

Verbrannte Erde, Zerstörung und unendliches Leid und Tod durch diese faschistische Ideologie gingen für noch viele Menschen daraufhin in die Geschichte ein.

In dieser Ausstellung werden die Kinder in den Vordergrund gestellt mit Fotos von Fotos aus der Sammlung von Michael-Andreas Wahle. Sie sind gefunden worden als die Briten abzogen. Der Fotograf ist nicht zu ermitteln gewesen. Einige können auch aus Berlin stammen, weil man den Rosinenbomber sieht, der damals den Westteil versorgte. Im Erdgeschoss sind neben der Videoinstallation den Erlebnisberichte von Bottropern, auch Lebensmittelkarten, Hygieneartikel und ein berühmtes Carepaket zu sehen.

In der zweiten Etage im Rahmen von ‚Stunde Null‘ sind Fotos aus dem Stadtarchiv, die festgehalten haben, als die amerikanischen Soldaten Bottrop eingenommen haben und endlich kein Schuss mehr fiel. Wenige Tage später tauchten die Briten auf, die das Ruhrgebiet besetzt hielten und die Verwaltung übernommen haben für einen Neustart.

Auf einem Foto sieht man vor dem Postgebäude eine Militärparade.

Auf einer Pinnwand sieht man Informationen der Besatzer und die Bottroper Nachrichten, die in Deutsch und Englisch Informationen der Militärregierung der Briten mitgeteilt.

Die Gespräche mit den Kindern von damals sind schon 2005 von der Stadtarchivarin Heike Biskup zum 60. Jahrestag aufgenommen worden. Drei Stunden Filmmaterial lassen einen die Zeit nicht kalt werden und sind ein wichtiges Zeugnis für die Erinnerungskultur.

https://youtube.com/playlist?list=PLM9YbHRKOpCqGuhIVN97k4NZHpG8P8CZx&si=m-4fn4438-6kQz1Z

Heike Biskup hat umfangreiche Recherchen für diese Ausstellung aus britischen und amerikanischen Nationalarchiven zusammengestellt. Private Leihgaben mit Objekten und Dokumenten aus der Zeit machen die Ausstellung, die auch für Menschen aus dem gesamten Ruhrgebiet interessant sind, nahbar.

In der Innenstadt sind an einigen Stellen Banner aufgestellt, wie es zum Zeitpunkt der Stunde Null mit den Kriegszerstörungen ausgesehen hatte. Jetzt wurde auf dem Youtube-Kanal der Stadt Bottrop der historische Rundgang von der Stadtarchivleiterin Heike Biskup zu den Standorten der Banner veröffentlicht:

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Von dem Liberation Weekend am 11. und 12. April, habe ich schon berichtet und ein kleines Interview und Podcast zusammengestellt mit Melanie, Jonas und Philipp Siebert von Liberating Gelsenkirchen :

https://www.ruhrpottologe.de/zeitreise-zur-stunde-null-i-mit-liberating-gelsenkirchen-die-ausstellung-kindheit-in-der-nachkriegszeit-in-bottrop-besser-begreifen-i-videopodcast-i-podcast-i-fotos

Sie übernachteten in den Zelten der aufgebauten Sanitätsstation, wie es damals für die Menschen gewesen sein musste so ohne Strom.

Um die Geschichte von damals erlebbarer zu gestalten hat die Stadt Bottrop mit Liberating Gelsenkirchen zusammengearbeitet. Der Militaria – Experte Philipp erzählte den Besuchern die 3D – Modelle und Munition, sowie das Chirurgenbesteck, die verwendet wurden, um die Geschichte im Rahmen der Ausstellung erlebbarer zu machen.

Außerdem wurde und sind spezielle Filme und Lesungen im Filmforum an bestimmten Tagen zu sehen sein auch über die Ausstellung hinaus. Wer nun das alles nicht geschafft hat und trotzdem es sehen wollte, der hat nun in der Fotostrecke die Möglichkeit die Bilder zu sehen und einen Film aus der Videoinstallation. Damit die Ausstellung nicht ganz in Vergessenheit gerät.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10.5.2025 im August Everding Kulturzentrum auf der Blumenstraße 12-14 kostenlos zu besuchen.

Weitere Infos zur Ausstellung :

Adresse :

August Everding Kulturzentrum

Blumenstraße 12-14 in Bottrop

Öffnungszeiten

Mo – Fr: 9-20 Uhr

Sa: 9-12 Uhr

Stadt Bottrop

https://www.bottrop.de/kultur-und-bildung/stadt-_und_zeitgeschichte/stadtarchiv/stunde0kinder.php

https://nrw.volksbund.de/aktuell/projekte/artikel/kriegsende-nrw

https://www.bottrop.de/kultur-und-bildung/aktuelles/stundenull1_25.php

Liberating Gelsenkirchen

https://liberating-gelsenkirchen.de

Fotostrecke Erdgeschoss (c) André Brune

Fotostrecke 1. Etage (c) André Brune